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Die Stimme · 1937-11-22 · Heft 697 (22.11.1937) · page 2

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Journal
Die Stimme
Volume
11 (1937-1938)
Issue
Heft 697 (22.11.1937)
Date
1937-11-22
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 Nr. 697. — Wien, Montag, 22. November 1937. bewohnt werden. Nur die Städte der drei ■westlichen Wojwodschaft® Posen, Pomerellen und Schleeien haben eine eindeutige christliche Bevölkerungsmehrheit. Unter diesen Umständen gerät der tätige Antisemitismus in Polen stets in Gefahr, in Maeeensohlachten auszuarten, die wiederum außenpolitischen Gründen keiner polnischen Regierung erwünscht eein können. Daraus erklärt sich die eigentümliche Haltung des gegenwärtigen Kabinette, das t die Gefahr ten auftauc eie nach Beendigung der Organisation?;-1 taktischer Sehachzug war oder — -die Erarbeiten die Staateführung in absehbarer Öffnung eines neuen Kapitels Zukunft übernehme«. Dann wird sieh zeigen, schichte Polens und des ob das oben wiedergegebene Programm ein | tums. # Woher die Aufrührer die Waffen haben Die bekannte französische Wochenzeitung und kt der Entdecker der absurden Rela- „Marianne“ gibt interessante Tatsachen über tivitätstheorie, einer Lehre, die lediglich ‘ ’-’ . he Wühl-, durch großzügigste Propaganda der jüdij sehen Weltpresse zu einiger Bedeutung gelangt ist Dieser Theorie ist keinerlei Wert beizumessen, weil eie auf sehr abstrakten fen auf gebaut ist.“ 1 kt es nicht typisch brauner Ernst, _in der Abendausgabe des „Stuttgarter An der syrischen Grenze wurden N.-S.-Kuriers“ vom 5. d. unter Hinzufügtrag wiederholt durch die französische Grenzentsprechender Bilder mitgeteilt wird, daß polizei Waffentransporte beschlagnahmt. Der der letzte Jude, ein Gemischtwareabändler. Die Waffen der arabischen Nationa- Haffm stammest Waffenfabriken von Suhl i Erfurt. Die Hinwendung des Regimes zum Antisemitismus rief bei der Reohtsopposition nur geteilte Freude hervor. Einerseits sah sie in der Taktik der Regierung einen Sieg anderseits aber sah fe , Ha uptumschi agplatz für die Waten kt aber das Moseldörfchen"" Beilst'ein verräßt.’ln PrL! ® ^Grenze zwischen P a 1 ä s t i n a einem kleinen Kommentar zu dieser Nächste ®hS S Senfder ÄrMo UDd Transjordanien, dessen Regierieht heißt es über die Juden: „Sie waren uL fwi ft r e t O r d i rung mit den K r u pp - W e rk en in noch vor 70 bis 80 Jahren hier so stark ver- 16 lnro eigenen ne ko r u e. um , E 6 g e B einen Waffenlieferungsvertrag hat, treten, daß sie eine eigene jüdkehe Schule r unwahr"!der k’6 Frühjahr 1938 reicht. | hatten. Im Beilsteiner Gemeinderat saßen Der Hauptwaffenhändler in Palästina Ist fa*‘ nur Juden.“ Dabei spotten sie ihrer ein aus Westfalen stammender Deutselbst, ohne es m ihrer Einfalt und m ihrem g c j, e T | vertierten Haß zu ahnen. Sie zeigen im Bild ’ ... .! den jüdischen Friedhof von Beilstein und der ganz Asien ak Mitglied emer wissendarauf den prachtvollen Grabstein eines reisehaftUehen Expedition durchquert hat. Er 0hen Juden, der 1790 starb. Sie beweisen lebt seit 1920 in Deutschland. j hiemit mit nicht wegzuleuTnender Deutlichin Nablus begrüßte die arabische Bekeit, daß diese „Fremden“ schon längst in völkerung kürzlich die englischen Truppen Deutschland bodenständig waren, ehe es mit dem Ruf „Heil H i 11 e rl“. Eine deutmanche führende Persönlichkeiten des sehe Garage in Jerusalem beschäftigt nur; Dritten Reiches bk zur deutsch® Staats- Araber, die auf ihrer Kopfbedeckung das bürgersehaft brachten. Hakenkreuz tragen. Die