Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 11 (1937-1938)
- Issue
- Heft 680 (8.10.1937)
- Date
- 1937-10-08
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Mt* 4 Nt. 680. — Wien, Freitag, 8, OMober 108T. I RUNDSCHAU I ENTWEDER OHRIST ODER ANTISEMIT: Das Wort bat Th. G. Masaryk geprägt. Die Prager Kultuagemeinde bat beaobioesea, an ihrem 600 Jahre alten Gemeindehaus eine Masaryk-Erinoerungstafsl anzubringen, in die eine Erklärung de« verstorbenen Präsidentbefreiers mit dem zitierten Satz eingraviert ■wird. Masaryk führte bekanntlich als Universitätsprofeesör den Kampf gegen die Ritualmordiüg«. Einer Abordnung liberaler Studenten sagte er nun einmal folgendes über «eine Stellung zu den Juden und zum Antisemitismus: „Ich bin aufgetreten, nicht um die Juden zu schützen, sondern um unserem Volk da« Abergläubische zu nehmen, weil jeder Aberglaube —■ und mehr noch dieser Aberglaube — schädlich ist. loh werde keine Vorlesung über Juden, Antisemitismus und so weiter halten, denn ich Wn überzeugt: Wer Jesus zu seinem Führer in der Religion hat, kann kein Antisemit sein. Dag ist mir klar, nicht weil Jesus ein Jude war, nioht well die Apostel Juden waren und weil da« alte Christentum — speziell der Katholizismus — sehr viel Jüdisches an eich hat, nein, aber wenn ich Jesus annehme, kann ich nicht Antisemit sein. Eines oder das andere, Christ oder Antisemit.“ Daß Masaryk kein , Judenfreund“ war, bat unlängst Dr. Angelo Goldstein anläöKoh einer zionistischen Veranstaltung ln Wien auseinandergeeetzt, und Masaryk war eben darum unser wertvollster Freund. Die „Judenfreunde“, wie man sie vulgär versteht und wie sie auch in Wien anautreffen sind, sind zumindest langweilig hi ihrer öden Wiederholung immer derselben Lobges&nge auf uns, die wir nioht verdienen und auch nioht verdienen wollen, weil wir nichts anderes zu »ein wünschen, als ein ganz gewöhnliches Volk — aber eben als ein ganz gewöhnliches Volk wollen wir unsere Rechte, eben jene Rechte, die jedem Volk in seiner Eigenschaft als gewöhnliches Volk zukommen. Uns soll man nicht in den Glaskasten stellen, uns soll man nicht als historische Reliquie bewundern, uns soll man so nehmen, wie man eben ein Volk sonst nimmt. M&snryk kämpfte für die Rechte der Menschen, also automatisch auoh für unsere Reohte. Automatisch: Das ist es, automatisch wollen wir alles haben, aus derselben Automatik heratm, aus der alle anderen Völker alle« haben, was Völkern zukommt. DAS KIND müßte abseits aller Politik gelassen werden. Das war in normalen Zeiten immer so und ist unter normalen Völkern auch heute so. Aber der Nationalsozialismus Hebt es, seine Aggressionslust gerade an den Allerschwächst«! aussutoben und darum Ist ihm das jüdische Kind ein besonders willkommenes Objekt. In erschütternden Worten schildert eine jüdische Frau in einem vor kurzem erschienenen Almanach die Leiden dee jüdischen Kindes. Sie eagt: „Mein achtjähriges Mädchen will nicht mehr in die Sehnte gehen. Naehts schläft es fast gar nicht mehr, und wie es dämmert, wird das Kind von einer furchtbaren Unruhe erfaßt; ®s beginnt zu zittern und zu weinen. Jüngst wurde einer der Helden der Revolution in der Schule gefeiert. Mt den Klassen wurde eine Anordnung des Direktors verlesen, wonach Neger und Juden zu dem Fest nicht erscheinen dürften. Der Lehrer machte die Kinder mit den Vorschriften für die Festordnuag bekannt, und da fragt» mein Kind, was es nun tun solle. Schaltendes Gelächter der ganzen Klasse war da« Echo — und am lautesten und wildesten lachte der Lehrer...