Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 11 (1937-1938)
- Issue
- Heft 686 (22.10.1937)
- Date
- 1937-10-22
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nir, 686. — Wien, Freitag, 22. Oktober 1987. Salt« 3 BANKGESCHÄFT Dr. OFFENBERGER Wien. U, Freyung 1 Telephon: U 27-2-H Ü 28-2-55 Durchführung s&mtl Jeher Banku. MrMRMiakt'AitM Ehrung der Fonfkampfmeisterln Gottlieb Du Präsidium der Uraelitischen Kultusgemeinde Wien bat Gerda Gottlieb, Mitglied der Leichtathletik-Sektion du Sportklubs Hakoah, die ztiffl fünftenm a 1 heuer im modernes Fünfkampf Meisterin von Österreich wurde, in einem herzlichen Schreiben beglückwünscht. Zwei junge jüdische Helden Gleichzeitig hat das Präsidium Anlaß genommen, zwei jüdische Schüler, den 15jährigen Ernst Fleischer und den 13jährigen Herbert Friedmann, beide wohnhaft in Wien, XX., Klosterneuburgerstraße Nr. 61, die Anerkennung dafür auszusprechen, daß sie in der Nähe der Brigittenauerlände mutig und entschlossen in den Donaukanal sprangen und eine lebensmüde 18jährige Schneiderin vor dem Ertri kungstode retteten. Jeden Menge Einreibung mit Diana, stärkt Sie für den ganzen Tag Sie arbeiten Hott und ermüden ritdit Matsagen mit „DIAN A" erfüllen mit verlangender Kraft, stählen Körper und Nerven. — Ebenso wertvoll zur Mundu. Haarpflege DIANA FRANZBRANNTWEIN MITMENTHOL Felix Marburg gestorben New York, 20. Oktober. Der Bankier Felix Warburg, Mitglied des Bankhauses Kuhn, Loeb u. Co., ist im Alter von 66 Jahren gestorben. Felix Warburg wurde 1871 in Ilambui^j geboren. Im Jahre 1894 übeisiadelte er, wie später sein älterer Bruder Paul, der dann Präsident der International Aeeeptanoe Bank in New York wurde, nach New York. Dort wurde er der Schwiegersohn des aus Frankfurt am Main stammenden Bankiers und Philanthropen Jakob H. Schiff und dessen Teilhaber in dem Bankhaus Kuhn, Loeb u. Co. Er führte viele soziale Aktionen durch. Von großer Bedeutung war insbesondere «eine philanthropische Tätigkeit seit dom Weltkrieg. Schon in den ersten Jahren des Krieges nahm er eich der Kriegsopfer in großzügigster Weise an. Er stand an der Spit2e 1» American Joint Distribution Comittees. Daß es dem Joint seit seiner Gründung bis heute gelungen ist, weit über 100 Millionen Dollar lür Hilfe- und konstruktive Aufgaben des Judentums aufzubringen, war zu einem großen Teil sein Verdienst. Er gehörte auch als Vorsitzender, Ehrenpräsident und Attsschußmitglted einer großen Zahl anderer Wohltätigkeit«- und kultureller jüdischer Organisationen an. Ein Objekt seiner Förderung war die Hebräische Universität in Jerusalem, für die er 500.000 Dollar spendete. Er war auch eines der vier Mitglieder der von der britischen Mandateregierung nach Palästina entsandten Joint Palästina Survey Commission, die 1023 ein ausführliches Gutachten über da« jüdische Palßstinawerk atisgearbeltet hat. Felix Warburg hat das jüdische Problem stets nur unter dem Gesichtspunkt der Philanthropie angesehen. Er war der Führer der amerikanischen Niohtzionisten in der Jewish Agency und hat di« Judenstaateldee wie überhaupt dl« zion'etieche Ideologie stets auf dr« schärfste bekämpft. Seine politische Linie war dfe des gewesenen Oberkommissät« Herbert Samuel und es ist bekannt, daß dieser seine bekannte Oberhaufirede zum Teilungeplan, in der er die Juden zu größeren Opfern zugunsten der Araber1 aulorderte, &aoh eia«r telephonischen Unterredung mit Felix Warburg gehalten hat. Auf der letzten Tagung das Council dSr Jewish Agency in Zürich lm August d. J. trat Felix M. Warburg dadurch besonders hervor, daß erheftig gegen eine positive Stellungnahme zu dem von der englischen Regierung vorgeschlagenen Plan der Teilung Palästinas, bevor nicht eine Verständigung mit den Arabern erzielt worden 6ei, aufgetreten ist Er erklärte: Die Doiiernäe Schönheit M Heutige Pflege Belebung, Ernährung, Regeneration der Haut Creme Vltaskin _igt Palen u. Runzeln. Prospekt kostenlos, Tiegel zu 8 5.