Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 11 (1937-1938)
- Issue
- Heft 680 (8.10.1937)
- Date
- 1937-10-08
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Mt* O Ml STIMM! Kr. 680. — Wien, Freitag, 8. Oktober MST. Das Volk das harten Sdilafs Oskar Baums Chasaren-Roman Der Prager Dichter Oskar Baum hat da ein Buch geschaffen, das groß und denk würdig ist in seiner Art; dem R. Löwit-Verlag fällt das Verdienst zu, mit seiner Veröffentlichung einem wahrhaften Jugend und Volksbuch den Weg bereitet zu haben, und zwar einen Weg des Herzens. (Oskar Baum, „Das Volk des harten Schlafs R. Löwit, Wien, Jerusalem 1937.) Wir alle wissen, daß der europäische Roman von jener Krise des Geistes und der Gesellschaft betroffen wurde, deren Spiegel er ist; wir wissen auch, daß jüdische Epik überall dort, wo sie sich in den Grenzen der europäischen Gefahrenzone hält, ohne zu ähren Ursprüngen hinabzufinden, den allgemeinen Erschütterungen des Lebens erschüttert, und nicht selten auch zerspalten und zerbrochen folgt Bücher wie diese« aber sind danach angetan, der Rede vom Verfall und schrecklichen Ende europäischer Epik Einhalt zu gebieten, indem sie zum Volk und zur Erde zurückkehren — doch siehe, es ist ein Volk des Geistes und das Erdreich der Dichtung; indem sie erzählen: „Es war einmal“, und bedeuten: „So sollte es einst sein.“ Ctekar Baum, der ein echter Erzähler von hellem Wissen und einer reichen Kunst anschaulichster Nuancen ist, berichtet von „Volk der Chasaren“, das um das zweite Jahrhundert vom Ural her über die Steppen Südrußlands hereinbrach. Es beherrschte nach seinem Übertritt zum Judentum im Jahre 733 in Glanz und Herrlichkeit ein Viertel Jahrtausend lang eines der gewaltigsten Reiche des europäischen Ostens, zeitweise vom Kaspischen Meer bis zu den Karpaten. Aue den Berichten der russischen, arabischen und griechischen Historiker geht hervor, daß dieses barbarische Volk, nachdem ee Glauben und Kultur der Juden angenommen hatte, inmitten des blutig-grausamen Gewissenszwangs mittelalterlicher Welt zum Vorbild der Duldsamkeit und Gerechtigkeit wurde. „So läßt es dieses Buch beiweitem nicht dabei bewenden, ein bislang unbeachtetes und kaum erforschtes Gebiet jüdischer Geschichte aufzusuchen und mit pastosen Bildern zu erhellen, es sieht vielste]» tapfer sein Ziel darin, darzutun, daß Macht bisweilen auch mit Milde, Sieg mit Liebe und Herrschaft mit Gerechtigkeit vereint sein könne. Ein höchst unzeitgemäßes, ein höchst liebenswertes, ein unumgänglich wichtiges Buch. Bulan ist sein Held, ein stürmisch-verträumter Juden junge, dessen Vater vom Bosporus nach dem barbarischen Süden des frühmittelalterlichen Rußland verschlagen wurde, und seine Geschichte der in getreuem Wortsinn fabelhafte Aufstieg Buians von den kleinen Rauf- und Streifzügen seiner Knabenjahre bis zu seiner glorreichen Herrschaft Über das bekehrte Gastvolk, die Chasaren. Mit der Gestalt dieses rauh und reinen, tatfrommen, wortkargen und überaus vitalen Bulan ist dem Dichter zweierlei geglückt: die Wiedergewinnung einer uralten Volks- und Mythenfigur auf hoher dichterischer Ebene; denn Bulan ist niemand anderer als eine Metamorphose des edlen Räubers, der die Satten und Argen bedrängt, den Armen und Erniedrigten aber Freund ist; des Schinderhannes und des Rinaldini; des Traumes aller Knaben in jedem Volk; und gerade dieser Zusehnß an Abenteuer und geradliniger Spannung ist es, der das Buch weithinzutragen und dem Dichter die gleiche Liebe zu gewinnen verheißt, mit der er selber seinen Helden sah. Gewichtiger