Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 11 (1937-1938)
- Issue
- Heft 693 (10.11.1937)
- Date
- 1937-11-10
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Kr. 098. — Wien, Mittwoch, 10. November 1987. Seit« 3 nisation in Argentinien, sehr warm begrüßt, der gebeten wurde, namens dee österreichischen Keren Kajemeth den dortigen Gg. Grüße zu überbringen. Die Wahl der neuen Landeskommlssion wurde sodann vorgenommen: Mitglieder de selben sind: Adolf Böh», Jose! AStmann, Mas Händler, Elias Berger, Dr. Kopsl Blum, Efra Böhm, Alfred Brandler, Arnold David, Dr. Her* mann Ebner, Eva Feuerstein, Mosche Fi&ohl, Morit* Flewchmaan, Dr. Erie FT&nkel, Georg Freiüoh, Simon Gaspard, Theodor Grubner, David Kofier, Grete Kollek, Israel Kaper, Lotte Plaschkee, Dr. Siegfried Plaschkee, Dr. Leon Breie, Dr. Bona Reizes, Fritz Richter, Doktor David Rothblum, Simon Saß, Mauryee Segal, Gustav Seidemann, Salo Sohmerlar, Leon Schräge, Dr. Mose* Stöckel, Dr. Chaim Tartakower, Dr. PhöbuB Tuttnaner, Frau Sabine Weiner, Abraham Zahler. Resolutionen Der Vorsitzende Dr. Preis verlas hierauf di© unten folgenden Resolutionen, die einhellig angenommen wurden: 1. Die Landeskonferenz stellt fest, daß dem Keren Kajemeth in der jetzigen für den Zionismus entscheidenden Periode erhöhte Aufgaben erwachsen und diaß er sie dann erfüllen können wird, wenn dieges i eh mit v ollem Ernste und tiefem Verantwortungsgefühle den Dienst des Keren Kajemeth stellt. Nur die gewissenhafte Pflichterfüllung eines jeden Zionisten wird die gesamte Judenheit zu regelmäßigen Förderern seines Bodenfonds zu erziehen vermögen. 2. Die Landeekonferenz begrüßt die Vereinbarung zwischen Keren Kajemeth und dem Mierachi, wonach die gesamte religiöse Judenheit aufgefordert wird, sich mit höchster Aktivität dem Keren Kajemeth als Spender und Mitarbeiter zur Verfügung zuetellen. Die Konferenz sieht in dieser Vereinbarung einen Weg, den Keren Kajemeth zum wahren Fonde de« gesamten jüdischen Volkes zu machen. 8. Die Landeskonferenz des Keren Kajemeth entbietet Salman Schocken, dem Governor des Fonds anläßlich seines sechzigsten Geburtstages herzliche Grüße und dankt ihm für die hervorragenden Dienste, die er dem Fonds geleistet hat. 4. Mitglieder der Landeskommission müssen Keren Hajessod-Zahler sein. Die bei der heutigen Konferenz gewählten Mitglieder werden — insofern sie noch keine Keren Hajessod-Zahler sind, aus der Landeskommfesion ausgeschlossen, wenn sie nicht nach ihren Vermögens Verhältnissen sogleich mit der Zahlung von Keren Hajessod beginnen. 5. In das Präsidium des Keren Kajemeth dürfen nur Personen gewählt werden, die seit mindestens fünf Jahren organisiert nnd nach ihren Vermögensverhältnissen seit mindestem zwei Jahren Keren Hajessod-Zahler sind. 6. Die Landeskonferenz vom 7. November 1937 erhebt die Anerkennung, die die Landeskommission vom 26. Oktober 1937 Herrn Dr, Chaim Tartakower als Leiter des österreichischen KKL.-Büros für seine langjährige aufopfernde Tätigkeit für den Jüdischen Nationalfonds ausgesprochen hat, zu eigenem Beschluß und spricht ihm überdies wärmsten Dank für seine gesamte zionistische Arbeit aus. 7. Die Landeskonferenz spricht der Beamtenschaft des Keren Kajemeth die Anerkennung und den Dank dafür aus, daß sie von echtem zionistischem Pflichtbewußtsein getragen, ihr ganzes Wissen und Können in den Dienst des Keien Kajemeth stellt. Zum Schlüsse verlas Gg. Dr. Tartakower die Namen aller Gruppen und Einzelpersonen, die wegen ihrer Verdienste um den Keren Kajemeth im Geschäftsjahre in den „Pinkas des Keren Kajemeth“ eingetragen wurden. In der Rubrik „Die Arbeit des Keren Kaiemeth“ werden wir dann diese Namen publizieren. Nachtrag. Bei der feierlichen Eröffnung der Landeskonferenz des Keren Kajemeth am Montag, den 1. November, wurde die Konferenz auch durch die Gg. Dr. Leopoll Plaschkes für den Verband der raiik. 