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Die Stimme · 1937-11-12 · Heft 694 (12.11.1937) · page 3

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Journal
Die Stimme
Volume
11 (1937-1938)
Issue
Heft 694 (12.11.1937)
Date
1937-11-12
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. «M. — Wien, Freitag, 12. November 1887. Dil STIMM! Seile 3 EISEH Selchwaren VERTRAUENSMARKE DER KENNER! Chajes-Feier am 23. November Der Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde Wien gibt bekannt, daB die Gedenkfeier anläßlich des 10. Todestages für den verewigten Oberrabbiner DR. ZWI PEREZ CHAJES am Dienstag, den 23. November 1. J., um Uhr abends, im Stadttempel, I., Seitenstettengasse 4, stattfindet. LORETTA YOUNG TYRONE POWER ADOLPHE MENJOU CuK Metropole Eine prickelnde Hoehs splerseschtahie — moussierend wie französischer Sekt Ab heute: Burg-, Imperial-Kino I RUNDSCHAU | GRAT COÜDENHOVE - KALERGI ist eia Mann von besten Absichten, und manche »einer politischen und wirtochaftspolitischen Arbeiten gehören zu den Standardwerken unserer Zeit. Aber wenn er zum Judenproblem das Wort nimmt, erlebt man maenhmal peinliche Dinge. Er, der Meister des klaren Ausdrucks, verwickelt sieh, wenn er von uns spricht, oft in Widerspruche, ja auch in Anschuldigungen gegen uns, die geradewegs in eine antisemitische Zeitung übernommen werden können. Er snebt hoffnungslos nach Ursachen des Anti* . flS»r«ieht sie dort, wo sie auf der Hand liegen. Die Beseitigung des Antisemitismus verlangt er von uns, als ob wir die Handelnd«» wären, wo wir doch nur die Leidenden sind — und vor dem .einzigen Mittel, das uns im Kampf gegen den Antisemitismus wirklich zur Verfügung steht, der nationalen Aktion, dem Zionismus, hat er eine faBt elementare Abneigung. Er hat jetzt »eine Broschüre „Judenhaß“ etwas erweitert neu herausgegeben. Es sei nochmals festgestellt: Er ist vom besten Willen uns gegenüber beseelt. Aber dieser Wille wird nie zur guten Tat werden, wenn Coudeuhove k» der Untersuchung des Judenproblems sich — in diesem Rahmen können nur einige wenige Beispiele behandelt werden — zu Behauptungen versteigt, wie etwa folgende: „Der Antisemitismus, der früher als Ablehnung der jüdischen Religion aufgetreten war, erscheint in seinem neuen Gewand als Ablehnung der jüdischen Nation oder des jüdisohen Internationalismus“ (S. 39). Also die alte Assimilantentbeorie, daß wir, die Zionisten, für Hitler verantwortlich sind. Vorausgeschickt sei: Wir wären auch dann Zionisten, wenn uns der Antisemitismus darum noch so böse wäre — aber tatsächlich spielt das zionistische Problem in der antisemitischen Propaganda keine Rolle. Hitlers Antisemitismus ist, ebenso wie der ungarische oder der österreichische, soweit er überhaupt mit jüdischer Haltung zusammenhängt, eine ausgesprochene Reaktion auf die Assimilation! Weiter: Auf Seite 41 sagt Aus dem Alltag in Deutschland In Grevenbroich (Rheinland) hat der Landrat sämtlichen jüdischen Frontkämpfern das ihnen zustehende Ehrenkreuz mit der Begründung versagt, daß die Aushändigung an Juden gar nicht in Frage komme. * In einer mitteldeutschen Stadt hat die Behörde verfügt, daß Juden solange das für Ausländer auf einer höheren Stufe festgesetzte Schulgeld zu zahlen haben, bis sie ihre Staatsangehörigkeit seit 1800 lückenlos nachweisen. Das Ministerium hat diese Verfügung nicht beanstandet So kommt es, daß Kinder jüdischer Frontkämpfer und Schwerkriegsbeschädigter als Ausländer behandelt werden. Die Staatspolizei in Berlin