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Die Stimme · 1937-11-10 · Heft 693 (10.11.1937) · page 3

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Journal
Die Stimme
Volume
11 (1937-1938)
Issue
Heft 693 (10.11.1937)
Date
1937-11-10
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Saite 3 DER WELTBERÜHMTE OBERKANTOR M. KUSEWICK! (WARSCHAU) Singt vor seiner Reise nach Amerika nur einmal in Wien, und zwar am 16. November im Großen Musikvereinssaal im Rahmen der CHAJES-GEDENKFEIER Karten von S 1*50 bis S 6erhältlich Im: Zionistischen Landesverband, l„ Marc-Aurelstraße 5, U 29-2-11/ Zionlstisdie Bezirkssektion Leopoldstadt, II., PraterstraBe 13, R 42-407; Büdierstube Rath, II., Taborstraße 20, R 45-305/ in sämtlichen Bezirkssektionen, WIZO, I., Schottenring 25, A 11-6 26/ Büdierstube Meistrik, I., Wolizeile 6, R 21-4-25/ Jüdische Kulturstelle, I., Kai 3, R 28-2-36/ Ring der Alten __ Hei ren-V ei bände, I:, Koh'markt 8-10, U 23-4-37. _ Grenzen der Verjudung Die British and Foreign Bible Society, die seit dem Jahre 1803 besteht, wird am Ende des laufenden Geschäftsjahres 500 Millionen Exemplare der Bibel herausgebracht und allen Völkern der Welt, die Wilden Afrikas und Australiens miteingerechnet, in ihrer Muttersprache zugänglich gemacht haben. 500 Millionen Exemplare eines einzigen jüdischen Buches, noch dazu jenes Buches, in dem der jüdische Geist am reinsten und eindruckvollsten subimiert ist! Bedarf es noch weiterer Beweise, welch gewaltiges Ausmaß die V e r j u d u n g der Welt bereits angenommen hat? Bitte sehr, wir können noch mit anderen dienen: Zu Allerheiligen strömt alljährlich im katholischen Österreich das Publikum zu den von frommen Dilettantenvereinen im Wettbewerb mit vielen ständigen Theatern veranstalteten Aufführungen von Raupachs Tragödie „Der Müller und sein Kind“. Daran hat sich seit hundert Jahren nichts geändert. Raupach, „das Jüdchen Raupel“, wie ihn Heinrich Heine nannte, ist auch im christlichen Ständestaat der beliebteste Autor gerade jener Volksschichten geblieben, deren katholisches Pietätsgefühl auch künstlerischer Weihe nicht entbehren will. Und dieser katholische Brauch hat jetzt sein protestantisches Gegenstück in England gefunden, wo Berthold Viertels Verfilmung des Christusstückes von Jerome „Der Fremde“ von den Volksmassen als religiöse Weihestunde genossen wird. Es muß festgestellt werden, daß nur das Dritte Reich dieser gigantischen Gefahr der allgemeinen Verjudung gegenüber verständnisvoll auf treuer Wacht steht. Es richtet seinen Abwehrkampf mit gleichem Mißtrauen gegen den „epileptischen Rabbi“ Paulus, der nach der neuesten Enunziation nationalsozialistischer Kulturkämpfer schuld daran ist, daß das Christentum nach Rom gelangt und so erst imstande geworden ist, anstatt als eine der vielen jüdischen Sekten zu enden, eine Weltreligion zu werden, wie en die späten Nachfahren des Apostels, beute ebenso beflissen seien, die Welt dem jüdischen Geiste dienstbar zu machen, nur daß sich ihr Agitationszentrum von Rom nach Moskau verschoben habe. Die aus dem christlichsozialen Lager hervorgegangenen Antisemiten Österreichs bringen leider nicht die gleiche Konsequenz auf. Sie verfolgen die jüdischen Spuren bloß nach Moskau; die nach Rom, wohin doch einst alle Wege führten, übersehen sie aber geflissentlich. Sie verschließen sich daher der Forderung der „de-utsehehristlieben Nationalkirche“ nach „Umschmelzung“ des Christentums in einen Mythos von Alfred Rosenberg und schlagen bei Abwehr der „Judengefahr“ so groteske Irrwege ein wie jenes Wiener Pfarrblatt, das jüngst seine gläubigen Leser vor der Sünde warnte, jüdische — Schuhe zu kaufen — während der neuheidnische „Durchbruch“ die jüdisch-christliche Symbolik zum Verschwinden bringen will, die sieh in Städtenamen wie Heiligenstadt, Gottesberg usw. breitmacht. Auch das „Wiener Montagsblatt“ bleibt auf halbem Wege stehen. Die Beschuldigung einer Wiener