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Die Stimme · 1937-12-03 · Heft 702 (3.12.1937) · page 3

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Journal
Die Stimme
Volume
11 (1937-1938)
Issue
Heft 702 (3.12.1937)
Date
1937-12-03
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Wien, Freitag, 8. Dezember 1937. — Nr. 702. DIE STIMME Seite 3 HOLLYWOOD, WIE ES WIRKLICH IST 1 ln dem TedmleoIor-üroßrUm A STAR IS BORD (Ein Star ist geboren) mit JAN ET GAYNO R, FREDERIG MARCH, ADOLPHE MENJOU Etat United Artlsti Film Im Verleih mmmmh Dl\ Hauser & Co. Oberrabbiner Dr. Taglicht Amtlich wird verlautbart: Der Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde hat in seiner Sitzung vom 30. November einstimmig beschlossen, den Titular-Oberrabbiner Dr. Israel Taglicht, der seit dem Ableben des Oberrabbiners Dr. David Feuchtwang mit der Führung des Oberrabbinates betraut war, zum Oberrabbiner zu ernennen. Oberrabbiner Dr. Taglicht wird außer der Tätigkeit im Rabbinate der Kultusgemeinde auch die rabbinischen Funktionen im Stadt- Tempel versehen. Cäte Prinz Eugen I., OPERNRING 11 Täglich Abendkonzert / M. K. 3 Künstler spielen 16 Instrumente Musikalische Schau / Normale Tagespreise / Angenehmer Aufenthalt / Treffpunkt der besten Gesellschaft / Sämtliche in- und ausländischeZeitungen liegen auf Herrn Dr. Kreises Justament Die Werbeschau „Christen, kauft bei Christen!“ ist von Herrn Vkebürgermeister Dr. Kresse mit einer Rede eröffnet worden, die bei Leuten, die mit den Verhältnissen in. ^sterrfdeh nicht vertraut sind, den Eindruck zu erwecken vermag, daß hier die christlichen Gewerbetreibenden Zurücksetzungen und Verfolgungen ausgesetzt seien. Wenn Herr Dr. Kresse emphatisch ausruft: „Wir verlangen nichts anderes, als daß unsere christlichen Gewerbetreibenden in diesem christlichen Staate dieselben Rechte genießen wie alle anderen“, so muß die Meinung hervorgerufen werden, daß alle anderen“, also die Nichtohristen oder EISEH Selchwaren VERTRAUENSMARKE OER KENNER I enauer gesagt, die Juden, da es doch in sterreich verdammt wenig Mohammedaner, Buddhisten, Schintokten und Bekenner anderer Religionen gibt, Rechte haben, die den christlichen Gewerbetreibenden vorenthalten werden. Das wird wohl der Herr Vizebürgermeister denn doch nicht ernstlich behaupten wollen. Seine zitierte Forderung und die gleichwertige Erklärung, „es sei sehr naheliegend, daß in dieser Zeit gerade die christlichen Gewerbetreibenden _ ihre Leistungen zur Schau stellen“, soll ja in Wirklichkeit bloß die antisemitische Parole, daß die Christen nicht bei Juden einzukaufen haben, kaschieren, eine Losung, die froiz dem „Dreh“ der publizistischen Nothelfer LITE-, -KINO OPERN-, E VOTIVPARK IOOO Bücher.* :onume, Erzählungen, Kinderbücher, Knn»t und Wujenchaft, Katalog gratia und franko. Buchhindluig Schneider & Co., U Franz-Josef-Ka! 7 (an der Schwedenbrücke). des Herrn Vizebürgermeisters, .es heiße ja nicht „Christen, kauft nur bei Christen! , bei allen auf den Bürgerfrieden bedachten Pensönlichkeiten unsere« Lande« und. in der ihrer ethischen Pflichten bewußten Presse Entrüstung hervorgerufen hat. Der Ausruf des Herrn Dr. Kresse am Schluß seiner Rede: „Nun erst recht: Christen, kauft bei Christen!“, wind im Kreise der Gleichgesinnten sehr mutig geklungen haben, aber die Einsichtigen wird diese« Justament nicht von der Überzeugung abbringen, daß der Herr Vizebürgermeister der Bundeshauptstadt dem Ansehen Österreichs keinen Dienst erwiesen hat. Das „Tiifrraw yolksblatt“ schrieb mx Werbeschau „Christen, kauft bei Christen!