hat im Judendezernat große „Stürmer“-Bilder mit der Unterschrift „Für unsere lieben Gäste“ aufgehängt. Zu sämtlichen Staatspolizeiämtern ist im übrigen Juden der Zutritt nur auf Vorladung gestattet. In Dessau ist zum erstenmal im Amtsgericht ein besonderes Zimmer für jüdische Anwälte eingerichtet worden. Es gibt in Dessau nur einen jüdischen Anwalt, der außerdem schwer kriegsbeschädigt ist. # Die Nürnberger Gesetze werden immer schärfer gehandhabt. So wurde ein Jude in einer mecklenburgischen Stadt, der dag in seinem Geschäft beschäftigte Lehrmädchen zum Bäcker schickte, um Brot einzukaufen, bestraft, weil er eine Person unter 4B Jahren mit einer Hausarbeit beschäftigt hatte. * Beim Passieren der Aachener Grenze werden diejenigen Pässe von Juden, die länger alB sechs Monate gelten, von den Grenzbeamten genau notiert. Die jüdischen Paßinhaber werden nach ihrer Arbeitende Menschen wtMeo, daS *u erfolgreicher Arbeit bester Krflftezueiand, ruhige Nerven, gute Stimmung notwendig sind. Zur Kräftigung des Körpers, zur Behebung von MattigkeitsgefOhi gltd ei ein xuverlissiges Mittel: Franzbranntwein mit MnnHiol. Bestes Einreibemittel. hervorragend cur Mund», Zahnand Rachenpflege and su mannigfaches anderen Zwecken. 1b |edem besseren fiesehftlt erhältlich. Verlangen sie aasdrfleklleh „Diana*4 and nehanen Sie nnr „Diana“. Minderwertige Nachahmungen sind energisch anrttckznwelsen. Rückkehr in das Reichsgebiet von ihrer zuständigen Polizeibehörde vorgeladen. Die Paßgeltungsdauer wird dann auf sechs Monate herabgesetzt Die Ausstellung von neuen Pässen dauert oft drei bis vier Monate, in vielen Fällen wird sie völlig verweigert. Der jüdische Tenndsklub „G r u n e w a 1 d“, der beste jüdische Klub dieser Art in Berlin, hatte vor einigen Monaten große Verbandsspiele ausgetragen. Die Teilnehmer wurden von einem Vorstandsmitglied mit buchstäblich drei oder vier Sätzen begrüßt Wegen dieser „Rede“, die nicht angemeldet war, erhielt der Klub ein Betätig ungsverbot von zwei Monaten. In diesem Zeitraum darf das Klubgelände weder betreten noch sonst benutzt werden, auch die Spielnetze mußten abgebaut werden. lim Reglerungsbeairk Gumbinnen verlangt das Gericht von Juden, die Gewerbepapiere beantragen, den Nachweis der deutschen Staatsangehörigkeit seit dem Judenedikt von 1812. Dieses Verlangen begründet das Gericht damit, daß ein Nichtreichsangehöriger auf Erteilung der Gewerbepapiere nicht klagen dürfe. Auch in anderen Bezirken verweigert man jüdischen Handelsvertretern oder Hausierern die Ausstellung der Gewerbescheine, so daß sie brotlos werden. * Auf Grund der neuen Bäderordnung hat die Badeverwaltung in E 18 t e r (staatliches Bad) die Badezeiten für Juden von 6 bis 7 Uhr morgens und 2 bis 3 Uhr nachmittags festgesetzt. Viele Badeverwaltuneen verlangten von jüdischen Gästen bei der Anmeldung die Einsendung von Photographien, um „provozierend aussehende Juden“ femzuhalten. * Im Sommer 1937 wurden die meisten Transporte jüdischer Kinder in die Ferienkolonien untersagt. * In der Pfalz hat der Weinbauwirtsehaftsverband im Sommer 1937 plötzlich sämtlichen jüdischen Weinkommissionären die vorgeschriebene Genehmigung zu ab- : fgeätshl«!sseHen. Käufen nicht erteilt Gleieh- 'H4R%'<Würde' äeaWeinbauer, dessen Na- Äa »an aus der vorgedruckten, von beiden Parteien auszufüllenden Bescheinigung ersah, mitgeteilt daß er ein Volksverräter sei, und daß er den Wein nicht an den Juden, sondern an einen namentlich genannten arischen Weinkommissionär zu verkaufen