Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 11 (1937-1938)
- Issue
- Heft 690 (3.11.1937)
- Date
- 1937-11-03
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Sfr. <00. — Wien, Mittwoch, 8. November 1087. Sott« 3 Die BalSour-Feier der Wiener Zionisten Am 2. November jährte sich zum zwanzig stenmal cter Tag, an welchem die B a 1 f ou r - Deklaration erlassen ■wurde. Aus diesem Anlaß veranstaltete der Zionistische Landesverband im Feetsaale des Hotel Continental eine G edenkfeier, die einen Massenbesuch aufzu weisen batte. Als erster Redner sprach, vom Publikum lebhaft begrüßt, Dr. Egon Michael Zweig (Jerusalem) der die Grüße des kämpfenden Jischuw überbrachte und unter anderem ausfiihrte: Die jüdische Front In Erez Israel unerschüttert Im vertrauten Kreise alter Freunde will ich die Pflicht eines wahren Scbeliaoh nicht vergessen, die volle Wahrheit über Erez Israel zu sagen, aber sie mit gutjüdiechem Optimismus zu deuten. Die Front des jüdischen Volkes in Erez Israel steht trotz aller rohen Angriffe des letzten Jahre« unerschütterlich fest. Der Jischuw hat die Mord- und Brandattacken auf seine Siedlungen in Stadt und Land trotz aller Selbstbeherrschung so eindrucksvoll abgewiesen, daß die jüdische Jugend nun gern für den palästinensischen Polizeidienst herangezogen wird, eine gute Schule für die künftige Wehrmacht des Judenstaates. Auch der Versuch des arabischen Terrorkomitees, den Jischuw wirtschaftlich durch Unterbindung der Verkehrswege und Nahrungsentzug aufs Knie zu zwingen, ging fehl. Die Juden haben kn Gegenstoß Wichtige neue Wirtschaftspositionen besetzt und insbesondere den Ausbau des mächtig wachsenden Hafens in Tel-Aviv und der langentfoehrten von dort nach Haifa führenden Landstraße erzielt Weiter ist dem Jischuw die rasche Überleitung jüdischer Arbeiter vom Hausbau zur Landwirtschaft, sowie die zähe Ausdauer seiner Industrie gutzubuchen. Leider ließ sieh bei der Unsicherheit des politischen Ausblicks wachsende Arbeitslosigkeit nicht (vermeiden. Wenn die palästinensischen Juden überwiegend die von der englischen Regierung empfohlene Teilung des Lande« nicht von vornherein ablehnten, ist das nicht etwa einer Zermürbung zuzusehreibAi, sondern dem Selbstvertrauen, eie würden au® jeder Lage heraus schließlich das Endziel erringen. Besondere erfreulich ist, daß angesichts der wachsenden Gefährdung von außen, und der von allen Kreisen der Judenschaft gebrachten Todesopfer die Einigung und Einigkeit des Jischuw auch über den zionistisch organisierten Teil hinaus, stetige Fortschritte macht. Di© konzentrierte Tätigkeit der Fond«, und zwar des KKL. beim Bodenkauf, und des Sochnuth aus Mitteln des Keren Hajessod bei der Besiedlung hatte immerhin die politische Wirkung, die Voraussetzung für die Grenzziehung eines künftigen Judenstaates zu schaffen. In der Übergangsperiode nun streben unsere Instanzen noch rasch an, au allen erreichbaren Außenbastionen Boden zu erwerben und mit unseren Chaluzpionieren zu besetzen. Um das aber durchzufübren, ist die verstärkte Unterstützung durch die Galuth in der Etappe nötig. Aus allen Ländern, voran Amerika, melden sich bereits Mitarbeiter. Da darf Österreich, schon wegen seiner stolzen Tradition führender Männer, wie H e r z I und C h a j e s, nicht zurückstehen. Diese Verbindung zwischen den beiden Polen jüdischen Lebens, Erez und Galuth, noch inniger zu knüpfen, sei die dankbare Aufgabe des Scheliach. Am Balfour-Tag ziemt es sich, daß wenigstens wir Juden die Treue zum Nationalheim bekunden. Doktor Zweig schließt mit dem Wunsch, er könne und werde an die Front in Erez die Botschaft heimbringen, daß die österreichische Judenschaft gerade in dieser trüben Zeit am ungebeugtem Mut, Tatkraft und Opfereinn hinter niemand zurückstehe. (Lebhafter Beifall.) Nun brachte Martin Miller, von den Zuhörern freundlichst bedankt, mit feinem Verständnis Rezitationen zum Vortrag. Er los ..Lord Arthur James Balfour zum Gedächtnis“ von Alfred Werner, „Das große Wecken“ (Ezechiel, Ka.p, 37) in der deutschen Fassung von Israel Auerbach, und „Zwei Juden“ von Georg Mannheimer. Seine Darbietungen wurden überaus beifällig aufgenommen. Der Weg zum Judenstaat Das Hauptreferat hielt der Präsident des Landesverbandes