Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 11 (1937-1938)
- Issue
- Heft 707 (17.12.1937)
- Date
- 1937-12-17
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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iWto, Freitag, II Dezember 1987. — Nr. 707. Salt* 3 ■miAimiitiii 4 umniiiin INSTITUT 1 MONA USA für modernste Körperkultur l Einzig in der Welt! w Alle Ablagerungen und MOdigkeitutoffe werden hcrautgearbeitet, eine bexiere ' Durchblutung bringt und erhält wieder Jugend, Kraft, Schönheit Sportmassagen mit Gymnastilcübungen von SS— »n. Individuelle Spezialmassagen (Gesiditsmassage inbegriffen) von S 6 — aufwärts. Kostenlose Beratung im Institut. Institut MONA LISA Stallburgg. 2, Mezz., T.:R 20-3-41 4 Eig. Damen-, Herren-u.Kinderabtlg. £ WmTT77T?TTHmTTTmmTTi Totaler Judenboykott in Danzig Das offizielle Deutsche Nachrichten-Büro meldet: „Am Sonntag, 12. Dezember, wurde die Danziger Bevölkerung durch Flugblätter darauf aufmerksam gemacht, nur in Geschäften zu kaufen, die durch das Zeichen des sogenannten „Hausfrauen-Adler“ als deutsche Geschäfte gekennzeichnet sind. Von einem Teil der polnischen Presse wurde dies als Boykott gegen jüdische Geschäfte ausgelegt. Von polnischer Seite werden auch beim Senat wegen dieser Flugzettel Vorstellungen erhoben werden. Der Senat wird jedoch, wie das DNB, erfährt, diese Vorstellungen gegen eine Aufklärungsaktion als völlig unbegründet zurückweisen.“ befindlichen Zweigstellen, soweit dies nooh nicht geschehen Ist, in arische Hände überzuleiten. Frühere jüdische Firmen, die bereits „arisiert“ wurden, müssen ihre Namen ändern, damit alles, was mit den Juden zusammenhängt, aus der deutschen Wirtschaft ausgemerzt wird. Ein Teil früherer jüdischer Unternehmungen hat dieser Forderung bereits entsprochen, so u. a. das bekannte Verlagsbaus Ullstein, das jetzt den Namen „Deutscher Verlag“ führt Das große Warenhaus W e r t h e 1 m, welches in diesem Jahre arisch geworden ist, wird demnächst seinen Namen ändern. Der verschärfte antisemitische Kurs richtet rieh auch gegen den jüdischen Hausbesitz. Sämtliche Staatsbeamten, Angehörigen der Wehrmacht und Angestellten öffentlicher Behörden, die in Häusern von Juden wohnen, müssen umziehen. Die Übersiedlung wird vom Staat bezahlt Weiter wird bekannt, dafi die Behörden Verordnungen vorbereiten, denen zufolge Juden der Eintritt in Ministerien und sonstige Gebäude öffentlicher Behörden nur bei Vorladung gestattet wird. Anzeichen solcher Art sind bereits in einigen Berliner behördlichen Lokalen zu sehen. Bilanz des deutschen Joden» Elends 82.000Unterstützungsbedürftige, 40.000 Arbeitslose Paris, 15. Dezember. (JTA.) Das europäische Büro des Joint Distribution Committee veröffentlicht einen umfangreichen Bericht über die Tätigkeit des Zentralausschuesee für Hilfe und Aufbau bei der Reichsvertretung der Juden in Deutschland. In dem Bericht, der die Zedt vom 1. Jänner bis 30. Juni 1987 umfaßt, wird unterstrichen, daß lokale Bemühungen nicht ausreichen, um die Arbeit des Zentralaussohusses jetzt 1000 Bücher. .... .SV— Romano, Erzählungen, Kinderbücher, Kunst nnd Wissenschaft, Katalog gratis und franko. fiuefcbaAdloag Sofmolior 4 Co* i* Fmnz«ioaof»Kai 7 (an dar Sohwedeabrüeke). Göring verschärft antisemitischen Kurs 'Aul Anordnung des geschäftsführenden Reicbswlrtschaftsininisters Generaloberst Göring muß die antijüdische Säuberungsaktion in der deutschen Wirtschaft bis März 19% beendet sein. Eine Anzahl von Filmgesellschaften wurde bereits angewiesen, ihre noch in jüdischem Besitz im Ausland Ihr Kind während der Weibnachtsferien, vom 