Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 11 (1937-1938)
- Issue
- Heft 683 (15.10.1937)
- Date
- 1937-10-15
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Kr. 688. — Wien, Freit»«, 16. Oktober 1987. D» STIMM! Seite 5 EISEH Selchwaren Smal täglich frisch IN ALLEN FILIALEN I RUNDSCHAU I HEILIGE und Heiligenbilder gibt es, so meint man allgemein, nur in der christlichen Kirche, also kann der Begriff auch nicht älter sein als die Kirche. Der „Stürmer“, Julius Streicher« Hetzblatt, weiß es besser. Er belaßt sich neuesten« sehr eifrig mit der Bibel und trachtet, aus ihr Material gegen die Juden zu produzieren. Ein schweres Beginnen, das größte geistige und sittliche Werk, das Menschen je geschaffen haben, gegen seinen Autor zu gebrauchen. Aber der „Stürmer“ kommt nicht in Verlegenheit. Er kennt die Dummheit, Unbildung und Gedankenlosigkeit seiner Leser, und weiß, daß er ihnen alles zumuten darf. Und Wasnuid^mSkJ&httMejnd? „Ich lasse mich mit Diana-Franzbranntwein massieren!“ — „Warum gerade mit Diana-Franzbranntwein?“ — Weil ich mich überzeugt habe, daß f nur Massage mit Diana I solche Schmerzen lindert, 1 welche von Ueberanstren- B gung und schwerer Arbeit Ä M herrühren. Eben darum ■ kaufe ich nur FRANZBRANNTWEIN mitMENTHOL ana zitiert: „II. Mos. 33, Vers 34: Du sollst die Altäre der nichtjüdischen Völker Umstürzen. Du sollst ihre Tempel mit Feuer verbrennen, ihre Heiligenbilder sollst du zerbrechen und ihre heiligen Stätten ausrotten.“ Aha, Spanien, Rußland! denkt der harmlose „Stürmer“-Leser. Zerstörte Kirchen, umgestilrzte Altäre, geschändete Heiligenbilder, verbrannte Klöster! Der Bolschewismus kommt votl der Bibel. Wahrscheinlich spekuliert der „Stürmer“ richtig, wenn er annimmt, daß kaum zehn von seinen zwei Millionen Lesern soviel Überlegung haben, daß es ihnen auffallen könnte, woher denn Moses die Bezeichnung für Dinge genommen hat, die erst fünfzehnhundert Jahre später entstanden sind. Und von den zehn werden kaum fünf sich auch noch die Mühe genommen haben, etwa in der Bibelübersetzung Martin Luthers Optiker RUDOLF HAAS & COMP WIEN» II.. PRATERSTR. 32 SPEZIALIST FÜR BRILLENOPTIK den zitierten Vers naichzulesen, der so lautet: „Du sollst ihre Götter nicht, anbeten, noch ihnen dienen, und nicht tun, wie sie tun, sondern sollst ihre Götzen umreißen und zerbrechen.“ ERBADEL wurde auf dem „Parteitag der Arbeit“ dem deutschen Volk unter gleichzeitiger Entbindung von der Erbsünde verliehen. Der „Durchbruch“, das Organ der deutschen Neuheiden, widmet diesem Ereignis einen endlosen Artikel, in dem gesagt wird, die „jüdische Erbsünde“ sei der Fluob der Menschheit, besonders des deutschen Volkes geworden. Jüdische Erbsünde ... Eines unserer Konfliktethemen mit der katholischen Kirche ist, daß wir die Erbsünde nicht als Grundlage religiöser Betrachtung anerkennen... — Im übrigen sei hier der Kuriosität halber der Schlußabsatz des „Durchbruch“-Artikels wörtlich zitiert: „Wer sieht nicht den neuen Adel, der schon Tausenden vom neuen Geschlecht auf der Stirne steht? Wer könnte bezweifeln, daß nicht das überwältigende Gemeinschaftserlebnis der Parteitage jedem die Heiligkeit unseres ewigen Volkes wie eine Gottesoffenbarung in die Seele prägt, daß jeder dabei zwangsweise übeT sich selbst hinaus und in den Artwillen der Nation hineinwächst, daß der Dienst mit dem Spaten wieder jene Tugenden weckt, die deutsche Heimaterde schenkt, und daß der Dienst unter der Fahne nicht jene überragenden, zwingenden Führergestaitsn erstehen läßt, die alles Unedle und Niederziehende von sich abstoßen? Der Führer hat dem Anfang gemacht; An ihm wird die Kir- ■ Epilog zu einer Rede Es ist nicht immer leicht, die Vorträge [ guter Redner ihrer rhetorischen Hülle zu entkleiden und auf ihre Stichhältigkeit zu überprüfen. So hat es auch Dr. Nahum Goldmann einem Teil