habe. Dieser arische Weinkommissionär wurde von dem amtlichen Nährstandsorgan, dem Weinbauwirtschaftsverben und damit ist für uns der „religiöse“ Kampf“ erledigt. Weil wir unseren Glauben haben und andere uns diesen Glauben nicht lassen wollen, während wird doch die Bekehrung anderer ablehnen, sind w i r Fanatiker? Auf Seite 4S widerspricht der Autor dann direkt dem, was er auf Seite 39 (und auch schon früher) über den Zionismus als eine der Ursachen oder wenigstens als auslösendes Moment de« Rassenantisemitismus gesagt hat. Er sagt jetzt nämlich: .. der moderne Rassenaatisemitismus wendet sich... mehr gegen die Asshnilanten als gegen die Zionisten, mit einem Wort: gegen die Juden als Blutsgemeinschaft, nicht als Religionsgemeinschaft.“ Coudeahove muß sich einmal entscheiden, sonst werden sich die Antisemiten selbst nicht mehr auskennen, wogegen sie eigentlich sind. Sie sollen gegen die Assimüanten, aber nicht gegen die Religionsgemeinschaft, sie sollen weniger gegen die Zionisten, aber gegen die Blutsgemeinschaft (also auch die Nation) sein. Also die Assimüanten sind die BlutsgemeincöttdenhöveTrinen Frieden oder ein Koni- und die Zionisten nur die Religionspromiß kann es nicht geben zwischen zwei1 gememschaft... Die Ergänzungen, die in der Religionen, von denen die eine überzeugt ist, daß Christus der verheißene Messias war, während die andere mit aller Kraft diesen Glauben bekämpft.“ Wir bekämpfen Christus oder überhaupt irgend etwas in irgend einer Religion? Wir glauben nicht an Christus, aber wir „bekämpfen“ ihn nicht. Gleich darauf sagt Coudeuhove, „der religiöse Kampf werde sich abeohwäbhen, wo der Fanatismus dieser beiden Religionen nachläßt“, und umgekehrt. Unser Fanatismus? Wir glauneuen Auflage enthalten sind, beziehen sich hauptsächlich auf die Frage der Erwerbung jüdischen Siedlungsgebiets außerhalb Palästina«. Sie sind den Gedankengängen der Ito entnommen. Darüber haben wir hier schon oft genug unsere Ansicht geäußert. IN RUMÄNIEN kommt es bald zu Neuwahlen. Die antisemitischen Parteien machen die größten Anstrengungen, die langersehnte, immer wieder versagte Macht zu erringen. Ihre Redner ziehen bereits hetzend durchs Land. Jüngst hat einer ihrer Redner in einer Versammlung von Bauern gesagt, die Juden hätten dem Rumänen den letzten Groschen aus der Tasche gestohlen, als diese mit ihrer ganzen Kraft und ihrer ganzen Aufmerksamkeit mit der Einigung der Nation beschäftigt waren und auf die jüdischen Spitzbuben nicht entsprechend achtgeben konnten. Dieser Redner war der Schriftsteller Oktavian Goga. Die Klausenburger jüdische Tageszeitung „Uj Kelet“ rechnet Goga nun vor, was ihm die Juden ans der Tasche gezogen haben: Zu der Zeit, als die Rumänen „mit der Einigung der Nation“ beschäftigt waren, also im Krieg und in der Zeit nach dem Kriege, war Goga, wie das bei Sohriftstellem allgemein üblich ist, ein armer Teufel, der von der Hand in den Mund lebte, Heute ist er Besitzer eines Schlößchens in Csucsa, Aufsiehter&t und Direktionsmitglied von vier großen Aktiengesellschaften, Besitzer von Aktienpaketen im Werte von etwa 5 Millionen österreichischen Schillingen, sein Jahreseinkommen an Dividenden und Tantiemen beträgt zwischen 100.000 und 200.000 Schilling. Wo Gesellschaften aber, von denen er, der Dichter, diese horrenden Einkünfte bezieht, stad durchwegs jüdische Gründungen, in die erst im Zuge der sogenannten Nationalisierung der Wirtschaft Gogas geraten sind. Wofür nun bezieht er die Hunderttausende? Die Gesellschaften