Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 11 (1937-1938)
- Issue
- Heft 684 (18.10.1937)
- Date
- 1937-10-18
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite Z DIE STIMME Nr. 684. — Wien, Montag, 1& Oktober 1987. noch nie in einem europäischen Staate gegen eine Schichte von Bürgern geübt ■worden sind, und dies in offenkundiger Verletzung der Verpflichtungen, die Deutschland seinerzeit bei seinem Eintritt in den Völkerbund freiwillig zu üben versprochen batte. Die These, daß sich Deutschland nur von dem überstarken jüdischen Einfluß befreien wolle, fällt angesichts der gelben Parkbänke, der seelischen Marterung jüdischer Schulkinder und der Konzentrationslager in sich zusammen. Der Völkerbund hat gegen diese Art Vertragsbruch nichts unternommen, und dieses Schweigen hat nicht wenig dazu beigetragen, daß die Heiligkeit der internationalen Abkommen zu einem Spott geworden und daß Europa in den Zustand geraten ist, wie er heute besteht. Heute steht der Völkerbund wieder vor einer Probe auf seine Festigkeit in bezug auf vertraglich zugesicherten Schutz der Minderheiten. In Danzig schickt man sich an, die deutsche Passengesetzgebung noch in diesem Herbst zu übernehmen. Was dies für die Juden dieser der Kontrolle des Genfer Gremiums unterstellten Stadt bedeuten würde, darüber braucht man wahrlich nicht ein Wort zu verlieren. Der Völkerbund hat geduldet, daß sich Polen vom Minderheitsvertrag gelöst hat, und er hat damit die schwere Schuld auf sich geladen daß dort drei Millionen Juden wie in einem Sklavenzustand zu leben verurteilt sind. Er hat die Juden des Saarlandes ausgeliefert. In Danzig kann er noch Unglück verhüten, dazu wird doch wohl noch seine Kraft ausreichen. Er braucht nur seinem Danzig-Komitee die nötigen Weisungen zu geben... Österreicher! Wieder rufe ich Euch auf zum Kampf gegen Hunger und Kälte. Beteiligt Euch alle, Mann für Mann, jung und alt an der Winterhilfe und spendet nach besten Kräften, wie es Eurem Stande, Eurem Einkommen und Vermögen entspricht Allen, die in den vergangenen Jahren die Winterhilfe gefördert haben, sei hiemlt öffentlich gedankt Mit ihrer Unterstützung ist die österreichische Winterhilfe zu einem beispielgebenden und beachtlichen Erfolg im Interesse ihres Zweckes geworden. An jene, die bisher wenig oder nichts gegeben haben, trotzdem sie in der Lage hiezu gewesen wären, richte Ich meinen besonderen Mahnruf: Erkennet endlich Eure Pflicht; die Augen Eurer Mitbürger sind auf Euch gerichtet! Wir wollen allen, die in Not sind, Familienvätern, ihren Frauen und Kindern sowie der arbeitslosen Jugend wirksame Hüte bringen. Dazu müssen idle, die es vermögen, ohne Ausnahme, entsprechend beitragen. Wien, im Oktober 1937. Der Bundeskanzler: Dr. Kurt Schuschnigg. Die Flucht des Mufti Bevruth, 17. Oktober. (Privat.) In einem libanesischen Ort nabe dmpalästinensischen Grenzstation Ras en Nakura Ist vorgestern ein Segelboot eingelaufen, auf dem sich etwa zehn Beduinen befanden. In einem von ihnen wurde der Mufti von1 auf der HehronstraBe erschossen hat Der Mufti reiste nach Beyruth weiter, wurde dort jedoch von den französischen Behörden verständigt, daß er als unerwünschter Ausländer nicht in der Arabern assimiliert hat und einer ihrer Würdenträger geworden ist Nach der Flucht des Rebellenfüferere Fauzi Bey el Kaukadyi aus Par lästina übernahm Alfred Book die Führung der zersprengten Rebellengruppen. Er fungiert auch als Verbindungsoffizier zwischen den nationalistischen Arabern und dem Dritten Reich. 