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Die Stimme · 1937-10-29 · Heft 689 (29.10.1937) · page 2

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Journal
Die Stimme
Volume
11 (1937-1938)
Issue
Heft 689 (29.10.1937)
Date
1937-10-29
Page
– (sequence 2)
Language
German
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•«ft« 2 DIE STIMME Nr. 689. — Wjea, .Freitag, 39. Oktober 1997* DER WELTBERÜHMTE OBERKANTOR M. KUSEWICKI (WARSCHAU) singt vor seiner Reise nach Amerika am 16. November im Großen Musikvereinssaal im Rabmen der CHAIES-GEDENKFEIER OPTIKER (KARL SEIDNER | f., Franzdosefi-Kal 33 ||,, S Fachmännischer lat | Reiche Auswahl S Bette Qualitä Preiswert % Die Danzlger Vorfälle Die jüdische Bevölkerung der Freien Stadt Danzig ist drei Tage lang allen Schrecken der Gleichschaltung preisgegeben gewesen. Jüdische Passanten wurden mißhandelt, jüdische Geschäfte zerstört, geplündert, demoliert, jüdische Wohnungen gestürmt. Die Ausführemden waren die SS., die SA. und die Hitlerjugend. Es waren drei schwere und bittere Tage für einen schon seit Jahren gequälten Bevölkerungsteil, der dafür gestraft wurde, daß er da ist. Etwas anderes hat ihm niemand zur Last legen können, und selbst der Gauleiter Förster hat nichts anderes in seinem „Beruhigungs- CAFE BUCHSBAUM 1L, Kleine Pfarrgasse 21 Telephon A 43-5-19 Bürgerliches FaraüiencaM ■— Inu. ausländische Zeitungen — ßepar. Raum f. geschlossene Gesellschaften — Herabgesetzte Preise — Aufmerksame Bedienung aufruf“ sagen können, als daß die Juden in Danzig leben. Von diesem Aufruf sind dann die Exzesse ausgegangen, da das junge Volk in des Freien Stadt gpt diszipliniert ist und selbständig m handeln weiß und weil es sehr hellhörig ist und jederzeit auch einen unausgesprochenen Befehl auszuführen versteht. Es ist also den Juden beigebracht worden, was unter Recht und Ruhe und Gesetzlichkeit in Danzig zu verstehen ist Aber diese Lehre haben nicht nur sie erhalten, sondern alle Augenzeugen dieser drei Tage, die Konsuln und Zeitungsvertreter aus fremden Staaten. Der Danziger Senat hat schon vor einigen Monaten den totalen Anschluß au den totalen deutschen Staat vollziehen wollen. Es war alles für dieses Ereignis fertig. Das Dreierkomitee des Völkerbundes, das der englische Außenminister Eden leitet, erfuhr von der Angelegenheit und schritt sofort ein, um nicht vor eine vollzogene Tatsache gestellt zu werden. In Danzig und in Berlin wurde sofort erklärt, daß „die Juden“ die restlose Angliederung und die Aus- BenkgeschSft Bernhard Wächter Wien, I, Franz-Joaefs-Kal 61 (Sehottenrlng 32) Börsenaufträge, Klassenlose, WecHselinkasso dehnung der deutschen Reichsgesetzgebung hintertrieben hätten, und man präparierte sorgsam mit der bekannten nordischen List die Stimmung. Bis dann die SS. und die SA. und die H. J. verstanden, was die deutsche Ehre von ihnen erwartet. Sie taten’s in Danzig, in Zappot. in Oliva. Jüdische Menschen wurden krank geschlagen, jüdischer Besitz demoliert. Nun weiß man auch in diesem Winkel Europas, wie Gleichschaltung auszusehen hat, und man kann an dem Schicksal der Juden, die jetzt j aus Danzig flüchten — soweit sie flüchten. können —, das Schicksal erkennen, was! | ein Sieg des Nationalsozialismus für alle' bedeutet, die sich mit ihm nicht abflnden wollen, die ihm widerstreben, wenngleich sie um der Friedensfiktion willen den offenen Kampf scheuen und sich aufs Paktieren einlassen. Die Vorfälle in Danzig haben sich unter den Augen des Oberkommissärs des Völkerbundes abgespielt. Sein Vorgänger wurde hinausgeekelt und der Völkerbund konnte in einer offenen und öffentlichen Sitzung eine Musterprobe nationalsozialistischer Manieren erleben. Er hat dann dem polnischen Außenminister die Regelung der Konflikte übertragen, die gesamte Angelegenheit Danzig jedoch dem schon erwähnten Dreierkomitee übertragen. Der Völkerbund hat das Statut für Danzig erlassen, in welchem die Rechtsgleichheit aller Bürger unter internationalem Schutz gestellt wird. Die Danziger Machthaber jedoch, die unter international nur jüdisch verstehen und denen der neue deutsche Rechtsbegriff eingedrillt worden ist, haben alle politischen Widerstände unter Anwendung ihrer bekannten Methoden beseitigt. Sie haben bei den