Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 11 (1937-1938)
- Issue
- Heft 689 (29.10.1937)
- Date
- 1937-10-29
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Saite 9 K m. - Wien, Freitag, 20. Oktober 1967. 1k, ifm HtöcUad durefy medet in Wie* Zur Durchführung der Chajes- 'Aktion des Keren Kajemeth ist Dr. Egon Michael Zweig in Wien eingetroffen. Dr. Zweig hat sich für die Verbreitung der zionistischen Idee, insbesondere als Gründer des österreichischen Keren Kajemeth-Büros, als Leiter des Palästinaamtes und schon früher, in der Vorkriegszeit, als Obmann des Wiener österreichischen Distriktkomitees große Verdienste um den Zionismus in Österreich erworben. Alle österreichischen Zionisten werden darin wetteifern, Dr. Zweig bei der Durchführung der Chajes-Aktion, die eine Ehrensache für BUe österreichischen Zionisten ist, tatkräftig zu unterstützen. Wetterharte Menschen fürchten keinen Regen, jä keinen Sturm, keine Ange und zurStähSngüiresKötm \ Ä per« den vielfach Währten Wi JLHana Franzbranntwein Kräftigt durch tägliche Einreibungen (Massagen) Muskeln und Sehnen, erhöht Elastizität und Ausdauer, erfüllt mit verjüngender Frische. Ebenso wertvoll zur Mund- und Haarpflege. ln jedem besseren Geschäfte erbt; " * Der Chajes-Monat Dienstag, den 23. November (Kaw Kislew), jährt sich nach dem jüdischen Kalender zum zehntenmal der Todestag nach dem unvergeßlichen Oberrabbiner Prof. Dr. Zwi Perez C h a j e s s. A. Der Zionistische Landesverband für Österreich wird das Andenken des Toten gebührend ehren. Am 16. November, präzise K9 Uhr abends, findet im Großen Musikvereinssaal eine Chajes-Gedenkfeier statt, bei der der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde, Staatsrat Dr. Desider Friedmann, die Gedenkrede halten wird. Im 1 Million Schilling gewann am 8. Otteter ff» das las Nr. 8X77. iine Bayer, Via. Hi!., MtHM. 52 V. Lu per Uau* kutat SS -, V. -S «•-, V. - M'-, V,- «•-. But.ll.il Sl* wfort Ihr SIDoUlui llO.XI. 1987 Mi künstlerischen Teil dieses Abends wird der weltberühmte Oberkantor M. K u sowie k i (Warschau) liturgische Gesänge, sowie hebräische und jüdische Volkslieder zum Vortrag bringen. Für diesen Abend besteht jetzt schon größte® Interesse seitens des jüdischen Publikums. In der zweiten Hälfte des Monats November veranstaltet der Zionistische Landesverband in seinen Räumen eine Chajes- Ged-enkausstellung, bei der unter anderem sehr Interessantes Botoumenteamaterial, insbesondere ein bisher nicht veröffentlichter Briefwechsel mit den berühmtesten jüdischen Zeitgenossen zur Ausstellung gelangt. Ebenso werden aus dem Besitz der Familie Chajes verschiedene, sehr interessante Gegenstände ausgestellt werden. Eine besondere Ehrung des Andenkens für Zwi Perez Chajes sind die von den Fonden K. K. L’. und EL H. veranstalteten Aktionen. Dem K. K. L. in Wien ist es gelungen, als Propagandaredner für die Chajesaktion Dr. Egon Michael Zweig als Leiter der Aktion zu gewinnen. Die Israelitische Kultusgemeinde Wien wird am Jahrestag eine Gedächtnisandacht veranstalten. Unter den Angen des Völkerbandkommissärs: Danziger Exzesse dauern fort Warschau, 28. Oktober. (JTA.) Die Ausschreitungen gegen die Juden in Danzig, die sich am Samstag und Sonntag ereigneten, haben sich in der Nacht zum Montag in größerem Ausmaße und ln weit drastischerer Form wiederholt. Die Auslagenscheiben zahlreicher jüdischer Warenhäuser und Geschäftsläden wurden von Gruppen Exzedenten, geführt von SA.-Leaten, zertrümmert, die Waren in den Geschäften wurden geplündert, zum Teil auch auf die Straße geworfen. Trupps von SA.-Leuten und Hitler-Jugend in Uniform und in Zivil drangen auch in jüdische Wohnungen ein und zerstörten alles, was ihnen unter die Hände kam. Der Schaden, der allein durch eingeschlagene Fensterscheiben angerichtet wurde, wird auf etwa 100.000 Zloty geschätzt. Unter der jüdischen Bevölkerung herrscht Panik. Bet Einbruch der Dunkelheit wagen die Juden nicht, ihre Wohnungen zu verlassen, die Eingangstüren zu den Wohnungen werden verbarrikadiert. Zu den neuerlichen Ausschreitungen kam es trotz einer Kundmachung der nationalsozialistischen Gauleitung in Danzig, in der die Bevölkerung aufgefordert wurde, keine Gewalttaten zu verüben, da „es andere wirksame Mittel der Bekämpfung der Juden gibt.