Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 11 (1937-1938)
- Issue
- Heft 686 (22.10.1937)
- Date
- 1937-10-22
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Freitag-Ausgabe Qte kStimme 15 s JÜDISCHE ZEITUNG WteB, Freitag, %%. Oktober 1937 17- Ctoeecfcwan f *98 Der Teilnngsplan bleibt ■■■naS London, 21. Oktober. Der Entschluß der englischen Regierung, den Plan der Dreitellnng Palästinas weiter zu verfolgen, wurde heute vom Kolonialminister Ormsby-Gore in Beantwortung einer Anfrage im Unterhaus zum Ausdruck gebracht Der Minister erklärte, angesichts der Beschlüsse des Völkerbundrates und der Völkerbundversammlung fühle sich die englische Regierung berechtigt, mit den Vorarbeiten für die im Palästina-Bericht vorgeschlagene Aufteilung des Landes zu beginnen. Der Minister beschäftigte sich dann mit den neuen Unruhen in Palästina und führte dabei aus, daß mehr als hundert führende Araber verhaftet und int e r n i e r t worden seien, weil sie entweder selbst Aktionen durchgeführt hätten oder politisch verdächtig seien. Der geflohene Großmufti von Jerusalem befinde sich zur Zeit in Syrien und sei dort der Bewachung der Zivilbehörden unterstellt. Der Minister schloß: »Unsere nächste und hauptsächlichste Aufgabe in Palästina Ist die Durchführung energischer Maßnahmen zur Unterdrückung des Terrors, der wirksame Schutz der englischen Offiziere und Mannschaften sowie die Wiederherstellung der Autorität der englischen Zivilverwaltung in ganz Palästina.“ T? £* fcfct0*22üümii “ Hie Palästina-Kommission Dia Juden In Österreich Das Interview des Chefredakteurs der „L’Independence Beige“ mit dem Bundeskanzler Dr. v. Schuschnigg liegt im französischen Original vor. Die Äußerung des Bundeskanzlers zur jüdischen Frage ist eine Antwort auf die Bemerkung: „Man sagte uns, daß Sie antisemitische Kundgebungen erlaubt haben.“ Dr. von Schuschnigg erwiderte: „Niemals werde ich irgend eine Verfolgung auf rassischem Gebiete zulassen. Es gibt viele Juden in Wien und wenn man sagen wollte, daß eine Judenfrage existiert, würde ich sogleich antworten, daß man eine Unterscheidung treffen muß zwischen den im Volke seit Generationen assimilierten Juden, die ausgezeichnete Österreicher sind, die nur einen anderen Glauben haben als ich, und den frisch zugewanderten, nicht eingewurzelten Juden, . die sehr häufig während des Krieges und im, Laufe der folgenden Jahre, besonders aus politischen Gründen, zugewandert sind. Diese letzteren bilden das Problem. Aber ein nationales Problem und kein Bassen- oder Konfessionsproblem.“ Wir Baben bereits hervorgehoben, daß die Bundesregierung sieh in dieser Frage korrekt verhält und die Verfassung spricht auch die volle Gleichberechtigung aller Bürger aus. Von Gesetzes wegen findet auch keine Diskriminierung statt, wenngleich man im täglichen Leben deutlich den Einfluß der Straßendemagogie merkt. Der Bundeskanzler lehnt in der Behandlung der Judenfrage die RassentTeorie ab und läßt nur, wenn man seine Äußerung richtig versteht, eine Unterscheidung nach den Kriterien der Bodenständigkeit und der Zuwanderung gelten. Er anerkennt die Staatstreue der bodenständigen Juden; was die zugewanderten, nicht eingewurzelten Juden betrifft, so hat der Bundeskanzler kein Werturteil ausgesprochen, es scheint aber in der von ihm betonten Unterscheidung auf, sowie in seiner Bemerkung, daß sie während des Krieges und im Laufe der folgenden Jahre besonders aus politischen Gründen zugewandert sind. „Diese letzteren bilden das Problem, aber ein nationales Problem.