Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 11 (1937-1938)
- Issue
- Heft 701 (1.12.1937)
- Date
- 1937-12-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seit* 2 DH STIMM! Nr. 701. — Wien, Mittwoch, 1. Dezember 1887. Diese Angelegenheit wieder stand in Zusammenhang mit einer schmutzigen .Spionagegesehichte, in der Schweizer Frontisten und rachsdeutsche Stellen einheitlich operierten. Diese Seite der Sache wird noch in einem Prozeß deutlicher werden, in dem der Frontist Töldti unter der Anklage des Landesverrates erscheinen wird. Aber schon jetzt sind — eben im Zuge der öffentlichen Diskussion über den Antrag auf das Freimaurerverbot von den Schweizer Zeitungen Dokumente veröffentlicht worden, *an deren kriminellen Inhalt kein Zweifel bestehen kann. In diesen aus Erfurt und Berlin stammenden Briefen ist von den Juden und Freimaurern die Rede, gegen die der Kampf unter einem im Sinne des nationalsozialistischen Programmes zu führen ist. Der Antrag auf Verbot der Oeheimgesellschaften sollte in einer Weise propagiert werden, die eine für den Antisemitismus und die mit ihm zusammenhängende Het-ze gegen die Freiheit der Schweiz günstige Stimmung schaffen mußte. Diesen Zusammenhang hat das Volk der Schweiz deutlich erkannt und hat durch seine Abstimmung dem braunen Spuk ein Ende gemacht. Allerdings nur ein vorläufiges. Denn die Berliner Propaganda ist erstens reich, zweitens mit einer unerschöpflichen Phantasie ausgestattet. Sie wird wieder neue Lügen auf die alten aufpfropfen, im Dienste der von ihr betriebenen .aggressiven Expansion, die sich um kein Urteil eines Gerichtes und um keine Abstimmung einer Nation kümmert. Sie sind Fälscher, Lügner, Mörder, Spione — das ist erwiesen und niemandem unbekannt. Aber es ist doch von Wert, daß das Schweizer Volk das Attentat zurüekgeschlagen hat. Opernsänger Albert Feiler Am Flügels Robert Waltor Spitz 1, Helcottl (Die Mauer) von I. Insel 1 Uli Eili von «hallt 3. Keddiich von enge! Kbaldls Gehalt gesperrt Jerusalem, 30. November. (Palcor.) Der rtellvertretend« Bürgermeister von Jerusalem, Mr. Daniel Auster, wurde von der Regierung angewiesen, die Auszahlung der Bezüge an Dr. K h a 1 d j, den früheren Bürgermeister, der deportiert wurde, und an zwei andere Beamten der Stadtverwaltung, die nach Akko gebracht worden sind, einzus teilen- Die Hinrichtung des Schelks Farhan Akko, 30. November. (Palcor.) Die Leiche des Schelks Farhan Saadi wurde nach der Hinrichtung unter starker Polizeibedeckung in das Dorf Nu res bei J em i n zur Bestattung geschafft Einer der drei Gehilfen Saadis wurde freigesprochen, da sich im Verlauf der Verhandlung erwies, daß die bei ihm gefundenen Waffen nicht ihm gehörten. Es iiandelt sich um den Eigentümer des Hauses, in welchem Saadi verhaftet wurde. Der Prozeß gegen die anderen wurde vertagt. Jerusalem, 30. November. (JTA.) Als Protest gegen die Hinrichtung des Terroristenführers Scheich Farhan es Saadi veranstalteten Araber in Nablus, J e n i n. Akko und Hebron Streiks, die aber keineswegs total waren, nur ein Teil der Geschäfte war geschlossen. In Nablus veranstalteten arabische Schüler eine StraßendeimmstratioB, die von der Polizei auseinandergetrieben wurde. In einer Bekanntmachung der Regierung wird die Schließung der von der Regierung erhaltenen arabischen Mittels e hulen in Nablus, die ein Zentrum nationalistischer Agitation geworden sind, angeordnet, ln den genannten Städten wurden etwa 40 Demonstranten verhaftet. Vom tiefsten Schmerze gebeugt, geben wir Nachricht vom Tode unser« Innigstgeliebten Gatten, Vaters, Schwiegervaters, Großvaters, des Herrn Dr. Josef Bierer Primarius, Regiments# rat!