Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 11 (1937-1938)
- Issue
- Heft 709 (22.12.1937)
- Date
- 1937-12-22
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Kr. 7W>. — WIsd, Mittwoch, J2. Bsseraber 1937. Saite 3 Das Echo der Rede Br. Ehrlichs Die ve» ernstem P ffiehtfcewnßtsefe getra- §eneo, maßvollen und doch nmtigen Worte ee Rates der Stadt Wien Dr. Jakob Ehr- 11 c h in der Budgetsitzung der Bürgerschaft der Stadt Wien haben im Inland und im Ausland ein starkes Echo gefunden. Unzufrieden mit den Ausführungen Dr. Ehrlichs war allerdings die „Reichspost“, die von einer „unangebrachten Beschwerde“ und von einem „Mißton“ sprach und sich dabei selber Lügen strafte, denn in derselben Nummer des Blattes konnte man lesen: _ „In Wien wird von den Nationalsozialisten ein Flugblatt verbreitet, das das Bestreben verrät, die ,Christen-kauft-bei- Christeu'-Parole ins Nazistische umzubiegen. _ Neben primitiven Aufforderungen, nicht beim Juden, dem ,Todfednd der ganzen _ Welt4, zu kaufen, stehen Sätze dieses Kalibers: ,Jeder Kauf bei einem Juden ist Verrat an deinem Führer und Großdeutschland1, ,Die jüdische Religion ist ein Machwerk', ,Des Juden Wahlsprnch ,Der Zweck heiligt die Mittel' haben die Jesuiten übernommen, ihr Stifter Ignazitts von Loyola war Jude'... Nein, die Mittel der Nazipropaganda vermag kein Zweck zu heiligen. Sie offenbaren ein Leiden, gegen das selbst die Götter vergeblich kämpfen.“ „Ist die Schützenhilfe, die hier der .Reicbspost“ und ihren Kreisen unerbeten, weil sie zu grob geleistet wird, und die deshalb ungedankt bleibt“, bemerkt hiezu die „Stunde“ in einer längeren Würdigung der Rede des Rates Dr. Ehrlich, „wirklich immer so unwillkommen gewesen? Ist nicht vielmehr der Antisemitismus die Plattform, auf der man sich mit dem Nationalsozialismus noch am ehesten verständigen kann? Gewiß wird der Kampf gegen den Katholizismus und gegen die Geistlichkeit me den Beifall der „Reichspost“ finden. Wir glauben auch nicht, daß sie selbst die Übertragung der Nürnberger Gesetze auf Österreich sehnlichst wünscht, aber die Juden gelegentlich ein bißchen zwicken, ist manchen Leuten aus jenen Kreisen nicht ganz unsympathisch ... Die Feststellungen des Rates der Stadt Wien, Dr. Ehrlich, waren notwendig, damit nicht die Meinung aufkomme, daß die Wiener Judenschaft jede Diskriminierung und »ach den Boykott ohne Widerrede hinnimmt. Mit dem Boykott hat am 1. April 1938 in Deutschland die Diffamierung des Judentums begonnen-wohin sie geführt hat und noch weiter führen wird, kt nicht unbekannt.“ Nein, fürwahr, das ist in Wien schon längst nicht mehr unbekannt, denn so manches, was bei uns geschieht, oder unterlassen wird, unterscheidet sich nicht viel von der Praxis der Nationalsozialisten in Deutschland gegenüber den Juden, um ihnen die Ausübung ihres Berufes unmöglich zu machen. Die Verwaltung der Stadt Wien bat aas der Rede des Rates Dr. Ehrlich mit aller Deutlichkeit vernommen, wie ungerecht die Juten bei der Vergebung von Stellen und im allgemeinen im Erwerbsleben .behandelt werden. Es Hegt mm an ihr, diesen Praktiken ein Ende zu machen. Die österreichische Judenschaft wird sich durch Verdrehungen oder böswillige Entstellungen niebt abschrecken lassen, den Kampf um ihre guten Rechte aufzunehmen und mit vollem Krafteinsatz zu führen. Sie rechnet, daß sie dabei die Unterstützung der Hüter der öffentlichen Ordnung und die Hilfe jener