“: „Diesen Dienstag findet in Wien die Worbes oha u ,Christen, kauft bei Christen* statt, deren Leiter der Wiener Vizebürgermeister Dr. Kresse ist Gegen diese Ausstellung, die vom Gewerbebund AlsergTund veranstaltet wird, sind verschiedene Proteste erhoben worden, namentlich durch j einen Großteil der Wiener Presse. Da sie erfolglos blieben, ist anzunehmen, daß d ie Stadt Wien die Ausstellung und die mit ihr verwandten Aktionen wünscht. Vizebürgermeister Dr. Kresse kam im Jahre 1934 als Vertreter des Gemeindebundes in den Stadtrat Wiens.“ * Mit senkrecht gehaltener Handfläche. In einer der letzten Versammlungen des Antisemitenbundes wurde der neue Gruß dieses Bundes (A. B.) erklärt: der ausgestreckte rechte Arm mit hochkant gehaltener Handfläche und den Worten „Heil A. B.!“ Der ausgestreekte Arm und die senkrecht gehaltene Handfläche sollen „die Trennung zwischen deutsch-arischem und jüdischem Wesen“ kennzeichnen. Enteignung jüdischen Vermögens in Deutschland In den Ausweisen des Deutschen Reiches für Oktober figurieren die Einnahmen aus Reichsfluchtsteuer mit zwei Posten: 7.3 und 2.7 Millionen Mark, zusammen also mit 10 Millionen Mark. Seit Beginn des Jahres 1937 wurden 42.1 Millionen Mark an Reichsfluchtsteuer vereinnahmt, was einem geschätzten Kapital von 170 Millionen Mark entspricht. Bekanntlich wird die Reichsfluchtsteuer von Personen geleistet, die ins Ausland wandern, um sich dort eine neue Existenz aufzubauen, also hauptsächlich von Juden. In der letzten Zeit befleißigen sich die Behörden des Dritten Reiches einer neuen Praxis, um sich des Vermögens von Juden zu bemächtigen. Während bis vor kurzem die Ausbürgerungslisten fast nur Namen von im Ausland lebenden politischen Gegnern des Hitler-Regimes enthielten, haben jetzt die eingeweihten Kreise im Ausland die überraschende Feststellung gemacht, daß die letzten Ausbürgerungslisteu mit Ausnahme von zwei oder drei Namen politischer Gegner des Dritten Reiches ausschließlich Namen von vermögenden Juden enthalten, die, zum Teil nur vorübergehend, ins Ausland gegangen sind, um zu erkunden, ob irgendwo für sie eine Möglichkeit besteht, sich eine materielle Existenz zu schaffen und ihren Wohnsitz von Deutschland Ins Ausland zu verlegen. Inzwischen kommt die Ausbürgerung, die automatisch zur Folge hat, daß ihr in Deutschland befindliches Vermögen dem Staate verfällt So stehen diese Menschen eines Tages vor dem grauenvollen Nichts: weder haben sie, als Ausgebürgerte, die Möglichkeit, nach Deutschland zurückzukehren, noch besitzen sie irgend eine materielle Grundlage, um sich eine Existenz in einem anderen Lande aufzubauen. * Rassische Rechenaufgaben für Schulkinder Im Ehlermann-Verlag in Dresden erschien ein Unterrichtswerk „Nationalpolitische Übungsst.offe für den Mathematik- Unterricht“ zum Gebrauch in den Mittelstufen der höheren Schulen Deutschlands. Nachstehend einige, für das Ziel des deutschen Schulunterrichts charakteristische Beispiele: „R a s s e n k u nd e: Der Anteil der einzelnen Rassen innerhalb des deutschen Volkes ist schätzungsweise: a) vorwiegend nordisch 45 Prozent der Gesamtbevölkerung, b) ostisch 20 Prozent, c) dinarisch 18 Prozent, d) ostbaltisch 8 Prozent, e) fäliseh 5 Prozent und f) westiseh 4 Prozent, Zeichne einen Kreis von 4 cm Halbmesser und trage jeden Rassenteil als Kreisausschnitt ein.“ „J u d e n f r a g e: Bestimmte geistige Berufe Berlins wurden in der Systemzeit von Juden beherrscht; so gab es unter den Theaterleitern 80 Prozent, unter den Rechtsanwälten 60 Prozent, unter den Ärzten 50 Prozent, unter den Hochschullehrern der philosophischen Fakultät 25 Prozent Juden. Stelle die Zahlen graphisch dar.