Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 11 (1937-1938)
- Issue
- Heft 680 (8.10.1937)
- Date
- 1937-10-08
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Saite 2 DII tTfMME ■St, 680. — Wien, Freitag, 8, Oktober 1987, | OPTIKER I (KARL SEIDNERl % I., fr*nz-.loj#fj-Kil 33 M>, tMUrtitrtle 7 0 0 F*ebniinni(dier Rat 0 Reiche Au«wehl 0 0 Bette Qualität 0 -5; Preitwert g g g ^\\\\\\\\\\\\\\\\\\mm\\w die jüdischen Geschäfte geht oder den jüdischen Arzt ruft, so weiß es warum. Aber dieses Vertrauen des kleinen Mannes soll zerbrochen werden, indem die Juden außer Gesetz gestellt werden, straflos mißhandelt und gemartert und schließlich auch noch durch schimpfliche Absonderung diffamiert werden. Indem man konsequent darauf hinarbeitet, den Juden als ein verächtliches Geschöpf hinzustellen, erreicht man mit der Zeit doch, daß die Volkspsyche vergiftet wird. Der polnische Bauer, der polnische Arbeiter will in der Mehrheit von einem Haß gegen ein anderes Volk oder eine andere Konfession nichts wissen, aber die Intelligenz und mit ihr jene Schichten, die den Staat führen, wirken durch ihr Verhalten schließlich auf die Einstellung der Masse. Wenn so angesehene Stellen wie die Hochschulrektoren den Zwang der nationalistischen Phrase und der aus Deutschland eingeschleppten Methode akzeptieren und das Ghetto errichten, so setzt sich dieses Treiben schließlich dann so fort, wie man dies in Przytyk und in Bielitz gesehen hat, wie man dies seit Jahren im ganzen polnischen Land erlebt. Die polnische Regierung hat sich von der Einhaltung des Minoritätenrechtes losgesagt mit der Begründung, daß eine gerechte Behandlung der Minderheiten eine Selbstverständlichkeit ist. Aber sie hat diesen Schutz den Juden entzogen zur gleichen Zeit, wo sie ihre ganze diplomatische Aktivität für die polnische MinieÄÄ In der Tschechoslowakei ein* 'gesetzt hat. Die polnische Regierung ist aber noch weiter gegangen. Sie hat durch die unausgesetzte Betonung des Argumentes, daß es in Polen zu viel Juden gibt, der antijüdischen Bewegung das patriotische Relief gegeben und sie zu jenen Exzessen ermuntert, von denen die Straßen aller Städte widerhallen. Es sind nicht zu viele Juden, sondern sie sind da; ihre Zahl hat in der politischen Betrachtung überhaupt keine Rolle zu spielen. Die Juden arbeiten am Staat mit, zahlen ihre Steuern und dienen beim Militär. Der Staat hat die Verpflichtung, die Bedürfnisse und Lebensnotwendigkeiten eines Bevölkerungsteiles von drei Millionen — wenn man schon die Zahl gelten lassen will — sorgsam festzustellen und zu berücksichtigen. Tut er das nicht, liefert er drei Millionen dem akademischen oder nichtakademischen Janhagel aus, dann trifft er letzten Endes nur sich selbst. Die Ehre des Judentums aber wird weder durch den deutschen gelben Fleck, noch durch Ghettobänke eingeschränkt. Sie niht in uns selbst. Aber der Staat Polen möge bedenken, was es bedeutet, drei Millionen Menschen in Verzweiflung, Hunger und sozialen Radikalismus zu jagen. Polen hat an die rassische Zeit vergessen. Das Judentum aber wird diese Tage nicht vergessen. BLAU - WEISS - Zünder (Keren-Kajemeth- Zünder) erhältlich bei: Viktor