Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 11 (1937-1938)
- Issue
- Heft 701 (1.12.1937)
- Date
- 1937-12-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/3053752-3054431-3054458--7106-3520270- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 701. — Wien, Mittwoch, 1. Dezember 1937. DIE STIMME Satt« 5 Violinvirtuosin Liselotte Markus Am F.ögeh Robert Halter Spitz 1. Ernst Bloch: Besi-Sdicm SulU I. Zerkn rschung (Vidni) II. Improvisation (Nigun) III. iubttl {Simdisi Toreh) S. Aehron-Autr: Hebrjiidi« Wiegenlied 3. Max Bruch: Kel Nidrc Streicher-Propaganda in Blindenschrift Unter der Obemcbrift „Die BltadenaiwUlt in Nürnberg sorgt für Aufklärung“ meldet Julius Streichers „Stürmer“ Nr. 48. November 1937): Die Blindenanstalt Nürnberg bat die Schrift des Stadtschulrates Fink „Die Judenfrage im Unterricht“ in Blindenschrift übertragen. Nunmehr haben also auch die Blinden Gelegenheit, sich Aufklärung in der Judenfrage zu holen. ln der gleichen Nummer teilt der „Stürmer“ in großer Aufmachung das Urteil des Berliner Amtsgerichte (gez. Piening, Amtsgerichtsrat) in der Privatklagesache des Rechtsanwalts Dr. Karl K i k a t h gegen den „Stürmeri'-ScibrifÜeiter Karl Holz mit. Der „Stürmer“ hatte Dr. Kikath „undeutsches Verhalten“ vorgeworfen, weil dieser in einem Schreiben an einen jüdischen Klienten sich derüblicbenHBflichkeitsformeln bedient hatte. Die von ihm gegen den „Stürmer“ eingebrachte Ehrenbeleidigungsklage wurde vom Berliner Amtegericht mit der Begründung abgewiesen, daß der „Stürmer“, der „die Aufgabe hat, das Vor-i ständnhs für den Raesegedanken im Volk! zu wecken und zu vertiefen, sowie die Bewegung im notwendigen Kampf gegen das internationale Judentum zu unterstützen“, durchaus das Rechthat, „an dem Verhalten einzelner Volksgenossen dem Judentum gegenüber Kritik zu üben“. Im weiteren Text der Urteilsgründe wird der „Stürmer“ als moralischer Lehrmeister des deutschen Volkes gewertet Ks»L fiel* schließt seinen Triumphauls«** mit den Worten: „Der .Stürmer1 siebt diesen Gerichtsbeschluß als einen Beweis dafür an, daß auch auf dem Gebiete der Rechtsprechung das deutschen Erwachen beginnt“ Ras vermißte LOT- Flugzeug aufgefunden Sofia* 29. November. (JTA.) Da« vermißte Flugzeug „Douglas Sp-Asl“ der polnischen Flugzeuggesellsohaft LUT. das auf dem Flug von Palästina nach Polen seit 23. November verschollen war, wurde am 27. November in der Gegend von Svitiyraö im Pinn-Gebirge in Bulgarfech-Mazedonien auf einem 2000 Meter hohen Berggipfel entdeckt, Das Flugzeug, das anscheinend ln einen Schneesturm geraten und gegen den Berg gestoßen war, war völlig zertrümmert und ausgebrannt. Die Leichen der drei Passagiere — des palästinensischen Industriellen R a ko wski, des Arztes Dr. Friedmann und de» Wiener Kaufmanns N e ugröschel — sowie der drei Mann Besatzung wurden erst nach langem Suchen im Schnee zum Teil über 100 Meter von der Unglücksstelle entfernt, bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt, aufgefunden. Sämtliche Insassen dürften auf der Stelle den Tod gefunden haben. Moadim: Sefer Hachamikkah Der erste Band der Serie über die jüdischen Feste, die das Hauptbureau des Keren Kajeraetb im Verein mit dem Verlag „Om*- nuth“ angekilndigt hat. Ist soeben erschienen. Es ist dem Chanukkäb-Fest gewidmet, Er umfaßt 450 Seiten. Papier und Druck sind, der Tradition des Keren Kajemeth und des „Ömanuth“ entsoreohend, erstklassig. Der Band enthält über hundert hervorragende Illustrationen. Das literarische Material beginnt mit der Bibel und erstreckt sich bis auf die zeitgenössischen Dichter und Denker unseres