Mannheim
Compact Memory

Die Stimme · 1937-11-08 · Heft 692 (8.11.1937) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Stimme
Volume
11 (1937-1938)
Issue
Heft 692 (8.11.1937)
Date
1937-11-08
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3053752-3054431-3054449--7047-3520201
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Ni. 998. — Wien, Montag, 8, November 1987. DIE STIMME Seite 3 tert sei, weil Kisch, der damals dem Stab des Kriegsmlnieteriuins zugeteilt war, Jude i*t. Diese in der Broschüre enthaltene Beschuldigung wurde in einer arabischen Zeitung Palästinas wiederholt und dem Kläger dadurch erheblicher Schaden zugefttgt. Nunmehr hat Oberstleutnant Hutehtoofi jegliche Unterstellung unzweideutig zurückgezogen und erklärt, daß nicht die geringste Begründung für diese vorhanden war. Vor Gericht erklärte sein Rechte Vertreter, Hutchison sei bereit, dem Kläger eine Ent-eiiiidigung von 100 Pfund für die Kosten der Klage zu zahlen. Oberstleutnant Kisch ist auf den VerglelchsvOrschlag eingegangen, weil er der Ansicht ist, daß ein Angriff auf «eine Ehre durch eine Geldbuße nicht wieder gutgemacht werden könnte. iilmlliiiMillliillliliiiiiliililiiillliminMililiiililllliiiiiimiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiliiiiiiiiiliililllliiniiwnHiiiiiiiiiiiiinnimiiiiiinimiiliiiiiiisiiiiiiiiiiimiiiiiniiiiiiiaiiiiiiiiniiffliiiiiiiiiliiimiimHinine Das „gefährliche Älter" kennzeichnet sich oft dadurch, daß die Haare ergrauen. Das kombinierte Haarstärkungswasser „Entrupal" erweist sich als vorzügliches Mittel gegen graue Haare, beseitigt Kopfschuppen und Haarausfall. Originalrlasche S 8'80 — Ir Fachgeschäften Apotheke Bayer,!en, E.,WolzeI9el3 Der Verniditungsfeidzug gegen die Danziger Juden London, fl. November. (JTA.) Ein Sonderkorrespondent des „Daily Heraid“ berichtet »einem Blatte aus Danzig, daß zahlreiche Danziger Juden über die polnische Grenze flüchten, um der Welle antisemitischer Gewalttaten zu entgehen, die seit mehr als 14 Tagen über das Gebiet des Freistaates geht. Worte können kaum die Grausamkeiten schildern, schreibt der Korrespondent, die von offizieller Seite ersonnen, sanktioniert und geübt werden. Der antisemitische Feldzug ist ein Schritt in der Richtung der vollkommenen Gleichschaltung Danzigs. I o«. Bezirkssektion, WIZO u. Jugendsektion. II UnddraBer Hauptstr. 9 Dienstag, 9., November 1937, halb 9 Uhr abends Dr. Egon Michael Zweig (Jerusalem): „2 Jahre Palästinagesdiidite" Wiener Boykotthetze lieh «ttCg'etipebaMii Erkältung veswabo* ben. Einem «üabwetoen Blatte zufolge tritt nicht bloß der High-Commissioner, sondern aut* der Dtotriktskönnmtosäaf von Jerusalem, Gooffrey McLaren, der «eit 1020 ha der Patetima verwaltung tätig war, zurück. Eta anderes arabisches Blatt will erfahren haben, daß alle wichtigen Verwältunggf utiktiOnen a u s s 0 h 1 i e ßlich mit englischen Beamten besetzt werden, und daß arabischen und jüdischen Beamte® nur noch die Einziehung von Steuern und die Behandlung landwirtschaftlicher Fragen überlassen weihen soll. Melr Großman als Mitglied des Aktionskomitees suspendiert Jerusalem, 7. November. (JTA.) Das Zionistische Ehrengericht hat im Sinne des Statuts anläßlich des Verfahrens, da» gegen den Vorsitzenden der Judenst&atspartei, Meir G r o ß m a n, wegen Veröffentlichung eines Dokumentes über die Verhandlungen Weizmanns mit Kolonienminister Ormsby-Gore eingeleitet worden ist, die Rechte Großmans als Mitglied des Aktionskomitees, seines Präsidiums und des Kleinen Aktionskomitees bis auf weitere» suspendiert. Italienische Stimmen gegen den Zionismus Rom, 7. November. (JTA.) Die große römische Tageszeitung „11 