Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 11 (1937-1938)
- Issue
- Heft 712 (29.12.1937)
- Date
- 1937-12-29
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3053752-3054431-3054469--7174-3520349- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seile 2 mwarnm Nr. 712. — Wien, Süttwook, 29. Dewmbtt 1987, _II i in i ii i i i i".rrrmnwi Nation. Die Juden sind bereit, für die Habsburger - Restauration einzutreten, vergessen aber nicht, daß sie eine Minderheit in Österreich sind. Das erste Wort hat die Mehrheit. Überall -in der Welt, wo Juden wohnen, wird der Tag begrüßt, werden, an dem verwirklicht sein wird, was der Kaisersohn Otto von Habsburg in einem Interview sagte, das er der französischen Zeitung „Intransigeant“ gab: „Mein Ideal ist ein auf Recht gegründeter Staat, wo nicht eine politische Partei regiert, sondern das Gerechtigkeitsempunden so stark entwickelt ist, daß sich jeder vor dem Gesetz gleich fühlt.“ Es ist Sache der Mehrheit des österreichischen Volkes, zu beweisen, daß es sich zu den Prinzipien bekennt, die dieser von hohem sittlichen Empfinden getragene Satz verkündet. Die Juden Österreichs werden bei der Durchsetzung dieses Ideals, das auch ihrem nationalen und religiösen Empfinden gerecht wird, ihren Beitrag leisten. * Wir drängen uns niemandem auf, wir wollen nichts, als unser Recht als Minderheit, mit anderen Worten: Jeder von uns erhebt. Anspruch auf dasselbe Recht wie ein Deutscher auf allen Gebieten des bürgerlichen Lebens. Alle Juden zusammen aber müssen das Recht haben, ihre kulturellen und religiösen Angelegenheiten als Kollektivum selbst wahrzunehmen, und der Staat muß das seine dazu beitragen, so wrie z. B. die Kongrua für die katholischen Priester. Es gibt, hier keine Leisetreterei, und die Überbleibsel der Assimilation, die Hintertreppenpolitik machen und es billiger machen wollen, können nur Unheil stiften. Sie jagen wieder Juden in die Angelegenheiten der Mehrheitsnation, und die Folge wäre neuer Haß und verstärkter Antisemitismus. Keine Regierung kann das wünschen. Im Gegenteil. Soll Österreich gesunden, so muß dem Antisemitismus, der seit 1934 infolge der Ausschaltung jeder Ipnflttßnäbite le# Juden;auft die politische Willensbildung nichts ist als Brotneid und Ausdruck der nationalsozialistischen Propaganda, ein Paroli geboten werden. Der Wiener Erzbischof, Kardinal Innitzer hat in seiner Weihnachtsbotschaft, die er im Wiener Rundfunk verkündete, sehr beherzigenswerte Worte gefunden: „Was uns so schwer bedrückt, ist die materielle Not der Zelt und der nicht zuletzt aus Ihr erwachsende soziale Unfriede ln den gesellschaftlichen und beruflichen Schichten jener, die durch den Namen Österreich miteinander verbunden sind. Dieser Geist des Unfriedens kann nur bezwungen werden, wenn wir für jene keinen Raum lassen, die nichts andres als die Selbstsucht kennen und kein Verständnis zeigen wollen für die einfachsten Lebensrechte ihrer Mitmenschen.“ Gerade in den letzten Wochen hatten wir Beweise dafür, wie verständnislos gerade gewisse christliche Kreise dem einfachsten Lebensrecht ihrer jüdischen Mitmenschen gegenüberstehen. Die Propaganda „Christen kauft bei Christen“ und die übrige Boykottpropaganda zeigt, daß in Anlehnung an das nationalsozialistische Vorbild Versuche gemacht werden, den Geist des Unfriedens in Österreich zu schüren, damit dieses Land ja nicht zur Ruhe kommt. Der Erzbischof von Wien hat. hier die Hand auf eine brennende Wunde gelegt, und man muß hoffen, daß die maßgebenden Kreise Österreichs dabei mitwirken werden, um diese Wunde zu heilen. Welche Staatsform Österreich immer haben wird, es wird sich nur dann wieder zu neuem Wohlstand erheben und seine Existenz, sichern können, wenn es den destruktiven Elementen den Boden abgräbt, die, um die trefflichen Worte des Kardinals zu wiederholen, nichts anderes als Selbstsucht kennen und kein Verständnis zeigen wollen für die einfachsten Lebensrechte ihrer Mitmenschen.