Mannheim
Compact Memory

Die Stimme · 1938-01-19 · Heft 721 (19.1.1938) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Stimme
Volume
11 (1937-1938)
Issue
Heft 721 (19.1.1938)
Date
1938-01-19
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3053752-3054431-3054478--7232-3520416
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Kr, 781. -e Wien, Mittwoch, 19. Jänner 1988. 0» STIMME Seite 3 Ansiedltsng der allgemein-zionistlsehen Chaluzini, Nach einem erschöpfenden Bericht des Vorsitzenden des Verbandes über diese Fragen find nach einer weiteren Debatte wurde mit Befriedigung festgestelit, daß die Ideologie und die programmatischen Forderungen des Verbandes systematisch in immer weitere Kreise der allgemein zionistischen Bewegung eindringen. Mit Genugtuung wurde eme gesteigerte Aktivität des Zentralkomitees des Verbandes in Kongre߬ Konzipient aut flateitulertom Haue«, auch Anfänger, wird fBr Provinzkanzlei aufgenomman. Stenographie und Maechintohreiben Bedingung. Mil Kennt' niaeen der kroatischen Sprache bevorzugt. Offerte unter „Konzipient“ an die Adm. d. Bl Vom Weltverband der Allgemeinen Zionisten Die Leitung der Europazentrale des Weltverbandes Allgemeiner Zionisten teilt mit: Mitte Jänner 1988 fand in Krakau eine Plenarsitzung der Europazentrale des Weltverbandes Allgemeiner Zionisten in Anwesenheit von zehn Mitgliedern der Leitung statt Zu Beginn ehrte die Leitung das Andenken der letzten in Erez gefallenen Juden sowie da« Andenken Bertold Feiwels. Nach einem umfassenden Referate des Vorsitzenden Dr. L Schwarzbart über die politische Situation entwickelte sich eine rege Debatte. Es wurde beschlossen, gegen die Verscbleppungemethode, wie sie lat letzten Weißbuch zum Ausdruck kommt, energischen Protest zu erbeben. Jeder Versuch, die Palästinafrage auf der Basis der Festlegung der Juden als Minorität im Lande zu lösen, wurde als undiskutabel abgewiesen. Von der Exekutive wird die Einberufung einer Plenarsitzung des Aktionskomitees sowie eine froße politische Aktion und die Aktivierung es jüdschen Volkes für Palästina verlangt. Zu diesem Zwecke wurde die Forderung der Vereinheitlichung der zionisti sehen Politik nach außenhin in der gegenwärtigen schwierigen und verantwortungsvollen Situation aufgestellt Schließlich wurde beschlossen, daß der politische Kampf um eine volle Alijah auch während der Übergangszeit bis zur Regelung der Palästinafrage mit allem Nachdruck fortgesetzt werden soll Das Präsidium der Leitung wurde beauftragt, ein entsprechendes Memorandum über die politische Situation der Exekutive zu unterbreiten. Im weiteren Verlaufe der Beratungen befaßte sich die Leitung mit der Lage innerhalb des Verbandes in Erez Israel und in der Galuth sowie mit dem Problem der polen und die dort erfolgte Gründung des Wochenblattes „Die Cijonistische Welt“ festgestellt. Die Leitung hob die Bedeutung des letzten Vertrages der Histadruth mit dem Irgun der allgemein zionistischen Arbeiter sowie dessen Anerkennung durch die Exekutive hervor. Dem Irgun wurde für seine bisherige _ Tätigkeit Dank ausgesprochen. Die definitive Ansiedlung des Kibbuz „Akiba“ aus Chederah im Seharoin wurde als erfreuliche Tatsache betont, und die Exekutive aufgefordert, auch die Ansiedlung des Kibbuz „Hanoar Hazioni“ rasehestens zu ermöglichen. Die Keren-haowed-Aktion wurde in einigen Ländern mit Erfolg durchgeführt und soll demnächst auch in weiteren Ländern durebgeführt werden. Schließlich wurden die Bestrebungen einer Zusammenfassung und Verständigung der allgemein zionistischen Kräfte, mit besonderer Berücksichtigung der allgemein zionistischen Bewegung in Palästina und in Polen, besprochen. In dieser Angelegenheit faßte die Leitung eine Reihe von Beschlüssen. Der jüdisch-akademischen Jugend in Polen, insbesondere auch dem Verbände der allgemein zionistischen Hochschüler ,,H. A. Z.