Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 11 (1937-1938)
- Issue
- Heft 692 (8.11.1937)
- Date
- 1937-11-08
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Hontag -Ausgabe <Dk Dieses Blatt Ist a* 4 Ukr nachmittags M tat Kolporteuren erhältlich y. b. b. 10g ^Stimme JÜDISCHE ZEITUNG Wien, Montag, 8. November 1937 4. Ktelow 5698 11. Jahrgang „Die Stimme" dreimal wöchentlich I Seit 12. Oktober erscheint „Die Stimme“ dreimal wöchentlich. Die Verstärkung unseres Blattes ist vom jüdischen Publikum mit lebhaftestem Dank begr&Bt worden. In allen Zuschriften wird die Anerkennung dafür ausgesprochen, daß nunmehr eine rasche und umfassende Informierung der Leser erfolgt. Wir wollen „Die Stimme“ nach Möglichkeit noch weiter ausbauen. Das wird aber nur möglich sein, wenn unsere Abonnenten uns FtughaEer^r^Tel-Aviv Tel-Aviv, 7. November. (JTA.) Die Tel- Aviver Stadtverwaltung hat eine Fläche von 300 Dunam nördlich des Jarkon-Flusses bestimmt, auf der ein Flughafen der Stadt errichtet werden soll. Das Areal wurde der Stadtverwaltung von der Regierung zur Verfügung gestellt Eine jttdt sehe Finanzgruppe hat sich bereit erklärt, die entsprechenden Investitionen zu machen. Die Adaptierungsarbeiten und die Errichtung der notwendigen Gebäude sollen unverzüglich, nach Genehmigung des Bauplanes durch die Regierung, in Angriff genommen werden. Bekanntlich besitzt Tel-Aviv eine direkte Luf tverbindung mit Haifa, durch die Flugzeuge der palästinensischen Luftfahrtlinie, die zweimal wöchentlich zwischen den beiden Städten verkehren. Bisher mußten sie auf dem Flugplatz in Lydda niedergehen. Nach dem Terrorakt gegen den Flugplatz in Lydda wurde im Tel-Aviver Stadtrat die Forderung nach Errichtung eines eigenen Flughafens für Tel- Aviv erhoben. neue Abonnenten tfir „Die Stimme“ ständig zuführen. Die Administration ist stets bereit, an Adressen, die ihr bekanntgegeben werden, „Die Stimme“ unentgeltlich durch einige Wochen hindurch ohne jede Verbindlichkeit für den Bezieher zu senden. Wir erwarten eine ständige Bekanntgabe von Adressen durch unsere Abonnenten. „Die Stimme“ ist 4ie einzige jüdische Zeitung, die dreimal wöchentlich erscheint Unsere Parole lautet: tu jedes jüdische Haus „DU Stimme“! „Die Stimme“ erscheint an jedem Montag, Mittwoch und Freitag. Werbet für „Die Stimme“! Die Redaktion. Konferenz der »Nein«- Sager in Jerusalem Jerusalem, 7. November. (JTA.) Die „Äntl-Teilungs-Liga“, der die Allgemeinen Zionisten Gruppe B, der Misrachi, „Haschomer Hazair“ und andere Parteien angehören, hält am 9. November unter dem Vorsitz von M. M. Ussischkin eine Konferenz ab. Die Tel-Aviver Stadtverwaltung hat in einer Resolution gegen die neue Einwanderungsverordnung protestiert Die Tagung des Kleinen Aktions-Komitees Jerusalem, 7. November. (JTA.) Unter dem Vorsitz von M. M. Ussischkin wurde in Jerusalem eine Sitzung des Kleinen Aktionskomitees eröffnet. Die Beratung galt dringenden Problemen der gegenwärtigen politischen Situation in Palästina und im Zionismus. Vor dem Beginn der Beratungen ehrte die Versammlung das Andenken der Opfer des arabischen Terrors, insbesondere des Distriktkommissars Andrews und Avinoam Y e 11 i n s. Ussischkin hielt einen Nachruf für Felix M. Warburg. Die Beratungen wurden sodann durch ein eingehendes Referat des Leiters des politischen De- Parlaments der Jewish Agency, Mosche Shertokj eingeleitet. Eine Hakenkreuz-Lüge aufgeflogen Am 4. November wurden in Budapest lf eine Denunziation hin 36 junge Leute* Burschen und Mädchen, die sich in einem Wohnzimmer zusammengefunden hatten, unter dem Verdacht kommunistischer Betätigung festgenommen und zur Polizei gebracht. Sie wurden am Samstag wieder fre'igelassen, nachdem es sich, wie die Budapester Blätter melden, ergeben hatte, daß es sich um keine kommunistische Tätigkeit handelt, sondern um Auswanderung nach