Männer und Stellen, die berufen sind, über die Wahrung der Verfassung zu wachen, finden wird. Da» Gecchenkbueh lür jniis und alt: Chajim Bloch DAS GELIEBTE LAND Ganzleinen S 1C-50 I Diese Sammlung uralter Sagen und Mythen 1 eröffnet den Blick auf das geliebte Land: I Palästina. Jahrhundertelang hat die Schnj sucht de' Volkes dieses Lund gesucht, hat j es mit tausend Zügen der Liebe, der I Traue“ und der Heiterkeit geschmückt. | Die Hingabe an die gottgegebene Erde I spricht aus diesem Buch, das Vertrauen | auf den Schöpfer und auf die Zukunft, die 1 er seinem Volk bereiten wird, Chajim Bloch hat mir dichterischer E:nprdgsamkeit und Schlichtheit die Legenden gesammelt und nacherzählt. Dieses Buch, das 5! den Forscherileiß eines ganzen Lebens in sich vereinigt, stellt in seiner bunten Fülle, in der Spannung vieler seiner Geschichten, in seiner Schwermut und auch in seiner oft grotesken Lust am Fabulieren, ein Haus und Volksbuch ersten Ranges dar, das keiner übersehen darf, dem vergangenes wie künftiges Geschick des Judentums am Herzen liegt. Durch jede gute Buchhandiunj oder direkt vom VERLAG R. LOW SY, WIEN I., Fleischmarkt 1 Tel. R 21-4-26 B o y k o 11 k;i m p a g n e gegen jüdische Geschäfte in einer Reihe von polnischen Städten, insbesondere in (i z e n s t. o c h a u. An der Technischen Hochschule in Warschau ist es am Tage vor Beginn der Weihnaehtsferien zu schweren antijüdischen Ausschreitungen gekommen. Die jüdischen Hörer wurden überfallen und aus der Hochschule binausgeprügelt. Unterredung des Oberrabbiners Aikalay mit Detbos Belgrad, 21. Dezember. (JTA.) Anläßlich des Empfanges des französischen Außenministers Yvon Dell) os im Belgrader Klub der „Freunde Frankreichs“ wurde ihm vom französischen Gesandten der Oberrabbiner von Jugoslawien, Senator Dr. I. Aikalay, vorgestellt. Im Verlaufe des sieh entwickelnden Gespräches erklärte der Minister dem Oberrabbiner unter anderem, Frankreich bringe allen die Juden betreffenden Fragen Interesse und Verständnis entgegen. * Eine Delegation der antisemitischen faschistischen Studenten der Zagreber Universität sprach beim Rektor Prof. Hondl vor und verlangte die Einführung von Ghettobänken für die jüdischen Hörer. Der Rektor erwiderte, die Zagreber Universität habe seit jeher ausschließlich der Wissenschaft gedient; solange er Rektor sein werde, werde er die Einführung von Ghettobänken nicht zulassen. Weltächtung der Ghettobank-Politik 994 Führer der amerikanischen Umvefsitätewelt, Mitglieder von 110 hervorragenden Universitäten, haben, wie kurz gemeldet, gemeinsam gegen die Einführung der „G h e 11 o b ä n k e“ an polnischen Universitäten und Hochschulen protestiert und einen offenen Brief an ihre Kollegen an den polnischen Universitäten gerichtet. Die Initiative zu diesem Schritt der amerkaniseben Gelehrten hatte die „Internationale Liga für amerikanische Freiheit“ ergriffen, die sich an die amerikanischen Gelehrten mit einem Schreiben wandte, das von Doktor Johnson, Präsident der Liga, Prof. John Dewey von der Columbia-Universität, Prof. Albert E i n s t e in vom Institute of Advanced Studies, Pro. Wesley C. M i tehell von der Columbia-Universität, Vizepräsident der Liga, und Prof. Horace M. Rallen, Sekretär der Liga, unterzeichnet war. Der offene Brief der 994 Gelehrten hat folgenden Wortlaut: „Mit Betroffenheit hören wir seit einigen Jahren immer wieder von Gewalttätigkeiten, die an den