arabischen Zeitungen „Falastin“ und „Al Dijah“ bringen jede 'Woohe Artikel mit rasseschützlerischer Tendenz und Bilder führender Persönlichkeiten des Dritten Reiches. Dr. Canaan, ein bekannter arabischer Arzt, hat kürzlich den britischen Be- Reko wiederum zwang das Regime zu . _ weile noch zehn Tage vorher für unwahrscheinlich gehaltenen Rekordleistungen. Die Spitze hält da« Regime mit den „Thesen zur Lösung der Judenfrag e“, die das „Koc-Lager zur nationalen Einigung“ programmatisch verkündete. Diese Thesen lauten: ,,a) Die Juden sind die Keimstätte der destruktiven Einflüsse der Kommune. b) Die Juden Bind unfähig mir Assimilation. c) Die Juden exploitieren durch Beherrschung des Wirtschaftslebens die materielle« Güter Polens, und zwar vor allem für nationale jüdische, nicht für polnische Zwecke. d) Die Einwirkung der vollkommen andersartigen Zivilisation und der fremde«, unverständlichen jüdischen Kultur ruft allein durch die Berührung einen zersetzenden Einfluß auf die polnische Seele hervor und zerstört ihren Idealismus und ihre Fähigkeit zu romantischen Handlungen. e) Da die Juden ein über mehrere Staaten verstreutes Volk sind, behandeln sie Polen als einen der Faktoren ihrer Weltposition. Für sie ist Pol® eine Kolonie, aus der sie die für ihre internationalen Pläne notwendigen Rohstoffe schöpfen.“ hörden in Palästina eine streng vertrauliche ~ .er er die Lösung nach rassisch® Grundsätzen empfiehlt. Dr. C a n a a n ist am deutschen evangelischen Spi in Haifa beschäftigt und seine Frau ist eine Deutsche. In dasselbe Kapitel, nämlich ernste Objektivität im Dritten Reich, gehört folgende Auskunft in Meyere neuem Konversationslexikon: „Der Jude Einstein entwickelte stete die Aktivität eines Salonbokchewiken Die britischen Behörden haben eben 27 Nationalsozialisten aus Palästina ausgewiesen, die Vorgaben, als Tourist® gekommen zu sein, sich jedoch in einer deutschen Kolonie bei Retlehem niederlassen wollt®... Es war höchste Zeit. Die Militärgerichte In einem offiziellen Communique wird bekanntgegeben, daß zwei Miitärgerichtshöfe, einer in Jerusalem und einer in Haifa, eingesetzt werden, und daß ein Vizegeneralstaatsanwalt bestimmt wurde, der den Vorsitzenden sowie die Gerichtshöfe m beraten haben wird. Ans dies® Gründen sei, fährt das Koc- Lager fort, notwendig, den Juden „d e n Wohnsitz zu kündigen“. „Die Jud® müssen aus Polen restlos emigrieren“ — für diese Schlußfolgerung werd® folgende Ausftthrungebeistimmung® verfügt: ,,a) Die Frage der Auffindung von Terrains zur Aufnahme der aus Polen emigrierenden Juden liegt ausschließlich polnischen und international® Judenorganisationen ob. b) Da der souveräne Wille des polnisch® Volkes den Juden den Wohnsitz kündigt, muß ein staatliche« Amt eingesetzt werden, das für die zweckmäßige und schnelle Durchführung der Judenemigration aus Polen haftet. Die Funktionen dieses Amtes werd® d® Funktionen des früheren Bodenreformministeriums entsprechen. So wie mit einem bestimmt® Kontingent Land zur Parzellierung gerechnet wird, so muß ein Kontingent Juden zur alljährlichen Emigration aus Polen gesetzlich bestimmt werden. e) Selbstverständlich erfordert das Gleichgewicht des wirtschaftlichen Lebens in Polen, daß die Juden in Polen die materiell® Güter »urücklassen, aus denen sie gegenwärtig Nutzen ziehen. Die jüdischen Weltorganisation®. die Millionen auftreiben, um die Kolonisierung Polesiens durch Juden und den Ausbau des jüdischen Handels in Brest (der durch Pogrome zerstört wurde) zu unterstützen, müssen verstehen, daß die einzige zweckmäßige Kapitalanlage die Finanzierung der 'Emigration aus Polen ist. d) Die Juden müssen versteh®, daß der Grad der Schmerzhaftigkeit ihrer Emigration aus Pol® von dem VeTständnls abhängen wird, das sie selbst für den Ernst der Situation erbringen...