Palästina. Die Tätigkeit der betreffenden Gruppe ar der Polizei deshalb aufgefallen, weil sich die jungen Leute, unabhängig von dem behördlich anerkannten Zionistenverband, organisiert hatten. Die Polizei will auch nicht ohne weiters zugehen, daß die Organisierung und das Kollektive Zusammen- ’eben“ in dieser Form vor sich gehe. Aus diesem Tatbestand ist vor eichsdeutschen Presse ein feheure Affäre gemacht worden. In den lättern erschienen Berichte aus Budapest, die von der Aufdeckung einer jüdischen kommunistischen Verschwörung sprachen. Die ,3 erlin er Börsenzeitung“ veröffentlichte am Freitag auf der ersten Seite einen Artikel mit dem faustdicken Titel „Hintergründe de Linkshetze in Ungarn, 36 Zioni ten als Jünger Moskaus in Bu dapest verhaftet“. An diesem Tage hatte die Budapester Polizei außer der Tatsache der Festnahme der jungen Leute keine Mitteilung ausgegetoen. Trotzdem behauptet der Berliner Bericht, daß nach Mitteilung der Polizei mehrere Zentner Propagandamaterial -beschlagnahmt worden seien. Weiter meldet dieser Bericht der „Berliner Böreenzeituug“ das Folgende: „An verschiedenen Stellen der Stadt waren j ü d » s ch-kommunistische Zellen gebildet worden. Die Verbrecher arbeiteten unter dem Deckmantel der berüchtigten zionistischen Vereinigung „Somer Hacair“, die sich nach außen hin die Auswanderung von Juden nach Palästina zum Sei gedacht, in Wirklichkeit jedoch kommunistische Ideen verfolgt. Vor nenn Monaten bereits war eine große Anzahl Kommunisten, die der „Somer Hacair“ ange- Bel dem beschlagnahmten Material wurde ein vollständig ausgearbeiteter Plan gefunden, dem der Gedanke zugrundeliegt, — Stelle von Palästina Ungarn z großen zionistischen S machen, der in engster Zuarbeit mit Sowjetrußland auf gebaut werden sollte (!). Die Verhaftung von 36 jüdisch-kommunistischen Agitatoren hat in der ungarischen Hauptstadt größtes Aufsehen erregt. Man steht vor der Tatsache, daß eine nach außen hin harmlose zionistische Organisation nur die Tarnung für eine groß angelegte jüdischkommunistische Wühlarbeit im Lande abgab. Die begründete Vermutung gebt dahin, daß die Agitatoren von Moskau gel“5*»* -Td finanziert wurden. Die e* den äußeren Deckmantel bildeten und daß die Verhafteten über reiche Geldmittel verfügten, die ihnen keineswegs aus ihren Berufen allein zufließen konnten. Bei den verhafteten 36 Agitatoren handelt es sich durchweg um junge Leute beiderlei Geschlechts, die den verschiedensten Berufazweigen angehören. Die meisten der Verhafteten 6tanden m der Spitze von kommunistischen „Schulungskursen“, die ausschließlich auf die Ausbildung komm ‘ stischer Agitatoren unter Jugend eingestellt waren und die einiger Zeit bereits ausgehoben wurden. Die Tätigkeit war jedoch nachher in einer neuen Form aufgezogen nnd im ganzen Lande betrieben worden. Nach außen hin erfolgte das regelmäßige Zusammentreffen der Moskauer Agenten unter dem Vorwand, nach Palästina auswandernde Juden für ihren künftigen Aufenthalt und die Arbeit in Palästina vorzubereiten und auszubilden. Die treibende Kraft bildeten einige jüdische kommunistische Mädchen. Die Hauptarbeit der Agitatoren vollzog sich in den großen Industriezentren und auf dem in jüdischen Händen befindlichen Grundbesitz.“ Wir haben schon erwähnt, daß die Untersuchung auch nicht den geringsten Anhaltspunkt für ein weiteres Verfahren ergeben hat, und daß von der Behörde überhaupt nichts verlautbart war als Verhaftung und Entlassung. Die Darstellung in Deutschland, die auch durch dem Rundfunk und die fiir Übersee bestimmten Kurzwellensender verbreitet worden war, hat nicht die geringste Grundlage. Der Vorfall zeigt, daß für die deutsche Propaganda nichts zu schlecht, keine Lüge zu arg ist, wenn es sich darum handelt, daß der Zweck das Mittel heiligt. So wie das in der „Börsen.zeitung“ den Juden in Budapest imputiert wird, so haben