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Die Stimme · 1937-10-22 · Heft 686 (22.10.1937) · page 2

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Journal
Die Stimme
Volume
11 (1937-1938)
Issue
Heft 686 (22.10.1937)
Date
1937-10-22
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Sette 2 Nr. 686. — Wien, Freitag, 22. Oktober 1907. OPTIKER 1 KARL SEIDNER) L, tr«ni-Joi«fi-Kai 33 II., HelleadttraB«? | Fadimännlsdicr R«t 0 Reith* Au«w#hl 5? Bett* Quelltat $ Ibn Saud Der mächtigste unter den arabischem Herrsobern tat Dm Saud. Er regiert das größte arabkche Bei oh und versteht es dabei, sich gegenüber England seine Unabhängigkeit su bewahren. Da* ermöglicht Ihm insbesonders neben seinem diplomatischen Geschick sein großes Einkommen, das aus den Taschen der vielen tausend Pilger fließt, die in jedem Jahr nach Mekka pilgern. Ibn Saud machte eine harte Jugend mit. Im Jahre 1889, er war damale neun Jahre alt, zog er mit seinem Vater, dem Emir von Nejd, Abdnd Aziz Ibn Saud, der einen Krieg gegen seinen Rivalen im Norden Ibn Raahid verlöre® batte, ins Exil. Im Alter von 19 Jahren nahm Ihn Saad Revanche. Er drang ttberi'alLsartig mit »einen Getreuen in Nejd ein, schlug Ibn Ra&hid und proklamierte eich »um Herrscher. Er begann sofort mit der Seßhaftmaohung der Beduinen und dmwahabitiebben Propaganda. Im Jahre 1918 nahm er den Türken die Provinz Haaa weg und mit dem Weltkrieg begann seine große Zeit Gegen eine jährliche Zahlung von 60.000 Pfund erkaufte sich England seine Neutralität Als die Tttr- Bankseactiält Bernhard Wächter Wien I., Fraiu-Jo*efs-KaI 61 (Schuttenring 32) Börsenaufträge, Klassenlose, Wechselinkasso ken den Krieg verloren hatte®, blieb Arabien ohne fremde Kontrolle. Sechs Jahre führte er gegen verschiedene Stämme Krieg und eroberte fast die ganze arabische Halbinsel. Im Jahre 1926 wurde Ibn Saud zum König von Hedsobae proklamiert Seine Rivalen Ibn Rashid und den König Fetoal Ibn Hussein von Mekka hatte er Imsiegt Im Jahre 1984 schlug er den Imam von Hodschas, der kürzlich mit Italien einen Freundaohaftsvertrag geschlossen bat Derzeit ist da« Rach Ibn Sauds eine Verbindung von drei Reichem, des Scberifats von Mekka und der beiden Emirate von Ibn Rashid und seines eigenen Emirats, das ans Hedschas, Nejd, Hasa und Astr besteht und den ganzen nördlichen Teil der arabischen Halbinsel umfaßt Ibn Saud ist in seine Kriege als Glaubens - k tapfer gezogen. Er ist der Führer der WahaMten, der Puritaner unter den Mohammedanern. Der Besuch der Moschee ist für die WahaMten obligatorisch. Sie dürfen keine seidenen Gewänder tragen. Bau oben ist nioht. gestattet Die Beleuchtung der Gräber von Heiligem, ebenso das Darbringen von Gaben bei diesen Gräbern gilt als verdammungswlirdigw Unglaube und viele dieser Gräber wurden ihres architektonischen Schmu ok es beraubt Ibn Saud« Reich wird patriarchalisch von ihm regiert. Er kümmert sich auch um die geringsten Dinge. Die Bevölkerung von Nejd wird auf ungefähr 3 Millionen geschätzt Der Export ist unbedeutend. Dae Kamel beherrscht die Wüstenstraßen. In der letzten Zeit scheint Ibn Saud an der Grenze Transjordaniens aktiv zu werden. Er ist jedenfalls der Mann, der gestaltend wirken kann und der daher auch für den kommenden Judenstaat von Bedeutung »t Gerüohte besage®, daß Ibn Saud schwer krank ist und daß die Teilung Palästinas und die damit verbundene Etablierung eines neue® arabische® Staates unter Abdallah von England forciert wird, um für den Fall des Todes von Ibn Saud und des damit m erwartenden Zerfalles seines Reiches die absplitterndan Teile Saudiens durch den England gefügigen Abdallah annektieren nu BLAU - WEISS - Zünder (Keren-Kalemeth- Zünder) erhältlich bei: Viktor Aalers* b e r g, Trafik- und Haushaltartikel, Wien, VII., Zollergasse 