Volkes. Gedicht«. Lieder, Erzählungen, dramatische Szenen, Noten zu den Liedern, Anweisungen für dramatische Aufführungen, Essays — kure, alle Schöpfungen, die zum Chanukkah-Feet «n Laufe der Jahrtausende der Genius unseres Volkes hervorgebracht hat, sind in dies«® Buche sinnvoll zusammengetragen. Die Illustrationen enthalten auch zahlreiche Dekorationen und Kulissen für Aufführungen, Man darf es, ohne zu übertreiben, sagen: Da« von jung und alt, von Lehrern, Erziehern und Jugendführern längst erwartete Buch über das Makkaibäerfeet ist endlich erschienen. Winterhilfespende der Angestellten der Knltusgemelnde Die Angestellten der Kultusgemeinde Wien haben durch ihre Vertretung beschlossen, auch heuer zugunsten der Winterhilfe 1987/38, gleich wie andere Angestellte des privaten und öffentlichen Dienstes, Beiträge zu leisten und die aufgebrachten Beiträge je zur Hälfte der Winterhilfsaktion der Bundesregierung und der Kultusgemeinde zur Verfügung zu steilen. Diese" Beiträge werden sowohl den aktiven als auch den pensionierten Angestellten von ihren Bezügen in der Zeit vom 1. Dezember 1887 bi® 1. April 1938 in Abzug gebracht und widmungsgemäß den obigen Zwecken zugeftlhrl werden. ln jedes jüdische Haus! " Gedalje ben ilieser: t Die Überseesiedlungen der JCA London, 80. November- (JTA.) Der Präsident der Jewisb Colonieation Association (ICA), Sir Osmond d’Avigdor, eröffnet© die vor kurzem in London abgehaltene Jahresversammlung der ICA mit einer Gedenkrede auf Felix M. Wartung. Sir Osmond gab dann einen Umriß der Lage der Juden in der Welt. Die ICA und die anderen großen jüdisch«« Wohlfahrtsorganisationen müssen ihr Äußerstes tun, um eine Katastrophe abzuwenden. Was uns betrifft, so sind wir entschlossen, im Rahmen der uns zur Verfügung stehenden technischen und finanziellen Mittel unsere Pflicht zu tun. | Gute Erfolge ln Argentinien Was die Übereeesiedlung der ICA betrifft, so erinnere ich daran, daß unser Generaldirektor nach seiner Südamerikareise uns ein Programm zur Ansiedlung einer möglichst großen Zahl deutsch-jüdischer Familien auf unseren Reserveländereien in Argentinien unterbreitet hat. Das Programm wurde angenommen und durchgeführt Das erste mit einem Dutzend Familien gemachte Experiment gelang trotz verschiedener Schwierigkeiten, wie ungenügende landwirtschaftliche Ausbildung der Siedler, vorzüglich. In diesem Jahre wurde ein erweitertes Programm in Angriff genommen; Schiffe bringen regelmäßig jüdische Familien in ein Land, wo sie in Freiheit und Würde leben können, immer mehr Länderei«® werden kultiviert. Häuser werden gebaut, lebendes Inventar angeschafft. Die Jüdischen Siedler In'Argentinien befestigen ihre Position,!eh danke dem Lande Argentinien im Namen de« ganzen jüdische« Volkes für das ans erwiesene Entgegenkommen. Sh Osmond verteidigte di« Siedlungsmethoden der ICA gegenüber Kritikern, die für Massenauswanderung und -Siedlung plädieren. und sagte: Wir wissen aus Erfahrung, daß zwischen solchen Träumen und ihrer Verwirklichung eine Kluft liegt; wir führen unsere Politik der Aneiedlung im begrenzten Rahmen fort. Verbot der Ansiedlung In Brasilien Im Vertrauen auf die Zusicherungen, die uns die brasilianischen Behörden gegeben haben, fuhr Sir Osmond fort, hatten wir unter beträchtlichen Opfern Vorbereitungen zur Neuansiedlung von Juden in Brasigetroffen und gingen daran, im Staate de Janeiro eine landwirtschaftliche ■ Kolonie zu errichten. Ein Territorium wurde gewählt und angekauft, Wege, Brücken und Häuser gebaut, Melioration®- und andere Arbeiten durdigefiihrt; man war schon so weit, daß die Siedler bei ihrer Ankunft, in