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Die Stimme · 1937-11-05 · Heft 691 (5.11.1937) · page 2

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Journal
Die Stimme
Volume
11 (1937-1938)
Issue
Heft 691 (5.11.1937)
Date
1937-11-05
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seit# Z Nr. SSL — Wien, Freitag, 6. November MW. FÜR FEINE HERREN-WÄSCHE FISCHER 8, FElDGAilE 1 ihren Sympathien freien Ausdruck geben — freilich nur, um durch Umstände und Augonbliftkerfordemisse wiederum aufs stärkste beeinflußt nu werden. Eine Erklä rang wie di« Großbritanniens vom 2. November 1917 hat wohl jedesmal eine ganze Reihe von Ursachen und Motiven; Lord Balfour war ebensowenig ausschließlich durch «eine Liebe zum jüdischen Volke wie ausschließlich durch den Wunsch, die Sympathie der amerikanischen Juden zu gewinnen. oder etwa ausschließlich durch das Bedürfnis getrieben, sich dem Chemiker Weizrnann für eine wichtige Erfindung dankbar zu zeigen. Alle» das und noch vieles andere wirkte zusammen — wir haben gerade in der letzten Zeit, am meisten vielleicht durch di« Rade von Liovd George im britischen Unterhaus im Juli 1937. wieder einen weit deutlicheren Einblick in die Meinung der Staatsmänner erhalten, die für die Dekla- Häuserverwaltungen mit Ausfallgar anlie übernimmt, Realitäten- und Hypothekengesdiäfte führt kulantest durch Norbert Weichselbaum behördl konz. Büro, L, Lugeck 7, R 23-0-23 ration verantwortlich waren, in ihre Absichten und Ziele, iu den Sinn, den sie damals ihren Worten untorlegten, und in den nicht unwichtigen Umstand, ob und bis zu welchem Grade sie den Widerhall beim jüdischen Vjolke gefunden zu haben glaubten und glauben, auf den sie damals gerechnet hatten. Bis zur Balfour-Deklaration , war der Zionismus eine von Personen, sagen wir 'deutlich; eine von Privktpdwoneo getragfetite Bewegung. Die Bedeutung der Deklaration liegt gar nicht, in der bestimmten Form de« Zionismus, die sie anerkennt und deren Förderung -die britische Regierung zusagt.; hier ist Raum, allzuviel Raum für Interpretationen, für maximalistische oder minimalistisoho, für großzügige oder engherzige Auslegung. Ihre Bedeutung liegt in der völlig veränderten Stellung, die sie dem Zionismus gegeben hat; erstseit der Deklaration, ja eigentlich durch die Deklaration ist er zu einer Realität in der Weltpolitäk g eworden, aus einer Privatangelegenheit zu einer der großen Bewegungen, die mit den Staaten und den Staatekanzleien von gleich CAFE BUCHSBAUM 17., Kleine Pfairgasse 27 Telephon A 43-5-79 Bürgerliche* FamHienoite — Inu. ausUadische Zeihingen — Separ. Raum f. geschlossene Gesellschaften — Bermbgesetste Preise — Aufmerksame Bedienung aale Heim in Palästina aufzubauen. Geschähe da« nicht, so hätte doch Großbritannien nicht» zu fördern. Darum ist die Balfour-Deklaration heute, zwanzig Jahre nach ihrer Veröffentlichung, noch ein sehr aktuelle» Dokument — vielleicht gerade haute von größerer AktualitätalsseitlangerZeit. Denn Großbritannien bat jetat wieder viele Jahre nicht, an kontroverse Fragen rühren wollen, nur um den — vielleicht fadenscheinigen — Frieden nicht zu stören, den es mit den „Interessenten“ der Balte ur-Deklaration, besondere mit den orientalischen, hatte. Das fadenscheinige Röcklein dieses Frieden« ist nun an mehreren Stellen arg zerfetzt und eine gründliche Reparatur in der Werketatt eines tüchtigen Schneidermeisters läßt eich nicht mehr vermeiden. Damit sind alle Fragen wieder in Bewegung gekommen, die viele Jahre lang ruhten. Es gibt wieder große