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Die Stimme · 1937-10-18 · Heft 684 (18.10.1937) · page 1

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Journal
Die Stimme
Volume
11 (1937-1938)
Issue
Heft 684 (18.10.1937)
Date
1937-10-18
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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^äTIOK A LE : 3LH3THL& ZeiH'dirinenÄaal \Stimme;m\b. 10 g JÜDISCHE ZEITUNG Wien, Montag, I*. Oktober 1937 e 13- Cheschwan $*98 11. Jahrgang Palästina-Meldungen vom Sonntag Jerusalem, 18. Oktober. Die Lage ln Palästina nimmt allmählich einen Charakter an, der an die Aufstandstage des vorigen Jahres erinnert An der Grenze zwischen Palästina und Syrien fanden Samstag nachts regelrechte Gefechte zwischen Grenzwachen und einer Gruppe von 200 Syriern statt, die versuchten, die Grenze zu überschreiten. Erst nach längerem Kampfe gelang es den Grenzwachen, die Syrier zurückzutreiben. Wie groß die dabei entstandenen Verluste sin d, läßt sich noch nicht feststellen. Außer diesem Zwischenfall ereigneten sich auch noch einige Überfälle, ln der jüdischen Kolonie N e ß Ziona wurde ein Jude getötet. In Jerusalem erhielt ein Jude im Verlaufe eines Streites mit einem Araber so schwere Stichverletzungen, daß er ins Krankenhaus gebracht werden mußte. Feuerüberfälle wurden auf dem Kalandria-Flugplatz bei Jerusalem und auf das Kinderdorf im Jesreel-Tal verübt Die Polizei, die auf den Flugplatz gerufen wurde, fand die Straßen verbarrikadiert und wurde mit Schüssen empfangen. Als sie zum Angriff vorging, ergriffen die Schützen überfall verhindert werden sollte, daß die polnischen, holländischen und ägyptischen Verkehrsflugzeuge, denen durch die Zerstörung der Funkstationen und anderer Gebäude auf dem Flugplatz von Lydda dessen Benützung unmöglich gemacht ist, statt dessen in Kalandria landen. Der Brand auf dem Flugplatz In Lydda, dem größten des ganzen Nahen Ostens, hat, wie sich jetzt herausstellt, einen weit größeren Umfang, als die ersten Meldungen erkennen ließen. Außer den Gebäuden der drei Luftverkehrsgesellschaften und der Funkstation sind auch das Zollgebäude und Telephonamt des Flugplatzes vollständig ausgebrannt Der angerichtete Schaden ist sehr erheblich. In Jerusalem fiel eine einer arabischen Firma gehörende Fabrik für Holzprodukte einem großen Feuer zum Opfer. Die Fabrik liegt nur in ganz geringer Entfernung von den Regierungsgebäuden. Samstagabend waren die Telephonverbindungen in ganz Nordpalästina unterbrochen. Die Ursache dieser Unterbrechung ist noch nicht bekannt. In Haifa fand zwischen einer Polizeipatrouille und einer Bande von Terroristen ein Zusammenstoß statt. Auf arabischer Seite zählt man mehrere Verletzte, ln Tirah Schalom kam es ebenfalls zu einem Überfall, ln dessen Verlauf ein arabisches Kind getötet wurde. Vermittlung der arabischen Staaten Jerusalem, 17. Oktober. Nach einer hiesigen arabischen Quelle sollen die Regierungen der arabischen Staaten an die britische Regierung und die Regierung von Palästina ein Memorandum, gesandt haben, in dem sie ihre Vermittlung anbieten, um die Rückkehr der verbannten arabischen Führer zu ermöglichen. Man glaubt, daß diese Stellen die Rückkehr der Verbannten nach Palästina wegen.der be vor steh enden Ankunft einer neuen Kommission für notwendig halten. Palästina Im Ausnahmszustand Der arabische StoB gegen England Jerusalem, 16. Oktober. (Eigenbericht der „Stimme“.) Die Lage in Palästina tot sich außerordentlich verschärft. Die Regierung steht einer von auswärtigen Stellen geleiteten Terror- und Sabotage-Organisation gegenüber, deren Betriebsamkeit in einem Augenblick losbrach, als alle Behörden bereits an eine Beruhigung geglaubt hatten und auch schon den Abtransport eines Teiles ihrer militärischen Kräfte Vornahmen. Der so berühmte englische Geheimdienst hat sich wieder derart überraschen lassen, daß ein Infanterieregiment beim Abmarsch durch das judäische Gebirge unter Feuer genommen werden konnte und daß der GroBmufti aus der Omarmoschee entkommen und nach Syrien flüchten konnte. Ob der französische Überwachungsdienst dort derart funktionieren wird, daß eine weitere politische Tätigkeit des illustren Gastes unterbunden wird, kann bezweifelt werden. Auf syrischem Gebiet befindet sich