Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 11 (1937-1938)
- Issue
- Heft 711 (27.12.1937)
- Date
- 1937-12-27
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Wr. 711. — Wien, Montag:, 27. Dezember 1927. Seite S Kampf gegen das Weltjudentum mitmacben, eine Art von Sympathiekampf au* nationalen Beweggründen mit Rücksicht aufs Deutsche Reich und den il. Juli, der zu allem nach Auffassung gewisser Kreise herhalten muß, aber wir müssen dabei nüchtern und ehrlich genug sein, uns zu sagen: den Ausfall von hundert Millionen, den wir durch Italien und Deutschland erleiden, werden wir auf dem vom Welt Judentum beherrschten Weltmarkt nicht unterbringen — und für weitere hundert Millionen für österreichische Waren wird der Weltmarkt wahrscheinlich auch plötzlich keinen Bedarf mehr haben. Die Zeche davon aber zahlt das Österreich)- j sehe Volk mit seinem Hunger, was ja viel-' leicht auch wieder ins Konzept gewisser Kreise passen mag. j Für uns aber, die wir für dieses Volk und seine Freiheit bis aufs äußerste zu kämpfen bereit sind, gibt ee dem Weltjudentjum gegen über, der nackten Not gehorchend, nur eim Stellungnahme: Leben und leben lassen. Wir sind uns klar darüber, daß aus diesei Ausführungen sicher keine Sympathie für das Judentum spricht. Ohne uns in Details einzulassen, wollen wir nur feststellen, daß der Grundsatz „Leben und leben lassen“, der einzig vernünftige ist. Er besagt, daß jedermann das Recht auf Brot und Erwerb im Rahmen der Gesetze hat. Es wäre besser um den inneren Frieden in Österreich und den Wohlstand bestellt, wenn dieser Grundsatz überall praktisch verwirklicht wäre. Das Wahrzeichen des Dritten Reiches Leben und leben lassen Die Rede des Vertreters der Juden in der .Wiener Bürgerschaft, Dr. Ehrlich, hat ein nachhaltiges Echo gefunden. Erfreulich ist hiebei die Haltung einiger Provinzzeitungen, die wohltuend von den Auslassungen der „Reichspost“ und der „Wiener Neuesten Nachrichten“ absticht. So schrieb zum Beispiel die in Innsbruck erscheinende Volkszeitung, sie halte einen Kommentar zur Rede Dr. Ehrlich® für überflüssig, sagt aber eingangs dazu: „Auch bei uns in den Alpenländern wird insbesondere von nationalsozialistischer Seite vielfach behauptet, Wien sei eine total verjudete Stadt, alle einflußreichen Stellen seien dort in Judenhänden. Derartige ,Schlager' sind dazu angetan, das notwendige gute Verhältnis zwischen der Bundeshauptstadt, und den Bundesländern zu trüben. Anläßlich der Beratung des Voranschlages der Gemeinde Wien wurde auch über dieses Kapitel eine sehr aufschlußreiche Debatte abgeführt, die die tatsächlichen Verhältnisse im richtigen Lichte erscheinen läßt.“ Der „Tiroler Anzeiger“ (Innsbruck) widmet einen besonderen Artikel der Judenfrage und stellt fest, daß es in Tirol und Vorarlberg keine Judenfrage gibt. Diese Feststellung ist bezüglich Vorarlberg deswegen von Interesse, weil die national Betonten dort ein Geschrei über die zunehmende Verjudung erheben, wenn es in Vorarlberg sieben Juden mehr gibt. Weiters führt der „Tiroler Anzeiger“ aus: „Das Weltjudentum hat starken politischen Einfluß bei den meisten Völkern — es hat überragenden Einfluß auf den zwischenstaatlichen Welthandel und Weltverkehr. Man mag diese Tatsache bedauern, dae aber enthebt niemandem, damit zu rechnen. Als in Deutschland beim Anbruch des Dritten Reiches der Generalboykott gegen das Judentum einsetzte, mußte inan ihn vorerst wieder abbrechen. Damals wurde gesagt, man habe nicht gewußt, daß das Judentum so stark sei. Seither ist die Klage des zurückgetretenen deutschen Finanzministers Schacht niemals mehr verstummt, daß die Welt nicht mehr von Deutschland kaufe — das heißt mit anderen Worten: der deutsche Außenhandel ist in großen Ausmaßen zusammengebroohen. Devisenmangel — Nahrungsmangel — Rohstoffmangel für die Industrie waren die Folge.