Gefahren und große Chancen. Ln diesem Augenblick ist die Balfour-Deklaration, nunmehr zwanzig Jahre alt, wieder eine unserer wichtigsten Stützen, wieder einmal etwas wie in den Tagen ihres Anfang», da die Welt ebenfalls in brodelnder Bewegung war. Was in Erez Israel vorgeht Veränderungen hei der Polizei Sir Arthur Wauchope, dessen Rücktritt vom Posten des High Commissioner fe.ststeht, wird nach den letzten Dispositionen noch etwa drei Monate in Palästina bleiben, wohin er soeben zurückgekehrt ist, und die neue Königliche Kommission empfangen. Wauchopes Entfernung von der Stelle des Oberkommissionäre wird aber nicht die einzige wichtige Änderung in der palästinensischen Verwaltung sein. Insbesondere sollen sämtliche leitenden Stellen der Palästinapolizei mit neuen Männern besetzt werden. Nachdem vor kurzem mitgeteilt worden ist, daß der Generalinspektor der Polizei und der Gefängnisse, Roy G. S p i e e r, nicht mehr nach Palästina zurückkehrt, und auch der stellvertretende Generalinspcktor, Harry Patrick Rice, zurückgetreten ist, wird jetzt der Rücktritt des Leiters der Kriminalpolizei (Criminal Investigation Department), Albert John K i n g s 1 e y-H e a t h, gemeldet. Kingsley-Heath war siebzehn Jahre lang bei der Palästinapolizei tätig. Die arabischen Aufrührer scheinen inzwischen alle Mühe daran zu setzen, die Unruhe nach Transjordanien zu verbreiten. „Haarez“ meldet zumindest aus Amman, daß die französische Fremdenlegion in Syrien Bereitschaftsbefehl IM Mt zu gleich verkehren — os gibt ihrer gar nicht viele. Weizmann hat es einmal so ausgedrückt: „Der große Fortschritt, liegt darin, daß ich jetzt, wenn ich mitdem britischen Außenminister sprechen will, bloß das Telephon abzuheben und seine Nummer zu verlangen brauche.“ Die Balfour-De,k!a ration ist aber, eben durch diese Anerkennung, nicht eine eint-eitige Erklärung Großbritanniens, auf deren Erfüllung wir warten, wegen deren Nichterfüllung wir England Vorwürfe machen dürften. Es gibt im Leben der Völker und Staaten keine ewigen Verträge. Auch die Deklaration ist keiner. Sie setzt zu ihrer Verwirklichung die entsprechenden Leistungen der Juden voran«. Sank das Niveau dieser Leistungen, so verlor die Balfour-Deklaration an Bedeutung, stieg ihr Niveau, so gewann eie an Leben, an Wert. England verspricht der zionistischen Bewegung in der Deklaration die Förderung des; Aufbaus eines jüdischen nationalen Heims) in Palästina: aber ohne daß es mit Worten) gesagt wäre, verspricht die zionistische Be-1 wegimg ihrerseits England, durch die An-! nähme der Deklaration, das jüdische Natio-' erhalten hat; an der syrisch-transjordanischen Grenze kreuzen französische Militärflugzeuge. Weiter berichtet das Blatt, daß das transjordanische Grenzkorps Befehl erhalten hat, die Gegend um Akaba mit besonderer Aufmerksamkeit zu bewachen, da verdächtige Bewegungen arabischer Stämme und saudi-arabischer Truppenteile in der Nähe dieser Stadt beobachtet worden seien. Den deportierten Araber* Siihrern gebt es gut Der sogenannte arabische Verteidigungsausschuß setzt übrigens noch immer seine Einschüchterungspolitik fort. Er hat anläßlich des B a 1f o u r - G e d e n k t a g e s der englischen Mandatsregierung eine Note überreicht, in der eine Änderung der englischen Palästina- Politik gefordert wird. Es wird erklärt, daß die Palästinapolitik Englands seit der Balfour-Erklärung, die den Juden eine Heimstätte sicherte, verfehlt gewesen sei. Der Unfriede im Lande sei immer größer geworden, je mehr Juden nach Palästina gekommen seien. In