“ Die rassenscirätzlerischen Umtriebe in Ungarn Budapest, 2. Dezember. (JTA.) Bei der Interpellation des Abgeordneten der Unabhängigen Kleinlandwirte Dr. S u 1 y o k im Ungarischen Abgeordnetenhaus wegen der unter der ungarischen Jugend unablässig betriebenen extrem-radikalen Agitation kam es zu sehr erregten Szenen. Sulyok forderte, daß man die älteren Elemente, die unter der ungarischen Jugend an Stelle des Freiheitsideals Ideen wie Rasse und autoritärer Staat verbreiten, von der Jugend fernhalte, weil diese Personen die Jugend bloß als Sprungbrett für ihre politische Karriere benützen. Der Nationalsozialismus, sagte Sulyok, ist eine Verwirrung des menschlichen Geistes, über die wir in einigen Jahrzehnten lächeln werden. Der Pfeilkreuzlerführer Abg. Graf Festetics rief dazwischen: „Wir werden sicher nicht lachen!“ — Der demokratische jüdische Algeordnete Dr. Fabian fragte: „Und wir?“ — Festetics erwiderte: „Auch der Herr Algeordnete wird nicht lachen!“ — Dr. Horvath (Unabh. Kleinlandwirte): „Wird er vielleicht aufgehängt werden?“ Unterrichtsminister Dr. H o m a n beantwortete die Interpellation Dr. Sulyoks mit einer Auseinandersetzung mit den Begriffen Nation und Rasse, über die Begriffsverwirrungen herrschen. Die Interpellanten wiederholten die Frage an den Minister, ob er wolle, daß Ungarn pfeilkreuzlerisch gesinnt sei oder ob er das nicht wolle. Dieses ewige Hin und Her, das Pendeln zwischen Rechts und Links könne nicht länger aufrechterhalten werden. Anwürfe gegen Minister Homan Inzwischen hatten siph Minister Homan und der Führer der Kleänlandwirte, Dr. Tibor Eckhardt, zueinander gesetzt. Eckhardt sprach erregt auf den Minister ein. Auf einmal sprang der Minister auf und rief laut: „Ich verbitte mir das!“ Diesen Worten folgten erregte gegenseitige Zurufe zwischen den Linken und den Rechten. Unterrichtsmimster Homan, der für einen Augenblick den Saal verließ, kehrte zurück und erklärte: „Ich bitte das Haus um Verzeihung, ich wurde beleidigt und mußte die Beleidigung zurüokweisen. Mein AbgeoTdneterkollege sagte, daß ich seit einem Jahr dis Pfedlkreuzpolitik in Ungarn mache. Das verbitte ich mir. Ich pflege nicht auf zwei Saiten zu spielen.“ Tibor Eckhardt erwiderte mit lauter Stimme: „Der Herr Kultusminister hat die Unterredung vollständig richtig wiedergegeben. Wenn ich aber sage, daß der Herr Minister seit einem Jahr Pfeilkreuzpolitik betreibt, so ist das keine Beleidigung, sondern eine Behauptung. (Zwischenrufe rechts: Verleumdung.) Da mich der Herr Minister aufgefordert hat, über die innerhalb seines Portefeuilles geführte und tolerierte Pfeilkreuzpropaganda Daten zu bringen, werde ich sie in kürzester Zeit dem Hause unterbreiten.“ Wie die Budapester Morgenblätter vom Donnerstag meldeten, stellte Homan im Hinblick auf den Zwischenfall im Abgeordnetenhaus dem Ministerpräsidenten Daranyi sein Portefeuille zur Verfügung. Der Ministerpräsident hat jedoch den Kultusminister gebeten, sein Portefeuille beizubehalten. * * * Bischof Maklary über die Judenfrage Budapest, 2. Dezember. (JTA.) Der reformierte Bischof Karl M a k 1 ä r y, der den Spuren des verstorbenen Bischofs Desider Balthazar in der Sympathie gegenüber dem Judentum und dem Palästina-Werk folgt, äußerte sich im „Orezägos Egyetörtes“, dem Wochenblatt der konservativen Budapester Judenheit, über die Judenfrage, die er nicht als ungarisches, sondern als europäisches Problem ansieht. Es tut not, durch die Reaktivierung des historischen Judenlandes denjenigen Juden die Rückkehr in die uralte Volksgemeinschaft zu ermöglichen, die