der Lage gewesen wären, die erste Ernte einzubringen. Zu unserem großen Bedauern aber ist von der brasilianischen Regierung die Ermächtigung zur Ansiecllumr der sorgfältig ausgewählteti und ausgebildeten Familien moralisch hochstehender deutscher Juden verweigert worden. Wir hoffen aber, daß in dieser Sache das letzte Wort noch nicht gesprochen ist. ln Palästina hat die Erntet, die unser Werk führt, ihre bestehenden Siedlungen konsolidiert und erweitert, sowie Pläne! " : I Jüdisches t Volk [ antworte! t | Leinen 333 Seiten S 8’40 ► Das Makkabaetbuch von heute P Soll der Judenstaat Mak- | kabien gegründet werden? £ I Zu beziehen durch alle Buchhandlungen ► | Dr. H. Glanz Verlag, [ i Wien VIII, Tel. A 28-1-14 Z t d.e r Hu vollendet. Die Realisierung dieser Pläne kkoft’«chließlicto van der -Gestaltung der Probleme Palästinas ab. Wir verfolgen die Entwicklungen dort mit größter Aufmerksamkeit und werden im geeigneten Zeitpunkt die notwendigen Beschlüsse fassen. Dienstjubllfium Oberkantor 6. H. Margolies Oberkaator G. H. Margolies war am 8. November «däßliob seines Sojährigen Dieustjubiiäumz Gegenstand zahlreicher Ehrungen. Im Rahmen de« Gottesdienste© wurde der Jubilar zur Thora gerufen und durch einen von K. Funke selbstverfaßten Misobeberac-h geehrt. Der Chor sang unter Leitung des Chordirigenten H e i ro a n n da« Hallelujah, worauf Oberrabbiner Dr. Taglicht eine tief zu Herzen gehende Ansprache an den Jubilar hielt. Ein am gleichen Abend im Spiegel-Saal des Hotel Continental veranstaltete® Festbankett wurde ein geeellscbaftHcbes Ereignis. Der Präsident Jir Kultu&gemeinde Staaterat .Dr. Friedann, Dr, Plaschke«, Dr. Tartakoer, Rabbiner Dr. Zickier, Präsident df* Kantoren verbände« Oberkantor L o ew i t, Dr- Josef L o e w y und Dr. Lichte n e r würdigten die Verdienste des Jubilars um die jüdische Gemeinschaft. Der Jubilar hielt eine in deutscher und hebräischer Sprache gehaltene Dxnkesrede, Die Oberkantore Po s toi off, Kreutstein und Milet erfreuten die Anwesenden durch ihren Gesang, Prof. Jose-f Z1 m b 1 e r durch sein virtuoses Geigenspiel. Zum Abschluß des Abends wurde durch Oberkantor F r a e n k e 1 das Bensehen-Gebet verrichtet. o. S. Tenor Mareen No6 in Wien Seit einiger Zelt hält sich hier in Wien der bekannte Tenor Marcell N o 6 auf, der unter Rainer Simons an der Volksoper wirkte und nach dem Krieg, den er als Frontsoldat mitmaebte, nach Berlin ging, wo er bi# 1933 tätig war. Nach dem Umsturz verließ er Deutschland und kam nach Palästina, wo er in der Hebräischen Oper, im Huberman-Konzert und im Jerusalemer Sender große Erfolge erzielte. Herr Noö, der nicht bloß in deutscher, sondern auch in . hebräischer und englischer Sprache singt, ist seit seinem Wiener Aufenthalt auch schon einige Mai® in Opernvorstellungen der Volksoper aufgetreten und hat sehr viel Beilall gefunden. Berufung eines jüdischen Pianisten naeh Ankara Der Konzertpianist und ehemalige Professor an der Staatsakademie für Musik in Wien, Ludwig Czaczkes, wurde als Leiter der Meisterklasse an der türkischen Musikhochschule in Ankara berufen. Jüdisches Kulturtheater, Erstaufführung der Neubearbeitung von „Urie! Acosta“ am 2. zember. JÜDISCHER SPORT Die Verschiebung der Makkabiah London, 30. November. (JTA.) über die Verschiebung der III. Makkabiah, die wegen der Lage in Palästina nicht mehr, wie beabsichtigt, im Frühjahr 1988 stattünden kann, wird von J-- Makkabi-Weltleitnng unter anderem klärt: Die erzwungene Verschiebung ID, Makkabiah ist für uns alle ein be_ Schlag, denn sie bedeutet eine Verminderung unserer Leistung, ein Halt in unserem Fortschritt, eine