Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 11 (1937-1938)
- Issue
- Heft 704 (10.12.1937)
- Date
- 1937-12-10
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Hr m Wen, Freitag, 10. Demmtwr 1987. Mit« 3 EISEH Selchwaren idros ) VERTRAUENSMARKE \* "/ DER KENNER! Uber eine Million Pfund für Sicherheitszwecke Jerusalem, 9. Dezember. (JTA.) Das palästinensische Amtsblatt veröffentlicht detaillierte Ziffern des vor kurzem bestätigten Budgets der Palästinaregierung für das Jahr 1937/38. Danach sind für Polizei und Sicherheitsdienst über 800.000, für besondere Sicherheitszwecke über 350.000 und für das transjordaniscbe Grenzkorps mehr als 180.000 Pfund vorgesehen. Für ordentliche und außerordentliche öffentliche Arbeiten sind über 960.000 Pfund bestimmt. Der Budgetüberschuß der Palästinaregierung betrug am 31. Juli 4,988.302 Pfund. Absonderung der Araber und Juden in Jerusalem Infolge der dauernden Unruhen macht die spontane Absonderung der beiden Gemeinden Jerusalems rasche Fortschritte, indem die arabischen Einwohner aus den jüdischen Vierteln und die jüdischen Einwohner aus den arabischen Vierteln ausziehen. Cafe Prinz Eugen l.f OPERNRING 11 Täglich Abendkonzert / M. K. 3 Künstler spielen t6 Instrumente Musikalische Schau / Normale Tagespreise / Angenehmer Aufenthalt / Treffpunkt der besten Gesellschaft / Sämtliche in- und ausländischeZeitungen liegen auf Die reichsdeutsche Propaganda im Nahen Osten London, 10. Dezember. (JTA.) „Daily Herald“ meldet aus Jerusalem, daß die Chefredakteure der beiden größten arabischen Zeitungen Palästinas nach Kairo geflogen seien, um mit dem früheren Chefredakteur des ,„Angriff“, Schwarz von Berk, der sich auf einer Studienreise im Nahen Osten befindet, eine Aussprache zu haben. Eine Gruppe arabischer Honoratioren ans Transjordanien werde sich in der kommenden Woche zu demselben Zweck mittels Flugzeuges nach Kairo begeben. Das Blatt berichtet, daß die Aussprache eine Folge der neuen intensiven reich sdeutschen Propaganda im Nahen Osten ist, die unter anderem durch den küTzliehen Besuch des Führers der Hitlerjugend, Baldur v. Sc h i r a c h, in Damaskus und durch den bevorstehenden Besuch des Reiohsministers Goebbels in Kairo unterstrichen wird. KONZERT MAX GEIOER caf£ fetzer Neue Zionistenverfolgungen in Rußland Jerusalem, 9. Dezember. (JTA.) „Dawar“ berichtet neuerlich über Zionistenverfolgungen in Rußland. So wurden vor kurzem vier Zionisten auf zehn Jahre nach Tschimkent (Zentralasien) verschickt. Die Zahl der Verbannten, über deren Schicksal nichts in die Öffentlichkeit dringt, wachse von Tag zu Tag. Schaffung von Asylen für die Danziger Flüchtlinge Genf, 10. Dezember. (JTA.) Am 13. und 14. Dezember findet im Rathaus zu Amsterdam die Sitzung des Beirats des Hochkommissars für die deutschen Flüchtlinge statt, die diesmal eine sehr reichhaltige Tagesordnung aufweist. Unter anderem wird die Behandlung der neuerdings in immer größerer Zahl auftretenden Flüchtlinge aus der Freien Stadt Danzig beraten werden. Hierzu haben das Internationale Asylreohtsbüro und die Zentralvereinigung der deutschen Emigration den Antrag gestellt, die Behandlung der Emir grauten aus dem glekhgesehaJteten Danzig ebenfalls in die Hände des Kommissars fü» die deutschen Flüchtlinge zu legen. Ferner wird die Lage der deutschen Emigranten in den Gastländern ausführlich besprochen