Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 11 (1937-1938)
- Issue
- Heft 710 (24.12.1937)
- Date
- 1937-12-24
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/3053752-3054431-3054467--7164-3520337- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
fett« 4 Nr. 710. — Wien, Frntt*«. H PwanAwr MSt- Wir bitten für unsere alten ond arbeitsunfähigen BllndM om Spenden. Für die blinden Musiktehrer, Klavierstimmer, Korb- und Sesselfleehter sowie Bürstenmacher bitten wir om Arbeit flllfjverein der lOfflscbes Blinden Wien, II., BembrandtetraOe 18 Die mannliafte Rede einet Ministers „Wären die Juden nicht nach Südafrika gekommen, so ■wäre heute das Laad arm. Und sollten die Juden aus Südafrika vertrieben werden, so würde die Erschütterung der Kultur und des Wohlstandes unseres Landes entsetzlich sein.“ Dies waren T einleitenden Worte des Hauptredners, Mi sters Hofmeyr. „Antisemitismus“, fuhr er fort, „ist ein giftiges Insekt, das von einem schlechten Winde über die See hergeweht wurde. Ich staune, daß so etwas unserer Tradition Fremdes sich, wenn auch nur übergehend, in unserem nationalen Leben eingenistet hat. Wenn wir Fremden einmal erlaubt haben, unseren Boden zu betreten, so ist es eine Sache der christlichen Diplomatie, all denjenigen, die gesetzlich in unser Land gekommen sind, die gleiche Behandlung zuteil werden zu lassen. Die Juden haben durch all das, was sie der ganzen Menschheit geben, die Menschheit zu ihrem Schuldner gemacht. Fast alles Geistige, ein großer Teil der Kultur, und viel von der materiellen Seite geht zurück auf die zwei kleinen Völker: Juden und Griechen, Hellenismus und Hebraismus waren die zwei größten geistigen Faktoren in der Entwicklung der Menschheit. Johanna Thal-Birsen (Johannesburg) Franz Werfels Jirmijah «Roman „... Die« Ist kein Buch, Camerado“, ruft einmal der amerikanische Dichter Walt W h i t m a n aus: „Wer die* anrührt, der rührt einen Menschen an!“ Ein! Mensch, Jirmejahu aus Anathot, Künder des göttlichen Wortes, ist die steil aufraffende Mitte des neuen Romanea von Franz Werfel „Höret die Stimme“ (Zsolnay-Verlag), der im Gleichnis der Vergangenheit die Bedrängnisse von heute erkennt. Eine gewaltige mythische Gestalt — und doch nur; Repräsentant des gottergebenen Rests des Volkes Israel, von Gott erkoren, den wem-; gen Getreuen durch Irrungen und Wirrungen, durch Prüfungen und Läuterungen hindurch den „W eg der Verheißung“ zu; weisen! Schon in seinem Bibelspiel hatte deri Gönner, der gottgehorsame König Jo ei ab, ist zu leidenschaftlich, zu ungeduldig, seiner Frömmigkeit allzu gewiß, als daß sein Regiment Bestand haben könnte. Jirmijah warnt den Freund, sich mit dem übermächtigen Ägypten einzulassen, aber er kann „M e g i dd o“ nicht verhindern, der König fällt, sein Nachfolger wird der böse, eitle J o j a k i m, ein Vasall Ägyptens, und wieder warnt Jirmijah vergebens, unter Lebensgefahr aus Ägypten entrinnend, ein Märtyrer, den keine körperliche Peinigung hindern kann, die sozial-ethische Botschaft auszuspreehen, deren Verkündung, Bewahrung, Weitergabe, Sinn und Sendung des auserwählten Volkes ist: Der Gerechtigkeit jaget nach! Jüdische Unternehmer, Jüdischen Arbeitslosen und fordert anläßlich der WlRlersslSSR den Bedarf an Angestellten und Arbeitern aller Kategorien beim jüdischen Verein für unentgeltlichen ■ *i, l, Kohlmeaaergasse 4, Telephon U 27-0-65, an. Dichter das erschütternde Wesen des tragischesten aller Nebiim beschworen, der als ziger mitten unter Scheinpropheten und offenkundigen Lügnern die Stimme deB Herrn vernimmt und glaubensmutig die dem störrischen Volke, vor allem aber den Priestern und Oberen verhaßte Wahrheit