“ wurde der Dank für die würdige Haltung im Kampfe um die Gleichberechtigung ausgesprochen. Nach einer weiteren Debatte über die Clearingsfrage zwischen Polen und Palästina wurde die Sitzung in später Nachtstunde geschlossen. Zion. Bexl>k«»ek Ion und W>ZO XX Samstag, 5. Februar, ’/»9 Uhr abends, findet in den Festsälen des Handelsmuseums, Wien, IX., Berggassei ein repräsentativer Gesellschaftsabend mit Akademie und Tanz statt. Micescu über die Judenfrage in Rumänien Genf, 18. Jänner. (Privat.) Der hier weilende rumänische Außenminister Micescu, der bei der am 26. Jänner beginnenden ordentlichen Ratstagung nicht nur sein eigenes Land, sondern auch die Kleine Entente zu vertreten haben wird, dementiert im „Journal de Geneve“ ausdrücklich, daß er den Rat mit dem jüdinächst jene, die von der bolschewistischen Flut aus Rußland ins Land eingeströmt sei. Eine zweite Einwanderung erfolgte während der ungarischen Revolution Bela Kuns und eine dritte nach der Machtergreifung Hitlers. Diese drei FlüchUingskategorien könnten sich nicht auf Minoritätenrechte berufen. Wenn die eigentlichen rumänischen Zionistische Bezirhssek Ion und (012014/15 vsiaosaten Sonntag, 30 Jflnner 1938, in Festes des Mol fin, XV.. Turnergasse 9 njfion If an^AMIkK nklftiiaO Fs wirken mit die Oberkantoren Ein er», Krstitsteln, Mar<*oll«v u. Mütter, cillcll ItfMIUrdf aUBllllt Karten erhältlich: Speisehaus Josefine Fixier, XV., Thalgasse 11; Cafe Mariensäte, XIV., Sechahauserslraße 52; S. Feuer, Wirk Warengeschäft. XII., Sehöabru'nnerstraße 187, und Jeden Mittwoch von 8 bis 10 Unr im Sektonsheito, XV., Herklotzgasse 21. sehen oder dem Minoritätenproblem in Rumänien zu befassen gedenke. Rumänien beabsichtige nicht, andere Länder mit seinen inneren Angelegenheiten zu befassen. Wenn aber die Frage aufs Tapet gebracht werde, dann werde der rumänische Außenminister mit entsprechenden Argumenten erwidern. Micescu sagte, die Juden Rumäniens würden einen schweren Fehler begehen, wenn sie sich mit den rumänischen Minoritäten auf eine Stufe stellen würden. Rumänien denke nicht daran, die Juden, die sich auf seinem Gebiete schon vor dem Kriege befanden und dort das Heimatrecht besaßen, als Minorität zu behandeln. Diese Juden genössen, so behauptete Micescu, in seinem Lande völlige rechtliche Gleichheit mit den anderen Volksteilen. Beabsichtigen sie wirklich auf dieses Privileg zu verrichten? Man muß eine Unterscheidung zwischen den verschiedenen Kategorien von Juden machen, die in Rumänien leben. Das Land habe drei Flüehtlingswellen erlebt. Zu- Juden sich mit ihnen nicht solidarisch erklären, werden sie jetzt nicht betroffen. * Die Versicherungen Micescue stehen im Widerspruch zu den bereits erfolgten Verfügungen, die alle Juden des Landes betreffeu. Der Minister will die Juden dazu zwingen, sich von den sogenannten Zuwanderern zu trennen und sie preiszugeben. Es ist auch zu bemerken, daß bereits unter der früheren liberalen Regierung Tatar es cue eine Revision der in der Nachkriegszeit erworbenen Staatsbürgerschaften vor eich ging. * Revidierung der Naturalisierungen Bukarest, 18. Jänner. (Orient-Radio.) Der Ministerrat, der unter dem Vorsitz des Ministerpräsidenten Goga tagte, hat folgendes Kommunique herausgegeben: Der Ministerrat hat ein Gesetzesdekret, betref¬ VLADIMIR JABOTINSKY spricht über das Thema : Jer Kamp! uoi du jud stiiee Staat ‘ am Montag, den 24 Jär ner1938, 8 Uhr abends, im Großen Musikvc e nttaal, I., Bösendorierstraße 12. Karten von S 1’— bla 8 t>*-~ erhältlich : takra» tartat dar Kau-Z. 0. U* AapambrQckangssaa 2. Tai. R 45-1 -38 U. fend die Revision der durch Ausländer ln betrügerischer Weise erlangten Naturalisierungen, vor gelegt. Es wurde beschlossen, daß die Remsion ln einem beschleunigten Verfahren gemäß den bestehenden Gesetzen und Im Rahmen der Internationalen Minderheltenschutzv ertrüge vollzogen werden wird. Die Gesamtdurchführung wird den Rechtssprechebungsorganen obliegen, welche die von den Gemeindeverwaltungen aufgostellten Listen überprüfen werden, wobei