“ Zur richtigen Einschätzung dieser Losungen sei darauf verwiesen, daß es sich keineswegs um das Programm einer kleinen oppositionellen Gruppe handelt, so«dem um das Programm der Bewegung, die auf Initiative des Marschalls Rydz Smigly ins Leben gerufen wurde, um die Führung des Staates zu übernehmen. Tatsächlich dürfte Pfeilkrenzler von jüdischen Fechtern abgeführt Im März dieses Jahres hatten die Pfeilkreuzler in Szegedin eine Flugschrift verbreitet, in der sie sich höhnisch über die jüdischen Sportler von Szegedin äußerten. Alexander Hejas hatte als verantwortlicher Herausgeber gezeichnet und war deshalb von mehreren Seiten gefordert worden, namentlich von denen, die er mit Namen genannt hatte. Es kam zu mehreren Duellen, darunter mit dem Kaufmann Paul Hay. Im Laufe des Duells erlitt Hejas damals eine schwere Verletzung. Er sollte nun gegen den jüdischen Fechtchampion Max Doman antreten, versuchte jedoch mit der Begründung zu kneifen, daß er sich mit Juden nicht schlage. Der Fechtverband zwang ihn jedoch zum Kampf. Hejas wurde am Hals, am Schlüsselbein und auf der Brust verwundet. Dieser Hejas stammt aus der Familie des seinerzeit berüchtigten Erwaehenden-Führers Ivan Hejas, der in der Zeit der Gegenrevolution schwere Judenmassakers veranetaltete. Er wurde sogar in den Reichstag gewählt, ist aber bald aus der Öffentlichkeit verschwunden. Budapest, 21. November. (JTA.) Die jüdische Einwohnerschaft der im Pester Komitat gelegenen Ortschaft Soltvadkert ist seit einigen Wochen das Ziel schwerer Angriffe seitens jugendlicher Pfeilkr®zler. Vor kurzem wurden auf dem jüdischen F r i e d h o f e mehrere Grabsteine geschändet, zum Teil zerstört und mit der Inschrift versehen: „Wir werden schon strafen!“ Die Fenster der Synagoge wurden zertrümmert. In die Wohnungen dreier jüdischer Familien wurden Schüsse abgegeben. Die jüdische Gemeinde, der der Anführer der Terrorbande bekannt ist, hat eine Delegation zu einigen Reichs tag Babgeordneten nach Budapest entsandt, um diese zu ersuchen. beim Innenminister dringend Schutz gegen solche Angriffe zu erbitten. Die luden in Ungarn und Holland Einem Bericht des „Büro für Statistik der ' Juden“ in Prag ist zu entnehmen, daß es; im Jahre 1935 in Budapest unter 1,060.431 Einwohnern 201.069 Juden, das ist 19% der Gesamtbevölkerung, gab. 1930 lebten in Budapest 204.371 Juden oder 20.3% der Gesamtbevölkerung. In Holland lebten 1869 70.003 Juden. Bis 1899 stieg ihre Zahl auf 103.988, bis 1909 auf 106.490. 1920 waren es 115.223, und schließlich 1930 111.917. Von 1869 bis 1930 hat sieh daher die Zahl der Juden in Holland um fast 60% vermehrt. Ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung betrug 1930 1.3%. Von 1920 bis 1930 hat sich die absolute Zahl der Juden um 3306 Seelen verringert. Denkmäler für General Monash in Australien Melbourne, 20. November. (JTA.) Das zur Errichtung eines Denkmals für den Generalissimus der britischen militärischen Streitkräfte im Weltkriege, den jüdischen General Sir John Monash, gebildete Komitee teilt mit, daß die zur Aufstellung des Denkmals notwendige Summe bereits vorhanden sei und man in kurzem mit dem Bau begännen werde. Gleichzeitig gibt das Komitee bekannt, daß beschlossen wurde, ein® neuen Fond zur Errichtung eines zweiten Monash - Denkmals zu gründen. Die jüdischen „Faschistischen Märtyrer“ Florenz, 