Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 11 (1937-1938)
- Issue
- Heft 721 (19.1.1938)
- Date
- 1938-01-19
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Mltiwocii-Jlusgabe Diese* Silit tat ab 4 (Ar nachmittags bd den Kolporteuren erhältlich Qta t‘Stimme 15 g _ JÜDISCHE ZEITUNG 1 Nr. 7X1 Wim, Mittwoch, 17. JXnner 193h 17- Seitwat $699 U. Jahrgang Eine Rede des ungarischen Finanzministers Fabinyi Budapest, 18. Jänner. (JTA.) Finanzminister Dr. Fabinyi sprach am Sonntag in seingm Wahlbezirk Fünfkirchen (Pecs) über den Wunsch nach „Einschaltung der christlichen Schichten in den Handel“ und sagte: „Heute vollzieht sich eine Renaissance der christlichen ungarischen Gesellschaft, die die Positionen zurückzuerobern wünscht, von denen sie sich bisher lange Jahrzehnte hindurch freiwillig abgeschlossen hat. Und das kann nicht verhindert werden. Glauben Sie aber, daß dadurch diejenigen, die auf diesen Arbeitsgebieten seit Jahrzehnten ehrlich und fachkundig wirken, ausgeschlossen würden? Ich will es offen heraussagen, daß wir niemandes Existenz zu vernichten trachten. Wir wollen eine Expansion des nationalen Wirtschaftslebens vorbereiten, die mehr Menschen Lebensmöglichkeit bietet. In diesem Geist mag jeder Staatsbürger, welcher "Konfession auch immer er angehört, mit uns Zusammenwirken.“ Weidmanns Mordschule Paris, 18. Jänner. (Privat.) In der Untersuchung gegen den deutschen Massenmörder Weidmannhat der Deutsche Doerter, der aus politischen Gründen verurteilt worden ist, eine für Weidmann und die Ver- Doerter saß mit Weidmann zusammen im Gefängnis zu Frankfurt. Er kannte ihn aber bereits aus einem Konzentrationslager. Dort hat Weidmann, sagt Doerter, seine Sehule als Mörder durchgemacht. Weidmann gehörte zu den Aufsehern, die den Auftrag hatten, jeden Gefangenen, der Miene machte zu flüchten, niederzuschießen. Um den Aufsehern jeden Fehlschuß zu ersparen, wurde dem Gefangenen auf die KJajder in der Herz- und in der Nackengegend ein weißer Tuchlappen aufgenäht. Den Aufsehern wurde eingeschärft, auf diese weißen Stellen zu zielen. Weidmann soll einige Male im Sinne dieses , Auftrages gehandelt haben. Amerikanische Verleger kommen nickt nach Leipzig New York, 18. Jänner. (Privat.) 48 führende amerikanische Buehver- 1 oger haben heute, wie der New-Yorker Korrespondent des „Daily Telegraph“ berichtet, eine gemeinsame Erklärung veröffentlicht, in der sie ihre Weigerung, an dem internationalen Verlegerkongreß in Leipzig teilzunehmen, begründen. Während früher, so heißt es in der Erklärung, die Leistungen des deutschen Buchhandels beispielgebend für die ganze Welt gewesen seien, werde heute die Freiheit des Schriftstellers und des Verlegers mit den schärfsten Mitteln unterdrückt. Kundgebung der Israel. Kultusgemeinde Baden Der Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde Baden bat auf Antrag des Herrn Hermann Glück in der Ausschuß-Sitzung vom 17. Jänner einstimmig . folgende Beschlüsse gefaßt: _ 1. Der Kultusvorstand spricht dem Rat der Stadt Wien, Herrn Dr. Jakob Ehrlich, den Dank und die Anerkennung für sein offenes und mutiges Eintreten für die Rechte und Interessen der Judensehaft Österreichs aus. 2. Der Kultus Vorstand begrüßt die Regelung der Jungvölkfrage im Sinne der Ausführungen des Buhdesjugendführers Grafen Tärat n-V al s arg s i n a, wonach ein jüdischer Jugendverband auf der Grundlage der völlen Gleichberechtigung mit dem österreichischen Jungvolk geschaffen werden töH. Ans dem Dritten Reich: Appell der deutschen Juden an die Regierung Berlin, 18. Jänner. Der Rat der Reichsvertretung der deutschen Juden hat gestern eine Resolution beschlossen, in der unter Darlegung der bestehenden Verhältnisse an die Palästina- Regierung appelliert wird, der jüdischen Jugend nicht den W eg nach Palästina zu verlegen. Ferner wird an die d e u t s c h e Regierung das Ersuchen gerichtet, den Juden in Deutschland die wirtschaftlichen Existenzmöglichkeiten nicht ganz zu nehmen. Die Resolution lautet: Sie Auswanderung aus Deutschland „Die Reichsvertretung der Juden in Deutschland hat in Zusammenarbeit mit den jüdischen Landesverbänden, Gemeinden und Organisationen sich bemüht, den Raum, der den Juden