• d. R. £hr«nprä5id8nt ri«r W«ltMr*lnl,ung JUlHiur irrt», Bsgrtixlar du KabrSiteilen Sehiilmrkm in der Bukowina, Enreitburaoh der lOdieen-elcedemieebeg Veiblndun, „Kedieieb“ (Wies), Srtader der jfidieeti-ekedeieieehea leee- und Redekeile (Wien) esd der lOdieek-tkedemieeken Verbinden, „Humenle“ (Oereeirtll, Ritter du Prinr-Joul- Ordene mit den Sehwertem, du Bürau Kremet u. v. e. Kriegsdekeretlenen, der im Wien am 29. November d. J. nach kurzer Krankheit verschieden ist Wir werden unseren teuren Toten Mittwoch, den t. Dezember d. J. um 12 Uhr am Zentralfriedhoi (IV. Tor) zur ewigen Ruhe bestatten. Schasdianah Blarar, geb. WumbranS als Gattin Dr. dldeon Blarar Dr. Jaitta Bierer Dr. Immanuel Blarar Söhne CeernowiU, Ttl-.AvIv. Wien. Frania Hanna Schwiegertöchter Jtamar Daborah Enkel Allerlei aus Eres Steigerung des Exportes Der Export aus Palästina hat sich erfreulich erweise wieder gehoben. Im September wurden aus Palästina Waren im Werte von 147.000 Pfund auegeführt, was mehr als das Doppelte des Ausfuhrwertes im September des vorigen Jahres und nahezu das Dreifache des Ausfuhrwertes im September 1935 daretellt. In den ersten neun Monaten 1937 betrug der Export aus Erez insgesamt 4'2 Millionen Pfund gegenüber 2'5 Millionen im gleichen Zeitraum 193(‘> und 3'4 Millionen in derselben Periodo 1935. Auch der Import ist angestiegen, aber bezeichnenderweise nicht so stark, daß er das Niveau des Jahres 1935 erreicht hätte. Im September 1937 wurden Waren für 1,186 000 Pfund eingefiihrt gegenüber 1,004.000 Pfund im September 1936 und 1,400.000 Pfund im September 1935. In den ersten neun Monaten 1937 belief sieh der Import auf 11,800.000 Pfund gegenüber 9,600.000 Pfund von Jänner bis September 1936 und 13 Millionen in den ersten neun Monaten 1935. Eine weitere Förderung des Exportes erhofft man eich von dem* von der» Je wirf» Agency gemeinsam mit der Angio Palestine Bank und dem Industriellenverband geschaffenen Institut für Außenhandel, das seine Tätigkeit dieser Tage angenommen hat. Die Einnahmen der Palästinaregierung beliefen sich im September 1937 auf 858.000 Pfund, die Ausgaben auf 851.000 Pfund. Fa**aglerlan4ti»g I» Tel-Avlv ab Februar Fortschritte sind auch im Hafen von T e 1 - A v i v sichtbar. Dem High Commissioner Sir Arthur W a u c b o p e, der bald nach seiner Rückkehr nach Palästina Tel- Aviv besuchte und im Hafen die Verladung von Orangen besichtigte, konnte Mr. H o of i e n mltteilen, daß die Vorbereitungen zur Landung von Passagieren im Hafen bis Februar vollendet sein werden. Eine andere angenehme Nachricht ist, daß in der Scharonebene unweit vom Emek- Chefer eine Bodenfläohe im Ausmaß von 1200 Dunam in den Besitz des Jüdischen Nationalfonds übergegangen ist. Auf desm neuerworhenen Boden wird die K w u z a h ,,A k i b a“ angesiedelt werden. Landesverweisung Illegaler Die Freude über diese Nachrichten wird dadurch getrübt daß, wie das arabische Blatt ..Falastin“ zu melden weiß, vom britischen Richter in Safed zehn Juden, die ohne Visa über die Grenze nach Palästina gekommen waren, nicht bloß zu Freiheitsstrafen in der Dauer von zwei bi« vier Wochen, sondern auch zur Landesverweisung verurteilt wurden. Unterschlagungen eines Konsuls Dagegen zog es der Jerusalemer Konsul von Mexiko, Ferdinand Damian i, vor, freiwillig das Land zu verlassen, obwohl man ihn gerade jetzt gern in Palästina zurückgehalten hätte. Der gute Mann hatte nämlich 4000 Pfund unterschlagen und war mit diesem hübschen