150 Araber, die seit Ausbruch deT Unruhen in Palästina als Agitatoren und Vereammlungsredner aufgetreten waren, wurden in Jerusalem verhaftet Wahabileneinfall dementiert Jerusalem, 16. Oktober. (JTA ) Die Palästinaregierung dementiert offiziell die von italienischen Blättern verzeichneten Gerüchte über einen Konflikt, der angeblich zwischen dem Hodschas und Transjordanien ausgebrochen sein soll In der Erklärung der Regierung wird gesagt, daß es zu keinerlei Zwischenfällen zwischen Wahabiten und transjordanischen Grenzposten an der Südgrenze Jerusalem erkannt, der am Freitag vor-1 Stadt bleiben dürfe. Er reiste deshalb am j Transjordaniens gekommen ist_Aueh sei die mittags aus der Omar-Moschee trotz aller Be- Samstag nach Damaskus. Seine Ankunft wachung entkommen war. Es heißt, daß in der Stadt wurde festgestellt, doch ist er seine Leibwache, um die Flucht zu decken, seither verschwunden. Er dürfte zwei britische Polizeioffizierei sich in einer Moschee verborgen halten. Frankreichs Vorbehalte gegen die Teilung Konferenz der Jischuw-Führer Jerusalem, 16. Oktober. (JTA.) Der Waad Le um! und die Mitglieder der Jerusalemer Exekutive der Jewish Agency sind mit den Vertretern der verschiedenen Kreise des Jischuw zu einer dringenden Beratung zusammengetreten, die aktuellen Problemen der öffentlichen Sicherheit, der Wirtschaft, des jüdischen Erziohungswesens, sowie den Fragen der künftigen politischen Gestaltung Palästinas gewidmet ist Der Vorsitzende des Waad Leumi, Jbchak Ben Zwi, hatte eine längere Aussprache mit dem Vertreter des High Commissioner, BattershllL Gegenstand der Beratungen bildete die Frage der Sicherheit der jüdischen Bevölkerung Palästinas. Ussischkin verlangt Referendum In der Beratung hielt der Vorsitzende des Waad Leumi, Jizohak B e n - Z w i, einen Nachruf au! den ermordeten Distrikt«- kommissar Andrews. Dr. A. Ka’tznelson, M. Eliasch und Rabbi Usie 1 berichteten über ihre Tätigkeit in Genf, wo sie anläßlich der Völkerbundetagung als offizielle Delegation des Waad Leumi weilten. Der Präsident des Jüdischen Nationalfonds, M. M. Ussischkin. wandte eich gegen die Delegation, die, ohne dazu ermächtigt geweeeo zu sein, über die Teilungsfrage verhandelt hätte. Die Mitglieder der Kommission, sagte er, haben, da, eie durchwegs Anhänger der Teilung sind, in Genf die Stimmung des Jischuw nicht objektiv zum Ausdruck gebracht, Zum Schluß erklärte Ussischkin, der Waad Leumi dürfe nicht vor der neuen Palästinakommission erscheinen, die er nicht durch ein Referendum den Jischuw um se'ne Meinung über die geplante Teilung Palästinas befragt habe. Wauchope in London erkrankt London, 17. Oktober. (JTA.) High Commissioner Sir Arthur Wauchope, der gegenwärtig seinen Urlaub in England verbringt. ist an einem Augenleiden erkrankt und muß seine Rückkehr nach Palästina auf unbestimmte Zeit verschieben. Keith-Roach hat Asthma Jerusalem, 17. Oktober. (JTA.) Der Distriktekommissar von Nord-Palästina, Edward Keith-Roach. ist nach einem schweren Asthma-Anfall in dae RegierungehoepitaJ in Jerusalem gebracht worden. Jerusalem, 16. Oktober. (JTA.) „A Difaa“ Organ der Istiklal-Partei, veröffentlicht eine Unterredung ihres Redakteurs I h r a h i m es Schanti mit einem Mitglied der französischen Delegation in Genf über die Gründe, die Frankreich zu den Vorbehalten veranlassen, die es im Völkerbund gegen