“ ZUM THEMA KIND sei hier auch ein Gerichtsfall erzählt: In Köln lebt eine Frau, eine „Arierin“, die sich hn Jahre 1928 von ihrem gleichfalls „arischen“ Gatten scheiden ließ, weil der Mann ein Trunkenbold war und sie und die beiden der Ehe entsprossenen Mädchen brutal mißhandelte. Die Scheidung wurde wegen Alleinverschuldena des Mannes ausgesprochen, die Kinder blieben bei der MutteT. Beide heirateten wieder, die Frau einen Jaden. Von diesem hatte sie dann noch ein Kind und er selbst hatte auch ein Kind in die Ehe mitgebracht. Die Familie lebte ta schönstem Frieden, ausnahmsweise blieb da« Einvernehmen auch nach der Machtergreifung durch den Nationalsozialismus ungestört. Der geschiedene Mann lebte irgendwo im Reich, er kümmerte1 fat Erziehung gegeben werden. Das Urteil Ist sich nioht um «eine Kinder. Bis er jetzt auf rechtskräftig. Eine Familie wird zerrissen, einmal die Gefahr entdeckte, in der diese Kin¬ Kinder mfleeen von der Mutter fort, ete müssen der schwebten, Ihn Gottes wüten, sie atmen eine Luft mit einem Juden! Er ging zu Gericht und verlangte die Kinder zurück. Er wolle säe nicht der jüdischen Vergiftung aussetzen. Dag Gericht akzeptierte seine nationalsozialistische Argumentation und ordnete an, daß die Kinder zum „arischen“ Vater kommen sollten. Die Mutt« rekurrierte. De« Berufungsgericht stellte auf Ihren Antrag Nachforschungen über den Vater an und kam zu folgendem Beschluß: Der Vater ist ein verkommenes Subjekt, ihm kamt man Kinder nicht anvertrauen. Aber, so meinte das Gericht weiter, der jüdische Stiefvater, dem wohl persönlich nichts vom werfen ist. Ist auch nicht geeignet, die beiden Mädchen tu erziehen. Also bleiben diese auch sicht im Haue der Mutter. Sie müssen zu „arischen“ Verwandten Raulschee und Klassisches. Dl« Prob«» *ur man Reva« von Sobby Welser und Vlekl Sebleslngsr hsbea bereits begomwa. Ein kleines, «ber sussewSbltss Ensemble studiert mit Feoerelfer dss neue Stack der bekannten Autoren, welekea nicht nur ln Wien mit groSor Spannung erwartet wird. Die Revue wird im Dezember In Ores gastieren. dea Mann versohlen, der ihnen ein wirklicher Vater geworden ist: Im Namen der Rassel Eine« der Mädchen versuchte, Selbstmord zu verüben, es wurde aber daran gehindert. Doch die Seelen der beiden Kinder und der Mutter, die hat man kalt gemordet. IN MANCHESTER gab es kürzlich eine große Diskussion in der lokalen Presse, eine Judendebaät», ab« ganz eigener Art. Seda jüdische Stenotypistinnen, die bei christlicher? Firmen arbeiteten, wollten Jomkippur nicht arbeiten, sondern den Gottesdienst besuchen. Die Firmraobef« wollten den Tag nicht freigeben und als die sechs Jüdinnen trotzdem der Arbeit fernblieben, wurden sie fristlos entlasten. Die lokale Presse bemächtigte sich der Angelegenheit, es entstand eine Diskussion in der Presse, die zur Folge hatte —- daß eine große Anzahl christlicher, wohlgemerkt christlicher Firmen, den entlassenen Jüdinnen den Antrag stellten, sie anausteilen. So erhielten alte wieder Arbeit. Anderwärts sollte man sich das zum Beispiel nehmen. Bravo Manchester! Jehuda. Emir Abdallah RASSISCHES UND KLASSISCHES I PREMIERE 6. NOVEMBER % 6 f f £ N B A C H S AAL i KARTEN SICHERNI % ZloniitHdier Landesverband, U?S-2-11, IKA, | 1., Kat 3, zlon. Sektionen s. Budthandlunfcn. | Veranstaltet vom Hedwuz Haklai Ztonl. grundlose Beschuldigung, deren Haltlosigkeit demnächst an! Grund einwandfreier Beweise nachgewiesen werden wird. Eine Verurteilung zum Tode in contumaciam sei nie erfolgt. „Neue jüdische Universität*- Professoren in Wien.44 Der Bundespräsident hat, wie gemeldet, den Privatdozenten für orthopädische Chirurgie, Dr. Alfred Saul, und den Dozenten für medizinische Chemie, Doktor Robert W i 1 1 h 6 i m, zu Universitätsprofessoren ernannt. — Hiezu wird uns mitgeteilt, daß Dr, S a x 1 schon vor längerer Zeit aus dem Judentum ausgetreten ist. Der Emir von Transjordanien, Abdallah, ist von England zum König des neuen arabischen Reiches ausersehen, das ans Transjordanien und einem Teil Weetpalfistinas bestehen soll. Abdallah ist der Bruder des verstorbenen Königs Feisal von Irak, der durch seine Freundschaft mit Oberst Lawrence berühmt