seiner Zuhörer bei dem Vortrag im Großen Musikvereinssaal nicht leicht gemacht.. Die merkliche Kühle des Publikums aber galt offensichtlich der allzu stark aufgetragenen Verteidigung des Teilungsplanes. Vollends die in der Problematik Palästinas bewanderten Zionisten ließen sich durch die Eleganz Dr. Goldmanns und durch seine oft glänzend stilisierten Formulierungen — er ist bekanntlich der Mann, der in der Regel die Resolutionen der Zionistenkongresse entwirft — nicht blenden. Wir erinnern uns eines Vortrages, den Dr. Goldmann knapp nach Beginn der Unruhen des Jahres 1936 in 'Wien im Hotel Continental hielt. Damals erzählte er — und er ist ein guter Erzähler —, daß gelegentlich der Beratungen, die nach den Unruhen des Jahres 1929 zwischen einem englischen Ministerkomitee und Vertretern der zionistischen Exekutive stattfanden, ein Zionist, erklärte, was einer der Minister gesagt habe, sei nicht logisch. Darauf habe der so Apostrophierte ungefähr geantwortet: „Sie haben recht. Es ist nicht, logisch. Aber mit Logik macht man kein Imperium. Sie, mein Herr, haben Ihre Logik, und wir haben das englische, Imperium.“ Diese wirklich tiefsinnige Anekdote hat Dr. Goldmann diesmal seinen Ausführungen nicht zugrundegelegt. So kam es, daß er seine Verteidigung des Teilungsplanes auf logischen Deduktionen aufbaute, wie etwa: Das Mandat sei undurchführbar, weil die englischen Beamten es einfach nicht durchführen wollen. Infolgedessen müssen wir den Teilungsplan annehmen, denn den binationalen Staat müssen wir ablehnen, weil die Juden in ihm nie eine Majorität erlangen könnten und auf bessere Zeiten warten können wir nicht, weil wir keine Kraft dazu haben. Aber sozusagen in einem Atem sagte Dr. Goldmann: Politik ist nur für die Bedürfnisse des Tages da. Die Zukunft eines Volkes wird nicht durch Politik und Politiker, sondern durch stärkere Kräfte seelischer, geist iger, metaphysischer Natur bestimmt. Damit, schlägt Goldmann seine logischen Deduktionen von der Unhaltbarkeit des Mandats und von der Notwendigkeit des Teilungsplanes, und argumentiert wie Ussiscbkin und die anderen Neinsager am Kongreß. Vielleicht darf man Dr. Goldmann hier auch daran erinnern, daß die von der Mehrheit des Kongresses beschlossene Resolution, deren Textierung er nicht ferne steht, besagt: „Der Kongreß lehnt die Behauptung der Königlichen Kommission ab, daß das Mandat sich als undurchführbar erwiesen habe und verlangt seine vollständige Durchführung.“ Ja, sagt Dr. Goldmann, die englischen Beamten wollen einfach nicht.. Sie haben zwar den Mufti und seine Freunde schachmatt gesetzt, aber wer weiß, wie lange das Vorhalten wird. Wir Anden, daß man die mandatswidrige Administration Palästinas geradezu ermutigt, wenn mau so spricht. Bleibt noch die Frage, ob wir warten können. Goldmann sagt nein. Auf der anderen Seite rechnet er optimal mit der Einwanderung von 1,500.000 Juden in 20 Jahren. Nun muß man kein großer Fachmann sein, um sich auszu rechnen, daß der Judenstaat in den nächsten Jahren mangels bewässerter Bodenreserven keine Masseneinwanderung aufnehmen wird können. Wir wissen auch, daß der Plan der Peel-Kommission die Zahl der Einwanderer nach politischen Gesichtspunkten jeweils festzusetzen und nicht nach der wirtschaftlichen Aufnahmsfähigkeif des Landes durch unseren Protest in Genf zu Fall gebracht wurde. Warum können wir also nicht warten? Gewiß, unsere Lage ist, sehr schwer. Aber, ä la guerrc comme ä la guerre, und wir vergeben keine Chance. Wird vielleicht England, wenn wir die Teilung ablehnen werden, nach all dem, was das englische Parlament und der Völ- Dnuernde Schönheit (furch richtige Pflege Belebung, Ernährung, Regeneration der Haut. Creme Vitaskin bewirkt einen jugendlichen, rosigen, samtweichen Teint, verhütet alle Teintunreinheiten, beseitigt Falten n. Runzeln. Prospekt kostenlos, Tiegel zu S 5.