der Entschließung wird schließlich betont, daß sich der arabische Volksteil allein regieren könne und sich Restaurant Bidet T5 Bestrenommlerte Küche v; Reichhaltige Menüs ä $ 1*90 u.S'60 ll.,Hammerpurgstallgasse 3 (nächst Salztorbrücke) nicht durch Gewalt einschüchtern lassen werde. Bei dieser Haltung der arabischen Führerkreise ist es um so bemerkenswerter, daß die Engländer die deportierten Araberführer mit Glacehandschuhen behandeln. Die Führer, welche von den britischen Schiffen nach den S e y c h eile n-I n s e 1 n gebracht wurden, sandten erfreuen und daß sie sehr rücksichtsvoll behandelt werden. Eröffsnutgtkonzert de* Palästina-Orchesters Im J i s e h u w geht das Leben indessen aber weiter. Man hat trotz den Sorgen und Aufregungen Zeit für Kunst. Im Saale des Edison-Kinos in Jerusalem fand das diesjährige Eröffnungskonzert des Palästina-Symphonie-Orchesters unter Leitung von Hans Wilhelm Steinberg statt Zur Aufführung kamen die Pastorale, das Triple-Konzert mit dem Cellisten Bernstein und der Pianistin Vincze- Kraus und die Achte Symphonie von Beethoven. Den Künstlern und dem Dirigenten wurden von dem tausendköpfigen Publikum herzliche Ovationen dargebracht. Von Huberman, der noch an den Folgen seines Flugunfalles leidet, wurde ein Begrüßungstelegramm verlesen. « Budget-Voranschlag der Palästina-Regierung Jerusalem, 4. November. (JTA.) Der Budget-Voranschlag der Palästina-Regierung für 1938 sieht Ausgaben von mehr als sechs Millionen Pfund vor, darunter einen zusätzlichen Beitrag von 45.000 Pfund für die Polizei. NeueiqteUpng Palästinas Jerusalem, 4. November. (JTA.) Das palästinensische Amtsblatt veröffentlicht eine Verordnung betreffend die neue administrative Einteilung des Landes, die vom! Colonial Office in London bereits bestätigt j wurde. Danach wird Palästina in vier Distrikte oingeteilt. Der erste Distrikt umschließt Galiläa und den Akkoer Unterdistrikt, Beisan, | Nazareth, Safed und Tiberias. Sitz des ' Distriktkommissars ist Nazareth. Zum zweiten Distrikt gehören Haifa, Samaxia und die Unterdistrikte Jenin, Nablus und Tulkarem. Sitz des Distriktskommissare ist Haifa. In den dritten, Jerusalemer Distrikt fallen die Sub-Distrikte Bethlehem, Hebron,; Jerictho, Jerusalem und Ramallah. Distriktszentrum ist Jerusalem. Zum vierten Distrikt schließlich gehören die Unterdistrikte Beer-Soheba, Gaza, Jaffa und Ramleb. Sitz des Distriktkommissars ist Jaffa. immmimmmiiimmiiiMfflmimmmminimimmimiiimKmiimwmniimiifflmmmm BLAU - WEISS - Zünder (Keren-Kajemeth- Zünder) erhältlich bei: Viktor Adlersberg, Trafik- und Haushaltartikel, Wien, VH., Zollerlasse 5, Tel. B 33-402. «i^tiffliawuwMwwiBwiwtmBBnBmiBBwniytMwimiynMiiMiimiHiaantwwiu«» Die Hadassah-Konferenz New York, 4. November. (JTA.) Die Jubiläumskonf erenz der Frauenorganisation HacLassah hat beschlossen, einen Warburg-Gedächtnisfonds für Sozialarbeit unter der Jugend Palästinas zu schaffen. 25.000 Dollars wurden von der Konferenz für diesem Zweck bewilligt. Die Arbeit de» Fonds wird unter der Leitung von Miß Henrietta S % o 1 d stehen. Die Delegierten verpflichten sich weiter, 100.000 Dollar für die Fertigstellung des medizinischen Zentrums in Jerusalem aufzubringen. Es wurde ferner beschlossen, 80.000 Dollar für den Jüdischen Nationalfonds zu sammeln. Die am Schluß vorgenommenen Wahlen ergaben die Wahl vom Mrs. Moses Epstein zur Präsidentin und von Miß Henrietta S z o 1 d zur Ehrenpräsident» der Hadassah. Die bisherige Präsidentin Mrs. der Jewish Agency gewählt worden ist, mußte ihr Amt wegen Überbttrdung niederlegen. 