Sümmchen vor einigen Wochen verschwunden. Dieser Tage erwischte ihn die Polizei. Sie bewachte ihn jedoch allem Anschein nach nicht genügend, so daß er die Gelegenheit wahmahm, neuerlich zu flüchten. Man vermutet, daß er die Grenze Palästinas bereits überschritten hat, * Zertifikate Abkommen zwischen Jewish Agency und Betar Jerusalem, 30. November. (JTA.) Die hebräische Tageszeitung „Haboker“ teilt mit, daß die seit längerer Zeit zwischen der Jewish Agency und den revisionistischen Führern gepflogenen Unterhandlungen wegen Zuteilung von Einwanderungszertifikaten an Mitglieder des Brith Trumpeldor (Betar) zu einem positiven Abschluß gelangt sind. Die Jewish Agency hat gewisse Bedingungen für die, Zuteilung von Zertifikaten an den Betar gestellt; bei Annahme dieser Bedingungen werde der Betar das kollektive jäeejit auf eine, bestimmte Zahl von .Zertifikaten aus der allgemeinen Schedule wieder erhalten. Das Abkommen bedarf noch der Bestätigung durch die oberste revisionistische Leitung in London. Gegen Lüge und Boykott! Unter diesem Titel veröffentlichte das offizielle Organ der Stadtgruppe Wien des österreichischen Gewerbebundes „Wiener Gewerbe“ vom 15. November an leitender Stelle einen groß aufgemachten Bericht über eine Sitzung des Wiener Stadtgewerberates, die jüngst unter dem Vorsitz de« Vizebürgerneisters Dr. Kresse stattfand. Optimisten dürften beim Lesen dieser Überschrift zu der Meinung gekommen sein, daß die offizielle Organisation der Wiener Gewerbetreibenden sich endlich zur Einleitung energischer Schritte gegen jene Standesangehörigen aufraffte, die sich aus mißverstandenem Zunftgeist gegen den Sinn und den klaren Buchstaben der österreichischen Verfassung versündigen. Im Leitartikel der „Reichspost“ vom 31. Oktober schrieb P. Friedrich Muckermann: „Zünfte neigen immer auch zur Zünftelei und leicht verengt sich der Geist, wo er auf das schmale Gebiet eines einzigen Standes beschränkt wird. Ohne daß man sich dessen bewußt wird, tritt an die Stelle des ethischen Standesideals das wirtschaftliche Interesse.“ Dieser Gefahr zu steuern, wäre die Aufgabe von Führern, die, über den engen Horizont des materiellen Standesinteresse« hinaus- und emporblickend, Ihre Zunftgenoseen aus den Niederungen des Alltags mit seinem gemütsverbitternden Kampfe gegen Konkurrenz, Hunger und Steuersorgen zu höheren kulturellen Regelungen des Zusammenlebens und Zusammenwirkens aller Staatsbürger hinaufzuleiten befähigt wären. Leider ist es um solche Fübrertalente im Gewerbe schlecht bestellt. Hoffentlich bessert sich dies, sobald in absehbarer Zeitdie demokratischen Richtlinien der Verfassung soweit ausgebaut sein werden, daß die einzelnen Berufsstände durch freie Wahlen die Besten aus ihrer Mitte selbst zur Standesführung berufen werden können. Es fehlt leider nicht an Versuchen, Unsaohlicbkeit moralisch zu tarnen. Was dabei herauskommt, sind böewillige Verallgemeinerungen von der Art, die die „Reichepost“ und die gesamte katholische Presse mit berechtigter Ent-' r ü s t u n g zurückweist, wenn es sich um nationalsozialistische Diffamierungsversuche gegen die katholische Kirche und deren gläubigen Anhang handelt. Wir Juden können die treffend« katholische Kritik an dieser schmählichen Gener&lisierungsmetbode um so eher zu der unsrigen machen, als der Hakenkreuzkarapf gegen den Katholizismus ja nur eine Teilaktion des nationalsozialistischen Krieges gegen das Judentum ist. was schon aus der offiziellen Formulierung der braunen Kulturkämpferforderang nach Ausschaltung des .jüdischchristlichen