Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 11 (1937-1938)
- Issue
- Heft 700 (29.11.1937)
- Date
- 1937-11-29
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite i MI STIMM! Nr. 700. — Wien, Montag, 29. November 1981. (aber ohne den Brief von MacDonald an Weizmnnn) begann immer freudiger die Tätigkeit, und die unleugbare Aktivität des Generals Wauehope zu durcbdringen. Für einen Augenblick wandte sich Wauchope schärfer gegen die undankbaren Araber und schickte die Aufrührer ins Konzentrationslager, aber kurz darauf besann er sich wieder eines andern, pilgert© zu ihnen und bat sie um Verzeihung, wobei er sich beinahe bloßstellte. Den Juden aber predigte er von ihrer ehrenvollen Mission, er spornte sie zu großen Taten für das Wohl der gesamten palästinensischen Bevölkerung an. Manchmal w’urde das Gewissen des Oberkommissärs wach, aber immer erst dann, wenn die arabischen Verbrechen gab Spicer zur Antwort: .. der zweite ist der Mufti!“ Ein Witz — aber ein guter. Schließlich wurde es auch London zu viel. Heute kehrt Wauchope zurück, um vom Lande Abschied zu nehmen. Er kehrt zurück, sicherlich darüber verärgert, nicht mehr so weite Vollmachten wie bisher zu besitzen. Ob er den Rest seiner Amtsperiode zum Fortsetzen seiner Fehler verwenden wird, oder ob er in dieser Zeit die Chance wahrnehmem wird, um die Fehler teilweise wieder gutzumachen ...? Opernsänger Albert Feiler Am Flügel: Robert Walter Spitz 1. Hakottl (Die Mauer) von ). Engel 3, Eili Eili von Sdialli 3, Kaddisdi von Engel das Land auszuhungern drohten. Der Oberkommissär erlaubte dann, den Hafen in Tel-Aviv zu schaffen. Das dankbare Volk Israel vergaß im Augenblick alles Unrecht und huldigte dem General Wauchope wiederum in echt orientalischer Lebhaftigkeit und mit echt jüdischer Bereitschaft zur Dankbarkeit. Man muß die Seele des geplagten jüdischen Volkes verstehen, um diese spontane und emotionelle Bereitschaft zur Dankbarkeit, die bei jedem Beweis von Wohlwollen sich erneuerte, begreifen zu können. Aber das neue proarabische System Wauchopes schritt vorwärts, trotz dieser jüdischen Dankbarkeit und trotz der offensichtlichen Gemeinsamkeit der großbritischen Interessen mit dem Wachsen der jüdischen Positionen. Wiederholt gab es dramatische Auseinandersetzungen zwischen den Vertretern der Exekutive und Wauchope. Als es der Leitung der Zionistischen Bewegung gelungen war, London von der Schädlichkeit der Lieblingsidee Wauchopes, den Legislative Council, zu überzeugen, suchte der ruhige und ausgeglichene Oberkommissär Beruhigung in weiteren Aktionen. Der bei jedem Menschen herrschende Drang, auf seinem Standpunkt zu beharren, hat dem Oberkommissär den Überblick über die Lage getrübt und ihn immer mehr in die Arme des Mufti getrieben. Aber nicht genug damit. General Wauchope träumte davon, eine große Rolle nicht nur in der palästinensischen Administration, sondern auch in der Politik des ganzen Nahen Orients zu spielen. Von diesem Augenblick an begann Wauchopes Politik die Grundfesten des Jüdischen Nationalheimes zu unterminieren. Früher geschah dies nur auf Umwegen — jetzt aber offensichtlich — auf der ganzen Front. Wauchopes Politik begann in großen Linien den Panarabismus zu aktivieren und opferte ihm das Jüdische Nationalheim. Die Verwirrung hinter den Kulissen, durch Wauchopes Politik geschürt, nahm zu. Es kam sogar zu außergewöhnlichen Schritten. Wurde doch sogar, wie man hört, auch Frankreich erfolgreich beeinflußt, die Grenzwache zwischen Libanon und Palästina zurückzuziehen. Die arabischen Terrorbanden konnten hiemit ungehindert von Syrien über Metula nach Palästina gelangen. In Palästina kursiert folgender Witz: Als eines Tages Wauchope den Polizeikommandanten Spicer, einen Mann der starken Hand und Anhänger der Ordnung, fragte, wer für die Unruhen in Palästina verantwortlich wäre, antwortete Spicer: ,,Zwei Männer.