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Die Stimme · 1937-12-15 · Heft 706 (15.12.1937) · page 5

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Journal
Die Stimme
Volume
11 (1937-1938)
Issue
Heft 706 (15.12.1937)
Date
1937-12-15
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nt. 706. — 'Wien, Mittwoch, 16. Dezember 1937. DIE STIMME Salt« 5 HHHHSHi Revisionisten als falsch anerkannt wunde, nämlich: Vorerst Judenstaat, dann Einwanderung,, geschützt durch jüdisches Militär. Wäre diese Parole 1929 befolgt worden, so gäbe es wahrscheinlich keinen Jieohuw mehr. Auch sonst segelt der Autor öfter im Fahrwasser der revisionistischen Ideologie. Jeder „Makkabist“ bekommt einen „Paß der jüdischen Staatsbürgerschaft unterwegs“ (Analogie zum Paß der Revisionisten) und dergleichen mehr, und von den Juden, denen vor dem Verlust ihrer nichtjüdischen Staatsbürgerschaft bangt, sagt der Autor, ihnen sei nicht zu helfen. „Ihnen gegenüber haben wir nur den einen Wunsch, sie mögen uns unbehelligt lassen und nach ihrer Fasson selig werden.“ (Seite 260.) Auf Seite 281 heißt es aber von den N ich t-Makkabis ten: iversuch«! wir sowohl durch Sammler- und); Spendentätigkeit für die zionistischen Fond«, i Keren Kajemeth Lejisrael und Keren Hajessod,; als auch durch die Möglichkeit der Umschulung und Umschichtung junger Juden zu handwerklicher und landwirtschaftlicher Tätigkeit im IBechaluz Haklal Zioni zu erreichen, durah Errichtung von Werkstätten und durch Haeh- I scharoth. Selbstverständlich vergessen wir . auch nicht unsere Mitglieder zu öeterreichischj patriotischer Gesinnung auf sittlich-religiöser 1 Grundlage zu erziehen Sprachkurse für hebräische und englische Sprache und die Bildung einer Theatergruppe sollen die Aufzählung unserer Tätigkeit abschließen. Wir hoffen, daß unseren Bestrebungen Erfolg besehieden sein wird und daß zahlreich« junge Menschen unsere Reihen verstärken werden. Daß wir den richtigen Weg gehen, haben die bei der Werbeveranstaltang erfolgten spontanen Beitritte einer Anzahl unserer Gäste bewiesen. Schließlich möchte ich auf diesem Wege noch der Bezirkssektion für ihre tatkräftige Unterstützung der Arbeit der Jungsektion danken. Dr. Kurt B e i 11 e r. Omni I. EemisracQ Itvrim! „S i e mag unseretwegen der Teufel holen. Die makka,bistische Bewegung-wird sich um diese Exkremente der Galutb nicht mehr scheren, mögen sie nun verachtet, gepeinigt, geschlagen, ausgesehaltet oder hingemordet werden. Sie sind und bleiben für da« neue und wahre, edle, wertvolle und wirkliche Judentum, das jüdische Staatsvolk unterwegs im Zeichen des Makkabismus, gestorben, gestorben-und nicht einmal eines Kaddisch wert.“ So sehen die Folgern einer sachlich unbegründeten Radikalisierung der jüdischem Jugend aus, die eich eine Weile an den Pa-j rolen Jabotinskys berauscht, Haßge-änge] gegen die Führung der zionistischen Weltorganisation singt, politische Forderungen, immer steigert, und schließlich wie der] Pseudonymus Gedalja ben Elieser nicht zur Einsicht gelangt, daß es nur eine politische Basis zur Erringung des Judenstaates gibt: Rückkehr in die von Herzl gegründeten] Organisation, die in der Form der Jewisht Agency die einzige international anerkannte Trägerin der Rechte des jüdischen Volkes auf Erez Israel ist. Es kann ruhig der Einsicht real denkender I Menschen überlassen werden, was logischer! ist: In der Organisation zu arbeiten und Fehler der Führung zu verhindern oderj wieder gut zu machen — oder sich durch! immer neue Parolen zu berauschen, weit abseits von der Arena des politischen Kampfes, der