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Die Stimme · 1937-11-03 · Heft 690 (3.11.1937) · page 2

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Journal
Die Stimme
Volume
11 (1937-1938)
Issue
Heft 690 (3.11.1937)
Date
1937-11-03
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite Z Ml STIMM! JTt. 800. — Wien, Mittwoch, S. November 10S7, scheinbar noch immer nicht die richtige politische Beurteilung gefunden. Die Führer der arabischen Aktion sind außer Landes geschafft worden, der Mufti konnte entkommen, aber während noch das britische Militär den Banditismus bekämpft, bereitet die Regierung ein neues Gesetz gegen die jüdische Einwanderung vor, das sich angeblich bloß gegen die „Ulegalen“ richtet, aber die Einwanderung überhaupt vom Ermessen des Oberkommissärs, das heißt des ihm beigegebenen Beamtenstabes abhängig macht. Dabei zeigt es sich, daß die Londoner Regierung bisher den Entwurf, der in Falästina bereits verlautbart worden ist, nicht kennt. Hinter ihrem Rücken ist der Plan ausgeheckt worden, der die Juden als Ausländer bezeichnet, ein Spitzelgesetz gegen die Einwanderer enthält, denen im gegebenen Fall die Beweisführung für ihre Aufenthaltsberechtigung angelastet wird, und deren Zahl von der Behörde bestimmt wird. „Wer ein Jud’ ist, das bestimme ich!“ hat einmal Lueger gesagt, und diese Doktrin soll jetzt in Palästina eingeführt werden, im Land des jüdischen Nationalheims, in dem Land, das England zum Range des Judenstaates erheben will. Die Maßnahme ist ein Bruch der von Eden im Völkerbund gemachten Zusicherung, daß die Beschränkung der jüdischen Einwanderung nur einen vorläufigen Charakter haben soll und daß sie höchstens bis April 1938 zu gelten habe. Wird der Wortbruch wieder zum System? Ein solches Verhalten ist eine offenkundige Unterstützung der arabischen Banden. Es steht auch im Gegensatz zut Situation. Die arabische Masse hat sich nicht erhoben, sie leidet wahrscheinlich ebenfalls sehr schwer unter dem Treiben der Terroristen. Anderseits werden die jüdischen Bewohner, die sich der Be liörde zur Herstellung der Ordnung zur Verfügung gestellt haben, in Erbitterung getrieben. Sie bringen schwere Opfer an Blut und Leben; sie sehen wieder die Waldbrände, die Attentate auf Heim und H»f, sie sind bis zum letzten entschlossen, aber für die hochmütige, unfähige Beamtenschaft sind ihre Rechte nur eine lästige Sache, die man mit Denunziantentum und Ordonnanzen degradiert. Die in Palästina ansässigen Mitglieder des Aktionskomitees, die jetzt in Palästina zusammentreten, werden sehr deutlich Stellung nehmen müssen. Will England sich im Orient sichern, so darf das nicht auf Kosten der Juden geschehen. Will der Völkerbund, der hinter dem Mandat steht, nicht auch noch seine letzte Autorität verlieren, so muß er rasch gegen solche Attentate eingreifen. Es wird so viel von der Moral, von der Achtung für Verträge und gegebenes Wort gesprochen, — das muß auch für das jüdische Anrecht gelten. Bankgeschäft Bernhard Wächter Wien I., Franz-Josefs-Kai 61 (Sehottenrlng 32) Börsenaufträge, Klassenlose, Wechsellnkasso Tagung der Politischen Kommission der Jewish Agency London, 2. November. (JTA.) Wie die JTA. erfährt, ist für einen der nächsten Tage nach London eine Tagung der vom Council der Jewish Agency in Zürich eingesetzten Politischen Kommission einberufen worden. Die Tagung wird sich mit den gegenwärtigen Ereignissen in Palästina befassen. Revolte in Transfordanlen London, 2. November. .Exchange Telegraph" meldet aus Jerusalem: Nach hier aus Trans Jordanien eingctroffeneu Meldungen, kam es dort zu einer Araberrevolte gegen den Emir Abdnllah von