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Die Stimme · 1937-11-08 · Heft 692 (8.11.1937) · page 2

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Journal
Die Stimme
Volume
11 (1937-1938)
Issue
Heft 692 (8.11.1937)
Date
1937-11-08
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite - M «TiMMS Nr. m. Wien, Montag, 8. November 1S87. dessen hauptsächlichsten Grundlagen „diese Art von Antisemitismus“ gehört, die sich auf eine Fälschung stützt, geschaffen zum Zweck© der Entrechtung und Expropriation einer Minderheit, von der eben jetzt festgestellt worden ist, daß sie weit über ihre ziffermäßige Stärke für Deutschland Todesopfer gebracht hat, deren Namen von den Gedenktafeln haben verschwinden müssen. Da« Urteil des Schweizer Gerichtes erklärt., daß es sich bei den „Protokollen“ um ein politisches Pamphlet handelt und daß nicht das Gesetz über die unsittliche Literatur herangezogen werden kann, sondern daß der Staat von sieh aus mit politischen Maßnahmen vorzugehen hätte. So gesehen, kt der Spruch des Berner Obergerichtes eine öffentlich vollzogene Kennzeichnung des Systems, das außer der Fälschung der Protokolle auch noch die Konzentrationslager von Dachau und Sonnenberg mit ihren Judenkompagnien, auch noch die Nürnberger Rassengesetze, die Vorführung von Judenkindem in den Volksschulen zur Aufzeigung der Rassenmerkmale produziert hat, das System, dessen geistige« und moralisches Niveau der Julius Streicher mit seinem pornographischen „Stürmer“ bestimmt. Und soweit dies nach dem Urteil von Bern noch nötig ist. ist dieses System durch die so aufschlußreiche Affäre des Spitzels und Spions Frank beleuchtet worden, der in einem Schweizer Gefängnis Selbstmord begangen hait, nachdem durch seine Angaben einige hundert reiehsdeutsche Bürger in den Kerker hatton wandern müssen. Wenn über die Weltgeltung um die Landforderungen des Dritten Reiches verhandelt werden soll, dann wird man gen Elementen der Verwaltung verbündet, die die Mufti-Partei Stützten, und damit mitgeholfen, daß der Mufti gewählt wurde. * Der Mufti war. «weit bekannt, gegen den Widerspruch der Naahashibi-Partei von Herbert Samuel zum Mufti und zum Vorsitzenden des mohammedanischen Rat« ernannt worden. Die zionistischen Führer konnten in diese Angelegenheit nicht eingreifea. Pro- Kein Verhandeln n Der englische Kolonlenminiater erklärte vorige Woohe im Unterhaus, die Regierung sei entschlossen, den in Palästina jetzt eingeschlagenen scharfen Kurs zur Wiederherstellung von Ruhe und Ordnung einzuhalten. Sie werde ihre Haltung gegenüber dem Obersten Arabischen Ausschuß nicht ändern. Die gegen den Jerusalemer Oroßmuft! und die übrigen Mitglieder des Obereren Ausschusses unternommene Aktion sei die direkte Folge der Mordtaten und Terroran schlage. Oberster Arabischer Ans* schuß für Terror verantwortlich Es sei die Ansicht der Regierung, daß die Tätigkeit des Obersten Arabischen Aus* feesor Yahn da erhebt einen schweren Vorwurf, den er mit Beweisen wird belegen müssen. England verlangt nicht tfte Auslieferung des Mufti Auf eine Anfrage des Abg. Wedgwood erklärte der Unterstaatssekretär Lord Cran» b o r n e im Unterhaus, daß eine A u s 1 i e f erung des Mufti von der britischen Regierung nicht gefordert werde. tit den Terroristen schusses die Aulrechterhaitung von Rübe und Ordnung in Palästina gehindert hat und daß der Ausschuß für die im Lande begangenen Verbrechen verantwortlich zu machen sei. Die Regierung, fuhr Minister Ormsby-Gore fort, habe