“ Auf die Englischer Abgeordneter für Einverleibung des Negew London, 26. November. (JTA.) Der Ab-i schlagen. Ein starkes Wacheaufgebot hatte geordnete der Labour Party Tom W i 1j vor dem Hause Aufstellung genommen. Der 1 i a m s erklärte in einer Rede vor der Ver-! Angeklagte war von einer Abteilung engli einigung jüdischer Studenten der Londoner' scher Polizei eskortiert. Universität, er halte das Palästina- Der Prozeß dauerte 2 Stimden und 50 Mimandat für durchführbar. Das!nuten. Es wurden nur zwei Zeugen der An- Aufbauwerk der Juden in Palästina komme j klage einvernommen, die auS6agten, daß auch den Arabern zugute, deren Existenz-! Saadi Waffen bei sich getragen habe. Saadi möglichkeiten — wie ein Vergleich der Stai wurde vom Advokaten Moghanam el Moghatistik von 1922 mit der von 1937 zeige — sich bedeutend vergrößert haben. Der Plan, den Juden vier Fünftel Palästina« wegzunehmen, wäre noch verständlich, wenn ihr Kolonisationswerk Schiffbruch erlitten hätte; aber in Wirklichkeit war es eine wunderbare Leistung und ein außerordentlicher Erfolg. Sollte es dennoch zur Teilung kommen, so habe Großbritannien genug Möglichkeiten, um in Genf — der letzten Instanz in dieser Angelegenheit — durchzusetzen, daß der Negew dem Gebiete des künftigen jüdischen Staates zufalle. In den Hängen der Araber werde der Negew nie kultiviert werden, sondern stets ein Reservoir potentieller Gefahren für das jüdische Palästina sein. Zum Schluß gab Williams der Überzeugung Ausdruck, daß es zwischen Juden und Arabern allmählich zu einer Verständigung hätte kommen können, wäre nicht der Mufti hindernd im Wege gestanden. Vielleicht sei jetzt der Weg zu einer Verständigung offen. * Tagung der Mandatskommission im Juli Genf, 28. November. (JTA.) Wie die JTA erfährt, findet die nächste Tagung der Mandatskommission des Völkerbundes Anfang Juli 1938 in Genf statt. . Der Mekka-Kongreß gescheitert Jerusalem, 28. November. (Paleor.) Die arabisch© Presse meldet, daß deT Plan, einen mohammedanischen Kongreß während der Zeit der Pilgerschaft in Mekka abzuhalten, gescheitert ist. Die Anwesenheit des Ex-Mufti von Jerusalem bei diesem Kongreß war beabsichtigt gewesen. Als Grund für das Scheitern des Planes wird angegeben, laß König I b n Saud wegen seiner neutralen Haltung in der Palästina-Frage gegen die Abhaltung des Kongresses in Mekka Einwendungen erhob. Man nimmt an, daß der Kongreß in Bagdad stattfinden wird. Propaganda in Jemen Jerusalem, 28. November. (Paleor.) „Alira a n“, die einzige Zeitung Jemens, die monatlich erscheint, bringt scharfe Angriffe gegen Großbritannien und die Juden, sowie übertriebene Berichte über die Lage in Palästina. In den Moscheen wird intensive Aufhetzung betrieben, die die in Jemen ansässigen Juden aufis äußerste beunruhigt. Man schreibt diese heftige Agitation italienlechem Einfluß zu. * Die Verhandlung gegen Farhan es Saadi Jerusalem, 28. November. (JTA.) Bei der Verhandlung gegen den Bandenführer Scheich Farhan es Saadi vor dem Militärgerichtsbof in Haifa führte Major C. D. Fawkes vom zweiten Bataillon des Hampshire-Regiments den Vorsitz, Beisitzer waren Captain J. T. Thornbill vom zweiten Bataillon des East-Yorkshire-Regiments und Lieutenant A. M. J. Littledale vom ersten Bataillon des Essex-Regiments. Das Gericht, das in Eile zusammengetreten war, tagte in einem Eisenwarenlauen