schon seit der Tagung von Bludan — bei der sich die arabischen Herrscher durch Nichterscheinen ein Alibi geschaffen hatten — eine Staffettenlinie, die Waffen, Munition und Flugschriften über die Grenze nach Palästina schob und auch Boten hin und her sandte. Dsehemal Husseins, einer der Intransigenten aus dem Obersten Komitee, konnte aus dem von Kordons abgesperrten Haifaer Hafen flüchten und sitzt jetzt in Damaskus. Inzwischen ist in Jerusalem der Belagerungszustand eingeführt worden, die Stadttore sind gesperrt, die Straßen menschenleer; inzwischen sind eine ganze Anzahl von Polizisten ums Leben gekommen, ein Eisenbabnzug in die Luft gesprengt, ein Autobus überfallen worden, eine Anzahl von Gebäuden auf dem Flugplate von Lydda ln Brand aufgegangen. Überfälle auf jüdische Kolonien wurden versucht, aber durch die tapfere Gegenwehr der jüdischen Polizei und der Siedler abgeschlagen. Aus der Gegend von Hebron sind die Frauen und Kinder der britischen Funktionäre nach Jerusalem gebracht worden. ....,, DieMandatwtgl** Zu allem Überfluß scheinen auch m der Südgrenze von Transjordanlen wieder Einbrüche von Ichwans, einer Art kommunistischer Watebitentrupps, erfolgt zu sein, die du ansehnliches Kontingent britischer Truppen auf sich ziehen und sohin die palästinensische Verteidigung schwächen. Solche Einbrüche hat es schon im Jahre 1921 gegeben und die britischen Flugzeuge schufen bald wieder Frieden. Aber daß diese Raids just jetzt wieder auftreten, ist doch bedenklich. Die Mandatsregierung hat sich mit einem Dementi beeilt, aber die Meldungen, die in der italienischen Presse zu lesen sind, lauten sehr bestimmt. Zwar tot bisher Ihn Saud als ein überaus vorsichtiger Mann gegolten, der jede Störung des Mekka-Pilgergeschäftes fürchtet und deshalb Abenteuer lieber vermeidet Aber es gebt schon lange das Gerücht, daß der König ernstlich krank und müde ist und daß der Kremprinz sich nach dem Machtantritt sehnt. Auch der Imam des Yemen ist beweglich geworden und zeigt außerordentliche Sympathien für Italien, das ihm Maschinengewehre geschenkt hat; ferner wird aus Libyen gemeldet, daß die tripolitanischen Notabeta in einem Huldigungstelegramm an Mussolini «ag wac gewarnt ihre Solidarität mit den palästinensischen Arabern eiklärt toben. Der Ausbruch der neuen Revolte ist nur den Engländern, nicht aber den Juden eine Überraschung gewesen. Der jüdische Nationalrat hatte schon Tage vorher die Regierung darauf aufmerksam gemacht, daß Im arabischen Bergland zwischen Dschenin Tulkerem und Nablus die arabischen Jugendverbände zusammengezogen werden, was auf eine organisierte Bewegung schließen läßt. Alle Umstände zusammen deuten darauf hin, daß die neuen Ausschreitungen von einer außerhalb Palästinas stehenden Stelle angestiftet worden sind und daß der StoB gegen England zielt. England ist in der Defensive, und diese Lage ist eine Folge der schweren Fehler der Mandatsverwaltung, die seit Jahren es verabsäumt hat, die Sicherheit einer starken mul treuen jüdischen Bevölkerung anzuvertrauen und die durch immer neue Geschenke die Gier der maebtlüsternen Effendis mir angestachelt hat. Jetzt ist Englands Prestige auf der ganzen Linie engagiert und dw Teilungsplan, der den größten Teil des Landes für die jüdische Einwanderung sperren sollte, i hängt in der Luft. Die Angriffe auf die jüdischen Kolonien abgewehrt Jerusalem, 17. Oktober. Die Jüdische Telegraphen-Agentur in Jerusalem hat sieh am Freitag nachmittags mit den am weitesten entlegenen und gefährdetsten Siedlungspunkten im Lande telephonisch in Verbindung gesetzt, um sich einen Überblids über die Lage zu verschaffen. Es ergab sich folgendes Bild: Aus Beth Alpha, in der Ebene Esdraelon, wurde gemeldet, daß die Ölleitung der Irak-Petroleum-Company bei Kaukab in Brand gesteckt worden ist Die Flammen hätten die ganze Umgebung taghell beleuchtet. Die Kolonien Ginegar im mittleren Emek, Newe Jakob bei Jerusalem, A f u 1 e h und M i gdal Zedek wurden heftig beschossen. Überall erwiderte die Polizei, verstärkt durch Hilfspolizisten, das Feuer. Meldungen Bber Verluste an Menschenleben liegen nicht vor. In Galiläa wurden Freitag vormittags mehrere Kolonien beschossen. In S a f e d und Tiberias herrscht Ruhe. In der Umgebung von T e 1-A v i v ereigneten sich