21. November. (JTA.) Auf dem jüdischen Friedhof von Florenz fand eine eindrucksvolle Feier zum Andenken an die bei den Kämpfen zur Zeit des „Marsches auf Rom“ gefallenen jüdischen „Martire Faseisto“ statt An der Feier nahmen die Vertreter der Gemeinde, der lokalen faschistischen Organisation® und eine Ehrengarde der faschistischen Miliz teil. Cafe Prinz Eugen I., OPERNRING n Täalich Abendkonzert / M. K. 3 Künstler spieen 16 Instrumente Musikalische Schau / Normale Tagespreise / Angenehmer Aufenihalt / Treffpunkt der besten Gesellschaft / Sämtliche in- und ausländ scheZeitungen liegen auf Der Prozeß der türkischen Prinzen Jerusalem, 21. November. (JTA.) Das Gericht von Jaffa bat kn Prozeß der Erben des Sultans Abdul Hamid gegen die palästinensiche Regierung das Urteil gefällt Das Gericht erklärte sich einstimmig zugunsten der Forderung der Erben, die von der Regierung die Herausgabe eines Teiles der dem Sultan gehörenden Ländereien verlangten. Die Ländereien umfassen etwa eine halbe Million Acres und liegen im Distrikt von Gaza. (Eine halbe Million Acres sind ungefähr 200.000 Hektar oder 2000 Quadratkilometer oder das halbe Burgenland.) Es besteht die Möglichkeit, daß die Gerichtsentscheidung einen Präzedenzfall schafft, der die Erben Abdul Hamids instandsetzen würde, den ganzen früheren Besitz des Sultans in Palästina, sowie seinen ungeheuren Besitz in Cypern und im Irak, darunter die gesamten Petroleumfelder von Mossul, wieder in ihren Besitz zu bringen. Wie verlautet, hat die palästinensische Regierung die Absicht, gegen die Entscheidung des Gerichtes von Jaffa in Jerusalem Berufung einzulegen. Aus dem Alltag in Deutschland Das Reiehspropagandaministerium hat verfügt, daß die deutschen Fabriken den billigen „Volksempfänger“ nieht an jüdische Radiohändler verkaufen dürfen. In Tilsit und Gumbinnen (Ostpreußen) haben die jüdischen Geschäfte auf Anordnung der Staatspolizei in allen Schaufenstern und an d® Eingängen Schilder mit der Aufschrift „Jüdisches Geschäft“ anbringen müssen. Dieser Maßnahme ging eine Beschlagnahme der Kundenlisten der jüdischen Geschäfte durch die Staatspolizei voraus. Scheinbar hat die Staatspolizei danach Vernehmungen, insbesondere von Beamten, angestellt. Die Staatspolizei hat nämlich ihre Anordnung damit begründet, daß sie die bestehende Unkenntnis über die Abstammung der Geschäftsinhaber beieitigen wolle. In Schneidemühl Ist die Staatepolizei vor einigen Woche« zur Zeit des Gottesdienstes in die Synagoge eingedrungen, hat die Beter gezwungen, mit ihren Gebeten aufzuhör® und eingehende Vernehmung® im Zusammenhang mit den Logensehüeßungen angestellt. Bei diesen Vernehmungen mußten sieh die Juden, auch der Rabbiner, mit dem Gesicht zur Wand stellen. Aus Sehneidemühl sind in der letzten Zeit die meist® Juden geflüchtet. In Wennings, Kreis Büdingen (Hessen) fand bereite kn Jahre 1933 ein richtiggehender Pogrom statt, nach dem nur noch fünf jüdische Familien im Orte blieben. Diese fünf jüdischen Familien wurden Im Frühjahr 1937 nachts in ihren Häusern überfallen. Sie flüchteten in umliegende Heuböden, wurden daraus hervorgeholt und schwer mißhandelt. Am nächsten Tag flüchteten sie unter Hinterlassung von Haus und Hof aus Wennings, so daß dies® Ort jetzt , jaden rein“ ist Oberrabbiner Chajes-Gedenkausstellung Eröffnung: Sonntag. 21. November 1937, 11 Uhr vorm. Dauer: Vom 21. November bis 5. Dezember 1937 Besuchszeit: An Sonntagen von 10 bis 1 Uhr mittags und 3 bis 9 Uhr abends, Montag bis Donnerstag von 3 bis 9 Uhr abends

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