“ Dieser Satz ist allgemein gefaßt, und auch wir wollen, daß er so aufgefaßt wird, daß er sich also gegen alle Schädlinge richtet, wo immer sie zu finden sind und welcher Nation oder Religion immer sie angehören mögen. Wogegen wir uns wehren, ist nur der Versuch „die Juden“ zum Sündenbock für fremde Sünden zu degradieren. Wir wehren uns auch gegen das System gewisser Kreise, die durch ihren Antisemitismus der Unterminierung Österreichs durch den Nationalsozialismus Vorspaandienste leisten. Es ist Sache jeder Nation, das eigene Haus rein zu halten. Das gilt für die Deutschen in Österreich ebenso wie für die Juden in östereich. Jede Nation muß für Recht und Gerechtigkeit in Österreich kämpfen. Diese Pflicht muß allen Österreichern gemeinsam sein. Dann wird Österreich einer schöneren Zukunft entgegengehen. Die fünftägige Schlacht in Galiläa Die am vergangenen Donnerstag zwischen britischer Polizei und Militär auf der einen und einer mehr ata hundertköpfigen Terroristenbande auf der anderen Seite entbrannten schweren Kämpfe erwiesen eich, was den Umfang der Operationen und die Zahl der Opfer betrifft, als weit erneter, worden, auch durchzuführen. ihrerseits die Grehzeperre Säuberung des Kampfgebietes von Terroristen Am Montag haben die englischen Truppen trotz heftiger Regengüsse ihre Operationen ata man anfangs angenommen hatte. Die in Nordpalästina fortgesetzt, deren Ziel die Kämpfe nahmen, wie die JTA. meldet, den folgenden Verlauf: Der Beginn des Kampfes Donnerstag früh fuhr ein jüdisches Lastauto aus Kfar Hachoresch bei Nazareth vorbei. Terroristen, die sich versteckt hielten, gaben auf das Auto etwa 4 0 Schüsse ab. Die j üdiechen Hilfepolizisten, die das Auto begleiteten, erwiderten dae Feuer. Die Behörden, die sofort von dem Überfall verständigt worden waren, ordneten eine Razzia in der ganzen Gegend an, an der auch jüdische Hilfspolizisten teiluahmen. Die Exekutive der Jewieh Agency, der von dem überfall ebenfalls Mitteilung gemacht worden war, setzte sich sofort mit dem militärischen Oberkommando in Verbindung. ln das Operationsgebiet wurden unverzüglich größere Militärafcteilungen entsandt, die von Flugzeugen begleitet waren. Es gelang dem Militär bald, den Schlupfwinkel der Terroristen ausfindig zu machen. Wie sich jetzt herausstellt, handelte es sich bei diesen um Mitglieder einer großen, gut organisierten Bande. Ee kam zu einem echwerene Gefecht, dae während des ganzen Donnerstag andauerte. Am Donnerstag abends wurde das erste offizielle Communique veröffentlicht, in welchem mitgeteilt wurde, daß bei den Erbitterte Gefechte in bergigem Terrain Am Freitag nahmen die Kämpfe ihre Fortsetzung; sie wurden in bergigem Terrain von beiden Seiten mit großer Erbitterung geführt. Britfecherseits wurden wiederum mehrere Flugzeuge eingesetzt. 2 2 Araber wurden getötet und viele verwundet. Erst gegen Mitternacht wurde dae Feuer eingestellt, doch verblieben die Abteilungen in ihren Positionen. Am Samstag flammten im Hügelland von Galiläa die Kämpfe wieder auf und dauerten mehrere Stunden. Die Verluste der Araber an diesem Tage eollen zehn Tote und mehrere Verwundete betragen haben. Auf britischer Seite wurden ein Offizier und zwei Soldaten verletzt. Einer der beiden Soldaten erlag später im Krankenhaus seinen Verletzungen. Umzinglung der Terroristen Am Sonntag, dem vierten Tage der Schlacht, versuchten die Truppen, die Terrorbande, deren Kampfkraft anscheinend gebrochen war, zu umzingeln. In der Nähe der Orte, wo die Zusammenstöße erfolgt waren, wurden mehrere Leichen von Arabern, meistens junge Männer zwischen 20 und 30 Jahren, gefunden, die sämtlich mit modernen Waffen ausgerüstet waren. Nach einer am Sonntag verbreiteten halboffiziellen Meldung haben die