Transjordanien, dem vorgeworfen wird, der, britischen Teihingsplan für Palästina gutzuheißen. Die arabischen Aufrührer sollen einen Sturm auf die Kaserne von Dalfur und die Residenz des britischen Gouverneurs unternommen haben. Einzelheiten fehlen noch. Mob and bau steigen herab AaMstmg Die Rettung Europas Interview mit Barbarossa Die Lorelei (Verfasser eebekaent) Doktor - Ein JOdlsAer Vorname Blinder Passagier Lied am Stammbaum Quartett zu zweit Die feilung Palästinas leopoldstadter Symphonie Jüdisches Vereinslest Anszug aus Ägypten Öee $, Hovetnbec Uotnttd Ummc vuiUec! HABEN SIE SCHON IHRE KARTE ZUR PREMIERE VON Rassisches und Klassischest REVUE IN 12 BILDERN VON BOBBY WEBER UND VICKI SCHLESINGER - MUSIK VON L. DICKSTEM Karten voa B I SO bi« 8C-: Zion. Landeavwtwnd, t, Mare-Aar»l-StraS*S, 0 «W-ll; ISA, 1., K«i 8, B «-MS; M. RaflklDL, Taboretr. 10», B 45-805; LBwtt, I_ WoSaUe 8, R 85-4-58 j Lanyl. I., KlrntnenrtnS« 44, B 88-5-88; wrao, I., Schotiaaring 28. A U-8-86; Klngktab, I., Kohlmerkt 8, 0 88-4-87; und Zionistische Bezirk »Sektionen Die Jagd auf die Einwanderer London, 1. November. (JTA.) Auf die Anfrage des Abg. Wedgwood betreffend die neue palästinensische Einwanderungs- Verordnung antwortete Minister Ormsby- Gore: Ich hoffe, in einigen Tagen Exemplare der „Palestine Gazette“ zu erhalten, in der der Entwurf für die Abänderung der Einwanderungsverordnung veröffentlicht wurde. Die neue Verordnung sieht vor, daß ein Ausländer, das heißt eine Person, die nicht palästinensischer Bürger ist, im Falle der Beschuldigung, daß er illegal nach Palästina gekommen oder in Palästina nach Beendigung der Frist, die ihm für den Aufenthalt als Tourist oder auf Grund eines Durchreisevisums gewährt wurde, verblieben ist, die Beweislast für seinen rechtmäßigen Aufenthalt zu tragen hat. Die Verordnung enthält auch Bestimmungen über Ahndung von Hilfe and Vorschubleistung an Personen, die die Einwanderungsverordnung verletzen, sowie deren Beherbergung. Sie ermächtigt den High Commissloner, das Gesamtmaximum der nach Palästina innerhalb eines bestimmten Zeitraums zuzalassenden Ausländer festzusetzen und zu bestimmen, wieviele davon Personen jüdischer Rasse sein können. 56 Illegale jüdische Einwanderer verurteilt Der britische Richter in S a f e d hat 56 Juden, davon 24 aus Südrußland, wegen „illegaler Einwanderung“ zu Gefängnis und nachfolgender Landesverweisung verurteilt. Die Abschreckungsmaßnahmen der Polizei Die Mordseuche in Palästina Von M. Y. Ben-gavrifcl Seit mehreren Wochen berichten die Meldungen aus Palästina in ermüdender Gleichförmigkeit fast täglich von Morden und fast gar nichts mehr von politischen Dingen. Und tatsächlich: wenn auch die Politik nicht ganz aufgehört hat, ist sie doch stark in den Hintergrund getreten, denn das Interesse der Öffentlichkeit und auch das der Regierung hat sich fast. vollkommen »nf die; Abwehr dfr in, TOs»retßUba*f» Mai um sich greifenden MÖrdseuche zugewdriSet| Tag für Tag, ohne Übertreibung, wird zumindest ein völlig unschuldiger Mensch auf der Straße erschossen, und zwar, mit fanz wenigen Ausnahmen, am hellichten 'ag und im Zentrum der Städte. Die Technik des Mordes ist stets die gleiche. Ein Mensch geht seines Weges, nichts ahnend und ohne Vorsichtsmaßregeln, wie eben Menschen auf der Straße gehen, plötzlich tritt ihm ein Araber entgegen, zieht den Revolver, schießt und läuft davon. Die Polizei erscheint, sacht herum, schreibt am nächsten Tag eine Kopfprämie aus und damit ist die Angelegenheit erledigt, denn zur Verhaftung kam es bisher niemals. Nach Monaten beinahe absoluter Schutzlosigkeit gegen derartige Terroristentaten, die teils aus reiner Lust