Tevere“ nimmt neuerdings scharf gegen den Zionismus im allgemeinen undgegen Oberrabbiner Prof. David Prato im besonderen Stellung. Das Blatt bringt nach dem ungarischen zionistischen Organ „Mult es Jöwö“ Auszüge aus einer Rede, die Oberrabbiner Doktor Prato in einer zionistischen Versammlung in Budapest gehalten hat, und will danach beweisen, daß die italienischen Juden, wenn sie auch schwören, dem Lande treu zu bleiben, in welchem sie leben, auf die Wiedererrichtung Zions hoffen und ihr Interesse für die zionistische Bewegung unverhüllt eingestehen. Zum Jahrestag der Balfour-Deklaration behandelt „Popo 1 o di Roma“ die Motive, die England bewogen haben, die Balfour- Deklaration tu erlassen, die die eigentliche verhängnisvolle Ursache der verwickelten Lage sei, ln der sich Palästina in den letzten zwanzig Jahren befinde. „Falk England“, schreibt das Blatt, „auch weiterhin darauf bestehen wird, den Juden um jeden Preis die Festsetzung in Palästina zu ermöglichen, wird dies auch in der Zukunft dauernde Unruhen und Aufstände seitens der Araber zur Folge haben.“ „Regime Fascista“ berichtet über „die nationale Trauer der Araber“ und schreibt: „Ober das Land der Araber ist wieder eine Tragödie hereingebrochen. Wieder ist die eiserne Faust der Mandatarmacht zu spüren, welche die Araber ihrer bürgerlichen Rechte beraubt, ihre Freiheitsbewegung knebelt und ihre Führer deportiert.“ Die Juden Italiens haben ihre Treue zum Staat durch ihre Mitarbeit an Wirtschaft und Kultur und durch ihre Blutopfer auf den Schlachtfeldern des Weltkrieges und Abessiniens bewiesen. Wenn sie ihrem Judentum treu bleiben, so ist das nur ehrenvoll für sie. Verleumdung gegen Colonel Kisch zusammengebrochen London, 7. NovembeT. (JTA.) Oberstleutnant Hutchison, der Führer einer judenfeindlichen Gruppe, gegen den das frühere Mitglied der Zionistischen Exekutive Oberstleutnant Frederick Herman Kisch eine Klage wegen Verleumdung eingebracht hatte, hat die gegen Kisch erhobenen Beschuldigungen bedingungslos zurückgezogen und ihm Abbitte geleistet. Nachdem von den Anwälten der beidien Gegner vor einem Londoner Gericht unter dem Vorsitz von Lord Hewart entsprechende Erklärungen abgegeben worden waren, wurde das Verfahren gegen Hutchison und die mitangek agte Druckerfirma H. F. Lucas & Oo. eingestellt Hutchison hatte in einer Broschüre behauptet daß die seinerzeitige Hilfe Englands für die weißen Generale ln Rußland geschei¬ Der Antisemitenbuna; Am 8. November hat in Wien wieder eine Versammlung des Antisemitenbundes stattgefunden, in der ein Redner, der als Bundeswerbeleiter bezeichnet wird, die Forderungen dieser Gesellschaft formulierte. Er verlangte die Entfernung der Juden aus dem Staatsdienst, besonders au» der Justiz und den Schulen, aus den öffentlichen Körperschaften, wie Krankenkassen, Versicherungen new., sowie die Entjudung des Kulturlebens und der Presse. Auch vertrat er die Forderung, daß Lieferungen an öffentliche Anstalten und an das Bundesheer nur an bodenständige Österreicher vergeben werden. Ein anderer Bundesführer schilderte das Eintreten der Juden für den internationalen Kommunismus und betonte das streng legale Wollen des Antisemitenbundes, der für ein vom Judentum freie«, unabhängiges Vaterland eintrete. Es wird also weiter öffentlich der Tatbestand der Aufreizung zu Haß und Verachtung gegen eine gesetzlich anerkannte Gemeinschaft von Bürgern und Steuerzahlern geliefert und keine Behörde schreitet ein. Gegen diese Redner zu polemisieren liegt unter unserer Ehre. Aber die Frage besteht doch, weshalb diese ewige Hetze, die zum Bruch der Verfassung auffordert, ungestört und ungeahndet