aber ist es, daß Oskar Baum gerade dieser lebens- und kraftstrotzenden Figur Geist und Glauben in hohem Maße mitgegeben hat und damit ein Idealbild zeichnet, daß dem leeren, muskelbewegten Heldentypus unserer Tage aufs Bündigste aufsagt. So weht um Bulan nicht nur die helle Luft der Romantik, ihn kleidet vielmehr die Würde des künftigen Führers und, was mehr ist, die Würde des Menschen von allem Anfang an. Menschenbilder wie dieses sind unseren Tagen willkommen; denn sie lehren, daß Geist und Tat, Kultur und Aktivität nicht notwendig Gegensätze seien. Die Forderung eines neuen, nicht mehr gedankenblassen, sondern energischen Humanismus spricht aus diesem Buch; das Wissen darum, daß die Barbarei nicht durch Worte und Ideen, sondern einzig durch die Tat aufzuhalten sei, die immer noch die beste Antwort auf die Untat war. Bulan geht, einem reichen Reigen von Episodenfiguren voran; und doch ist die Dichtung so vollkommen aufs Menschliche gestellt, daß eine jede der Randgestalten, und wandle sie f“r noch so kurze Zeit, durch die Seiten, ihr eigenes Schicksal, ihren eigenen Atemraum mitbekommen hat. Besonders dki Frauen sind diesem Männer buch geglückt; es ist, als sollten eie die bartauf-barte Handlung mildern und aus wägen. Die Fabel selbst, vielfach, doch sicher verzahnt, zeigt die gleichen Vorzüge, die auch Buians Tugenden sind: Gedankengut und stetige Aktion sind auch in ihr so glücklich vereint, daß nicht nur das eine die andere ergänzt, sondern beschwingt und weiterträgt. Baum schließt sein Buch mit jenem Augenblick, da Bulan an die Macht gelangt. Seine Herrschaft und die seiner jüdischen Nachfolger (das geschichtshotwendige Ende auch), hat der Dichter lediglich angedeutet Ein menschlich rührender, künstlerisch bezwingender Zug, der ungefähr das gleiche Feingefühl verrät, das ein Freund an den Tag legen mag, der uns in Not und Wirrnis beigestanden ist, still aber beiseite tritt, sobald unser Weg gerade und ungefährdet läuft Dem Leser aber fällt es schwer, Bulan zu verlassen, nun, da er siegreich und am Ziel gerecht und glücklieh ist. Die neue jüdische Volksdichtung hat wenige seinesgleichen; es wäre schön, und, mehr noch, notwendig, ihm auf der Höhe seines Lebens, im Kreise seiner Wirksamkeit aufs neue zu I begegnen. Heinz Politzer. iimmm Frans Kafkas Kampf gegen die Assimilation Von Max Brod Franz Kafkas Roman „Das Schloß“ wurde von Max Brod aus dem Nachlaß seines Fremdes, des großen jüdischen Dichters, der unter anderem von Hermann Hesse, Thomas Mann, Huzley den Größten unserer Zeit an die Seite gestellt wird, im Rahmen der sechsbändigen Gesamtausgabe (Verlag Heinr. Mercy Sohn, Prag) ediert. Als Ergänzungsband erscheint demnächst die Kafka-Biographie von Max Brod, die nachstehende Deutung des Romans „Das Schloß“ und seines Helden, der im Roman schlechtweg K. heißt, enthält. Die feindliche Umwelt gliedert sich für K. in zwei Schichten: Das Dorf — und das beherrschende Schloß. Um sich im Dorf anzusiedeln, braucht er die Erlaubnis des Schlosses. Aber das Schloß versperrt sich ihm ebenso, wie die Bauern sich afowenden. Das Schloß repräsentiert in der eigenartigen Symbolsprache des Romanes die göttliche Leitung, das Dorf mit seiner Bauernschaft bedeutet „Mutter Erde“. Namentlich die Frauen ziehen K. an —, durch sie hofft er Zugang zu den Familien, festen Boden unter den Faßen zu finden. Ebenso ist ihm der Beruf eine Verbindung mit der Erde, Einwurzelung. Sowie sich ihm die Aussicht auf ein Mädchen des Ortes und auf einen Beruf eröffnet, glaubt er seine Sache gewonnen, wiegt er