in Jerusalem, Genf und London geführt werden muß, und.; von der tagtägliohen, äaüh«wß«a -AufbBB«Ti>oit im Lande. Beist aber nicht mehr statthaft, die Hände weiter ruhig zu verschränken und tatenlos zuzusehen, wie ein Teil der jüdischen Jugend und auch Erwachsene, wie Gedalja ben Elieser, dem Zionismus verloren gehen und enttäuscht Irrwege einschlagen, deren Ziel nicht abzusehen ist. Das Buch Gedalja ben Eliesers ist eine deutliche Warnung. Hier wächst eine gefährliche Geistesrichtung heran, .die rasch edngedämmt werden muß. Aktion „Rettet die Jugend“ Dr. Hugo Groß antwortet auf Aufforderung des Herrn Dr. Oskar Grünbaum mit S 10.— und lädt zu Spenden ein: Dr. Josef Gruber, Dr. Emil Krasny, Doktor Oswald Fuchs, Dr. Rudolf Geller, Dr. Karl Ettinger, Dr. Adolf Lanzer, Leopold Rausch, Dr. Fritz Georg Krasny, Robert Neufeld, Oskar Schnabel, Dr. Desider Fürst, Emil Feudmann, Dr. Lotte .Friedmann, Berta Allerhand, Bianca Kraus, Marie Weinberg, Lena Neumann, Lily Hauser, Adele Fried. Werbeveranstaltang der Jungsektion VIII/IX Am 8. Dezember 1937 veranstaltete die Jungsektion VIB/IX einem gut besuchten Werbeabend. Eine Akademie, deren Leitung das Vorstandsmitglied der Jungsektion I. Berkower innehatte, brachte ein buntes und abwechslungsreiches Programm. Es wirkten mit: Frau Lotte Serkin mit ihrer Gruppe, Oswald Fischer, Otto Presser und Hans Holländer. Die Künstler fanden für ihre Darbietungen reichlichen Beifall. Die Jungsektion Vin/IX hat es sich zur Aufgabe gemacht, im engsten Einvernehmen mit der Zionistischen Bezirkssektion VIII/Ia, deren Vertreter, stürmisch begrüßt, der Werbeveranstaltung beiwohnten, junge jüdische Menschen in ihren Reihen zu vereinen, um ihnen Gelegenheit zu geben, ihr Wissen um jüdische Dinge zu mehren, aber auch im jüdischen Kreise Geselligkeit zu pflegen und Sport zu betreiben. Zu diesem Zwecke dienen unsere Heimabende, die wir jeden Dienstag in iinserem Sektionsheim, Wien, IX., Währingerstraße 6—8 (Eingang Hörigasse 2), um 8 Uhr abends, veranstalten, ferner die Vorträge, die gemeinsam mit der Sektion, gleichfalls in unserem Sekt'onsheim, jeden Samstag abends stattfinden und schließlich Ausflüge, Skikurse und dergleichen. Darüber hinaus ist aber auch unser Bestreben, durch tatkräftige Mitarbeit die Reinen der Zionisten zu stärken und alle Bestrebungen zu unterstützen, die dahin zielen, in Palästina den jüdischen Staat aufznbauen. Dies Von Joseph S Wir beginnen mit diesem Aufsatz eine Folge von Artikeln de® Verfassers, der wirtschaftlicher Mitarbeiter des „Babocker“ (Tel-Aviv) ist, über die Probleme des Nahen Orients. Der europäische Jude — und der weitaus größte Prozentsatz der Olim sind Juden, die aus dem europäischen Kulturkreis stammen, — sieht sich mit der Landung in Erez Israel auf einmal in den Orient versetzt, den er bisher überhaupt nicht gekannt hat, und der ihm daher durchaus fremd war, fremd ist und gewöhnlich auch fremd bleibt. Um über die verschiedenen palästinensischen Probleme ein richtiges Urteil abgeben zu können, ist es nötig, daß wir uns in die Probleme des Orients und seiner Länder etwas vertiefen; dann werden wir vieles, dem wir hier ständig begegnen, nicht mehr mit jenem Unverständnis gegenüberstehen, mit dem wir jetzt all diese Dinge betrachten. Unter Levante oder Vorderem Orient versteht man die Länder des gewesenen Ottomanischen Reiches und seine Nachbarländer. Die Grenzen sind ungefähr Indien im Osten, Rußland im Norden, Abessinien im Süden und das östliche Mittelmeer im Westen, also: die heutige Türkei, Libanon und Syrien, Palästina, Transjordanien, Irak, Ägypten, der