grundsätzlich wegen jeder falschen Angabe die öffentliche Anzeige möglich ist. Das Gesetzesdekret wird ln wenigen Tagen endgültig in Kraft treten und sofort angewendet werden. Jiddisch in BessaraMen verboten. Bukarest, 18. Jänner. In BeesarabieB werde der Gebrauch der jiddischen Sprache von den Behörden untersagt, * Der jüdische Board Englands beschloß nach einem Referat L a s k i s, die Aufmerksamkeit der Regierung auf die Drohungen Goga« zu lenken. Der Sekretär des Komitees weilt gegenwärtig in Genf, um, sobald die Frage der Minderheiten in Rumänien im Völkerbnndrat aufgerollt wird, bei der Erteilung nötiger Informationen behilflich zu «ein. Die Juden Jugoslawiens ohne Vertretung Belgrad, 18. Jänner. (JTA.) Oberrabbiner Dr. I. A1 k a 1 a y, dessen Funktionsperiode als Senator soeben abgelaufen ist, ist von der Regierung nicht wieder ernannt worden. Dr. Alkatay hat die jugoslawische Judenheit im Senat seit dessen Schaffung vertreten. Die siebzigtausendköpflge jüdische Bevölkerung Jugoslawiens bleibt in beiden Häusern des Parlaments ohne Repräsentanz. Man ist überzeugt, daß die antijüdische Propaganda von Deutschland her, und zwar durch die deutsche staatliche Touristengesellschaft, subventioniert wird. Die führende antisemitische Zeitung in Jugoslawien „Balkan“ wird ebenfalls aus reichsdeutsehen Quellen erhalten. Unbekannte Täter haben die Fenster der spaniolischen Synagoge in Belgrad zertrüm- A&dias adec du fttkk den QatuiU Ein Beitrag zum Stifter-Jubiläum. Wie ein steil zum Himmel emportrotzender erratischer Feie ragt aus den kaum von Erregung gewellten Gedankenidyllen des österreichischen Dichters Adalbert Stifter fremd und gewaltig seine Erzählung von dem unheimlichen Juden Abdias hervor. Für dem Biographen ist sie wichtig, denn hierin — und nirgends sonst in seinen Schriften — spricht ihn ein Leidem, eine Leidenschaft an, die der Autor sonst zu unterdrücken verstand, weil nach seiner poetischen und menschlichen Hauptlehre Leidenschaft „immer unsittlich“ ist; ,Abdias“ zeigt den anderen, dem dunklen, von Dämonen gepeinigten Stifter, den Unseligen, der sich in einer düsteren Jännernacht des Jahres 1868 mit dem Rasiermesser die Kehle durchschnitten hat. Für uns Juden aber ist diese große Novelle bedeutsam, weil sie, ein Meisterwerk der Weltliteratur und wohl auch die ergreifendste Schöpfung Stifters, in die Reihe der Versuche christlicher Künstler gehört, die ihre dichterisch-visionäre Kraft au dein Urphänomen „Jüdisches Volk“ messen wollen. Stifter hat, wie sein Briefwechsel beweist, mit Wiener jüdischen Literaten verkehrt, er Ist wohl auch zuweilen Gast künstlerisch aufgeschlossener jüdischer Patrizierfamilien gewesen. Bewundernswert, daß diese immerhin flüchtige Bekanntschaft mit der zeitgenössischen Judenheit dem Diobter genügte, um von einem — fingierten — Joden der Voxemnnsipatteaezelt ein Bild zu entwerfen, das die typischen Züge des entwurzelten, gottentfremdeten Volksrestes aufweist. Wir schauen freilich nicht gern in den Spiegel, den uns dieser nichtjüdische Menschenkenner vorhält — wir dürfen es tun, denn „sine odio et ira“ hat der reine Genius Stifters seinen Stoff gestaltet: „Wer vielleicht von ihm (Abdias) gehört hat, oder wer etwa gar noch die neunzigjährige gebückte Gestalt einst vor dem weißen Häuschen hat sitzen gesehen, sende ihm kein bStteres Gefühl nach — weder Fluch noch Segen, er bat beides in seinem Leben reichlich geerntet...