Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 11 (1937-1938)
- Issue
- Heft 721 (19.1.1938)
- Date
- 1938-01-19
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3053752-3054431-3054478--7231-3520415- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Ssite Ml »TIMM« Sr. 721. ~ Wien, Mittwoch, 18. Asm l«8- ’in l in Österreich, in denen der Allgemeine Zionismus eine dominierende Rolle spielt, gehören heute bereits zu den Ausnahmen. Der allgemein zionistische Arbeiter in Erez Israel, das ist der Arbeiter, der den Willen und den Ehrgeiz besitzt, durch Reine Arbeit die allgemein-zionistische Idee im Lande zu stärken, wurde zu einer kaum beachtlichen Figur. Der allgemein zionistische Bürger, der Ausschau hält, um für seine Werkstätte im Lande Unterstützung und Förderung zu finden, sucht vergebens. Hunderte und tausende Emigranten dieser beiden Gruppen fühlen sich im Lande vereinsamt, und verlassen. Haben wir doch den Mut, diese Angelegenheit beim Nansen zu nennen! In Palästina ist ein System des Parteiprotektionismus entstanden und Menschen, die keiner Partei angeboren, die über Banken, Kooperativen, Gewerkschaften, ausgebaute Positionen verfügt, sind auf die Gnade dieser großen Parteien angewiesen. Nur wir mit unserer abstrakten; Idee der Unparteilichkeit und Überparteilichkeit sind „rein“ geblieben. Das Ergebnis war, daß beim 20. Zionistenkongreß von den weit mehr als hundert Delegierten aus Palästina auf die Allgemeinen Zionisten aller drei Gruppen zusammen (in Palästina gibt es nämlich drei und nicht zwei „allgemein-zionistische“ Fraktionen) siebzehn Delegierte entfielen! Aber die tatsächliche soziale Kraft unserer Bewegung ist dort noch kleiner als die Ziffer 17. Statt sich zu überlegen, wie man diesen Zustand ändern kann, ließen wir passiv alles über uns ergehen. Wie kann man diesen Zustand ändern? Und hier komme ich zur zweiten Ursache unserer Verspätung. Sie ergibt sich aus der Theorie, daß der allgemeine Zionismus kraftlos und ungeordnet dasteht. Der Großteil des allgemeinen Zionismus huldigt bis auf den heutigen Tag dieser Theorie, Einzig allein der Weltverband der Allgemeinen Zionisten tritt mit ganzer Energie dieser Theorie entgegen, da wir überzeugt sind, daß eie den Untergang des Allgemeinen Zionismus herbeiführen muß. Klar und deutlich! Jede geistige Bewegung bat nur eine Möglichkeit, um ihr Gepräge auf eine eich erst formende Bevölkerung aufzudrfleken: Sie muß eine Macht werden. Und Macht bedeutet Mehrheit Der Weg zur Mehrheit führt durch die Bildung von Institutionen auf jedem Gebiete des nationalen Lebens, wodurch die Mehrheit von diesen Einrichtungen abhängig wird. Wenn eine Bewegung nicht imstande ist, diesen Weg zu finden, dann verschwindet sie, aufgerieben durch andere Kräfte. Im besten Falle verbleibt, sie eine Figur an der grauen Peripherie des pulsierenden Lebens. Schwächlinge werden vom. Leben a-usge- «chieden. Ebenso geschieht es im öffentlichen Leben. Wenn der Allgemeine Zionismus erklärt, daß er die Institutionen der Linken, der Rechten, mit einem Wort alle fördern wird, well dies dem Begriff „allgemein“ entspricht, so muß die logische Folgerung sein, daß die Institutionen der Linken und der Rechten wachsen werden. Diese Institutionen aber formen ihre Mehrheit im Geiste der Linken und der Rechten und die Folge dieser Theorie wird sein, daß alle Parteipositionen erstarken werden, nur nicht die der „Allgemeinen“, nur nicht die allgemein Nationalen. Es entsteht ..