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Die Stimme · 1937-10-13 · Heft 682 (13.10.1937) · page 2

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Journal
Die Stimme
Volume
11 (1937-1938)
Issue
Heft 682 (13.10.1937)
Date
1937-10-13
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Soli* 2 Nt. 688.—Wien, Mittwoch,. 13, Oktober lMfl einigung für Deutschland ein Zentram I nternationaler Marxisten sei. Kareskis Zeitung hätte vor kurzem einen Artikel gebracht, der den Präsidenten der Zionistischen Vereinigung in Lebensgefahr brachte. Die Erklärung beruft sieh auf den Bankrott der von Kareskl geleiteten Bank Ivria, der Tausende von Jüdischen Familien, zu deren Gunsten die Bank gegründet wurde, schwer geschädigt hat, während die Bankdirektoren sich zu großen Krediten verhalten. Zum Schlüße führt der Verband ans, daß es wohl unerwünscht und auch nicht gut möglich sei, all das M a t er d i a I, das betreffs Kareskis vorhanden sei, zu veröffenfc- Jerusalemer Stadtrat wird nicht aufgelöst Jerusalem, 11. Oktober. (JTA.) Der ChefsakretÄT der Palästinaregierung, Batters h i 11, ha t. eine aus dem Vorsitzenden des Waad Leumi, Jizehak Ben Z w i, und dem Vertreter derAgudah, Rabbi Mosche Blau, bestehende Abordnung empfangen und erklärt, der Stadtrat von Jerusalem werde nicht aufgelöst, werden, sondern solle seine Arbeiten i n normaler Weise fortset.zen. Vorläufig finden k e j n e Sitzungen des S t. a d träte s statt, da die arahischcn Stadtverordneten an Sitzungen, die von dem jüdischen Vizebürgermeister Daniel Auster geleitet, werden, nicht teilnehmen wollen. Die Polizei hat auf Anordnung der Regierung in den Räumen des Jerusalemer Stadtrates eine strenge Durchsuchung vorgenommen. Der Schreibtisch des verhafteten Bürgermeisters Dr. K h a 1 i d i wurde geöffnet, zahlreiche Dokumente, die für Dr. Khalidl stark kompromittierend sind, wurden beschlagnahmt. Verfahren gegen die arabischen Beamten Jerusalem, 12. Oktober. (JTA.) Die Palästinaregierung hat auf Grund der Ergebnisse der von der Königlichen Kommission durchgeflihrten Untersuchung ein Disziplinarverfahren gegen diejenigen arabischen BegieruflgsheAmten eingeleitet, die im Vorjahr aas bekannte gegen die Palästinaregierung gerichtete Memorandum an die Königliche Kommission unterzeichnet haben. * Dschemal Hussein! in Syrien Jerusalem, 11. Oktober. (Palcor.) Arabischen Pressemeldungen zufolge befindet sich Dschemal H u s s e i n i unterwegs nach Damaskus, wo eine Anzahl arabischer Führer aus Palästina lebt und die Agitation in Palästina leitet. Der Oberkommissar de Mait e 1 hat die syrische Regierung ersucht, jegliche Tätigkeit, die gegen die Palästinaregie rnng gerichtet ist, zu verbieten. Arabische Meldungen Jerusalem, 11. Oktober. (Palcor.) Ibrahim A s h-S h a nt i, Chefredakteur der palästinensischen Zeitung ,.Adifaa“, der sich gegenwärtig in Genf aufhält, veröffentlicht in seinem Blatt den Inhalt eines Gesprächs, an dem er selbst, Auni Abdul Hadi und der Leiter der Orientabteilung des französischen Auswärtigen Amtes teilgenommen haben sollen. Der Letztgenannte soll erklärt haben, daß Frankreich nicht gegen die Teilung Palästinas sei, jedoch sich um deren Verschiebung bemühe. Seine Regierung befürchte die Stärkung Englands im Orient und werde versuchen, einen Vertrag mit England zu schließen, bevor es zur T ei 1 ung schreite, in dem die f ranzösische Einflußsphäre im Orient gewährleistet werden soll. Frankreich sei gegen die Übertragung des ständigen Mandats über die Heiligen Stätten an England, und hoffe die Mohammedaner in den nordufrikanN'hi'n Kolonien durch Verschiebung der Palästina fei hing zun befriedigen. ..Adifaa” meldet ferner, daß England a n s t a 11 d er Teilung eine Änderung des Mandat« erwäge, derzufolge die Juden nie mehr als 40 Prozent der arabischen Bevölkerung ausmacben dürfen, während Einwanderung und Bodenkäufe