Jüdin, Freiwilligentransporte nach Spanien organisiert zu haben, gibt ihm Anlaß, auf die „innigen Zusammenhänge zwischen Marxismus und Judentum“ hinzuweisen, aber auch, diese Zusammenhänge psychologisch zu motivieren: „Ob Schmuggel mit Valuten, mit Rauschgift und anderen verbotenen Dingen oder mit Menschen..das Blatt findet immer Juden an der Spitze. Nach dieser Darstellung ist es der Hang nach Verbotenem, was die Juden reizt. Gerade diese Auffassung hätte einen konsequenteren Entbüller der Jndengefahr zu höchst aufschlußreichen Rückblicken in die Antike veranlaßt. Denn es ist nun einmal historische Tatsache, daß auch die Propaganda für das Christentum in Rom zu den verbotenen Dingen gehörte, als sie von den judäischen Aposteln dort betrieben und schließlich mit dem Tode gebüßt wurde. Die Arier haben sich der Pflege und Ausbreitung der christlichen Lehre erst dann hingegeben, als sie eine Macht frage geworden war. Das meinte wohl auch Alfred Rosenberg, als er jüngst in Freiburg ausführte: „Das Christentum wäre auf den Horizont des Mittelmeeres beschränkt geblieben, wenn die Germanen nicht ihre schöpferische Kraft in die neue Religion hineingetragen hätten.“ Juden aber setzen noch heute für ihr Bekenntnis ihr Leben aufs Spiel — in Rußland ebenso wie anderswo. Es wäre aber eine den Tatsachen widersprechende Ungerechtigkeit, daraus eine verallgemeinernde Rassenthese abzuleiten. Ebenso wie die Judenchristen unter den Juden des Altertums eine Minderheit blieben, sind es heute die Marxisten unter den modernen Juden. Vielleicht wird ein Werfel künftiger Jahrhunderte dies zum Vorwurf eines Dramas „Marx unter den Juden“ machen. Auch das „Wiener Montagsblatt“ kann In dem von Kummer und Sorge erfüllten Galuth-Alltag ist man durch ein bißchen Sonne und Helligkeit doppelt beglückt. Diese Tatsache offenbarte sich mir, als ich an einem grau verhängten Novembertag neben der Mauer des im Nebel verschwimmenden Augartens ging. In mir war heller Sonnenschein: Ich hatte soeben die Volksschule der Kultusgemeinde in der Castellezgasse besucht. Nicht als Schüler war ich dort gewesen, sondern als ein sich informierender Besucher. Aber wie gerne wäre ich noch Schüler, um mich in dieser Schule Tag für Tag aufhalten und belehren lassen zu dürfen. Erster entscheidender Eindruck: Große, freundliche, helle Lehrz,immer, an den Wänden Bilder und von Kindern angefertigte Zeichnungen, jedoch nicht das geringste Kleidungsstück — stolz zeigt mir Oberlehrer Max J e 11 in e k einen neben den Schulklassen befindlichen Räume, die als Garderobezimmer verwendet werden — und an sauberen Pulten eine frohe Kinderschar. Die fünf Klassen ln der Castellezgasse Diese Buben und Mädel, sie sind ein Kapitel für sich. Noch nie sah ich in einer Schule so viel nette, gut aussehende, geistig regsame und am Unterricht lebhaften Anteil nehmende Kinder wie in der Volksschule der Kultusgemeinde. Der Herr Oberlehrer gestattet mir einen Rundgang durch alle fünf Klassen der Schule, durch die zwei ersten und zweiten Klassen (je eine für Knaben und Mädchen) und die dritte gemischte Klasse. Überall das gleiche Bild: Anregende Art des Unterrichts durch Lehrpersonen, die offensichtlich die vollste Zuneigung der Kinder haben und mit ihnen wie mit guten Kameraden umgehen. Zuerst schaue ich in die zweite Bubenklasse des Oberlehrers hinein. Es wird gerade Lebenskunde durchgenommen und man spricht vom Wind und seinen Vor- und Nachteilen. Jeder der Kleinen weiß etwas dazu zu sagen. In der zweiten Mädelklasse läßt die Lehrerin Fräulein Gerda Mittelmann Lesen. Ich bin erstaunt über die vortreffliche deutsche Aussprache und dem gutpointierten Vortrag. Die Mädels der ersten Klasse lernen Rechnen. Die Lehrerin Frau Nelly Sommer läßt sie mit Stäbchen und Plättchen, die Nüsse, Apfel und dergleichen Dinge vorstellen, hantieren. Mit Sicherheit weiß jede der kleinen Damen auzugeben, wieviel Nüsse von sechs bleiben, wenn man