im Hauptgeschäfts viertel von Haifa aam, einem amerikanischen Staatsbürger und Freund der Nasbashibi-Partei, und vier anderen Rechtsanwälten verteidigt. Einer der Anwälte machte geltend, daß der Angeklagte eia Mann von 80 Jahren sei, doch konnte er dies nicht beweisen. Man glaubt, daß der Schelk 60 Jahre alt ist Der Gerichtspräsident, Major Fawkes, erwiderte, daß wohl junge Männer fähig seien, sich Im Laufe Ihres Lebens zu bessern, während das bei einem so alten Mann ausgeschlossen sei. Zwei Offiziere sagten aus, daß Farhan, als er gefangen wurde, im Besitz eines geladenen Revolvers sowie von vier Gewehren und Munition war. Nach einer Beratung von einer Viertelstunde verurteilten die Richter den Angeklagten zum Tode durch den Strang. Die Hinrichtung vollzogen Die Hinrichtung des Scheiks Farhan wurde Samstag vormittags im Gerichtsgefängnis von Äkko vollzogen. In Damaskus kam es zu großen anti britischen Kundgebungen. Die Behörden mußten Truppen aufbieten, um die Ruhe herzustellen. Neue Bombenanschläge in Jerusalem London, 27. November. Meldungen aus Jerusalem zufolge, kam e« heute abend« zu n#uen Bombenanschlägen, bei denen ein jüdisches junge« Mädchen und drei junge Leute verletzt wurden. Eine der Bomben wurde auf der verkehrsreichen King Georg Avenue geworfen, und es ist nur einem glücklichen Zufall zu verdanken, daß kein größere« Unheil geschah, obwohl die Straße voller Menschen war. Englischer Pottäst getötet Jerusalem, 29. November. (Tel.-Comp.) Im Laufe von neuen Zwischenfällen zwischen ©inerPolizeipatrouilleundmehreren Terroristen wurde ein englischer Polizist getötet und ein unbeteiligter Zivilißt leicht verletzt. Tel*Aviv bekommt eine moderne Markthalle Frage Wauchopes, wer diese zwei wären, I Tische und Bänke waren schwarz auage- Tel-Aviv, 28. November 1937. (JTA.) Die Stadtverwaltung von Tel-Aviv hat beschlossen, eine neue moderne Markthalle mit einem Kostenaufwand von 40.000 Pfund zu bauen. Es wurde ferner beschlossen, für die Schüler der städtischen Schulen Uniformen aus im Inlande erzeugten Stoffen zu schaffen. Archäologischer Fand in Tel-Aviv Jerusalem, 28. Novemlter. Paleor.) Ein bedeutsamer Fund wurde von Professor S uk e n i k gemacht, der in Tel-Aviv in der Nähe de« Reading Elektrizitätswerke« die Überreste eines alten Gebäude«, da« aus der Zeit de« ereten Tempels stammt, entdeckte. * Bandlai ln Rußland verhaftet Jerusalem, 28. November. (Paleor.) Aus Moskau wird gemeldet, daß Barzilai, der frühere Sekretär der Kommunistischen Partei der nach Rußland zurückkehrte und dort seinen Namen in Zelezniak umänderte, verhaftet worden ist. Er steht unter der Anklage, Rußland über die Lage in Palästina falsch informiert zu haben. Der Vizebürgermeister Am Dienstag wird der Vizebürgermeister von Wien eine Ausstellung eröffnen, die sich unter einer harmlos klingenden Parole aie ein Unternehmen zum Boykott der jüdischen Kaufleute daretellti Der Vizebüigermeieter hat ln einer kürzlich abgehaJtenen öffentlichen Versammlung erklärt, daß die von einer jüdischen Vereinigung, der „Union“, eingereichte Klage da« erreicht hat, daß „wir von nun an die Werbeschau noch eifriger fördern weiden“. Er hat also einbekannt, daß ihn außer den Motiven der „Bodenständigkeit“, die ein auf Gesetz und Verfassung vereidigter Funktionär besser beiseite ließe, auch noch die Rache antreibt. Er wird also die Ausstellung eröffnen, in der an die Besucher noeb Rabattanweisungen verteilt werden, zu billigem Bezug von Waren bei den ausstellenden Firmen. Da« Ist wieder ein Verstoß gegen das Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb und eine