—. Apotheke Bayer, Wien, I. Woilzalie 13. - wesehsnen erhältlich. amerikanischen Nichtzionisten würden diel Jewi&h Agency verlassen, fall« der Counoil’ eine Politik beschließt, die der Möglichkeit ( eilte® Friedens mit den Arabern nicht Reeh-; nun# trägt. In diesem Sinne wurde denn auch eine Resolution gefaßt. Älterer Bruder von Felix M. Warburg ist Max M. Warburg, Chef des Hamburger Bankhauses Warburg, der an der Spätes de* Hilfe vereine der Juden ln Deutschland steht und sich ebenfalls als großer Förderer dos jüdischen Aufbans ln Palästina betätigt Bei aller Gegnerschaft gegen den Zionismus ist aber doch Warburg als eine Persönlichkeit zu werten, die kn Kampfe stets vornehm geblieben ist. Er hat die Mittel, derer sich die Assimilation eonst bedient, immer verschmäht und er hat sich den finanziellen Verpflichtungen nie entzogen. Sein Ableben ist für alle Fäll© in Anbetracht der gegenwärtigen Situation ein schwer fühlbarer Verlust für die Jewish Agency. Ziffern, die Bände sprechen: Immer weniger Wiener jüdische Kinder Die Amtsdirektlon der Israelitischen Kultusgemeinde Wien veröffentlicht soeben auf Grund der Aufzeichnungen des Matrikenamtes Daten, aus denen man ersieht, wie die jüdische Gemeinde in Wien immer kleiner wird und unter welch schwierigen seelischen und materiellen Verhältnissen viele ihrer Mitglieder leben. Es ist ja bezeichnend genug, daß in den ersten neun Monaten des Jahres 1937, in denen 786 Trauungen vollzogen wurden, bloß 568 jüdische KlnderzurWeltkamen — 286 Knaben und 282 Mädchen —- dagegen 2045 Sterbefälle ointraten, an denen das männliche Geschlecht mit 1049, das weibliche Geschlecht mit 996 Personen beteiligt ar. Von den Todesfällen waren nicht weniger als viereinhalb Prozent auf Selbstmord z u r ü c k zu f ü h r e n. Die furchtbare Tragik, die sich hinter dieser Feststellung verbirgt, kann man ermessen, wenn man weiß, daß in der Vorkriegszeit dieser Prozentsatz nur 1K betrug. Der Schrumpfungsprozeß der Wiener Judengemeinde wird aber besonders deut lieh erkennbar, wenn man die Daten ins Auge faßt, .die sieh auf den Schulh.e-. such beziehen. Im Schuljahre 1936/37 besuchten 2294 jüdische Knaben und 2487 jüdische Mädchen die Volksschule, 1582 Knaben und 2048 Mädchen die Hauptschule. Die Zahl der schulpflichtigen Kinder, die die erste Volksschulklasse besuchten, betrug 1002, während im Schuljahre 1935/86 1148 Schüler und Schülerinnen, im Schuljahre 1934/35 1182 Schüler und Schülerinnen und im Schuljahre 1983/34 noch 1286 Schüler und Schülerinnen die 1. Klasse Volksschule frequentierten. Nach den Aufzeichnungen des Matrikenamtes werden wegen des ständigen Rückganges der Zahl der Geburten, im Jahre 1940 höchstens 690 jüdische Schi! ler und Schülerinnen die erste Volkssehulklasse besuchen. An den Mittelschulen nahmen 3743 Knaben und 2591 Mädchen Unterricht; hievon entfallen auf die Untermittelaehule (1. bis 4. Klasse) 2532 Knaben und 1123 Mädchen. Die Zahl der jüdischen Schüler an Fortbildungsschulen, Gewerbeschulen, Handelsakademien und Handelsschulen betrug 1349, die der jüdischen Schülerinnen 900. Jugendgottesdienste