Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 11 (1937-1938)
- Issue
- Heft 713 (31.12.1937)
- Date
- 1937-12-31
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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$eü6 Z Mt STIMM! Nr. 718. — Wien, Freitag, 31. Detwaber 1987. esfaurant Billet *r: Ecsficnommierte Küche *r: Reichhaltige Menüs ä S 1"90 u. 2*60 il.,Hammerpu;gsta ioasse3 {nächst Salztorhrücke Ein Drittel der deutschen Juden ausgewandert Auf dem falschen Posten! Jahrhunderte hindurch glaubte das jüdische Volk, daß seine Not nur seiner nfcnormalea sozialen Schichtung und, dom .Antisemitismus zuzuschreiben sei.; Der dritte wesentliche Faktor wurde, | Absichtlich oder unabsichtlich, überaehen. I Fr hf-ißt Assimilation. Aidir Ghetto- [ mauern fielen und die Zeit de: Einanzi-1 pcrion begann, machten dir Juden von I ihren neuen Rechten vollen Gebrauch.} Ihr? Kinder durften an die Universitäten' und sie selbst errangen oft hohe Stufen auf der sozialen Leiter. Gewiß wirkte ■Cm Futrerneid fordernd auf Die Reiehavertrptung der Juden in Deiifvhä.iria erläßt den folgenden Aufruf: „An die Juden in Deutschland! It, tem nunmehr beginnenden Kalenderjahr 1038 kann der Zentraiaussehuß für; H iß’- und Aufbau bei der Reiohsvertretuag\ der Juden in Deutschland auf eine Tätigkeit i von fünf Jahren zurückblie-ken. In dieser! Zeit hat er sieb auf den fünf Hauptgebieten; seine« Wirkens: Wanderung — Berufsausbildung und -Umschichtung — Schulwesen i — Wirtschaftshilfe — Wohlfahrtspflege, zu) der zentralen Planstelle entwickelt, die als) öffentliche Hand aus der wirtschaftlichen Hilfe und Aufbau“ fortgefübrt werden. Diese Parole soll verpflichtend mahnen, die Energien wactauhalten, sich keiner unberechtigten Verzw ei f! ungss t imm u n g hinzugetjen und nicht über den persönlichen Sorgen die Sorge für das Schicksal der Gemeinschaft zu vergessen. Fünf Jahre Hilfe und Aufbau! Helft weiter! Streicher tmd der deutsche Kronprinz Zwischen dem „Stürme r“ und der kronprinzlichen Güterverwal- Smjgm MONTAGE-REPARATUREN - K |m AUSRÜSTUNG, BEKLEIDUNG, SCHUHE, KANTENMONTAOE D|C « ■ WB (*,, Wieonei HaupUtraB» I, Tal.: A M-O-M; pt, UacHtanatalMtraB« *7, Tel.: A t«-*-M ■ 1% i» tuten der btoi den Antis'-mi ober war die den in die ge in die religi christlichen!. listums. Ausschlaggebender Einmengung einzelner duslige, jolilische und selbst ose Interessensphäre der ’mweit. Die Einmengung in die Frage, der Lösbarkeit katholischer Ehen, die antireligiöse Werbearbeit, jüdischer Freidenker in katholischen Kreisen und die Anbiederung einzelner Juden an um! sozialen Hilfearbeit für die Juden In s Deutschland nicht mehr wegzudeakon ist. Der Auflösungsprozeß der Judenheit in! Deutschland setzt sich fort. Etwa ein; Drittel des früheren Bestandes der jüdischen Bevölkerung hat Deutschland bereits verlassen, viele stehen vor ihrer Auswanderung, viele weitere müssen folgen. Die Notwendigkeit, dict-en Vorgang zielbewußt durch zweckmäßige Berufsausbildung und durch geeignete Wamlerimgsplarnrag in geordnete Bahnen zu lenken und. durch planmäßige Aufbauarbeit den Weg in die Zukunft zu ebnen, besteht, weiter. t u D g ist o* zu einem Konflikt gekommen, ln Berrietadt gegenüber dem kronprinzlichen Sohloese befindet sich ein Schnhhaue. das einem jüdischen Kaufmann gehört. Ein Amtsträger der Partei richtete an den das; Schloß bewohnenden Forstmeister des Krön-; prinzen die Aufforderung, ihm das Anbrin-j gen eines ...Stürmer“-Kaetens an dem; Schlosse, zu gestatten, damit die Bevölke-' rung vom Einkauf in dem Geschäfte abtrehaltcu werde. Der Forstmeister verwies den A nitsträger an die kronprinzliche Gütorvor-' waltuug in Oele. | Der Leiter dieser Kanzlei, Herr von j Müller, erwiderte, die kronprinzliche Ver-! Liköre Schanfra ffeUMt, Beverendin ä Ul Benefiiktine, Maraschina «Je Edra. Weinbrand, 1 Liter S 4'40, Sliwowit* 40 «, 1 Liter S 4'—. XVI., Koppstrafte M, XV , Mariahliferetr. 