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Die Stimme · 1937-11-12 · Heft 694 (12.11.1937) · page 2

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Journal
Die Stimme
Volume
11 (1937-1938)
Issue
Heft 694 (12.11.1937)
Date
1937-11-12
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Salta 2 Ml STIMME Ni. 094. - Wien, Freitag, 12. November 1987. I Ober 30.000 Besucher waren begeistert von dem Mali Plcon - Film ,Jidl miin Fidi* Alleinauiiilbrung nur im AUGARTEN - KINO II., Untere Augartenstraße 28, Tel. A 4 >5-93 /; italienischen Herzog in Wien regieren und Böhmen ist für ihn ein Meer. Er hat so von den Juden gehört und er hat sich im Shyloek das Musterbild des jüdischen Wucherers und Zinsnehmers geschaffen. Aber just im „Kaufmann“ hat er diesen Juden psychologisch zu fassen versucht. Das Pfund Fleisch ist eine scherzhafte Bestimmung in dem Geldgeschäft Shylocks mit Antonio, mit diesem Antonio, der den Juden beschimpft und angespuckt hat, der von ihm für den Tagedieb Bassanio Geld ohne Sicherung leiht, da er doch nichts über seine Schiffe -weiß. Und Shyloek, betrogen von Antonio, betrogen und bestohlen von seiner Tochter Jessika,, besteht auf seinem Pfand, besinnungslos durch die Schande, die ihm angetan wurde. Ja, er will das Pfund Fleisch. Aber da kommt die Porzia, die Tochter eines Rechtsgelehrten aus Padua, und sie führt vor dem Dogen das auf, was man in der Sprache des Streichers einen jüdischen Dreh nennt. Das Pfund Fleisch darf er herausschneiden, aber keinen Tropfen Blut zum Fließen bringen. Und da Shyloek dies nicht kann, verliert er unter dem Hohn des Auditoriums sein Geld. Aber da kommt wieder ein Dreh. Da ist ein Gesetz, wonach ein Fremdling, der dem Leben eines venezianischen Bürgers nachstellt, diesem die Hälfte des Vermögens zu zahlen hat, die andere Hälfte bekommt der Doge. Und da ist nun Shyloek der Fremdling, Antonio bekommt die eine Hälfte, der Doge die andere. Aber dies ist sogar Gnade, die der Jude durch Me Taufe erkaufen muß. Jä*s ist dep^i.halt des Dramas. Der und in dy CAFE BUCHSBAUM II., Kleine Pjmrgasse 21 Telephon A 43-5-19 Bürgerliche« FamUiencafö — lnxl ausländische Zeitungen — Separ. Raun f. geschlossene Gesellschaften — Herabgesetzte Preise — Aufmerksame Bedienung soll, handelt, wenn er auf seinem Schein besteht, aus der tiefstmenschlichen Leidenschaft: Zorn ob der Demütigung, Rache für sein zerstörtes Leben. Das ist nichts Jüdisches. Aber wenn er schon, von dem Christen Shakespeare gesehen, den Typus Jude vorstellen soll — in welcher Welt hat er gelebt, in welcher Umgebung? Das ist immer sehr gut verstanden worden, den Juden auszusaugen, ihm das Brot vom Mund zu reißen, ihm die Seele zu vergiften. Wie ist man denn mit den Juden umgegangen? Man hat ihnen die Luft zum Leben mißgönnt, hat ihnen nur den Beruf des Geldes offen gelassen, und da in jener Zeit nur der Besitz von Geld die persönliche Existenz der Juden einigermaßen sichern konnte, so mußte — und das war ja der Zweck der Übung — die Seele verkrüppeln. „Ich bin ein Jude“, schreit Shyloek den Müßiggänger Salarino an, „hat nicht ein Jude Augen? Wenn ihr uns stecht, bluten wir nicht? Wenn ihr uns vergiftet, sterben wir nicht? Und wenn ihr uns beleidigt, sollen wir uns nicht rächen? Sind wir euch in allen Dingen ähnlich, so wollen wirs euch auch darin gleichtun.