“ Auch In Zoppot Ausschreitungen Die Ausschreitungen machten in Danzig nicht halt, sondern griffen auch auf das Seebad Zoppot über, wo ein einem Juden gehörender Porzellanladen vollkommen demoliert wurde. Die Nationalsozialisten verteilten in den Straßen Zoppots Flugzettel, in denen sie ankündigen, daß sie demnächst nach Zoppot und nach Oliva, einem anderen Kurort bei Danzig, kommen werden, um diese Orte „von den Juden zu säubern.“ Die wohlhabenden jüdischen Einwohner Zoppot® und Olivas haben die beiden Orte verlassen. Auch aus Danzig flüchten zahlreiche Juden unter Zurücklassung ihres Hab und Gutes. Dabei wagen es die Danziger Juden, aus Furcht vor Vergeltnngsakten, nicht, mit den jüdischen Organisationen außerhalb Danzigs in Verbindung zu treten und ihren Beistand anzurufen. Einige geoße jüdische Han de 1 sand Speditionsfirmen haben nach den Meldungen der lnischen Presse infolge der schweren ienfeindlichen Exzesse bereits ihren Sitz von Danzig nach Hafenstädten anderer Länder verlegt. daß der dritte Exzeß stattgefunden hat, nachdem der Senat die Erklärung abgegeben hat. Vertreter jüdischer Hilfsorganisationen haben sich nach Danzig begeben, um die Dauernde Schönheit durch richtige Pflege Belebung, Ernährung, Regeneration der Haut. Creme Vitaskin bewirkt einen jugendlichen, rosigen, samtweichen Teint, verhütet alle Temtunreinheiteu, beseitigt Falten u. Runzeln. Prospekt kostenlos, Tiegel zu S 5.—. Apotheke Bayer, Wien, I., Woilzeile 13. In Fachgeschäften erhältlich. Situation an Ort und Stelle zu prüfen. Der jüdische Parlamentskiufo in Polen, der gleich nach dem Eintreffen der ersten Nachrichten über die antijüdischen Ausschreitungen in Danzig zu einer Sondersitzung zusammengetratea war, hat, bei Außenminister Beck zugunsten der Juden polnischer Staatsangehörigkeit, die unter den hauptsächlich Betroffenen der Pogrome sind, Vorstellungen erhoben. Verschlechterung der Lage Polnische Intervention Es verlautet, daß der diplomatische Vertreter Polens in Danzig bei den dortigen Behörden energische Vorstellungen zum Schutz der polnischen Bürger erhoben hat. Bekanntlich sind unter den Opfern der jüngsten Pogrome zahlreiche Juden polnischer Staatsangehörigkeit gewesen. Der nationalsozialistische Senat soll daraufhin Maßnahmen zugesagt haben, welche der Wiederholung solcher Vorkommnisse Vorbeugen sollen. Wie wenig ernst gemeint diese Zusagen jedoch waren, geht daraus hervor, Optiker rudolf haas & COMP. I WIEN, II., PRATERSTR. 32 SPEZIALIST FÖR BRILLENOPTIK Das Hochschulghetto in Polen Warschau, 28. Oktober. (JTA.) In den Kreisen der fortschrittlich gesinnten polnischen Professoren wächst der Widerstand gegen die Ghettositzordnung an den Hochschulen. Dieser Tage fand eine Beratung der Professoren der humanistischen Fakultät statt, in der sieh die Teilnehmer gegen die ungerechte Verordnung des Rektor® der Warschauer Universität wandten. In derselben Sache ist eine Sitzung der Professoren der medizinischen Fakultät einberufen worden. Man «wartet daß «ine Resolution gefaßt werden wird, in der das Rektorat aufgefordert wird, die Ghettositzordnung abzuachaffen. Diese Verordnung maß übrigens noch durch den Universitätssenat bestätigt werden. Wird sie vom Senat abgelehnt, dann muß der Rektor die entsprechenden Konsequenzen riehen. Der hervorragende Philosoph Professor Tadeusz Ko tarbinski hak «Ja nation&ldemofaatisci» Sünden ten in «einer Vorlesung Danzig, 28. Oktober. (Privat.) Obwohl die Danziger Polizeibehörden in den letzten Tagen verschiedene Verhaftungen Vornahmen, dauert die Spannung an. Die im Deutschen Reiche durchgeführten antisemitischen Maßnahmen, die Kennzeichnung von Geschäften, das Aufenthaltsverbot für jüdische Einwohner in bestimmten Lokalen, die Absonderung der jüdischen Bevölkerung in den öffentlichen Bädern, werden jetzt in Danzig mit Schärfe durchgeführt. Die Schließung von Geschäften infolge Abwanderung von Juden dauert infolgedessen in Danzig an. di« Juden zwingen wollten, die Bänke auf der linken Saalseite emzunehmen, erklärt, er appelliere an diejenigen, die noch ein Gewissem haben. Wäre er ein junger Mann, dann würde er sich jetzt aktiv