147, LII., Haidingerg. 27 bliobenen arabischen Stadträten demissionierten, Anhänger der A g u d a t h Israel, die dem extremen Flügel angehören, drangen heute in« Büro der Jerusalemer Gemeinde, wo Vorbereitungen zu den Wahlen in die Knassetii Israel im Gange sind, und zerstörten die Wahldokumente, Der Anführer, ein S o h d des Rabbi Blau, Führer der Agudah, wurde in Haft genommen. * Neun Juden aus Karkur und Hedera, die am 2, September im Zusammenhänge mit den damaligen Unruhen ins Akkoer Gefängnis gebracht worden waren, sind heute freigclassen worden. Gleichzeitig wurden 25 Araber in Freiheit gesetzt. Roms Oberrabfemer Prato „beurlaubt“ Rom, 30. Dezember. (JTA.) In den jüdischen Kreisen Roms hat die Nachricht starken Eindruck gemacht, daß Oberrabbiner Prof. Davide Prato den Vorstand der jüdischen Gemeinde gebeten hat, ihn auf unbestimmte Zeit zu beurlauben. Nachdem seinem Wunsche entsprochen wurde, Ball im Hotel Metropole. Samstag.22. Jänner 1938 die jeweils herrschende Macht, nur um einige Beispiele zu erwähnen, all das erzeugte Antisemitismus. Es ist, das Verdienst der zionistischen Belegung, daß sie ihre Anhänger systematisch dazu erzog, sich kulturell, religiös tmd politisch auf den jüdischen Lebenshereieh zu beschränken, ohne dabei auf die Gleichberechtigung oder auf den Genuß der Kultur der Umwelt, soweit er Ahntg .Sßhjjjen /ezipiert yerden Konnte, zu* verzichten. Kluge christliche Politiker haben diese Haltung der Zionisten stets dankbar quittiert, weil dadurch eine Atmosphäre gegenseitigen Respekts und der Aufrichtigkeit geschaffen wird. Auch im jüdischen Volk, soweit es rieht zionistisch organisiert oder orientiert ist. hat diese zionistische | Haltung massenhaft Anhänger gefunj den. Die Ausnahmen bilden jene weni-! gen Assimilanten. die der Schnittlauch j auf «allen Suppen sein wollen. j Hierher gehören auch die tmentwegj ten jüdischen ..Freiheitskämpfer“. Im | Jahre 1848 kämpften sie für die Domoj kratie in Deutschland, später für die : soziale Revolution im zaristischen Rußi Land und neuesten« für die marxistische | Regierung in Spanien. Es ist gewiß das j Recht je (es Menschen, sich eine poli-: fische Überzeugung zu bilden und für, sie eimzutreten. Wenn nun aber gerade j Juden bei allen Freiheitskämpfen bo-j ‘eilig; sind, so ist da« unschwer aus der| historischen Entwicklung zu erklären.j Jahrhundertelang schmachteten die Ju-1 den im Ghetto und im Ansiedlungsrayon; nach Freiheit, unter der sie die Freiheit der Mehrheit im Staate verstanden, i Wurden sie dieser Mehrheit gesetzlich j gleichgestellt, so taten sie alles, um sich dieser Freiheit würdig zu erweisen. Sie .identifizierten sieb geradezu mit dieser Mehrheit und standen immer bei jenen 1'arteien, die für Fortschritt und Freiheit eint raten. Mit der Besessenheit von Ner.nhvtmi standen sie gewöhnlich bald in der vordersten Reihe der geistigen Vorkämpfer der Mehrhe.itSBnt.ion und auch auf den Barrikaden. Was diese Juden da taten, empfanden sie als heilige I'flicht. Ihr Judentum bedeutete ihrem nicht«, daß sie fremde Angelegenheiten br-mcion. empfanden sie nicht oder wollten sie nicht empfinden und ihre jü-lKcm Abstammung — der jüdisch.") Religion gehörten sic in der Regel ••ich; mehr an — war ihnen höchstens eine unangenehme Erinnerung. Das war da« Ergebnis einer assimilatorischen E;i: tei-klung. die — bildlich gesprochen .die Splitter im Auge des Nächsten sah. nie aber den Balken im eige- Fttnf Jahre Hilfe und Aufbau Im gleichen Umfange verbleibt die Verpflichtung. der Not des Tages zu begegnen und für die Ziiruckbleibonileu zn sorgen. So i.