- Dem Generalboykott gegen die Juden im RöiCÄ — folgte der Generalboykott gegen da« Reich auf dem Weltmarkt. Und die Lehre davon für uns?- Leider erfährt unser Außenhandel gerade zurzeit eine empfindliche Einbuße, da Italien gezwungen ist, seinen Handel mit uns einzuschränken — Deutschland aber vermag selbst die bisherigen österreichischen Warenlieferungen nicht mehr zu begleichen, so daß auch hier eine Einschränkung erfolgeh muß. In ausländischen Zeitungen wurde dieser Ausfall mit 100 Millionen im Jahr beziffert. Diese 100 Millionen müssen irgendwo anders untergebraoht werden. Wir können nun einen frischfröhlichen Die Nummer 51 (Dezember 1937) des von Julius Streicher in Nürnberg herausgegebenen „Stürmer“ trägt die Riesenüberschrift „Der Stürmerkasten“ und schildert den Siegeszug dieser Institution Streichers, die immer mehr zu einem Wahrzeichen des Dritten Reiches werde. Zahlreiche Bilder illustrieren die Tatsache, daß in kleinen und kleinsten Orten Kästen mit den judenhetzerischen Aushängen aufgestellt werden. Da Streicher sich rühmen kann, das Sprachrohr des Führers und Reichskanzlers zu sein, vollziehen die Parteiführer einer nach dem anderen den Kotau vor ihm. Fast jede Nummer des „Stürmer“ bringt eine Huldigungszuschrift eines Gauleiters für Streicher. In der Nummer 51 äußert sich der Gauleiter von Düsseldorf, Lumau: „Das Dritte Reich Adolf Hitlers stehtundfälltmit der Rassenfrage. Mit den .Nürnberger Gesetzen“ hat dei hartnäckige Kamp! des ,Stürmer“ seine Krönung und höchste Würdigung erfahren. Wenn viele Jahre zähen, erbitterten Ringens schließlich dazu geführt haben, daß das Volk in seiner Gesamtheit die ^Nürnberger Gesetze“ mit Jubel begrüßte und sieh wie von einem Alpdruck erlöst zu ihren ehernen Forderungen bekannte, dann danken wir dies nicht zuletzt der beharrlichen Hartnäckigkeit und der unermüdlichen Aufklärungsarbeit des ,Stürmer“. “ Gotteslästerungsanzeige gegen den „Stürmer“ Dieselbe Nummer des „Stürmer“ meldet, daß der Stadtamtmann im Ruhestand, Arthur Hildebrandt in Leipzig gegen den verantwortlichen Redakteur Karl Holz die Anklage wegen Gotteslästerung wegen folgender in Nr. 44 abgedruckten Sätze erhoben hat: „Der Gott Jahwe, den der Jude anbetet, ist der größte aller Verbrecher. Er lehrt den Juden Raub. Diebstahl, Lüge, Mord, Schändung und alle Laster.“ Stadtamtmann Hildebrandt schrieb in der Anzeige: „Durch diese Behauptung fühle ich mich als Christ in meinem religiösen Empfinden aufs tiefste verletzt. Jahwe ist der Name des heiligen, allmächtigen und allgütigen Gottes nach dem in hebräischer Sprache geschriebenen Urtexte des Alten Testaments, das anerkanntermaßen einen wesentlichen Bestandteil der Bibel — der Grundlage des christlichen Glaubens — bildet.