am Morden begangen werden, teils aus halbpolitischen Motiven, um die Nerven des Publikums und — der Regierung zu zermürben, trat schließlich die alte palästinensische, bei den Arabern niemals ausgestorbene Sitte des Gom, der Blutrache in ihre Rechte. Wird ein Jude erschossen, dann findet man am nächsten Tag einen erschossenen Araber. Auge um Auge, das große, tausendjährige Wüstengesetz kam wieder in die Städte und begann Polizeifunktionen auszuüben. Trotzdem aber hören die Morde nicht auf. Den Terroristen ist es ja mehr oder weniger gleichgültig, wenn irgend ein Araber, der weder Führer noch Mitglied ihrer Organisationen ist, als Racheopfer für einen Mord des Vortages fällt, insbesondere da sie wissen, daß die Ermordung eines Arabers die Verwandten des Erschossenen ihnen als neue Anhänger zutreibt. Die Polizei aber steht diesen Dingen mehr oder weniger machtlos gegenüber. Nicht nur weil es in den Städten beinahe unmöglich ist, Spuren zu verfolgen, sondern auch, weil Vergeltungsmaßregeln und Abschreckungsmittel hier nicht anwendbar sind. Geschehen nämlich auf dem Land draußen derartige Dinge, und sie _ geschehen fast täglich, dann hat die Regierung eine durchaus andere Taktik, die sich im allgemeinen bewährt: die Kollektivstrafen. Wird irgendwo ein Auto beschossen, werden Eisenbahnschienen oder Telephondrähte zerstört' und versagen die Spürhunde bei der Suche nach den Tätern, dann kommt a.m nächsten Morgen Militär und umzingelt die dem Tatort nächstgelegenen Orte. (Merkwürdigerweise sind in beinahe allen Fällen die Täter aus dem nächsten Ort. Es scheint als wären die Terroristen zu faul, um weite Strecken zwecks Verübung eines YeYbffedfeiis kurttckzulegen.)' Dann erscheint der Gouverneur und verlangt von den Ältesten die Auslieferung der Täter. Dies ist natürlich nur eine rhetorische Phrase, denn die Furcht vor einer Terroristenbombe ist zu groß, als daß man etwas verraten würde, selbst wenn man etwas wüßte. Nun verhängt der Gouverneur die Kollektiv- Strafe über den Ort, die mitunter für Außenstehende unverständliche Formen hat. So wurde letzthin einigen Dörfern verboten, die Oliven vor dem ersten Regen vom Baum abzunehmen. Die Sache wird verständlich, wenn man weiß, daß der Regen den reifen Früchten nicht sehr zuträglich ist, und daß der Preis nach dem Regen fällt. Oder: Ein Dorf darf seinen überschüssigen Dünger während der Dungsaison nicht verkaufen. Zu dieser Kategorie von Kollektivstrafen gehört auch die Verhängung des „Curfew“ auf Zufahrtsstraßen zu einem Dorf. In diesem Fall wird es verboten, innerhalb gewisser Tages- oder Nachtstunden die Straße zu benützen: das Dorf ist von der Umwelt abgeschnitten. Schwerere Strafen sind: Curfew während der Nacht oder gar bei Tag und Nacht, ausgenommen zwei Stunden am Morgen, so daß die Einwohner täglich zweiundzwanzig Stunden in ihren Häusern sitzen müssen. Dazu kommen die Geldstrafen in allen Formen: Das Dorf hat innerhalb einer gewissen Frist soundsoviele Gewehre abzuliefern. (Besitzt es die geforderte Quantität nicht, dann muß sie eben im Schleichhandel gekauft werden, was viel Geld kostet.) Wird nicht abgeliefert, dann kommt eine Geldstrafe, die in letzter Zeit nicht mehr durch Vieh oder Getreide abgelöst werden darf, so daß die Frauen den Münzschmuck, den sie auf dem Kopf tragen, abliefern müssen. Bei ganz großen Verbrechen, wie zum Beispiel letzthin, als der Flugplatz in Ludd angezündet wurde, wird eine ganze Reihe von Strafen gleichzeitig verhängt Vor allem werden Leute, die als Hetzer und gefährliche Individuen bekannt und, auf Grund des Gesetzes zur „Verhütung von Verbrechen“ auf administrativem Weg für einige Monate