letzten Wahlen nicht die Dreiviertelmehrheit erreicht, und so sind dann die Deutschnationalen, das Zentrum und die Kommunisten zur Auflösung gezwungen und sogar zum Nationalsozialismus bekehrt worden. Womit soll man nun die "Straße beschäftigen? Gegen die polnische Minderheit kann man nichts wagen. Hinter ihr stehen die Bajonette des polnischen Staates. Also bleiben die Juden übrig. Und der Völkerbundkommissär sieht zu... mit A mjallgaranlie übernimmt Realitätenu. Hypothekengeschäfte führt kulantest durch N. WE.ICHSE.cn/iVMl behördl. konz. Büro, 1., Lugeck 7, R 23-0-23 Wauchope zurttckgetreten London, 28. Oktober. Der englische Oberkommissär von Palästina Sir Arthur Wauchope hat heute abends sein Rücktrittsgesuch eingereicht. Die Riicktrittsabsichten Wauchopes wurden in der Unterhaussitzung vom Kolonialminister 0 r m s b y Gore bekanntgegeben. Der Rücktritt des Oberkommlssärs wird mit Gesundheitsücksichten begründet. Wauchope ist im September von Palästina ach London zurückgekehrt und befindet sich zur Zeit in einem Sanatorium in England. Vor seinem endgfiltlgen Rücktritt, der für Anfang des nächsten Jahres erwartet wird, beabsichtigt Wauchope im November nach Palästina zurückzukehren. Den Posten als Oberkommissär von P hatte er seit 1931 inne. Die Stellung des Oberkommissärs schon infolge der Unruhen des Vorjahres unhaltbar geworden; dies trat zutage, als .der damalige Ministerpräsident Baldwin Hm Unterhaus die Entsendung der königlichen Kommisison ankündigte, die unter anderem auch zu untersuchen habe, welche Schuld die Mandatsbehörde treffe. Die Peel-Komjoaiasion hat dann in ihrem Bericht das vollständige Versagen der Sicherheitsbehörden SsejgegteUt, Wauchope %t immer auf der PÄe der Araberführer gestanden und er hat lieh a/uch jetzt gegen den schärferen Kurs ausgesprochen. Botschaften Weizmanns und Ussisdbkins London, 28. Oktober. (JTA.) Der Präsident —>r Jewish Agency und der Zionistischen Organisation, Dr. Chaim W e i z m a n n, hat einer Botschaft, die er an die am 23. und 24. Oktober in London abgehaltene 14. Jahreskonferenz des Jüdischen Nationalfonds für Großbritannien und Irland gerichtet hat, if die wichtigen Entscheidun- ,, e n hingewiesen, vor denen die zionistische Bewegung steht, und die Bedeutung des jüdischen Bodenbesitzes für die Verteidigung der jüdischen Sache vor der neuen Palästinakommission betont. Der Beschluß des Fonds, so heißt es in der Botschaft Dr. Weizmanns, die Erlösung des Gali! fortzuführen, ist in diesem Augenblick von höchster Bedeutung. Noch nie in der Geschichte der Entwicklung Palästinas war das Bedürfnis nach landwirtschaftlicher Siedlung größer als jetzt. Der Jüdische Nationalfonds hat bei diesem großen Werk eine hervorragende Rolle gespielt; die Errichtung von dreizehn neuen Siedlungen im vergangenen Jahr war allen, denen Palästina teuer ist, eine Quelle der Freude und des Stolzes. Der Fonds muß vergrößerten landwirtschaftlichen Sieddie Bahn ebnen; darum muß er von jedem Juden unterstützt werden. Die Konferenz tritt in einem Augenblick zusammen, da die zionistische Bewegung vor wichtigen Entscheidungen steht. Der Kgl. Kommission, die im vergangenen Sommer ihren Bericht erstattet hat, soll eine neue Kommission folgen, die Verhandlungen mit Juden und Arabern in Palästina führen wird. Meine und meiner Kollegen Pflicht wird es sein, unsere Sache or ihr nach bestem Können zu e r t r e t e n. Das Wissen darum, daß der jüdische Landbesitz in Palästina ständig wächst, wird dabei unseren Standpunkt ti geheuer stärken. Je mehr Boden wir haben, insbesondere mehr Boden in Galiläa, um so stärker wird unsere Sache sein. An Menschen mangelt es uns nicht, zehntausende geschulte Chaluzim warten auf die Gelegenheit, der schrecklichen Notlage in Ost- und Mitteleuropa zu entrinnen. Wir können große Einwanderungsquoten verlangen, aber wir müssen dafür sorgen, daß unsere Forderungen durch unsere Bodenreserven gerechtfertigt sind. Der Präsident des Jüdischen Nationalfonds und des Zionistischen Aktionskomitees, M. M. Ussischkin, betonte in seiner Botschaft an die Konferenz, daß der schnelle Erwerb großer Gebiete der einzige Ausweg aus der jetzigen gefährlichen Situation sei. Je größer der jüdische Landbesitz in den entlegenen