vier wegnimmt, oder wieviel Nüsse sie haben, wenn man ihnen zu dreien drei gibt. Erwachsen fühlen sich die Dreikäsehoch der ersten Bubenklasse, weil ihnen Lehrer Erich Stein zeigt, wie ein Schreibheft ausschaut, in dem sie nun zum ersten Male ihre Schreibkünste mit Tinte und Feder üben sollen. Die dritte Klasse befaßt eich natürlich schon mit höheren Dingen. Auf der Tafel lese ich das Wort Alkohol und dazu verschiedene Eigenschaftswörter. Der. Klassenlehrer Dr. Alfred Apeler erläutert! mir, daß 6t mR seinen Zöglingen im Rahmen der Sprachlehre das Thema Alkohol erörtert hat. Bald darauf ertönt das Klingelzeichen. Die Stunde ist zu Ende. Nach der Pause kommt der Hebräischlehrer feak Herzberg in die dritte Klaese. Er läßt die Buben und Mädel ein hebräisches Lied singen. Frisch klingen d» Stimmen. Besondie These nicht aufrecht halten, daß die Juden nur Verbotenes tun. In derselben Nummer, in der es diese Weisheit verzapfte, gibt es seiner Freude Ausdruck, daß alle polnischen Hochschulen nach dem Muster der Universitäten für die jüdischen Hörer Ghettobänke aufstellen wollen. Die Juden betreiben also nicht ausschließlich Schleichhandel mit Valuten, Rauschgiften usw., sondern sie haben auch höchst ehrenvolle Ambitionen nach Bildung. Bezeichnenderweise findet das „Wiener Montagsblatt“ auch diese für strafwürdig! Und das ist immerhin ein Trost für die Angstmeier, die von der allgemeinen Verjudung das Ärgste fürchten... Dr. H. Sp. dere aber fällt ein kleiner stämmiger Bub auf, der einen Solopart, singt: Seine Kehle ist voll tönenden Metalls — ein künftiger Joseph Schmidt. Die Prunkstücke der Lehrmittelsammlung Ich muß natürlich auch noch die Lehrmittelsammlung anschauen. Sie ist vorläufig klein, aber wird vom Oberlehrer mit den bescheidenen Mitteln, die ihm zur Verfügung stehen, systematisch ausgebaut. Mit Genugtuung zeigt er mir die Bilder für Heimat- und Lebenskunde, die er speziell für seine Schule hat hersteilen lassen. Soeben ist eine stimmungsvolle Darstellung des jüdischen Friedhofes in der Seegasee der Sammlung einverieibt worden, in der ich ein farbenprächtiges Bild de® Innern des Seitenstettentempels finde, dann eines, das einen Markt veranschaulicht. Man sieht einen „Gänslerstand“, auf dessen Tafel das Wort „koscher“ prangt und hinter dessen Bude! eine handfeste „Ganslerin“ thront.; Erwähnt sei das Bild einer Kücheneinrichtung. Auf der einen Tür des Schrankes steht ein großes F, auf der anderen ein großes M. „Falsch“, sagte ein Schüler der II. Klasse beim Anblick des Bildes, „für ,fleischig1 und für ,milchig1 müssen separate Kastei sein.“ Nach dem Besuch dieser prächtigen Schule, in der Zöglinge aus nahezu allen Bezirken Wiens, selbst aus dem so weit entfernten Simmering unterrichtet werden, und zwar ein großer Teil der Schüler unter gänzlicher Befreiung vom Schulgeld, die meisten übrigen gegen eine Ermäßigung des regulären Schulgeldes von 10 Schilling pro Monat, hat man bloß noch zwei Wünsche: 1. Hoffentlich wird diese vom Stadtschulrat wiederholt belobte Schule nicht mit der vierten Klasse abgeschlossen werden, sondern sich zur Hauptschule entwickeln, zumal da nach dem Wunsch der Eltern, die immer wieder fragen, ob die Hauptschule kommen werde, mehr als die Hälfte der Kinder nicht in die Mittelschule gehen wird: die Eltern haben endlich eingesehem, daß heutzutage das Mitteleehutetudium aussichtslos ist. 2. Das Gartenstückchen, das sich auf der Straße unmittelbar an das Schulgebäude anschließt, wird hoffentlich von der Kultusgemeinde erworben und dem Schul territorium angegliedert werden, damit die, Kinder bei gutem Wetter in den Pausen sich ein wenig im Freien tummeln könnten. E. R. Ehe, Ethik und Einstein in Meyers „Allbuch“ Vor wenigen Tagen äst im Bibliographischen Institut Leipzig der dritte Band des neuen deutschen Allbuches (Meyers Konversations-Lexikon), das die Buchstaben D, E und F umspannt, erschienen. Auch dieser j Band ist, wie die