5. Tel. B 33-402. Erste jüdische Wärmestube hi Wien. Der Ausspeisungtvereio *ür den 16. und 17. Bezirk hat beschlossen, in «einem Vereinebause, 1A, Wurlitzergasse 11, die erste jüd'sohe Wärmestube für den 16. und 17. Bezirk zu gründen. Am 30. d. 8 Uhr abends in sämtliche® Räume® des Vereinshausee Gründungsfest Die Unruhen Jeruaeletn, 21. Oktober. Die vergangene Nacht war in Palästina besonders unruhig. Mehrere Feuertiberfälle wurden gegen die Polizei unternommen. Zwei britische Polizisten entkamen in der Altstadt von Jerusalem einem Überfall. Ein Jüdisch er Polizist wurde In Haifa schwer verletzt Eine Bombe explodierte in Haifa in der Nähe des Justlzpalastes. Auf einen jüdischen Autobus wurde geschossen. Auch auf der Straße von Jeruealem nach Jericho fanden Schießerei«® statt An mehreren Stellen zwischen Jerusalem, Hebron und Jaffa wurden die Telepbooleitungen unterbrochen. In Nab- 1 u s wurden mehrere Verhaftungen vorgenommen. In L y dd a hoben die Behörden die Haustorsperre auf, nachdem eie dae Versprechen erhalten hatten, daß die Strafgelder binnen drei Tagen gezahlt werden. Eist Mordanschlag Ist Jens* dauern feit fall verübt, bei dem dieser lebensgefährlich verletzt wurde und tu hoffnungslosem Zustand in ein Krankenhaus eiageliefert werden mußte. Die Täter konnten unerkannt entkommen. Der Mufti las Uferaon London, 21. Oktober. (JTA.) Wie dem „Daüy Expreß“ gemeldet wird, haben die syrischen Behörden dem Mufti die Aufenthaltsgenehmigung ln Damaskus verweigert. Er hat sich In den Hafen Ortarabula begeben. Wie verlautet, hat die britische Regierung die französischen Behörden ersucht, dem Mufti keine Erlaubnis zum Verlassen der Republik Libanon und zur Ausreise nach Ägypten zu gewähre®. Da der Mufti politischer Flüchtling ist, könne es nicht ln Frage kommen, daß er aosgeliefert wird. Der Mufti bat der französischen Behörde gegenüber die Erklärung abgegeben, daß er «ich jeder aktiven Politik enthalten werde. Jerusalem, 21. Oktober. Heute wurde auf den Leiter de« jüdischen Erziebungsweseos, Y e 11 i n der Mandatsregierung, ein Über- Warenkredl* zu Kassapre’sen WAREHHAUS Der Terror In Spanisch-Marokko Kn Sonderberichterstatter der Jüdischen Te 1 egraphen-Agentur hat Spanisch-Marokko besucht; »eine Eindrücke faßt er in folgender Schilderung zusammen: Die über 13.000 Seelen zähleudo jüdische Gemeinschaft von Spanisch-Marokko lebt einer Atmosphäre furehbaraten r o r s. Sie tot dae ständige Objekt .i erbarmungslosen Hetzpropaganda und fortwährenden physischen Angriffen, plötzlichen Einkerkerungen und unmotivierten Vermögenskonflskationen durch die von General Franco eingesetzten Behörden, sowie durch das von den Deutschen beeinflußte Militär ausgesetzt. Dabei tot den Juden jode Möglichkeit einer Appellation gegen solches Vorgehen der Rebellenbehörden oder gegen Übergriffe von Einzelpersonen verschlossen. Vor dem Ausbruch des Bürgerkriege« in Spanien und vor der Errichtung des nationajistiacbm Regimes ln Spaatooh- Marokko war von einem Antisemitismus hier kaum etwas zu spüren. Allmählich aber bat rieh der Einfluß der aus Deutschland hieber gekommener Herren geltendgemacht, eine gewaltantisemitische Bewegung wurde inauguriert, deren Zentrale das Hauptquartier „Falanga Espaniola“ ist ln großen Mengen wird aus Deutschland Propagandamaterial ringeführt Die antisemitischen Reden Hitlers, Goebbels, Streichers und Görings wurden in die spanische Sprache übertragen und überfluten in der Form von Flugschriften das Land. Flugblätter ln arabischer Sprache, die zu Gewalttaten gegen Juden aufhetzeo, werden besonders unter den Mauren verteilt Sogar die in der internationalen Zone lebenden 7000 Juden beginnen die Folgen dieser Propaganda empfindlich zu spüren. Es ist unmöglich, eine bis ins Einzelne gehende Aufzeichnung der