-in Defekt im Kreislauf. Wir verlieren in Palästina unsere politische ur>.! soziale Anziehungskraft, weil wir in unseren eigenen Positionen schwach sind, und wir sind schwach, weil wir gerade unsere Positionen nicht ausbauen. Und noch schlimmer. Dem numerischen Verlust folgt der Verlust unseres Rechtes an einem entsprechenden Anteil an den allgemeinen Fonds Keren Kajemeth und Keren Hajessod. Dort, wo wir dieses Recht noch haben, werden wir mit unseren Rechtsansprüchen in die Rolle einer verzweifelten Defensive gedrängte Das ist, ob wir wollen oder nicht, das Ergebnis der Politik der herrschenden Parteien. Das ist zweifellos schlecht und un- 1 gerecht, aber so ist es. Durch noeb so : intensives Schreien nach Gerechtigkeit ändert man nicht die Zusairr msetzung J der Kräfte. Erst, muß man eine selbstän-! dige und organisierte Kraft werden, dann | erst wird man ein Partner bei der Gestaltung der Allgemeinheit, wenn man auch nicht, sofort ein ausschlaggebender Faktor ist. Der Woltverband der Allgemeinen Zionisten fordert seit einer Reihe von Jahren eine Umkehr in diesem Sinne. Jeder andere Weg führt unvermeidlich sum Untergang des Allgemeinen Zionismus, der doch eine das jüdische Volk in Palästina und das Gesicht der Zionistischen Organisation gestaltende Kraft sein soll. Wir müssen uns darüber m aller Nüchternheit Rechenschaft ablegen. Der „Keren Haowed Bazioni“, dessen Aktion die Exekutive des Weltverbandes der Allgemeinen Zionisten proklamiert hat, ist der erste einleitende Schritt auf dem Wege zum Erwachen des Allgemeinen Zionismus, zur Erneuerung unserer alten Rolle, die wir bei der sozialen Gestaltung zu spielen berufen sind. Wenn die Allgemeinen Zionisten und die Sympathiker unserer Bewegung in' diesem Sinne an die große Aufgabe des Allgemeinen Zionismus herantreten werden und wenn sie verstehen werden, daß das System unserer Arbeit gründlich geändert werden muß, daß es unerläßlich ist eine Macht zu werden, um Palästina nach unseren Ideen aufbauen zu können, dann werden sie aus dem Fonds „Keren Haowed Hazioni“ einen Fonds der neuen Aktivität des Allgemeinen Zionismus für das Wohl des gesamten Volkes und Palästinas machen. Leser; Wenn du diesen Artikel gelesen hast, wie ich hoffe, dann erfülle freiwillig und großzügig deine Pflicht gegenüber dem „Keren Haowed Hazioni“. Und wenn du dich nicht sofort dazu bewogen fühlst, dann sieh dir nochmals den Titel dieses Artikels an, „Spät, aber nicht zu spät“, und ziehe'wenigstens aus diesemeiner Erkenntnis, die auch die deine ist, die Konsequenzen. Dar Hobi*lsefcl«biorvo?b*iid gra Utieri nervlich« «i«m rimsal'gea Ofcm»nr, Herrn Jizdhik Herzberf m M. 0«*MUtV«« and vtoicht Um «ach ln Zukunft ein ertragreiche« W! k«a *uf dem Genie!« der lOdltKSben En ehang. Beschluß der englischen Gemeinden: Palästina als englisches Dominium London, 18. Jänner. (JTA.) Der Board of Deputie» of British Jews (Vertretungakörperschaft der jüdischen Gemeinden Großbritanniens) hat mit überwiegender Mehrheit eine Resolution angenommen, ln der „eine Lösung betreffend die Zukunft Palästinas im Sinne der Errichtung eines jüdischen Dominiums innerhalb der tish Commonwealth of Nation«*« begrüßt wird, ln der von Dr. Israel Feldmann namens des Palästina-Komitees des Board Angebrachten Resolution heißt es unter anderem: Der Board hofft, daß die Regierung. In Übereinstimmung mit den Erklärungen des Außenministers und des Kolonienuunisters auf der September tag.sng de» Völkerbundrates, das Prinzip der wirtschaftlichen Aufnahmefähigkeit des Landes als das Kriterium für jüdische