24. Dezember 1987 bis 2. Jänner 1988 10 Tage am Semmering in der Korpension Dr. Hecht (rituell) alles inbegriffen .. S 02*— Sllkarse für Anfänger and fortgesdirlttene Auskunft: Dr. S. Erber, II., Hollandstr.8 Tel. A 42-109 B (2 bis 5 Uhr), sonst A 48-3-80 FÜR WEEKEND UND REISEN DIE BESTEN WÖRSTE U. KONSERVEN VON EISEN oder in Zukunft aufrechtzuerhalten, und daß daher die Zusammenarbeit der großen internationalen jüdischen Hilfsorganisation nötig sei. Ende 1936 gab es ln Deutschland 392.350 Juden, gegenüber 418.965 Ende 1935 und 499.628 bei der letzten Volkszählung am 16. Juni 1933. Die jüdische Bevölkerung in Deutschland sei daher in den dreieinhalb Jahren von Juni 1933 bis Dezember 1936 um 107.278 Seelen zurückgegangen. Der Bericht stellt eine andauernde Verschlectat erung der Lage der Juden in Deutschland infolge des wachsenden Tempos, in weichem der Prozeß der Liquidierung jüdischer Geschäfte vor sich geht, fest. Die Lage der jüdischen Angehörigen freier Berufe ist geradezu verzweifelt. Das schnelle Sinken der Zahl der jüdischen Bevölkerung in Deutschland ist am deutlichsten sichtbar an der Verringerung der Zahl der Juden in den Kleingemeinden durch Auswanderung und Abwanderung in die großen Städte. Ober 100 Synagogen zu verkaufen In den ersten sechs Monaten 1937 wurden die Gemeinden östringen, Eberstadt und Odenheim in Baden aufgelöst; die Synagogen in Gommersheim, Nordstetten bei Horb und Buttenheim bei Bamberg wurden verkauft. Die Landesverbände der jüdischen Gemeinden sind mit Verhandlungen über den Verkauf von Synagogen und mit anderen Liquidationsmaßnahmen vollauf beschäftigt Der Preußische Landesverband jüdischer Gemeinden steht gegenwärtig mit mehr als 100 Gemeinden wegen des Verkaufs von Synagogen ln Verhandlung. Von den 800 diesem Verband augeschlossenen Gemeinden zählen über 400 weniger als 50 Seelen. Überhaupt ist der Rückgang der jüdischen Bevölkerung in den Kleingemeinden weitaus stärker als in den großen Städten. Auf dem dem Preußischen Landesverband unterstehenden Gebiet ist die Zahl der Juden in den KJeingemeiaden von 00.565 auf 25.216 gesunken, während die jüdische Bevölkerung in Berlin vom 16. Juni 1933 bis Ende 1936 von 160.564 auf 145.000 zurückging. In Hessen, wo es vorwiegend Kleingemeinden gibt, sank die Zahl der Juden von 17.888 auf 8768, in Är- Ägypten (Palästina) ob S 680.— mit OMrlgnton, 8S Turn »len—Wien Schiff H. El. Bahn Europa m. Kl Amten ExpnS II. Kl. WRK. AUSTRO LLOYD, I., Parkring 12, Tel. R 28-0-6B Bayern von 41.939 auf 30.169, während sie in Münohen von 9005 auf 8000 fiel. Die Auswanderung Im ersten Halbjahr 1937 verließen insgesamt 3641 Juden Deutschland; von diesen wanderten 1368 nach Palästina, 1870 nach Überseeländem, 69 nach verschiedenen europäischen Ländern aus, 839 kehrten in ihre Herkunftsländer zurück. In den ersten drei Monaten 1937 wanderten 2823 Juden von Kleingemeinden nach großen Städten ab. Insgesamt dürfte die Binnenwanderung jährlich 12.000 Personen umfassen. Mehr als iy2 Millionen für Winterhilfe Die Zahl der Juden in Deutschland, die unterstützungsbedürftig sind, wird immer größer; es ißt jetzt jedoch oft unmöglich, auch nur den dringendsten Bitten nach Höllenfahrt im Roten Meer*) Mittag im Roten Meer. Licht, nichts als Licht ringsum, so viel Licht, daß man die Augen schließen muß, weil eie geblendet werden und man das Licht fast schmerzhaft empfindet. Unvorstellbar ist diese beißende Helligkeit, unvorstellbar auch diese greifbare, lähmende, tödliche, schwere, feuchte Hitze. Heiß, heiß... Das Rote Meer ist der Schrecken aller Ostasienfahrer. Beiderseits