in Deutschland geblieben ist, mit Sinn und Inhalt zu erfüllen. In ihren Maßnahmen dürfte sie sieh auf die Zustimmung und Mitwirkung des weitaus größten Teils der Judenheit in Deutschland stützen. So hat sie den geschichtlichen, oft so schwierigen Umwandlungsprozeß auf fast allen Gebieten des jüdischen Lebens maßgebend bepiuflttßk, . .. Seit Jahren steht die Auswanderung, die Schaffung von Einrichtung«®, die ihr und ihrer Vorbereitung mittelbar oder unmittelbar dienen, im Vordergrund des Sorgens und Handelns der Reiehsvertretung Warnung vor übertriebenen Erwartungen len, so dürften ihm die Erwerbswege nicht völlig verschlossen werden. Das Schicksal der überalterten Judenheit Deutschlands Auch die Fortsetzung geordneter Auswanderung — und nur diese hält die Einwanderungstore auf die Dauer offen — ist nur möglich, wenn die wirtschaftliche Existenzfähigkeit der Juden in Deutschland nicht noch weiter geschmälert wird. Nachdem die Juden aus dem staatlichen, kulturellen und gesellschaftlichen Leben und aus allen führenden wirtschaftlichen Stellungen ausgeschaltet sind, bitten wir deshalb die Relchsreglerung, daß der Verringerung der Erwerbsmöglichkeit für die Judenheit ln Deutschland Einhalt getan werde. Wir hoffen ferner, daß die Möglichkeit des persönlichen Verkehrs zwischen den Ausgewanderten und ihren Angehörigen, die in Deutschland Zurückbleiben müssen, nicht unterbunden wird. .An die Juden in Deutschland wendet sich die Reiehsvertretung mit der Bitte, Geduld tu bewahren und angesichts der gestei- -sie gestellt werden, nicht' müde zu werden. Ohne Lebensmut und Selbstachtung sind unsere Aufgaben nicht zu lösen. In der Erwartung, daß diese Erklärung mit Verständnis, Vertrauen und Hilfsbereitschaft beantwortet werden wird, verbindet sich die Reiehsvertretung mit jedem einzelnen Juden in Deutschland.“ Die Reichsvertretung sieht es als ihre Pflicht an, auch dem Verlangen nach Beschleunigung der Auswanderung Rechnung zu tragen. Sie sieht sich aber genötigt, vö r übertriebenen Erwartungen zu warnen. Die Möglichkeiten der Auswanderung hängen nicht nur von ihrem Willen und der Arbeit der WanderungsorganisatioDen ab, sondern vor allem von der Bereitwilligkeit der anderen Länder, ihre Tore für die Juden aus Deutschland, ebenso wie auch für die aus Osteuropa, offenzuhalten. Darauf hat aber die Reichsvertretung keinen bestimmenden Einfluß. Palästina-Regierung soll die Tore öffnen! Die Reicbsvertretung richtet in dieser Stunde einen Appell andie Palästina- Regierung, den Juden in Deutschland, vor allem den ausgebildeten jungen Juden, die sich für den Aufbau Palästinas elnsetzen wollen, den Weg dorthin nicht zu verlegen. Sie richtet ihren Appell an die überseeischen Länder, insbesondere an die mit dünn besiedelten Gebieten, durch Gestaltung und Handhabung der Elnwanderungsbestimmungen eine größere Zahl nützlicher Einwanderer aufzunehmen. Ein erheblicher Teil der in ihrer Zusammensetzung stark überalterten Jude n b e i t in Deutschland ist auewanderungsunfähig und wird seine Tage in Deutschland beschließen müssen. Sä>U er nicht der öffentlichen Wohlfahrt anheimfal- Ein Zeichen der nicht mehr zu ertragenden Not der Juden in Deutschland ist es, daß ihre oberste Repräsentanz, die Reichsvertretung, zum erstenmal seit Bestehen des nationalsozialistischen Regimes in Deutschland, einen Appell an die Reichsregierung gerichtet hat, den Juden nicht jede Möglichkeit zur Aufrechterhaltung einer wirtschaftlichen Existenzbasis zu nehmen. Bereits in der ersten Zeit de« Bestehens des nationalsozialistischen Regimes haben verantwortliche jüdische Persönlichkeiten in Deutschland den Versuch unternommen, mit den obersten Stellen des Reiches in Fühlung zu treten und diese zu veranlassen, ihre in das Leben der Juden so tief einschneidenden Entscheidungen nicht einseitig zu treffen, sondern in gemeinsamen Beratungen mit den verantwortlichen jüdischen Stellen einen Weg zu suchen, wie das jüdische Problem in Deutschland allmählich und unter Vermeidung äußerer und innerer Katastrophen einer erträglichen Lösung zugeführt werden könne. Alle diese Versuche scheiterten an dem persönlichen Willen des Führers Hitler, dessen Haltung in der Judenfrage