wurde. Feisal und Abdallah sind Söhne des Scherifs Hussein von Hedschas, des Beschützen von Mekka und Medina und nachmaligen Königs Hussein von Hedschas. Abdullah kam im Jahre 1920 an der Spitze einer Bande, die das Banner des Haschimidenhauses führte, aus Arabien und verlangte die vollständige Autonomie aller arabischen Länder. Er drohte iu Syrien einzufallen und die Franzosen von dort zu vertreiben. Winston Churchill, der damals Sekretär im Koloniakunt war und gerade im Mittleren Osten weilte, brachte ihn aber von Beinern Vorhaben ab und erklärte sich bereit, Ihn zum Herrscher Transjordaniens unter der Bedingung zu machen, daß er das britische Mandat anerkenne, sich England untere teile und auf seine weitergehenden Ambitionen verzichte. Abdallah akzeptierte und reiche Zuwendungen des palästinensischen Schatzamtes — Transjordanien und Palästina hatten und haben noch denselben Oberkommissär — sicherten seine Macht und sein persönliches Prestige. Mit anderen Worten, Abdallah wurde auf Kosten der Juden und mit ihren Steuergeldern groß gemacht und jetzt soll er noch den größten Teil des jüdischen Landes erben. Das sind die Folgen einer zionistischen Vemchtepoiitik. Ate die Zionistische Exekutive die Abtrennung Transjordaniena ruhig hinnahm, tat sie das in der Erwägung, dal damit die arabischen Aspirationen befriedigt seien und daß wir im Westjordanland fortan ruhig würden arbeiten können; man meinte, es werde dann einmal der Tag kommen, wo wir stark genug sein würden, uns Tnansjordanien wieder zu holen. Heute sieht man, daß die Rechnung ohne den Wirt, der diesmal Abdallah heißt, gemacht wurde. Der Grundfehler dieser zionistischen Politik besteht darin, daß sie europäisch orientiert ist und die arabische Mentalität nicht ins Kalkül zieht, wie das England tut. In der Politik zählt Courtoisie nicht und — ob man damit einverstanden ist oder nicht — Macht erzeugt heute Recht und nicht umgekehrt Dm gilt vor allem bezüglich der Araber, für die aus ihrer orientalischen Mentalität heraus Nachgiebigkeit um des lieben Friedens willen Verzicht bedeutet Jede Nachgiebigkeit unsererseits verstärkt den arabischen Widerstand. Dm beweisen die Beschlüsse der p&narabischen Konferenz in Syrien. Unter diesem Aspekt begreifen schon brate viele Juden den Standpunkt der prinzipiellen Neinsager am Kongreß und verstehen, daß an dem Tage, an dem der Völkerbund den zukünftigen Status Palästinas beschließen wird, der Kampf um die Revision dieses Beschlusses mH aller Macht etasetsan muß. Da kam einmal ein gewisser Abdallah an der Spitze einer bewaffneten Horde, bedrohte die englischen Interessen ln Palästina und das große England setzte ihn auf einen Thron. Wird das jüdische Volk endlich begreifen, daß gegenüber einer solchen Politik unsere Taktik verfehlt war? Gewiß, wir sind keine Räuberbande und hinter uns stehen nicht Millionen Menschen in eigenen Staaten. Wir sind erst der Staat unterwegs. Wir werden aber nur dann zum Staatsvolk werden, wenn wir nicht auf der Bahn des Verzichts weitergehen. Es ist möglich, daß wir zu einem Verzicht gezwungen werden könnten, der um so weitgehender sein muß, je mehr wir uns nachgiebig teigen. Das ist der Grund, warum das Nein der Massen organisiert tutd in der Welt vernehmbar gemacht werden muß, bevor der Völkerbund sein Urteil spricht. Da« jüdische Volk muß wissen, daß nicht der zionistische Traum, sondern der kindische Traum ausgeträumt ist, der uns vorgaukelte: Wit bringen Jahr für Jahr größere Massen nach Palästina und eines schönen Tages ist Palästina ganz und ungeteilt unser. Wir müssen uns auf einen schweren Kampf einstellen, der Opfer fordern, uns aber ans ersehnte Ziel bringen wird, auch wenn bis dahin Jahre vergehen. Viel kann unser entschiedenes Nein vielleicht noch jetzt retten und dies, wenn wir stark bleiben und jede Gelegenheit in dieser wechselvoüen Zeit