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Die Stimme · 1937-11-29 · Heft 700 (29.11.1937) · page 1

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Journal
Die Stimme
Volume
11 (1937-1938)
Issue
Heft 700 (29.11.1937)
Date
1937-11-29
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Montag - Ausgabe Dieses Matt ist ab 4 Ubr nachmittags j bei tat Kolporteuren erhältlich | V. b. b. 9i‘Stimme 10 g Mr. 7oo JÜDISCHE ZEITUNG Wien, Montag, *9. November 1937 15. Klslew 5*98 II. Jahrgang Der Kaitipf gegen die Banden Jerusalem, 28. November. (JTA.) Achtzig Lastautos mit Soldaten in voller Ausrüstung sind in daß Hüge I l;and von Haifa entsendet worden, um eine gefährliche Araherb ande zu verfolgen. Zwischen den Dörfern F a s 6 u t a und T a r d i n g kam es zu einem Zusammenstoß zwischen dem Militär und der Bande, ohne daß diese jedoch festgenommen werden konnte. Die Soldaten, unterstützt von Flugzeugen, setzen die Suche nach der Bande fort. Eine hundertköpfige Bande palästinensischer Araber unter Führung von Abu Ibrahim hat die. Drenze nach Syrien überschritten und ist von dort nach Libanon eingedrungen. Die Araber.bande, die die Berge um Jerusalem unsicher machte und die Kiriat Anavim-Morde auf dem Gewissen hat, ist aus dem Lande geflüchtet. Montcfiore zur Halifax- Reise London, 28. November. (JTA.) Der Präsident der Anglo-Jewish Association und Mitvorsitzende des Joint Foreign Committee (Komitee für auswärtige Angelegenheiten der Juden) Leonard G. Montefiore führte in einer Rede im Rahmen des Berichtes des Joint Foreign Committee auf der letzten Tagung des. Board of Deputies of British Jews unter anderem au«: .. ord Halifax’ in Deutschland mit Schweigen .zu übergehen. Wir alle hoffen zuversichtlich, daß sein Besuch zur Sicherung des Friedens beitragen wird; dies vor allem auch vom jüdischen Standpunkte, denn die Leiden der Juden in vielen Ländern sind nicht zuletzt direkt oder indirekt auf den Weltkrieg zurüekzuführen, in dessen Gefolge Haß und Bitterkeit aufgetreten sind. Ein neuer Krieg könnte die Leiden der Juden nur vergrößern. Es ist durchaus nicht ein Gebot der britischen Außenpolitik, daß wir mit Stillschweigen über die Schrecken der Konzentrationslager, die Verleugnung des Rechtes und die Knebelung des freien Wortes hinweggehen. Wäre dies der Fall, dann würde sich die Propaganda weit über die Grenzen Deutschlands ergießen und wir würden auf einen Befehl des deutschen Propagandaministers hin schweigen müssen. Ein Schweigen heute hieße, nicht zum Besten der britischen, sondern der deutschen Außenpolitik handeln. Lord Halifax hat anläßlich eines Besuches der Internationalen Jagdausstellung in Berlin auf den Wert solcher Ausstellungen für die Völkervereöhnung hingewieeen. Vor kurzem aber ist in Deutschland eine andere Ausstellung eröffnet worden, mit dem Zwecke, in der ganzen Welt Haß gegen (Be Juden za scharen. Hätte Lord Halifax <H«e Ausstellung besucht, dann hätte er mit beleidigenden und höMwiwn Aufschriften versehene Photographien von Männern, deren Namen ihm wohl bekannt sind, gesehen. Die von Deutschland im Ausland betriebene lebhafte Propaganda ist die Hauptursache gewisser trauriger Erscheinungen in verschiedenen Ländern. Es wäre um die Nattopaldemokraten und die Nationalradikalen in Polen, um die Eiserne Garde in Rumänien und um alle jene Verbände, diein vielen europäischen Ländern Hemden in den verschiedensten Farben ‘ragen, ganz «Miere bestellt, würden sie nicht von Deutschland her unterstützt werden. Ich will daher hoffen, daß in allen in naher Zukunft stattfindenden Aussprachen über dia engliseh-deuteehen Beziehungen diese Fragen miterörtert werden. Die Anprangerung und Diffamierung von Bürgern in fremden Ländern kann keinesfalls als eine inner politische. Angelegenheit der betreffenden Länder betrachtet werden. Es ist dies' jm Gegenteil eine Ange- WemBtereeee. - Die Situation in Palästina: Interessante Unterhansdebatte In der Unterhausdebatte am 24. November hat Abg. David Adams den Kolonienminister, eine Erklärung über die gegenwärtige Situation in Palästina abzugeben. Minister Ormsby-Core erwiderte: Es ist zu einer