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Die Stimme · 1937-10-08 · Heft 680 (8.10.1937) · page 5

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Journal
Die Stimme
Volume
11 (1937-1938)
Issue
Heft 680 (8.10.1937)
Date
1937-10-08
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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$fe ®Q. — Wien, Fraitsg, 8. Oktober. 1987. mi *?mm Seit« 5 Im Kreuz-Kino I. Die jüdische Auswanderung in Polen Oer stärkste Kreai>KfnofIlm, der Je da war. Vergehen gegen das Üeimludcegeselz „Bas Schwarze Korpe“, die Zeitung der SS. in Berlin, bemüht sich mit besten Kräften, sich Streichers „Stürmer“ anzuglelchen. In Sprache, Diktion, bildlicher Darstellung, sowie durch die Zielrichtung der Angriffe unterscheidet sich dieses Presseprodukt kaum mehr von der Streioherschen Pornographie. Die uns nun vorliegende Nummer, in der sich die von uns bereits erwähnte Verhöhnung des „österreichischen Menschen“ befindet, ist eia wüstes Sammelsurium wilder antisemitischer Hetzartikel und ekelhafter Begeiferung der katholischen Kirchen and des christlichen Glaubens. So wird unter dem Titel „Gefahrenzone Aberglaube“ gegen die „wunderlichen Wunder der Kirche“ loBgezogen und an anderer Stelle „Friedrich der Große über die Pfaffen“ zitiert. Den Juden aber wird nicht nur alles erdenklich Schlechte nachgesagt, sondern auch jegliches Recht zum Leben abgesprochen. Daß all dies mit niedlichen Denunzierungen eigener Volksgenossen verknüpft wird, die Juden menschlich behandeln, oder daß staatliche Institutionen angerempelt werden, weil sie Juden die Benützung ihrer Einrichtung gestatten, ist bei solch niedriger Gesinnung und bei dieser Ungeistigkeit nur selbstverständlich. In ihrem Haß gegen das Judentum verplappern sich die „Schriftleiter“ des „Schwarzen Korps“ mitunter ganz gehörig. In dem Aufsatz „Dem Druck gehorchend...“ verraten sie z. B„ daß auch noch nach mehr als vier Jahren nationalsozialistischer Herrschaft von vielen Ariern Deutschlands das Vorgehen gegen die Juden als Terror empfunden and dem Verlangen nach Eliminierung und Verfemung der Juden nur widerwillig nachgegeben wird. In dem genannten Aufsatz wird erzählt, daß der Betriebsführer Miestereck der Central-Krankenversicherungs A.-G. dem jüdischen Generalagenten für Magdeburg, den er abbauen mußte, ein Zeugnis gegeb hat, in dem u. a. zu lesen ist: „...Wenn wir uns nach so vielen Jahren gemeinsamer Zusammenarbeit von Herrn Roehricht trennen, so geschieht dies nur aus Gründen, die wir selbst überaus bedauern und außerhalb unserer Machtbefugnis liegen. Hätten wir nicht dem Druck, der stärker war als wir, folgen müssen, so würde Roehricht seine Stellung bei uns ohne Zweifel niemals verloren haben.“ An diese, mit zahlreichen witzig sein sollenden hämischen Glossen gespickte Feststellung schließt sich die Forderung nach sofortigem Hinauswurf des Betriebsführers, der sich eines derartigen „Verrates am deutschen Volk“ schuldig gemacht hat, weil er Regungen der Anständig keit zeigte. „Das ist nun kein Zeugnis“, heißt es am Schluß des für das „Schwarze Korps“ typischen Artikels, sondern ein ausgewachsenes Vergehen gegen das Heimtttckegesetz Zu diesen zählt man mit Recht Briefe, die den nationalsozialistischen Staat herabsetzend Vor uns liegt aber kein Brief, sondern ein Zeugnis, ein Dokument, ein Nachweis, für dessen Inhalt ein Unternehmen voll und ganz verantwortlich zeichnet. Herr Miestereek möge sich daher auch verantworten und seine Vorstands«teile an den Nagel hängen. Vielleicht stellen ihm dann die Juden ein gutes Zeugnis aus, ein sehr gütes, mit dam er zusehen kann, wie weit er es damit noch in der Welt bringt“ Paris, 6. Oktober. (JTA.) Das Infonnatioiatmlletin der Hias-Ica Emigration Association (Hicem) veröffentlicht einen Auszug «us dem Bericht, den der Generaldirektor der loa, Loufe Oungre, nach