-t cs nötig, daß die Juden in Deutschland ihr großes konstruktives Werk ferner erhalten und festigen. Die Arbeit soll im Jahre 1938 unter der Parole ..Fünf Jahre waltuug gehe die Judenfrage nichts an.1 hat Bich Prof. Prato auf eine längere Heise ' nach Ägypten und Palästina begeben. Der überraschende Urlaub Prof. Pratos wird mit den scharfen Meinungsverschiedenheiten erklärt, die zwischen ihm und dem neugewäblteu Gemeindevorstand entstanden sind. Der ..Stürmer“ schreibt nun in «einer letzten Folge: „Nun wissen wir. wie man dort über den Juden denkt. Die Judenfrago wird aber auch dann noch das größte Problem der Welt. sein, wenn es eine kronprinzliche Verwaitunc nicht, mehr geben und ihr Name gänzlich vergessen sein wird.“ Rffubfitord In lef*Avlv| Jerusalem, 30. Dezember. (Pal cor.) Ein grausiges Verbrechen wurde in T e 1 -1 Aviv an der siebzigjährigen Hanna L ew i s und ihrem 73jährigen Ehemann Samuel begangen. Hanna Lewis wurde in ihrer Wohnung tot a u f g e f u n d e n und ihr Ehemann mit schweren Verletzungen. Beide wurden anscheinend mit einem stumpfen Instrument überfallen. Es scheint sich um einen Raubmord zu handeln. Beide Opfer kamen im Jahre 1935 aus Neuseeland nach Tel-Aviv. Ein Araber, an dessen Kleidern man Blutspnxen fand, wurde in Haft g e n o mniiüi. Kurz darauf wurde ein zweiter A r a 1) e r feste e n o m in c n. der ebenfalls unter dem dringenden Verdacht der Teilnahme an dem Doppelmord steht.. ... '-ti|i‘"-!:i!!!,|i!.|ii'imililii:il!f|'.l!i5|-it!!m!!f!m!;!t!i BLAU - WEISS - Zünder (Keren-Kajemeth- Zünder) erhältlich bei: Viktor Adler«- berg, Trafik- und Haushaltartike!, Wien, VII., Zollergasse 5. Tel. B 33-402. f-* - Üllovlei | aus Etex Israel j Bürgermeister R o k a ch gab im Tel- | Aviver Stadtrat bekannt, daß der Hafen { noch vor P e s s a c h für Passagier- 1 verkehr freigegeben werden wird. Er stellte fest, daß der Jischuw und die nationalen Körperschaften bisher 210.000 Pfund in den Hafen investiert, haben, in dem 1400 Arbeiter beschäftigt, sind. Der gesehäftsfübrende jüdisch« Vizobürgermeisfer von Jerusalem, Dr. Daniel Auster, der seit der Deportierung des Bürgermeister* Dr. Khalidi im Oktober dessen Geschäfte ehrenamtlich führte, ist von der Regierung bevollmächtigt worden, das Amt des Bürgermeisters von nun an entgeltlich zu verwalten. Drei von den vier in der Stadtverwaltung ver- Bekanntlich wurde der Oberrabbiner vor CAFE BUCHSBAUM 11., Kleine Plangasse 21 Telephon fA 43-5-19 Bürgerliche« Farn'iieneafä — Iou. ausländische Zeitungen — Senar. Raum f. geschlossene Gesellschaften - Herabgesetete Preise — Aufmerksame Bedienung einiger Zeit in dem antisemitischen ,,H - Tevere“ wegen seiner zionistischen Einstellung scharf angegriffen. Deshalb kam es innerhalb des Vorstandes zn scharten Auseinandersetzungen für und . wider den Oberrabbiner. Häuserverwaltunsen mit Ausfälligen amte übet nimmt, \ Realitäten- und Hypothek enges diäjie j führt kulaniesi durch Norbert Weichselbaum | behördl. konz. Büro, L, Lutjeck 7, H 23-0-23 iIkw: c zionistwt Bewegung'. gung: „Zurück zum Judentum11, weitgehend Wandel geschaffen. Der Zionismus hat die Juden gelehrt, ihre Verpflichtung gegenüber