Reihe weiterer Ausschreitungen gekommen. Die am 10. November angekündigten Maßnahmen zur Unterdrückung gewisser Arten von Verbrechen sind jetzt in Kraft. Militärgerichts-, h ö f e zur Aburteilung in Fällen des Gebrauchs von Feuerwaffen, des Tragens von Waffen, Bomben usw., sowie von Sabotage und Einschüchterung sind eingesetzt worden. ln der Nacht zum 23. November 1937 umzingelte Militär das Dorf Al Mazar bei Jenin. Scheich Farhan es Saadi, ein berüchtigter Bandenführer, und drei andere Araber wurden verhaftet; vier Flinten, 1500 Schuß Munition und mehrere Revolver wurden beschlagnahmt. (Inzwischen hat das Militärgericht es Saadi zum Tode verurteilt. D. Red.) Auf eine Anfrage des Abg. J. Sandys teilte Kolonienminister Ormsby-Gore mit, daß vom 1. Jänner 1936 bis zum 31. Oktober 1937 in Palästina 410 Morde verübt wurden. Insgesamt wurden 113 Personen verurteilt, von ihnen sieben zum Tode. Eines der Todesurteile wurde vom Appellationsgericht .wmtienvouT High Commissioner in langjährige Gei. fängnis strafen umgewandelt. 43 Personen, die wegen Mordes verhaftet wurden, harren noch der Aburteilung. Abg. Tom Williams: Kann der Minister sagen, wie viele Morde von Arabern und wie viele von Juden verübt wurden? Minister Ormsby-Gore: Dies Ist sehr schwer zu sagen. Auf beiden Seiten wurden Morde begangen. Sicher ist, daß von Arabern mehr Morde verübt wurden, alsvon Juden. Abg. Gail ach er (Kommunist): Wird der Kolonienminister nicht der Lage Rechnung tragen und einen Gesetzgebenden Rat als einziges Mittel zur Beendigung des jetzigen Zustandes einsetzen? Ormsby-Gore: Dieser Vorschlag wurde von meinem Vorgänger gemacht und ist später fallen gelassen worden. Dem Gesetz muß Geltung verschafft werden! Abg. Sandys: Wird der Kolonienminister den kommenden High Commissioner darauf aufmerksam machen, daß es ratsam ist, dem Gesetz mit allen Mitteln Geltung zu verschaffen? Ormsby-Gore: Ich muß sagen, daß dies wichtig ist. Ich bin bemüht, dem Gesetze unter allen Umständen Geltung zu verschaffen. Nicht mir obliegt es, im britischen Kolonialreich von dem Begnadigungsrecht Gebrauch zu machen, sondern den Vertretern Seiner Majestät, Abg. Geoffrey Mander fragte den Kokmienmmieter, wen man auf den Posten des an Stelle des vor kurzem deportierten Dr. Khälidi berufen wolle; ob geplant sei, einen Vizebürgermeister oder einen Engländer mit Erfahrung in lokaler Verwaltung in Palästina mit der Führung der Geschäfte des Bürgermeisters zu betrauen oder Neuwahlen durchzuführen. Zweidrittelmehrheit der Juden in Jerusalem Ormsby-Gore: Der amtsführende High Commissioner befaßt sich mit der Angelegenheit; ich bin jedoch nicht in der Lage zu sagen, was diesbezüglich beschlossen werden wird. Inzwischen versieht der Vizebürgermeister die Funktionen des Bürgermeisters. 1 rAbg. &t~t t ■■Wird der‘Tatsache -Rechnung getragen werden, daß die Juden zwei Drittel der Bevölkerung Jerusalems bilden und seit 80 Jahren dort eine Mehrheit haben? — Ormsby-Gore: Soviel ich weiß, ist der Vizebürgermeister, der jetzt die Geschäfte des Bürgermeisters führt, ein Jude (Daniel Auster, d. Red.). Die Zitrus-Ernte Abg. Captain Strickland fragte, ob in Palästina Regelungen betreffend den Z itrue-Traneport und -Export in der bevorstehenden Saison getroffen wurden, und welche Mengen Zitrusfrüchte in den drei Häfen Tel Aviv, Jaffa und Haifa eingelagert werden können; ferner, welche Mengen Zitrusfrüchte in der kommenden Saison im neuen Hafen von T e 1 - A v i v abgefertigt werden können und um wieviel die Kapazität dieses Hafens verglichen mit der in der Saison 1936 angestiegen ißt. Ormsby-Gore erwiderte, er glaube, daß die getroffenen Regelungen entsprechend seien. Er werde den High-Commissioner ersuchen, detaillierte Ziffern über die Einlagerungekapazität beizustellen. Programm der am 4. Dezember, im Großen Konzerthaussoale, um 8 Uhr abends, stattfindenden repräsentativen Makkabäerfeier des Zionistischen Landesverbandes für Österreich I. Ansprache des Präsidenten des Landesverbandes Dr. Oskar Grünbaum Ji, Lichlerzünden: Oberkanlor G. Margolies III. Chor des Sladftempels. Dirigent Kurt Fudisgelb JV. Makkabäerrede. Gelesen von