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Die Stimme · 1937-10-27 · Heft 688 (27.10.1937) · page 3

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Journal
Die Stimme
Volume
11 (1937-1938)
Issue
Heft 688 (27.10.1937)
Date
1937-10-27
Page
– (sequence 3)
Language
German
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m 888. — Wien, Mittwoch, 27. Oktober 1887. Snlt« 5 und deutsche Raubten Die Herbsttagxing der mährisch-schlesischen Landesvertretung in Brünn befaßte sieb auch mit den Verhältnissen am Brünner Landestbeater. Der Kulturreferent des Landesausschusses, L o u b a 1, wies die Angriffe des tschechischen Agrariers L e d n i c k y gegen die Leitung des tschechischen Landestheaters in Brünn, daß sie JudenundAusländer engagieren, zurück und sagte: Die Sitten des Dritten Reiches werden wir bei uns nicht einführen, den Rassismus müssen wir aufs schärfste ablehnen. Die Presse H e n 1 e i n s hat in der letzten Zeit wiederum scharfe Angriffe gegen den Direktor des Reichenberger deutschen Stadttheaters gerichtet und dessen Rücktritt gefordert, weil er J u d e n beschäftige. Demgegenüber veröffentlicht das Prager „Montagsblatt“ folgende „authentische Auskünfte“: Unter den rund' 150 Angestellten des Reichenberger Stadttheaters sind nur sieben Personen jüdischen Glaubens. Diese sieben Darsteller erfreuen sich derselben künstlerischen Würdigung und Anerkennung durch Presse und Publikum, wie das gesamte, lediglich nach künstlerischen Gesichtspunkten zusammengestellte Personal Bernhard Tag gestorben Im Altersheim der Wiener Kultusgemeinde ist dieser Tage im Alter von 73 Jahren der Schriftsteller Bernhard Tag gestorben. Er, der zum Kreise Viktor Adlers gehört hatte, schloß sich bald nach Erscheinen des „Judenstaat“ Herzl an, dessen engster Mitarbeiter er wurde. Dr. Tag publizierte zahlreiche Aufsätze, in denen er die „Gedanken Nathan Birnbaums über Probleme der Jüdischen Moderne“ propagierte. Zusammen mit Birnbaum, Kadisch und Stricker nahm er den Gedanken der zionistischen Gegenwartsarbeit in Form der Landespolitik auf. Er gründete in Wien die Jugendgruppe „Jüdische Moderne^ Trauerkiwdgebung für Felix Warbnrg In Wien Der Tod Felix Warburgs hat in weitesten Kreisen der Wiener Judenheit tiefen Eindruck gemacht Der Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde richtete an die Familie des Verstorbenen sowie an das Hauptbüro des Joint hi New York und Paris eine Beileidsadresse, in der die Verdienste Warburgs im Kampfe um die Rechte der Juden sowie auf dem Gebiete der weltumspannenden Fürsorgetätigkeit im Rahmen des von ihm geführten Joint hervorgehoben werden. Die zionistischen und die nichtzionistischeh Institutionen und Organisationen Wiens veranstalteten besondere Trauerkundgebungen. Försters Parole wirkt; Schwere Exzesse In Warschau, 26. Oktober. (JTA.) Unter den Augen des In D a n z Hochkommissärs des Völkerbundes, der u. a. darüber zu wachen hat, daß die religiösen und nationalen Minderheiten auf dem Territorium des Freistaates Danzig nicht entrechtet und verfolgt werden, hat am Samstag in Danzig ein für die Juden materiell sehr verlustreicher nnd auch sehr blutiger Pogrom stattgefunden. Der Pogrom wiederholte sich in der Nacht zum Sonntag. Er kam nicht überraschend; ihm ging eine umfassende terroristische Boykottaktion voraus. Die Juden Danzigs waren gewarnt, die Leitung der Jüdischen Gemeinde hatte einen Aufruf an die Danziger Juden veröffentlicht, in welchem sie den Ernst der Lage betont, and die Juden aufgefordert hat, Ruhe und Würde zu bewahren. Die Hetzrede des Gauleiters Das Charakteristische an diesem Pogrom ist, daß er von dem nationalsozialistischen Gauleiter für Danzig, Förster, wenn auch indirekt, angekündigt wurde. Anf Wie Uu&e ick {uufy? Lassen Sie eich kein graues Haar wachsen, verwenden Sie schon beizeiten das Haarstärkungswasser „Entrupal“, das allmählich und unauffällig wirkt und sich gegen graue Haare vorzüglich erweist. Orlginalflasche S 880 Apotheke Bayer Wien, t. Bezirk, Wollzeile Nr. 13. In Fachgeschäften