den Plan der Teilung Palästinas gemacht hat. Die Unterredung fand in Belgrad statt, wo sich der Redakteur des Blattes gemeinsam mit dem Führer der arabischen Abordnung, Auni Bey Abdul Hadi, aufhielt. Der ungenannte französische Diplomat habe danach erklärt, daß seine Regierung in gewisser Hinsicht an dem Palästinaproblem stark interessiert sei. Dies habe sich an der Haltung der französischen Delegation in Genf gezeigt. Die französischen Vertreter forderten, daß der Teilungsplan für eine bestimmte Zeit zurückgestellt werde, während die Vertreter Englands eine schnelle Entscheidung wünschten. Frankreich, so betonte der Gewährsmann des arabischen Blattes, ist nicbt grundsätzlich gegen die Teilung oder gegen die Durchführung des Teilungsplanes. Es sei aber über die künftige Entwicklung sehr besorgt Frankreich bezweifelt ob es in der Lage sein werde, seine Stellung in Syrien zu behaupten, wenn ein neuer Araberstaat gegründet wird, der Transjordanien und den arabischen Teil Palästinas umfaßt. Früher oder später würde dieser Staat eine Vereinigung auch mit Syrien anstreben, was zu einer Erweiterung der britischen Einflußsphäre auf Kosten der französischen führen würde. Aber auch der jüdische Staat in Palästina würde ganz unter britischem Einfluß stehen, Bankgeschäft Bernhard Wächter Wien I., Franz-Josefs-Kai 61 (Schottenring 32) Börsenaufträge, Klassenlose, Wechselinkasso so daß der Einfluß Frankreichs sich nur •noch auf Libanon erstrecken würde. Frankreich wünscht, obwohl es an sieb nicht gegen das Judenstaatsprojekt ist, Zeit zu gewinnen, um mit seinem Verbündeten England zu einem Abkommen über den Schutz seiner Interessen im Nahen Osten zu gelangen. Auf die Frage, ob Frankreich bereit sei, jüdische Einwanderung nach Libanon zuzulassen, erklärte der französische Diplomat, es wäre erwünscht, wenn einige tausend jüdische Kapitalisten sich in dem Lande niederließen, um zu der Gesundung seiner wirtschaftlichen Lage beizutragen; dagegen solle das Land nicht zu einem Zentrum jüdischer Masseneinwanderung werden. Nachricht, daß britische Flugzeuge zur Unterstützung der transjordanischen Grenzwache abkommandiert worden seien, unrichtig. lfm Saud, Italien und England Zu der italienischen Meldung wird hier erklärt: England kann auf keinen Fall zulassen, daß Abdullah, sein Kandidat für die Herrschaft im arabischen Teil Palästinas, eine Niederlage durch Ibn Saud erleidet. Abdullah ist mehr als der Emir des zwischen Palästina und dem Irak liegenden und schon geographisch für das Empire ungeheuer wichtigen Transjordanien: eristderletzteAraberfürst, auf den sich England wirklich verlassen kann. Ibn Saud hat bisher allen Versuchen europäischer Faktoren, sich seiner als Werkzeug zu bedienen, widerstanden. Er hat weder Englands Kreise gestört, noch dem abessinischen Unternehmen Mussolinis etwas in den Weg gelegt Die italienische Meldung würde andeuten, daß der König von Saudi-Arabien diesen Grundsatz aufgegebän hat, dm Äh Jfc lieh, wie der Yemen nun mit Italien zu paktieren. Hugo Bergmann wieder Rektor der Universität Jerusalem, 15. Oktober. (JTA) Der bisherige Rektor der Hebräischen Universität Jerusalem, Professor Dr. Hugo Bergmann, ist für das kommende Studienjahr zum Rektor wiedergewählt worden. Der Präsident der Universität, Dr. J. L. M a g n e s, ist nach Palästina zurückgekehrt, Der Ausnahmszustand in Jerusalem Jerusalem, 16. Oktober. (Havas.) Infolge der gestrigen Anschläge