7ionisten und Gg. Dr. Paul Sokal namens des Binjan Haarez begrüßt. Jüdische Volksbibliothek „Zion“, Wien. H. Kleine Mohrengasse 3. Samstag, den 18. d., 8 /Uhr abends, Filmvorführung: „Der XX. Zionietenkongreß.“ Erläuternde Wort«: Dr. Goldhanwner. Anschließend Schalom-AIejchero-Vorlesung (S. Haber). Was unsere Kultusgemeinde leistet Schwer sind die Lasten der Wiener Kultusgemeinde, und von Jahr zu Jabr steigen die Anforderungen an sie auf allen Gebieten, auf denen sie die jüdische Bevölkerung Wiens zu betreuen hat. Was sie leistet, kann man ersehen, wenn man bloß einige Ziffern ihres Budgets erwähnt. Im vorigen Jahr machten di« Ausgaben Sür Kultus- und rituelle Angelegenheiten 1,038.984 S aus. Mit dieser Summe wurden sechs große Tempel erhalten, sowie 14 große Vereinstempel und 54 ständige Bethäuser subventioniert, der Gottesdienst an den hoben Feiertagen in sechs großen, temporären Betbäusern und in 60 privaten Veranstaltungen versorgt, das rituelle Bad geführt, die feierliche Abhaltung von Bar Mizwah-Kursen und zahlreiche unentgeltliche Trauungen ermöglicht, nnd noch vieles andere. Für den Unterricht und die religiöse Erziehung der Jugend wurden 626.570 S auSgewendet- In dieses Kapitel gehört die Erteilung des Religionsunterrichtes in 142 Volks- und Hauptschulen sowie an Handels- und Fortbildungsschulen, die Überwachung des Religionsunterrichts an Mittelschulen, die Erhaltung von 40 Bibel- und Hebrftischschulen, die Subventionierung von 24 Vereinsbibelsohulen, die Gewährung von Schulgeldbeiträgen für Fach- und Fortbildungsschulen und von Unterstützungen an Hoohschüler für Taxen, die Erhaltung einer eigenen jüdischen Volksschule und eines Kindergartens, die Subventionierung der Theologischen Lehranstalt, des Chajes-Realgymnasiums, der Volks- und Hauptschule des Wiener Talmud-Thora-Vereines, der Frauengewerbeschule des Dr.-Krüger-Heimeines, sowie vieler anderer Schulen, wissenschaftlicher Institutionen und Vereine und schließlich die Erhaltung der großen Gemeindebibliothek. Hiebei sei noch erwähnt, daß eine Jugendbibliothek in Bildung begriffen ist. Die gewaltige Fürsorgeaufgabe Die größte Post macht begreiflicherweise die Fürsorge aus. Sie beüef sich im vorigen Jahr auf 1,654.320 S, nachdem sie sechs Jahre vorher nicht einmal die Hälfte (736.800 S) betragen hatte. Die Fürsorge erstreckt sich auf fallweise und periodische Barzuwendungen, auf die Abgabe von Lebensmittelpaketen und Heizmaterial, auf die umentgeltliebe Ausspeisung in den hiefür bestehenden Anstalten, auf die Bekleidung von Kranken, auf Kurbeiträge und auf Bekleidung. Besonders hervorgehoben zu werden verdienen die Unterstützung von Künstlern und Angehörigen intellektueller Berufe, die Pessach- Aktion, durch die Tausende von Personen Mazzoth und Lebensmittelpakete bekommen, die großzügige Winterhilfsaktion (tägliche Ausspeisung von 1800 Personen, Heizmaterial, Lebensmittel, Bekleidung), die Wanderfürsorge, die Aktion für die deutschen Flüchtlinge — es werden derzeit nooh etwa 850 Personen befürsorgt —, zinsenfreie, Darlehen, die unentgeltliche Stellenvermittlung, die Berufsumschicbtung, die Subventionierung jüdischer Fürsorgeinstitutiohen und die Unterbringung von Kranken im Spital der Kultusgemeinde unter gänzlichem oder teilweisem Nachlaß der Verpflegsgebühran mit einem Erfordern»« voa mehr als 200.000 'S. Das Spital der Kultusgemeinde hat einen Belegraum von 250 Betten und beherbergte im vergangenen Jahr 2786 Patienten. Außerdem wurden 