altehrwürdigen Stätten der polnischen Wissenschaft gegen jüdische Studenten und Professoren begangen werden. Bestürzt erfahren -wir jetzt, daß einige Ihrer Universitäten die Neuerung erngeführt haben, jüdische Studenten von ihren Kommilitonen abzusonderu und sie in Vorlesungsräumen und Laboratorien auf besondere Plätze zu verweisen. Wir begreifen sehr wohl die Schwierigkeiten, die Ihren Universitätsbehörden bereitet werden durch die organisierten Bestrebungen, Religions- und Rassenkämpfe in die akademischen Hallen zu tragen, und wir sympathisieren mit Ihrem Wunsch, Ihren Universitäten jene ruhige Atmosphäre zu erhalten, die für das Studium unerläßlich ist. Aber wir protestieren gegen die Mittel, mit denen man die erwünschte Ruhe erzielen will. Wo nach Wahrheit gestrebt wird, dort Ist kein Ort für religiöse oder rassenmäßige Absonderung. Es will uns scheinen, daß man die Grundlagen des ganzen akademischen Lebens verletzt, wenn man den Frieden sucht um den Preis von Unduldsamkeit Mt Bewunderung blicken wir auf den ruhmreichen Anteil Polens an dem großen Reich der Wissenschaft, auf die Werke von Kopernikus, Konarski, Lelewel, Cieszkowski, Hickiewicz und der neueren polnischen Gelehrten. Und wir sind auch ermutigt durch die Tatsache, daß eine Anzahl sehr bedeutender Lehrer Ihrer Universitäten und Hochschulen, getreu dem Geist einer ehrenvollen Tradition, ihre Stimme gegen diese Diskriminierung erhoben haben. Wir appellieren an Sie, Kollegen in Polen, sieb der geplanten Diskriminierung zu widersetzen und im Dienste des Friedens nur solche Methoden anzuwenden, die in Einklang sind mit den hohen Traditionen der Wissenschaft Polens und der Menschheit“ Das amerikanische Komitee zum Schutze der religiösen und Minderheitenrechte hat ebenfalls eine Erklärung veröffentlicht, in der gegen die wirtschaftliche Diskriminierung und politische Unterdrückung der polnischen Juden protestiert und die an polnischen Hochschulen erfolgte Einführung von Ghettobänken verurteilt wird. An die polnische Regierung und an die Führer der religiösen Gruppen in Polen wird der Appell gerichtet, das Ideal der Menschlichkeit und des fair play für alle Rassen und Konfessionen hochzuhalten. Mas der gute alte Lansbury glaubt Warschau, 21. Dezember. (JTA.) Vor seiner Abreise aus Warschau machte George Lansbury auf einer Pressekonferenz Mitteilungen über seine Gespräche mit den polnischen Staatsmännern. Er habe, sagte er, im Verlaufe der Gespräche auch die Judenfrage berührt. Er sei überzeugt, daß die polnische Regierung nicht beabsichtige, die Juden aus Polen zu vertreiben. Die Ausschreitungen, die in Polen stattfinden, seien auf die schwierige wirtschaftliche Lage im Lande zurückzuführen. Zum Schluß sagte er. er habe den Eindruck, daß die polnische Regierung antijüdische Unruhen nicht zulassen werde. (So sprach der gute, alte Lansbury, obwohl die Regierung seit langem die schwersten antisemitischen Exzesse duldet Anm. d. Red.) Und wie die Wirklichkeit anssieht Senator Prof. Mosche Sckorr und Abgeordneter Rabbiner Rubinstein intervenierten im Innenministerium im Zusammenhang mit der nationaldemokratischen Nachdruck verboten! Näheres über meine Ermordung Von M. Y. Ben-gavri« (Jerusalem). Meine Ermordung brachte mir eine ganze Reihe von Unannehmlichkeiten, so daß ich mich ihrer nicht mit allzu großem Vergnügen erinnere. Die Sache begann damit, daß ich keine Zündhölzer zu Hause hatte und mir