sieh im Traum, „ununterscheidbar“ unter der Dorfbevölkerung aufzugeben. Die ganze Stelle atmet den illusionistischen Geist aller Assimilanten-Psychologie: „Nut als Dorfaibeiter, möglichst weit den Herrn vom Schloß entrückt, war er imstande, etwas tm Schlosse zu «reichen, diese Leute, die noch so mißtrauisch gegen ihn waren, würden zu sprechen anfangen, wenn er wohl nicht ihr Freund, so doch ihr Mitbürger geworden war, und war er einmal ununterscheidbar von Geretäcker oder Lasemann — und sehr schnell mußte das geschehen, davon hing alles ab — dann erschlossen sich ihm mit einem Schlage alle Wege usf.“ Ks, Überlegung geht den vertrauten Weg: durch die Gemeinschaft zu Gott zu gelangen, aus dem Zusammenwacbsen mit einer natürlichen Lebensform religiöse Kraft zu schöpfen. Aber K. vermag es wohl, dieses Geheimnis rational auseinamdierzulegen —, es bis in (Re Tiefe zu erleben vermag er (in diesem fremden Umkreis) nicht. „Ieh bleibe längere Zeit hier und fühle mich schon ein wenig verlassen“, klagt er dem Lehrer, „zu den Bauern gehöre ich nicht und ins Schloß wohl auch nicht.“ „Zwischen den Bauern und dem Schloß ist kein Unterschied“, weist ihn der Lehrer zurecht. — Und auch das klingt wie Paraphrase eines berühmten Wortes, eines Psalmworte®: „Wie könnten wir singen das Lied Gottes im fremden Land!“ Die Differenzen zwischen K. und den Einheimischen weisen im Folgenden wohlvertraute Züge auf. Überall stößt der Jude gegen alte Sitten —, ohne zu wollen, wird er lästig — dabei hat er das Gefühl, alles besser zu wissen als die Ansässigen, er möchte die ganze Sache einfacher, praktischer machen ab sie, sie aber in ihrem unbegreiflichen Eigensinn bleiben unzugänglich. In zahlreichen Szenen zeigt Kafka mit überlegener Ironie, welch ungeahnte Widerstandskraft die scheinbar veralteten und verschrobenen Einrichtungen des Dorfe« und Schlosses gegen den Eindringling entwickeln. „Sie sind nicht aus dem Schloß“, sagt ihm die Wirtin brutal offen, „Sie sind nicht aus dem Dorfe, Sie sind nichts. Leider sind Sie aber doch etwas, ein Fremder, einer, der überzählig und überall im Wege ist, einer, wiegen dessen man immerfort Scherereien hat, einer, dessen Absichten unbekannt sind... Wegen alles dessen mache ich Ihnen ja im Grunde keine Vorwürfe. Sie sind, was Sie sind, ich habe in meinem Leben schon zuviel gesehen, ab daß ich nicht noch diesen Anblick ertragen sollte. Nun aber stellen Sie sieb vor, was Sie eigentlich verlangen... Sie sind ein paar Tage im Ort und schon wollen Sie alles besser kennen als die Eingeborenen. Ich leugne nicht, daß es möglich ist, einmal auch etwas ganz gegen die Vorschriften und gegen das Althergebrachte zu erreichen, aber dann geschieht es gewiß nicht auf die Weise, wie Sie es tun, indem man immerfort nein sagt und nur auf seinen Kopf schwört.“ Ähnlich der Gemeindevorsteher, der seiner elementaren Abneigung gegen K. mit einer anderen Nuance, aber ebenso entschieden Ausdruck gibt. „Sie sind als Landvermesser auf genommen, aber wir haben keine Arbeit für Sie da... Niemand hält Sie hier zurück, aber das ist doch kein Hinauswurf... Wer wollte wagen, Sie binauszuwerfen, Herr Landvermesser, schon die Unklarheit der Vorfragen verbürgt Ihnen die höfliche Behandlung. Nur sind Sie dem Anschein nach zu empfindlich.