haben die Behörden beschlossen, die Schließung der Stadttore bis zu einem unbestimmten Zeitpunkt zu verlängern. Gestern um 6 Uhr abends waren die Straßen der Stadt und die öffentlichen Lokale vom Publikum geräumt. Patrouillen durchzogen die Straßen und Wege. Die Polizei nahm mehrere Verhaftungen vor. In Jaffa wurden zehn verdächtige Personen festgenommen. Eisenbahnverkehr eingestellt Jerusalem, 17. Oktober. Am Freitag nachmittags iet in ganz Palästina der Eisenbahnverkehr eingestellt worden. In J e r u s a 1 e m wurde „Carfew“ (Polizeistunde) verkündet. Den Einwohnern ist es verboten, in der Zeit von 6 Uhr abend® bk 5 Uhr morgens ihre Häuser zu verlassen. Es wurde angekündigt, daß jedes Vergehen gegen diese Anordnung mit Strafen bis zu sechs Monaten Gefängnis oder 100 Pfund belegt wird. Die Polizei hat im Laufe des Freitag alle strategisch wichtigen Punkte in Jerusalem besetzt. Starke Polizeiabteilungen patrouillieren in Panzerwagen durch die Straßen der Stadt, die bei Einbruch der Dunkelheit völlig menschenleer sind. Der Autobusdienst in Jerusalem ist eingestellt worden. Im ganzen Lande ist erhöhte worden. Polizeibereitsohaft angeordnet Polizeiaktion in einem arabischen Dorf Jerusalem, 16. Oktober. (JTA.) Polizei und Militär haben das arabische Dorf T a y i b a bei Tulkarem umstellt; das Dorf wird sorgfältig nach verdächtigen Personen und Waffen durchsucht. Zwei Araber, die versuchten, zu fliehen, wurden von einer Militärabteilung gefangen. Einer von ihnen, der eine Flinte bei sich trug, wurde verwundet Die Behörden haben an die Dorfbewohner unter Strafandrohung die Warnung ergehen lassen, Personen, die sich in einen Konflikt zum Gesetz gebracht haben, Unterschlupf zu gewähren. Ein Deutscher unter den Hetzern Jerusalem, 17. Oktober. Zu der Landesverweisung der weiteren fünf Mitglieder des Obersten arabischen Ausschusses meldet „Palestine Gazette“, das Amtsblatt der Palästina-Regierung, in einer Sonderausgabe, daß diesen vorläufig die Rückkehr nach Palästina verboten worden ist Bei einem der fünf Mitglieder, der unter dem Namen A. Roch Abdul bekannt ist, handelt es sich um den berüchtigten Judenfeind Alfred Rock, einem ge- Hubermans Befinden Bandoeng, 15. Oktober. (Privat) Obwohl die letzten Berichte aus Palembang besagen, daß Huberman noch nicht transportfähig sei, wird der Algemeinzustand des Virtuosen als zufriedenstellend bezeichnet. Huberman erlitt nämlich einen Nervenschock, einen Bruch der Handspeiche an der rechten Hand and zwei« Mittelhandknochen an der linken Hand. Professor Reddingius aus Batavia, der zur Behandlung beigezogen wurde, stellte ferner eine Lungenentzündung fest Nach dieser Untersuchung, die fast unmittelbar nach dem Unfall erfolgte, wurde der Zustand Hubermans als sehr ernst, ja sogar als lebensgefährlich bezeichnet Seither ist aber anscheinend eine Besserung eingetreten. Beschränkung der Einwanderung ln Mexiko und Brasilien Warschau, 15. Oktober. (JTA.) Das polnische Auswanderungsamt hat Kenntnis von neuen Einwanderungsbeschränkungen erhalten, die die Staaten Zentral und Südamerikas eingeführt haben. In Mexiko stehen sämtliche Einwanderer, die auf Grund von Touristenpässen ins Land gekommen sind, vorderAusweisung, soferne sie nicbt den Nachweis erbringen, daß sie eine Anstellung oder Aussicht auf eine Anstellung haben. Die Einwanderung in die brar silianische Kolonie „Santa Rosa*4 bärtigen Deutschen, der sich den wurde überhaupt verboten,