werden. Im Mittelpunkt der Erörterungen aber werden die Vorbereitungen für die zwischenstaatliche Konferenz stehen, die der Völkerbund zusammenberufen bat. Das endgültige Datum dieser Konferenz ist auf den 7. Februar 1938 festgesetzt. Die Genfer Beratungen der Konferenz werden mehrere Tage in Anspruch nehmen. Der Beirat fordert ferner, daß auf deutsche Flüchtlinge die deutschen Rassengesetze keine Anwendung finden, und daß den Flüchtlingen Arbeitserlaubnis und sozialer Schutz bei Arbeitsunfällen gewährt wird. Es wurde ferner in Erwägung gestellt-, den Flüchtlingen auch diplomatischen Schutz durch die Asylstaaten gewähren und an der Durchführung des Flücht-lingsstatute in jedem Lande auch eine Vertretung der Flüchtlinge mitjwirken zu lassen. Diese Vorschläge hat der Hochkommissar teilweise in seine Vorlage für die Beratungen der Völkerbundskonferenz im Februar aufgenommen. Da« Judenproblem in Polen Warschau, 9. Dezember. (JTA.) Während bisher nur die ausländischen Zeitungen berichtet hatten, daß in den Gesprächen zwischen dem französischen Außenminister D e 1 b o s und dem polnischen Außenminister Oberst Beck über die polnischen Kolonialforderungen u. a. auch das Probt der jüdischen Auswanderu aus Polen, in welchen die polnischen gierenden Kreise ein staatliches Problem der Republik sehen wollen, behandelt wurde, verlautet heute aus polnischer Quelle über die Gespräche zwischen Deibos und Beck u. a.: Worüber Deibos und Beck gesprochen haben sollen Das bedeutsame jährliche Anwachsen des jüdischen Elementes in Polen veranlagte die leitenden Warschauer Faktoren, nach Möglichkeiten zu suchen, die Überschüsse dieses Bevölkerungsteiles in überseeischen Gebieten unterzubringen. Eine Studienkommission unternahm kürzlich mit Bewilligung der französischen Regierung in diesem Zusammenhang eine Reise nach Madagaskar.! Es ist natürlich, daß nach Palästina nur die Emigration der ausschließlich jüdischen Bevölkerung dirigiert werden kann, während nach anderen Territorien auch christliche Polen dirigiert werden könnten. Diese Bemühungen sollen nun im Einvernehmen mit der französischen Regierung fortgesetzt werden. In den jüdischen Kreisen kann man sich eines Gefühls des Unbehagens «lebt erwehren, weil über ein Problem, welches die Juden angeht, über die Köpfe der Juden hinweg verhandelt wird. Außerdem befürchtet man, daß eine solche Art der Behandlung des Problems in den politischen Kreisen und unter den breiten Massen Polens die Legende stärken könnte, daß es möglich wäre, Juden in Massen in ferne Kolonien zu bringen; auf diese Weise wird der sogenannte „Emigrationismus“, der dem Antisemitismus eine starke Antriebskraft gibt, gefördert. Es gibt in Polen aber auch nüchterner denkende politische Kreise, die nichtsdestoweniger der Erwägung Raum geben, daß jüdische kapitalistische Kreise des Auslandes eine solche jüdische Auswanderung und koloniale Siedlung stützen könnten, wo man doch in jüdischen Kreisen genau weiß, daß für solche Zwecke kaum nennenswerte Kapitalien werden aufgebracht werden können, nachdem das Palästinawerk und die anderen jüdischen Aufbauaktionen die jüdischen Anstrengungen in einer Weise absorbieren, daß für neue große Aktionen kaum noch viel erübrigt werden könnte. Schließlich weiß man auch, daß Madagaskar oder etwa andere in Betracht kommenden Kolonialgebiete nur eine sehr beschränkte