nie eine andere war als die einer unerbittlichen Negation. Heute nun richtet die oberste Repräsentanz der Juden in Deutschland offiziell und in aller Öffentlichkeit einen Appell an die Regierung des Dritten Reiches, es nicht zum letzten kommen zu lassen und wenigstens der älteren Generation die Möglichkeit zu lassen, ihre Tage in Deutschland beschließen zu können. wird wie alljährlich vom Der große Reprisentations- BALL ciub „i REZ "IS RAE L veranstaltet am 22. Jlnner 1038 in simtlichcn Festsfllen des „HOTEL METROPOLE" Bstlordijester „ELITE KIDDIES" — Juxbawr — Akademie — Barkapelle — Besinn: 8 Uhr abends Kleidung der Derne: BeDtoBette, Abendkleid. Kleidung der Herren: Free». Smoking, Abendenzug Karlen im Vor verkauf beim VeraneteUer: Club .Brez Israel\ II-, Praientraße iS, Telephon ü 40-401 RIMAC KonaAer Mm muß ci« gesehen und gehört heben .. . I Spät, aber nicht zu spät Von Dr. I. Schwarzbart (Krakau) Es wäre interessant festzustellen, wieviele Leser einer Tageszeitung einen Aufruf dieser Zeitung zu Ende lesen. Ich habe den Eindruck, daß das Ergebnis nicht gerade erfreulich für die Institutionen, die nichtsensationelle Aufrufe an die Bevölkerung erlassen*, ausfallen würde. Ich befürchte jedoch, daß sich auch Leitartikel, die Aufrufe an die Bevölkerung zum Inhalt haben, keines größeren Interesses erfreuen. Je ernster das Thema, desto kleiner das Interesse. Die Leser lieben sensationelle Themen. Ich gebe zu, daß ich nicht weiß, wieviele diesen Artikel bis zu Ende lesen werden. Ich wage es trotzdem. Ich bitte um Antwort. Sie muß durch die Tat positiv sein. Zur Sache selbst! Der „Allgemeine Zionismus“ ist nicht mehr und nicht weniger als die Zusammenfassung aller jüdischen Gesellschaftsschichten in einer schöpferischen und harmonischen nationalen Zusammenarbeit für das epochale Werk des Aufbaues des jüdischen Staates. Dasselbe große Problem, das alle anderen Völker zu lösen haben, nämlich, wie ist die soziale Ordnung zu formen, damit die Arbeit und das Kapital für ein gemeinsames nationales Ziel ohne Klassenkampf bei gleicher gerechter Behandlung sowohl des: ÄrW: tere ale-*»eh 46S ' jwivBten Kapjtel*-»«-? sammenwirken, muß auch vom Zionismus, als einer Kraft, die eine neue Gesellschaft in Palästina gestaltet, gelöst werden. Diese Frage tritt an den Zionismus mit um so größerer Intensität heran, als die Basis für den Judenstaat vom gesamten jüdischen Volke, in freiwilliger, durch keinerlei staatlichen Zwang beengten Zusammenarbeit verpflichtet, gebaut werden soll. Der Realisierung eben dieser Aufgabe dient die Proklamierung des „Fonds für den Allgemein zionistischen Arbeiter“ (Keren Haowed Hazioni). Warum treten wir so spät an diese Aktion heran? Mancher von uns wird diese Frage stellen, und zwar mit Recht. Es ist wahr, wir haben diese Aktion sehr spät, begonnen, aber es ist besser spät, als gar nicht. Diese Verspätung ist aus verschiedenen Gründen eingetreten. In den Anfängen der zionistischen Bewegung waren alle organisierten Zionisten „Allgemeine Zionisten“. Wir glaubten, daß es immer so bleiben wird und wir haben unsere Tätigkeit dieser Doktrin angenaßt. Aus diesem Grunde haben wir alle unsere materiellen Opfer für die Allgemeinheit gebracht. Inzwischen hat sich diese Doktrin im Lichte der Wirklichkeit, als Fiktion erwiesen. Aus der allgemein zionistischen Bewegung gingen in der Galuth und in Palästina ausgesprochene Kampfparteien hervor, die das soziale Interesse ihrer Anhänger und nicht der Allgemeinheit im Auge hatten. Nur wir, die Allgemeinen Zionisten, steckten den Kopf in den Sand und wollten diesen Prozeß nicht sehen. Wir traten gegen die Fraktionsbildung auf und haben so unser Gewissen erleichtert. Aber die Fraktionsbildung wuchs von Jahr zu Jahr und formte das Alltagsleben in Palästina entscheidend. Nur wir blieben auf dem Kampfplatz mit dem zerfetzten Glorienschein unserer Doktrin zurück. Wir sind auf das Niveau einer unorganisierten Minderheit in der zionistischen Weltbewegung herabgesunken, und in Palästina selbst geistern wir einem Schatten gleich herum, ohne die Früchte zu ernten, die wir mit eigener Kraft gesät haben. Solche Organisationen, wie dir. im westlichen Kleinpolen, in Schlesien