Ansschreitungen wtederzngeben, denen die Joden in Spanisch-Marokko seit mehr als einem Jahre ausgesetzt sind. Die Opfer der Ausschreitungen und ihre Verwandten wagen es nicht, offen Ober Ihm Leiden an epreeben. Viele der Angriffe auf Leben und Cut der jüdischen Bevölkerung werden wohl nie in der Öffentlichkeit bekannt weiden. Die folgenden Fälle jedoch sind einwandfrei nachgewiesen: gisten aufgesuobt, die von den jüdischen Geschäftsinhabern Spenden für eine Sammlung ..zugunsten der Witwen und Waisen ii krieg umgekommener Nationalisten“ verlangten. Die Juden entrichteten die Spenden in der von ihnen verlangten Höhe, um keinen Repressalien aufgesetzt zu sein. Unmittelbar nach der Durchführung der Sammlung wurden alle jüdischen Spender wegen „Hilfeleistung für die Roten“ mit Geldstrafen belegt. 1 dis 2 Z ur. Bad, lelepta Besichtigung: III, Bediardgasse 21, Tßr 12a Verhaftungen, Erpressungen, Erschießungen Am 17. April wurde das Gebäude der jüj den Häusermauern angeschlagen. Ende dfeeben Gemeinde In T e t n a n, der .,Clr-. Juni wurde zahlreiche jüdische Gescbäftsculor Israelita“, von Carltoten demoliert, läden in Tetuan von uniformierten Dem hervorragenden Mitglied der Gemeinde, Mose« W ah o n, wurde ohne jede Begründung eine hohe Geldstrafe auferlegt, die ihn wirtschaftlich zugrunde richtete. In der ersten Mai-Woche kündigten die faszie tische® Behörden in Tetuan eine „Hilfskampagne für konstruktive Zwecke1 an. Die jüdische Gemeinde wurde gezwungen, 60.000 Pesetas für diesen Zweck zu geben. Die jüdische Frau Esther ruyla wurde in Tetuan ganz plötzlich ohne Angabe von Gründen verhaftet Ihr Verbleib konnte nioht erforscht werden. Jüdische Einwohner von Tetuan, die sich der britischen Poet bedienten, wurden von den faszistischen Machthabern deswegen mit schwären Strafen belegt Am 23. Mai wurde dem französischen Staatsangehörigen jüdischen Glaub«» Abraham Serfaty eine Geldstrafe von 60.000 Pesetas auferlegt; sein Schubladen wurde konfisziert. Da Serfaty nicht in der Lage war, die Strafsumme zu entrichte®, wurde er kurzerhand ohne Prozeß hingerichtet. i Angestellter der Firma Singer, namens Benhayon, wurde in Tetuan verhaftet und in das Gefängnis in Ceuta gebracht, weil er es angeblich verabsäumt hatte, anläßlich eines faszistischen Aufmarsches 6eine Reverenz zu erweisen. Anfang Juni wurden in Acrila 22 Juden beim Verlasen der Synagoge verhaftet, unter ihnen der holländische Staatsbürger Elias E d e r y. Die Verhafteten wurden erst auf Intervention der Jüdischen Gemeinde in Tanger freigelassen. Am 19. Juli unternahm eine Gruppe von Mauren, geführt von Faszisten. einen Angriff auf die Synagoge in Tetuan. Sie schändeten die Synagoge und hängten an den Wände® Teile von geschlachteten Sehweinen auf. Nach dem Fall von Bilbao wurden in Tetuan zahlreiche frankreioh- und englandfeindiiohe sowie antisemitische Fiskale an Das Judenviertel von Tetuan „Juderia1 ist Schauplatz unaufhörlicher Gewalttaten gegen die Juden. Faschisten und reguläre Soldaten zwingen die Juden zu nicht wiederzugebenden entehrenden Handlungen. Insbesondere sind brutalen Angriffen seitens der Soldaten ausgesetzt. Zu verschiedenen Malen hat der nationalistische Oberkommandierende von Spanisch-Marokko die jüdische Gemeinde in Tetuan gezwungen, Kriegskontributionen in ausländischer Währung, in französischen Francs oder englischen Pfunden, zn zahlen. Bei der geringsten Verzögerung der Zahlung, insbesondere in Fällen, wo die vorgeschriebenen Summen so hoch waren, daß die Juden sie keinesfalls entrichten konnten, wurden die Führer der jüdischen Gemeinde verhaftet und so lange in Haft behalten, bis die Geldleistangen voll erbracht waren. Ende Jnli 1986 wurde die jüdische Gemeinde in Tetuan aufgefordert, 900.000 französisch« Sacha Guitry MEIN VATER HAT RECHT