erhältlich. einer vor einer Woche stattgefundenen Kundgebung der NSDAP, im Danziger Staatstbeater hatte Förster laut Bericht der nationalsozialistischen Presse mit Bezug auf die Juden u. a. erklärt: „Die Juden haben in den letzten Monaten in Danzig ein Benehmen an den Tag gelegt, das mehr als frech nnd unverschämt gewesen ist. Dieses fremdländische Gesindel, insbesondere die aus dem Osten ganz frisch eingewanderten und verdreckten Juden, tun geradeso, als ob sie die Herren in Danzig wären... In den Sommermonaten ist es gerade das Ostseebad Zoppot gewesen, das von allen möglichen Judentypen überlaufen war. Wohin man in Zoppot kam, man war nirgends vor dieser dreckigen und schmierigen Rasse sicher. Sie haben sich in verschiedenen Lokalen Zoppots eingenistet wie die Wanzen. Das ist ein Zustand, den wir in Danzig und auch in Zoppot unter gar keinen Umständen länger dulden können... Die nationalsozialistische Partei in Danzig wird daher in ihrer propagandistischen Tätigkeit während der nächsten Monate besonders die Judenfrage zur Sprache bringen. Wenn im Zuge dieser beabsichtigten Tätigkeit da und dort ein Jude wegen Mißbrauch des Gastrechtes von uns zur Rechenschaft gezogen wird, dann soll man uns ja nicht mit dem Einwand kommen, daß dieser, Jude der Angehörige eines anderen Staates sei." Wiri können ihm ja leider nicht ansehen, daß er eine andere Staatsangehörigkeit besitzt, denn ein Jude schaut eben aus wie ein Jude! Das wäre aber der Höhepunkt, daß man für einen Juden, weil er zufällig ein anderer Staatsangehöriger ist, eintritt und besondere Rechte gelltend macht.“ SS. und Hitlerjugend stürmt die Lüden Kaum eine Woche verging, und schon zeigten sich die gewollten Wirkungen dieser Worte. Es fand in Danzig ein wohlorgani- Lemberger Rektor lehnt Ghetto-Bänke ab sierter Pogrom „mit verteilten Rollen“ statt. Kleinere Gruppen rotteten sich vor jüdischen Geschäften in den verschiedensten Teilen der Stadt zusammen, zertrümmerten die Schaufenster, mißhandelten die Ladeninhaber und ihre Angestellten und bemächtigten sich in verschiedenen Fällen auch der Waren. In wenigen Tagen erscheint Josef Kastein JEREMIAS Dar Bericht vom Schicksal einer Idee In edlem Ganzleinenband S 1260 Völker sterben nicht durch materielle Niederlagen, sondern durch geistigen Selbstmord, durch Verzicht auf die Motive ihres Lebens, durch Angleichung an Geist und Seele des Siegers. Wie es kam, daß das kleine Volk der Juden nicht resignierte, nicht auf seine Motive verzichtete, nicht anerkannte, daß es ihm gegenüber überhaupt einen Sieger gab das alles wird an der Gestalt und der Epoche desjenigen Propheten dargestellt, der solcher geistigen Haltung in seinem Volke Wirklichkeit bereitete. Da hier ewig gültige Probleme behandelt werden, ist das Buch von einer erstaunlichen Aktualität und Modernität, und wer sich über den Zustand der Welt von heute Gedanken macht, sollte es lesen, um zu erfahren, wo in der Geschichte aller Gemeinschaften der Kern ihrer Gestaltung und der Keim ihrer Tragik liegen. Er wird einem Meisterwerk der historischen und der psychologischen Darstellung begegnen, strenger Wissenschaft im Gewände einer lebendigen Erzählung. Zu beziehen durch Jade gute Buch» Handlung oder direkt vom Verlag R. löwit Wien, I., Nalachmarkt 1, Tel, R 2I-4-35 Danziger Gauleiters Förster, aus der der Zweck des samstägigen Judenpogroms in Danzig zu ersehen ist; Förster kündigt im ‘ ■ den Ereigeine gesetzliche i Danzig für die Der Zweck des Pogroms war offenbar der, die Entrechtung der Juden in Danzig rinzuleiten. Es bleibt abzuwarten, wie sich der Völkerbund zu dieser Aktion Warschau, 26. Oktober. (JTA.) An der Universität Lemberg fand die feierliche Eröffnung des neuen Studienjahres statt Der Rektor, Prof. Kulczynskl, verurteilte in seiner Ansprache entschieden die jndenfeiadlichen Ausschreitungen. Er erklärte, daß durch Exzesse, Terror und Mißbräuche das Universitätsleben in einem trüben Licht erscheine. Es werde dadurch moralisch und wissenschaftlich großer Schaden angerichtet, wie die ersten Monate des vergangenen Jahres gezeigt hätten. Zum Schluß sprach der Rektor die Hoffnung aus, daß die Lemberger Alma mater eich von Hetzerei freimachen werde. Nationaldemokratische Studenten haben gegen den Rektor gerichtete Aufrufe verbreitet und auf den Straßen durch juden- und ukrainerfeindMche Rufe demonstriert. Eine Abordnung der antisemitischen Studenten wandte sich an den Rektor mit der Forderung, an der Lemberger Universität ebenso wie in Warschau für die jüdischen Hörer abgesonderte Sitzplätze zu bestimmen. Der Rektor wies diese Forderung bedingungslos zurück. An der Lemberger Technischen Hochschule ist der jüdische Student Alexander Bernstein von Nationaldemokraten schwer ■ mißhandeltworden. Polnischer Hochschulpro* fessor gegen die Diffamierung Warschau, 26. Oktober. (JTA) Auf der Warschauer Zahnärztlichen Hochschule hat Prof. Nicz, als er bemerkte, daß die jüdischen Hörer stehen, diese aiufgefordert, Platz zu nehmen. Die jüdischen Studenten erklärten, sie könnten dies nicht tun, weil für sie nnr abgesonderte Plätze bestimmt sind. Darauf erhob sich der Professor mit den Worten: „Wenn meine Hörer stehen, dann kann ich nicht sitze n.“ Prof. Nicz, der bereits in vorgerücktem Alter steht, hielt die ganze Vorlesung stehend. Im dritten Jahrgang der (von Juden gestifteten) Wawelbergschen Hochschule kam es zu Zusammenstößen zwischen nationaldemokratischen und jüdischen Hörem. Während der Vorlesungen verlangten nationaldemokratische Studenten, daß die Professoren die jüdischen Studenten auf fordern mögen, die für sie bestimmten Plätze einzunehmen. Professor Kawel erwiderte, man könne Menschen nicht zwingen, sich auf abgesonderte Bänke zu setzen. Der Havas-Berichterstatter konnte ausdrücklich feststellen, daß die Pogromgruppen sich aus Mitgliedern derSS. und der Hitler-Jugend zusammensetzten. Die Polizei verhielt sich, wie der gleiche Berichterstatter feststellt, vollkommen gleichgültig. Zahlreiche jüdische Passanten in den Straßen wurden ergriffen und niedergeschlagen. Eine Reihe jüdischer Geschäfte sind vollkommenausgeplündert nnd zerstört. Auch diejenigen jüdischen Geschäfte, die wegen des Sabbath-Ruhetages geschlossen waren, wurden zum Teil angegriffen. In der Nacht zum Sonntag wiederholten sich die Ausschreitungen. An allen jüdischen Geschäften wurden Aufschriften angebracht, in denen christliche Käufer davor gewarnt werden, die Geschäfte zu betreten. Bereits am Freitag vorher fand der Danziger Wochenmarkt zum erstenmal ohne Beteiligung der jüdischen Geschäftsleute statt; an ihren Ständen waren von den Boykottposten Hakenkreuze angebracht worden. „Gesetzliche Regelung der Judenfrage“ Die Danziger und die reiehsdeutsche Presse veröffentlicht eine Erklärung des verhalten wird. Am 25. Oktober waren sämtliche jüdischen Geschäfte in Danzig geschlossen. Das Sammlungsverbot In Rumänien Bukarest, 25. Oktober. (JTA.) Im Zusammenhang mit dem Verbot zionistischer Sammlungen in Rumänien ist der Regierung ein von Oberrabbiner Dr. N i e m j r o w e r, von dem Präsidenten des Keren Hajessod Adolph Bernhardt, und dem Präsidenten des Keren Kajemeth Dr. Samuel S i ng e r unterzeichntes Memorandum überreicht worden, in welchem genaue Angaben über die Ziele und die Arbeitsmethoden der Fonds gemacht werden. In dem Memorandum wird u. a. hervorgehoben, daß gemäß dem rumänisch-palästinensischen Handelsabkommen zwei Prozent des vollen Wertes des rumänischen Exportes nach Palästina an die zionistischen Fonds abgeführt werden müssen. Der Transfer dieser Fonds stand somit offen unter der Kontrolle der Regierung. Der Beschluß der Regierung, die Sammeltätigkeit der Fonds zu untersagen, bedeutet eine Gefährdung der normalen Handelsbeziehungen zwischen Rumänien und Palästina. Dienstag« 16. November 1937« V*9 Uhr abends, Groller Musikvereins-Saal #111 |Pf 0* PHPkMf PIMPil afiMNMdt der zehnten Wiederkehr des Todestages % II J E VI Ei IT E PI Im I E I E K Gedenkrede: Staatsrat Pr. Pesider FUHRMANN Milwirkend der weltberühmte Oberkanlor M. KÜSEWICKI

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