durch Juden begrenzt werden sollen. Italienisches Regierungsblatt zur Lage in Palästina Rom, 11. Oktober. (JTA.) Die italienische Presse befaßt sich weiter ausführlich mit den Maßnahmen der Palästina-Rerierung zur Unterdrückung des arabischen Terrors. Die Zeitungen veröffentlichen lang« telegraphische Berichte aus den wichtigsten arabischen Zentram die über Proteststürme gegen den „englischen Terror“ in Palästina melden, und geben unverhüllt Ihrer Sympathie für die arabischen Nationalisten Ausdruck. Manche Zeitungen bringen auf der ersten Seite das Bild des Mufti. Die der Regierung nahestehende „Azione Coloniale“ schreibt unter dem Titel „Die Fehler der englischen Politik in Palästina und ihre Rückwirkungen in der arabischen Welt“ unter anderem: „England spielt in der ganzen mohammedanischen Weit mit dem Feuer. Wenn England seine blinde und brutale Politik fortsetzen wird, wird es gegen sich einen arabischen Sturm entfachen. Die Nichterfüllung der Versprechungen an die Araber ruft allgemeines Mißtrauen gegen England hervor, eia Mißtrauen, das im ganzen Nahen Osten und unter den Mohammedanern Indiens-schwere Folgen zeitigen und für das Prestige Englands schädlicher sein wird, als sogar ein verlorener Krieg.“ Pressestimmen ans Palästina Jerusalem, 11. Oktober. (Palcor.) Nachdem die Einschränkungen, die der Presse-1 freibeit seit dem 1. Oktober bezüglich der letzten Geschehnisse im Lande auf erlegt waren, wieder aufgehoben sind, beschäftigt sieb die palästinensische Presse heute zum erstenmal mit der gegenwärtigen Situation. „Palesüne Post“ nennt die Aktion gegen das Arabische Oberste Komitee eine „unblutige Revolution“. Die Ereignisse der letzten fünf Tage hätten das Land tiefer beeinflußt als alle Maßnahmen, die von den Behörden während der letzten 20 Jahre getroffen wurden. Die Regierung muß auch in Zukunft fest und entschlossen Weihen. Mit politischer Aktion muß gewartet werden, bis die Sicherheit im Lande wiederhergestellt ist; obzwar die ganze Wirtschaftslage von der politischen abbängt. Die Kommentare der arabischen Zeitung „Felestin“ sind in einem ziemlich gemäßigten Ton gehalten. Das Blatt schreibt, daß das arabische Problem trotz der vorgenommenen Verhaftungen noch immer ein äußerst dringliches ist „Al Islamia“ erklärt, daß die palästinensischen Araber drei schweren Krisen gegenüber stehen: einer politischen, einer wirtschaft- I liehen und einer sozialen. Das Schicksal der Juden in Danzig Danzig, 12. Oktober. Wie bekannt, sind die beiden kommunistischen Abgeordneten des Danziger Volkstages, Serocky und Langenau, als Hospitanten in die Nationalsozialistische Partei eingetreten. Die Nationalsozialistische Partei verfügt nunmehr — nachdem vor längerer Zeit die Deutschnationalen sich ihr angeschlossen hatten — über 51 von insgesamt 72 Stimmen im Volkstag, also über eine Zweidrittelmehrheit, die zu einer Verfassungsänderung notwendig ist. Man befürchtet daher, daß der Volkstag im WTege einer Verfassungsänderung die Gleichschaltung mit dem Dritten Reich auch gesetzlich vollziehen wird. Für das Danziger Judentum entstehen erneut sehr ernste Gefahren. Zu befürchten ist unter anderem, daß die Nationalsozialisten versuchen werden, die N ü r nberger Gesetze auch in Danzig einzuführen. In der Praxis werden auch schon heute die Juden ans allen Zweigen de» öffentlichen Lebens zurückgedrängt, itp Staats-, und GemeindefHenai sind sie kaum noch vertreten. Das Danziger Statut steht immer noch unter der Kontrolle des Völkerbundes, der durch seinen Hohen Kommissar darüber zu wachen hat, daß nationale und religiöse Minderheiten nicht entrechtet und depossediert werden. Man will es nicht glauben, daß der Völkerbund, der seinerzeit die Saar-Juden und später die oberschlesischen Juden, deren gesetzlicher Schutz legal erloschen war, ihrem tragischen Schicksal hat überlassen müssen, jetzt auch die Danziger