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Die Stimme · 1938-01-26 · Heft 724 (26.1.1938) · page 3

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Journal
Die Stimme
Volume
11 (1937-1938)
Issue
Heft 724 (26.1.1938)
Date
1938-01-26
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Ni. 724, — Wien, Mittwoch, 26. Jänner 1938. Seite 3 Die rumänische Holle: Unte^^^n^Dlkta^derElsernenGarde (Von unserem nach Rumänien entsendeten Sonderberichterstatter) wünschen fibri einen präeht Straße, die die Pniehtstraße, t sich LllXURVlli; dieser Viüensti maligen Mahr Miami ansrcleg fände, längs einer durch jen Riesenpark führenden Fortsetzumr der Bukarester er" Calea Victoriei. ist. reiht, an Luxnst iila. und abseits tße hat man in einem ehetaebiet. einen künstlichen phantastischen Strand ä ta Bukarest, 25. Jänner. Außer dem Staatsbürgergesetz;— das allerdings einen besonders gefährlichen Angriff auf die Existenz der Juden bedeutet — hat die rumänische Regierung in der Form von Gesetzen und Verordnungen eigentlich noch wenig gegen die Juden unternommen. Aber es ist dennoch alles, was gegen die Juden zu geschehen hat, bereits praktisch im Stadium der Verwirklichung. Die wahren Herren des jüdischen Lebens sind die Präfekten, das sind die Leiter der provinziellen Verwaltungsbehörden. In Rumänien wechselt nämlich mit jeder Regierung auch das Personal auf den leitenden Verwaltungsposten. Es wird gleichfalls durch Neuwahlen ersetzt, aber die Regierung Goga hat „provisorische Ausschüsse“, durchwegs au« ihren Anhängern bestehend, eingesetzt, die bis zu den Wahlen für die Verwaltungskörper die Geschäfte der Provinzbehörden leiten. Die Wahlen für diese Körperschaften finden noch vor den Parlamentswahlen am 20. und 28. Februar statt. Oie Präfekten machen Politik Die Präfekten und die „provisorischen Ausschüsse“ vollstrecken nun im ganzen Land auf eigene Faust das antisemitische Programm. Das ist gegenüber a'Ien anderen Behauptungen die Wahrheit. Begonnen hat es mit dem Verbot der Beschäftigung von christlichen Dienstboten unter vierzig Jahren in den jüdischen Haushalten. Ein diesbezügliches Gesetz besteht noch heute nicht. Die Verordnung, die am 15. Jänner im Amtsblatt erschienen ist, hat formell keine Gesetzeskraft. Sie ist, so erklärte mir ausdrücklich der Direktor des Pressedienstes im Außenministerium, nur eine „ministerielle Entscheidung“, die weder vom Ministerrat bestätigt noch vom König unterschrieben. wurde. Sie bindet also niemanden. Aber darum kümmern sich die Präfekten nicht. Überall dort, wo nicht die Gefahr einer massenhaften Arbeitslosigkeit besteht, erlassen sie selbstherrlich Befehle, daß die christlichen Dienstboten die jüdischen Häuser zu verlassen haben. In verschiedenen Städten mußten sie, nachdem es zu Demonstrationen der brotlos gewordenen Dienstboten gekommen war, ihre Befehle wieder zurücknehmen. In Bukarest selbst, wo viele Tausende von Mädchen um ihre Arbeit kämen, hat mau auf Anfragen ausdrücklich erklärt, daß die Anordnung nicht durchgeführt werde. In der kleinen Stadt G a e s t i, wo die Dienstbotenverordnung auf Befehl des Präfekten durebgefübrt wurde, brachte man die Mädchen nachher zur Gendarmerie, um sie zu untersuchen, ob sie unberührt seien. Diejenigen, bei denen die Untersuchung nega-! tiv ausfiel, wollte man dann zwingen, den:! Juden anzugeben, mit dem sie Verkehr gehabt hätten. Als die Mädchen durchwegs erklärten, es seien gar nicht Juden, sondern ihre christlichen Geliebten gewesen, wollte man sie durch Schläge zu einem „Geständnis“ zwingen. Nachdem auch diese Methode erfolglos geblieben war, entließ man die Mädchen mit dem strengen Befehl, sofort in ihre Dörfer zurüekzukehren. Doch die Frage der Dienstboten, die ja nur zur Diffamierung der Juden erfunden ist. scheint das Regime selbst nicht sonderlich zu interessieren und ist mehr eine sportliche Angelegenheit der beiden Cu za. Systematisch