Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 11 (1937-1938)
- Issue
- Heft 697 (22.11.1937)
- Date
- 1937-11-22
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Montag - Ausgabe Dieses Blatt Ist ab 4 Uhr nachmittags Ml den Kolporteuren erhältlich ,y. i>. b. 10g ^Stimme Nr. *07 JÜDISCHE ZEITUNG 1 Wien, Montag, JJ. November 1937 e IS. Kislew S*98 IX. Jahrgang Konferenz des Jisdiuw Jerusalem, 20. November. (JTA.) In seinem Referat auf der vorn Waad Leumi einberufenen Konferenz des Jischuw zur Erörterung der Sicherheitsfragen in Palästina erklärte der Leiter des politischen Departments der Jewish Agency, Mosche S h e rt o k, u. a., die innere Disziplin des Jischuw sei von entscheidender politischer Bedeutung. Shertok wies auf die Erfolge des Jischuw im Unruhejahr 1936 hin und betonte, das Abweichen von dem Weg der Disziplin sei nicht nur imstande, den arabischen Terror iim Lande zu intensivieren, sondern auch die erzielten Erfolge zu gefährden, die ein Resultat der disziplinierten Haltung des Jischuw seien. Zum Schluß verlangte Shertok, daß öffentlich gegen die Handlungen unverantwortlicher Elemente eingeschütten werde. In der Debatte verurteilten die Vertreter der zionistischen Parteien und angesehene Einzelpersönliohkeiten die sonntägigen blutigen Geschehnisse in Jerusalem. Tiefen Eindruck machte die Erklärung von Professor David Yellin, dessen Sohn Avinoam vor einigen Wochen von arabischen Terroristen ermordet wurde. Prof. Yellin sagte u. a.: „Als nach der Ermordung meines Sohnes ein Araber getötet wurde, war meine Familie erschüttert; denn der Mord an meinem Sohne kann nicht dadurch gutgemacht werden, daß ein anderer unschuldiger Mensch ermordet wird. Wir sind Stolz darauf, daß sogar in den für den Jischuw schwersten Tagen der Araber »ich in den Straßen Tel-Avivs und der Tel- Aviver Vorstädte zeigen konnte, ohne belästigt oder angegriffen zu werden.“ »Das Jüdische Aufbauwerk geht weiter!“ Das Mandat international verankert In seinem Schlußwort kündigte der Vorsitzende des Waad Leumi, Jizohak Ben Zwi, an, es werde eine Aktion zur öffentlichen Erziehung mit dem Zwecke, im Jischuw Disziplin zu wahren, eingeleitet werden. Jüdischer Arbeiter bei Tel'Amal ermordet Jerusalem, 20. November. (JTA.) In der Nähe von Tel-Amal (Beisangebiet) ist der 24jährige jüdische Arbeiter Jehuda Schpanow, als er auf dem Felde arbeitete, von arabischen Terroristen durch meh rere Schüsse lebensgefährlich verletzt worden. Schpanow erlag bald darauf seinen Verletzungen. Der Ermordete, dessen Eltern in Tel-AViv leben, hinterläßt eine schwangere Witwe. Unmittelbar nach dem Überfall traf Polizei auf dem Tatort ein. Als diese Verstärkung zuzog, flüch teten die Angreifer. „Davar“ verboten „Davar“ ist für die Dauer von fünf Tagen verboten worden. Ais Begründung des Verbotes wird angegeben, daß das Blatt den Verlauf der sonntägigen Ereignisse in Jerusalem unrichtig wiedergegeben habe. Razzien Im Norden Zwei Regimenter, bestehend aus 1500 Mann, unterstützt von Panzerwagen und Flugzeugen, fahnden nach einer 40köpngen Araberbande, die sich unter Führung von Abdnllah Azbach in das Hügelgebiet in Nordpalästina zurückgezogen hat Ein Araber wurde getötet und einer verwundet. Nach einer 24stündigen Razzia in der Umgebun»- von Safed umstellte Grenzwache das Dorf Mejdelkrun. Ein Maschinengewehr wurde beschlagnahmt. London, 21. November. (JTA.) Auf einem Bankett des Foyles Book-Klubs hielt der gewesene Chefsekretär der Palästina- Regierung Ronald Storrs eine Rede, in der er sagte, die Palästina-Teilung sei noch nicht eine vollendete Tatsache; es sei auch jetzt noch nicht zu spät, zu einer Verständigung zwischen Juden und Arabern zu gelangen. Der bekannte Arabien-Forscher nnd Vertrauensmann Englands bei Ihn Saud, John P h i 1 b y, führte aus, daß die Teilung Pa-1 lästinas die einzig mögliche Lösung sei. Die Araber würden sich niemals mit einer Situation einverstanden erklären, in der die Juden auf ihre, der Araber, Kosten (!) gewaltsam in Palästina angesiedelt würden. Palästina sei nicht das Land Israels. Das Gewicht der internationalen Ratifizierung Den zionistischen Standpunkt vertrat Rev. M. L. P e rl z w e