Terroristen seit Beginn der Kämpfe insgesamt 45 Mann verloren. Am Sonntag gelang ee dem Militär, die Araber gegen den Genezareth-See abzudrängen. Sämtliche Grenzübergänge wurden gesperrt, um ein Entkommen der Reste der Bande zu verhindern. Die Behörden des Libanon waren von der Paläetinaregierung gebeten Säuberung des Gebietes von den Terroristen ist Bei den Durchsuchungen in den Dörfern wurden etwa 50 Araber verhaftet. Bei den Kämpfen mit den Terroristen in der Umgebung von Tiberias gab es auf englischer Seite einen Toten, und zwar den 21jährigen Unterleutnant Mountain, der am Sonntag im Krankenhaus in Safed seinen Verletzungen erlag, sowie fünf leichtverletzte Offiziere und Soldaten. Die palästinensisch-libanesische Grenze wird von den Grenzwachen beider Länder scharf bewacht, da das Eindringen größerer Banden nach Palästina befürchtet wird. An der syrischen Grenze wurden vier bewaffnete Araber bei dem Versuch, nach Syrien zu flüchten, von einer Grenzpatrouille gefangengenommen. Die größte militärische Aktion Bei einem Versuch der Terroristen, den sie umschließenden Kreis zu durchbrechen und unweit Safed die libanesisch-syrische Grenze zu überschreiten, wurden sie vom Militär unter großen Verlusten zurückgeschlagen. Am Montag dauerte die Verfolgungsaktion an. Englischerseits werden motorisierte Abteilungen, die von Flugzeuggeschwadern unterstützt waren, eingesetzt. Militärischerseits wird erklärt, daß es sich bei Kämpfen westlich von Tiberia^lfk 'JSFlL t“' Banditen getötet und einer gefangen ge- Aktloh seit Ausbruch der Un nommen wurde. Zum Zwecke der Erleichterung der Verfolgungsaktion wurde der Verkehr auf den Straßen im Gebiete von Tiberias, Safed und Haifa eingestellt. Gegen Abend ging das Gerücht, daß es in den Bergen bei Akko zu einem zweiten Zusammenstoß mit der Bande gekommen sei. Da die Telephonverbindung in der Gegend von Akko unterbrochen war, konnten genaue Informationen nicht eingeholt werden. Nachträglich wurde bekannt, daß bei den Kämpfen am Donnerstag 18 Terroristen gefallen sind. ruhen in Palästina im Jahre 1936 handelt Die Dorfbewohner in den Grenzgebieten dürfen weder ihre Häuser verlassen, noch nachts Licht brennen lassen. Zahlreiche Dörfer wurden evakuiert Die Häuser verdächtiger Araber werden von Polizei besetzt, wobei zahlreiche Verhaftungen vorgenommen wurden. Gewehrfabrik der Terroristen In Beirut Beirut 28. Dezember. (JTA) Die Polizei in Beirut hat eine von Abgesandten der palästinensischen Terroristen eingerichtete geheime Gewehrfabrik entdeckt und zahlreiche Verhaftungen vorgenommen. * Terrorakte Der Totengräber Jehuda M i n z und sein Sohn Elijahu sind auf dem Wege zum Jüdischen Friedhof am ö 1 b e r g in der Nähe des Löwentors der Jerusalemer Altstadt von arabischen Terroristen durch mehrere Schüsse schwer verletzt worden. Zwei der Tat verdächtige Araber wurden verhaftet. Auf den Oberforstbeamten des Jüdischen Nationalfonds, J. F. W e i t z, wurden, als er sich auf einem Inspektionsgang im King GeoTge-Wald bei Nazareth befand, mehrere Schüsse abgegeben, die jedoch ihr Ziel verfehlten. Der 26jährige Joseph Ben-Jizchak Simon, der bei dem Autobusüberfall in der Nähe von Jerusalem am vergangenen Dienstag schwer verletzt worden war, ist seinen Verletzungen erlegen. In Haifa warf ein unbekannter Täter in ein überfülltes Kaffeehaus eine Bombe. Ein englischer Soldat fing die Bombe geistesgegenwärtig auf und warf sie auf die Straße, wo sie explodierte, ohne jedoch Schaden anzuriehten. Auf die Polizeistation in Tulkarem wurden etwa 30 Schüsse abgegeben. Ein Polizeipatrouille wurde nahe Tiberias beschossen. Arabische Terroristen überfielen im Dorfe Akraba bei Nablus den Notabel Talab Abu Murschad und töteten ihn. Sieben bewaffnete Araber drangen in ein Gasthaus im Dorfe Kaslah bei Jerusalem ein nnd verwundeten den Besitzer Mohamed Hassan