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Die Stimme · 1937-10-13 · Heft 682 (13.10.1937) · page 1

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Journal
Die Stimme
Volume
11 (1937-1938)
Issue
Heft 682 (13.10.1937)
Date
1937-10-13
Page
– (sequence 1)
Language
German
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m ‘Stimme V. b. b. 15 8 JÜDISCHE ZEITUNG Wl«a, Mittwoch, 13. Oktober 1937 o 8. ChoMbwan f 898 11. Jahrgang Kampf um Brot und Land In einem Prozeß in Budapest hatte der Angeklagte behauptet, daß die Juden im Wirtschaftsleben eine zu große Rolle spielen. Der Vorsitzende entgegnete ihm: „Dafür können die Juden nichts. Wenn sich mehr Christen diesen Berufen gewidmet hätten, wäre das Verhältnis anders.“ Diese Erklärung hat nicht nur für Ungarn Bedeutung. Sie kann überall ins Treffen geführt werden, wo die antijüdische Agitation mit Ziffern operiert, aus denen sie eine bewußte und planmäßige Überfremdung der einzelnen Wirtschaftszweige durch Juden nachweisen will. Das statistische Material ist in den meisten Fällen auch noch gefälscht. Aber dort, wo es wahr ist, läßt es, wie jede kalte Statistik, die wahre Sachlage nicht erkennen und besagt nichts über die Gründe der Erscheinung. Es ist nicht ein inneres Bedürfnis, das die eine Gemeinschaft zu besonderen Berufen treibt oder die andere veranlaßt, ihnen fernzubleiben, sondern die Folge einer geschichtlichen Entwicklung. Die Juden sind durch Jahrhunderte infolge der ihnen feindseligen Gesetzgebung der Beschäftigung mit dem Boden entfremdet und in eine wirtschaftliche Gliederung hineingepreßt worden, die ihnen nur Berufe offen ließ, denen sich die nichtjüdischen Massen nur sehr ungern widmeten. lange Perioden des Geschiefe^pBBge* Europas teigem; daß die christliche Bevölkerung den Handel, insbesondere den Großhandel, und die heute als freie Berufe geltenden Kategorien mied, so daß die Juden in das Vakuum hineingeraten mußten. Erst die Aufklärungsperiode, die mit der französischen Revolution begann, hat hier eine langsame Änderung herbeigeführt, bei der aber nur eine Stimmungs- Inderung der Nichtjuden eintrat. Für die Juden, bei denen sich durch die lange Gewöhnung eine starke Berufstradition herausgebildet hatte, änderte sich die Lage insofern, als sie einer Konkurrenz begegneten, die sich immer mehr verschärfte und in den Wettbewerb das Haßmoment hineintrug. Die antijüdische Stimmung wurde von Geschäftspolitikem geschickt benützt, um mit Hilfe der uns allen bekannten Mittel der Verfälschung, Übertreibung und Entstellung ein System der Verfemung zu errichten. Zu dem religiösen Haß gesellte sich der wirtschaftliche, soziale und politische, und so ist der Zustand von heute entstanden, in dem auch noch die durch den Krieg herbeigeführte Weltkrise auf das Konto der Juden geschrieben worden ist. Die. allgemeine Verpöbelung der Sitten, die seit dem Kriege eingetreten ist, wirkt mit und sie treibt immer weitere Kreise zu der Forderung, die Juden aus allen Berufen hinauszudrängen, ihnen jedwedes bürgerliche Recht zu nehmen und sie zu Parias zu machen. Das jüdische Volk ist durch den Krieg und die Nachkriegsentwicklung härter und böser getroffen worden als jedes andere Volk. Die Juden sind überall in der Minderheit, und es gibt in Mitteleuropa insbesondere kaum noch ein Staatsvolk, das ihnen nicht die Macht der