einer Reise durch die osteuropäischen Länder über jüdische Auswanderung aus Polen erstattet hat. Generaldirektor Oungre stellt fest, daß bei der jüdischen Jugend Polens ein außerordentlich starker Auswanderungedrang besteht. Die meisten wollen nach Palästina gehen, sehr viele aber such auf die Verarmung der für die Auswanderung in Betracht kommenden Schichtern znrückzuftihren ist. Die jüdische Auswanderung macht 60 Prozent der Gesamtauswanderung au« Polen aas. Über zwei Drittel der jüdischen Auswanderer sind nach Palästina gegangen. Ghetto-Bänke an den polnischen Hochschulen Warschau, 5. Oktober. (Priv.) Die Rektoren aller Warschauer Hochschulen ordne aber auch nach Nord- und Südamerika. Be-; eine Trennung der jüdischen Studenten zeichnenderweise gibt es auch eine große Zahl solcher, die auf Befragen antworten, es sei ihnen gleichgültig, wohin «Je kommen, wenn sie nur fort können. Trotzdem hält Generaldirektor Oungre eine Lösung des polnisch-jüdischen Problems dmch Auswanderung nicht für möglich. Es Ist aber mit Rücksicht auf die Verhältnisse im Lande damit zu rechnen, daß die Auswanderung aus Polen bald bei weitem größere Ausmaße anaehmen wird als jetzt, woraus sieb Probleme von ungeahntem Umfang ergeben werden. Nach der amtlichen Statistik sind im Jahre 1936 nur 17.000 Pensen aus Polen «usgewandert gegenüber 80.000 im Jahre 1935, was hauptsächlich auf die Erschwerung der Einwanderung in überseeische Länder und insbesondere nach Palästina, von den (arischen Hochechülern in den Voriesungssäien und Laboratorien an. Mit dieser Anordnung wird den Forderungen der nationalistischen Studenten, die eine Abtrennung der jüdischen Hochs jhüler verlangten, Rechnung getragen. Den jüdischen Studenten wurden eigene Bänke an der linken Seite der Vorlesungssäle zugewiesen. Die jüdischen Studenten setzen «ich nicht. Bei der jüdischen Bevölkerung hat diese Entscheidung deprimierend gewirkt. An der Technischen Hochschule und an der Universität haben sitii die jüdischen Studenten geweigert, die ihnen zugewiesenen Plätze einzunehmen und hörten die Vorlesungen stehend an. In jüdischen Versammlungen wurde gegen die Anordnung der Rektoren protestiert. Nachmittags* Kinderheim „Mid" Inhaber: Direktor A laglicht bietet Schü em und Schülerinnen aller Schultypen »on 7,3 bl» 7,7 Uhr nachmlbag» Studienkontrolle, Sprachen, Sport, Mutilc, Spiel änairMangen und Auskünfte ab 15. September' IX., HSrlgasse 2, Tel. R 52012 Staaten in den Weltkrieg eintraten, rückte er als Oberst ein und machte den Feldzug alsBrigadegeneralinFrankreich mit. Die Krise des Flüchtiragswesens Genf, 5. Oktober. (Privat.) Das wesentliche Ergebnis der heutigen Sitzung des Völkerbundrates war die nach längerer Debatte zustande gekommene Annahme des Vorschlages der französischen, belgischen, holländischen und tschechoslowakischen Delegation, der Rat solle noch einmal das gesamte Problem der Flüchtlingshilfe des Völkerbundes überprüfen und bis zur nächsten Vollversammlung Vorschläge ausarbeiten, wie sie von einer gemeinsamen Organisation unter der Ägide des Völkerbundes fortgeführt werden solle. E s b 1 e ib t b e i d e r L.iqu 1dation des Nansen-Amtes < umd. des Oberkommissariats für die deutschen Flüchtlinge zum Ende des Jahres 1938. Bei einer Gesamtzahl von 47 Stimmen enthielten sich nicht weniger als 22 Delegationen der Stimme und 25 stimmten dafür. Auf so mühselige Weise kam dio Einstimmigkeit der Vollversammlung zustande. Sie gelang nur dadurch, daß auch England, die Schweiz und Australien, die Zweifel darüber äußerten, ob der Rat noch einmal neue Richtlinien aufstellen kann, diese zurückstellten. Vor allem aber wurde das Ergebnis dadurch möglich, das Sowjetrußland, das als einziger Staat der Fortsetzung de« humanitären Werkes wider- ..sprochaa ... hatte, gegenüber dem Abänderungsvorschlag der vier Delegationen gleichfalls