keine nennenswerten Zwischenfälle. Nur das Kinderdorf Ben Schemen war eine Stunde lang einem heftigen Feuer arabischer Banden ausgesetzt. J In Ar za wurde der jüdische Wächter Jizchak Wischnewski und der jüdische Hilfspolizist Jakob Cohen von arabischen Terroristen angeschossen und schwer verletzt. In der neu errichteten Siedlung T1 r a t h Zwi wurden mehrere jüdische Landarbeiter auf offenem Felde von du« lököpflgen bewaffneten Araberbande angegriffen. Es entstand ein Kampf, in dessen Verlauf ein jüdischer Hilfspolizist, der mehrere Warnungsschfisse abgegeben hatte, entwaffnet und vier Juden verwundet wurden. Polizei nahm zehn der Angreifer fest. In der Nähe der Jerusalemer Polizei- Station, wo bereits im Juni ein Attentatsversuch gegen den Generalinspektor der palästinensischen Polizei, S p i c e r, unternommen wurde, wurden drei Höllenmaschinen entdeekt. Wie sich später herausstellte, wären sie wenige Minuten später explodiert und hätten unübersehbaren Schaden angerichtet. VORVERKAUF AB V UNUNTERBROCHEN. QOtSMjS] m.: (MQIgD Die epidemische Gesetzlosigkeit In einer Rede in Chikago hat der Präsident der Vereinigten Staaten vor einigen Tagen die Aufrecbterhaltung des Rechtes in der Welt gefordert. Er hat scharfe und eindeutige Worte über die internationale Anarchie, über die epidemische Gesetzlosigkeit und über den zur Gewohnheit gewordenen Bruch von Verträgen und Abmachungen gesprochen. Die Rede war eine publizistische Weltsensation. Man wollte aus ihr herauslesen, daß Roosevelt die Doktrin, Amerikas Außenpolitik besteht darin, daß es keine Außenpolitik macht, verlassen und sich der Reihe der Staaten anschließen will, die heute noch die Demokratie und den Weltfrieden verteidigen. Sanguiniker hofften bereits auf eine Annäherung an den Völkerbund, dessen ununterbrochener Prestigerückgang einer neuen Belebung weichen könnte. Ein solcher Entschluß der USA. würde Wunder wirken und die einfache Erklärung ihres Präsidenten, daß er keinen Krieg dulden und alle Machtmittel seines Staates gegen den oder die Angreifer aufbieten wolle, würde genügen, um die Kriegspsychose zu bann& Aber dieses Wort hat er nicht gesprochen, und er hat sogar eine Woche später in einer neuer-* liehen Rede in Washington ausgeführt, daß er seinen Staat aus jedem Krieg heraushalten wolle. Das ist, wie die Dinge liegen, eine Abschwächung und ein kalter Guß auf alle Hoffnungen, die hauptsächlich in Paris an sein Auftreten geknüpft worden waren. Das vorsichtigere und kühlere London hatte erst noch in Washington nähere Aufklärungen über des Präsidenten Absichten erbeten. Die Klage über die in den letzten Jahren eingetretene Verwilderung der Sitten ist aber doch in dieser Deutlichkeit noch nicht ausgesprochen worden, und sie hat auch im ersten Augenblick wie ein Gerichtsurteil ausgesehen. Insbesondere die Blätter des Dritten Reiches haben dies empfunden, wenngleich sie rasch eine Beziehung auf den Bolschewismus herausdeuteln wollten. Eine solche Annahme kann aber auf eine Rede des USA.-Präsidenten nicht zutreffen, und die Aufzählung der Dinge, die er meinte, und die sehr deutlich war, zeigt, daß er an ganz andere Stellen gedacht hat. Die Anarchie in Europa, die alle Loyalität und alle Vertragstreue beiseitestößt, hat im Jahre 1914 begonnen, und man ist an diese Tatsache in diesen Tagen erinnert worden, als die deutsche Erklärung über Belgien« territoriale Integrität veriautbart wurde. Der belgische Außenminister, der vor der Presse das Abkommen erläuterte, schloß seine Erklärungen mit der Versicherung, daß Belgien nunmehr die Pflicht habe, alle Maßnahmen zur Verteidigung des Landes zu ergreifen. Es gibt aber im Leben der Völker und Staaten nicht nur Verträge, nicht nur Geheimklauseln, sondern auch ungeschriebene Verträge, die sich auf die Loyalität gegenüber anerkannten oder nicht anerkannten, aber bestehenden Minderheiten beziehen, und es ist vom Jahre 1933 angefangen, bewiesen worden, daß auch solche Verpflichtungen wie ein Fetzen Papier behandelt werden können. Das Vorgehen gegen die Juden in Deutschland widerspricht jeder Auffassung von Treue und Ehrlichkeit. Es ist eine nun seit vier Jahren fortgesetzte Kette von Demütigungen und Mißhandlungen, wie sie wohl

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