an die Seite der jüdischen Studenten stellen, um die polnische Kultur von der Schande zu befreien, die die Ghettoeitzordnung über säe gebracht habe. Afe auf der humanistischen Fakultät während einer Vorlesung des Soziologen Prof. Czarnoweki Rufe laut wurden, daß die Juden auf den linken Bänken Platz nehmen sollten, erhoib sieh der Professor und erklärte in starker Erregung, er werde die Einführung eines Ghettos in seinen Vorlesungen nicht dulden, solange er Umversitätsprofessor sei. Die jüdischen Studenten forderte er auf, alle freien Plätze, ohne Rücksicht auf die Nummern, einzunehroen. In L u b 1 i n ist eine „W ochedes polnischen Akademikers“ proklamiert worden. Aus diesem Anlaß demonstrierten Studenten in den Straßen unter dem Ruf „Tod dea Juden.“ In der nationalradikalen Zeitung „ABC“ wird die Einführung von Ghettobänken auch in den höheren Schulen verlangt. Das Blatt beruft sich dabei auf eine soeben vom Warschauer Sohulkuratorium veröffentlichte Erklärung, daß die Sitzordnung in den Klassen dem pädagogischen Ermessen der Lehrer, überlasseD tieft«, EISEH Selchwaren Vfiwa J VERTRAUENSMARKE V y DER KENNER! Im Hinblick darauf, daß die jüdischen Mittelschulen während des Proteststreikes geschlossen waren, hat das Schulministerium die Schulleitungen aufgefordert, die Namen der Lehrer anzugehen, die während des Streikes nicht zum Unterricht gekommen sind. 1000 Bücher.S 1'— Co., 1., Fr*n£jo Wlnterhilfsaktion der KuNusgemeinde Der Vorstand der israelitischen Kult its gemein de Wien versendet an alle Mitglieder der Gemeinde Aufrufe wegen Leistung eines 20%igen Kultussteuer. Dieser Zuschlag ist erforderlich, um die Armen mit Nahrungsmitteln, Kleidern und Schuhen zu versorgen und überall dort helfend einzugreifen, wo die Not groß ist. Überdies muß die Kultuegemeinde ihre Fürsorgetätigkeit, welche sich auf Kinder und Jugendliche, Kranke und Alte erstreckt, fortsetzen, ihre Hilfe den deutschen Emigranten angodeihen lassen und Maßnahmen treffen, um aas rund sieben Millionen Schilling betragende Budget im Gleichgewichte zu halten. Auf die Opferfreudigkeit und das Verantwortungsgefühl der Wiener Judenschaft bauend, will der Kultusvorstand lieuer keinen ZwangszuBchlag zur Vorschreibung bringen und wendet sich an alle Gemeindemitglieder mit dem dringenden Appell, den freiwilligen Zuschlag in der Mindesthöhe von 20% der Kultussteuer zu leisten. Niemand darf sich ausschließen, der nicht selbst in bitterste Not geraten ist! Nicht Almosen, sondern Opfer erfordert die schwere Zeit! Wir geben der Erwartung Ausdruck, daß alle Mitglieder der Kultusgemeinde Wien dem Aufruf Folge leistem und den Betrag ohne Verzug einzahlen werden. Erinnerung an Avlnoam Yellin Von Daisy Gottlieb, Wien Ganz entsetzt las ich die Nachricht von der Ermordung Prof. Avinoam Y e i 1 i n s, den ich kurz vorher (um den 30. September) noch in Wien besticht hatte. Das Ehepaar Yellin wollte nach acht Jahren wieder unsere Stadt besichtigen. Leider macht« eine kleine Grippe mit Fieber im Gefolge Professor Yellin einen Strich durch die Rechnung; er mußte das Hotelbett hüten und bedauerte sehr, uns nicht begleiten zu können; daher machte ich mich erbötig, Frau Elsa allein einige schöne „Platzerln“ meiner Heimatstadt, zu zeigen. Es tat uns sehr leid, daß er die kostbaren, gezählten Urlaubstage krank verbringen mußte, und machten ihm daher scherzweise den Vorschlag, ihn in einer Sänfte in den Straßen spazieren zu tragen. Wer hätte gedacht, daß dieser BANKGESCHÄFT Dr. OFFENBERGER Wien, I., Freyung 1 Telephon: U 27-2-11 U 28-2-55 Durchführung «amtlicher Banku. Börsatransaktionan liebenswürdige, äußerst gebildete, vornehme und stattliche Mann bald wirklich auf einer Bahre durch Jerusalem getragen werden sollte? Auf unserem Gang durch Wien wurde viel Persönliches und auch Politisches gesprochen. Frau Professor Yellin ist eine Frau -von ganz apartem Reiz, eine vorbildlich® i Gattin und Hausfrau; sie ist eine der ersten Frauen Palästinas, das, was der Engländer eine.„perfect lady“ nennen würde. Tagsüber versieht sie, obwohl selbst von zarter Konstitution, den schweren Dienst einer Krankenpflegerin im Hospital Jerusalems, ist in der. Freizeit passionierte, blendende Reiterin,