und ständig neue Gebiete er-1 fassend, geht der wirtschaftliche Vernich-1 tungskampf vor sich. Auch auf diesem Ge-1 biete gibt es außer dem noch von der Re-1 gierung Tatarescu erlassenen Gesetz über] die Nationalisierung der Wirtschaft noch! keine Anordnung mit Gesetzeskraft, son-j dern nur Programmpunkte und Ankündigun-I Oer Ratgeber des Königs Der wirtschaftliche Vernicbtungskampf erstreckt sich auf alle jüdischen Positionen und vernachlässigt keine einzige jüdische Existenz, Es ist möglich, ja sogar wahrscheinlich, daß, wie es auch zu anderen Zeiten brutaler Judenverfolgungen geschehen ist, einige privilegierte Juden oder Ex-Juden alles glücklich überstehen, so zum Beispiel der getaufte Herr Ausschnitt (oder wie er seinen Namen romanisiert schreibt: Ausnit), ein immens reicher Eisenimlustriel'er, wirtschaftlicher Ratgeberund Manager des Königs, aber die Masse der Juden bis hinauf in die mittlere und obere Bourgeoisie wird von dem Apparat restlos erfaßt werden. Die sozialen Spannungen Zum besseren Verständnis der Vorgänge in Rumänien muß hier einiges über die inneren Ursachen der letzten Entwicklung und über die tatsächliche Kräfteverteilung gesagt werden (die durchaus nicht analog ist der Verteilung der offiziellen staatlichen Machtpositionen). Das Elend der Bauern In Rumänien herrschen soziale Spannun- _?n von einer Schärfe, die sich der Westeuropäer nicht vorstelica kann. Die Masse der Bauern, die über achtzig Prozent der Bevölkerung ausmacht, lebt, im tiefsten Elend. Es ist bezeichnend, daß die Regie-] Gotra sofort nach der Übernahme der j Macht, den Preis für Salz, Petro-! m und Baumwolle herabgesetzt um für sich Stimmung im Volk zu machen. Nun beträgt die Ersparnis im Haushalt des Bauern auf Grund dieser Preisherabsetzungen höchstens 30 Lei Im Monat, das sind 80 bis 90 Groschen! Mit einem solchen Geschenk glaubte die Regierung, sich eine öffentliche Meinung kaufen zu können. Tatsache ist, daß Salz, Petroleum und Baumwolle, aus der der Bauer selbst seine Stoffe spinnt (um auch die Kleider selbst zu, nähen), die wesentlichen Posten seiner Bareinkäufe ausmachen. Wa® er sonst noch konsumiert, sind Lebensmittel, genauer gesagt, ist es im wesentlichen ein bestimmtes Lebensmittel, nämlich der Mais. Den er-! er selbst — er ist aber auch das ein-; zige seiner Produkte, das er auch ver-; braucht,, denn die edleren Erzeugnisse seiner Wirtschaft., Getreide und Fleisch, muß er verkaufen. Eine Vcrbilligunsr von 8alz. Petroleum und Baumwolle bedeutet also wirklich eine ernste Erleichterung für den Haushalt des Bauern. Für die etwas besser situierten Bauern hätte man gern auch den Zucker verbilligt, aber eine sehr hohe Persönlichkeit ist Großaktionär der rumänischen Zuckerindustrie (die Pakete wurden ihr erst vor kurzem von Herrn Ausschnitt aufgekauft). Darum unterblieb die Verbilligung des Zuckers. Über die Hälfte der rumänischen Bauern sind Ana! p h a b e t e n. In Altrum ' eklen viel r Ma Beßarabiun ist der F ständige Erscheinung, die Zahl der Lu e tik e r ist, außerordentlich groß. Die K i n d e r- Sterblichkeit beträgt fünfzig Prozent. Es gibt Dörfer, von denen der nächste Arzt dreißig Kilometer entfernt wohnt Der Luxus In Bukarest Gegenüber diesem Bauernelend herrscht in der Hauptstadt Bukarest ein Luxus, wie ihn kaum eine westliche Stadt kennt. Ganze Stadtteile mit Hochhäusern modernster Konstruktion, mit höchstem Luxus in der inneren Ausstattung, sind in den letzten Jahren entstanden, Regierungs- und Verwaltungspa-läste, die Milliardenheträge gekostet haben, wachsen aus dem Boden, die Kinopaläste und UnterhaltungslokaJe j sind wie aus einem Märchen geschnitten, j Autotaxis gibt es nur in allerbesten Marken. | neue Hotels sind entstanden, in denen der] anspruchsvollste Dollarmillionär nichts zu! Und so nie Bukarest aussieht, so lebt es auch. Hier werden ungeheure Gelder verdient und ausgegeben. Dieses luxuriöse