ig. Er sagte, das Versprechen an das jüdische Volk sei nicht nnt von der britischen Regierung gegeben worden, sondern auch von der französischen, der italienischen und der j a’p a n’i s c’h e n. Es war ein Versprechen, das gemäß dem Mandat von dem Völkerbund erfüllt werden sollte. Dieses Versprechen bildete auch den Gegenstand eines Abkommens zwischen England und den Vereinigten Staaten. Hinter dem Palästina- Mandat stehe das Gewicht der internationalen Ratifizierung, die nahezu keine Parallele in der Geschichte der Diplomatie hat. Man behauptet manchmal, daß das uns gegebene Versprechen in Widerspruch zu einer dem arabischen Volke früher gemachten Zusage steht. Dies ist jedoch von Sir Henry MacMahon selbst und auch von Sir Ronald Storrs in einem der bekanntesten Bücher über den Orient in Abrede gestellt worden. (Auch von der Peel-Kommission. Die Red.) Die Juden wurden angegriffen und bedroht. Dennoch ging das jüdische Aufbauwerk weiter und wird weitergehen; in jedem Monat wurde eine neue Siedlung gegründet. Das jüdische und das britische Commonwealth, schloß er, sind unwiderruflich miteinander verknüpft Sie werden, was immer in Palästina geschieht, gemeinsam vorgehen müssen. Auch die Juden und die Araber werden, ob Teilung oder nicht, ebenfalls Zusammenarbeiten müssen. Wir wollen Freundschaft mit den Arabern. Zuerst aber muß das Gesetz im Lande wieder zur Geltung komm». , „ 90 Prozent der Araber gegen Terror In einer Sitzung des Landes kommitees des Zionistischen. Land es verbau-, des in der Tschechoslowakei hat der Delegierte der Exekutive der Jewish Agency und des Direktoriums des Keren Hajessod, Dr. Elias Auerbach, in einem Referat über die gegenwärtige innerarabifsche Situation unter anderem ausgefttbrt: Die Lage der Araber in Palästina ist heute noch immer, vor allem durch die Nachwirkungen des halbjährigen StreUcs, gekennzeichnet. Besondere Jaffa ist eine fast tote Stadt. Unter 55.000 arabischen Seelen dieser Stadt gibt es heute 15.000 Erwerbslose, und der Hafenverkehr ’ von Jaffa ist so zurückgegangen, daß der junge und unfertige Hafen von Tel- A v i v heute bereits einen größeren Verkehr aufweist als Jaffa. Die Stimmung ist ' allgemein sehr gedrückt. Hierin liegt eine große, allgemeine Gefahr, denn die schlechte Wirtschaftslage unter den Arabern nährt den Zuzug, den die Terrorbanden haben. Bandit zu sein, ist heute ein Beruf in Palästina, der den Mann und seine Familie ernährt, und zwar besser als viele andere Berufe, die darniederliegen. Politisch herrschen in der arabischen Innenpolitik die Radikalen. Der Terror richtet sich stärker gegen Araber als gegen Juden, um von den wohlhabenden Arabern Geldmittel zu erpressen und um die Gemäßigten daran zu verhindern, daß sie auch nur ihre Stimme erheben, geschweige denn zu Einfluß gelangen. Der gesamte arabische Mittelstand ist für die W iederherstell ung von Ruhe und Sicherheit, und auch über den Mittelstand hinaus ist der Wunsch nach der Wiederkehr geqrdaeter Verhältnisse sehr stark. Man kann sagen, daß SO bis 90 Prozent der arabischen Bevölkerung mit den Terroristen nicht ideattiiziert werden dürfen. Eine zielbewußte und feste Politik der Regierung würde sofort eine gemäßigte arabische Partei ans Ruder bringen, die von sich aus den Terror beenden würde. Gegen die Teilung sind heute offiziell alle arabischen Parteien, aber zahlreiche Araber würden sich rasch mit einer Teilung ahfinden. Insbesondere ist es interessant, daß diejenigen Araber am ehesten geneigt sind, sieh mit der Teilung des Landes zusöhnen, die in dem projekt ten jüdischen Gebiet wohnen Eine direkte Verständigung der Araber mit den Juden kommt augenblicklich nicht in Frage; sie ist nicht aktuell, zumal von keiner der beiden Seiten ein real Programm für die politische und nat nale Verständigung vorliegt. Das hindert nicht, daß, obwohl heute eine direkte Verständigung unmöglich ist, bei jeder zukünftigen politischen Gestaltung Palästinas die Verständigung in irgend einer Form und in einem günstigen Zeitnunkt als einzige, endgültige und mögliche Lösung bezeichnet werden muß. Ein neuer Plan Englands? Jerusalem, 21. November. (JTA.) Der Londoner Korrespondent der „A