betneben werden darf. Es wäre auch festzustellen, woher der Antisemitenbund die Mittel für seine Agitation bezieht. Es ist klar, daß dieses Treiben den nationalsozialistischen Tendenzen Vorschub leistet und daß es sofort sein Ende fände, wenn nur das Gesetz angewendet wird und wenn der Staat sich darauf besinnt, daß es seine Pflicht und Schuldigkeit ist, den Maulwürfen das Handwerk zu legen. Der Gewerbebund Die gleiche Boykottnote wurde in einer Versammlung des Gewerbebundes angeschlagen, die Ende Oktober stattgefunden hat Eta Stadtgewerberat Knotzer hat dort zu dem Thema „Überfremdung des Gewerbestandes“ das Folgende gesagt: „Diese Hyänen des Hinterlandes werden wir Frontkämpfer nie vergessen. Nach 1918 waren _ sie die Bannerträger von Marx und Lenin, die Juden, oder richtiger gesagt, das internationale Judentum, und jetzt wiederum wollen sie uns Vorschriften machen, was vaterländisch tot und was nicht. Es ist, dies ein Element das eben die Farbe wechselt, wie das Chamäleon. Der Gewerbebund hat ee zuwege gebracht, seine ■ Reihen von Juden rein zu erhai- S ton. Der Gewerbebund hat die Juden eliminiert und wird, unbekümmert um alles Gezeter und Geschrei, diesen Weg auch weitergehen! Einen Block wollen wir bilden, und es wäre nicht schlecht, wenn wir in einem christlichen Wien damit nicht durchdringen würden. Es ist Christenpflicht, beim Christen zu kaufen. Und wir lassen uns keinesfalls etwas dreinreden in einem Staat, der ein christlicher Ständestaat tot und nicht ein jüdischer! Wir wollen keine Märtyrer schaffen im Judentum, wir wollen nur haben, daß die Juden eineehen, daß sie Gäste sind im Lande und wir die Hausherren!“ Es ist natürlich vollständig erfunden, daß die Juden die Bannerträger von Marx und Lenin gewesen sind. Viele Millionen arischer Christen haben sich zu Sozialdemokratie und Kommunismus bekannt. „Die Juden“ haben da eine sehr geringe Rolle gespielt Aber was bat dieses politische Bekenntnis mit dem Verkauf von Krawatten oder Hemdkragen zu tun? Die Parole „Christen, kauft nur bei Christen!“ ist eine eindeutige Anweisung der Konkurrenz. Wenn der Mann aus dem Volk in das jüdische Geschäft gebt, so weiß er warum, und kümmert eich nicht um die politische oder soziale Stellung des Verkäufers. Bessere Ware, bessere Übersicht, bessere Bedienung — das entscheidet. Mit dem antisemitischen Geschrei erreicht man nichts, höchstens, daß ein Steuerzahler zugrunde geht und daß «ein Personal arbeitslos wird. Dieser Knotzer und die sonstigen Gewerbebünöler mögen das nicht verstehen und in der antijüdischen Hetze das Heil sehen, aber sie schaden endlich und schließlich nur dom Staat, dessen Konsolidierung durch solches Treiben sabotiert wird. _ Ein arischer Cafetier Das „Deutsche Volkeblatt“ enthält in seiner letzten Ausgabe die folgende Zuschrift: Sehr geehrte Schrift]eitung! „Lassen Sie in Ihrem Blatte auch einmal einen arischen Cafetier zu Worte kommen. Im allgemeinen ist die Ansicht verbreitet, daß wir Kaffeesieder, besonders dann, wenn wir Stadtkaffeehäuaer besitzen, einen herrlichen Verdienst haben. Daß dem aber nicht so ist, mag folgendes Beispiel beweisen: In meinem Stadtcafe verkehrt eine sehr reiche, polnische Jüdin, die den Nachmittag mit Bridgespielen totschlägt. Und was glauben Sie, konsumiert diese Jfiel i n? Eine Bäckerei, an der ich sage und schreibe acht Groschen verdiene. Dafür verlangt eie mit einer unglaublichen Frechheit, daß ich die Bridgekarten kostenlos zur Verfügung stelle. Für einen Verdienst von a '!■: Groschen muß ich also Beleuchtung. Koh(ü,:uug und Spielkarten bestreiten Jeder l.r.io kann sich ausrechnen, was das für r-m Geschäft ist. Zu erwähnen wäre noch, da!