Dr. Oskar Griinbatun Der Redner führte unter anderem aus: Die Balfour-Deklaration ist das Produkt einer langen englischen Entwicklung, die schon zu Ende des 17. Jahrhunderts begann und für das Volk der Bibel die Rückkehr nach Palästina forderte. Auch Politiker, wie Lord Shaftesbury und Lord Palmerston waren in dieser Richtung tätig. George E11 i o t schrieb den bekannten Roman „Daniel Deronda“, und Lord Byron seine „Hebräischen Melodien“. Alle Juden, die nach Palästina kamen, standen unter dem Schutz der englischen Konsuln. Die Ohowewe-Zion-Bewegung fand in England neuem zu der nationalen Heimstätte des jüdischen Volkes zu machen. Diese Politik steht im Einklang mit der besten Meinung der westlichen Zivilisation in allen Teilen der Welt.“ Auch aus diesen Worten spricht das warm fühlende Herz Balfours, dieses edlen Freundes des jüdischen Volkes. Aus dem Bericht der Königlichen Kommission sei hier noch festgestellt, daß die deutsche Reichsregierung im Weltkrieg alles getan hat,, um die zionistische Bewegung auf ihre Seite zu ziehen, daß aber die englische Regierung rascher waT und die Balfour-Deklaration erließ. Weizmann sagte hierüber vor der Königlichen Kommission: „Möglicherweise betrach¬ EINES STEHT FEST „es muß etwas geschehen“, wenn der Spiegel das erste graue Haar zeigt Aber was und wie? Versuchen Sie das kombinierte Haarstärkungswasser „Entrupat“, das sich als vorzügliches Mittel gegen graue Haare erweist, Kopfschuppen und Haarausfall beseitigt. Originalflasche S 8'80. Prospekt kostenlos. Apotheke Bayer, Wien, L, Wellzeile 13. In Fachge- „Schäften erhältlich. sympathische Aufmerksamkeit, und Theodor H e r z 1 erkannte England als den Faktor, der unsere Aspirationen versteht. Mit Recht habe daher Weizmann über die englisch-jüdischen Beziehungen vor der Königlichen Kommission erklärt: „Diese Verknüpfung war eine reale Sache. Sie war halb religiös und es mag sein, daß sie auch noch andere Ursachen hatte. Aber sie war da, sie lebte im englischen Volk, und deshalb glaube ich, die BaUcnir-Deklaratlon war nur das letzte Glied in der Kette der Versuche, die das britische Volk gemacht hat, um uns zur Rückkehr nach Palästina zu verhelfen.“ Als der Weltkrieg begann, hatten wir Männer wie Weizmann, Achad Haam und Sokolow, die der Größe der Stunde gerecht, wurden. Es ist Weizmanns größtes Verdienst daß wir die Balfour-Deiklaratiom erhielten. Es erübrigt sieh, den Sinn der Balfour- Deklaration lange zu interpretieren. Uns Fräulein Ilse Horowilz Herr Isi Bänder empfehlen sidi allen Freunden, Bekannten und Klubgenossen als Verlobte Wien, November 1Q37genügt, was die Königliche Kommission über sie sagt: „Als das Gebiet, auf dem das jüdische Nationalheim errichtet werden sollte, wurde zur Zeit der Balfour-Deklaration das gesamte historische Palästina verstanden.“ Wir verlangen nur, daß nach dieser legalen Definition der Judenstaat errichtet wird. In einer viel zitierten Rede sagte Balfour, nachdem er die Leistungen Englands für die Araber auf gezählt hatte: „Ich hoffe, die Araber werden in Erinnerung an all das diese kleine Kerbe — denn es ist geographisch nicht mehr, was immer es historisch sein mag —, diese kleine Kerbe in die Länder, die jetzt pabisch sind, dem Volk, dem sie gegeben ist, nicht mißgönnen, das von ihr seit Hunderten von Jahren getrennt ist“ Und im Jahre 1029, nach den damaligen Unruhen, schrieb Balfour an Weizmann: „Das britische Reich und alle Mächte, prit denen es verbündet war, haben feierlich ihre Absicht bekundet, Palästina von tete die deutsche Regierung die Sache als eine Propagandaangelegenheit; aber weder die britische Regierung, noch die Juden haben sie jemals als ein Stück billiger Kriegspropaganda aufgefaßt. Es war niemand damit zu gewinnen, denn die reichen Juden, die mit ihrem Einfluß oder Geld hätten helfen können, für sie bedeutete die Deklaration nichts, und die armen Juden hatten nichts zu geben.