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Die Stimme · 1938-01-07 · Heft 716 (7.1.1938) · page 3

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Journal
Die Stimme
Volume
11 (1937-1938)
Issue
Heft 716 (7.1.1938)
Date
1938-01-07
Page
– (sequence 3)
Language
German
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lfo 718. ~ Wien, Freitag, 7. Ana« 1998. S»n« 3 WILTURAUFFUHRUNC do Wüöttn Werket de» MeUterregiitgur* V. TOURJ AMSKY „DUNJA" (Die Geliebte de» Gardeofflzim) n«di Puschkin« Novelle „Der Postmeister“, mit HARRY BAUR, J-ANINE CRISPIN GEORGES RIGAUD Gartenbau-, Kärntner-, Busch*, rtaydflv und Kolosseum-Kino EMtUlor-Film Im Star-Filmverleih (Fortsetzung von Seite 1.) Angehörigkeit zu den erwähnten Vereinen die Angehörigkeit zum Jungvolk und nach Erreichung des 18. Lebensjahres der Übergang zur F. V. gesichert ist Durch eine solche Regelung tritt keine Diskriminierung der Juden ein, weil die jüdischen Kinder, wie gesagt, Mitglieder des österreichischen Jungvolkes sein und in der Uniform des jüdischen Jungvolkes bei allen Anlässen, bei denen das österreichische Jungvolk herangezogen wird, mithalten werden. Es ist merkwürdig, daß die Union österreichischer Juden sich deswegen auf den Protestweg begibt. Sie selber hat ihre Jugend in einem konfessionellen Verband, in der „Jugend-Union“, vereinigt. Außerdem sind bei Bewilligung von Subventionen an die Jugendbünde durch die Kultusgemeinde mit Zustimmung der Union bestimmte Bedingungen nominiert worden, so der Unterricht im jüdischen Wissen, die strenge Einhaltung der jüdischen Gebote, wie Speisegebote und Sabbathrube, im Vereinsleben, der Unterricht in jüdischem Schrifttum und Liturgie usw. Man kann nicht auf der einen Seite an die Jugendverbände solche Forderungen stellen und auf der anderen Seite verlangen, daß dieselben Jugendlichen in einem gemischtkonfessionellen Verband sein sollen, der natürlich auf die erwähnten Beengungen nicht Rücksicht nehmen kann, so daß sich fortwährend Reibungen ergeben Würden. FÜR WEEKEND UND REISEN DIE BESTEN WÜRSTE ii^öNStWEN VON EISEN Ehrung eines Jüdischen Künstlers Der Bundespräsident hat dem bekannten Klaviervirtuosen Julius W o 1 f s o h n den Titel Professor verlieben. Vertrag Nathan Bistritzky Mittwoch, den 26. d., 8 Uhr abends, spricht Nathan Bistritzky im Großen Musikverein«?aal über: „Der neue Akt der jüdischen Tragödie.“ Karten zum Preise von S 2.— bis 50 Groschen sind erhältlich im Keren Kajemeth-Büro, I., Marc-Aurel-Straße 5. Die Demarche Englands und Frankreichs in Bukarest London, 7. Januar. (JTA.) Die der Jfldischen Telegraphen-Agentur von &utori~ tativer Seite in Paris gemachte Mitteilung, daß Frankreich und England durch ihre Vertreter fai Bukarest die rumänische Regierung habe wissen lassen, daß sie, als die Signatarmächte der von Rumänien am 9. Dezember 1919 in Paris Unterzeichneten Mlnderbeltenverträge, entschlossen seien, Jede Aktion des Völkerbundes gegen die Sondermaünabmen, denen die Juden durch die neue rumänische Regierung jetzt unterworfen sind, zu unterstützen, wird der JTA. Foreign Office bestätigt die Entwicklung aufmerksam, sehe aber im gegenwärtigen Stadium der Ereignisse keinen Anlaß, sich zu der Frage zu äußern. * Gogas Sondermaflnahmen Bukarest 7. Januar. (JTA.) Nach einer Sitzung des rumänischen Kabinette wurde ein amtliches Communiqu»5 ausgegeben, in welchem mitgeteilt wird, daß der Ministerrat eine Kommission eingesetzt hat, welche den Auftrag «erhielt, im Rahmen der bestehenden Gesetze Maßnahmen zu treffen, die