Sudan, die Länder der arabischen Halbinsel, Iran und Afghanistan. Die Bevölkerung ist bunt gemischt: mongolische Osmanen in der Türkei; Araber, Märöaiteh, Drusen Armenier, Griechen und Juden in Syrien und im Libanon; Juden und Araber in Palästina; Araber in Transjordanien und auf der arabischen Halbinsel; „Ägypter“ in Mizrajim und Sudanneger im Sudan. Im Irak Araber, Kurden, Reste der Assyrer und noch einige kleine Volkssplitter; Perser und Kurden im Iran usw. Einheitlich ist allerdings die Religion dieser Länder, denn ein sehr großer Prozentsatz sind Moslemin. Doch bestehen auch hier große Unterschiede, so daß man keineswegs von einer wirklichen Einheit sprechen kann. Die Araber in Syrien und Palästina sind strenggläubige Sunniten, die Ägypter sind schon freier und reformierter, und in der Türkei gar hat der Staat die Träger der Religion und die alten Formen hart angefaßt und raschest modernisiert und reformiert. In Saudi-Arabien wieder herrschen die Wahabiten. Sie sind moderne Puritaner, fanatische Asketen. Im Iran leben die Schiiten, die sich zu den Sunniten ungefähr so verhalten, wie die Protestanten zu den Katholiken, usw. ... Immerhin spielt das religiöse Moment im ganzen Orient eine noch viel größere Rolle als heute in Europa. Die mehr oder weniger einheitliche Religion hatte aber eine große Folge: die arabische Sprache, die eigentlich religiöse Sprache der Mohammedaner, wurde von den Lehrern — und die Geistlichen waren gleichzeitig die Lehrer — überall hingetragen, so daß diese Sprache ach de facto einer sehr großen Verbreitung erfreut Da das Arabische auch die Schriftsprache Hieb, so maskierten sich auch die nichtarabischen Sprachen in diesen Buchstaben, so zum Beispiel das Türkische, das mit arabischen Lettern geschrieben wurde. Daher war es Kemal Attatürk nicht schwer, das arabische Alphabet der türkischen Sprache durch das lateinische zu ersetzen. Durch diese große Verbreitung des Arabischen wird über die Tatsache hinweggetäuscht, daß durchaus nicht jeder, der arabisch redet, auch wirklich Araber ist Die soziale Schichtung ist ungfähr dieselbe, wie sie in Europa im Mittelalter bestand; Scheichs mit großen Grundbesitzen, welche die unbedingten Herrscher in ihren Gemeinden sind, arme Fellachen (bäueriscüe Pächter), die von den Scheichs und Dorfgewaltigen auagebeutet werden, Stadtbewohner, die gewöhnlich nur Handwerker sind, und endlich die Beduinen, die ihre sehr kärglichen Einkünfte durch Räubereien zu ergänzen trachten. Wese Beduinen, die Herren der ungeheuren Wüsten und Steppen, brechen zeitweise immer wieder in das dichtbesiedelte Kultur« shur (Tel-Aviv) land ein, was immer zu Unruhen, Fehden und Blutvergießen führt Lawrence machte den Versuch, diese kriegerischen Scharen zu einigen und gegen die Türken während des Weltkrieges ins Feld zu führen. Das verschlang ungeheure materielle Mittel. Der Erfolg aber war sehr zweifelhaft, denn ohne die große Offensive Ailenbys mit regulären britischen Truppen, inklusive der jüdischen Legion, wäre dieser Wüstenkrieg zwecklos geblieben. Dagegen lehrte Lawrence diese gelehrigen Schüler das Sprengen von Eisenbahnen, den Klein- und Bandenkrieg, den Gebrauch der modernen Maschinengewehre usw., Fertigkeiten, von welchen in Syrien, im Irak und jetzt auch in Palästina, gerne und ausgiebig Gebrauch gemacht wird. Wie aber ein tüchtiger Herrscher die Beduinen zähmte, sie seßhaft machte, ansiedelte und aus ihnen Bauern schuf, werden wir bei der Besprechung der arabischen Halbinsel sehen. In der Stadt war dae Handwerk der vorherrschende Beruf. Aber