Adlersberg, Trafik- und Haushaltartikel, Wien, VII., Zollergasse 5. Tel, B 33-402,_ Tel-Aviv—Haifa durch jüdisches Land Jerusalem, 6. Oktober. (P&leor.) Dieser Tage wurde die Chaussee Tel-Aviv— Haifa in Anwesenheit führender Regierungsbeamten und Vertreter der jüdischen nationalen Körperschaften eröffnet. Die Zeremonie des Banddurchschneidens, wodurch die neue Straße dem Verkehr geöffnet wurde, nahm Keith-Roach vor. Durch die neue Chaussee wird die Strecke zwischen Haifa und Tel-Aviv um 50 Kilometer verkürzt. In schneller Fahrt kann jetzt die Distanz in zwei Stunden zurückgelegt werden. Die Straße führt an den dicht an der Küste gelegenen jüdischen Siedlungen in ziemlicher Entfernung —-1_ -«. Herzogin von AHwlIi England wird sein Wort halten Wie bekannt, weilte dieser Tag» die Herzogin Catherine Marione von At h oll, Mitglied des englischen Parlaments, gewesener Unterricntsminieter und ständige Delegierte zum Völkerbund, in Wien, In einem Gespräch mit dem Wiener Berichterstatter der Lemberger „Chwila“ die Herzogin Gelegenheit, sich über das Palästinaproblem in folgender Webe zu äußern: ln diesen fürchterlichen Zeiten, welche die Judenheit durch Haß und Intoleranz heute mitmacht, ist Palästina für viele der einzige Trost und auch Hoffnung für die Zukunft Wenn auch Großbritannien Bedacht nehmen muß auf die mohammedanische Welt, kann es and wird auch nie an das den Juden gegebene Wort vergessen. Es wird trachten, beiden Teilen der Bevölkerung Palästinas Gerechtigkeit zuteil werden zu lassen. Ich war ja selbst eine der ersten, die im Unterhaus der Schaffung einer jüdischen Heimstätte das Wort geredet haben. Die Juden haben naeh Palästina ihren Opfermut, ihre, Intelligenz und ihr Kapital gebracht und ihre Arbeit ist auch dem arabischen Volk von Nutzen gewesen. In der heutigen Zeit der Bedrängnis mußten viele Juden In Palästina Zuflucht Anden. Die Teilung Palästinas halte ich nicht für eine ideale Lösung. Sie hätte sicher vermieden werden können, wenn nicht in Palästina manche administrative Fehler gemacht worden wären. Auf jeden Fall hoffe ich, daß England in einem unabhängigen Judenstaat gute, zuverlässige und loyale Freunde finden wird. Vom tfofeten Sofern«»» gebeuft, geben wir Nachricht vom Ableben anserer innigaigelicbten Mutter, Großmutter, Schwiegermutter etc., der Frau Chane Gitel Brainin welche am Dienstag, den 5. Oktober, nach langem, schwerem. Leiden ans dem Leben geschieden lat. Die Beerdlgnng unserer teuren Dahingeschiedenen fand Donnerstag, den 7. Oktober, 1/*13 Uhr vorm., auf dem Zentralfriedfeof (4. Tor) statt Salamon, Max und Lao Brainin Dora Plalschmana als Söhne als Tochter Sofia Brainin gab. Hackar Sofia Brainin gao. Outtanbarg Wllhalm Flalschmann als Schwiegertöchter als Schwiegersohn S&mtliche Enkelkinder, Schwägerinnen, Schwager und alle anderen Angehörigen. Bs wird gabatan, van Kondotanxbasucban Abstand zu nahmnn. Die Revision in der Arabischen Bankt Geheimfonds von100.000Pfund entdeckt Jerusalem, 5. Oktober. (JTA.) Bei der in der Buchhaltung der Arabischen Bank au! Anordnung der SicherheltBbehörden vorgenommenen Revision ist ein geheimer Fonds in der Höhe von etwa 100.000 Pfund entdeckt worden, > der