Juden im Stich lassen wird, wo doch das international garantierte Danziger Statut auch bei einer Zweidrittelmehrheit der Nationalsozialisten im Volkstag in Kraft bleibt und vom Völkerbund kontrolliert wird. Wie weiter aus Danzig gemeldet wird, hat der Gauleiter Förster bei dem Parteikongreß bekanntgegeben, daß in Danzig zu Beginn des Winters eine neue judenfeindliche Kampagne eröffnet werden wird. Er erklärte, daß die „Verteidigung der Danziger Deutschen gegen die Juden in großem Maß- Stabe durchgeführt werden wird“. . Es kann kein Zweifel .darüber herrschen, dhr dar Völkerbund die Pflicht bat, auch gegen eine solche offiziell angekflndjgte antijüdieche Kampagne im Freistaat einzuechreiten. Polnische Arbe'tspartei anti jüdisch Prag, 11. Oktober. Das Tschechoslowakische Preßbüro meldet: Am Sonntag fand in Warschau ein gemeinsamer Kongreß der christlich-demokratischen Partei und der nationalen Arbeiterpartei statt, die beschlossen haben, sich zu fusionieren. Am Samstag vorher fanden in Warschau separate Beratungen der christlich-demokratischen Partei unter dem Vorsitz des Vertrauensmannes Korfanty und des Abgeordneten T e m p k a und eine Sitzung der nationalen Arbeiterpartei unter dem Vorsitz des ehemaligen Abgeordneten Popiel statt. Das Ergebnis der Beratungen der zwei Parteien waren fast gleichlautende Entschließungen, Die neue Partei wird den Namen „Arbeitspartei“ führen. In der Programmdeklaration der neuen Partei heit es unter anderem, daß sie auf dem Boden des Katholizismus und der Demokratie verharren werde. Was die jüdische Frage anbelangt, vertritt die Arbeitspartei die Ansicht, daß es notwendig sei, namentlich die jüdische Auswanderung aus Polen zu organisieren, und dem Einfluß der Juden in Handel und Industrie entgegeuzuwirken. Paderewski — Protektor Aus Warschau wird gemeldet, daß als Protektor der neuen Partei der polnische Pianist und gewesene Ministerpräsident der Republik Polen, Ignacy Paderewski, auftritt. Gefördert wird die Partei ferner von General Haller und dem gewesenen Staatspräsidenten Stanislaw Wojciechowski. Nationaldemokraten verlangen Wiedereinführung de* Ghettos Das Hauptorgau der nationaldemokratischen Partei, „Warszawski Dziennik Naroddowy“, fordert die schrittweise Isolierung der Juden auf den Hochschulen, auf den Märkten, im Handwerk, im ärztlichen und juristischen Beruf und in Kunst und Wissenschaft, ferner den Ausschluß der Juden ans dem Heer und die allmähliche Einführung eines territorialen Ghettos. Zunächst soll den Juden das Wohnrecht in der Festung Brest-Litowsk und in dem religiösen Zentrum Czenstoehau genommen werden. Aus der Provinz wird gemeldet, daß auch in MittelundVolksschulen versucht wird, den jüdischen Schülern abgesonderte Sitzplätze zuzuweisen. Drei Joden karpatorussische Gubernialräte Die tschechoslowakische Regierung hat die Ernennung von neun Mitgliedern des Gubernialrates von Karpatorußland vorgenonunen. Nunmehr ist die endgültige Zusammensetzung dieser Körperschaft bekannt geworden: sie ist 24gliedrig, neun Mitglieder ernennt die Regierung, neun wählt die Landesvertretung, ferner gehören ihr die sechs karpatorussischen Landasausscbuß-Beisitzer an. Der Gubernialrat setzt sieh zusammen aus 14 Rutbenen, 5 Ungarn, 3 Juden und 2 Tschechen; von den 3 Juden ißt einer Zionist. Der Gubernialrat ist die Vorbereitung des künftigen Landtages. Ein weißer Rabe Budapest, 11. Oktober. (JTA.) Vor Gericht batte sich der ungarische Schriftsteller Dezsö Szabo wegen Aufreizung zum Klassenhaß und gegen die jüdische Konfession zu verantworten, ein Delikt, das er der Anklageschrift zufolge in seinen Schriften „Das Problem des ungarischen Thrones und Österreich“, und „System der extremen Richtungen“ begangen hat Szabo sagte zu seiner Verteidigung, die Grundbesitze über 10.000 Joch seien im Besitze der Grafen, der Kirche, der Schwaben und der Juden. Er