Difaa“ meldet seinem Blatte, er sei in den Besitz von Mittelungen gelangt, wonach das Colonial Office bereits i m M ä r z 1938 einen vollständigen und endgültigen Plan der zukünftigen Politik Englands in Palästina ausgearbeitet haben werde. Die englische Regierung befasse sich gegenwärtig mit zwei Plänen. Der erste sehe eine Verbesserung, beziehungsweise Modifizierung des Palästinamandates durch Hinzufügung einer Reihe von Kommentaren vor. Nach dem zweiten Plan soll da8 Land geteilt werden, doch unterscheide sich der der Regierung jetzt vorliegende Plan vollkommen von dem von der Peel-Kommission vorge- Die Judenthesen des Koc-Lagers „Die Mitteleuropäischen Fernschreiben" in Prag geben folgende Darstellung der Lage der Juden in Polen: Unter den nationalen Minderheiten Polens, den Ukrainern, Weißrussen, Deutschen und Juden, treten hinsichtlich ihrer politischen Bedeutung die Juden immer sichtbarer an die. erste Stelle. Während der polnische Staat mit den Ukrainern, Weißrussen und Deutschen jeweils nur in einzelnen Landesteilen und in einzelnen Zeitläuften Lm Kampf liegt, ist der Kampf gegen das Judentum zu einer allgemeinpolitischen Dauererscheinung geworden. Er findet seinen Ausdruck in den kleineren und größeren täglichen Pogromen. Woher dieses Aufieben des Judenhasses in Polen? Zur Beantwortung dieser Frage muß auf einen wichtigen Umstand hingewiesen werden, der die Judenverfolgungen in Polen von denen in anderen Ländern unterscheidet. In Polen hat sich ein Regime, das sich seit mehr als einem Jahrzehnt am Ruder •befindet und bis vor kurzem keineswegs judenfeindlich gesonnen war, binnen weoih i* ' ^>PUDER fllffjE COLOGNE ger Monate zu tätigem Antisemitismus entwickelt. Schon dieser Umstand deutet auf die Wurzel des Antisemitismus in Polen. Er ist nicht ideologischer oder rassenmäßiger, er ist wirtschaftlicher Natur. Auf wirtschaftlichem Gebiete wiederum findet er seine Begründung nicht im Wohlstand der Juden, deren übergroße Mehrheit vielmehr als Proletariat bezeichnet werden muß, sondern in der V e,relendung der Gesamtbevölkeru»g, für .die eia Ventil xtfna&m.'Mstäbn soll. Um auch in Zeiten der Verelendung die breiten Massen beeinflussen zu können, müssen jene Parteien, die nichts besseres bieten können, nach einer zugkräftigen Ersatzparole suchen. Die ernte Partei, die diese Notwendigkeit begriff, war die große Partei der bürgerlichen Opposition, die Nationaldemokratische Partei. Indem sie die Austreibung der Juden an die Spitze ihrer Losungen stellte, zwang sie das Regime, sich zu entscheiden. Es stand vor der Wahl, den Antisemitismus entweder zu bekämpften oder zu überbieten. Um ihn bekämpfen zu können, hätte das Regime gleichzeitig Mittel finden müssen, um die Notlage der breiten Massen zu beheben. Das es solche Wege nicht fand, blieb ihm nichts übrig, als die antisemitischen Parolen der Opposition durch noch krassere eigene zu schlagen. Damit erhielten die blutigen Ausschreitungen, die zuvor als staatsfeindlich gegolten hatten, den Charakter patriotischer Handlungen. Zwar erklärt die Regierung auch heute noch, daß sie Pogrome nicht wünsche, gleichzeitig aber weiß jedermann, daß erfolgte Pogrome außer einigen starken Worten Konsequenzen nicht nach sich ziehen. Die Folge dieses Tatbestandes ist, einem Ausdruck der polnischen Presse zufolge, „die Anarehisierung des Landes“. Tatsächlich bewirkt die große Zahl der in Polen lebenden Juden, daß der Pogrom- Antisemitismus in Polen sehr schnell an die Grundlagen des Staates rührt. Man muß sich vergegenwärtigen, daß zehn Prozent der polnischen Bevölkerung, drei bis vier Millionen Menschen, der jüdischen Minderheit angehören. Man muß sich ferner vegegeawärtigen, daß allein in Warschau bei einer Gesamtbevölkerung von 1,172.000 Menschen über 350.000 Juden leben und daß die Städte in der Wojwodschaft Lodz zu 31%, in der Wojwodschaft Lublin zu 44%, in der Wojwodschaft Bialystok zu 38%, in der Wojwodschaft Nowogrodek zu 42%, in der Wojwodschaft P o 1 e s i e n zu 49%, in den Wojwodschaften S t a n i s 1 a u und Tarnopol zu 35% und in der Woj- I wodsohaft Lemberg zu 33% von Juden SAMSTAG 4. DEZ. 1937 Repräsentative «es Zion. Landesverbandes