ausspricht — wird er nicht zum Unheil des Ganzen, grell überschrieen von den Klugschwätzern und Hinterhältigen, den Dienst- und Zungenfertigen, die mehr der eigenen Faust vertrauen als Gott, dem Herrn? Wie modern mutet uns doch die Persönlichkeit, Jirmijahs an. die in ihrer überzeitlichen Ein neuer König, Z i d k i j a h, des Propheten vielversprechender Zögling, freilich ohne Stärke und Mut der Bewährung. Wird er uns endlich den Frieden geben? seufzt das Volk. Jirmijah will den Ewigen um Gnade bitten, aber die Stimme bleibt unerbittlich hart, weil Gott sich nicht mit Halbem begnügt, weil der „Schwertkneoht Gottes“, Nebukadnezar, schon auserseheu ist, Stadt, Tempel, Freiheit Israels zu vernichten und den Rest des Volkes zur Läuterung in die Gefangenschaft nach Babel zu führen. Denn der vom Gesetz vorgeschriebene J o b e 1 ist nicht eingehalten worden, statt aus freien QR088FLEI8CHHAUEREI IIEGM. KORNMEHl ZENTRALE, IX, BERGGASSE NUMMER I» TStEPHQNNUMM«» » I7-M9 und * l»»94 Lieferant tür Heilanstalt#« Abteilungen I. -®3-FleiMh unter AuWoht da» Ehrwürdig«« Ratminattdsi laiaalitiachen Kultusgstneinda Wim Autos ustallung kMtanlos IX„ Berggasse 10, XVIII., Währingerstrafie 71 Sevilla Pastor: „Oie kleine Ganefte“ Wie bereits angekündigt, findet morgen, Samstag, 4 Uhr nachmittags, in den Jüdischen Künstlerspielen, Praterstraße Nr. 84 (Tel. R 45-4-94). die Premiere des musikalischen Lustspiels „Die kleine Ganefte“ von Nagler (Liedertexte M. Pastor, Musik von J. D. P o 1 a k o f f) statt. Das Interesse für dieses in Wien noch nie gespielte Schlagerstück aus dem Mali-Picon-Kepertoire ist besonders groß, weshalb es empfehlenswert ist, sich für die Feiertagsvorsteilunfen rechtzeitig Karten zu besorgen. „Die leine Ganefte“ wird mit Sevilla Pastor in der Titelrolle Samstag, den 23., und Sonntag, den 26. Dezember, abends >49 Uhr, und an beiden Tagen (Samstag, 4 Uhr, und Sonntag, >44 Uhr, auch nachmittags bei kleinen Preisen; gegeben. Das weitere Repertoire lautet: Montag, den 27.-. „Kojft a Kak“, Dienstag, den 28: „Die kleine Ganefte“, Mittwoch, den 29.: „Juki kriegt Petsch“, und Donnerstag, den SO.: Abschiedsabend Markus Hersehkowitz in „Der grojsse Sod“ mit Erna Siegler im Solo (Conference: Erwin Engel), Sevilla Pastor, Nachbar u. v. a. Freitag, den 31. d.: Große Silvester-überraschungsVorstellung. Kartenvorverkauf bereits eröffnet. Ball Im „Metropole“, Samstag, 2Z. Jänner 1938 Die Arbeit des Keren Kajemeth Chajei' Aktion. Bttr-EIngänge: S 10.500. Bisherige Sammitqsgsresultat« aer Gruppen, die für die Eintragung des Obberrabbmers Chajes Sammlungen durchfübreo (Fortsetzung): Vereine and Klubs: Herzl-Klub 245.55: Alt- Btau-Weiß 185.-; Klub Zion. Kaufleute 60.—; Leseand Redehalle 56.10; Verein der Buezae*er 82.—; „Hort“ Logo 30.—. Tempel; „Bet.h Israel“ 103—; „Emunaa Avos“ 62.— Machleketb Hanoar; 338.96. Provinz: Graz 425.—; Klagenfurt (bereits veröffentlicht) 700.—; Mödling 124.—; Salzburg 388.—; diverse kleinere Orte 123.65. Parteienverkehr im Keren Kajemeth. las Präsidium de» Keren Kajemeth richtet Arbeitszeit des Büros. Be usw. (mit alleiniger Ausual ruag) vor 11 Uhr vomottm Da jedem Gg. sicherlich störter Arbeit des KKI.-l hofft da« Präsidium, daß verstanden und beherzigt flabhefe- Komplette Gärten. Der Garten auf den Namen Dr. Georg Weiner e. A.. genfift-et durch den lär. lluin.- Ver. „Masssdah“. ist komplett. Der durch die Lehrer- und Schülerschaft des Chajrs-Realgvmnasiums gestiftete Garten auf Namen Dir.