27.700 Patienten ambulatorisch behandelt. Operationen gab es 2634. Alle diese Ziffern sind heuer schon bis Ende September erreicht. Die Ausgaben für die Erhaltung des Spitals machten 1936 854.329 S aus. Das Altersheim der Kultus« gemeinde in dem sich 447 Pfleglinge befinden, erfordert jährlich über 500.000 S. Es bat eine vollständig modernisiert» Küche, ein prächtiges chemisches Laboratorium, neue Apparate für Diathermie und Höhensonne sowie einen Elektro-Kardiograph. Das Kinderambulatorium im Aüg&rten, da« ohne Unterschied der Konfession zur Verfügung steht, erteilt jährlich fast 9000 Ordinationen. Dem Ambulatorium ist seit einigen Jahren eine Erziehungs- Beratungsstelle angeschlossen. Im engen Zusammenhang mit dem Ambulatorium steht das Sonnen-Tagesheim für kränkliche Kinder (alljährlich mehr als dreihundert Kinder). Die Jugendfürsorge beaufsichtigt und unterstützt durch ständige oder fallweise Erziebungsbeiträge Kinder bis zum 18. Lebensjahr. Sie sorgt für dauernde oder vorübergehende Unterbringung von Kindern in "geeigneten Heimen oder bei Pflegeeltern. Hiezu gehören auch die Fürsorge für Säuglinge und deren Mütter, die Subventionierung von sieben jüdischen Kindergärten, die Erhaltung der Tagesheimstätte in der Aspernbrückengasse und die große Erholungsfürsorge für schulpflichtige Kinder im eigenen Erholungsheim und in zwei großen, gemieteten Objekten, die ebenfalls außerhalb Wiens liegen. Zum Schluß sei auch auf das Friedhof- und Beerdigung«- der Kultusgemeinde hingewiesen. Derzeit sind drei Friedhöfe in der Verwaltung der Gemeinde (Zentralfriedhof, I. Tor, Zentralfriedhof. IV. Tor und Friedhof in Floridsdorf). Die schon weit vorgeschrittene Belegung des neuen Friedhofes in Simmering zwang die Gemeinde, an den neuen Friedhof angrenzende Flächen im Ausmaß von ungefähr 70.000 Quadratmeter zu erwerben. Der wirtschaftliche Niedergang der Wiener jüdischen Bevölkerung zeigt sich in dem Ansteigen der unentgeltlichen Beerdigungen. Diese nnd die Beerdigungen zu ermäßigten Gebühren sind im Verlauf weniger Jahre auf mehr als da« Doppelte gestiegen. Alle diese Ziffern und Feststellungen vermögen nur einen schwachen Begriff von den ungeheuren Ausgaben der Kultusgemeinde zu geben. Um sie klaglos erfüllen zu können, braucht sie, wie man sieht, riet Geld. Die Anforderungen werden aber, wie gesagt, von Tag zu Tag größer, insbesondere bi der Fürsorge. Der Vorstand der Israelitischen Kultusgemelnde Wien wandte sich an 39.600 Steuerzahler mit einem Aufruf um Leistung eines 20 % igen freiwilligen Zuschlages zur Kultussteuer für die Winterhilfe und die verschiedenen Fürsorgeaktionen der Kultusgemeinde. Alle müssen helfen, niemand darf sich ausschließen! Juden Wiens! Helfet in dieser Zeit der Not und zahlet den 20% igen Zuschlag ehestens ein! Die Vorgänge In Danzig: Jüdischer Weltkongreß an Wie schon kurz berichtet, hat die Exekutive des Jüdischen Weltkongresses, die sieben Millionen Juden repräsentiert, an die Außenminister von Frankreich, Großbritannien und Schweden, Delbos, Eden und Sandler, welche das vom Völkerbundrat mit der Beobachtung der Lage in Danzig betraute Dreierkomitee bilden, ein von dem Präsidenten Dr. Stephen S. W i s e Unterzeichnete« Schreiben gerichtet. In diesem Memorandum bringt die Exekutive des Jüdischen Weltkongresses die Trauer und die Entrüstung der jüdischen Welt über die schweren antisemitischen Ausschreitungen zum Ausdruck; die in Danzig seit dem 19. Oktober etatfcgefunden haben, ohne daß die Organe dee Völkerbundes, einschließlich des Hoben Kommissars der Freien Stadt Danzig, eingeschritten wären. Dis Exekutive erinnert daran, daß sie seit einem Jahr wiederholt die Aufmerksamkeit des