“ Wurde der Jude in die Korruption getrieben, so ist das nicht seine Schuld. Und wenn heute die Verleumdung und die bewußte Herabsetzung zum Rang eines Staatssystems avanciert ist, so ist das kein anderer Zustand als in diesem Venedig, das eine Diktatur hatte und einen Dogen an der Spitze eines geheimen Rates, der in aller Welt in alle Dinge dreinredete und alle Welt zum Krieg hetzte. Der Mann, der zur Aufführung des Shyloek riet, hat gut gewußt, daß es immer solche Streicher gegeben hat, die ihr Volk aussaugten und sich rechtzeitig nach dem Prügelknaben umsaben. Damals hatten sie den Juden und heute haben sie ihn. Und sie beweisen doch nur, daß sie dem Geist gleichen, den sie begreifen. Nicht Shyloek steht vor dem Gericht der Menschheit, sondern Streicher und seine Rasse. Immer wieder Exzesse ln Polen Warschau, 10. November. (JTA.) Am heutigen Jahrestage des Todes des nationalistischen Studenten Waclawski, der während der Zusammenstöße zwischen Studenten vor vier Jahren in Wilna den Tod fand,! kam es, wie alljährlich, zu antisemitischen Ausschreitungen, die besonders ernstenCharakterin Wilna annahr men. Unruhen werden außer aus Wilna auch aus Krakau und Lemberg gemeldet. ln Warschau veranstalteten die natio-, nalistischen Studenten einen großen Umzug durch die Straßen, verprügelten jüdische Passanten und schlugen die Fenster jüdischer Geschäfte ein. Der Polizei leisteten die Demonstranten energischen Widerstand, so daß schließlich 40 Verhaftungen vorgenommen werden mußten. In Wilna wurden zahlreiche jüdisch« Passanten schwer mißhandelt, so daß sie ins Krankenhaus überführt werden mußten. Die Ghetto-Abstimmung Lemberg, 11. November. (JTA ' t liehe jüdischen akademischen Ve; ungen in Lemberg haben beschlossen, das von dem Rektor vorgeschlagene Plebiszit über die Einführung von Ghettobänken entschieden abzulehnen. Die sozialistischen Studenten verteiltra Flugblätter, in denen die demokratische Jugend aufgefordert wird, das Plebiszit zu boykottieren. Mehrere Flugzettelverteiler wurden von nationaldemokratlscheo Student«! blutig geschlagen. Auch der Verband der demokratischen Akademiker beschloß, das Plebiszit zu boykottieren. Bemerkenswert erweise hat die „Front der zentralen Einheit“, eine ukrainische faschistische Organisation, ihre Studenteogruppen aufgefordert, gegen das Hochschulghetto und für das Zusanunensltzen mit den Juden zu stimmen. Die ukrainischen Sozialisten werden das Plebiszit boykottieren, die bürgerlichen Ukrainer haben noch keinen Beschluß gefaßt. In einem nationaldemokratischen Flugblatt wird die Anordnung dee Rektors als Sieg gefeiert und verlangt, daß die Ukrainer gemeinsam mit Juden und getauften Juden abgesondert werden. Juden flüchten ans Polen Kascbau, 11. November. Aus K a rpatborußland wird gemeldet, daß zahlreiche jüdische Flüchtlinge die Grenze überschritten. Sie erklären, daß sie vor den Pogromen in den polnischen Provinzstädten flüchten. Häuserverwaltungen mit Ausfallgai an Ile übernimmt, Realitäten- und Hypothekengesdiäfte führt kulantest durch Norbert Weichselbaum behördl. konz. Büro, L, Lugeck 7, it 23-0-23 A|lerlei aus Erez Israel Spezüdec&eü§ün-fy FÜR FEINE HERREN-WASCHE FISCHER 8. FilPG AUE 1 wurden. Im Hof des Hadassah-Krankenhauses zu Jerusalem sowie vor