“ In der langen Leidensgeschichte des Judentums hat man all dieee Klänge schon gehört K. scheitert auf kläglich lächerliche Art, wiewohl er alles so ernst und gewissenhaft in Angriff genommen hat Er bleibt einsam. Über all den peinlichen Situationen, durch die dieser Roman führt, über all dem unverschuldeten Unglück schwebt unsichtbar-sichtbar die Devise: So geht es nicht Ein neuer, ein ganz anderer Weg der Verwurzelung muß gesucht weiden. In einem (noch unveröffentlichten) Fragment aus dem Jahr 1914 stellt Kafka dasselbe Grundgefühl noch schärfer dar. „Ich kam einmal im Sommer gegen Abend in ein Dorf, in dem ich noch nie gewesen war“, beginnt die über 14 Quartseiten fortgeführte, dann leider abgebrochene Novelle. „Überall vor den Bauernhöfen sah man hohe alte Bäume. Es war nach einem Regen, die Luft ging frisch, mir gefiel alles so gut“ Eine Tür in der Mauer öffnet sich. Die Kinder des Pächters haben naehgesehaut, wer so spät abends vorbeigeht. Der Erzähler erschrickt, bekommt aber von einem Vorübergehenden Auskunft „Einem Fremden kommt leicht alles sonderbar vor“, entschuldigt er sich lächelnd. Der Erzähler möchte in dem Dorf übernachten, sucht ein Gasthaus, wird beobachtet Der erste, mit dem er geredet hat, sagt zu einer Frau: „Ich will nur noch sehen, was dieser Mann hier machen wird. Er ist ein Fremder. Er treibt sich hier ganz unnötiger Weise herum. Sieh nur.“ Und Kafka setzt fort: „Er redete von mir, als sei ich taub oder als verstände ich seine Sprache nicht“ Ein unheimliches Gespräch mit dem Ehepaar folgt. Der Fremde bekommt bei ihnen ein Nachtquartier. Alles geschieht in einer Luft halber oder ganzer unausgesprochener Feindseligkeiten. „Wenn Urnen meine Aufnahme nur die geringsten Schwierigkeiten machen sollte, so sagen Sie es offen, ich bestehe durchaus nicht darauf. Ich gehe in den Gasthof, es ist mir ganz gleichgültig.“ „Er redet so viel“, sagte die Frau leise. Es konnte nur als Beleidigung gemeint sein, auf meine Höflichkeiten antwortete man also mit Beleidigungen, aber es war eine alte Frau, ich konnte mich nicht wehren. Und gerade diese Wehrlosigkeit war vielleicht der Grund dessen, daß die nicht zurttekzutreibende Bemerkung der Frau in mir viel mehr wirkte, als sie es verdiente. Ich fühlte irgend eine Berechtigung irgend eines Tadels, nicht deshalb weil ich zu viel gesprochen hatte, denn ich hatte tatsächlich nur das Notwendigste gesagt, aber aus sonstigen ganz nah an meine Existenz heranreichenden Gründen.“ Schließlich wird geschildert, wie der Fremde, ohne es zu wollen, durch Ungeschicklichkeit und Mißverständnisse die Kinder aus dem Schlaf stört, das ganze Haus in Unordnung bringt. Der negative Aspekt der Judenfrage, die Unhaltbarkeit, der jüdischen Situation wird auch in der Erzählung „Josefine, die Sängerin, oder das Volk der Mäuse“, Mar, dem letzten von Kafka vollendeten und von ihm selbst zum Druck bestimmten Werk. Auf welches Volk die Darstellung der gehetzten schutzlosen Mäusescharen den nächsten Bezug hat, braucht nicht ausdrücklich gesagt zu werden. Wie «ich innerhalb der tiefsten Bedrängnis des Volkes immer noch Eitelkeit des Stars, des Literaten, der führenden „Persönlichkeit“ geltend maeht: diese äußeret ironische Darstellung des Protagonisten, der glaubt, nur auf ihn, auf sein allereinzigstes Erlösungswort habe die Welt gewartet, trifft leider auch eine gerade im jüdischen Partei- Und Literaturwesen besonders häufige Erscheinung —, den Mann, der nur sich allein berufen meint und alles, was andere raten, tun, sagen, mit höhnischer Überlegenheit als unwichtig abtut oder kaum zur Kenntnis nimmt*). Man mißverstehe mich nicht! Die Situation der schutzlosen Mäuse ist gleichzeitig die der schwachen Menschheit im Kampf mit der Dämonie des Bösen. Der eitle Prophet findet sich auch bei andern Völkern. Und nur insofern die Situation