Hussein. In der Nähe der Allenby-Brücke an det transjordanischen Grenze zer- Aoßer»Un(ie, allen OTganlMUoaen und Freunden, die uns anläßlich des Ablebens unseres Kindes Nachum trostreich snr Seite standen, einaeln m denken, bitten wir snf diesen« Wege den Jtaedruck unseres ii.s_Skt. II _ _ V-_»•tuaaenaVmnn «II «11! »11 Art sprengte eine Militärabteilung eine Schmugglerbande. In Ramleh wurde die Telephonverbindung unterbrochen. Da« Militärgericht in Nabln« verurteilte den Araber Ealdar el Amu dl zu lebenslänglichem Gefängnis nnd seinen Vater zu fünf Jahren Kerker, da man in ihrem Besitz Waffen gefunden hatte. Dem arabischen Dorfe S h p r e m, das letztens ein Zentrum des arabischen Terrors im Norden Palästinas wurde, ist eine Kollektivstrafe von 420 Pfund auferlegt worden. Ausnahmszustand ln Tulkarem Über Tulkarem wurde im Hinblick auf die gespannte Lage in der Stadt upd auf die Zusammenstöße zwischen Militär und Terroristen in der Umgebung der Stadt der Ausnahmezustand verhängt. Auf der Straße Jaffa-Jerusalem werden sämtliche durchfahrenden Autos und Wagen von Militär nach Waffen durchsucht. Wir bitten für unsere alten nnd arbeitsunfähigen Blinden am Spenden. Für die blinden Mnsiklelirer, Klavierstimmer, Korband Seeseiflechter sowie Bürstenmacher bitten wir um Arbeit. Hilfsverein der jüdischen Blindes Wien, IL, Rembrandtstraße 18 Tsißphon A 47-2-77 - Postsparkassta-Konto Nr A 14&Z1S Lipsky über Keren Hajessod: Das Finanzinstrument des jüdischen Staates New York, 28. Dezember. (JTA.) Der Vorsitzende des Exekutionskomitees der Zionistischen Organisation Amerikas, Louis L i p s k<y, erklärte auf der Jahresversammlung des Keren Hajessod in Anwesenheit von 800 Delegierten und Gästen, der Keren Hajessod werde das eigentliche F i nanzinstitut des jüdischen Staates werden. Im Verlaufe der Versammlung wurde mitgeteilt, daß die amerikanische Judenheit aufgerufen werden wird, den größten Teil der zum weiteren Aufbau Palästinas notwendigen Gelder aufzubringen. Ansprachen hielten das nichtzionistiscäe Mitglied der Exekutive der Jewtah Agency Dr. Maurice H e x t e r und der Präsident der Zionistischen Organisation Amerikas Dr. Stephen S. W i s e. Steigerung der Einnahmen des KKL Jerusalem, 28. Dezember. (JTA.) Die Einnahmen des Jüdischen Nationalfonds haben in den Monaten Oktober/November 1937 4615 Pfund, gegen 4193 Pfund in der gleichen Periode des Vorjahres, betragen. Augenarzt Dr. Isadore Gold* stein gestorben New York, 28. Dezember. (JTA.) In New York starb im Alter von 58 Jahren der bekannte Augenarzt am Mount Sinai Hospital Dr. Isadore G o 1 d s t e i n. Dr. Goldstein hatte die Augenabteilung an der Hebräischen Universität in Jerusalem eingerichtet. « Prag, 28. Dezember. (JTA.) Oberrabbiner Dr. Jacob F r e i m a n n aus Berlin ist in Spindlermühle, Tschechoslowakei, wo er sich zur Erholuni aufhielt, plötzlich gestorben. Die Bestattung fand Sonntag, den 26. d., in Holleschau, Mähren, statt. Oberrabbiner Dr. Jacob Freimann wurde 1866 in Krakau geboren, war von 1890 bis 1913 Rabbiner in Kanitz und Holleschau, wurde 1914 als Oberrabbiner nach Posen, dem Sitz Akiba Egers, ata Nachfolger von W. Veilchenfeld berufen, seit einer Reihe von Jahren fungierte er als Rabbiner der Jüdischen Gemeinde Berlin. Er war ein hervorragender Gelehrter, einer der besten Kenner der mittelalterlichen hebräischen Literatur. * Paris, 28. Dezember. (JTA.) Hier starb der ehrenamtliche Generalinspektor für öffentlichen Unterricht Albert Gaben. Caben war Mitglied des Zentralkomitees der Alliance Israölite Universelle, des israelitischen Konsistoriums in Paris und Professor an der Rabbinerschule. Er war einer der engsten Mitarbeiter des verstorbenen Prof. Sylvain Levi im Hilfskomitee für die aas Deutschland vertriebenen jüdischen Intellektuellen. Der Verstorbene war auch Kommas« daht der Ehrenlegion, '*1