Leben hat natürlich letzten Endes der Bauer zu bezahlen. Er schwitzt und hungert für die Stadt. Er stirbt an der Malaria, während sieh Bukarest aus seinen Malariasümpfen ein Strandparadies baut. 20.000 arme jüdische Familien In der Hauptstadt Aller Reichtum des Landes fließt in der Hauptstadt zusammen. Die Provinzstädte zeigen einen guten bürgerlichen Wohlstand, nicht mehr. Armut herrscht nur in einem Bezirk von Bukarest: im Ghetto. Es Ist wohl eine der schlimmsten Lügen des Antisemitismus, wenn er behauptet, die Juden lebten auf Kosten des rumänischen Volkes. ln Bukarest leben 80.000 Juden, das sind 25.000 Familien. Etwa 20.000 Familien leben im Ghetto in einer Armut, wie sie nur der jüdische Osten kennt Von den übrigen 5000 Familien sind höchstens dreißig oder vierzig wirklich reich und vertilgen über Vermögen; davon wieder sind höchstens fünf der Geldaristokratie zuzuzählen. Etwa, tausend Familien verfügen über großes Einkommen, ohne Vermögen zu besitzen, der Rest der fünftausend lebt in bürgerlichen Verhältnissen. Die Wirtschaft beherrschende Positionen besitzen Juden nicht. Die Banken, bei denen sich alle Wirtschaft konzentriert, sind durchaus in den Händen von Rumänen. Die ge sc M-rall >. Ursa eh i Fase.bism der r ja_ii der Reaktion die sozialen Beweggründe foststellen können. Es drängt sich der Vergleich mit dem russischen Zarismus auf. der aus Angst, vor den Bauern den Antisemitismus organisiert hat. Wie sich der Faschismus entwickelte In Rumänien hat der Faschismus seine Entwicklung nach einem überwältigenden Wahlsieg des stebenhürgisehen Bauernführprs Man in (im Jahre 1928) begonnen. der Alarmschuß für Mar. r daß e geplanten Reformen aueli nur hätte, beginnen können, wieder gestürzt,. Von da an ging es in gerader Linie zum Faschismus. Schon die sogenannte liberal« Regierung Tataregen machte eine scharfe nationalistische Politik und sio begann auch mit der Realisierung des antisemitischen Programm®. Plötzlich wurde der alte antisemitische Fariatiker Cuza, der seit, fünfzig Jahren sein Palästinensischer Dialekt Von Z. M. Ben-Yossef {Jerusalem) Hebräisch ist in Erez Israel anders als in der Gal: h. Denn, wenn in der Galuth Hebräisch vor allem gebetet, dann etwa auch gelesen, erst seit kurzem geschrieben und dann erst gesprochen wird, so ist es in Erez Israel gerade umgekehrt: ein Großteil kann (oder erlernt im Laufe der Zeit) hebräisch sprechen, aber nur etwa sieben Achtel können hebräisch lesen (und gut verstehen), während die Anzahl der Schreibkundigen noch etwas kleiner ist. Demgemäß ist Hebräisch in Erez Israel vor allem Umgangssprache. Unschätzbare Dienste leistet die Zeitung als Sprachlehrern (und unsägliche Verheerung richten die deutschen Nachrichtenblättchcn an!) Die Zeitungen „Dawär“ und „Hadrez“ zum Beispiel führen eine ganze Seite im punktierten Hebräisch (sie ist im Satz sehr teuer!); im „Dawdr“ heißt sie „La Oleh“ (dem Einwanderer), und dieser Name ist zum Begriff, zur nationalen Institution und zum Namen für die punk-j tierte Seite auch der anderen Zeitungen ge-! worden. Dieser „Oleh“ steht auf der Rückseite der Abendausgabe und bringt die Nachrichten des letzten Tagblattes (manchmal allerneueete Nachrichten), kurze Artikel über G&luth-Fragen und über verschiedene Kuriosa, außerdem ein Feuilleton, das von allen Zeitungslesern gelesen wird. Der Zeitung als Sprachlehrer» kommt nur noch das Radio annähernd gleich, das die fachtechnische und amtliche Sprache in gebundener Rede verbreitet. 