in die Fettung Akko geschickt, der Ort bekommt Curfew, eine Anzahl voa Honoratioren bekommt den Befehl, sich täglich dreimal )m Polizeiquartier zu melden, und eine neue Poüzeistation mit soundsovielen Polizeisoldaten wird eingerichtet, für deren Uniformierung, Verpflegung und (Ahnung der Ort aufzukommen hat Überdies aber haben die Einwohner eine ziemlich hohe Geldsumme zu erlegen, deren Höbe rieh nach dem angerichteten Schaden richtet Gelingt es aber, die Verbrecher zu verhaften oder wird ihre Identität einwandfrei festgeeteilt, dann schreiten die Behörden zum schwersten und drastischesten Strafmittel, das, wie alle die oben erwähnten, administrativer Natur ist. Unabhängig also von der noch folgenden richterlichen Entscheidung erscheint Militär und sprengt das Haus des Terroristen in die Luft. Alle diese Strafen und Maßregeln mögen dem Europäer vielleicht grausam erscheinen. Sie sind es vielleicht auch, aber sie sind einem Land und einer Mentalität angepaßt, das das Land und die Mentalität dec Fatalismus ist. überdies aber darf nicht vergessen werden, daß den rund fünfhundert Morden der letzten zwei Jahre kein einzig’er zum Tod Verurteilter oder gar Gehenkter gegenübersteht. Die Strafen sind rauh, das ist sicher, aber nicht rauher als die Verbrechen, die tagtäglich begangen werden. Sie sind übrigens weit weniger Strafen als A bschreckungsmaßnahmen und bewähren sich auch in diesem Sinn. So lange zumindest, als in einem Bezirk die Furcht vor den Polizisten größer ist als die vor den Banden. * j. * jfc Der Brand des Baifour* Waldes Die Öffentlichkeit in Erez Israel beschäftigt eich begreiflicherweise noch immer sehr eifrig mit dem verbrecherischen arabischen Anschlag auf den Balfour-Wald. Der durch den Brand angerichtete Schaden wird auf rund 30.000 Pfund geschätzt. Spuren der Brandstifter führen in das Dorf Jafelit bei Nazareth. Der Jüdische Nationalfon de, der an die Regierung Schaden* Seinem Vorstands-Mitgliede Dr. Samson Weingeist spridit anläßlich des Ablebens seines Vaters, Herrn Abraham Weingeist s, A., das innigste Beileid am Club Erez Israel. ereatzforderungen gestellt hat, wird mit der Wiederauff or6tung sofort beginnen. Wie bis jetzt bekannt geworden ist, sind über 50.000 Bäume, ungefähr ein Drittel des Waldes, den Flammen zum Opfer gefallen. Da der Wald an mehreren Stellen zugleich brannte, hegt man keinen Zweifel darüber, daß es rieh um einen Vandalenakt der arabischen Terroristen handelt. Durch den brennenden Wald waren in der Nacht zahlreiche Ortschaften weit im Emek hell erleuchtet. Bekanntlich bedeckt dieser Wald die Hänge der zahlreichen Hügel in dem Nazareth-Distrikt. Bandenfcrieg und die Terrorakte sind indessen weiter an der Tagesordnung. In Haifa wurde versucht, die neue arabische Regierungsechule niederzubrennen. Der Brand konnte schnell gelöscht werden. Säuberungsaktion zwischen Nablus nnd Jenin Nunmehr scheinen die Engländer entschlossen zu sein, energischer durchzugreifen. 2000 Mann britischer Truppen und bewaffnete Polizei sind Freitag ins Gebirgsland von Nablus und Jenin entsandt worden. Die Truppen sind zum Teil mit Maschinengewehren versehen und werden von Panzerwagen nnd Flugzeugen begleitet. Bei einem Gefecht mit einer großen Arabertruppe hat letztere zahlreiche Verluste gehabt. Die britischen Truppen werden vorläufig im Aufstandsgebiet bleiben, in dem der arabische Terror»teniührer Fauzi Kaukadyi bei den Unruhen des letzten Jahres sek Hauptquartier abgeschlagen hatte. Fortsetzung der Landeskonferenz des Keren Kajemeth: Sonntag, den 7. November, 7*10 llhr vormittags, I., Marc-Aurel-Straße 5.

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