haben in 18 Gemeinde- und Vereinssynagogen jeden Samstag stattgefunden. Die Frequenz be trug insgesamt 132.170 Schüler und Schü IOOO Bücher.SV- Romano, Erzählungen, Kinderbüoher, Konst und Wit schaft, Katalog gratis und franko. BoOhhandlung Schn & Co., L, Frsna-JsMl-Kai 1 (an d«f Sthwedenbröcke lerinn-en; hievon entfallen auf das Halbjahr 74.060, auf das zweite Halbjahi 37.510. Von der Kultusgemeinde werden unmittelbar erhalten, bezw. subventioniert: 8 K i n dergärten mit 346 Kindern, von wel eben 205 vollständig verpflegt werden. In den 40 von der Kultusgemeinde ln allen Be zirken Wiens errichteten B 1 b e 1 s c h u 1 e n genießen den Unterricht ln hebräische: Sprache, Bibel, Liturgie und jüdische Geschichte 2781 Schüler. Die auf Grund der erstatteten Anmeldun gen errechnete Zahl der Austritte betrug 425 (gleichwie im Vorjahre), die der Eintritte 204. ln dieser Zahl sind 114 Rücktritte inbegriffen. Optiker rudolf HAAStco.p WIEN, II., PRATERSTR. 33 SPEZIALIST FOR BRILLENOPTIK Pogromland Polen Warschau, 20. Oktober. (JTA.) Auf da« jüdfeche Waisenhaus in Breet-Litowek haben Unbekannte einen Anschlag verübt Sämtliche Fensterscheiben des Hauses wurden zertrümmert. Die Splitter fielen in den Speteesaal, wo die kleinen Kinder gerade beim Bseen saßen. Glücklicherweise wurde keines der Kinder verletzt In Wilna würde daB jüdische Ehepaar Zarenoiaski bei einem Spaziergang überfallen und durch Messerstiche ehwer verletzt Die Verletzten wurden ins Krankenhaus gebracht. D« gemltüÄiM StlttBangt oktl i« Hsrze« 4er Stillt WINZERHAUS I., RoianturmstrsRa 17, Tel. U 24-6-47. Die Wiln&er Nationaldemokratet haben Flugblätter mit der Aufschrift „Wer Juden schlägt, lebt 190 Jabtt“ verteilt Trotz der Zusage des Wojwoden, daß er den Ausschreitungen wirksam entgegentreten wende, kommt es in Wilna täglich zu Überfällen auf Juden. Erat vor kurzem sind wieder vier jüdische Passanten schwer verletzt worden. Der dem „Lager der nationalen Einheit“ de« Obersten Koc angescMössene Verband „Jung-Polen“ hat in den Straßen Wartehaus in zehntausenden Exemplaren ein Flugblatt verteilt, in welchem die polnische Bevölkerung aufgefordert wird, für eine ,,natio nale Revolution und gegen das Judent u m“ zu kämpfen. Auf dem der Konferenz des polnischen Ärzteverbandes in Posen vorangegangenen Kongreß der Jungärzte wurde eine Entschließung gefaßt in der die Beseitigung der jüdischen Professoren und Studenten, sowie die Entfernung der Juden aus der pharmazeutischen Industrie gefordert werden. Der Verband der Friseure in Kattowitz hat auf einer Tagung die Einführung des Arierparagraphen beschlossen. Polnischer Cewerfcsehaftsbund unterstützt jüdischen Protest Das Zentralkomitee des polnische Gewerkschaftebundes, der an die 400.000 Mitglieder zählt, nahm eine Resolution an, fit der der Sympathie mit dem Kampf der Juden gegen die Einführung von Ghettobänken an den Hochschulen Ausdruck gegeben wird. „Angesichte der Tendenz, die Juden an den Hochschulen und auf den öffentlichen Märkten in Ghettos abzusondem“, heißt m in der Resolution, „fordert das Zentralkomitee des polnischen Gewertechaftstoundes volle bürgerliche Gleichberechtigung für alle Bürger des Landes. Der Gewerkschaftsbnnd erklärt eich mit dem Proteststreik der jüdischen Arbeiter soli- Selch wuen Scouts und DorSjugead gegen die Judenhetze Der polnische Scout-Verband und die Verbände der Bauernjugend „Sziow“ und „SzCaelCe*“ (Schützen), die zuc-amuie.it einige hunderttausend Mitglieder zählen, haben ©ine gcmeinsamo Erklärung veröffentlicht, in