dem eigenen Volke zu erkennen und zu verstehen, daß Kampf für die Freiheit des jüdischen Volkes auch, Kampf für die Freiheit der Menschheit bedeutet. In Palästina geben tm-ere Chaluzim bewundernswerte Beispiele von Opfermut und Todesverachtung und sie, aber nur sie, sind ein Aktivum im Kampf um die bessere jüdische Zukunft und um eine bessere Welt. Unsere Märtyrer, die zur Heiligung des göttlichen Namens in ungezählten Hekatomben ihr Leben hingaben, und die neuen Märtyrer in Erez Israel, sie bilden das feste Fundament, auf dem die jüdische Freiheit und damit auch die Freiheit der Menschheit erbaut, wird. Von ihnen kann man sagen: „In deinem Blute wirst du leben.“ Auch für diejenigen Juden, die im Kampfe für ihr Vaterland gefallen sind, gilt dieses Wort. Gäbe es heute in Spanien Juden, die als spanische Staatsbürger ihrer Militärdienstpflicht Genüge tun. niemand dürfte ihnen einen Vorwurf daraus machen. Was haben aber Juden aus dem Auslände im spanischen Bürgerkrieg zu suchen'? Man sage nicht,, daß sie dasselbe tun wie die Italien^ und Deutschen in Spanien. Für dj| t$t'i da« deutsche und das italienische Volk1 verantwortlich, weil das Deutsche Reich und Italien sich offiziell in den spanischen Bürgerkrieg einmengen. Für die jüdischen Soldaten in den internationalen Brigaden aber ist das jüdische Volk nicht verantwortlich und auch jeder Jude muß die Verantwortung für sie ablehnen. Diese Juden stehen in Spanien auf Posten, auf die sie niemand geschickt hat, und sie stehen auf Posten, die nur Spanier beziehen dürften, nie aber Juden. Diese Juden geben der antisemitischen Presse immer neuen Stoff, die doch fälschlich behauptet, in Spanien kämpfe das bolschewistische Judentum im Dienste Moskaus gegen den Faschismus und das Abendland. Bei dieser Situation scheint es uns als unklug und politisch gefährlich, wenn die „Jüdische Revue“ kommentarlos und ohne ein Wort der Kritik einen Artikel „Jüdische Helden im spanischen Bürgerkrieg“ bringt. Man wird diesen Artikel rächt ohne innere Bewegung lesen. Juden kämpfen und sterben für eine Freiheit, die nie ihre Freiheit und nie die Freiheit des jüdischen Volkes bringen wird. Wir lesen Ja von Ein-Mann-Torpedos, von jüdischen Soldaten, „die mit Bomben behängen in die feindlichen Gräben krochen und ihre Dynamitladung dort zur Explosion brachten, bei denen sie selbst zerrissen wurden“. Wir lesen da aber auch: „Julius Deutsch trägt den Rang eines Generals.“ Wir kennen ihn, den Herrn Deut,sch, der im Jahre 1934 aus Österreich floh, während seine Genossen, die wirklich gekämpft hatten, am Galgen endeten. Dieser Herr Deutsch war übrigens nie Jude und geht uns so wenig an, wie der Prager Schriftsteller Egon Erwin Kisch, der politischer Kommissär einer Brigade ist. Das böse Vorbild der jüdischen Soldaten in Spanien wäre ein Segen, wenn es endlich der Assimilation die Augen öffnete. Wann wird die Assimilation einsehen, daß sie gegen ihr eigenes Fleisch und Blut wütet und daß sie ein gefährlicher Schrittmacher des Antisemitismus ist? Wir können auf diese Erkenntnis nicht warten. An uns liegt es, für Zion zu arbeiten und zu werben, die jüdische Jugend ganz zu erfassen und es allen Juden begreiflich zu machen, daß es unsere erste Pflicht ist, das jüdische Volk zu befreien! Zurück zum Judentum heißt nicht „zurück ins Ghetto“, sondern: „Hinauf zur Freiheit..“ Die Tragödie der Assimilation, die sich jetzt zur Abwechslung in Spanien offenbart, ist ein furchtbares Memento und eine ernste Gefahr. Wir wollen ihr durch verdoppelte zionistische Arbeit be-> gegnen. ri