DER GROSSE QH| I des Club „Erez Israel1' REPRÄSENTATION- DHkL findet dieses Jahr IM HOTEL METROPOLE in sämtlichen Festsälen am 22. Jänner 1938 statt BALLORCHESTER .ELITE KIDDIES« JUXBAZAR AKADEMIE BARKAPELLE Kleidung d. Dame: Balltoilette od. Abendkleid - Kleidung d. Herrn: Frack, Smoking od. Abendanmg Karten im Vorverkauf beim Veranitalter: Club »Erez Israel», II., Puterstraße 13, Tel. U 42 407 Das Foreign Office hat den englischen Gesandten in Bukarest, Sir Reginald Hoare, instruiert, die rumänische Regierung in freundschaftlicher Weise daran zu erinnern, daß Großbritannien als eine der Signatarmächte der 1919 von Rumänien Unterzeichneten Minderheiten Verträge daran interessiert sein muß, daß gegen den Inhalt dieser Verträge nicht verstoßen wird. Die Sicherung der Rechte und des Status der Minderheiten in Rumänien war, so wurde die rumänische Regierung benachrichtigt, eine der Bedingungen für die territorialen Zugeständnisses an Rumänien. Frankreich hat in der gleichen Weise wie England einen Schritt in Bukarest unter- Rumänien hatte im Jahre 1919 zwei Verj träge ühtefz'ciebnetr 'den allgemeinen' Um-" derheitenvertrag, der auch von anderen Mächten eingegangen wurde und der den nationalen, religiösen und sprachlichen Minderheiten ihre sprachliche, politische und religiöse Freiheit sichert, und ein allein von Rumänien eingegangenes Abkommen, weiches Rumänien verpflichtet, die aus früher österreichischen Territorien stammenden und jetzt auf seinem Gebiete lebenden Juden einzubürgern. den Zweck haben, die „für die Gesundheit der Landbevölkerung als gefährlich erachteten jüdischen Schankwirte aus den Dörfern zu entfernen“. Der Ministerrat prüfte ferner die Frage der „unrechtmäßig erworbenen Einbürgerung von Fremden, welche sich während des Krieges oder nach dem Kriege ohne Bewilligung auf dem Staateterritorium niedergelassen haben und keinerlei Berechtigung besitzen, hier zu verbleiben.“ Der Ministerrat beschloß ferner die Einsetzung von Regierungskommissären bei Unternehmungen mit inländischem Kapital, die jedoch „hinsichtlich der völkischen Herkunft fremd sind“, um die Durchführung des Gesetzes zum Schutze der nationalen Arbeit zu überwachen. Ferner beschloß der Ministerrat, daß der Unterricht der rumänischen Sprache und der rumänischen Geschichte an staatlichen sowie an Minderheitsschulen lediglich durch „Lehrer völkisch-rumäpiscber Herkunft“ erteilt wer- .. - - Von der Regierung wird jedoch die Meldung, daß Juden weibliche christliche Hausbedienstete unter 40 Jahren nicht anstellen dürfen, dementiert. Diese Meldung erschien in dem offiziellen Organ der Nationalchristlicben Partei „Tzara Noartra“, das jetzt auch als Regierungsorgan gilt. Weiter wird die Meldung dementiert, daß eine spezielle Wache gebildet wurde, um Juden am Betreten von Regierungsäratern zu verhindern. Washington und die Ereignisse in Rumänien Washington, 7. Januar. (JTA.) Staatssekretär Cordei! Hüll teilte in einer Pressekonferenz mit, «eine Regierung habe as vorderhand abgelehnt, zu der Sonderbehandlung der Juden in Rumänien Stellung zu nehmen. Hüll fügte hinzu, er verfolge Dagegen tat der Minister für öffentliche Gesundheit eine Verordnung erlassen, wonach alle im Bereich des Gesundheltsministeriums beschäftigten jüdischen Ärzte entlassen und durch christliche Ärzte ersetzt werden. Der Korrespondent der amerikanischen Agentur United Press meldet: Aus der rumänischen Provinz treffen immer wieder Tyron« Power, § Loretta Yeung, | Don Amedie in: | Der Liebesiepor;er i (LO/E IS | Ein Lustspiel im Stromlinientempo g; Ab heute: g Burg-, Imperial-Kfno Nachrichten über antisemitische Ausschreitungen ein. ln Bukarest, selbst kam es bisher kaum zu größeren Zwischenfällen, wenn auch in der Inneren Stadt mehrmals Juden von jungen Nationalisten angepöbelt wurden. Bezeichnend für die Alarmstimmung bei den rumänischen Juden ist es, daß die Aufkäufer gebrauchter Möbel in den letzten Tagen von Angeboten jüdischer Familien, die fortziehen wollen, geradezu überschwemmt wurden. Deutschland bemüht sich..