das Vordringen der Industrie hat auch hier nicht halt gemacht. Wir erleben also in den heiligen Städten dasselbe, was Europa im 18. und 19. Jahrhundert durchgemacht hat, die Verdrängung des Gewerbes durch die Industrie. Natürlich gibt es auch hier Kinderarbeit und Ausbeutung, lange Arbeitszeiten und niedrigste Löhne, kurz dieselben Begleiterscheinungen einer frühkapätalisüschen Wirtschaft, die wir in Europa schon längst überwunden glaubten. Alle diese Staaten sind aber darauf aus, sich zu verwestlichen. Das Tempo und das Stadium der Verwestlichung ist verschieden, das Ziel überall das gleiche, und wenn es gelingen sollte, die verschiedenen divergierenden Kräfte, welche hier am Werke sind, auszugleichen und einheitliche große Wirtschaftsgebiete zu bilden, dann ist es sicher, daß dem Erwachen des Fernen Ostens, der Verwestlichung Japans, in diesem Jahrhundert das Erwachen des Nahen Ostens und seine Erschließung folgen wird. Zur wirtschaftlichen Entwicklung brauchen die Länder Kapital und Intelligenz, d. h. Ärzte, Ingenieure, Fabrikanten und Organisatoren. Die Juden Mitteleuropas1 haben noch genügende Reserven an diesen Käften. Warum wenden die Juden in Mitteleuropa also nicht lieber die Blicke von den unerreichbaren westlichen Ländern, von Amerika und England, ab und dem Osten zu, wo man sie sehr gut brauchen kann? Lemisrach, Iwrim! Die Citrusernte in Palästina In der laufenden Kampagne 1987/38 rechnet man wiederum mit rund zehn Millionen Kisten Orangen und Grape-fruit, die zur Ausfuhr gelangen werden. Die Absatz- und Preisverhältnisse sind abhängig von den Verschiffungsmöglichkeiten und der Beschickung des Marktes durch Spanien. Die Orangengebiete Spaniens befinden sich in den Händen der alten Regierung und produzieren rund 900.000 Tonnen Früchte, von denen im letzten Jahr rund 7 Millionen Kisten nach England und 81-2 Millionen Kisten nach anderen Ländern versendet wurden. Palästina hat im letzten Jahre nach England 8.6 Millionen Kisten verschifft, nach den anderen Ländern rund 8 Millionen Basten. Palästina Ist daher auf dem wichtig-1 sten europäischen Markte, das ist England, der stärkste Konkurrent Spaniens. Im vergangenen Jahre hat die palästinensische Citrus-Industrie infolge des Dumpings der spanischen Regie rur" Verluste erlitten. In der kommenden Kampagne hängen die Preise davon ab, ob Spanien die durch Blockade und erhöhte Frachtsätze gestiegenen Transportsehwierigkeiten überwindet In bezug auf die Qualität hat die palästinensische Orange die westlichen Märkte bereits erobert, die Grape-fruit beherrscht überhaupt den europäischen Markt. Die Citrus-Industrie Palästinas bemüht sich infolge jährlich wachsender Ernte nunmehr auch in erhöhtem Maße um die Absatzgebiete in Mitteleuropa. In Österreich hat sich der Absatz von Grape-fruit infolge der Zollermäßigunc und wachsenden Popularität dieser Frucht seit 1925 vervierfacht Der Orangenabsatz ist abhängig von der italienischen und spanischen Zufuhr. Im heurigen Jahre wird mit einem gesteigerten Absatz aus dem Grunde gerechnet, weil infoV-e der geänderten Handelsvereinba runden zwischen Italien und Österreich die an die italienischen Orangenproduzenten bisher gewährten Zollrefaktien in Wegfall kommen dürften. Das neue Buch Josef Kasleins In einer Epoche des Drucks und der Rückbesinnung, der Bedrängnis und der Erneuerung, wie sie unser Volk heute durchlebt, bedarf es mehr denn je der Unterweisung und Führung vom Geist her. Klare und tiefe Unterweisung, Zucht und verantwortungsvolle Führung danken wir dem Werk und der Person Josef Kasteins. Seine