Teilen Palästinas sein werde, um so größer die Aussicht, die politische Depression mit Erfolg zu überwinden. Bevor die schicksalsschwere L . düng über die Zukunft des Landes endgültig getroffen ist, müsse der größtmögliche Teil des Bodens erlöst sein. Lord M e 1 c h e 11 erklärte in einem Begrüßungsschreiben, die Konferenz müsse im Zeichen der Entschlossenheit stehen, ohne Furcht vor den politischen Schwierigkeiten die wichtige Arbeit des Bodenkaufs fortzusetzen. Weitere Begrüßungsschreiben waren von dem Vorsifeenden des Jüdischen Nationalfonds in Amerika, Dr. Israel Goldstein, der Marquise of Reading, von Lady Fitzgerald^ dem Unterhausmitglied Colonel H. L. Nathan und dem Keren Kajemeth in Deutschland eingetroffen. ZION. LANDESVERBAND FÜR OESTERREICH, FESTSAAL DES HOTEL CONTINENTAL, Wien, II., Taborstreß« 4 Dienstag, den 2. November, V»# Uhr aMs. Dr. Oskar Grünbaum, Präsident das Zion. Landesverbandes für Oesterreich : „NACH 20 JAHREN" Or. Egon Michael Zweig, Jerusalem: „BOTSCHAFT AUS EREZ ISRAEL" Rezitation: Martin Miller Große Bolfour-Feier Appell an die Araber Der politische Dezernent der Exekutive der Jewish Agency in London, Prof. Selig Brodetsky, ging davon aus, daß politische Erfolge in den nächsten Monaten von den Fortschritten der praktischen Arbeit in Palästina abhängig seien. Trotz der Erfahrungen der letzten anderthalb Jahre bestehe aller Grund zu Optimismus Vielleicht werde es zur Teilung kommen, er glaube aber immer noch, daß die „chirurgische Operation“, wie 'sie von der Kgl. Kommission genannt wurde, sich vermeiden lasse, wenn durch die Maßnahmen der Regierung Arabern und Juden Gedanken- und Redefreiheit ermöglicht wird. Die Araber hätten die Wahl, sich mit den Juden zu der Arbeit am Aufbau Palästinas zu verbinden, um dem Land seine historische Größe wiederzugeben, oder sich von dieser Entwicklung fernzuhalten und sich selbst dazu zu verurteilen, in der bisherigen Wüste zu bleiben. Die Konferenz beschloß im laufenden Jahr mindestens 75.000 Pfund für den Keren Kajemeth aufzubringen. * Syriens Stellung Jerusalem, 26. Oktober. (PalcoT.) Eine Nachricht aus Damaskus meldet, daß die syrische Regierung den Ernst der terroristischen Umtriebe in Syrien voll erfaßt hat. Der syrische Minister des Innern hat auf Fragen eines Vertreters der Zeitung „Al Insha“ in Damaskus über die Haltung der Regierung bezüglich der Ankunft des Mufti geantwortet, daß die Regierung entschlossen sei, strenge Maßnahmen gegen alle Akte zu ergreifen, die geeignet seien, die Beziehungen Syriens zu den Nachbarstaaten schädlich zu beeinflussen. Sf/iezUrfeeectugüttA FÜR FEINE HERREN-WÄSCl# FISCHER 8.FEIDQAIIE1 Die Entwicklung des Hafens von Tel-Aviv Der Hafen von Tel-Aviv bat sich in den letzt«) drei Monaten i m r a s c b e n Te m p o weiter entwickelt Bemerkenswerterweise konnte dieser Aufschwung verzeichnet werden, obwohl von der Regierung und von den Schiffsgesellschaften, die für die Ausladung von Waren in Tel-Aviv pro Tonne 2'A Shilling mehr verlangen als in Jaffa, Schwierigkeiten bereitet werden. Bei der Wareneinfuhr steht Tel-Aviv unter den Häfen Palästinas heute bereits anzwelter Stelle. Es wurden in den Monaten Juli Ms September in Tel-Aviv 27.791, in Jaffa dagegen nur 24.901 Tonnen gelöscht. BLAU - WEISS - Zünder (Keren-Kajemetb- Zünder) erhältlich bei: Viktor Adlersberg, Trafik- und Haushaltartikel, Wien, VH., Zollergasse 5. Tel. B 33-402. Schwere Hagelschaden ln Palästina Vor einigen Tagen ißt In der Umgebung von Tel Aviv ein schwere® Unwetter mit Hagelschlag niedergegangen. Aue Petael) Tikwa wird berichtet, daß in den Orangenpflanzungefl der dortigen Gegend schwerer Schaden angerichtet worden ist. In vielen Pflanzungen wurden zehn bis fünfzehn Prozent, in einzelnen sogar fünfundzwanzig Prozent der Ernte vernichtet. Manche Backhäuser wurden vollkommen zerstört. Der ganze Umfang des Schadens wird ent in etwa einer Woche festgestellt werden können, da za befürchten ist, daß auch ein Teil der an den Bäumen verbliebenen Früchte so beschädigt worden ist, daß er vernichtet werden muß, um ein Efenisten schädlicher Insekten zu verhüten. In der Stadt selbst wurden etwa 500 Fenster durch Sturm und | Hagel zerbrochen.

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