—. Apotheke Bayer, Wien, I.. Wollseile 13. In Fachgeschäften erhältlich. ehenlehre von der Erbsünde genau so lächerlich wie das stolze Bewußtsein deutschen Erbadels offenbar. Sollte er der einzige für Jahrhunderte hinaus bleiben, eine Siegfriedgestalt, die wie ein Komet aufgeleuchtet hat und dann wieder im Unendlichen versinkt? Wer seinen Geist hat, der ahnt die Wahrheit: Dieser Mann ist nicht ein einzelner, er ist nur der erste seines Volkes, er spricht nur die noch neue Sprache des ewigen germanischen Reiches, und jeder, der ihm folgt, wird diese Sprache auch sprechen, wird rein werden von allen artfremden Schlacken wie er, wird nur noch aus dem neuen Geiste leben wie er und wird in seinem Wesen so erbadelig wie er werden. Denn wir sind ja alle eine Volksseele, haben ja alle eine Heimat, ein Blut, einen Willen und werden darum auch alle ein Gepräge tragen: den deutschen Erbadel.“ „UNSICHTBARE FRONT“ nennt sich geheimnisvoll und drohend eine neue magyarischnationalsozialistische Organisation. Sie überschwemmt das Laad mit Flugzetteln, die einen Stempel in Grün, der bei balkarischen Terrorbanden beliebten Farbe, trägt. Die Flugzettel enthalten wüste Hetzartikel gegen die Juden mit den betkannten Themen: Die Juden haben den Bolschewismus erfunden, sie bringen alles Unglück über die unschuldige arische Menschheit, sie schlachten Pessaeh-Christenkinder, sie haben Mord, Raub und alle Verbrechen in die Menschheit gebracht. So weit wäre die Sache aber noch gar nicht besonders interessant. Eine antisemitische Organisation mehr oder weniger im Magyarenland, was verschlägt’«? Interessant ist auf den Flugzetteln eigentlich, was nicht zum meritorischen Inhalt gehört. Ets sind darauf zunächst Zeichen und Zahlen, ähnlich, wie auf Akten, zu sehen, zum Beispiel: „Nr. 930, Ungarn“, oder: „Nr. 800 A. Ung.“ In deutscher Sprache, während der Text selbst natürlich ungarisch abgefaßt ist. Und dann das sogenannte Impressum, das heißt, die Bezeichnung der Druckerei .und des Verlags. Da steht, wieder in deutscher Sprache, auf dem einen Zettel: „Druck Hermanns Erben, herausgegeben vom Falkeo-Verlag, verantwortlich Heinrich Kessemeier, alle in Hamburg.“ Für den Vertrieb in Ungarn hat man eine eigene Firma eingerichtet, die „gegen Bestellung auf Postkarte Material in beliebigen Mengen liefert“,., Aber Deutschland mengt sich nicht in die Angelegenheit anderer Länder ein, es will nichts als Ruhe und Frieden. In Wien richten sie ein großartiges Reisebureau im Brennpunkt des Verkehrs ein, nur um ein gewisses Bild in die Auslage stellen zu können, und sie gründen eigene Buchhandlungen, die ihre „Literatur“ den Wienern aufdrängen sollen, ln Ungarn verprassen sie (die Leute drüben kennen sich in der finanziellen Auswertung politischer Konjunkturen gut aus) Hunderttausende auf unsichtbare Fronten und die Tapezierung der Straßen mit Flugzetteln. Wann endlich den anderen die Geduld reißen wird? ROTWEISSGRÜNE FAHNEN mit dem; Magen David hat mau heuer zu Simchat i Thora in einem Budapester Tempel herumgetragen. Antisemitische Studenten haben darum vor dem Tempel drohend demonstriert. Zn Zwischenfällen ist ee, so meldete der Polizeibericht, nicht gekommen. Wir würden die Sache nicht glauben, wenn das Budapester Assimilantenblatt die Schande nicht selbst bestätigte. Rotweißgriine Fahnen mit dem Magen BANKGESCHÄFT Dr. OFFENBERGER Wien, L, Freyung 1 Telephon: U 27-2-11 U 28-2-55 Durchführung sämtlicher Bankn. Börseiransaktionen David! Gewiß, die Juden haben den Farben | des Landes, dessen Bürger sie sind, alle Ehren j zu erweisen, aber Geschmacklosigkeiten sind | keine Ehrung! Es wird sicher keinem Tscbeehoslowaken österreichischer Staatsbürgerschaft einfallen, eine rotweißrote Fahne mit dem böhmischen Löwen zu schmücken. Derartiges kann nur jüdischen Assimilanten