dem Gebäude versammelte sich eine nach Tausenden zählende Menschenmenge, darunter Vertreter der Siedlungen und der. natio-! nalen Körperschaften. M. M. Ussischkin, Moshe Shertok, Elieser Kaplan, Dr. Magnes, David Yellian, begleitet von der Witwe seines Sohnes Avinoam, waren zugegen. Die Kameraden der Toten sowie die Witwe eines von ihnen in Ihrer Arbeitskleidung umstanden die Leichen. Die Szenen, die sieh abspielten, waren herzzerreißend. Oberrabbiner Herzog hielt die erste Rede. Die Welt, sagte er, müsse richten zwischen den Juden und ihren Feinden; nie hätten diese Feinde zu Frieden aufgerufen, doch die Juden hörten nicht auf, den Frieden herbeizusehnen. Shertok, der namens der nationalen Körperschaften sprach, erklärte, daß das jüdische Volk seine Heimat nicht vergessen werde, auch wenn Hunderte fallen sollten; Tausende und Millionen würden an ihre Stelle treten. Die Mission der Juden sei nicht Rache, sondern Aufbau, der fortgesetzt werden müsse. Angesichts der fünf neuen Opfer fordere der Jischuw von der Regierung energischeste Bekämpfung des Terrors. Nachdem das El Mole Rachamim gesungen worden war, wurden die Leichen in die mit Blumenkränzen gefüllten Lastwagen gehoben, und der Leichenzug setzte sich unter durchdringendem Schreien und Schluphzen der Angehörigen der Toten in Bewegung. Die' Beisetzung fand in Kirjath Anawim statt. die eüerttberfall auf friedlich ziehende Chaluzim, hat; wie aus arabis Quelle beriohtat wird, 1 zahlreiche Terroristenführer, um ihr Leben zittern, veranlaßt, Reißaus nach Syrienzu nehmen, Mitbestimmend war, daß die arabischen Dörfer sich weigerten, den Banden Schutz und Unterkunft zu gewähren. Anderseits ist es bezeichnend, daß Hassan S c h ü k r y, der Bürgermeister von Haifa, der sich ins Ausland begeben hatte, da sein Leben von den Terroristen mehrfach bedroht wurde, nach Palästina zurüokgekehrfc ist. Schükry hat sein Amt als Bürgermeister von Haifa wieder aufgenommeu. . Der Jischuw, der sich durch den Terror nicht einen Moment lang einschüebtern ließ, 'iRiiitmiifitiiiiiiMiimiiiimiiiiiiimmilBiiitimimiiliiimiiiiiiiKiilimiiiiiiiimilülliifintimiitiiiiimi BLAU - WEISS - Zünder (Keren-Kajemeth- Zfinder) erhältlich bei: Viktor Adlersberg, Trafik- und Haushaltartikel, Wien, VII., Zollergasse 5, Tel. B 33-402. •iiiiim!iuiiiiiiiitmitimmiiiiniimtimiminmwfiiiimiiiniiHmniiimiiifliiiiiiiiiHiRir»ftiiiiiiii!iii setzt den Aufbau unbeirrt fort. Der Präsident des jüdischen Nationalfonds Us s is chk i n hat am 8. November in Tel-Aviv in feierlicher Weise die Grundsteinlegung für das neue Gebäude des Keren Kajemeth vorgenommen. Der neue Bau ist für die Tätigkeit des Jüdischen Nationalfonds in Palästina bestimmt, während die Zentrale in Jerusalem verbleibt. An Einwohner von T e 1-A v i v und U mgebung, die während der Unruhen 1936 verwundet wurden oder Angehörige verloren haben, sind in der letzten Woche etwa 10.000 Pfund Entschädigung ausgezahlt worden. Der Höchstbefrag von 250 Pfund wurde er|auch die' AhgÄlMiiiulir; ermordeten Krankenschwestern Martha Fink und Nechama Zedek. In Fällen, wo andere Familienangehörige getötet wurden, sind Beträge von 80 bis 100 Pfund bezahlt worden. Für Verwundungen wurden Entschädigungen bis zu 25 Pfund gewährt. Wie* U Fraar-1 .Kai 6t (Schüttsurtot Warenkredi* zu Kassauresen WARENHAUS