-Dr. Viktor Kellner, anläßlich »eine« 50. Geburtstages, ist vollständig. Der durch die Judenheit Döblings auf Namen Bela Fränkl. anläßlich seine« 70. Geburtstages, gestiftete Garten ist komplett. Monatsschau des Keren Kajemeth. Die gelangt. — Am Samstag, den 25. d. M.. um 8 Uhr abends, spricht PräricUalmitglied Dr. Arie Fränkel im „Binjan Haarez“, Sektion Zwiseheiibrücken. Vorgartenstraße 70. über das Thema ,Die Arbeit des KKL in Erez Israel und in der Golah“. Sefer Hajeled des Keren Kajemeth. FeKx Lustmann anläßlich seiner Geburt,. — In Österreich wurden bisher 65 Sefer Ha-jeled-Eintragungen <1 urchgeführt. Silbernes Buch des Keren Kajemeth. Felix und Annic Rumpler durch die Hochzeitsgäste (Nr. 763). Telegramme des Keren Kajemeth. Künstlerische Telegraai.n-Blankette des Keren Kajemeth sind zum Preise von ,8 1.— im Koren Kajemeth erhältlich. Geeignet für alle Gelegenheiten des jüdischen Familienleben«. Problematik dazu beiträgt, daß sowohl im Drama als auch im Roman der „weltweite Widerspruch, der die Jahrtausende verbindet und trennt“, aufgehoben erscheint und uns, mit antiken Gewändern bedeckt, Leidensmensehen unserer bitteren Gegenwaxt auferstehen... Erleichtert dies dem Dichter die Aufgabe, so ergibt sich für ihn doch eine andere Schwierigkeit: Wer wollte wetteifern mit dem gültigen, jedermann vertrauten Wort der Bibel! Es ist bewundernswert, wie Werfel die lapidaren Sätze der Heiligen Schrift einbettet in das blühende Leben seiner reichen, kühnen Prosa, wie er im Leser unglaubliche Spannungen erzeugt (obwohl diesem die historischen Vorgänge und das Endergebnis bekannt sind), indem der Erzähler die Maschen der biblischen Chronik mit jenen fein ersonnenen psychologischen Details ausfüllt, die den Romanfiguren die marmorne Kälte nehmen und uns zu Mitwissern ihrer Leidenschaften und Fronungen machen — ähnlich wie die griechischen Tragiker die vorgeschriebenen Szenen mit allesverzeihender Menschlichkeit erfüllten. Zwischen gefühllähmender Heroisierung und verkleinernd verzerrender Psychoanalytik fand so Werfel den richtigen Weg, um das Wunder zu erklären: wie aus dem verworrenen Träumerjüngling Jirmijah der Weltprophet Jeremias wurde. Ach, es ist ein Dornenweg! Jirmijah wehrt sich anfangs — wie Moses und alle anderen Seher und Propheten — gegen die Zumutung, er solle seinen Lebenssinn in der Kündigung der göttlichen Stimme finden, er glaubt zeitweilig. es könnte ihm „ein unbelastetes Mcnschenschicksal irgendwo in der Welt zugebilligt“ sein, er hofft, sich (gleich Adam) in der Liebe zu einem Weibe vor Gottes Anruf verstecken zu können — vergebliche Flucht, er muß doch die Bürde der Erkenntnis und des Weitergebens tragen, um des Volkes willen, das oft uud oft dem Taumel der fremden Götter und fremden Sünden zu erliegen droht... Der Prophet im Kreis der Familie: sie hassen, verachten, bemitleiden ihn, der ungeduldig-strenge Vater, Jirmijahs Brüder, der eine ein plumper Bauer, der andere ein eitler Weltmann — nur die Mutter begreift die Sendung des ..mißratenen“ Sohnes, seine Flucht in die Welt, um sich zu entladen, wie auch späterhin seine verstohlene Heimkehr, um sich vor dem Entscheidungskampf mit den Feindmächten zu sammeln. Und die große Welt: ein getreues Abbild der kleinen! Man hört die Stimme, aber man versteht sie nicht. Rings Unzucht, Unglaube, Ungerechtigkeit, selbst Jirmijahs Gottesdienern besteht das Volk aus würdelosen, miteinander hadernden Sklavenhaltern und Sklaven. Ob sich auch Israel in letzter Stunde heldenmütig zur Wehre setzt: Marduk-Babylon ist stärker, Jerusalem wird eingenommen, Zidkijah geblendet, seine Söhne werden enthauptet, die Vornehmen ins Zwischenstromland verschleppt. Noch einmal scheint Gott dem geschlagenen Volke seine Gunst erweisen zu wollen, indem er ihm den edlen Gedaljah zum Statthalter gibt, der den im Heiligen Lande verbliebenen Rest Israels sammelt, die Wunden der Gemeinschaft zu heilen sucht — aber der Wohltäter wird von Parteigegnern umgebracht, von Juden! Nun ist des Landes Schicksal besiegelt, geängstigt wandern die Letzten nach Ägypten aus, wohin ihnen auch der Prophet als Warner, als Wortbewahrer folgt. Aber ehe er die teure Heimat verläßt, sucht er noch die Stätte des verwüsteten Tempels auf, und er findet einen Splitter der zertrümmerten Gesetzestafeln, worauf das verheißungsvolle Wort geschrieben: „Damit du lebes t.