“ Leider sagt der Bundeskanzler nichts darüber, inwiefeme die Anwesenheit von fremdnationalen Personen ein Problem sein sölL Es leben hier in Wien Tschechen, Magyaren, Bulgaren, Griechen usw. und sie bilden wahrscheinlich kein Problem. In bezug auf die „Zugewanderten“ ist der Bundeskanzler nicht richtig informiert. Diese Leute sind nicht aus ihrem freien Willen nach Wien gekommen, sondern sie sind im Verlaufe des Weib krieges, also in den Jahren 1914 bis 1918, zwangsweise aus dem Osten von den Militär- und Verwaltungsbehörden in Galizien, der Bukowina und Siebenbürgen nach dem Westen „evakuiert“ worden. In ihren Wohngebieten ist alles zerstört worden. Während sie in Wien oder in den Flüchtlingslagern (in Deutschböhmen, Sttdmähren und in Steiermark) auf die bittere Gastfreundschaft des Westens angewiesen waren, wurden in ihrer Heimat ihre Häuser verbrannt oder in Grund und Boden geschossen, ihr Besitz vernichtet. Die Männer und die Söhne standen als Soldaten in Erfüllung ihrer Pflicht für Österreich-Ungarn m der front, stete Eine neue Palästina-Kommission werde demnächst nach Palästina fahren, um an Ort und Stelle ihre Arbeiten durchzuführen. Das Ergebnis werde dem Parlament und dem Völkerbund unterbreitet werden. Im Verlaufe der Debatte erklärte Minister Ormsby-Gore, daß vor der Wiederherstellung der Ordnung in Palästina die Enteen- Tausende von ihnen sind gefallen oder haben ihre Gesundheit verloren; Frauen und Kinder lebten dürftig und kümmerlich im Westen, scheel angesehen von ihrer Umgebung, seelisch gefoltert in der Angst um ihre Gatten und Väter im Felde. Die Anzahl dieser Flüchtlinge ist niemals genau bekanntgegeben worden. Unmittelbar nach dem Kriege hat bereits die Rückwanderung eingesetzt, die mit der fortschreitenden Konsolidierung im Osten ein immer rascheres Tempo einschlug. Im Jahre 1922 sind allein zirka 20.000 jüdische Menschen nach Polen zurückgegangen. Eine Zuwanderung hat seit dem Jahre 1919 nicht mehr stattgefunden, insbesondere keine aus politischen Gründen. Gewiß ist eine Anzahl solcher über Befehl nach Österreich gelangter Juden hiergeblieben. Sie haben sich bemüht, in redlicher Arbeit Brot und Erwerb zu finden, und haben sich dem Wirtschaftsleben lückenlos eingegliedert. Ihre Kinder haben hier die Schulen besucht, and ausgebildet worden — und sind hegte «Steteste*, Stete von dieser neuen düng einer neuen Kommission nicht in Frage komme. Die Fond« der arabischen Terroristen befänden sieh gegenwärtig unter britischer Kontrolle. Dir Großmufti von Palästina habe während seiner ganzen Amtstätigkeit gegen die englischen Interessen in Palästina gearbeitet. Generation, bisher etwa 1100 bis 1200 junge Leute, haben die erste sich bietende Gelegenheit wahrgenommen, Österreich zu verlassen und sind nach Palästina gegangen. Nach der Machtergreifung Hitlers im Jahre 1933 sind etwa 700 bis 800 Juden aus Deutschland nach Österreich gekommen, eine Anzahl, die aber in keiner Weise eine Belastung darstellen kann. Die Anzahl der Juden, die bei der letzten Volkszählung