Zahl unablässig vor die Augen hielte, und die modernen nationalistischen Bewegungen, die die Demokratie und die Rechtsgleichheit der Menschen leugnen, gehen alle vom Antisemitismus aus und versuchen, die Massen von dem Judenhaß her für sich zu gewinnen. Daß, _diese Massen dann ihrer eigenen Logik folgen und sich gegen jede Minderheit wenden, ist eine Folge, die in der Zukunft noch viel Böses stiften wird. Für das Juden- Die kommenden Verhandlungen in Palästina. Rundfunkrede Weizmanns an Amerika London, 10. Oktober. (Palcor.) Anläßlich der 35. Jahreskonferenz des Keren Kajemeth ln den Vereinigten Staaten Welt Dr. W e i z m a n n eine Rede von London aus, die durch Rundfunk in Amerika verbreitet wurde und die Bedeutung der Kampagne des KKL. in Amerika und im allgemeinen behandelte. Dr. Weizmann berührte die wichtigen Entscheidungen, die jetzt bevorstehen. Auf Grund der Empfehlungen der Kgl. Kommission, erklärte er, wird eine neueKommission bald nach Palästina fahren, um Verhandlungen mit den Juden und Arabern über die beste Methode zu führen, wie die Empfehlungen der Kgl. Kommission durchgeführt werden können. Er gab der Hoffnung Ausdruck, daß die Verhältnisse in Palästina sich inzwischen so verbessern werden, daß die schwierigen und delikaten Verhandlungen in einer Atmosphäre des Friedens und des gegenseitigen Verständnisses geführt werden können. Die jüdische Sache werde außerordentlich gestärkt, wenn man weiß, daß der jüdische Landbesitz in Palästina, besonders in G aIiiäa, s tän d ig wächst. Galiläa ist ein Bergland, und die Geschichte hat immer wieder gezeigt, welche Rolle Berge spielen, wo es sich um die Entstehung eines starken und selbstbewußten Volkes handelt. Aber wenn es auch ein Bergland ist, Ist es doch nicht unfruchtbar, wie manche andere Berggebiete Palästinas. Es ist vergleichsweise wasserreich und großer Fruchtbarkeit fähig. Mit ausreichendem Land, mit Menschenmaterial und Kapital zur Entwicklung, kann Galiläa zu einem der fruchtbarsten Landstriche werden. Zehmtausende ausgebildeter Chaluzim warten auf eine Möglichkeit, aus den schrecklichen Verhältnissen Ost- und Mitteleuropas heraus und nach Palästina zu kommen. Wir könnten größere Immigrationsziffera verlangen, wenn wir nur ausreichende Landreserven hätten. Land, Mutter Erde, ist die Basis des Volkstums. Dr. Weizmann erklärte, daß was immer das Resultat der gegenwärtigen politischen Krisis wäre, die Übergangsperiode, durch die wir jetzt gehen, so kurz als möglich sein müsse, und ebenso wichtig sei es, daß die Grundlage, die wir in Palästina mit solchen Opfern erbaut haben, nicht geschwächt wird. Auch in den letzten 18 Monaten, die so schwer* wares, ist ■ . die zionistische Position gestärkt worden. Es genügt, den Hafen von Tel*Aviv, den Sicherheitsdienst, die neuen Straßen und die neuen Siedlungen in Bethschan zu erwähnen. Diese Stärkung muß immer weiter vor sich gehen. Zum Schluß betonte Dr. Weizmann die Verantwortung, die auf dem amerikanischen Judentum ruht, und erklärte seine Zuversicht und sein Vertrauen darauf, daß es, wie in der Vergangenheit, auch weiterhin den amerikanischen Jüdischen Nationalfonds aufs kräftigste unterstützen wird. Neue Terrorakte in Erez Jerusalem, 11. Oktober. (JTA.). Der jüdische Hilfspolizist Jakob Bodenstein ist in der Nacht zum 9. Oktober, als er an den heißen Quellen in