« Der nach Bukarest entsandte Somd-erberiahtorstatter des „Daily Herold“ berichtet, daß der deutsche Gesandte die angestrengtesten Bemühungen mache, um eine Versöhnung zwischen der Eisernem Garde und der Natiomlchristlichem Partei herbeizuftihren, ohne die eine Stabilisierung de« faschistenfreundlichen Kurses unmöglich sei. Robus und Cuzas Haßgesänge „Curentul“ meldet,, daß der Präfekt vonCzernowitz, der bekannte Judenfeind Robus, die folgende, die Minderheiten in Rumänien betreffende Erklärung abgegeben hat: „Die nationaichristliche Regierung teilt die Minderheiten in zwei Kategorien ein, zwischen welchen sie einen scharfen Strich zieht: Erstem« die produktiven christlichen Minderheiten, denen wir unserem guten Willen zeigen unter der Bedingung, daß eie sich assimilieren und mit der Mehrhedtsnatdom loyal Zusammenarbeiten; zweitens die parasitäre jüdische Minderheit, die nicht assMniBert vgwd^tj ko^t}- und .eine. arbeit mit uns abiehnt. Für atese jüdische arbeit mit uns abiehnt. Für otose jüdische iU. fllfUTM UHPib g4UL «55 LiTAT ViittO .LrtJftUIUg; £j i 1* Prof. A. C. C u z a, der oberste Präsident der Natiomalehiästlichen Partei und Staatsmkiistor im neuen rumänischen Kabinett, bat der „Porunoa Vremii“ die folgende Erklärung übermittelt: „Wir werden nioht das geringste Stück unseres Programm« aiutgeben. Goga und ich haben vor Gott einen Eid geleistet^ Rumänien für die Rumänen au netten; wir werden diesen Eid halten.“ SWING Iwrith^ Iwrith! oder Dl« Kehrseite der Medaille Von Schalom Ben-Cborin, Jerusalem. I. Ein bekannter palästinensischer Schulmann hat dieser Tage in einer Rede scherzhaft geäußert, der Unterschied zwischen einem Ostjuden und einem „Jeken“ (deutschen Juden) bestehe darin: der Ostjude lerne nie Hebräisch und könne es immer, der Jeke lerne immer und könne es nie. Man kann dieser bitteren Wahrheit noch eine andere — empirisch belegbare — binzufügen. Der Jeke (soweit er lernt), beginnt jedes Gespräch mit fremden Juden hebräisch ... der Ostjude (und nicht minder der orientalische) antwortet ihm darauf — deutsch, oder mit dem, was er (subjektiv) unter Deutsch versteht. Ein Beispiel: Du betrittst ein Kolonialwarengeschäft. Über Heringfäesem und Konserven hängt ein stolzes Schild, ausgegeben vom „Waad Halasohon“. dem hebräischen Sprachrat (eine Art Akademie). Auf aem Schild steht der nationale Imperativ Palästinas: „Jebudi daher iwrith.“ (Jude, sprich hebräisch!) Du nimmst dir diese berechtigte Aufforderung m Herzen und stammelst — die Lust und «fAh dun Schmerz zusannnennehmend »»1 meist noch an Hand eines sorgfältig vorbereiteten Zettels, die gewünschten Dinge: Maiuach — Hering; Naknik — Wurst; Gewinah — Käse; Bulim — Briefmarken; Lacbmanioth — Brötchen. Der Verkäufer kommt deinen Wünschen nach. Du erhältst, was du verlangst und bist stolz auf die Hebräisierung deines Alltags. Aber sei sicher, strebend Bemühter, zum Schluß wird dich der Krämer fragen: „Und was wünschen Sie noch freilich besteht auch die Möglichkeit, daß er seine Frage in der ihm heimatlicheren Formulierung, „wos darft ihr noch?