Völkerbundrate« auf die Angriffe gelenkt bat, welche gegen die jüdischen Bewohner Danzigs in Verletzung der vom Völkerbund garantierten Verfassung vorbereitet wurden. Die Exekutive des Jüdischen, Weltkongresses stellt fest, daß ihre dringenden Appelle leider ohne Erfolg geblieben sind. Der nationalsozialistische Gauleiter von Danzig hat in einer außerordentlich heftig: Rede am 10. Oktober eine einschneidende Aktion angekündigt, durch die da« „j üdische Gesindel“ in Danzig in den gleichen Zustand versetzt werden soll, wi die jüdische Bevölkerung im Reich. Keinerlei Intervention des Völkeriet auf diese aufreizende Kundgebung erfolgt; acht Tage später fanden Ausschreitungen mit ausgesprochenem Pogromcharakter statt-, die, von den Behörden organisiert, in Form von Plünderungen und tätlichen Angriffen von unerhörter Brutalität stattfanden, ohne daß den Danziger Juden irgend ein Schutz zuteil geworden wäre. Das Memorandum besagt am Schlüsse: „In einem Gebiet, das dem hohen Schutz des Völkerbundes unterstellt ist, leben menschliche Wesen, denen man nichts verwerten kann, Männer, Frauen und Kinder, unter einem unbeschreiblichem Druck... Wir erlauben uns, den Appell zu wiederholen, den wir in unserem Memorandum vom 9. Dezember 1936 an Sie gerichtet haben. Angesichts dieser unhaltbaren Lage wendet eich die Exekutive des Jüdisch« Weltkongresses an die Mitglieder des Völkerbund rate« und beschwört sie, den Yölkerbundaussthuß keineMinutemehrzuverlieren, um die Rechtslage in Danzig wiederherzustellen.“ Verhaftungen und Vermögenskonfiskationen Warschau, 9. November. (JTA.) Die nationalsozialistischen Behörden in Danzig setzen die Vermögenekonfiskationen und die Verhaftungen unter den jüdischen Industriellen und Finanzleuten fort. Unter anderen wurden der Inhaber des gToßen Danziger Warenhauses Nathan Sternfeld und der Großindustrielle Dr. Grundmann, bulgarischer Honorarkonsul, verhaftet. Abg. Pr. Sommeretein hat im polnischen Außenministerium in Zusammenhang mit den Verhaftungen polnischer Staatsangehöriger interveniert. Nächtliche Razzia im Budapester Judenviertel Das ungarische Fremdenkontrolla m t hat in der Nacht auf Sonntag eine große Razzia im Budapester Judenviertel durchgeführt,. Die Detektive ließen sich die bereit« geschlossenen Haustore öffnen, drangen in die Wohnungen der Parteien ein und forderten eie auf, ihre Dokumente, beziehungsweise Aufenthaltebewilligungen vorzuzeigen. Wer «ich nicht sofort ausweisen konnte, wurde in da« Schubhau« (Zwangsarbeitshaus) mitgenommen. Insgesamt wurden 503 Personeneteilig gemacht. Die Verhöre dauerten den ganzen Sonntag hindurch. Die Reichetageabgeordneten Rupert und Fabian fanden sich bei der Oberstadthauptmannschaft ein, um eine schnelle Freilassung der Inhaftierten zu veranlassen. Von diesen wurden schließlich nur 29 zurüefcbehalten, da eie keine Aufenthaltsgenehmigungen vorweisen konnten. Sie sollen ausgewieeen werden. Das ungarische Telegraphenbüro gab ein amtliehe« Commuaiquc aus, dem die Bemerkung angeschJossen iet, daß die Fremdenkontrolle in Zukunft noch strenger gehandhabt werden wird. Ein antisemitische« Montagsblatt bemerkt, die Maßnahmen der Polizei seien außerordentlich gerecht, da der Zustrom von „Galizianern“ ins Land derart überhandgenommen habe, daß dies zu einer Gefahr für Ungarn geworden iet. Demgegenüber wird von jüdischer Seite darauf hinge- | wieeen, daß Ministerpräsident D a r a n v i I selbst vor kurzem erklärt habe, daß in den j letzten Jahren überhaupt keine Ga- __, weil der Grenzverkehr außerordentlich! streng kontrolliert wird. Sichern Sie sich rechtzeitig Ihre Karten Für die CHAJES-Gedenkfeier am 16. NOVEMBER im Großen Musikvereinssaal