Anzahl jüdischer Einwanderer, wenigstens in der ersten Zeit, werden aufnehmen können, wozn noch kommt, daß die polnischen regierenden Kreise ja in erster Reihe an eine koloniale Siedlung von Christ liehen Polen denken. Rohstoffversorgung und Ans* Wanderung nach den Kolonien Im Pariser „Matin“ schreibt der Sonderberichterstatter Barres: Der polnische Außenminister Beck hat Frankreich ersucht, Polen die Möglichkeit der R o hstoffversorgung und der Auswanderung nach den Kolonien zu geben. In dieser zweiten Hinsicht käme Madagaskar in Betracht, wohin die A u s Wanderung polnischer Juden er möglicht werden sollte. Londoner „Times“ erklären, die französische Regierung habe sich vor ungefähr einem Jahre bereit erklärt, einige ihrer Kolonien für polnische Auswanderer zu öffnen. Kürzlich sei eine Kommission von Madagaskar zurückgekehrt, die dort die Möglichkeit einer polnischen und jüdischen Siedlung geprüft habe. Ein großer Teil der augenblicklichen wirtschaftlichen Not in Polen sei nach polnischer Auffassung dem jährlichen Bevölkerungszuwachs von fast 500.000 Menschen und der Beschränkung der Einwanderung in den Ländern der Welt zuzuschreiben. Lansbury will Vorschlag zur Lösung der Judenfrage machen London, 10. Dezember. (JTA.) Lord Lansbury erklärte vor seiner Abreise nach dem Kontinent, wo er eine Reihe von Hauptstädten, darunter Warschau, besuchen wird, er werde sich neben den Problemen der Aufrechterhaltung des Friedens insbesondere auch mit dem Problem der Juden in Polen beschäftigen. Die Juden Polens hätten mehr gelitten als irgend eines der unterdrückten Völker Europas. Er werde versuchen, für sie zu tun, was in seiner Kraft liegt. Er hoffe, daß es ihm gelingen werde, einen Vorschlag zur Lösung des Problems zu machen. Ihr Kind 10 Tage am Semmering in der Kurpension Dr. Hecht (rituell) alles inbegriffen . . S 82*- Sklkurse für Anfänger und Fortgeschrittene Auskunft : Dr. S. Erber, II., Holland>tr.8 Tel. A 42-109 B (2 bis 5 Uhr), sonst A 48-3-30 Polnische Großindustrie lehnt Jüdische Arbeit ab Warschau, 9. Dezember. (JTA.) Die wirtschaftsstatistische Abteilung des Jüdischen wissenschaftlichen Instituts hat jetzt die Daten über die jüdische Industrie in Warschau auf Grund der Volkszählung von 1931 bearbeitet.. Danach sind von 31.260 jüdischen Arbeitern mehr als vier Fünftel, nämlich 82-8%, ln kleinen Unternehmungen beschäftigt gegenüber 50-1 % der nichtjüdischen Arbeiter. In den großen Indnstrieunternehmungen arbeiten fast 25% der nichtjüdischen, aber nur 2 14% der jüdischen Industriearbeiter. Ähnlich ist das Bild bei den Ang seilten. Von 3506 jüdischen Industrieangestellten sind 10-8% in den großen Industrieunternehmungen beschäftigt (gegenüber 50% der nichtjüdischen Industrieangestellten). lOOO Bücher..S1‘- Romane. Erzählungen, Kinderbücher, Kirnet und Wiee< Mark Twains »Prinz und Bettelknabe« König wider Willen Mit Errol Flynn, Billy und Bobby Maudi Musik: E. W. Korngold Rotenturm-Kino, I. _____ Ein Warner Bros.