beiden ersten, vollkommen der nationalsozialistischen Weltanschauung unterstellt. So findet man zum Beispiel unter dem Begriff Ehe folgende Eintragung: Ehe ist die Vereinigung zwischen Mann und Frau der gleichen Rasse, die in vollkommener Gemeinschaft leben. Über Albert Einstein wird gesagt: Der Jude Einstein entwickelte stets die Aktivität eines Salonbolschewiken und ist der Entdecker der absurden Relativitätstheorie, eine Lehre, die Je ' “ch durch großzügigste Propaganda der jüdischen Weltpresse zu einiger Bedeutung gelangt ist. Dieser Theorie ist keinerlei Wert beizumessen, weil sie auf sehr abstrakten Begriffen aufgebaut ist. Über Ethik sagt, das Allbuch bloß, daß die deutsche Ethik vollkommen mit dem Begriff der deutschen Rasse und des deutschen Volkes Umrissen erscheint. Salmann Schocken 60 Jahre Am 29. Oktober feierte Salmann Schocken, der Vorsitzende des Verwaltungsrates der Hebräischen Universität Jerusalem, seinen 60. Geburtstag. Schocken wurde 1877 in Margonin (Provinz Posen) geboren. Schon früh aus äußeren Gründen in den kaufmännischen Beruf gedrängt, schuf er gemeinsam mit seinem Bruder Simon den Sehocken-Konzern, der 1933, als Salmann Schocken Deutschland verließ, mit 19 eigenen Warenhäusern zu den fünf größten deutschen Warenhauskonzernen gehört«. Er war Vorsitzender des Verbandes Deutscher Waren- und Kaufhäuser, Vorstandsmitglied der Hauptgemeinschaft des Deutschen Einzelhandels sowie Mitglied des Reiehswirtschaftsrates. Neben seiner kaufmännischen Tätigkeit widmete S. Schocken seit jeher einen großen Teil seiner Arbeit kulturellen, vor allem jüdisch -kulturellen Aufgaben. Seit 1910 nimmt S. Schocken führenden Anteil am zionistischen Loben, insbesondere auf kulturellem und wirtschaftlichem Gebiet. 1921 wurde er in den Finanz- und Wirtschaftsrat der Zionistischen Organisation gewählt, 1923 in das Kuratorium des Jüdischen Nationalfonds. 1930 gründete er das Forschungsinstitut für Hebräische Dichtung, 1932 den Schocken-Verlag. 1934, bald nach »einer Übersiedlung nach Erez Israel, wurde S Schocken zum ehrenamtlichen Schatzmeister der Hebräischen Universität gewählt, 1935, mit Einführung der neuen Universitätsverfassung, zum Vorsitzenden des Exekutivrates. In diesen Eigenschaften übt S. Schocken einen bestimmenden Einfluß a,uf die Entwicklung der Hebräischen Universität aus. 1935 begründete er die Abteilung für Organisation und Information an der Hebräischen Universität, um Verständnis und Interesse weitester Kreise für die Bedeutung der Hebräischen Universität sowie für ihre besonders schwierige finanzielle Situation zu erwecken. Vor wenigen Wochen hat er der National- und Universitätsbibliothek eine große Anzahl außerordentlich kostbarer Inkunabeln, darunter Unica, aus seiner berühmten Inkunabelnsammlung zum Geschenk gemacht. ' Die wissenschaftlichen Mitarbeiter und die Beamten der Universität haben anläßlich des 60. Geburtstages von Herrn Schocken einen Studienpreis auf den Namen Salmann Schocken gestiftet. > Die Münchener Ausstellung München, 9. November. (Privat.) Anläßlich der Eröffnung der Ausstellung ,,D e r ewige Jude“ hat das bayerische Staatsschauspiel im Residenztheater unter demselben Titel eine Festvorführung veranstaltet. Zweck der Aufführung war, den jüdischen Charakter in der Form auf der Bühne darzustellen, wie ihn die Streichersche Propaganda darstellt. Al« erstes wurde eine Szene dargestellt auf Grund der Lutherechen Streitschrift gegen die Juden. Es folgten dann Rezitationen auf Grund von Aussprüchen Streichere und ähnlicher Deutscher sowie auf Grund von Aussprüchen bekannter jüdischer Persönlichkeiten, die selbstverständlich in tendenziöser Weise zuearamenge® teilt waren. Schließlich wurde die Shylock-Szene aus Shakespeares„Kaufmannvon Venedig“ dargeetellt. Als Hauptdarsteller fungierte Alexander Golling. In der eigenen Volksschule: Frohe jüdische Kindheit

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