vl«- ohne Zinsen €hrftndnnffs|atar 1884. •traSB Nr. 68. Die Beerdigung der ermordeten Chaluzim Durch eine undeutliche Textierung der uns telegraphisch übermittelten Nachricht vom Überfall auf die Chaluzim, die sich auf dem Wege nach Kirjath Anawim befanden, wurde die Meinung erweckt, daß dem arabischen Anschlag sechs jüdische Arbeiter zum Opfer gefallen seien. Tatsächlich aber handelt es sich nur um fünf Personen, da die in der Depesche angeführten Namen B a r g i o r a und Baumgarten ein und dieselbe Person betreffen. Alle fünf Opfer stammten aus Polen. Migdal, der 26 Jahre alt war, läßt eine Frau und ein Kind zurück; Poc h o w s k y, 25 Jahre, war seit -zwei Monaten verheiratet; auch der 23jährige Mordechowitz läßt eine Frau zurück. Bargiora oder Baumgarten, 26 Jahre, und Ollishewsky, 23 Jahre alt, waren ledig. Nicht Hache, sondern Aufbau Auf Anordnung des Oberrabbinats ruhte die Arbeit im gesamten Jischuw, als um 3 Uhr nachmittags die Leichen der ermordeten fünf Chaluzim zu Grabe getragen WechseStnkasso Die Mandatskommission Die 33. Tagung der Ständigen Mandatskommission ist am 8, d. unter dem Vorsitz ihres Vizepräsidenten, Prof. William Rapp a r d, eröffnet worden. Prof. Rappard behandelte in seinen einleitenden Worten auch die Lage in Palästina. Er gab einen genauen Überblick über den gegenwärtigen Stand in der Behandlung des Palästinaproblems auf Grund der Debatten kn Völkerbundsrat, in der Völkerbundversammlung und in den Kommissionen des Völkerbundes. Die Mandatskommission beschloß, die für die jetzige Tagung vorgesehene Behandlung einer Reihe von Petitionen, die 6ioh auf Par lästina beziehen, bis zum nächsten Frühjahr zu verschieben. Unter diesen Petitionen befindet sich auch eine, die das jetzt verbannte Mitglied des Obersten Arabischen Ausschusses, Jemal el Husseini, dem Völkerbund unterbreitet hat. Diese Petition beschäftigt sich u. a. mit einer Rede, die der Vorsitzende der Zionistischen Organisation Amerikas, Dr. Stephen 8. Wise, auf dem letzten Zionistenkongreß gehalten hat. Der Klub zionistischer Kautieute in Wien, II., Praterstraße 7 (Catt Continental) veranstaltet Samstag, den 13. November, um H9 Uhr abends im Spiegelsaal des Hotels Continental einen Gesellschaftsabend mit Akademie und Tanz. Für erstklassige Künstler wurde gesorgt. Ah Mitternacht spielt die Kapelle Fuchs zum Tarn auf. Die Ansprache wirdvon Vizepräsidenten des Zionistischen Landesverbandes Dr. Richard Fokorny gehalten. An der Kassa werden nur mehr die bereits bestellten Karten zur Ausgabe gelangen. DER WELTBERÜHMTE OBERKANTOR M. KUSEWICKI (WARSCHAU) Singt vor seiner Reise nach Amerika nur einmal in Wien, und zwar am 16. November im Großen Musikvereinssaal im Rahmen den CHAISS-GEDENKFEIER Karten von S 1*50 bis S 6*- erhlltHdi Im: Zioniitisdten Landesveiband, I., Marc-Aurelstraße 5, U 89-2-11, Zionistische Bezirksselction Leopoldstadt, H., PraterstraBe 13, R 49-407, Bücherstube Rath, II., TaborstraBe 20, R 45-305; in sämtlichen Bezlrktseküonen, WIZO, I., Schottenring 25, A H-6 26/ Bücherstube Meistrik, l, Wof zelle 6, R 21-4-25; Jüdische Kultursteile, I., Kei 3, R 28-2-36, Ring der Alten _Hei ren-Vei bände, I:, Keh'merlct 8-10, U 23-4-37, Kartenzentrale Gronner, I., Graben 28, U 22-4-45

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