Tiberias den Dienst versah, von arabischen Terroristen überfallen und durch mehrere Revolverschüsse am Arm schwer verletzt worden. Die Schüsse wurden aus einem Auto abgegeben, das in rascher Fahrt an Bodenstein vorbeifuhr. Die Verletzung Bodensteins ist so schwer, daß ihm der Arm amputiert werden muß. Ebenfalls in der Nacht zum 9. Oktober gaben arabische Terroristen auf das Sanatorium „A c h w a“, nahe der Kolonie M o z a, unweit von Jerusalem, mehrere Schüsse ab. Die Terroristen durchschnitten auch die Telephondrähte, die die Kolonie mit Jerusalem verbinden. Herbeieilende Hilfspolizisten erwiderten das Feuer und vertrieben die Angreifer. Auf einen Kibbuz jüdischer Siedler Amerika im nördlichen E m e k und auf eine Gruppe jüdischer Arbeiter ln der Nähe des Hule-Sees wurden mehrere Schüsse abgegeben. Verletzt wurde niemand. Auf der Straße Nablus*Jenln wurde I ein Auto der Shell Company, das Petroleum ' führte, von arabischen Terroristen beschossen. Das Auto wurde stark beschädigt. Ein britischer Ingenieur und sein Gehilfe, die im Auto saßen, blieben unverletzt. Der Mufti hat, zum erstenmal seit der Auflösung des Obersten Arabischen Ausschusses, in der Omar-Moschee gepredigt. tum besteht aber die Situation, daß es sich überall um das primitive Recht auf Arbeit und Geltung zu wehren hat. Es ist in einen Kampf gedrängt worden, den es atomisiert und unorganisiert zu führen hat und den es nur dann bestehen könnte wenn es irgendwo in der Welt über ein Zentrum verfügte, in dem es die Mehrheit wenigstens eines seiner Volksteile besäße, der sich dort eine normale, gesunde Gliederung schafft. Die Bewegung, die dieses Ziel verfolgt, ist der Zionismus, und er hat bereits in zwanzig Jahren Arbeit den Ansatz zu einem solchen Kristallisationspunkt in Palästina begründet. Aber es ist klar, daß er sein Problem nur dann lösen kann, wenn das in Aussicht genommene Gebiet rusreicht, um einerseits einen fühlbaren Abfluß der jüdischen Massen aus den Notstandsgebieten zu bewerkstelligen, anderseits eine richtige Verteilung?wischen städtischer und ländlicher Siedlung zu erzielen. Aber die Verhältnisse, wie sie sich im letzten Jahr herausgebildet haben, wollen uns dies unmöglich machen. Das Gebiet, das als Judenstaat gelten soll, ist zu klein, und wenn es wirklich zu der Gründung käme, so würde zunächst die Groteske eintreten, daß eine jüdische Regierung die jüdische Wanderung drosseln oder sogar sperren müßte. Es ist kein „Kampf gegen den Judenstaat“, den wir führen müssen, wie das höhnisch von Assimilanben dargestellt wird, sondern ein Kampf gegen Übelwollen und Unverstand. Das ist eine weitere Verschlimmerung der Gesamtlage des jüdischen Volkes, das um seine nationale Zukunft kämpfen muß und dabei auch noch in den Ländern des Exils in einer Berufslage zu verharren gezwungen ist, in der ihm Brotneid und bornierter Haß den Bissen vom Mund reißen .wilL 4000 Dunam bei Haifa neu erworben Jerusalem, 11. Oktober. («JTA.) Die Paiestine Land Development Company hat gemeinsam mit dem Nesher Portland Cement Concera, Africa-Palestine Investment, Ltd., und einer von Mosche S m i 1 a n s k i geführten Kolonistengruppe in der Nähe von Haifa, zwischen dem Dorfe Yadjur und dem Hadar Hacarmel, ein Gebiet von 4000 D unam erworben, das als „Khreibe“ bekannt ist. Auf dem neuerworbeneu Gebiet soll eine Vorstadtsiedlung errichtet werden. Erklärung des britischen Geschäftsträgers in Bagdad Bagdad, 11. Oktober. (JTA.'; In Beantwortung eines Protestmemoran bims. das der britischen Gesandtschaft von einer repräsentativen irakischen Abordnung überreicht worden war, erklärte der O.