Bücher, seine Vorträge dienen nur einem Ziel: den aufgestörten, suchenden, oft verzweifelnden Juden unserer Tage an seine Vergangenheit zu erinnern, so stark und tief es nur möglich ist, damit er aus ihr Mut und Vertrauen für die Gegenwart, Hoffnung und Verpflichtung für die Zukunft schöpfe. Dieses Ziel verfolgt Kastein mit einer Unbedingtheit, Kraft und Treue, die jeden anrührt und mitreißt, der sein geschriebenes oder gesprochenes Wort vernimmt. Um dieses Zieles willen beschwört er jetzt eine Gestalt jüdischer Geschichte, die durch di« Zeiten in unsere Zeit hineinragt uad ruft: Jirmejahn, den Künder. In 20 Kapiteln, von denen jedes einzelne durch die geistige Spannweite, durch die Wucht und Vielfalt der Sprache unmittelbar packt, bringt Kastein das Schicksal das Propheten und seines Volkes in bedrängende Nähe. Ein Landstrich am Mittelländischen Meer, fruchtbar gemacht durch die Arbeit eines einfachen, starken, sinnenfrohen Banernstammes, Teil des Staatengewims im syrischen Raum, zwischen den beiden Kolossen, Ägypten und Babylon, bald tributpflichtig, bald fast unabhängig, doch immer im Zugriff der Mächtigen: Judäa. Kleines Land, kleines Volk, nicht andere, wie die andern ringsum, Amon, Moab, Damaskus. Nicht andere wie die andern? So scheint es nur. Denn mit diesem Volk ist in Urzeiten etwas umwälzendes geschehen. Es hat sich einem Gott zum Eigentum gegeben und die Erde hier nicht wie ein erobertes Gebiet, sondern als verheißenes Unterpfand dieses Bundes, der Britb, empfangen. Die Brith bedeutet: Nicht so leben, wie alle großen und kleinen Nachbarn, nicht nach Macht streben, sondern nach Recht, nicht das Nützliche suchen, sondern das Gute, nicht ungehemmt den Trieben, Wünschen, Leidenschaften der eigenen Brust folgen, sondern stets über sieb das Gesetz fühlen: „Heilig sollt ihr sein, denn heilig bin ich, der Herr, euer Gott.“ Kleines Voik, kleines Land, wirtschaftlich bedeudungslos, politisch ohnmächtig und doch gekrönt und beladen mit einer so gewaltigen, über menschliche Kraft fast hinausgebenden Aufgabe. Ist es verwunderlich, daß der einzelne, daß die Gemeinschaft immer wieder vor dieser Aufgabe versagen, daß sie zu andern Göttern abfallen, von dem einen so ungeheuer fordernden Gott? Doch immer stehen auch Männer auf, die das Volk rütteln und rufen, die ihm sagen: Brecht ihr den Bund, vergeßt ihr eure Aufgabe, Menschen von Judäa, werdet Hit untergeben. Diese Männer schlagen zu, wo sie Unrecht sehen, Gewalttat., fremde Unsitte, etwas Faules am Volkskörper, sei es bei den Höchsten, beim König selbst, mit heißen, harten Rügeworten. — Propheten als Zeichendeuter, Orakelkünder, Spruohspirecher finden sieh früher oder später in allen Ländern Propheten, abgesondert und auserwählt, als ein immer waches und lebendiges, unbestechliches Gewissen der Gemeinschaft, die gibt es nur in Judäa. Und zu solchem Amt wird in Zeit der Umwälzung und Wende bestellt: Jirmejahu ben Hilkija, ein junger, unbekannter Mensch aus dem Landstädtchen Anatotb. eingesetzt zum Schmelzer; über Völker und Königreiche zu richten... zu zerbrechen und zu zerstören, zu bauen und zu pflanzen“. — Mit dem Rüstzeug sein« Berufes gäbt er ans Werk, mit weitblickend er Voraussicht, erbarmungsloser Erkenntnis, hartnäckiger Unbedingtheit, unerschöpflicher Liebe. Seine Voraussicht sagt ihm, daß dem Volk schweres Schicksal droht, vom Norden her kann jeden Augenblick die Welle der Gewalt vorbrechen, wie sie vor mehr als einem Jahrhundert dae Bruderreicb Samarla zerschlug. Seine Erkenntnis macht ihm klar.

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