sich nicht assimilieren konnten oder ließen. Der Zionismus ist eine heilsame Bewegung, wenn er die ln den einzelnen Ländern verfolgten Juden im Heiligen Lande zu placieren vermag und darum hat die Wiederherstellung des historischen Judentums eine Berechtigung. Chanukkah-Feler der Misracbijugend, Sonntag, den 5. d., H8 Uhr, veranstaltet der Zeire w'Hechaluz. Haanisrachi im Festsaale Praterstraße 60 eine Chanukkah-Feier mit reichhaltigem Programm. Kleiner ßegjebeifcrag. Geschichten aus Österreich von Leopold Ehrlich - (Hehler Ganzleinen S 6-30 Ein Jüdisches and zugleich österreichische« Buch, tüte die Freuden und auch die Tragik des österreichischen Wiener Judentums schildert. Dieses Buch ist, wie alle bisherigen Bücher von Ehrlich- HichJer, wegen seiner spannenden Handlung und seiner natürlichen Sprache berufen, ein echtes Volksbuch zu werden. Durch jede gute Buchhandlung oder direkt vom Verlag R. Löwit Wien, i.( Fleisdimarkt 1 Auf in den Kampf — für Stalin-Demokratie! Anläßlich einer Tagung der Ozet (Gesellschaft zur Ansiedlung von Juden auf dem flachen Land) im jiddischen Staatstheater in Moskau hielt der Präsident dieser Institution Di ama.nts tein, eine Rede voller Phrasen über die „glänzende Entwicklung von Birobidschan dank der lcninistischstalinistischen Nationalitätenpolitik“ und brachte das Kunststück zusammen, gleich darauf hei einem Hinweis auf die Verfolgung der Juden in Polen und Deutschland zum „Kampf für Demokratie als dem einzigen Weg zu Freiheit und Glück“ aufzurufen. Diamantstein scheint die geistige Kapazität seiner Zuhörer sehr niedrig eingeschätzt zu haben, daß er Stalin und Demokratie in einem Atem zu nennen wagte und just zu einer Zeit, in der ganz Rußland im Meer des zu Ehren des „Demokraten“ Stalin vergossenen Blute« zu ersticken droht. Makkabäerteier, 4. Dezember, präzise abends Großer Konzerthaussaal Opernsänger Albert Feiler Am Flügel: Robert Walter Spitz t. Hakotel (Die Mauer) von I. Engel 2. Eiii Eili von Schallt 3. Kaddisch von Engel Die Makkabäer-Feier Mit großem Interesse sieht das jüdische Publikum Wiens der repräsentativen Makkabäer-Feier des Zionistischen Landesverbandes entgegen, die am 4. Dezember, um 8 Uhr abens, im Großen Konzertbaussaal stattfindet. Das Liehteranzünden nimmt Oberkantor Margolies mit dem Chor des Stadttempels vor. Die Geigenvirtuosin Liselotte Markus, von Konzerten und vom Radio Wien her wohlbekannt, spielt jüdische Weisen, Jakob Feldhammer liest eine bisher unveröffentlichte Makkabäer-Rede, Sarah G o 1 d s t e i ti wird ihre wohlbekannte Kunst in den Dienst des hebräischen Volksliedes stellen, Opernsänger Feiler wird jiddische Lieder singen und die Künstler des Jüdischen Kulturtheaters werden die Engelsszene ans Beer-Hofmanns „Jaakobs Traum“ darstellen. Die Nachfrage nach Karten ist sehr rege. Karten sind erhältlich hei: Zionistischer Landesverband, L, Marc-Aurel-Straße 5, U 22-2-11; Zionistische Bezirkssektion Leopoldstadt, II., Praterstraße 13, R 42-407; Bücherstube Rath, II., Taborstraße 20, R 45-305; in sämtlichen Bezirkssektionen, WIZO, I., Schottenring 25, A 11-6-26; Bücherstube Meistrik, I., Wollzeile 6, R 25-4-53: Jüdische Kulturstelle, I., Kai 3, R 28-236; Bücherstube Lanyi, I., Kärntnerstraße 44, B 26-3-33; Kartenzentrale Gronner, I, Graben 29, U 22-4-45; Papiergeschäft Drimer, I, Schottenring 33, A 12-7-78: Ring der Altherrenverbände, I, Kohlmarkt S. U 23-4-37. * Die Veranstaltung beginnt präzise 8 Uhr. Zuspätkommende erhalten bloß Einlaß in den Pausen zwischen den einzelnen Programmnummern.

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