“ Diesen Trost will er den Brüdern mitbringen, daß sie ihn treulieh bewahren für Kinder und Kindeskinder: Damit du lebest... Das heißt nicht: Damit du einige Jahre weniger früh sterbest! Das heißt: Damit du den Tod überwindest, habe ich solches an dir getan ... Damit du mein seist, damit ich dein sei. hast du gelitten. Euer Sieg wächst von Niederlage zu Niederlage,,, Du schöpfst die Verheißung nicht aus... Höret die Stimme! In einen bemerkenswerten, modernen Rahmen hat Werfel sein historisches Epos gefaßt: Jirmijah ist nichts anderes als das Traumerlebnis eines Dichters jüdischer Herkunft, der mit einer Reisegesellschaft das heutige Erez Israel besucht. Aus ungeheuerlichem blitzschnellen Erleben wird ihm das grandiose Gesicht des altjüdischen Kämpferpropheten, er tritt sozusagen seine Nachfolge an — und als er aus der Absence zu frischem Leben erwacht, ist er ein anderer geworden, noch fremder, vielleicht der brüllenden, jagenden, taumelnden Welt, aber näher zu Gott, näher dem Ursprung, dem Neubeginn, dem Ziel! Liegt nicht ein tieferer Sinn darin, daß Werfel nur einen Dichter der Nachfolge, der Nacbspürung Jirmejahus für würdig hält, der das Leid der Welt auf sich nimmt, trotzend der Verachtung, dem Spott? Ist nicht Israel selbst unter den Völkern dieser Dichterpropbet, dem die Aufgabe zuteil ward, Warner, Gotteskünder, Verwirklicher der sozialen Gerechtigkeit zu werden — auf daß wir ewig leben?! Dr. Alfred Werner. Es sieht geschrieben* Die fleißige Hand wird herrschen; die lässige wird dienstbar. (Sprüche 12, 9.) * Selbst wenn eine Frau ihrem Mann tausend Sklavinnen als Mitgifteingebra©ht hat, soll sie*«ich mit häuslicher Arbeit befassen, denn Milßigang führt zur Verblödung. (Mischna Ketabot V, 5.) Gerechtigkeit erhöht ein Volk. (Sprüche 14, 34) * Man soll von seinem Nächsten immer nur das Gute sogen und auch dessen Vermögen schützen, wie man «ein eigene® Vermögen schützt. (Mahnonides.) Liebe deinen Nächsten wie dich selbst. (3 Mos. 19, 18.) i Ein Falscheid ist die Entweihung des göttlichen Namens. (Sifra z. 3 Mos. 19, 12.) Das Wohlwollen für die Mitmenschen muß sich auch auf den Heiden erstrecken, der vom Götzendienst nicht lassen will. (Talmud, Gittin 45 a.) Notverkauf: Gemälde Andr. Asdienbach (1867), Louis Douzett* (187 t). Droodt-Sloot(1620) von deutschen Emigranten, Palästinenser, auf der Durchreise in Wien. Näheres XVIII.. Sdiuigasse 71, Tür 27. Zu besichtigen täglich von 1 bis 3 Uhr nadim. Institut „Mona Lisa“ hat in der Stallhurggasse 2. Mezzanin, eine Flucht Kabinen für modernste Körperkultur eingerichtet. Dieses Institut steht unter persönlicher Leitung Frau Dir. Emmy Fürholzer, der Erfinderin der neuen Heilmaesagemethode und der verbesserten kosmetischen Mona - Lisa - Maasagemethode. Diese einzigartige Massagemethode garan» tiert Verhütung vorzeitiger Alterseracheinungen sowie Müdigkeitsstoffe. Die Sportmassagemethode mit Gymnast-ikübungen ist für schwächere Personen ein Ersatz für Sport. Kostenlose Beratung im Institut Telephon R 20-3-41. E ’ ««■■»hba | Ehret das Andenken Eures Lehrers und Führers Prof- X. P. Ctiafes durch JtJRi EU! GoId-BuLClL-Spemcien für den KEREN-KAJEMETH!