im Laufe eines ganzen Jahres außerordentliche Nachsicht gegenüber der Welle von Mord, Verbrechen und Aufstand gezeigt, die über Palästina gegangen Ist Im Lichte der Tatsachen sei die Regierung zu der Schlußfolgerung gekommen, daß die dachsichtige Haltung gegenüber den Trägern des Terrors von diesen als Anzeichen der Schwäche der Regierung gedeutet wurde. Darum müsse die Herrschaft von Ruhe und Ordnung in Palästina wiederhergestellt werden, wenn das Leben der gemäßigten Araber und der Juden gesichert werden soll. Die neue Verletzung des Mandats Ormsby-Gore über die Einwanderung nicht an da« Urteil von Bern vergessen dürfen, das klarstellt, wie Im Dritten Reich eine Minderheit behandelt wird auf Grund einer Schrift, deren Fälschung nicht erst jetzt erwiesen worden ist und deren Inhalt trotzdem weiter Staatspolitik bleibt. Die Juden der Schweiz waren nicht so dumm, wie ihnen das der „Völkische Beobachter“ ankreidet. Das Urteil, das sie erzielt haben, wird überall dort gelesen und verstanden, wo man mit den Begehrlichkeiten dös Nürnberger Systeme zu tun hat. Heute begannt Mandatskommission Genf, 6. November. (JTA.) Die Eröffnung der 33 Tagung der Ständigen Mandatskommission, die für Donnerstag, 4. November, festgesetzt war, ist auf Montag, 8. November, verschoben worden, da es einigen Mitgliedern der Kommission nicht möglich war, früher in Genf einzutreffen. Im Unterhaus kam es vorige Woche zu einer ausgedehnten Palästina-Aussprache, in der der Kolonienminister Ormsby- Gore veranlaßt wurde, sich über die neue Einwanderungseinschränkung zu äußern. Er erklärte zunächst, es sei nicht richtig, daß die Regierung den Vorschlag der Kgl. Kommission betreffend Festsetzung eines politischen Einwanderungsmaximums für die nächsten fünf Jahre angenommen habe. Die betreffende Empfehlung hatte die Fortdauer des bestehendenMandates für unbestimmte Zeit im Auge; für die Einwanderung während der Übergangsperiode, nämlich zwischen Veröffentlichung des Berichtes und endgültiger Durchführung eines Systems auf der Basis einer Dreiteilung Palästinas bei gleichzeitiger Beendigung des Mandates, hatte die Kgl. Kommission nichts vorgesehen. Da im Monat August eine neue Arbeiter-Einwanderungsschedule fällig und ein unverzüglicher Beschluß erforderlich war, sah sich die Regierung berechtigt, als reine Ubergangsmaßnahme die jüdische Einwanderungaziffer aller Kategorien für die Periode erlassen wurden, die das Einwanderungs« System ändern? Minister Ormsby-Gore: Ja: es ist eine Verordnung erlassen worden, die den Beschluß, den ich im Juli hn Unterhaus mitgej teilt habe, ergänzt. I Mander: Heißt das, daß die Verordnung nur zeitweiligen Charakter trägt? i Ormsby-Gore: Sicherlich. Abg. Kirkwood: Stimmt es, daß ein jüdischer Arzt, wenn er nach Palästina gehen will, 1000 Pfund hinterlegen muß? Ormsby-Gore: Nein. Hiefttr ist das alte Prinzip der wirtschaftlichen Aufnahmefähigkeit maßgebend. M i t 1000 Pfund hat jedermann das Recht, in Palästina ein zu wandern. Kirkwood: Ich habe lm Innenministerium erfahren, daß, wenn mein Freund, der Arzt ist, in Palästina einwandern will, er damit zu rechnen hat, daß er 1000 Pfund hinterlegen muß. Dieser Mensch hat keine Heimat. Er kann in sein Geburtsland nicht zurückkehren, weil er Jude ist. Die zionistischen Führer und der Mufti London. 