-sehüftsträger 0. Scott, daß die gegen <!':.> Umtriebe getroffenen Maßnahmen nichts mit. der britischen Palästina-Politik zu tun hätten. Ihr Zweck sei ausschließlich. Gei-etzwidrigkeiten zu unterdrücken: es müsse darauf hingewiesen werden, daß England vom Völkerbund in dieser Hinsicht wegen seiner übergroßen Geduld Vorwürfe gemacht. worden sind. Razzia In den Bergen von SaSed Jerusalem, 11. Oktober. (Reuter.) Der Bevölkerung der Umgebung von S a f e d ist offiziell nahegelegt worden, bis zu einer Neuregelung sich von diesem Gebiet fernzuhalten. Die Polizei sucht zahlreiche Höhlen in den Hügelketten der Umgebung ab, die als Schlupfwinkel für Räuber und Terroristen dienen könnten. Ein arabischer Führer einer Ortschaft bei Safed ist heute in einer belebten Straße durch einen Schuß verletzt worden. Bei Ramalla ist ein bewaffneter Araber, der den Anruf eines arabischen Hilfspolizisten, zur Ausweisleistung stehenzubleiben, nicht beachtet hatte, nach kurzem Kugelwechsel erschossen worden. Die Identität des Toten konnte noch nicht festgestellt werden. Die Banditen -IL.ORtobe**.-.. sperrte eine Bande bewaffneter Araber sämtliche Straßen und Wege zwischen dem Libanon und Jerusalem. Zahlreiche Personen- und Lastkraftwagen wurden angehalten und die Insassen mit v o r g e h alte n e m Revolver gezwungen, ihr Bargeld abzuliefern. Die britische Polizei, ausgerüstet mit Maschinengewehren und Panzerwagen, ist bemüht, der Täter habhaft zu ■werden. Da die arabischen Banden jedoch über bessere Ortskenntnisse verfügen und sich in für die Polizei nur schwer auffindbare Schlupfwinkel zurückziehen können, dürfte die Verfolgungsaktion sehr schwierig sein. Die verbannten Araberführer sind heute auf den Seychellen-Inseln im Indischen Ozean eingetroffen. Demonstrationen gegen Kareski in Palästina Jerusalem, 11. Oktober. (Palcor.) Doktor Georg Kareski (Berlin), der sieh auf einer Palästinareise befindet und heute Haifa besuchte, wurde am Hadar Hacarmel von einer feindlich gestimmten Menge umringt, die ihm „Verräter“ und ..Spion“ zuschrie. Dr. Kareski nahm Zuflucht in einem Hause, vor dem sieh die Menge staute und ihre Demonstrationen fortsetzte. Erst als eine Polizeistreife ankam nml die Ansammlung zerstreute, konnte Kareski das Gebäude verlassen. Ein ähnlicher Empfang wurde Kareski zuteil, als er die Siedlung X a h a r j a bei Akko besuchen wollte. Die Siedler sammelten sich auf der Landstraße um seinen Wagen und verstellten ihm unter Zurufen „Polizeispitzel“ den Weg in die Siedlung, so daß er umkehren mußte. Erklärung der deutschen Siedler Jerusalem, 10. Oktober. (Palcor.) Der Verband er aus Deutschland stammenden Siedler in Palästina gibt im Zusammenhang mit der Ankunft, Dr. Kareskis in Palästina, eine Erklärung heraus. Darin wird Kareski beschuldigt, die Führerschaft der Juden in Deutschland mit der Unterstützung der nichtjüdischen Behörden und^ n n g e a c h t e t I n s’t'i tutionen erlangt zu haben. Fer- Kareski den Behörden eine Mitteilung gemacht haibe, wonach die Zionistische. Ver-

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