von Wüste umschlossen, im Norden von der arabischen, südlich von den Ausläufern der Sahara, ist es ein Hexenkessel, in den kein erfrischender Luftzug elndringen kann. Die Luft über dem Wasser ist dick und schwer, denn sie ist Wüstenluft Man fühlt diese Luft fast körperlich, sie lastet auf der Brust, sie drückt auf den Kopf, sie stemmt sich ins Genick, sie legt sich auf die Zunge. Wenn nur ein erfrischender Windhauen wehte! Aber der „Wind“ ist ein heißer Backofenatem, der die Augen und Lippen verbrennt. Welche Gegend der Erde bat die größten Hitzen? Der Kongo, das „Todestal“ in Kalifornien, die persischen Wüsten oder der Urwald Hinterindiens und Tonkings? Das Rote Meer und seine Küstengebiete werden in einem Hitzrekord - Wettbewerb bestimmt einen der ersten Plätze erobern. Rotes Meer! Schon die Erinnerung flößt einem Schauer ein. Eine fiebrige Nacht, glühender Dunst in den Kabinen. Der Ven- *) Mit freundlicher Genehmigung des Verlages Julius Kittels Nachfolger aus dem Buche „Die große Mau«“ von Josef Wecbsberg. tilator, der die heiße Lust dureheinandertreibt und die elektrische Kühlluftanlage schaffen keine Kühlung. Der Schweiß rinnt in kleinen Bächen über den Leib, er dringt in die Augen, die salzigen Tropfen fließen in den Mund. Wie lange hat man sich auf dem Bett in wirrem Halbdämmern herumgeworfen? Das Leintuch ist durchnäßt vom Schweiß. Fort, nur fort... Oben an Deck bemerkt man, daß fast alle Passagiere hierher geflüchtet sind. Die Planken sind warm und die Metallteile der Brüstung feucht. Das ist das Schreckliche an dieser Hitze; daß sie hundertprozentig feucht ist. Trockene Hitze ist niemals unerträglich, auch in Rekordhöhe nicht. Vor ihr kann man sich teilweise schützen, mit Eiswasser und Whisky-Feuchtigkeit. Gegen die heiße Schwüle gibt es keinen Schutz. Die Schreibmaschinen sind glitschig und das Papier ist naß, als hätte man es ins Wasser geworfen. Die Instrumente der SebiffsmuslEer „zerfallen“ — wer nicht vorsichtig war und die Geige nach jedem Stück in einen Kasten gibt, der eigens präpariert ist und luftdicht schließt, kann peinlich überrascht sein, wenn er in Djibuti nur ein paar Hölzer im Koffer vorfindet statt seines Instrumentes... Und diese Nächte! Die Nächte nehmen kein Ende. Kaum ist man, schon gegen Morgen, eingenickt, wird man wach unter den brennend hellen Strahlen der aufgehenden Sonne. Es ist sieben Uhr früh und das Thermometer zeigt 51 Grad Celsius kn Schatten. Ein-und-fünfzig Grad! Im Schatten! Feuchtigkeit 98! | Man trinkt und trinkt Eis in allen Formen, um das Getrunkene gleich wieder aotzu-1 schwitzen. Man zieht ein frisches Hemd an, dreimal des Tages — und bevor man es zugeknöpft hat, ist es naß zum Auswinden. Die Anzüge im Koffer verschimmeln und erhalten einen weißen Belag, der schwarze Smoking ist plötzlich grauweiß geworden wie eine ungarische Salami Man wird energielos und schwach und der bloße Gedanke, daß es noch Dampfer mit Kohlenheizung gibt, wo Menschen in höllischer Glut Kohlen schaufeln, verursacht einem Unbehagen. Dies ist das Fegefeuer auf Erden, denkt man mit dem letzten Rest seiner klaren Besinnung und hebt dann einen Finger (die ganze Hand zu heben wäre man nicht mehr imstande), um den Steward zu rufen und das siebzehnte Glas Whiskysoda (mit viel Eis!) zu bestellen. Der Steward muß natürlich arbeiten. Auch die Musiker müssen spielen, die Offiziere müssen ihre Berechnungen machen, die Köche stehen weiterhin an dem heißen Ofen, die Matrosen schuften. Pflicht ist Pflicht, auch bei 51 Grad im Schatten! Von Seiten der Passagiere wird nichts getan, um der Besatzung