7. November. (JTA.) Bei einer im Anglo-Paleetine-Club veranstalteten Gedenkfeier für dem in Jerusalem ermordeten Avinoam Y e 11 i n sprachen Iiev. P e r 1 z w e i g und Prof. Yahnda über die jüdisch-arabischen Beziehungen. Rev. Perlzweig erzählte, er habe in Cambridge mit Yellin und Billig oft über Palästina gesprochen. In diesen Gesprächen habe sich gezeigt, daß Yellin und Billig völlig vorurteilsfrei waren und oft die Araber vor Vorwürfen in Schutz nahmen, die von Juden und Niehtjuden gegen sie gerichtet wurden. Der Mord sei von jenen dunklen Elementen begangen worden, die die Arbeit derjenigen vernichten wollen, die eine Verständigung zwischen Juden und Arabern in Palästina herbeiführen könnten. Prof Yahuda, ein Vetter Prof. David Yellins, de« Vatere de« Ermordeten, warf den zionistischen Führern vor, daß sie keine positive und wirkungsvolle Araberpolitik getrieben hätten. Wiederholt habe er vor dieser Unterlassung gewarnt. 1921 seien zahlreiche arabische Notabein bereit gewesen, mit den Juden zusammenzuarbeiten. Sie hatten beim High Commiesioner nachdrückliche Vorstellungen gegen die Agitation der Mufti -Partei erhoben. Aber die zionistischen Führer hätten die Gelegenheit Vorbeigehen lassen, sich mit denjenivtm August 1957 bis März 1958 mit 8000 festzusetzen. Was die Arrangements nach Ablauf dieser Periode betrifft, erklärte Ormsby-Gore weiter, so verweise er auf die Erklärung des Außenministers auf der letzten Tagung des Völkerbundrates, der sagte: „Die permanente Mandatskommission hat die Aufmerksamkeit auf die Einschränkung der jüdischen Einwanderung auf 8000 Personen in den nächsten acht Monaten gelenkt. Dae ist, wie die Kommission anerkannt hat, eine reine Ubergangsmaßnahme, dazu bestimmt, zeitweiligen und außerordentlichen Verhältnissen Rechnung zu tragen. Was nach dem Ablaut der achtmonatigen Periode, nämlich nach dem 31. März 1938, zu geschehen hat, muß notwendigerweise davon abhängen, welchen Fortschritt der Teilungsplan in der Zwischenzeit machen wird. Wird er Ms dahin ein Stadium erreicht haben, daß seine An* nähme zu erwarten ist, wird die ganze Frage der Einwanderung, da sie dann sowohl das arabische als midi das jüdische Gebiet betreffen wird, natürlich auf einer neuen Basis »'örtert werden müssen.“ „Nur zeitweiliger Charakter“ Abg. Mander: Ist es nicht eine Tatsache, daß kürzlich gewisse Verordnungen Ormsby-Gore: Seitdem eine Welle von Verfolgungen über ganz Mitteleuropa und Polen gebt, sind zahlreiche jüdische Ärzte nach Palästina gekommen und haben dort festen Fuß gefaßt Würden weitere Ärzte hinkommen, würde di« nur die wirtschaftliche Position der dort bereits etablierten Ärzte gefährden. Abg. Colonel Wedgwood: Weiß der Minister, daß das Abweichen von dem Prinzip der wirtschaftlichen Aufnahmefähigkeit und die Ersetzung dieses Prinzips durch den administrativen Akt der Regierung von den Juden in Palästina und von jenen Leuten in England, die für die Aufrechterhaltung des Mandates sind, alsbewußte Verletzung des Mandates angesehen wird? Ormsby-Gore: Ich habe stets erklärt, daß es sich nicht um eine Verletzung von Artikel 6 des Mandate« handelt. Ich weiß sehr gut, daß die Juden die volle Wiederherstellung des Prinzips der wirtschaftlichen Aufnahmefähigkeit wünschen. Aber ich habe doch hn Unterhaus klar erklärt, daß beschlossen wurde, während der achtmonatigen Übergangsperiode eine willkürliche Zahl festzusetzen. Die Mandatsbestimnumg Ja Artikel 6 des Mandates heißt es, „daß die Palästina-Administration, ohne die Rechte und Me Stellung anderer Telle der Bevölkerung zu verletzen, jttdisc&e Bankgeschäft Bernhard Wächter Wien 4 ft-Mz-JoMfS-Ksl 0f (SeMtenring 32) BörMnauft’ttf«, Klaaäenlose, Wechselinkasso Einwanderung unter den geeigneten Bedingungen erleichtern und, in Zusammenarbeit mit der Jewisb Agency, die konzentriert« Antiedlwng von Juden auf den Lande einschließlich staatlicher Ländereien und unbebauten Landet, du für öffentliche Zwecke nicht requiriert wird, ermutigen wird.