listige Umgehung der Vorschriften über die Verteilung von wämien. Diese ganze Aktion wird siefi unter Musikbegleitung vollziehen. Der Vlzebürgermeister bat seine Stellungnahme unter anderem auch mit der Verlesung eines angeblich von einer jüdischen Firma stammenden Zettels begründet, auf welchem das jüdische Publikum aufgefordert Wir bitten für unsere alten und arbeitsunfähigen Blinden um Spenden. Für die blinden Musiklehrer, Klavierstimmer, Korb- und Sesselflechter sowie Bürstenmacher bitten wir um Arbeit Hilfsverein der Jüdischen Blinden Wien, II., Rembrandtstraße 18 TsIspkOR A 47-2-77 — PostspsrtssMll-Kont» Nr. A 1*3.213 wurde, bei der betreffenden jüdischen Firma gewisse Gegenstände zu kaufen. Da erinnert man sich an die im Vorjahre in Wien verteilten Zettel „Juden, kauft nur bei Juden!“, die sich dann als nationalsozialistische Provokation herausstellten. Es darf angenommen werden, daß es sich auch in dem vom Vizebürgermeister verlesenen Flugzettel um ein ähnliches Erzeugnis handelt. Es ist aber trotzdem^ erwähnenswert, daß der Vizebürgermeister entgegen der Flut von Schriften, Broschüren, Flugzetteln, Zeitungsartikeln und Reden, in denen bald der Christ, bald der Arier beschworen wird, nur beim christlichen Arier zu kaufen, sage und schreibe einen einzigen angeblich von Juden «tammenden Aufruf produzieren konnte. Die Herren um den Vizebürgermeister sind sehr wehleidig und empfindsam. Sie geraten außer sich, wenn der jüdische Kaufmann, der doch auch Steuerzahler ist, den vollen Schutz des Staates gegen Kundenabtreibung und Verleumdung fordert. Das ist Provokation und sie zu strafen hält der Vizebürgermeister, der auf Gesetz und Verfassung vereidigt ist, für seine Aufgabe, die er mit dem Eifer eines seiner Verantwortung bewußten Mannes durchführt. Wenn dann iüdische Kaufleute und Steuerzahler in den Ruin getrieben werden — und das ist doch der Zweck der Angelegenheit — und dann das christlich-arische Personal arbeitslos wird, so wird die Schuld dann selbstverständlich den Juden angelastet werden. Kann man sich vorstellen, daß in London oder Paris, in Basel oder in Amsterdam ein Vizebürgermeister sich an die Spitze einer Veranstaltung stellen würde, deren Zweck es ist, einem Teil der Bevölkerung wirtschaftlichen Schaden zuzufügen und die« noch in öffentlicher Versammlung zu erklären? In Österreich geschieht dies. Freilich bleibt dieses Unikum nicht unbekannt und das Befremden über solche Mißachtung der Gebote der Loyalität steigert sich im Auslände. Es ist aber auch eine Mißachtung der Verfassung. Ein Wiener Blatt hat gefragt, ob die Voraussetzungen, die für die Berufung des Dr. Kresse zum Vizebürgermeister maßgebend waren, noch bestehen. Es konnten doch im Jahre 1934 nur die Voraussetzungen bestimmend sein, daß Männer von unbedingter Gesetzestreue und von dem Willen, Schäden zu heilen und nur der Allgemeinheit zu dienen, zur Leitung bestellt werden. Diese Voraussetzungen bestehen weiter, aber sie treffen auf Dr. Kresse nicht mehr zu. Er führt eine Boykottausstellung, er hat pauschalster den Juden vorgeworfen, daß sie sich nicht auf den Frontdienst berufen können, und er hat der Konkurrenzparole öffentlichen Charakter gegeben. Da« ist auch ein Verstoß gegen das Recht der jüdischen Bevölkerung, den die berufenen Stellen im Interesse des Staates, seiner inneren Ruhe, seiner äußeren Geltang und im Interesse des Fremdenverkehre zurückzuweisen haben. 8ie Oberrabbiner Chajes-Gedenkausstellung Dauer: Bis 5. Dezember 1937 Besuchszeit: An Sonntagen von 10 bis 1 Uhr mittags und 3 bis 9 Uhr abends, Montag bis Donnerstag von 3 bis 9 Uhr abend