welcher sie betonen, daß «de na Ob Wie vor der Ideologie des verstorbenen Marsohalls P i 5 e u d s k 1 treu bleiben. Die Erklärung hat in den politischen Kreisen itürken Eindruck gemacht, da man in ihr Sin Abrücken von der Jugendorganisation de« „Lagers der Nationalen Einheit“ des Obersten Koc erblickt, die offen ein antisemitische« Programm propagiert. SWIK6 klart beutr, rtilsrt ö't.r, rtsier! glatter, 8W1NÖ lat dl i&ge fUr Bi«! Daher kauft jedermann, dar Vorteil schätzen kann, nur noch die SWING l Rabbiner Dr. Moses Rosenmann Am 21. d. feierte Rabbiner Dr. Rosen* mann in aller Stille seinen 70. Geburtstag. Nach einer kurzen Amtstätigkeit In B i b e n z, für dessen Gemeindemitglieder er noch immer väterliche Sympathie hegt, kam Dr. Rosenmann 1897 nach Floridsdorf, wo er nach den eturmvollen Rabbinaten von Dr. Bloch und Dr. Reich in kürzester Zeit durch sein konziliantes und kluge« Auftreten volle Einigkeit in der Gemeinde schuf und eich bis zum heutigen Tage die höchsten Angehens bei allen Einwohnern erfreut, Rosenmann gehört zu den Gelehr* ten, die mit Bücherwiesen eine tiefe Kenntnis des realen Lebens besitzen. Diee er* 'eichterte ihm Beine auegebreitete karitative Tätigkeit und die Führung «eines Gemein* Wesens. Sein schönstes Werk war unstreitig die Schaffung der Wöja, die Aueepei* eung für jüdische Angestellte, wo in einem Musterbetrieb 1800 Personen täglich atisgespefet wurden und wo man Spitzen des geistigen Wien täglich mit ihren Familien einkehren sehen konnte. Rosenmann hat eine längst fällige Ehrenschuld jüdisch-österreichischer Gelehrsamkeit abgetragen, indem er den zwei ersten großen, geistigen Führern der Wiener Kultusgemeinde, Mannheimer und Jel- 1 i n e k, großangelegte Biographien widmete. Die Zähl seiner sonstigen Publikationen ist sehr groß und beweist, daß er sich auoh ln die altklaseischea Sprachen und in die arabische Philosophie gründlich vertieft hat, wie er als einer der ersten die Zusammenhänge des Maimonidee mit der arabischen Philosophie seiner Zeit genau dargelegt hat. Er bat sich mit dem Ursprung der Synagoge und ihrer allmählichen Entwicklung (Berlin 1907) beschäftigt. Neben dieser religionswissenschaftliohen Arbeit lieferte er auch eine Gemeindecbronik seiner engeren jüdischen Gemeinde Floridsdorf. Größere Beachtung würde sein Buch „Jüdische Realpolitik“ (1900) ver- Als Präsident und einer der Mitbegründer des Vereines für die Geschichte des Judentums hat Rosenmann vieles dazu beigetragen, in weiteren Wiener Kreisen das Interesse für das Judentum zu erwecken. Als Kanzelredner wirkt er seit einiger Zeit nicht nur in seinem engeren Bezirke, sondern auoh im «itehrwürdigen Tempel der Leopoldstadt. Klub zionistischer Kaufleute. Der im Mai d. J. gegründete Klub zionistischer Kaufleuto hat in der kurzen Zeit seines Bestandes bereit« mehr als hundert Mitglieder gewonnen, denen Rechteberatuag, 8teu*gberatang und kaufmännische Beratung geboten wird. Jeden Dienstag werden Vorträge veranstaltet und Auskünfte in kaufmännischen Angelegenheiten erteilt Die rührige Leitung plant, tn der nächsten Zeit mit einer großen Veranstaltung vor die Öffentlichkeit zu treten. Die Tagung der WIZO Österreichs. In Ergänzung zu unserem Bericht über die Tagung der WT20 wird uns mitgeteilt, daß in das Tagungspräsidium als Vertreterin der Orts- „Brüderlichkeit“, Jüdischer Wollt tä türke its- Verein. hat seit 15. d. «einen Site im Cafe Augartenbrücke, Wien, II., Untere, Augarten- Straße 2. ■— Bekleidungtgesuohe sind bis 5. Nowmber den ehusureicMn.