“ Elend und verkommen leben in einer Wüste Nordafrikas „Kinder jenes Geschlechtes, welches das ausschließendste der Welt, starr bloß auf einen einzigsten Punkt derselben hinweisend, doch in alle Länder der Menschen zerstreut ist und von dem großen Meere gleichsam auch einige Tropfen in diese Abgelegenheit hineinverspritzt hatte“. Was ist diesen stumpf Dahinvegetierenden von der Kraft der biblischen Israeliten, von der Weisheit der Propheten, von dem Stolz der Makkabäer geblieben? Von den wilden Berbern verachtet, getreten, treiben die Armseligen untereinander und mit den Wüstenstämmeu Handel. So leben auch beute noch im arabischen Spraohbereich tausende unserer Brüder unter den schlimmsten Lebensbedingungen, bar jeder höheren Kultur, der großen Volksüberlieferung entfremdet. Doch da ist Aron, der reichste unter den Juden der römischen Ruinenstadt, der auf seine zwei höchsten Güter: auf sein Weib Esther und auf seinen Sohn Abdias, alles häuft was gut und angenehm war, und der auch zuweilen das Gefühl hat als gäbe es ein Größeres, Werthafteres im Leben als das Schachern und Wuchern — aber er nimmt Reißaus vor diesem Gedanken, „nur daß er dachte, er wolle den Knaben Abdias eines Tages auf ein Kamel setzen und ihn nach Kahira zu einem Arzt bringen, daß er weise würde, wie es die alten Propheten und Führer seines Geschlechtes gewesen. Aber auch aus dem ist wieder nichts geworden, weil es in Vergessenheit geraten war“. Vergessen Volk, Idee, Gott! Dieser Fluch, der die vielen Jahrhunderte hindurch bald auf diesem, bald auf jenem Teil des Diasporajudentums liegt, soll auch das Leben unseres Helden Abdias bestimmen. Ganz kurz schwebt der Stern der Verheißung über diesem reichbegabten jüdischen Menschen, von dem der Dichter erzählt er sei in seiner Jugend „so schön wie einer jener himmlischen Boten gewesen..., die einstens so oft in seinem Volke erschienen“. Aber die Gnadenzeit ist fern, vergessen und versunken, wie auch in ihm mählich die Kn&beuerinrierung an den weiten ungeheuren afrikanischen Himmel schwindet, den er in seiner Naivität für den Manteisaum Jehovas gehalten, „der einstens sogar auf der Welt gewesen war, um sie zu erschaffen und »ich ein Volk zu wählen, mit dem er aß und mit dem er umging zur Freude seines Herzens“. Kein Prophet wird Abdias, sondern ein Kaufmann; weil er mutig, ja tollkühn ist (dies ein Rest seines geerbten Stammesadels!), wird er steinreich mit der Zeit Ab« der Reichtum bringt ihm keinen Segen. Er heiratet — aber da eine furchtbare Pockenkrankheit sein Gesicht entstellt, vermag sein Weib ihn nicht länger zu lieben, denn „eie hatte nur leibliche Augen empfangen, um die Schönheit des Körpers zu sehen, nicht die geistige, die des Herzens". Häßlich geworden, liebt Abdias den äußeren Glanz. Aber die seidenen Kleider und glänzenden Waffen werden ihm zum Verhängnis, der Araber Melek plündert in seiner Abwesenheit das Haus des protzigen Toren, in ihrem Schrecken gebiert die hochschwangere Deborah vorzeitig ihr Kind! Ein Bettler ist nun Abdias, doch die Verwüstung gilt ihm nichts, denn sein Weib nat ihm ein Kind geschenkt, und sein Weib ist sehend geworden: „Abdias, du bist nicht mehr so häßlich wie früher, sondern viel schöner.“ Dies sprechend, stirbt sie... Unerschüttert beginnt Abdias sein Werk von neuem — aber das erworbene Gut benützt er, um mit seinem Töchtercbem und seinem Sklaven Afrika zu verlassen und sich in Europa anzusiedeln, in einem abgelegenen Alpental: „Was die meisten abgeschreckt hatte, das Tal zur Wohnung zu nehmen, die Öde und Unfruchtbarkeit, das zog ihn vielmehr an, weil es eine Ähnlichkeit mit der Wüste hatte.“ Wird ihm nun hier das lang ersehnte Glück zuteil — oder folgt dem glaubenslose® Juden der Fluch auch ins Abendland? Er baut sich ein Haus mit doppelten Riegeln hinter allen Türen, starken Eisengittern vor den Fenstern und einer hohen festen Mauer um den Garten — wie bezeichnend doch für seine aus Afrika b**rübergebrachte Ängstlichkeit! Er äst nicht mehr Ahasver, „ein Ziel, welches er in dem Lande Europa angestrebt hatte, hatte er nun erreicht, nämlich einen Wohnplatz“. j Da kommt der Schicksalsschlag: er ent- , deckt, daß die klaren Augen seines Töchterj chens in Wirklichkeit — blind sind! i „Statt nun eine Erziehung zu beginnen, die i so viel an Geist und Leben entwickelt hätte, j als nur immer zu entwickeln war, verfiel Abdias auf einen ganz anderen Gedanken,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.