“ Die Anzeige endet: „Heil Hitler“. Der „Stürmer“ schreibt dazu: „Der Herr Stadtamtmann Hildebrandt kommt damit dem Wunsche des „Stürmers“ entgegen. Der „Stürmer“ will haben, daß die Frage des Judengottes Jahwe endlich vor dem Gericht des Dritten Reiches aufgerollt wird. Das ist schon lange notwendig. Bisher stand Gott Jahwe tatsächlich unter dem Religionssohutzparagraphen. Es läßt sich aber leicht nachweisen, daß jener Schutzparagraph einen ,Gott“ vor der öffentlichen Anklage bewahrte, der ein Verbrecher ist von Anfang an und das Verbrechen immer lehrte.“ Es folgen die berüchtigten gefälschten Zitate aus Bibel, Talmud und Midrasch. Recht geschieht Ihm! Ein junger Straßburger, der Sohn reicher jüdischer Kaufleute, reiste in der vergangenen Woche nach Sonnenberg, einem Zentrum der deutschen Spielzeug Industrie, uni für das Geschäft seines Vaters einzukaufen. In einem Tanzlokal machte er die Bekanntschaft eines jungen, blonden Mädchens, das sich auch bald bereit erklärte, den jungen Franzosen in sein Hotel zu begleiten. Kaum hatte das Paar die Tür des Hotelzimmers hinter sich geschlossen, als Polizeibeamte erschienen und den jungen Mann aus Straßburg weyen versuchter „Rassenschande“ verhafteten. Trotz einer Intervention des französischen Konsuls in Leipzig befindet er sich noch im Gefängnis. Des Eisenstädter Ghettos Freud und Leid Die in Eisenstadt wohnenden Juden waren Bauern, Viehzüchter, Handwerker, Händler, genau wie die anderen Bürger und genau so, wie es den wechselnden Stufen und Formen der jeweiligen Wirtschaft entsprach. Eine Urkunde aus dem Jahre 1296 berichtet, daß die Söhne des Ebron Mendel ihr Lehen zurückerhielten. Hieraus läßt sich einwandfrei ableiten, daß einmal viele der in Eisenstadt seßhaften Juden im Mittelalter in der Landwirtschaft tätig waren, ferner, daß sie bereits längere Zeit vorher hier gelebt haben mußten. Auch aus 1373 liegt ein Dokument vor, das von der Anwesenheit von Juden in Eisenstadt erzählt, und zwar im Zusammenhang mit ihrer Steuerverpflichtung dem Bischof von Agram gegenüber. Jüdische Viehzüchter und Handwerker Die erste geschlossene Judensiediung lag in der Nähe der heutigen Franziskanerkirche in der Josef-Haydn-Gasse. Sie empfing durch die Ausweisung der Juden aus Niederösterreioh (1496) Zuwachs. Die Einwanderung nahm unter der wohlwollenden Herrschaft des Pfandherm Veith von Fürst und dessen Nachfolger zu. Auch unter den Herren von Weißpriach konnten die Juden ihren Geschäften in Ruhe nachgehen. Aus einer Beschwerde der mißgünstigen Bürgerschaft an Weißpriach, schreibt Diplomkaufmann Karl Löwy im „Neuen Burgenländischen Volksblatt“, geht hervor, daß die Juden sich mit „bürgerlichen Hantierungen . . ., als Fleischhacken, Kramereien und was dergleichen mehr äst“, befafäten. In einem weiteren Absatz dieser Schrift lesen wir: „Nachdem sich das arme Städtlein mit dem Weingartenbau und schlechten (= geringen) Ackerbau auch mit dem Vieh und dergleichen erhalten muß und sunst ainicher Hantierung nit hat, so wird durch die Juden mit Abhaltung der Weidt durch ihr Vieh, dessen sie allerlei hauffenweise auf unsere gemaine Weidt halten, großen ansehnlichen Schaden zugefttgt wird ...