“ (Anm. d. Red.) Was in Erez Israel vorgeht Der B a 1 f o u r - T a g ist von der ganzen : jüdischen Bevölkerung in allen Teilen Palästina« festlich begangen worden. In Jerusalem und ln Tel-Aviv waren die jüdischen öffentlichen Gebäude mit englischen und blau-weißen Flaggen geschmückt. Von arabischer Seite wurde keine Gegenkunugebuttg veranstaltet. Zwei britische Soldaten erschossen Dagegen setzen die Araber Ihre Überfälle auf englische Soldaten und Polizisten sowie auf gemäßigte Araber fort. Im Tale von Josaphat, nur wenige hundert Meter vom Berge Zion entfernt, wurden die beiden britischen Soldaten Hutchinson und Milton vom Blak e-W a t c h- Reglment von bisher unbekannten Tätern erschossen. Der Anschlag erfolgte an derselben Stelle, an der 14 Tag© vorher Sehuünspektor Yellin ermordet worden war. Boi Akko wurde der Mn elitär von R a m a von unbekannten Tätern durch mehrere Schüsse schwer verletzt. Man nimmt am, daß es sich um ein Attentat handelt, weil der Muohtar der Polizei Angaben Über die, terroristische Bewegung im Norden Palästinas gemacht hatte. Bei Ender wurde die Irak-Petr oleum 1 e i t u n g neuerlich beschädigt und das ausfließende öl in Brand gesteckt. Auf Juden wurde in den loteten Tagen nur in einem Fäll Mb Arwohlag verübt^ und zwar auf einen Autobus der Egged- Gesellschaft auf der Straße Tel-Aviv—Jerusalem. Drei jüdische Passagiere erlitten Mebei leichte Verletzungen. Vergeltungsmaßnahmen Zur Vergeltung unternahmen die Engländer verschiedene Aktionen. Die Ermordung der beiden britischen Soldaten hatte eine militärische Aktion gegen das Dorf Silwan, in dem mau die Täter vermutet, zur Folge. Eine Abteilung des Blak- Watcb-Regimente erschien mit Polizeihunden im Dorf. Am Dorfedngang wurde sie mit eine® Steinhagel empfangen. Di® Erregung der arabischen Bevölkerung verstärkte sich noch, als bekannt wurde, daß ein Araber im Verlauf der Suchaktion ums Lehen gekommen war. Em Mann war nämlich, um sich der Verhaftung zu entziehen, über einen steilen Felsen gesprungen und hatte Mebei deu Tod gefunden. Em zweiter Araber zog sich bei einem gleichen Fluchtversuch mehrere Verletzungen zu. Die Suche in dem Dorf führte zur Entdeckung mehrerer Waffen* und Munitionslager. Alle Häuser, hx denen Kriegs- oder anderes verdächtige« Material gefunden wurde, sollen ln Brand gesteckt werden. Da« Dorf Tire hatte vom Distriktskommiss&r den Befehl erhalten, binnen zwei Stunden alle Schußwaffen abzuliefern. Da der Befehl nicht befolgt wurde, erhielt das Dorf eine Kollektivstrafe von 250 Pfund. Eine Kollektävstraie wurde amch dem Dorf Yagur bei Haifa auferiegt, weil in der vorigen Woche an« dem Dorfe Schüsse auf jttdisetoe Schulkinder abgegeben worden waren, sowie mehreren Dörfern bei Nablus, Tulkarem und im Dschenin-Distrikt Wauchope wieder erkrankt Der ffigh-Commissäonor Sir Artur W a uc h o p e, der schon am 5. November nach Palästina zurückgekehrt sein sollte, ist noch nicht eingetroffen. Er hat ©eine Abreise angeblich wegen einer plötz- Sichern Sie sich rechtzeitig Ihre Karten Für die CHAJES-Gedenkfeier am 16. NOVEMBER im Großen Musikvereinssaal

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