1 Sehr eindringlich sprechen die Plakate und Geschäftsschilder, die öffentlichen Kundmachungen und die Reklamedrucksorten, die auf der Straße verteilt und ins Haus geschickt werden. Aus ihnen lernt man Worte und Sätze über Kino und Theater, über Siedlung, Kredit und Zinsfuß sowie über die Gewerbe und ihre Produktion. Die Drucksorten, die ins Haus kommen, kann man mit Muße durchlesen. Sie unterrichten als Gebrauchsanweisungen über Krankheiten und Schmerzen, über Ungeziefer, über Desinfektion, über Zahnstein und Zahnemail, über Putzerei. Kragenstärken, Kunststoffen, Stricken, Färben, über Photo und über Kochgeschirr. Und wenn man zwei Piaster übrig hat und es auf sich nimmt, die vorzügliche neue Pischinger-Schokolade zu essen, so findet man in jedem Päckchen Tierbilder mit hebräischem Text, die Zoologiekenntnisse vermitteln. Was Bücher anlangt, so werden sie leider wenig gelesen, obwohl auf allen Gebieten und auch im Roman viel Gutes erscheint Ja, man kann sogar beobachten, daß die hebräische Jugend vielfach die hebräische Übersetzung der Weltliteratur bevorzugt. Die Lieferanten des Sprachkonsuxns Der Spraehkonsum des täglichen Lebens wird, vom Namen eines neuen Industriei erzeugnissee und seiner Maschinen angefangen bis zum amtlichen und Gerichtsstil, größtenteils aber von der allerhöchsten Instanz, dem „Waad-Halaseho'n“ (Spraebausschuß) beliefert. Er sucht alte Worte auf und erfindet neue. Aber nicht immer sind solche Ausgrabungen und Erfindungen gelungen und oft wird vom Waa.1 ein Wort verlangt, das nur derjenige zu nennen weiß, der die Wesenheit der Sache durch und durch erkannt hat. So kommt es denn also, daß manche Dinge keinen Namen bekommen oder einen unrichtigen. Das Leben setzt sich über die Beschlüsse des Sprachkomitees hinweg und schafft eigene. Die aus der Arbeit, in Stadt und Land fließende Erfahrung und die Namen, die da gegeben gebend ist. bei Fachausdrücken, was der Tischler, der Elektriker, der Landarbeiter und Matrose sagen. Sie sind die eigentlichen Ohaluzim des jetzigen Hebräisch. Der Dialekt der Jugend Aber außer ihnen wirktnoch der Sport. Eine hebräische Sportzeitung, durchaus flott und lebhaft im Stil, klärt, uns bald darüber auf. daß es eine regelrechte hebräische Sportsprache gibt, eine Fußball-, eine Termisspraohe. eine Box- und eine Reitsprache, eine Fecbt- und Turnspracbe überhaupt Diese Sportidiome bringen Anatomiekenntnisse und Bewegungsverba unter die Leute. Sie entwickeln eich selbstverständlich besser in Städten mit viel Jugend, in Tel-Aviv und Haifa Jerusalem wieder ist Sitz der wissenschaftlichen Ausdrücke und der Kunstsprache (Bezalel). Da die Jugend in der Schule alle möglichen Fächer in hebräischer Sprache lernt und da sie zu keiner Aushilfssprache Zuflucht nimmt, so gibt sie vor allem dem Hebritischen Impuls und Gepräge, Sie setzt sich über die Beschlüsse des Waad Halaeeho'ii natürlich viel leichter hinweg als ältere_ Leute und spricht eine aus Erlerntem und Erfundenem zusammengesetzte Sprache, allüberall: im Kibbuz und in der Stadt. Sie spricht Dialekt. Wenn man anstatt „enenni jodea“ sagen hört „anilo jodba“ und dergleichen viel, viel mehr, so ist man anfangs geneigt, entsetzt zu sagen: das ist, nichthebräisch oder gelinde: das ist ganz falsch! Da aber solche Sätze aus dem "Munde der Jungen kommen, die cs besser wissen und seihen Munde. dr-r im nächsten Augenblick die iebenswarmen Worte „AI lekaschkdsch li baknmkinn!“ (So red’ mir doch kein Loch in den Bauch!) oder „nn. jafeh hitcharbänta?!“ (Na, jetzthast du dich schön blamiert!); und da diese Dinge von den Eltern nachgesagtwerden und, als Echo dessen, was der Schuster, der Schaffner, der Milchmann, der Schutzmann und der Briefträger sagen, zuguterletzt auch dem Munde des Universitätsprofessors entschlüpfen, so ist wohl anzunehmen, daß das eben nicht mehr verdorbenes Hebräisch, sondern hebräischer Dialekt ist, der sieh bis zu einem kleinen Grade sogar regional in Jerusalem, in Haifa und im Enuk und in Tel-Aviv mit seinen Pardemin entwickelt. Diesem Dialekt, der manche Worte prinzipiell boykottiert and zum Beispiel jeden, der anstatt „an! rofzoh“ (ich will) „ani chafez“ und (wieherndes Gelächter!) anstatt „efoh atäh?“ (wo bist duV) gar „ajekkah“ sagt, für gestern ins Land Gekommene er-

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