“ Es ist sicher eine Übertreibung, wenn die Bürger behaupten, daß die Juden Vieh „hauffenweise“ auf die gemeinsame Weide schickten; sie wollten wahrscheinlich durch eine entstellende Vergrößerung die lästige Konkurrenz abschütteln. Anderseits muß festgehalten werden, daß die Juden damals auch Viehzüchter waren, demnach keine Abneigung, wie immer argumentiert wird, gegen die Scholle zeigten, sondern im Gegenteil Jahrhunderte hindurch eine echte Naturverbundenheit bekundeten. Mit dem Ableben des Beschützers Weißpriach löste der Kaiser die verpfändete Stadt zurück. Schon nach kurzer Zeit konnten die Bürger ihren alten Wunsch, die Juden auszuweisen, durchdrücken; doch durften die Juden bald zurückkehren. Unter dem Schutz der Esterhazys Einen bedeutsamen Einschnitt in der Entwicklung Eisenstadts und damit auch für die Juden war das Jahr 1622, beziehungsweise 1626, als die Stadt an die Familie Esterhäzy tiberging. Die Esterhäzys waren Schutz- und Schirmherren der Juden in des Wortes wahrem Sinne. Während ihrer Herrschaft vergrößerte sich ihre Gemeinde, ihr Wohlstand verbreiterte sich; ihre religiösen Einrichtungen konnten erweitert werden, aber auch ihre Geschäfte durften sie sorgenfreier ausüben. Etwa fünfzig Jahre lang kojmten sie sich einer wohligen Behaglichkeit erfreuen, bis auch sie von der Flut des Judenhasses, von Wien kommend, weggeschwemmt wurden. 1671 wurden die Juden auch aus Eisenstadt vertrieben und mußten in mährischen, bayrischen, preußischen und polnischen Gemeinden Zuflucht nehmen. Aber schon nach vier Monaten, wahrscheinlich auf die Fürsprache der mächtigen Esterhäzy, konnten die. Flüchtlinge zurückk ehren. Nun tritt wieder ein wichtiger Wendepunkt für die Juden Eisenstadts ein: sie wurden aus dem alten Judenviertcl innerhalb der Stadtmauern auf dem sogenannten Berg bei dem fürstlichen Meierhof — der heutigen Judengasso — angesiedelt. In diesem Zeitpunkt befaßten sie sich hauptsächlich mit dem Handel der landwirtschaftlichen Produkte, die sie gegen Leinwand und Tuch einhandelten. Eine andere Quelle ihres Einkommens war der Wein-, Salz-, Vieh- und Fleischhandel. Sie besorgten den Zubringerdienst nach der Handelsmetropole Wien imd versorgten Eisenstadt und seine Umgebung mit den Stapelwaren aus der Kaiserstadt. Hervorragende Kaufleute stellten die Familien Austerlitz, Spitz, Schlesinger, Preisach, Stettin. Pollak, Sulzbacher, Heß, Wolf, Breyer, Schneider und andere mehr. Die Gemeinde blühte auf. Das Verdienst des kaiserlichen Oberhof- und Kriegsfaktors Wertheimer Während der Kuruzzenzeit (Anfang des 18. Jahrhunderts) wurde die Judensiediung ausgeplündert und niedergebrannt. In Samson Wertheimer, einem kaiserlichen Oberhof- und Kriegsfaktor, erstand den Verfolgten ein wahrer Retter in der Not; er trug ganz hervorragend zum Wiederaufbau Die ersten Flüchtlinsspässe Als erster der Staaten, die die Genfer Konvention über Schutz der F 1 ü c h t- 1 i n g e unterzeichnet haben, stell: jetzt Frankreich den Flüchtlingen T* ii s s e aus, die als international anerkannte Reisedokumente gelten. Der Flüchtlingspaß trägt die Überschrift: „Cert.ifieat d’identite et de voyag« ponr los refugies provenant d'Allemagne (applieation de decret du 17. IX. 1936)“. Beim französischen Innenministerium wurde ein „Comite Consultatif“ eingesetzt, dem Vertreter der verschiedenen Richtungen innerhalb der Emigration, der Hilfskomitees und anderer maßgebender französischer Organisationen angehören. Das Komitee wurde anfangs vom ehemaligen Berliner Polizeipräsidenten Albert Grzesinski geleitet, dem der ehemalige französische Deputierte Paul P e r r i n gefolgt ist. Es hat seine Arbeit im wesentlichen beendet. Kein jüdischer