Stimmenthaltung übte. Hebräisch-Unterricht In den jüdischen Schalen Griechenlands Athen, 6. Oktober. (JTA.) Unlerrichtsminister G. Orgacopoulos hat nach einer Unterredung mit Oberrabhiner Doktor Zwi Koroti und dem Leiter des Schuldezernats der Jüdischen Gemeinde Saloniki, M. B e s s a n t c h i, die Aufrechterhaltung des neuenbi« zwölfstündigen Hebräisch- Ünterrichts in den jüdischen Schulen im bisherigen Umfang bewilligt. Die griechische Unterrichtsverwaltung hatte in letzter Zeit Verordnungen erlassen, durch die der fremdsprachliche Unterricht in den Schulen zurückgedrängt werden sollte. Dio Maßnahmo richtete sich gegen diejenigen Schulen, die ausländischer Kulturpropaanda dienten. Durch die Entscheidung es Unterrichtsministers ist nunmehr festgestellt, daß die jüdischen Fächer kein Hindernis für die angestrebto Vereinheitlichung des Lehprlanes im nationalen Sinn bilden. Das Unterrichtsministerium hat ferner ungeordnet, daß in Saloniki drei neue staatliche jüdische Schulen errichtet werden, und zwar eine dreiklassige Schule für Knaben in der jüdischen Vorstadt „Baron Hirsch“, eine zweite in der jüdischen Vorstadt Vardar und die dritte in der Vorstadt Prophet Elias. Di* Zionistisch« Bezirkssektion Land- Straße gratuliert ihrem ObmannsteHvertretet Herrn Ing. Victor Gehler und Frau zur Vermählung ihrer Tochter. Rabbiner schlichtet Streik fit Long Island (USA.) brach kürzlich bei einer Textilfinna, namens Hafner, ein Streik aus. Die Arbeitergewerkseh&ft und die Finna bestellten den Rabbiner Moses J. S. Abels, den es gelang, den Frieden wieder herzusteliea und einen Vertrag zustande zu brl^ea, während dessen Laufzeit Arbeite ausgeechlossen steil. Hitlers Rede in Bückeburg Auf dem fünften nationalsozialistischen Erntedankfest auf dem Bückeberg am 8. d., hielt Adolf Hitler vor etwa 800.000 Personen eine Rede, in der er erklärte, der Raum, der Deutschland heute zur Verfügung steht, sei viel zu klein, Deutschland müsse weiteres Land und Kolonien haben. Zum Schluß erklärte er: „Das deutsche Volk ist fest entschlossen, seinen schönen Garten gegen jeden Einfall des jüdischen Bolschewismus zu verteidigen. Sollten die jüdischen Bolschewisten die deutschen Grenzen überfallen, so wird dieser Angriff entschieden zurückgeschlagen werden.“ Beamte und Jade Im Dritten Reich Botin, 6. Oktober. (JTA.) Über die Pflichten der Beamten in ihren geschäftlichen Beziehungen zu Juden macht ein Urteil des Badischen Verwaltungsgerichtshof in einem Dienststrafverfahren gegen einen Bürgermeister grundsätzliche Bemerkungen. Danach gehört es zu den Dienstpflichten der Beamten, auch in ihren privat«! Angelegentoeitoi mit Angehörigen der jüdischen Rasse, von besonderen Ausnahmefällen abgesehen, keinerlei geschäftliebe Beziehungen aufzunehmen oder zu unterhalten. Ein Verbot des geschäftlichen Verkehrs mit Juden ist für Beamte, wie das erwähnte Urteil ausführt, zwar nirgends schriftlich oder in Dienstvorschriften enthalten; es besteht aber kein Zweifel, daß es heute jedem Beamten bewußt ist und sein muß, daß er sich grundsätzlich mit Juden nicht in Geschäfte einlassen darf. Berliner Iwria-Bank mufi schließen Der Vorstand der Jüdischen Gemeinde Berlin teilt mit: Am 5. September ist über j choslowakischen die Beschlüsse berichtet worden, die in der! Goldstern. Otto GenejalverMinmltrqf der Iwria-Bank, e. G. m. b. H. in Berlin gefaßt worden sind. Man konnte damals die Hoffnung liegen, däB fkaek <Ka basoUasBeoo Erhöhung das Genossenschaftekapitals einerseits, durch die von der Gemeinde zur Verfügung gestellten Mittel und durch die von den Organen der Genossenschaft eingeleiteten Maßnahmen anderseits die Sanierung, die Fortführung und der Wiederaufbau der Iwria-Bank ermöglicht werden würde. Zu unserem Bedauern Ist die Durchführung dieser Absicht nicht möglich geworden. Die Erhöhung der Genossenschaftsanteile erscheint den