-Großfitm ______ den drei jüdische Hörer von nationaldemokrtischen Studenten blutig g ech lagen. Nach einem vierwöchigen Kampf um ihre Rechte sind die jüdischen Studenten an der Wawelberg-Hochschule wieder zu den Vorlesungen zugelassen worden. Als ihnen aufgetragen wurde, besondere Sitzbänke einzunehmen, blieben sie zum Zeichen des Protestes während den Vorlesungen stehen. SWING Wie das Ausland über Polen denkt Paris, 9. Dezember. (JTA.) Die Internationale Liga gegen Rassenhaß und Antisemitismus sandte an den französischen Außenminister Deibos nach Warschau vom Präsidenten der Liga, Bernard Lecaehe, gezeichnetes Telegramm, in welchem sie seine Aufmerksamkeit auf die Probleme dos Rassismus und Antisemitisus in Polen lenkt New York, 9. Dezember. (JTA.) Der drei Millionen Mitglieder repräsentierende A m eanische Jugendkongreß richan den polnischen Unterrichtsminister Prof. Swietoslawski eine Botschaft in der „ e n die Einführung von Ghettobänken an polnischen Hochschulen protestiert wird. Häuserverwaltungen mit Ausfallgaianlle übernimmt, Realitäten- und Hypothekengeschäfte führt kulantest durch Norbert Weichselbaum behördl. konz. Büro, l, Lugeck 7, Ii 23-0-2 3 Der Kampf gegen das Hochschulghetto Warschau, 9. Dezember. (JTA.) An der Handelshochschule in Warschau kam es zu schweren Zusammenstößen zwischen nationaldemokratischen und jüdischen Studenten, in deren Verlauf fünf Juden und zwei Jüdinnen erheblich verletzt wurden. Eine Delegation der nationaldemokratischen Studenten hatte vom Rektor verlangt, den jüdischen Hörem das Stehen während der Vorlesungen zu verbieten und sie zu zwingen, die Ghettobänke einzunehmen. Falls der Rektor dieser Forderung nicht entsprechen werde, könnten sie die Verantwortung für die Aufrechterhaltung der Ordnung an der Hochschule nicht übernehmen. Der Rektor der Lemberger Universität, Prof. Kulczynski, hat die nationaldemokratischen Hörer von der Universität verwiesen, nachdem diese die jüdischen Hörer gewaltsam am Betreten des Hochsehuleebäudes zu hindern versucht hatten. Die Universität wurde auf unbestimmte Zeit geschlossen. Gleichzeitig wurde auch die Lemberger Handelshochschule bis auf weiteres geschlossen. Auf der juridischen Fakultät der Warschauer Universität wur- Tagung der jüdischen Front* Soldaten Polens Krakau, 9. Dezember. (JTA.) Sonntag, 5. Dezember, wurde in Krakau die. dritte außerordentliche Tagung des Verbandes der jüdischen Teilnehmer an den Kämpfen um Polens Unabhängigkeit im Beisein von 250 Delegierten und mehreren hundert Gästen eröffnet. Premierminister General Slawoj Skladkowski, der Rriegsmimster und der Präsident der Föderation der polnischen Verbände der Vaterlandsverteidiger General G u r e c k i waren durch spezielle Abgesandte vertreten. Der Sejmmarscball St. Car hatte ein Begrüßungstelegramm geschickt. Alljüdischer Kongreß in Polen Warschau, 9. Dezember. (JTA.) Das Präsidium des Komitees zur Vorbereitung des Alljüdischen Kongresses in Polen hat beschlossen, diesen für den 20. Februar 1938 einzuberufen. Die Wahlen zura Kongreß finden in ganz Polen am 30. Jänner statt. Ghettobänke an der Bukarester Technischen Hochschule Bukarest, 10. Dezember. (.JTA.) Der Professor an der technischen Hochschule in Bukarest Cornelius C a s s a s ov i c i hat angeordnet, daß die jüdischen Hörer besondere Plätze ln den H ö r s ä 1 e n einnehmen. Es ist dies der erste Fall eines Hochschul-Ghettos an rumänischen Hochschulen. Dr. Joseph Lurie gestorben Am 3. Dezember ist in Jerusalem Dr. Joseph Lurie, Leiter der Erziehungsabteilung des Waad Leumi, plötzlich verschieden. Der Verstorbene, der 71 Jahre alt war, genoß hohes Ansehen als Pädagoge und Publizist. Vor dem Kriege gab er das offizielle Organ der zionistischen Or-gamsation Rußlands heraus.