Einwanderung wlederherstellen wird. Der Board of Deputie» erklärt seine kompromißlose Gegnerschaft gegen jede Lösung des Palästina-Problems, die dem jüdischen Volke den Status einer dauernden Minderheit in Palästina auf erlegen würde. Der Board würde eine Lösung betreffend die Zukunft Palästinas begrüßen, die die Errichtung eines jüdischen, Dominiums innerhalb der British Com-j monwealth of Nation» versieht. | Gegen den Antrag wendeten sich der Vizepräsident Lionel Cohen and Sir Avigdor Galsraid, für ihn sprach Leo-1 nard Stein, worauf die Resolution mit J allen gegen 7 Stimmen angenommen wurde. Lionel Cohen erklärte hierauf seinen Rücktritt. * Der Beschluß, auf den noch zurückzukommen sein wird, ist ein Vorstoß der britisch-jüdischen Assimilation. Er entspricht der Haltung Samuels, der von den Juden Opfer forderte, um die Araber günstiger zu stimmen. Die Umwandlung Palästinas in ein Dominium setzt, die vollständige Akdikatkm des Zionismus als Vertreter der Unabhängigkeitsidee voraus und würde, wenn ausgeführt, das jüdische kleine Land In alle Spannungen der Weltpolirik hineicreißen. * Deutsche Zionisten zum neuen Weißbuch Berlin, 18. Jänner. (Taieor.) Von der Zionistischen Vereinigung ia Deutschland und dem Beirat der Jewish Agency in Deutschland wurde folgende Kundgebung der Exekutive der Jewish Agency in London Übergeben: „Das Weißbuch zur Palästina-Politik, das die britische Regierung am 23. Dezember 1937 erlassen hat, erfüllt die Judenheit in Deutschland mit ernster Sorge und Befürchtung. Viele Monate soll die Tätigkeit der neuen technischen Untersuchungekommission währen. Ein höchst langwierige* Verfahren für die Behandlung ihrer Ergebnisse steht in Aussicht,, So wird die bereite hart, auf dem Lande lastende Ungewißheit seines politischen Schicksals auf unabsehbare Zeit verlängert, die Wirtschaft Palästina« aufs schwerste gelähmt und die ersehnte Befriedigung schwieriger gestaltet. Für unsere eigene Gemeinschaft und darüber hinaus für die Judenheit Mittel- und Osteuropas Ist ein solches Hinauszögern endgültiger Regelungen unerträglich. Angesichts der fortschreitenden Einengung ihrer Existenzgrundlagen, einer zunehmenden Verarmung und einer sich von Tag zu Tag verschärfenden Auswanderungsnotwendlgkeit blicken hundert tausende aufbruchsbereiier Juden dieser Gebiete auf Palästina als auf ihre Rettung. Die Fortdauer des augenblicklichen Zustandes der Ungewißheit In diesem Lande bedeutet für sie ein Versinken in Hoffnungslosigkeit, für Millionen das Verzweifeln an nationaler Zukunft. Das Weißbuch hält an dem Vorschlag der Peel-Kommission auf Schaffung eines jüdischen Staates als Erfüllung der Politik der Baifour-DeklaratioD fest. Solche Erfüllung kann nur ein Staat sein, der durch den Umfang seines Gebietes imstande ist, der furchtbaren Wanderungsnot der mittel- und osteuropäischen Judenheit wirksam zu begegnen. Bis zur abschließenden Regelung des gesamten Palästina-Pioblems besteht das Mandat in unanzweifelbarer Gültigkeit fort: es muß die Tätigkeit der Palästina-Regierung bestimmen. Wir erwarten, daß die vorübergehende Einführung einer politischen Höchstgrenze für die Alijah am 1. April 1938 außer Kraft tritt und daß alsdann der gesetzlich feetgelcgte Grundsatz der wirtschaftlichen Aufnahmefähigkeit des Landes als alleiniger Maßstab für den Umfang der Einwanderung wieder zur Geltung gelangt Wir Juden in Deutschland erwarten, daß die Tätigkeit der Untersuch in igskommission mit äußerster Beschleunigung durchgeführt wird. Ihr Ergebnis muß unserer Lage angemessen sein.