der Ohnmacht wie des unverantwortlichen gewissenlosen „berühmten Mannes“ bei den Juden im besonders grellen Scheinwerferlicht der jüdischen Massen- und Seetennot steht, ist sie gleichsam ein besonders scharfes Miniaturporträt, ein karikaturistisch verdeutlichtes Symbol der allgemein-menschlichen Leiden. In „Josefine“ zeigt sich aber auch bereit« der Weg zur positiven Lösung (und es scheint mir nicht gleichgültig, daß dies gerade in der letzten von Kafka vollendeten Arbeit geschieht). Josefine, die Sängerin, trotzt, versteckt sich vor dem Volk, das ihre Kunst so heiß bewundert, ja als unentbehrlich betrachtet hat, und nun heißt es: „Aber das Volk, ruhig, ohne sichtbare Enttäuschung, herrisch, eine in sieh ruhende Masse, die förmlich, auch wenn der Anschein dagegen spricht, Geschenke nur geben, niemals empfangen kann, auch von Josefme nicht, dieses Volk zieht weiter seines Weges. Mit Josefine aber muß es abwärts gehen. Bald wird die Zeit kommen, wo ihr letzter Pfiff ertönt und verstummt. Sie ist eine kleine Episode in der ewigen Geschichte unseres Volke® und das Volk wird den Verlust überwinden.“ Die Einordnung des Einzelnen in das Schicksal des Volkes, seine tätige Mitwirkung wird verlangt. Natürlich glaubte Kafka nietot, daß eine geographische Ortsveränderung ausreiche; eine Umkehr der Herzen erschien ihm miterforderlich. Beides mußte geändert werden, beides war gleich notwendig. Ordnung in der Seele — wie Normalisierung der äußeren Lebensbedingungen. *) Kafka selbst ist das Beispiel des Gegentyps, der bescheiden, demütig, nicht da« Geringste von solcher „Erlösergeste“ an sich hatte. Er ging in _ dieser Richtung, wie mich dünkt, fast zu weit —, es kt die Frage, wie weit die ungünstigen Lebensumstände an seiner gelegentlichen Selbstunterschätzung schuld waren, und oh er ohne diese nicht etwa den Rang der großen historisch wirksamen Verkünder wahrer Religiosität erreicht hätte. Das Morris Schwarz- Ensemble spielt den „Dybuk“ Ab Freitag, den 8. d., treten die in den Jüdischen Künstlerspielen gastierenden Mitglieder des Morris Schwarz- Ensembles in einer vollkommenen Neuinszenierung von Anskis weltberühmten Meisterwerk der „D y b u k“ auf. Diesem liegt die Warschauer Filmfassung zugrunde, denn bekanntlich haben die hervorragenden Gäste erst kürzlich im „Dybuk“-Film die Hauptrollen gegeben und werden dieselben auch jetzt kreieren, und zwar: Morris L i pman den Myropoler Zaddik, Eni Li ton die Lea, Jizchok Grudberg den Chanaan und Natalia Lipman die Frade. Für die unter Lipmans Regie stehende Aufführung wurden ganz besonders große Vorbereitungen getroffen, so werden über 25 Künstler mitwirken. Es wird ausdrücklich darauf aufmerksam gemacht, daß der „Dybuk“ nur vom Freitag, den 8. bis inklusive Donnerstag, den 14. d., täglich halb 9 Uhr, auf dem Spielplan bleibt, da für 15. Oktober eine neue Premiere („Der polnische Purez“) vorbereitet wird. Es empfiehlt sich daher, für die „Dybuk“-Aufführungen an der Theaterkassa, H., Praterstraße 34, auch telephonisch (R 45-4-94) Karten zu reservieren. Der „Dybuk“ wird übrigens Sonntag, den 10. d., einmalig auch Nachmittag, um halb 4 Uhr, bei kleinen Preisen gegeben. Die arabischen Nachbarstaaten Palästinas. Unter diesem Titel erschien soeben ein gefällig ausgestattetes und mit Illustrationen versehene« Buch von Dr. Israel Z w i Kanner (Verlag Joeef BeW, Wien). Die bevorstehende Neugestaltung Paläste ns und die Vorgänge im arabischen Raum lassen dieses Buch als besonders aktuell erscheinen. Wir kommen auf da« Buch Dr. Kanne® noch ausführlich zurück.