Jakob Feldhammer V. Hebräische Gesänge. Konzertsängerin Sarah Goldsfein PAUSE I. jüdische Weisen: Violinvirfuosin Liselotte Markus II. jüdische Lieder: Opernsänger AJberf Feiler III. Engelszene aus jaakobs Traum von Richard Beer- Hofmann (Mitwirkende: Mitglieder des jüdischen Kulturtheaiers) Wauchopes Rückkehr zum Abschied Der Oberkommissär Palästinas Sir Arthur Wauchope kehrt trotz allem nach Palästina zurück. Nach der Erklärung des Kolonialministers Ormsb y- G o r e bedeutet dies eine Rückkehr während einer angesuchten Demission, die spätestens nach einigen Monaten erfolgen wird. Nach anderen Gerüchten soll der Rücktritt am Ende des Jahres 1937 geschehen. Mit einem Wort, die Rückkehr dient dazu, sein Amt zu liquidieren. Ein genaues Bild über die Amtsperiode des gegenwärtigen Oberkommissärs wird man sich erst machen können, wenn er das Land definitiv verlassen haben wird. Die besonders kritische Stellungnahme der jüdischen Gemeinschaft in Palästina und der Jewish Agency zum Regierungssvstem des Herrn Wauchope enthält natürlicherweise keine persönlichen Momente. Die Stellungnahme bedeutet keine negative Beurteilung seiner Person, sondern ausschließlich seiner Politik, und erst im übertragenen Sinne seiner selbst, als Politiker. Die palästinensische Jischuw sieht die Rückkehr des Oberkommissärs aus diesen sachlichen Gründen zumindest mit kalter Reserve. In den ersten zwei, drei Jahren der Regierung des Herrn Wauchope stand ihm der Jischuw mit einer unleugbaren Sympathie gegenüber, obwohl schon damals seine Regierung Akte setzte, die mit allem Grund als Unrecht und Schmälerung des Mandates gedeutet werden konnten. Aber der Jischuw war sich klar darüber, daß die praktische Politik des Oberkommissärs nicht ausschließlich auf der Linie der jüdischen Postulat e schreiten könne. Deshalb schenkte ihm der Jischuw trotz diesen Handlungen sein Vertrauen, weil die Resultierende seiner Politik sich insbesondere auf dem Gebiete der Einwanderung den Pflichten der Mandatarmacht gegenüber dem Grundziel des Mandates,, das heißt, gegenüber dem Jüdischen,. Nationalhei»,,. näherte.. Map. sagte sich, General Wauchope sei kein idealer Kommissär, aber ein verträglicher Da General Wauchope es gentlemanlike und nicht ohne ein gewisses Sentiment verstand, den Jischuw bei verschiedenen Feierlichkeiten, bei denen Imponderabilien durch eine br"ge, aber effektvolle Geste eine besondere Bedeutung erlangen, zu rühren, entwickelten sich zwischen ihm und dem Jischuw ganz herzliche Beziehungen. Solcher Feierlichkeiten gab es viele. Ich persönlich habe zweimal die Gelegenheit gehabt, den Oberkommissär im Amphitheater der Hebräischen Universität zu beobachten. Ich hatte damals nicht den Eindruck, als ob der Oberkommissär ein w7ärmeres Verhältnis für das Jüdische Nationalheim zeigen wollte, um sich taktisch auf anderen, mehr greifbaren Gebieten des Aufbaues und der Entwicklung dieses Heimes zu entlasten. Im Gegenteil, ich hatte eher den Eindruck — Eindrücke sind auch manchmal täuschend — daß sein Verhältnis zu den wichtigen Fragen des jüdischen Lebens aufrichtig und anerkennenswert sei. In dieser Hinsicht bestand eine bemerkenswerte Übereinstimmung zwischen Ormsby-Gore und Wauchope. Im Laufe der Zeit begann sich die Sympathie Wauchopes für die jüdischen Bestrebungen und Werke — die Subvention für das Schulwesen wurde nicht erhöht, da dies bereits den Rahmen der Sympathie überschritt — immer meihr zuungunsten der Bodenangelegenheit des Jischuw zu senken. Die jüdische Emigration wurde eingedämmt, der Bodenerwerb wurde immer schwieriger, die Sicherheit im Lande immer geringer, die Zahl der „unbekannten arabischen Täter“ immer größer, die Handhabung d~r Gesetze wurde offensichtlich politisiert, aber die Zahl der Beileidkundgebungen des Oberkommissärs für den Jischuw stieg weiter an als Zeichen, daß er warmen Anteil an den traurigen Geschehnissen nahm... Gleichzeitig aber steigerte sich das Interesse der Regierung Wauchopes an den arabischen Bodenfragen; der Geist der Berichte Shaws und Hope Simpsons, des zweiten Weißbuches von Passfield

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