gerade in der gegenwärtigen Zelt doppelt schwer empfundene Hemmung. Wenn wir auch auf dem Standpunkt stehen, daß die Makkabiah nur eine sportliche Veranstaltung ist und sein kann, so weiß doch jedermann, daß dieses größte jüdische Sportfest für Jisehuw und Galuth doch viel mehr bedeutet. Anderseits durfte die Makkabiah nicht, über die noch wichtigeren Interessen der Gesamtheit gestellt werden. Mit einem Beharren auf einem aussichtslosen Termin für die Makkabiah hätten wir uns und den Gesamtinteressen geschadet- Makkabi hat die Erziehung zur Disziplin als einen seiner wichtigsten Programmpunkte. Daß damit nicht nur die Disziplin aut dem Turnboden und auf dem Sportfeld gemeint ist, haben unsere Brüder in Er« Israel in Jahren schwerster Kämpfe und größter Bedrängnis schlagend dargetan. S i e haben in Disziplin gelebt, wir sollten uns von ihnen nicht zu sehr beschämen lassen. Die Makkabiah ist. verschoben. Ein schwerer Schlag muß überwunden werden. Aber: Wir haben jetzt mehr Zeit, die Makkabiah zu einer besser vorbereiteten, machtvolleren, gelungeneren Demonstration unserer Arbeit und Leistungsfähigkeit zu gestalten. I Die Hakoah-Hiitte auf dem Semmering Nach zweieinhalbjährigen Bemühungen ist dem Touristik- und Skiklub Hakoah die Konzession bewilligt worden. Die erste Instanz hatte eine Konzession erteilt, nach welcher die Hakoah lediglich das Recht hatte, ihre Mitglieder zu beherbergen urni an die im Hause wohnenden Gäste ein Frühstück zu verabreichen. Nunmehr hat die Steirische Landeshauptmannschaft in Graz’dem berechtigten Rekurs Folge gegeben und die Konzession derartig erweitert, daß die Hakoah nunmehr da« Recht bat, sämtliche Speisen und Getränke ohne Einschränkung abzugeben. Dieses Ergebnis dankt sie hauptsächlich den Grazer Freunden, vor allem Herrn Dr. Robert Sonnenwald und Herrn Ing. Otto Rendi, die keine Mühe gescheut haben, um ein positives Ergebnis zu ermöglichen. Vergleich mit Zbwli» Aus dem laut Grundbucbvertrag zustehenden Wegerecht ergaben sich im Laufe der Zeit verschiedene Unstimmigkeiten mit dem Anrainer, die leider dazu führten, daß Herr Z i ra d i n den in der Richtung Semmering führenden Fußweg durch zwei Barrieren absperrte. Die Hakoah war in Wahrung ihrer Rechte genötigt, im gerichtlichen Besitzstörungsverfahren ihr Recht zu verteidigen. Nun kam mit Herrn Zimdin ein Vergleich zustande, nach welchem der Hakoah das Recht zugebilligt wurde, den fraglichen Weg nicht nur unangefochten zu benützen, sondern ihn auch auf einen Meter zu verbreitern, um den Zugang zur Hütte von der Stemme-ringer Beite bequemer zu gestalten. Darüber hinaus erhielten sie die Berechtigung, die zur Hütte führenden zwei Wege bl au weiß zu markieren und an gewissen Wegkreuzungen Wegtafeln anzubringen. jüdischer Sport- und Schützenverein „Hage-“ nah“, IX., Hörlgame 14 Sonntag, den 5. d. M, in den Prachtsälen dos Handeisinuseums, IX,, Benggasee 18: 5-Uhr-Te« mit Akademie, Eintritt S 1.—. Touristik- und Skiklub Hakoah. Die Veranstaltung, die irrtümlicherweise für Freitag, den 3. Dezember angegeben war, findet Samstag, den 4. Dezember im Klubhet® statt JÜDISCHER KALENDER 3. bis 9. 9«. 1937. 29. Klslew bis 5. Teweth 5498 freitej (3j wbatWhigens 4j»l»är, 5. (hmkksh fernste? (*.) SibbstMuigang 453 (ihr, 4. „ 1. Rosdi (nodesdt Wedienebsdtnltt: Mlleel* {Mittel (5.) 7. Chenukkeh!, »osdi Chodesdi Mental (4.) 8. „ Eigentümer, Verleger and Herausgeber: Zionistischer Landesverband für Österreich. Wien, 1., Mare-Aurel-Straße 6, „ Verantwortlicher Redakteur: Robert Polower. Wien, L, Mare- Aurel-Straße 5 — Druck: Vernav A. G., Wien, IX., Caaiiiusgaase $—10.