verwahrte sich dagegen, daß in Ungarn überall Fremde die höchsten Steilen besetzen, angefangen vom Königsthron bis zu den hoben Ämtern. Ich nenne, sagte Szabo, als meine Quellen das Statistische Amt und den Ministerpräsidenten Daranyh Präsident: Sie haben den Ministerpräsidenten falsch verstanden, wenn Sie aus seinen Reden Antisemitismus herauslesen. — Angeklagter: Er l»t konstatiert, daß die Juden Im Wirtschaftsleben eine zu große Rolle spielen. — Präsident: Dafür können die Juden nichts. Wenn sieb mehr Christen diesen Berufen gewidmet hltten, wlre des Verhältnis anders. Das Gericht verurteilte Szabo wegen Aufreizung zum Klassenhaß zu einem Monat Gefängnis. Konfessionelle Aufreizung konnte nicht festgestellt werden, da die Ausführungen des Angeklagten eich offenbar gegen die besitzende Klasse richteten und er auch gegen die Juden nur als Angehörige dieser Klasse und nicht als Konfession losgezogen sei. pÄn,«*« Kindergärtnerin Deutsch hebr., en3!., sucht Nachmittags*«' sdiflftigung zu Kindern. Zuschriften «n die Montessorl-Sdiute f. Ruth, I., Rudolfspletz 1 Christliche Frontkämpfer Englands ehren die jüdischen Kriegsgefallenen London, 11. Oktober. (JTA.) Die Abteilung Edge Hill der British Legion in Liverpool veranstaltete in der Neuen Synagoge der Greensbankdrive-Gemeinde einen Gedenkgottesdienst für die jüdischen Kriegs* gefallenen. 700 Kriegsteilnehmer aller Bekenntnisse nahmen an der Gefallenenehrung teil. Vor dem Gottesdienst fand ein Aufmarsch in den Straßen von Liverpool statt. An der Spitze des Zuges wurden Fahnen von vierundzwanzig Ortsgruppen der British Legion getragen- Hetzrede eines südafrikanischen Ministers Johannisburg, 11. Oktober. (JTA) Die hier erscheinende Zeitung „Cape Times“ befaßt sich mit einer Rede, die dar Minister im südafrikanischen Kabinett, Pirow, vor der deutschen Gemeinde „Wartburg“ hielt, in welcher er eine Warnung an die für den'" antideutschen Boykott Verantwortlichen richtete und sich scharf gegen die antideutsche Propaganda jener wandte, die eich der „Gastfreundschaft Südafrikas“ erfreuen. „Dies ist“, schreibt das Blatt, „eine offenkundige Anspielung aut die Juden, die nicht Gäste, sondern, ebenso wie die Deutschen, vollberechtigte Bürger Südafrikas sind. Die Andeutung des Ministers, als ob die Juden etwas Geringeres wären, ist, gelinde gesagt, eine ganz ungeheuerliche Taktlosigkeit.“ Der Minister Pirow ist durch seine Sympathien für den deutschen Nationalsozialismus bekannt geworden. Es heißt, daß er selbst Deutscher ist- Die anti jüdischen Einwanderungsbestimmungen sind auf sein Betreiben eingeführt worden. Ein Jude in Charbin mißhandelt und hingerichtet Charbin, 11. Oktober. (JTA.) Erst jetzt wird bekannt, daß der polnische Staatsbürger Jakob Elchanan Hammer, der vor sieben Jahren mit Frau und Kind in Charbin eiogewandert war, nach einem geheim geführten Verfahren wegen angeblicher Spionage zugunsten Sowjetrußlands hmgerichtet worden ist Hammer, der 33 Jahre alt war, betrieb einen kleinen Laden. Vor etwa neun Monaten wurde bei ihm eine Haussuchung vorgenommen. Hammer, seine Frau und einige zufällig anwesende Personen wurden verhaftet Sämtliche Verhafteten, außer Hammer und seiner Frau, wurden bald darauf wieder freigelassen. Alle Versuche, über das Schicksal des Ehepaares Näheres zu erfahren, blieben ergebnislos. Vor etwa zehn Tagen nun wurde die Frau Hammers aus der Haft entlassen, und einige Tage später wurde das Präsidium der Jüdischen Gemeinde von der japaniscbmandschukuischen Polizei verständigt, daß das japanische Kriegsgericht Hammer zum Tode verurteilt hat und h i n r i c h t e n ließ. Die Gemeinde ließ die Leiche Hammers aus dem provisorischen Grab auf dem chinesischen Friedhof exhumieren und auf dem jüdischen Friedhof beisetzen. Der Körper Hammers wies Spuren schwerer Mißhandlungen auf.

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