1 Baafcgasdittlt Bernhard Wächter Wie» t., Franz-Josefs-Kai 61 (Schottenring 32) Börsenaufträge, Klassenlose, Wechsellnkasso Verhaftungen in Danzig Danzig, 3. November. Die Danziger Behörden beginnen mit scharfen Maßnahmen fegen die Juden. Gestern wurden im Danzig ie Direktoren der Jewish public Bank, Goldhaber und Goldberger, ferner der Prokurist und Kassier dieser Bank unter der Beschuldigung von Deviseovergehen verhaltet Die Danziger Polizei nahm ferner aufsehenerregende Verhaftungen unter führenden jüdischen Persönlichkeiten vor, darunter den Obmann der Danziger Kultusgemeinde, Aron Kazur, sowie den Großindustriellen G u r w i k. Die Polizei beschlagnahmte einen Betrag von über einer halben Million Danziger Gulden. VermögenskonSiskatlonen Warschau, 4. November. (JTA.) Der nationalsozialistische Danziger Senat beschlagnahmte gestern aus Bankguthaben reicher jüdischer Bürger eine Summe von insgesamt 100.000 Pfund. Zur Begründung dieser Maßnahmen wunde angeführt, daß seit den kürzlioben Pogromen viele Juden ihre Geschäfte ins Anslan’d verlegt und dadurch die Danziger Wirtschaft empfindlich geschädigt hätten. Einer jüdischen Delegation, die beim Senatepiräsidenten Greiser gegen diese Maßnahmen protestierte, wurde von diesem erklärt, es sei seine Absicht, Danzig dem Reich einzuverleibem. Daran werde ihn weder die Verfassung noch der Völkerbund und arach nicht irgend eine Großmacht hindern. Wie bekannt wind, worden am Samstag auf allen öffentlichen und privaten Gebäuden Danzigs die neuen Hakenkreuzfäh n e n, mit dem Wappen der Stadt Danzig als Gösch aufgezogen werden. wtKmm» WIEN, II., PRATERSTR. 32 SPEZIALIST FÜR BRILLENOPTIK nach Jerusalem einen Bericht, in welchem _ __ sie mitteilen, daß sie sich voller Gesundheit IJ a c o b 6, die bekanntlich in die Exekutive 138 lüdische Iß%liedeirhal^m Streicher wird die Münchener Ausstellung eröffnen Berlin, 4 November. (Privat.) Am nächsten Montag wird in München die Ausstellung „Der ewige Jude“ eröffnet. Bei der Eröffnungsknndgehung im Kongreßsaal des deutschen Museums wird Julius Streicher sprächen. Dann übergibt Goebbels die Ausstellung der Öffentlichkeit. Im Residenztheater zu München findet Montag abends eine Veranstaltung statt, die in ihrem Grundgedanken der Ausstellung gewidmet ist. Der erste Teil des Programms bringt in szenischer Gestaltung einen Ausschnitt aus Luthers Streitschrift „Wider die Juden und ihre Lügen“, der zweite Teil Rezitationen und ta dritten Teile folgen Shylok-Szenen aus Shakespeares „Der Kaufmann vonVenedi g“._ Gastgeber Goering Dem „Prager Mittag“ wird aus Wien gemeldet: Wie wir erfahren, sind der größte und exklusivste europäische Jagdverein, der „Österreichische Jagdklub“, und der größte Unteretützungsverein für Berufsjäger, das „Grüne Kreuz“, zu der gegenwärtig in Berlin tagenden Internationalen Jagdausstellung nicht eingeladen worden. Diese offene Brüskierung erregt Mer großes Aufsehen und hat besondere Gründe. Die Einladungen zur Teilnahme an der Internationalen Jagdausstellung in Berlin gingen direkt vom Reichs-Jagd-Amt, dessen Leiter der Reichsjägermeister Ministerpräsident Hermann Göring ist, aus. Die beiden Vereine, deren Mitglieder zum Teil dieselben sind, werden anscheinend als nicht „gesellschaftsfähig“ betrachtet, weil in ihren Statuten der Arierparagraph fehlt und weil beide Vereine zusammen Sichern Sie sich rechtzeitig Ihre Karten für die (HAJES-Gedenkfeier am 16. NOVEMBER im Großen Musikvereinssaal

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