> die besagte J fl d i n sich bei dieser Konsumation vier bis sechs Stunden in meinen: l.oka! aiifhälr und mir erklärte, Kaffee habe sic bereits zu Ilause getrunken. Bekannt ist übeidie.*. -bß gerade in den St ad trafös meistens Juden verkehren und wenn auch nie.!'! a’b> ein so krasses Beispiel jüdischer Unverschämtheitliefern, so paßt dieses B:M doch auf b i g e ssmtc Mentalität dieser KailVehausbesurher. I. D„ Wien L Die Genossenschaft der Kaffeesieder wird gut tuu festzustolien. wer dieser I. D. im ersten Bezirk ist. Wenn es Cafettevs gibt, die ihr jüdisches Publikum in solcher Art beleidigen, so muß die Genossenschaft im Interesse des Standes das ihre tun. Herr I. D. aber wird im eigenen Wirkungskreis so nett, sein, «eine Anonymität zu lüften, damit ihm die jüdischen Gäste den Gefallen erweisen können, sein Lokal zu meiden. Nachruf für Rutherford In London fand unter dem Vorsitz von Sir Philip Hartog die Jahresversammlung der britischen Gesellschaft der Freunde der Hebräischen Universität Jerusalem statt. Zu Beginn der Versammlung widmete der Vorsitzende dem verstorbenen Lord Rutherford einen Nachruf. Er erinnerte daran, daß Lord Rutherford den letzten Aufruf für die Hebräische Universität unterzeichnet hat. Die Förderung durch diesen weitaus hervorragendsten Gelehrten Englands sei für die Universität von unschätzbarem Wert gewesen. Sir Philip gedachte auch des Wirkens Lord Rutherford« als Präsident des Acaüemie Assistant Council, der »ich in so erfolgreicher Weise um die Unterbringung von aus Deutschland vertriebenen Gelehrten bemüht hat, die in England und anderen Ländern einen neuen Wirkungskreis suchten. Er habe auch an der großen Protestaktion gegen die Verfolgung der Juden in Deutschland führend teilgenommen. Die Gesellschaft hat sich die Aufgabe gestellt, sechs Jahre lang jährlich 10.000 Pfund für die Universität aufzubringen. Das gesteckte Ziel ist in diesem Jahr fast vollständig erreicht worden. Es gibt noch anständige Menschen in Polen Warschau, 7. November. (JTA.) Der Rektor der Lemberger Universität, Prof. Wladislaw Knlczynski, hat,, nachdem der Universitätssenat einstimmig seine ablehnende Antwort in der Frage der Einführung von Ghettobänken gebilligt hatte, beschlossen, gegen die nationaldemokrattechen Ruhestörer an der Hochschule energisch einzuschreiten. Im Hinblick auf die jüngsten, von den Nationaldemokraten hervorgerufenen Unruhen, bei denen vier jüdische Hörer schwer verletzt wurden, hat der Rektor die Schließung der Universität für die Dauer von 14 Tagen verfugt. Eine Abordnung nationaldemokTatischer Studenten hat den Professor der Philosophie an der Warschauer Universität, Kolarb i n s k i, aufgefordert, nicht wie bisher zum Zeichen seiner Solidarität mit den jüdischen Studenten während der Vorlesungen zu stehen. Prof. Kotarbinski, der bereits in vorgerücktem Aiter steht, erklärte, er werde die Vorlesungen so lange stehend abhalten, solange die Ghettoschande an der Warschauer Universität nicht beseitigt ist. Antisemitischer Antrag in der Türkei Ankara, 7. November. Der frühere Mildster Pr oprad hat der türkischen Nationalversammlung eine Resolution überreicht, die besagt, daß die Zuwanderung und Nationalisierung von Juden strengstens verboten werden soll. Nur b esondere Spezialisten, die es in der Türkei nicht gibt, können die Aufenthaltsbewilligung bekommen, und zwar muß diese DER WELTBERÜHMTE OBERKANTOR M. KUSEWICKI (WARSCHAU) Singt vor seiner Reise nach Amerika nur einmal in Wien, und zwar am 16. November im Großen Musiüfvereinssaal im Rahmen der CHAJES-GEDENKFEIER

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.