die Zigarette an der Koohnutscbine anzünden mußte. Die Zigarette fing zwar Feuer, aber was noch Feuer fing, war die rechte Hälfte meines Bartes. Wissen Sie, was es für einen Menschen, der gut die Hälfte seines Lebens mit einem Bart herumlief, bedeutet, wenn er sich plötzlich im Gesicht nackt fühlt? pie rechte Seite meines einnehmenden Gesichtes sah wie eine Prärie nach einem Sommerbrand aus. Natürlich war es ausgeschlossen, in diesem Zustand auf die Straße zu geben. Blutenden Herzens und ohne Spiegel rasierte ich mir daher auch die andere Hälfte weg. Dann ging ich aus. In der Nähe meines Hauses stieß ich auf meinen Zahnarzt, bei dem ich seit Wochen in Behandlung stehe. Grüßte ihn. Der Mann dankte, wie man jemandem dankt, den man nicht weiß, wohin zu tun. Idiot! dachte ich mir und ging weiter. Meine Gefühle waren merkwürdiger Art. Etwa die eines Menschen, der zum erstenmal in Uniform oder im Nachthemd ausgeht. Ich hatte das Gefühl, daß jeder Passant das Neuartige, Ungewohnt an mir bestaunen müßte. Sonderbarerweise aber schauten mich die Menschen überhaupt nicht an. ’ Bald traf, ich wieder einen Bekannten und rief ihm einen Gruß zu. Er glotzte mich blöd an und antwortete mir nicht, worauf ich ihm einiges zurief, was ihn veranlaßte, sich schnell zu entfernen und sich ängstlich, anscheinend nach einem Polizeisoldaten, umzublicken. Als mir dies zwei- oder dreimal passierte, begann ich mich allmählich über die Menschen zu wundem. Die Hitze, sagte ich mir, scheint ihnen das Gehirn ausgetrocknet zu haben. In einem Geschäft, wo ich jeden Tag Zigaretten kaufe, gab es Skandal. Als ich mich, wie gewöhnlich, mit den Zigaretten entfernen wollte, um sie am Monateende zu bezahlen, packte mich der Mann am Arm und schrie: „Heb! Geld!“ Verwundert verwies ich auf meine Monatsrechnung. Der Mann aber hörte nicht auf mich, sondern schrie nach Polizei. Wütend schmiß ich ihm das Geld hin und erklärte, niemals wieder das Geschäft zu betreten. „Dein Haus werde verbrannt!“ antwortete er landesüblich. Ärgerlich ging ich ein paar Schritte weiter, als mir dne verschleierte Araberin entgegenkam, die ich daran als meine Hauswirtin erkannte, da dicht hinter ihr mein Hauswirt und dessen Bruder daherkam. Ich grüßte sie, was man ja nur tun darf, wenn man die Verschleierte gut kennt. Die beiden Araber hinter ihr nahmen auf meinen Gruß wie auf Kommando ihre Stöcke hoch und fielen über mich her. loh war so erstaunt, daß ich zuerst keine Worte finden konnte. „Ahmed, mein Liebling“, sagte ich dann, „und du, o AH, seid ihr plötzlich verrückt geworden?“ Sie schauten einander an und dann sagte der eine »um andern: „Woher kennt uns denn dieser Bursche?“ Ich wollte aufklären, aber der Skandal ging schnell weiter, es standen bald an die zweihundert Leute um uns herum, die gegen mich Partei ergriffen, da es sofort hieß, ich hätte eine Verschleierte belästigt und schließlich brachten mich ein paar Polizeisoldaten aufs Polizeihauptquartier. Der Offizier, der uns empfing, war ein guter Bekannter von mir. Erleichtert atmete ich auf — aber siebe: der Mann brüllte such an, als ob er mich zum erstenmal sähe. „Es ißt doch meine Hauswirtin", antwortete ich, „du weißt es doch.“ Die beiden Araber brüllten vor Lachen auf und erklärten, daß ich ein ihnen unbekannter Betrüger sei. Nun fragte mich der Offizier, wie ich heiße. Das war mir aber nun doch zu viel und ich schrie: „Hast du mich gestern abends, als wir Schach spielten, o Mohammed, auch gefragt, wie ich heiße?