“ American Jewish Committee gegen Teilung New York, 18. Jänner. (JTA.) Das American JewLh Comittee, dem die größten jüdischen Organisationen der USA. angeboren, nahm auf seiner Jahrestagung einstlmm i g eine Resolution an, in der der britische Palästinateilungsplan abgelehnt wird. Die Resolution beruft sich auf die Balfour- Dekiarattan und setzt sich für Fortführung des gegenwärtigen Mandats über Palästina ein. Die jüdischen Mustersiedlungen Jerusalem, 18. Jänner. (Paicor.) Dem Statistischen Departement der Jewish Agency zufolge weisen die Siedlungen de» Keren Hajessod im Verhältnis zu der bebauten Bodenfläche ln der ganzen Welt die größte landwirtschaftliche Mechanisierung auf. Die Siedlungen besitzen 240 Traktoren und verschiedene andere Maschinen. Wauehope über di« Kwunoth Jerusalem, 16. Jänner. (Paicor.) High Commiesioner Kr Arthur Wauehope hat jetzt mit seinen offiziellen Abschiedsbesuchen begonnen. Gestern besuchte er Ein gab und Kinnereth am TUtterteehen See sowie ein in der Nähe gelegenes Fischerdorf, wo er eine herzliche Ansprache hielt. Dann begab er sich nach I) a g a. n i a. Bei einer Versammlung der Vertreter dar Siedlungen im Jordantal sagte Sir Arthur, er hätte immer da« größte Interesse an der Arbeit der Kwuzzoth gehabt, von denen Dagania eine der ersten war. Er stelle mit Vergnügen fest, daß sie eich jetzt mehr auf das System der Mischfarmerei eingestellt habe und er wünsche ihr den beeten Erfolg in der Zukunft. Die Kwuzzoth seien die erfolgreichste Form von Siedlung und gleichzeitig eine Quelle der Kraft und Energie für die nationale Heimstätte. Die Wanerradu im Negew Die Regierung hat mit der Palestioo Engineering Corporation, einem jüdischen Konzern, einen Vertrag für Wasserbobrungec im Negew abgeschlossen. Acht Maschinell, die eine Tiefe von 330 m erreichen können, sind bereite an der Arbeit Wir bitten für oosere altes und arbeUsaafähigen Bünden am Spenden. Fflr die blinden Masikfehrer, Klavierstimmer, Korb- und Seseeiflechter sowie Bürstenmacher bitten wir am Arbeit ültaein der iüdlscben Blinden Wien, U., Bambrandtstraße 18 4 <%S-T7 — NehMflMlIi faul» Bf. 4 tltdttt Geld für die Araber ans Abessinien Jerusalem, 18. Jänner. (Paicor.) Aus arabischer Quelle wird gemeldet, der Mufti habe kürzlich aus Italien 10.000 Pfund in Form einer Beihilfe der äthiopischen Mohammedaner erhalten. Ein Teil dieser Summe soll für die Abhaltung eine« Araberkongresees in Mekka verwendet werden. Boykott der neuen Kommission 1 Das arabische Propaganda-Büro in Damaskus, das jetzt das Organ des Ex-Mufti von Jerusalem darstellt, erklärt, daß die Araber mit 4er neuen britischen Kommission nicht Zusammenarbeiten würden, Das neue Weißbuch bestätige Englands Entschlossenheit, am Teilungsplan festzuhalten. Die Araber würden es ablehnen, auf dieser Basis zu verhandeln und verlangte» vollkommene Autonomie und eh*en jüdischen Minderheitsstatus, sowie die Einstellung der Einwanderung. Palästinas Überschuß Jerusalem, 18. Jänner. (Paicor.) Der Barübe rsebuß der Paläetina-Regierung belief »Ich bis zum 30. November 1937 auf 4,700.000 Kund. Diese Summe bedeutet eine Verminderung des Barüfoerschnesee seit April 1987 um 136.000 Mund. statt findenden dK* Vortragsabends Btstriixtcy Begrüßung des Vortragenden durch Präs. Ad. Böhm; Vortrag Natkan Bterltxlcyi Dtl Jüdische Schicks«! Chorclnlastn. Kartenverkauf bei den schon bekanntgetebenen Verkaufsstellen zu populären Preisen •mmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmm.