Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 11 (1937-1938)
- Issue
- Heft 688 (27.10.1937)
- Date
- 1937-10-27
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 2 Nt. 688. — Wien, Mittwoch, 27. Oktober 1937. nicht den 'schweren Fehler des eisten Oberkommissärs Herbert Samuel wiederholen und den Book zum Gärtner machen. Es wird Araber in Amt und Würden einsetzen, die nicht über die Grenze schielen und antienglische Interessen fördern. England irrt aber, wenn es meint, dadurch und durch eine weitere Unterbindung der jüdischen Einwanderung das Problem meistern zu können. Ruhe und Frieden in Palästina, die Sicherheit der Ölleitung und des Suezkanals, und die Unterbindung der vom Ausland her geschürten Agitation unter den Arabern haben einen neutralen, lebensfähigen und großen Judenstaat zur Vorbedingung. Denn über den Besitz Palästinas kann es zwischen den Mächten nie zu einer Einigung kommen, eine Perpetuierung des jetzigen Zustandes oder ein Kondominium würde nur eine Verlängerung der Spannungen bedeuten und letzten Endes zu einem neuen Weltkrieg führen. Deshalb erfordert, es das Interesse der Welt, daß das östliche Mittelmeerbecken durch die Etablierung des Judenstaates, den 52 Nationen durch die Gutheißung der Balfour-Deklaration dem jüdischen Volk versprochen haben, pazifiziert wird. Wenn es noch keinen Jischuw in Palästina gäbe, heute müßte er geschaffen werden. Die internationale Situation müßte es den englischen Politikern klarmachen, daß England nur gewinnen kann, wenn es die mandatswidrige Politik aufgibt, die sich in den eben angekündigten Einwanderungsbeschränkungen neuerlich manifestiert. Führt England das Mandat dem Sinne und dem Wortlaut nach durch, dann werden die Millionen Juden, die in Palästina wohnen werden, der beste Schutz gegen fremde Begehrlichkeiten sein und den Frieden im östlichen Becken des Mittelmeeres sichern. Nur ein starker Judenstaat ist in der Lage, die hochgehenden Wellen im östlichen Mittelmeer zu glätten und so für die Erhaltung des Weltfriedens einen wertvollen Beitrag zu liefern. Direktor Jakob Buxbanm gestorben Am 24. d. wurde in Eisenstadt Direktor Jakob Boxbanm unter starker Beteiligung der jüdischen und christlichen Bevölkerung zu Grabe getragen. Mit Direktor Buxbaum, der ein Alter von 70 Jahren erreicht hat, ist einer der ältesten und treuesten Zionisten des Burgenlandes dahingegangen. Durch 40 Jahre wirkte der Verblichene unermüdlich für die zionistische Idee. Viele Errungenschaften auf jüdischem und zionistischem Gebiete der Stadt Eisenstadt sind ihm zu verdanken. Er war viele Jahre Obmann deT Zionistischen Ortsgruppe in Eisenstadt und Gründer des „Jüdischen Volksbildungsvereines“. Nach vielen Kämpfen erreichte er es, daß eich die KKL.-Aktion in der jüdischen Familie und im Tempel in Eisenstadt einbürgern konnte. Als religiöser Zionist betätigte sich der Dahingeschiedene sowohi auf religiösem als auch auf sozialem Gebiete. Er wurde oft von der Bundes- und Landesregierung ausgezeichnet. Auch auf journalistischem und schriftstellerischem Gebiete war er tätig. Noch heute steht sein zweibändiges Eeiigionsunterrichtsbuch in Ungarn in Verwendung. Der Verblichene war bei der gesamten Bevölkerung beliebt und angesehen. Am Sarge sprachen: für die Landesregierung Regierungsrat Kath, für die Kultusgemeinde Rabbiner Schlesinger, für den Zionistischen Landesverband für Österreich Dr. F. P i c k h o 1 z. für die Lehrerschaft des Burgenlandes Oberlehrer 0. G e r ö, für die Schülerschaft Prof. K. L ö w y, für die Zionistische Jugend H. Z e h n g u t. Ferner sprachen J. Gelles (Mattershurg), Dir. A. Buxbaum, J. Fischmarin und J. Großmami. Die religiösen Zeremonien wurden durch Oberkantor J. Goldstein mitdem ,,el Mole rachamim“ eingeleitet. Nach dem Begräbnis fand eine Trauersitzung der Zionistischen Ortsgruppe Eisenstadt statt, bei der Oberlehrer Gerö die Gedenkwortc sprach. Die PalSstina-IndttStrlet Mandatsregierung gleichgültig Tei-Aviv, 25. Oktober. (JTA.) In der nun den Handel Palästinas mit d Überreichung des SÜberbnchdipIoms des K. K. L. an Dr. Hugo GroB. Der Hechaiuz Haklal ZWni (Stadtkibbuzi hat beim letzen Onegg-Sabbath Dr. Hugo Groß da« Diplom der SJberbucheintragung des K. K. L. in Anerkennung seiner Verdienste um die Allgenieinzaoinstische Cha! uzbewegung feierlich Überreicht. Tageszeitung „Haitoker“ ist ekle Unterredung mit dem Vorsitzenden des palästinensischen Industriellemrerbandes, Arje S h e n k a r, über die gegenwärtige Wirtschaftslage im Lande erschienen. Shenkar ist der Ansicht, daß die Situation häufig allzu pessimistisch beurteilt werde. Wohl ist die Lage schwierig, sagt er, trotzdem dürfe man nicht pessimistisch sein. Wir wagen und haben uns davon überzeugt, daß ein 450.000 Seelen starker Jischuw wirtschaftliche Positionen nicht so leicht a u f g i b ti Die Energien sind noch nicht erschöpft und die in den letzten drei Jahren investierten großen Kapitalien sind nicht verlorengegangen. Was die Industrie betrifft, so ist die Lage nicht in allen ihren Zweigen gleich. Die B i e t r i e ist stark zurückgegangen. Etwas besser steht es in der T r i ko t ag enun d Bekleidungsindustrie. Zufriedenstellend ist sie in der Lebens- und Genußmittelindustrie und in einer Reihe weiterer Zweige. Bemerkenswert Ist, daß gerade in dieser schweren Zeit der Import von Fertigwaren gestiegen ist. Die Regierung verhält sich aber gleichgültig gegenüber den Bedürfnissen der einheimischen Wirtschaft. Man muß ihr zu verstehen geben, daß ohne einen neuen Zustrom von Einwanderern und Kapital der Jischuw nicht gehalten werden kann. Shenkar wies weiter auf die Gerüchte über Abschaffung des Artikels 18 des Mandats (Prinzip der offenen Tür) hin. Dies würde nur eine vorbereitende Maßnahme Sanierung der Wirtschaftslage sein. Es ist noch nicht bekannt, ob die Regierung irgend welche Schritte unternommen hat, um Handelsabkommen mit anderen Ländern zu schließen. Ist dies nicht geschehen, dann würde die Aufhebung des Artikels 18 keinerlei unmittelbare Vorteile bringen. Zum Schluß betonte Shenkar, daß die Unsicherheit der letzten Jahre das Auslandskapital vor Investierungen in Palästina abgeschreckt habe. In allerletzter Zeit scheine in dieser Hinsicht i' leichte Besserung eingetreten sein. Sollte diese anhatten and die Regierung nicht wieder in die Politik verfallen, jedem Schritt vorwärts zwei Schritte zurück folgen zu lassen, dann bestehe die Hoffnung, daß eine Wendung zum Besseren eintreten wird. Vor allem aber brauche die Wirtschaft Sicherheit. Es gehe nun darum, ob im Lande Ruhe Ordnung herrschen wird, Import und Export Palästinas Das vom Völkerbund herausgegebene Staistische Jahrbuch verzeichnet die AußenhandeJsziffem aller Länder in amerikanischen Golddollars und gibt dadurch verläßliche Vergleichsziffern. über den Import und Export der Länder des Naben Ostens in den Jahren 1935 un i 1936 werden folgende Sum- Millionen Golddollar angegeben, wobei die annähernden Bevölkerungs Ziffern bögesetzt erscheinen: Import Export Ägypten 93-3 Türkei 21-1 22-9 51-6 39-3 23-4 21-2 41-6 43-6 92-1 102-6 99-1 65-9 70-0 10-2 11-2 12-2 10-6 16,0004)00 15,000.000 45-3 55-4 16,000.000 Nachbarländer ira ersten Halbjahr 1937 mit dem in dem ersten sechs Monaten des Jahres 1986, so findet man eine bedeutende Erhöhung. Die Ziffern lauten. Importe in der Exporte in der ersten Hälfte ersten Hälfte 1936 1937 1986 1937 Pfund. St rling 380.888 874320 29367 46367 99.122 95.286 848 1.068 77.142 274-681 3.941 4356 477.682 726364 131.740 385.631 84-750 115.957 15380 f~ *" 969.484 1,586.207 182.026 474.211 Ägypten bin Irak Türkei Summe Der gesamte Import hat sich also um 60 Prozent erhöht und der Export um mehr als 160 Prozent. Vergleicht man nun den bedeutenden Export nach Irak mit < großen Volumen des Imports ans diesem Land, so sieht man, wie schlecht eich der Handelsvertrag mit Irak für Palästina auswirkt. Dieser Handelsvertrag gibt Irak Präferenzen beim Import nach Palästina, ohne daß Palästina bei seinem Export nach dem Irak den gleichen Vorzug genießen würde. Auch dieser Fall zeigt, daß grundlegende* Änderungen der Handelspolitik Palästinas auch schon vor der Gründung des Judenstaates unbedingt notwendig sind. Die schwere wirtschaftliche Situation, unter der das Land derzeit leidet, erfordert rasches Handeln. Die Attentate in Palästina Jerusalem, 26. Oktober. An der Straße ericbo-Jerusalem wurde ein Lastkraftwagen der Potash Company, der Kaligeselischaft am Toten Meer, angegriffen. Der jüdische Kraftwagenlenker wurde d u r einen Schuß getötet. Der ( Wagen begleitende Polizist wurde s c h w ~ e r 1 e t z t. Nach einer Reuter-Meldung wurde bei einem anderen Attentat ein jüdischer ter getötet sowie ein jüdischer und ein arabischer Polizist verletzt. Überfälle auf Lydda In Lydda wurden wieder verschiedene Versuche unternommen, die Telephon verbindung mit der Eisenbahnstation zu zerstören. In der Vorgänge - Nacht wurde die Polizeistation in Lydda wieder von unbekannten Tätern angegriffen und beschossen. Eine ähnliche Nachricht Man sieht also, daß Palästina im Jahre 1936 den dritten Platz bezüglich der Importziffem einnimmt, obwohl es die kleinste Bevölkerung hat. Ein Grand hiefür ist in den Bestimmungen des Artikels 18 des Mandatsvertrages zu finden. Darnach gilt in Palästina das System der offenen Tür, und es darf Handelsverträge nur mit Staaten schließen, deren Territorium im Jahre 1914 zur Gänze zur asiatischen Türkei oder zu Arabien gehörte. So kommt es, daß es Staaten gibt, die große Exporte nach Palästina aufzuweisen haben, ohne auch nur annähernd große Importe aus Palästina aufzunebmen. Alle bisherigen Versuche, Palästina innerhlafo des englischen Imperiums jene Stellung eiazuräumen, die in Zoliangelegenheiten den Dominions zukommt (Imperial preference), blieben bisher vergeblich. Die Mandateregierunghat auch bisher die Industrie Palästinas nur zögernd und mangelhaft vor einer Überflutung durch ausländische Erzeugnisse Empfängern und die größeren Stationen geschützt. mit Kurzwellensendern auagestatln der oben mitgeteilten Aufstellung fällt tet Dadurch wird die Arbeit gegen die auch der Rückgang des Innen- und Außen- Terrroristen bedeutend erleichtert, die sich handele in Palästina im Jahre 1986 auf. Das.in den Bergen aufhalten nnd oft die Telejst eine Folge der Unruhen. Vergleicht man | phondrähte durchschneiden. Eine ähnliche Nachricht kommt aus Ramieh, wo ebenfalls die Polizeistation das Ziel eines Feuerüberfalles war. Auf der Straße zwischen Nablus und Tulkarem wurde ein Militärfabrzeug aus dem Hinterhalt beschossen und auf der Landstraße von Jerusalem nach Hebron wurde der Verkehr Nähe des Salomon-Teichs durch Barrikaden, die in der Nacht errichtet worden waren, gestört. Bei R a f a ist es den Aufständischen gelungen, die Drähte der Telephonleitung zwischen Palästina und Ägypten zu zerstören, ln keinem der Fälle ist bisher bekannt, ob die Attentäter gefaßt oder festgestellt werden konnten. Weitere Anschläge _ isalem, 26. Oktober. (JTA.) Der 29jährige Angestellte der Palestine Mercantilc Bank in Haifa, Jehuda Bronstein, ist einem Araber auf heimtückische Weise isebossen worden. ie Station der jüdischen Hilfspolizei Safed ist beschossen worden. Verletzt wurde niemand. Der am Samstag im Schneller-Viertel von Jerusalem durch einen Revolverschuß verletzte christliche Araber ist Mar- Effendi Haddad, Verfasser einer weitverbreiteten Grammatik für palästinensisches Arabisch. In mehr als 20 Ortschaften sind strafweise Polizeiposten gelegt worden, für deren Kosten die Einwohnerschaft aufzukommen hak Kurzwellensender ln den Polizeistationen Jerusalem, 26. Oktober. Alle Polizeitationen wurden mit Kurzwelle London, 26. Oktober. (JTA.) Das tschechoslowakische Preßbureau meldet: Der britische Rundfunk wird demnächst mit eigenen Kurzwellensendungen in arabischer und hebräischer Sprache beginnen, um der antibritischen Propaganda, insbesondere der italienischen, der Radiostation Bari, zu begegnen. Hiezu schreibt „Evening Standard“, die britische Regierung könne nicht zulassen, daß das Kolonialreich unverteidigt gegen die Flut der «isländischen Propaganda Weibe. 12400 Jnden in Palästina ln einem Jahre naturalisiert Das Tschechoslowakische Preßbttro meldet aus Haifa: Die Zahl der Naturalisierungen der Juden ist im Laufe des Jahres von 600 auf 12.000 Personen gestiegen. Am meisten sind es ehemalige polnische und deutsche Staatsbürger, die ach naturalisieren lassen. Tschechoslowaken gab es bloß 70, im Vorjahre 73. Diese Massennaturalisierungen sind bestimmt durch die verschiedenen neuen Gesetze, die den palästinensischen Bürgern größere Rechte einräumen als den Ausländern. Im Verlaufe von 8 Monaten sind nach Palästina 7865 Juden eingewandert (im Vorjahre 21.738). Aus der Tschechoslowakei sind 164 Juden und 4 Christen edngewandert (im Vorjahre 443 und 3). * * * Eine echte Jüdin Eine Wiener Familie erhielt dieser Tage einen Brief von einer in Palästina lebenden jungen Angehörigen. In dem Schreiben kommt die folgende charakteristische Stelle vor: Ihr habt mir einmal geschrieben, ich solle naeh Wien kommen, um mich zu erholen. Leider muß ich Euch dies abschlagen. Erholung habe ich sicher nicht nötig. Ich bin zwar nach der Arbeit etwas müde. Aber das geht nicht anders. Aber während der Arbeit bin ich sehr frisch und fühle mich sehr ge-. sund. Kopfweh und Magenschmerzen sind völlig verschwunden. Ansonsten müßt Ihr auch verstehen, daß ich an das Land sehr gebunden bin und gerade zu einer Zeit, wo es in Gefahr Ist, nicht weg kann. Ihr werdet sagen, ich sei' Idealistin. Gäbe es keine solchen jungen . Juden, die ganz bereit sind für Erez, dann könnte das Land nicht anfgebant werden. Meine Aufgabe hier ln der Landwirtschaft ist schwer, aber ich bin stolz, daß ich sie erfülle. Hebräische Turn- und Sportsprache. Der „Wad Haiaschon“ hat «n ausgezeichnete« Spezialwörterbuch für Turnen und Sport herausgebracht, das auf 265 Seiten die Übersetzung fast aller Ausdrüdip und Begriffe der Turn- und Sportspraehe ins Hebräische enthält. Den hebräischen sind die deutschen, englischen und polnischen Worte gegenüber-gestellt, so daß dieser wertvolle Beitrag zur Einführung des Hebräischen in die Makkabi-Turn- und Sportsprache in unseren Kreisen weiteste Verbreitung finden sollte. Die Exekutive des Makkabi-Weltverbandes wird imstande sein, den interessierten Kreisen und Makkaibim dieses grundlegende Werk zu außerordentlich günstigen Bedingungen, d. h. mit einer fast 50%igen Ermäßigung, zu verschaffen, wenn eine genügende Anzahl von Bestellungen eingehen wird. Es steht geschrieben t Stete sei tätig, damit du vom eigenen Geschäfte lobest, denn aus diebischer Baad lobt jeglicher Mann, der nichts tut (Psoudo-Phokylides.) Verflucht sei, wer das Recht des Fremdlings, der Waise und der Witwe beugt. (5 Mos. 27, 19.) * Von dem, der üble Nachrede verbreitet, sagt der Heilige, gepriesen sei er, ich und jener, wir körnen nicht zusammen in der Welt sein. (Talmud, Arschin 15 b.) * Hüte dich vor Stolz! Es hat die Sünde keinen größeren Freund als Stolz. (Samson Raphael Hirsch, Choreb c. 12.) Alle deine guten Werke sollen geheim sein, und jeder Fromme soll darum beten, seine guten Werte den Menschen nacht kund werden, damit sein Lohn nicht verringert wende. (Mose Koben b. Eleasar.) Beeer trockenes Brot und Ruhe dabei, als ein Hans voll reicher Mahle bei Zänkereien, (Sprache 17,1.) ,