mit 176.000 festgestellt wurde, ist inzwischen auf 168.000 zurückgegangen, da das österreichische Judentum im Jahre effektiv 2000 Seelen verliert. Wie viele von diesen 168.000 bodenständig sind, wie viele aus der Zeit des Krieges her stammen, ist kaum zu erheben, aber es ist festzuhalten, daß in ihrer Haltung zum Staate keine Abstufung zu erkennen ist. Alle ausnahmslos sind ohne Vorbehalt und ohne Forderung auf Kompensation dem Staat ergeben, sie arbeiten mit und sie bilden nur für diejenigen den Gegenstand des Anstoßes, denen die Existenz eines freien und unabhängigen Österreich ein Dom im N EAGLE WOHLBRÖCK t 1 KOMia^UClI 'ttA »6X3 *10 R29 1-S9 f Königin] [meto BOTENTURM-KINO ( Die Einwanderung Jerusalem, 21. Oktober. Es vertäutet, daß die Regierung jedwede Einwanderung nach Palästina bis zur vollen Wiederherstellung der Ruhe untersagen wird. Ein dlesbezüg- SPEZIALERZEUGUNG fdr feine HERREN-WASCHE FISCHER 8.FUDGAME1 licher Beschluß Hegt jedoch bisher nicht vor. An Wiener unterrichteter Stelle ist keine Weisung elnge- Prozeß um die „Weisen von Zion“ in letzter Instanz Bern, 20. Oktober. (JTA.) Im Prozeß um die „Protokolle der Wessen von Zion“ wird am 27. Oktober das Berner Oberg e'H'C h t afo letzte Instanz m eöteKäeSdeo haben. Dias erstinstanzliohe Gericht verurteilte in diesem auf eine Strafanzeige des Schweizerischen Israelitischen Gemeinidebundes zurüergehenden Prozeß die Hauptangeklagtem, eine Gruppe schweizerischer Fron tasten, zu Geldbußen wegen Verbreitung von Schmutzliteratur. In der Begründung hatte Gerichtspräsident Dr. Meyer erklärt: „Ich bin Überzeugt, daß die »Protokolle1 Skhundliteratnur, mehr als das: Unsinn, sind. Die »Protokolle* stad sow ohl Fälschung wie Plagiat und fallen unter die Strafdrohung des Bernkchen Schundlitenaitjurgesetzee.“ Da« Urteil stützte sich auf die Gutachten des Basler Universkätsprofessons A. Baumga’rten und dos SohrifteteMea» C. A. Loosli Auge ist, oder die der nationalsozialistischen Infektion erliegen und in den 168.000 Juden, von denen in dem 6V2-Millionen-Staat etwa 30.000 beruflich tätig sind, eine Gefahr für das christliche Volk erblicken wollen. Von dieser Seite her wird, um die Aufmerksamkeit der Massen von den wirklichen Gefahrenquellen abzulenken, die Judenfrage, die als solche überhaupt nicht existiert, immer wieder in den Vordergrund gerückt. Das ist die Ideologie, von der der Bundeskanzler gesprochen hat und von der er Österreich freihalten will. Sie arbeitet mit Drohungen, Verhetzungen, Pauschalverleumdungen gegen die Juden, aber sie ist auch eine Gefahr für Österreich. Nach der Verfassung gibt es nur Staatsbürger und Ausländer. Es wird Österreich nur nützen und sein Ansehen in der Welt heben, wenn die Regierung darauf achtet, daß alle Bürger, auch die „Zugewanderten“, faktisch gleich behandelt werden, ohne Rücksicht darauf, ob sie aus dem Osten, aus der Tschechoslowakei oder aus Südtirol nach Österreich gekommen sind. ZION. LANDESVERBAND FÜR OESTERREICH, FESTSAAL DES HOTEL CONTINENTAL, Wien, II., Taboratraße 4 Dienstag» den 2. November, 1/a» Uhr abds. Dr. Oskar Grünbauin, Präsident des Zion. Landesverbandes für Oesterreich : „NAOH 20 JAHREN" Dr. Egon Michael Zweig, Jerusalem: „BOTSCHAFT AUS EREZ ISRAEL“ Rezitation: Martin Miller Große Bnlfour-Feier