ihre Arbeit zu erleichtern. Im Gegenteil! Die Stewards werden mit den Speisen zurückgeschickt, man ist noch wählerischer und schlechter gelaunt als sonst, die Kabinengarjons schinden sich, denn die Damen sind nervös unter der Wirkung der großen Hitze und läuten alle zehn Minuten. Eine Gereiztheit liegt über den Planken des großen Dampfers, die frohe und versöhnliche Stimmung des blauen Mittelmeeres ist verflogen. Und bei dieser Temperatur, da man sich i der Auflösung nahe fühlt und logischerweise | nur den Wunsch nach Kühle und Ruhe J haben sollte, fällt es den jungen Damen ein, Ibfe drei Uhr früh zu tanzen. Es wird ein Baal Brit England und Israel Kartoniert S 1.89. Die zionistische Bewegung steht vor grundlegenden Entscheidungen. Die Broschüre »England und Israel« beleuchtet die aktuellen Probleme von neuen Gesichtspunkten und kommt zu Ergebnissen, die für alle, denen das Palästinaaufbauwerk am Herzen liegt, von höchstem Interesse sein müssen. Durch |«d* gute Buchhandlung oder direkt vom Verlag R. Löwit Wien, I., Fleisch merkt 1. Unterstützung zu entsprechen, weil die Kassen leer sind. Im Winter 1936/37 wurden 82.067 Personen von der Jüdischen Winterhilfe betreut Obwohl diese Zahl Im Vergleich zu der des Winters 1935/36 — damals waren es 83.761 Personen, die von der Jüdischen Winterhilfe betreut wurden — absolut gefallen Ist ist sie, zieht man die groBe Zahl der Auswanderer und der Todesfälle im Jahre 1936 in Betracht — relativ erheblich gestiegen. Die Ausgaben der Jüdischen Winterhilfe betrugen 3,630.353 Mark. Für das gesamte WohlfahrtBwerk wurden, abgesehen von der Winterhilfe, insgesamt 228.393 Mark ausgegeben. In der Berichtsperiode gab es 39.000 jüdische Schulkinder, von denen 23.670 oder 61.27 Prozent (12.260 Knaben und 11.410 Mädchen) jüdische Schulen besuchten. Die Ausgaben der Reichsvertretung für Sohulzwecke betrugen Im ersten Halbjahr 1937 311.592 Mark. pK«m\\\\\\\\\\\\\\\\\^^^^ | Rudyard Kiplings $ WEE W1LLIE WINKIE | („Guter Kamerad“) | 1 innen, ule es ulrMlch Ist 1 0 mit Shlrlay Temple, Victor Mac 0 0 Laglen, June Lang ab heute im 0 | BURG-KINO mm ( I IMPERIAL-KINO $£J| „Sport“, bei dieser Höllenglut durchzuhalten, zu sehen, wie die Herren nach jedem Tanz in die Garderobe laufen, um den Kragen zu wechseln, wie den Musikern der Schweiß in die Augen rinnt,, daß sie die Noten nicht sehen! „I can’t givo you aaything but love ...“ Zehnmal, fünfzehnmal wird der stupid« Schlager gespielt, mitgegröhlt, drehen sich die Paare, kaum ihrer Besinnung mächtig, im Kreis. Zum Teufel, wird diese wahnsinnige Tanzerei nicht endlich aufhören? Vor einem Jahr ist ein Musiker in der Gegend des Roten Meeres — gerade da, wo wir jetzt sind — irrsinnig geworden. Er mußte von acht Uhr abends bis sieben Uhr früh Jazz-Rhythmen spielen, in dieser Glut. Weiter, nochmals, zum sechzehnten Mal, denn sie haben doch applaudiert: „I can’t give you anytbing but love.“ In der roten Dämmerung des anbrechenden Tages tauchen ganz hinten, am Horizont, schroffe, drohend dunkle Bergketten auf: der Sinai und Hebron. Dies ist die Stelle, wo nach den Worten der Bibel „da.s Wasser wiederkam und bedeckte Wagen und Reiter und alle Macht des Pharao, daß nicht einer aus ihnen übrigblieb. Aber die Kinder Israels gingen trocken mitten durchs Meer; und das Wasser war ihnen für Mauern zur Rechten und zur Linken“. Unbeweglich liegt jetzt das Meer, ein kleiner DampfeT zieht lautlos vorbei, einer jener Dampfer, die ständig die Rundfahrt durchs Rote Meer machen. Ich möchte nicht Seemann auf einem dieser Dampfer sein, die einen Vorgeschmack der Hölle geben...