“ — „Der Kerl ist verrückt“, sohrie der Offizier, „gestern habe ich mit meinem Freund Beug Schach gespielt und mit keinem andern, du Sohn eines Hundes.“ Jetzt ging mir ein Licht auf: Der Bart war an der ganzen Schweinerei schuld. „Aber ich bin doch Beug, mein Liebling“, sagte ich verzweifelt und warf ihm meine von der Regierung ausgestellte Presselegitimation zu. Das versohiechterte aber die Situation ganz bedeutend. „Ha!“ brüllte der Offizier, „der Kerl hat die Legitimation gestohlen. Da, schau her, du Hund“, er hielt mir das Photo der Legitimation vor die Nase, „Beng hat einen Bart und dein Gesicht sieht aus wie der Hinterteil eines Säuglings.“ Ehe ich nooh antworten konnte, saß ich schon in der Zelle für U n tereu ohu ngsg efangen e. „Verfluchter Bart, verfluchte Koebmascbine“, fluchte ich, „wenn doch wenigstens meine Frau nicht verreist wäre. Die hätte mich agnoszieren können!“ Zwei Tage rannte ich fluchend in der Zelle auf und ab, unterhielt mich mit einigen gigantischen Wanzen, die mein Vorgänger, ein Hindu, hier vergessen hatte, und versuchte dann von ihnen Hindostani zu lernen. Plötzlich aber erschienen vier auffallend gut bewaffnete Polizeisoldaten, nahmen mich in ihre Mitte und schleppten mich ins Untereuchungszimmer. Ich wollte mit einem Scherz eintreten, als ich aber die sehr ernste, sozusagen eisige Miene der drei Polizeioffiziere sah, die da herumsaßen, verstummte ich. Einer dieser Leute schrie mir sofort entgegen: „Du hast den Zeitungakorreepoadenten Beng ermordet!“ „Wie bitte?“ sagte ich und war mir sofort klar, daß ich in ein Irrenhaus geraten war. „Jawohl“, brüllte der andere, „Beng ist laut Anzeige seit zwei Tagen verschwunden und du hast seine Legitimation.“ — ..Kunststück“, antwortete ich, „wenn ihr mich seit zwei Tagen im Gefängnis sitzen läßt.“ „Du willst wohl damit sasren, daß du der verschwundene Beng bist? Höre, du hättest dir eine etwas intelligentere Verteidigung zurechtlegen können. Jeder von uns kennt doch den Verschwundenen.“ Was soll ich Ihnen erzählen? Es war kein Vergnügen, was nun folgte. Vier Stunden wurde ich kreuzverhört. Aber klcinkriegen ließ ich mich doch nicht. Ich blieb dabei, daß ich mich nicht ermordet hätte. Aber hinterher in der Zelle vergoß ich ein paar Tränen der Rührung, als ich in einer Zeitung, die ich mitgehen hatte lassen, die schönen Worte über mich und die grausige Darstellung meiner Ermordung las. Das Spiel ging drei Tage lang weiter. Ich gab nicht nach, wiewohl es mich mächtig lockte, der Erste in der Kriminalgeschichte aller Völker zu sein, der wegen Mord an sich selbst verurteilt würde. Durch neueingelieferte Gefangene hörte ich. daß man fieberhaft meine Leiche suche und daß das Volk meinen Kopf fordere Ich war mächtig stolz auf mich. Endlich, am vierten Tag, als ich standhaft leugnete, mich umgebracht zu haben, eröffnet« man mir, daß ich in Haft sitzen würde, bis ein gewisser Spezialmann aus Scottland- Yard eintreffen würde. Der würde mich schon klcinkriegen! Die gesamte europäische Presse mache einen Riesenlärm, daß ein Pressekorrespondent so ohne weiters verschwinden könne. Ich sagte darauf: „Hub!“ Weiter nichts. Drei Wochen lang sah ich außer dem Tellen Wächter, einem sudanesischen N esrer. keinen Menschen. Ich erschta? inzwischen alle hindostanischen Wanzen, wurde mager, die Wut fraß an mir, aber eines Tages ent-