“ vorbringt ... Der nationale Imperativ auf dem Schilde des hebräischen Sprachrates gilt eben nur für dich. n. Lerne täglich hebräisch. Erweitere täglich deinen Wortschatz„ aber mache, wenn du verstanden werden willst — möglichst keinen Gebrauch davon. Ein kleines Erleb- Ll3, aus meinen ersten Monaten im Lande Israel möge dies illustrieren. Eine« Morsrens wollte ich mich in meinem Hotel erkundigen, ob der Briefträger schon da war. Briefträger, ich freute mich, ein schönes, klassische«, der Mischnah entstammendes Wort dafür zu wissen. Es heißt ..davar“. Man findet das Wort dawar (mit Waw geschrieben), in jedem Lehr- und Wörterbuch des NeuhebTÄischen ... da* außerhalb Palästinas verfaßt Ist, Auf meine Frage also bekam ich zunächst einmal (trotz korrektester Aussprache), die neueste Nummer der hebräischen Tageszeitung „Dawar“ (mit Beth) auf den Tisch gelegt Ich wehrte heftig ab, und nun fragte man mich endlich „eseh dawar“, welche Sache ich denn meine. (Dawar — mit Beth — heißt bekanntlich Wort und Sache). Ich, noch immer entschlossen, mein „besseres Wissen“ zu verteidigen, erklärte, daß ich nicht nach einer Sache, sondern nach einem Manne gefragt hätte. Ein Herr namens Dawar, wurde mir nun erklärt, sei nicht dagewesen, aber vielleicht sei ein Brief von ihm für mich bei meiner Post, die der „Noeee-michtavim“ (Brief-Träger) soeben für mich algegeben hätte ... Dies möge genügen. Nur ein hübsches Experiment möchte ich noch anschließend empfehlen: meebonitb — das Auto. Wer wüßte es nicht, der „Neuhebräisch“ gelernt hat. Versuche jedoch einmal, mit dieser Vokabel ein Auto zu mieten. Man bietet dir Näh- und Schreibmaschinen an, und wenn du — fleißiger Schüler — noch die gebildetesten Wörter für Auto, Kochaniab, oder gar Azmona hervorbolst, wirst du traurig, jeder Verständigungsmöglichkeit bar, ziehen, es sei denn, du läßt allen Stolz fairen und sagst schlicht und wirklich „Neuhebräisch“ Auto oder Taxi ... QL Da* gebildete Hebräisch hingegen ist gut, wenn man es mit Menschen zu tun hat, die wirklich in der Sprache denken; mit Lehrern, bei diesen echten Hebräern habe ich eine edle Milde feststellen können, die sie wohltätig vom Zelotismus der Halb- und Viertelhebräer unterscheidet. Ein hebräischer Schriftsteller zum Beispiel, mit dem ich mich neulich im Schweiße meines Angesichts über ein literarisches Thema hebräisch „unterhielt“, erteilte mir unter Hinweis auf das talmudische Verbot des „zaar baale-chaüm“ (Tierquälerei) die Erlaubnis, deutsch weiterzufahren. Mit dem Redakteur einer hebräischen Tageszeitung, der zuweilen meine Arbeiten überträgt, korrespondiere ich noch deutsch. (Nicht ganz zu Unrecht hat er allerdings in seinem Blatt öffentlich bei mir angefragt, ab wann ich gedächte, eine hebräische Feder zu führen.) Aber anders verhält es sich mit einem Kollegen, einem deutschsprachigen Schriftsteller in Palästina: Arglos schrieb ich ihm vor einiger Zeit einen Brief über ein deutsches Buch, und bekam denselben mit dem Vermerk zurück, daß es der Herr Empfänger ablehne, deutsche Briefe zu lesen ... Diese seine Meinung teilte er mit — auf Deutsch. IV. Ich berichtete vorhin von einem Redakteur, der manchmal Artikel von mir ins Hebräische übersetzt. Er macht das mit viel Einfühlungsgabe und Gewissenhaftigkeit, aber damit ist er da*, was man einen weißen Baben nennt. Es versteht sich Ja auch von selbst, daß überall, wo sehr viel übersetzt wird, auch

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