GEHABT Kruger-Kino Francs zu entrichten. Da das Leben vieler hervorragender Mitglieder der Gemeinde gefährdet gewesen wäre, wurde die für die arme Gemeinde ungeheuerliche Summe mit großen Opfern von den wenigen noch halbwegs begüterten Mitgliedern der Gemeinde bezahlt. Auswanderung verboten Dm Juden ln Spanisch-Marokko wird es mit Hfife eines außerordentlichen Überwachungsdienstes vollkommen unmöglich gemacht, nach der internationalen Zone oder nach Franzöalsch-Marokko anszuwandern oder sonstwie das Land zu verlassen. Die faschistischen Behörden haben der jüdischen Gemeinde in Tetuan isHgeteiit, daß sie rie für jeden einzelnen Fall einer „Desertion“ verantwortlich machen. In Fällen, wo faschistische Mauren wegen ihrer politischen Betätigung in Tanger verhaftet werden, wird die jüdische Gemeinde in Tetuan gezwungen, für die Familien der Verhafteten materiell zu sorgen. In Arcila wurden die drei Söhne von Leon Edery, einem Mitglied der Exekutive der Stadtverwaltung, gezwungen, ihre Heime zu verlassen. Die Militärbehörden verkauften ihre Wohnungseinrichtung und lieferten den Ertrag der „Falanga Espaniola“ aus. Das Haus des jüdischen Geschäftsinhabers Pinohas Ania ja t, der krankheitshalber vorübergehend sein Haus verlassen mußte, wurde von Faschisten besetzt, die die gesamte Einrichtung und die Waren verkauften urnj den Erlös behielten. Der 17jährige Sohn des jüdischen Einwohners von Arcila, Samuel Bang io, wurde auf Befehl der Militärbehörden erschossen. Die Söhne des jüdischen Bürgers Joda Nahon worden ohne Angabe eines Grundes verhaftet Über ihren Verbleib kaum man nichts erfahren. Zahlreiche Juden in Arcila wurden gezwungen, große Mengen Rizinusöl einzunehmen, weil eie in ihren Fenstern nicht die faschistische Fahne gehißt hatten. In Larache wurde ein junger Jude namens Pariente von den Faschisten ohne jeden Grund erschossen. Die jüdischen Geschäftsinhaber von Larache werden gezwungen, große Summen für die faschistischen Organisationen zu entrichten. In Ceuta wurden von dem jüd-'sehen Bankhane B e h a m u bedeutende Summen verlangt Da das Geld nicht vorhanden war, wurde einer der drei Brüder Behamu verhaftet und kurzerhand erschossen. Als die jüdische Gemeinde in Ceuta die Herausgabe der Leiche des Erschossenen verlangte, erklärten die Faschisten, eie würden eie erst herausgeben, wenn 30.000 Pesetas erlegt werden würden. In M e 11 i- 1 a wurden 16 Juden erschossen, die der Freimaurerei angeklagt waren. Direktor Ignaz Guttnsaan gestorben In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag hat Direktor Guttmann seine Augen für immer geschlossen. Er war ein altbewährter Zionist und durch Jahre Obmann der Sektion VI/VIL Der Verewigte besaß ein gütiges Wesen, zeichnete sich durch Sachlichkeit und Ruhe aus und daher verstand er es, auch bei sehr hitzigen Debatten beruhigend zu wirken. Er war für die zionistische Sache stets opferbereit In den letzt«} Jahren seines Lebens wurde er ernstlich krank« sein Zustand verschlimmerte sich noch durch ungünstige Ereignisse in seinem privaten Leben. Seine Gattin Erna Guttmann, eine bekannte vorbildliche Zionistin, ist ihm im Tode um mehr als ein Jahr vorangegangen. Der Gesundheitszustand Direktor Guttr manns war im Zeitpunkte des Todes seiner Frau ein solcher, daß man es nicht wagte, ihn von diesem traurigen Ereignis zn verständigen. Nachher erholte er sieh und als ihn Schreiber dieses vor den Ferien besuchte, konnte er mit Freude feststellen, daß eich sowohl sein körperlicher Zustand gebessert hatte, als auch seine Lebensfreude wiedergekehrt war. Mit dem Verstorbenem ist wieder rin monistischer Veteran heimgegangen. Er hinterließ zwei Töchter: Gg. Frau Bianca Roeaer in Wien, und Frau Käthe in Awtraßea. f, (J

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