Jahwekultes“ erhellt. Schon diese logische Konsequenz, zu der der Judenhaß zwangsläufig führen muß, sollte ehrliche Bekenner und erst recht Funktionäre des christlichen Ständestaates zur strengen Vermeidung dieses Irrweges veranlassen. Die Schöpfer der neuen österreichischen Verfassung, durchwegs streng katholisch gesinnte Männer, haben schon ge- Wir bitten für unsere alten und arbeitsunfähigen Bilndan um Spenden. Für die blinden Musiklebrer, Klavierstimmer, Korb- und Sesselfleebter sowie Bürstenmacher bitten wir um Arbeit. Hiifsverein der indischen Blinden Wien, II., Rembrandtetraße 18 Ttlephen A 47-2-77 — Potttaarkassae-Konto Nr. A 133.213 wnßt, warum sie die konfessionelle Gleichberechtigung der Juden staatsgrundgesetzlic-h verankerten. Ebenso genau orientiert sind die illegalen Feinde des christlichen Ständestaates, warum sie just gegen d i es e g Staatsgrundgesetz beharrlich anrennen und sich jetzt des merkwürdigerweise mit der Legalität ausgestatteten Antisemitenbundes als Sturmbocks bedienen. Dagegen erscheint uns die Geistesverfassung von Männern,, die einerseits iim christlichen Staatsgedanken zu wurzeln vorgeben, anderseits ihr Versammlungsauditorium mit Mätzchen zu unterhalten lieben, die unverkennbar aus dem geistigen Arsenal des Hakenkreuzes stammen, einigermaßen unklar und verwirrt. Sie glauben, durch Weglassung des Wörtchen* „nur“ ihre Boykottparole dem Buchstaben de« Gesetzes besser anzupassen, obwohl das übrig gebliebene „Christen, kauft bei Christen!“ denselben Sinn ergibt. Die Herren versagen der österreichischen Verfassung also auch weiterhin die Achtung; sie wollen dem Gesetz bloß ein Schntenchen schlagen und ihrer Boykotthetze eine — ,,Dreb“türa offen lassen. Da« ist eine Moral, die nach Ansicht der Antisemiten in Tarnopol beheimatet sein soll. Dieselben Leute, die sich über die Wiener Gewerbeausübung altösterreiehischer Staatsbürger aus dem früheren Galizien im Namen der Bodenständigkeit aufregen, deklarieren sich jetzt selbst als von dem Geist besessen, den, sie bei ihren jüdischen Konkurrenten bekämpfen zu müssen vorgeben. Der eingangs zitierte Leitartikel des Gewerbebundorgans mit dem Titel „Gegen Lüge und Boykott!“ liefert wenigsten* den erfreulichen Beweis, daß die christlichen Gewerbetreibenden das Unmoralische lügenhafter Boykotthetze sehr gut verstehen. Freilich erwacht aber dieses Verständnis bei Ihnen bloß dann, wenn die Juden ausnahmsweise nicht Objekt, sondern — angeblich — Subjekt einer solchen Hetze sind. Was das österreichische Fachorsran für das Hotelwesen im heurigen Sommer bezüglich der von Juden früher bevorzugten Kurorte feststellte: daß eie infolge der Zurückdrängung der Juden aus dem Wirtschaftsleben zu Schaden kamen, das gilt natürlich auch von den einzelnen Wiener Lokalen. Wer den Juden den Brotkorb höher hängt, vermindert selbstverständlich ihre Bedeutung als Konsumenten. Wenn die Gewerbetreibenden dies bedauern, haben sie ein sehr einfaches Mittel, dem Übel zu steuern: Sie mögen in ihren eigenen Reihen und darüber hinaus auch in den anderen Berufsständen Lüge und B oykottim Prinzip ablehnen und bekämpfen, also auch dort, wo ihnen die demagogisch vorgegaukelte Aussicht auf einen fragwürdigen Nutzen den nach der Anwendung solcher Mittel }m Wirtschaftskampf unausbleiblichen Schaden verschleiert. Dr. H. Sp. Gberrabbiner Chajes-Gedenkausstellung AaIIMI Die H nAMMtUAR 1097 l.# Marc-Aurel- _ Straß#» Dauer: Bis 5. Dezember 1937 Besuchszeit: An Sonntagen von 10 bis I Uhr mittags und 3 b:s 9 Uhr sbsnds, Montag bis Donnerstag von 3 bis 9 Uhr abends