ausnützen. Wir können von diesem Abdallah and von seinem Gegenspieler, dem Mufti von Jerusalem, viel lernen. Jerusalemer Rechtsanwalt in Wien angehalten Die JTA. meldet: Der in orthodoxen Kreisen bekannte Jerusalemer Advokat Doktor Buxbaum wurde dieser Tage, als er vom Weltkongreß der Agudas Jisroel in Marienbad zurttckkehrte, auf Verlangen der ungarischen Regierung, weiche mit der österrecihischen Regierung ein Abkommen über die Auslieferung politischer Verbrecher hat, verhaftet. Dr. Buxbanm war während der Regierung Böia Kuns Regierungskommasär, floh nach dem Zusammenbruch der Räteregierung, und wurde in oontumatiam zum Tode verurteilt. Seither sind 15 Jahre verflossen. Dr. Buxbaum wurde orthodoxer Jude und gründete in Jerusalem eine AdvokatenkanzleL Da er inzwischen palästinensischer Staatsbürger wurde und auf Grund eines englischen Passes reiste, hat sich der englische Konsul dafür verwendet, daß er gegen Erlag einer Kaution auf freien Fuß gesetzt werde. Die britischen Behörden haben bei der Wiener Regierung gegen die Auslieferung Dr. Buxbaums an Ungarn protestiert. Unterdessen hält sich Dr. Buxbaum unter Polizeiaufsicht in Wien auf. Grandiose Beschuldigung Wie der Wiener JTA.-Vertreter weiter von informierter Seite erfährt, ist die Behauptung, Dr. Buxbaum habe sieh seinerzeit in Ungarn kommunistieeh betätigt, unrichtig. Es handle 4eh um eine völlig Ständige Sprechstunden des Präsidiums and der Fachreferenten des Zionistischen Landeskomitees Präsident: Dr. Oskar Grünbaum, Montag und Donnerstag von 12 bis 1 Uhr. Fondsreferent: Vizepräs. Dr. Paul Berger, nach telephonischer Anfrage. Vizepräsidentin: Sabine P a ß w e g, nach telephonischer Anfrage. Organisationsreferent: Vizepräs. Dr. Richard Pokorny, Dienstag Kl bis H2 Uhr. Finanzreferent: Dir. Hermann A p t e r, Montag 12 bis 1 Uhr. Schekelreferent: Dr. Abraham Groß, Montag 19 bis 20 Uhr. Jugendreferat: Dr. Isidor Kl ab er, Donnerstag 12 bis 1 Ute; Erwin ROtter, Montag. 19 bis 20 Ute; Dr. Michael. § t ej,nb e rg, Donnerstag 12 bis 1 Ute. Kulturreferent: Dr. Wilhelm Stein, Donnerstag K12 bis Kl Uhr. Pressereferent: Dr. Lieehtenstein- Rappaport, Freitag 11 bis 12 Uhr. Veranstaltungsreferent: Ignatz Müller, Montag 12 bis 1 Ute. Alijahreferent: Dr. Leon Preis, 1. und 3. Mittwoch im Monat, H19 bis M20 Uhr. Chaluzreferent: Dr. Fischei Pickholz, täglich von 9 bis 10 Uhr. Palästinaamtreferent: Dr. Alois Rothen^ berg, nach telephonischer Anfrage. In allen laufenden Angelegenheiten dee Zionistischen Landesverbandes ist Doktor F. Pickholz täglich von 9 biß K14 Uhr zu sprechen. Restaurant Bidet 1W Bestrenommierte Küdie um Reichhaltige Menüs ä S 1*90 u. 2*60 II., Hararaerpurgstallgasse 3 (nSdut SalztorbrQtke) Zirkus Busch-Variete im Renz-Gebäude Am 1. Oktober eröffnete der Zirkus Busch im Renz-Gebäude seine diesjährige Varietespielzeit mit einem großen internationalen Repertoire. Da Anden wir di« Brüder Ras so, die «ich auf Hochrädern produzieren. Die C aw all in is zeigen unter dem Titel: ,Kleine Hunde — große Künstler“ einen Dressurakt. Kling s bringt redlahrende Schimpansen, die Aicardies einen humoristischenJongteurakt, 7 ungarische Artisten terra Wirbelwindakt, und die Sieben Lucky-Girls zeigen Equilibristik. Die weltberühmten spanischen Clowns Barraceta« sind „die“ Clowns. Die Fünf Colorados zeigen einen stilechten Cowboyakt, Xanetti exzentrische Akrobatik und die zwei Aldons einen nervenaufpeitsoheeden Balanceakt in schwindender Höhe... Seebsunddreißig Artisten ans zehn verschiedenen Ländern, dazu zwei Dutzend Here, werben tun die Gunst der Wiener Freunde der Artistik. Es geht tun Ihr kostbarstes Gut, „Ihre Augen“! Lassen Sie sich fachmännisch unverbindlich beraten von Optiker Karl Seidner, L, Franz-Jostes-Kri 38, and BL Hoüandetraöe 7. (Siebe Inserat!) Mt mm Eil bei freudigen Anlassen t Keroi-Rojemetb-T^esrammJUnnKette!