die Hakenkreuzler in Deutschland gearbeitet — siehe die Boxheimer Dokumente und die Anweisung „Großvater gestorben“ — und genau so arbeiten die Illegalen in Österreich und in aller Welt. Repräsentative Makkabäer-Feier des Zionistischen Landesverbandes am 4. Dezember 1937 im Großen Konzerthaus-Saal Das Berner Urteil Der „Völkische Beobachter“ widmet dem Berner Urteil einen Triumphartikel, in dem er den Weisen von Zion die dummen Juden gegenüberstellt. Die Juden von Bern hätten sich ein für die Angelegenheit unzuständiges Gericht ausgesucht, und so mußte sie bei der Berufungsverhandlung eine Blamage ereilen. Diese ganze Betrachtung des für das Dritte Reich führenden Organs ist darauf aufgebaut, daß sie sich nur an den formellen Freispruch hält, aber die in der Begründung enthaltene meritorische Stellungnahme des Obergerichtes verschweigt Diese Äußerung eines eidgenössischen Tribunals ist um so bedeutsamer, als sie eigentlich eine Wiederholung des erstinstanzlichen Urteils darstellt, ja es noch verschärft und so einen sehr gewichtigen Akt setzt. Da die Schweiz aus einer mehrjährigen Erfahrung die Tricks und Praktiken nordischer List, kennt, hat sie die bezüglichen Stellen von Amts wegen mitteilen lassen, um „irrtümliche Auslegungen“ zu verhindern. Darnach hat,, wie von der „Stimme“ bereits mitgeteilt, „das Gericht der zweiten Instanz erklärt, daß jedenfalls nicht der geringste Beweis für die Authentizität der Protokolle der Weisen von Zion erbracht worden ist und daß ferner mindestens die Hälfte der sogenannten Protokolle ein Plagiat darsteUt. Die Protokolle der Weisen von Zion und die beiden anderen inkriminierten Schriften sind politische Pamphlete gegen die Juden. Diese Art von Antisemitismus, die im Dritten Reich zur Staatspolitik' erhoffen ikwdetT'Ist,’ sollte von einer bestimmten Sorte von Menschen auch in der Schweiz eingeführt werden, wenn das Schweizer Volk sich nicht rechtzeitig seiner stolzen Überlieferung im Sinne des Artikels 4 der Schweizer Verfassung, der die Gleichberechtigung aller Bürger einschließlich der Juden beinhaltet, bewußt geworden wäre. Die genannten Pamphlete sind eine auf tiefster Stufe stehende Literatur, aber nicht im Sinne des Gesetzes vom 10. September 1936 über die unsittliche Literatur, durch die die Jugend gefährdet werden könne“. Das Gericht läßt es also bei dem Urteil an sich nicht bewenden, weil es nicht Verstecken spielen will. Eine Katze ist eine Katze, und diese Art von Antisemitismus, deren Grundlage eine nachgewiesene Fälschung bildet, ist im Dritten Reich Staatspolitik. Ist das eine Verurteilung oder nicht? Gewiß ist diese Sachlage für die Bevölkerung Deutschlands bedeutungslos, die ja die Wahrheit nicht erfahren darf. Nicht bedeutungslos aber ist es für die übrige Welt, der nacheinander zwei unabhängig und frei wirkende Gerichte eines zentral europäischen Staates vor Augen führen, wie das staatspolitische System des Deutschen Reiches beschaffen ist; nicht, bedeutungslos in diesen Tagen einer erhöhten Propagandatätigkeit, die Deutschlands Anspruch auf Kolonien mit, erprobter Aufmachung vorschiebt, und direkt in die englisch-französische Sphäre eingreift. Dieser Staat, den wir beileibe nicht mit dem Volk verwechseln oder gleichstellen wollen, fordert die Herrschaft über afrikanische Gebiete der Rohstoffe wegen. Aber in diesen Gebieten leben doch Menschen, die einem System überantwortet werden sollen, zu Dienstag, 16. November 1937, V*9 Uhr abends, Großer Musikvereins-Saal 0 mm Mk |Pf PKPUf PPIPB anläßlich der zehnten Wiederkehr des Todestages % I1AJ mm Gedenkrede: Staatsrat Pr. Desider FRIEDMAHN Mitwirkend der weltberühmte Oberkantor M. KUSEWICKI (Warschau) SgL,&F{8i!SäSS Sichern Sie sich rechtzeitig Karton beim Zionistischen Landesverband, I., Marc-Aurel-Straße 5 (U 22-2-11) und bei sämtlichen Zionistischen Bezirkssektionen i