befassen sich mit Waggonerzeugung, Druckerei, Versicherung. Es ist unwahrscheinlich, daß der Schöngeist Goga bei ihnen erhebliche wirtschaftliche Tätigkeit ausübt. Wer zieht ateo wem da« Geld aus der Tasche? Jehuda. Soeben ist erschienen: Baal Brit England und Israel Preis: S 1.89. Die zionistische Bewegung steht vor grundlegenden Entscheidungen. Die Broschüre »England und Israel« beleuchtet die aktuellen Probleme von neuen Gesichtspunkten und kommt zu wichtigen Ergebnissen, die für alle, denen das Palästinaaufbauwerk am Herzen liegt, von höchstem Interesse sein müssen. Verlag R. Löwit Wien, I., Feset markt 1 — Wo1 zel’e 6. band, aufgefordert, bei dem bestimmten Weinbauern die von dem jüdischen Kommissionär ursprünglich erworbene Menge abzunehmen. * Die Rede des Blutsäufers München, 11. November. (JTA.) Bei Eröffnung der Ausstellung „Der ewige Jude“ in München erklärte Julius Streicher, die jüdische Rasse sei „eine Sünde gegen das Blu t“, eine Mischung von Negerblut, Mongolen und nordischen Elementen. Rathenau selbst, habe die Vernichtung und den Tod des deutschen Volkes vorausgesagt, aber glücklicherweise sei „der große Arzt“ Adolf Hitler gekommen, „Führer und Prophet des deutschen Glaubens“. Es beruhige ihn, erklärte Streicher weiter, daß er jetzt keine Juden mehr in Deutschland sehe. So wie der Bazillus sich zu isolieren suche, um dem Heilserum zu entgehen, so passe sich der Jude den Umständen an, und er warte jetzt auf die caf& Donau II., Pratersfrafie 10, Tel. R 46-3-46 Das vornehme Famfl'eoeafö, LeeesaaJ mH T5 in- und aucJändisehen Zeitungen und Zeitschriften, Seif'ert-BIiiard, Bridge- und Rinnmystube, Vorzüglicher Kaffee, erstklassige Küche. Gelegenheit, von neuem ein wahrer Jude zu werden. Obwohl das jüdische Volk den Vorzug hat, in christlichen Kirchen heute noch als Heilbringer der Menschheit dargestellt zu werden, empfindet man es im Stamme Juda dennoch als eine Herausforderung, wenn man es wagt, sich mit seiner Kultur und seiner Geschichte m befassen. So regte sich ein gewisser Teil der Weltpresse furchtbar auf, als im vergangenen Sommer bekannt geworden war, daß in der Hauptstadt der Bewegung eine Ausstellung „Der ewige Jude" veranstaltet werden sollte. Der Jude gelangte zum Ruf des Ewigscins durch eine bewußte Irreführung der Menschheit. Seit Jahrhunderten geht er einher als wanderndes Gehe’imn i s, ausgestattet mit dem Heiligenschein eines Heilhringers. Noch gibt es Völker, die an das Märchen von der göttlichen Sendung des jüdischen Volkes glauben und stolz darauf sind, demokratisch regiert zu werden. Für die Wissenden aber ist gerade d i e vielgepriesene Scheindemokratie westlicher Völker ein Gradmesser für die Macht, die der Jude in jenen Völkern bereits erlangt hat. IOOO Bücher.S 1*— Romane, ErzShlunppn, Kinderbücher, Konst und Wissen sebaft, Katalog gratis und franko. Buchhandlung Schneider 4 Co„ I., Franz-Jossf-Kal 7 (an der Schwedenbrücke). Huhermans Spielfähigkeit ungehindert Bei einem Wiener Freund Bronislaw Huber m ans langte ein Flugpostbrief ausBladjoe auf Sumatra ein, in dem der Künstler schreibt, daß er sich auf dem Wege zur vollkommenen Genesung befindet. Er hält eich noch in dein holländischen Krankenhaus in Bladjoe 'auf und die dortigen Ärzte haben ihm die ■ Garantie gegeben, daß er seine v o 11 k o m- Imene Spielfähigkeit behalten wird. Sintern Sie sieh rechtzeitig Ihr« Karten für die CHAJES-Gedenkfeier am 16. NOVEMBER im Großen Musikvereinssaal

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