“ Wen heute die nationalsozialistische Propaganda für die arabischen Semiten und gegen den Judenstaat Partei ergreift, so geschieht das hauptsächlich darum,1 weil ein sozial gerechter Judenstaat mit einer normal geschichteten Bevölkerung die beste Widerlegung der antisemitischen ScWagworte von der destruktiven Tendenz der Juden sein wird. Ein Erlebnis ohnegleichen Die große Variete-Revue in 16 Biidern .Gaukler sind da!' mit SzSks Szakall, Rlvels, Feind! usw. m RON ACH ER Täglich 4 und 8 Uhr Sonn« u. Feiertage 2, 3.15, 8.30 Uhr Wir können heute in unserer schweren Not nur mit Bitterkeit daran denken, wieviele Prügel man uns vor die Füße geworfen hat und noch wirft, um die Balfour- Deklaration, die Magna Charta des jüdischen Volkes zu verwässern oder gar zu vernichten. Ein Mann ißt hier zu erwähnen, der sich hiebei nicht genug tun konnte, und es schmerzt uns, daß es gerade ein Jude war, der hier als Advoca-tus diaboli auftrat und noch immer auftritt: Lord Herbert Samuel ■Er war es, deT ata erster die Einwanderung einsteMte, er war der Initiator des Gesetzgebenden Rates und er hat Palästina durch die Abtrennung Transjordaniens zerstückelt. Er hat daß Mandat so ausgelegt., wie er ee vor der Mandatskommission im Jahre 1924 unter Berufung auf den angeblichen Willen der englischen Regierung in Ansehung der arabischen Interessen behauptet hat, „so, als ob ee überhaupt keine Balfour-Deklaration gegeben hätte.“ Die Krönung seineT antizionistißchen Tätigkeit aber war seine Rede im Oberhaus nach der Veröffentlichung des Peelberichtes, in welcher er den traurigen Versuch gemacht hat, die Gründung des Judenetaates zu hintertreiben! Die mandatswidrige Verwaltung Nach einer Schilderung der mandatswidrigeu Verwaltung Palästinas durch die englische Bureaukratie erklärt der Redner: Der Oberkommißgär Wauehope, der für die mandats widrige Verwaltung Palästinas verantwortlich ist — daß hat auch die Königliche Kommission fostgestellt —, geht, in Pension. Die Zukunft wird lehren, ob damit eine Systemändening verbunden ißt. Wir sind — und das soll unterstrichen Jeder zehnte jüdische Soldat gefallen 150.000 jüdische Tote im Weltkrieg Im „Schild“, Organ des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten, gibt Chefredakteur Dr. Wollenberg eine Schätzung der Zahl der Juden, die als Soldaten am Weltkriege teilgenommon haben und der Gesamtzahl der an den Fronten gefallenen jüdischen Toten aller Mächte. T Nach einigen bis in die jüngste Zeit getroffenen Feststellungen standen in der englischen Wehrmacht 55.000 Juden, in der deutschen Wehrmacht 100.000 Juden, in derösterreichischen Wehrmacht 200.000, in der amerikanischen 250.000 and in der russischen schätzungsweise 600.000 Juden unter Waffen. Unter Einbeziehung der übrigen Armeen werde man, so sagt der Verfasser, die Zahl der jüdischen Männer unter den Waffen während des Weltkrieges auf VA Millionen schätzen dürfen. Die Heldentaten der deutschen Juden Als Ergänzung zu diesen Feststellungen bemerkt Dr. Wollenberg, daß von den 100.000 in Deutschland eingezogenen Juden über 75.000 am der Front gewesen seien; 12% aller jüdischen Kriegsteilnehmer waren Freiwillige. Insgesamt bekamen Juden etwa 35.000 Kriegsauszeichnungen, 17.000 erhielten das Eiserne Kreuz 2. Klasse. Ungefähr 900 Juden das Eiserne Kreuz 1. Klasse. Vier Juden konnten als Inhaber des Preußischen Goldenen Militärverdienstkreuzes, des höchsten Tapferkeitsordens für Mannschaften und Unteroffiziere, ermittelt werden. Insgesamt sind etwa 23-000 Juden befördert worden; hierunter mehr als 2000 zu Offizieren, von diesen allein sind 322 (16.1%) gefallen. Von 1857 jüdischen Sanitätsoffizieren sind 185 gefallen. Bei der Flieger waffe waren rund 200 Juden; davon sind 50 festgestellt, die den Fliegertod starben. In der deutschen Wehrmacht fielen während des Weltkrieges 12.000 Juden; in der englischen Armee 2500, in der amerikanischen Wehrmacht 3000, in der französischen Armee 4000, in der u u g a r i s c h e n 10.000 und in der österreichischen Armee 30.000. Dr. Wollenberg schätzt die Zahl der im russischen Heer gefallenen Juden auf etwa 80.000. Mit den obigen Zahienangaben ergibt dies eine Verlustziffer von 141.500. Die Zahl von insgesamt 15 0.0 00 jüdischen Kriegsgefallenen unter den etwa 10 Millionen Toten des Weltkrieges werde man, so sagt Dr. Wollenberg, zumindest als das Blutopfer der Juden in Anspruch nehmen müssen. DER WELTBERÜHMTE OBERKANTOR M. KUSEWICKI (WARSCHAU) Singt vor seiner Reise nach Amerika am 16. November im Großen Musikvereinssaal im Rahmen der CHAJES-GEDENKFEIER