zuständigen behördlichen Stellen nicht ausreichend, um das durch die früher getätigten Geschäfte vedorengegaagene Betriebekapital zu ersetzen. Demgemäß wurde von dieser Stelle die sofortige Beschaffung weiterer beträchtlicher Mittel als verantwortliches Eigenkapital verlangt. Die Gemeinde, die im Interesse der Erhaltung zahlreicher jüdischer Existenzen zwecks Herstellung der Liquidität der Iwria-Bank darlehensweise Mittel in Höhe von rund einer Million Mark zur Verfügung gestellt bat und die darüb« hinaus den Einlegern gegenüber eine Garantie in Höhe von 300.000 Reichsmark übernommen hat, sieht sich als die Treuhändern! fremder Gelder nicht in der Lage, über diese Beträge hinaus weitere Gelder der Iwria-Bank zu gewähren, Bei dieser Sachlage bat die Iwria-Bank in Berlin am 16. September ihre Schalter schließen müssen. Über das weitere Schicksal der Bank Ist zur Zeit eine Entscheidung noch nicht gefallen. Wie bekannt, ist die Iwria-Bank unter der Leitung Geoig Kareekis gestanden, gegen den seinerzeit verschiedene Beschuldigungen politischer Art erhoben wurden, die Ms heute nicht aufgeklärt sind. Kareski hat sich seither au« der Öffentlichkeit zurückgezogen. General Otto H. Goldstein ln Chikago gestorben Wie aus Chikago telegraphiert wird, verstarb dort im Alter von 55 Jahren der General der amerikanischen Armee Brigadier Otto H. Goldstein, ein Bruder de« Abgeordneten der jüdischen Partei im tsehe-! Parlament Dr. Angelo H. Goldstern war vor 37 Jahren nach Ammika ausgewandert. In der Zeit des Russisch-japanischen Krieges trat er in japanische Dienste und brachte es zum Bang Mnea Majors. Als die Vereinigten Einheirat Suche für meine Tochter, schönes, schlankes, tikad. gebildetes, 25jähriges Mädchen, einen sympathischen jungen Mann mit gutem Charakter au« gutem jüdischen Haus«. Geboten wird Einheirat, in ein gutgehendes Geschäft, bezw. Erzeugung. Zuschriften unter „Sichere Existenz“ an die Adm. d. B. Nach bewahrtem Muster Im Zuge ihrer antisemitischen Kampagne haben die Cuzisten in Rumänien behauptet, daß in Rumänien 2,000.000 Juden leben! Auch eine Zahl von 8,000.000 wurde genannt,. Nun hat der Direktor des Statistischen Amtes in Bukarest M. M a n n i 1 a eine offizielle Erklärung veröffentlicht, nach der in Rumänien nach der Volkszählung vom Dezember 1930 nur 728.115 Juden lebten. Seither sei aus den Geburts- und Todesfallstatistiken eine Abnahme der jüdischen Bevölkerung anzunehmen und der Direktor des Statistischen Amtes nimmt daher an, daß es derzeit nur ungefähr 700.000 Juden in Rumänien gibt. Das wird aber die rumänischen Antisemiten sicher nicht hindern, ihre Lügen weiter zu verbreiten. Italienische Bauern wollen Juden werden In italienischen jüdischen Kreisen ist schon seit längerer Zeit das Gerücht verbreitet, daß in einer Dorfgemeinde etwa vierzig katholische Bauern sich znm Judentum bekehren wollen. Wie der Mailänder Mitarbeiter des Israelitischen Wochenblattes (Zürich) von zuständiger Seite erfährt, ist vorläufig tatsächlich lediglich die feste Absicht, und zwar bei einer Dorfgemeinde in Süditalien (S. Hicandro Garganino), einer solchen Bekehrung vorhanden. Ehe sie aber zur Tat werden kann, muß zunächst das Rabbinat in Rom die Sachlage den äußerst strengen Gesetzen gemäß aufs genaueste prüfen. Dann erat kommt ja in Frage, wie sich die päpstliche Behörde zu der Frage stellen wird! Seltsam bei dem Fall ist der Umstand, daß jene vierzig Bauern aus ganz freien Stücken zu ihren Bekehrungsplänen gelangt «ein sollen, was bei der sehr naiven geistigen Beschaffenheit, der sehr armen Leute auf eine seltsam selbständige Beherrschung deT nur dnreh Lektüre erkannten jüdischen Lehre schließen läßt. Man darf auf den weiteren Fortgang dieser in Italien wohl seit sehr langer Zeit, wenn überhaupt je vorgefallenen Sache recht gespannt sein.

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