Abgeordneter in Rumänien Bukarest, 25. Dezember. (JTA.) Auf die Liste der Jüdischen Reichs partei, die bei den rumänischen Wahlen mit allerlei widrigen Umständen zu kämpfen hatte, sjnd im ganzen 34.849 Stimmen, das sind 1.31% der Gesamtstimmen, abgegeben worden. Obwohl diese Stimmenzahi zu der Erlangung einiger Mandate ausgereicht hätte, geht die jüdische Reichspartei leer aus, da sie nicht die vorgeschriebenen 2 Prozent der Gesamtstimmen erreicht hat. Wohl haben einige wenige rumänische Parteien Juden als Kandidaten auf ihre Listen gesetzt, aber nur an wenig aussichtsreichen Stellen, so daß kaum zu erwartenist, daß im neuen Parlament Juden sitzen werden. Die Niederlage Tatarescus Das hervorstechendste Moment dieser Wahlen ist, daß zum ersten Male in der Geschichte dos rumänischen Parlamentarismus eine Regierungspartei, diesmal die Liberalen, die zur Erlangung der Prämienmandate erforderlichen 40% aller abgegebenen Stimmen nicht auf ihre Listen zu vereinigen vermochten. Es kommt deswegen bei der Verteilung der Restmandate nicht da« Prämieneystem, sondern da« Proporzsystem zur Anwendung, welche« nicht allein der größten Partei, sondern allen jenen Gruppen, die dae Mindestmaß von 2% der Gesamtsummen erreicht hatten, zugute kommt. Die bisherige liberale Regierungepartei, die von den 2,700.000 abgegebenen Stimmen nur 971.000 (37.5 Prozent) auf sich vereinigen konnte, wird gemäß der Verfassung nicht in der Lage sein, selbständig die Regierung weiterzuführen. überrascht hat die hohe Ziffer der auf die Listen der Codreanu- Partei der Gemeinde bei. In den folgenden Jahren konnte sich die Siedlung wieder ruhig entwickeln; sie erhielten frischen Zuzug; der Wohlstand stieg. Diese Periode gesegneten Friedens währte bis zur Franzosenbesetzung 1809, die drückende Lasten verursachte. Um die Mitte de« vorigen Jahrhunderts durften sich die Juden auch im Stadtgebiet ansiedeln. Die wirtschaftliche Entwicklung während des Liberalismus wirkte sich auch auf die Beschäfügungsstruktur der Juden aus. Während dieser hochkapitalistischen Zeit wurden große Weinhandelsfirmen, wie Wolf, Ungar. Stroh, gegründet; aiuch eine kleinere Lederfabrik, die ihre Erzeugnisse hauptsächlich in Wien absetzt.e, wurde von der Familie Spitzer errichtet. Die Weinfirmen zählten zu den bekanntesten und angesehensten der alten Monarchie und insbesondere die weitverzweigte Firma Wolf betrieb ein umfangreiches Import- und Exportgeschäft von Südeuropa bis in die nordischen Länder. Die gegenwärtig in Eisenstadt seßhaften Juden, die in freien Berufen tätig sind, sind fast durchweg aus den Gebieten der ehemaligen Monarchie (Wien, Ungarn, Slowakei) zugewandert. Der bevorzugte Stand blieb der Handel: vom Großhandel bis zum Hausierhandel. Es ist keine Übertreibung, wenn man behauptet, daß das Eisenstädter Ghetto die praktische Hochschule für den WTeinhandel war. Hier wurden viele Weinhändler ausgebildet, die auch noch heute bedeutende Weinhandiungen in Wien, Prag- Triest, Berlin, Brünn usw. führen. In der Nachkriegszeit verarmte die bürgerliche Mittelschicht der Eisenstädter Juden. Sie büßte ähre Ersparnisse ein, so daß sie auch ihren Hausbesitz zu verschleudern _ gezwungen war. So finden wir gegenwärtig, _ daß das Ghetto nicht nur nicht judenrem ist, Bondern unaufhaltsam die Majorität an die sich stets vermehrenden christlichen Bewohner abgibt.