einfalien, die mit dem Magen David auf rotweißgrünem Grund ihre hoffnungslose Verwirrung und die Ausweglosigkeit ihres Beginnens gezeigt haben. Ein ungarisches Sprichwort sagt, man könne aus Holz keinen eisernen Ring machen. Die Assimilation versucht das andauernd, und wenn es ihr tausendmal mißlungen ist, versucht sie es ein tausenderstesmal wieder. Jehuda. Ein sensationelles Buch! Höret die Stimme Roman von Franz Werfel Kart S 15.58 Leinen S 19.50 Die Stimme Gottes und der Prophet, der sie hört und in einer verwirrten Welt für sie streitet und leidet. Das hundertgesUitige Buch wendet sidi mit einer erlösenden Botschaft an alle, die hören wollen. Zu beziehen durch ■■ BUCHHANDLUNG R. LOW IT (A. Mejstrilc), Wien, ., Wollzeile Nr. 6 Telephon R 25-4-53 kerbund über die notwendige Gründung des Judenstaats gesagt, hat, Palästina verlassen und das Mandat den Italienern oder dem Mufti übergeben? Niemand kann so naiv sein, um das anzunehmen, und wir glauben, obwohl wir die jüdische Not kennen und weil wir die Moral der Massen hoch einsehätaeo, daß das jüdische Volk mehr Widerstand aufhringen wird und mwart.en können wird. Wir wissen es zu würdigen, wenn man 1,500.000 Juden nach Palästina bringen kann. Wir geben aber dem Gefühl derer Ausdruck, die enttäuscht den Vortrag Dr. Goldmanns verließen und sich fragten: „Was geschieht mit den weiteren mindestens 6,000.000 Juden, die auch auswandern müssen, und wer garantiert mir, daß ich unter den privilegierten VA Millionen Juden sein werde? Warum soll gerade ich 20 Jahre warten müssen und warten können?“ Das ist es: Die seelischen, geistigen und metaphisehen Kräfte des Judentums, die Dr. Goldmann in sein« politische Registratur hängt, wenn er mit seiner unbestechlichen politischen Logik kommt, geben uns die Kraft, in einer Zeit zuzuwarten, die täglich neue Ausblicke bietet. Wieviele Jasager hätte es am Züricher Kongreß gegeben, wenn England schon vor einigen Monaten die Terrorführer so Iahmgelegt, hätte, wie jetzt im Oktober? Für uns gilt das Wort unseres Meisters Herzl: „A u sharren ist alle s.“ * Dieser Epilog zu einer interessanten Rede kann nicht alle ihre Details behandeln. Eines soll aber noch klargelegt werden: Es hat keinen Sinn, unter dem zeit¬ Den Haupttreffer von 1 HillionSchillfng gewann am 8. Oktober 1831 riet Los Nr. 9277. Klaseen.eae kaufen hie nur bei der vom 6Hlck begünstigten Qesch-ftsstelle der Klassenlotterle Ernestine iiay er, Wien, (III., JoMtersir. 52 V. Los per Klasse kostet S 6’!/4 -s» 12* *—, 7? -24'—f ■'/, - 48*—. Bestellen Sie sofort Ihr Qlfiefcsies! Ziehung 1. Klasse schon am IO. XI. 1937 gebundenen Aspekt des Züricher Zionistenkongresses zur Teilungsfrage Stellung zu nehmen. Es ist besser, sich zu fragen: War es nicht ein Fehler, den Kongreß abzuhalten, bevor der Völkerbund sein Votum abgegeben hatte? Nichts kann den verfrühten Zeitpunkt des Kongresses rechtfertigen. Hätte er nicht stattgefunden, so wären wir heute in einer besseren Situation. Wir hätten uns nicht durch unser halbes Ja präjudiziert und wären taktisch in der gleichen Lage wie die Araber mit ihrem starren Nein, Jetzt aber wird man den Arabern gut Zureden und wird ihnen Konzessionen machen — auf unsere Kosten, statt auf Englands Kosten, Die Zeit ist zu ernst, als daß inan weiter diskutieren dürfte. Jetzt, ist es die Pflicht aller Zionisten, für den Jisohuw zu sorgen und für eine Politik des starken Willens. Viel und vielleicht alles — allerdings nicht nach den an sieh ausgezeichnetem logischen Deduktionen Dr. Goldmanns — kann gerettet werden, wenn wir nicht philosophieren, sondern arbeiten und alles mobilisieren, was uns helfen kann. Die sicher verdienstvollen führenden Zionisten, die in Zürich ein klares Ja insbesondere auch damit begründeten, daß England das Mandat nicht mehr haben wolle und sieh seiner im Oktober entledigen