voraussichtUc^J»- tefalagnmmt werden wird. - AidBofekl'lM« Palästinaregierung wurden bei den Mitgliedern der arabischen Ortsräte im SÖddistrikt Haussuchungen vorgenommen und zahlreiche Dokumente beschlagnahmt. Sämtliche Führer des mohammedanischen Jugendbnndes sind verhaftet worden. In den Kreisen der gemäßigten Araber hat es starken Eindruck gemacht, daß die bei dm Haussuchungen aufgefundene schwarze Liste der Personen, deren Ermordung geplant war, auch den Namen des Vorsitzenden der arabischen Verteidigungspartei und früheren Bürgermeisters von Jerusalem, Ragheb Bey Nashashlbi, enthält Optiker RUDOLF HAAS & COMP WIENsIImPRATERSTR. 32 SPEZIALIST FÖR BRILLENOPTIK England bildet ein« „Arab Agency“. Es verlautet, daß die Palästinaregierung, nachdem der Oberste Arabische Ausschuß als illegal erklärt und aufgelöst worden ist, nunmehr darangeht, an seine Stelle eine „Arab Acsncy* zu setzen, die eine ähnliche Aufgabe haben soll wie auf jüdischer Seite die Jewish Agency. In nationalistischen arabischen Kreisen wird erklärt, daß die Bemühungen der Regierung, an Stelle des Obersten Arabischen Ausschusses eine „Arab Agency“ als Vertretung der Araber Palästinas einzusetzen, mit der die im November nach Palästina zu entsendende neue Kommission über die politische Neugestaltung des Landes verhandeln soll, an dem Widerstand der Bevölkerung scheitern werden. Die Araber Palästinas würden Wahlen zu einer solchen Agency boykottieren. Die finanzielle Macht des Mufti Jerusalem, 6. Oktober. (JTA.) In der Zeitschrift „Hasch caner Hazair“ beleuchtet A. Prag die finanzielle Macht die der Mufti kraft seiner Ämter repräsentiert: Als Haupt des muslemischen Rates untersteht ihm die Verwaltung des „unveräußerlichen Kirchengutes“ der Mohammedaner (Wakf). Dieser Besitz umfaßt 7 Prozent des palästinensischen Badens, wenn man den Nfegew außer Betracht läßt. Auch städtischer Be den gehört dazu und viele wertvolle Gebäude, wie das Hotel Palace in Jerusalem, das jetzt Regierungsgebäude ist. Während vieler Jahre erschien noch nicht einmal ein Rechenschaft s- Jkertoh,.t,.: , >. , 1921 betragen die Einnahmen aus dem Wakf 48.297 Pfund, 1930 71.697 Pfund. 50 Prozent kommen aus den Zehnten der Pächter, 27 Prozent aus städtischem Besitz. Im Jahre 1929, als die Unruhen waren, betrugen die Einnahmen sogar mehr als 97.000 Pfund, wovon 27.500 Pfund Spenden waren, während unter dieser Rubrik in den anderen Jahren nur 2000 bis 3000 Pfund vereinnahmt wurden. Im selben Jahre wurden 44.000 Pfund für Moscheebauten und -ausbesserungen ausgegeben, während für diesen Posten in den übrigen Jahren 7000 bis 10.000 Pfund ausgewiesen sind. Die Regierung treibt die Ertragssteuer für den Wakf ein und überweist sie ihm. Der Wakf erhält ungefähr 30 Prozent der ErtragssteueT des ganzen Landes. Zudem zahlt die Regierung noch annähernd 17.000 Pfund für die verschiedenen administrativen Ausgaben des moslemirisdien Rates. Die Gesamteinnahmen des Wakf betragen jetzt an die 90.000 Pfund. Davon gibt die Regierung unmittelbar 17.000 Pfund und dazu 30.000 Pfund an abgeführter Ertragssteuer. Die Gesamteinnahmen werden etwa wie folgt verausgabt: 17 Prozent allgemeine Administration, 25 Prozent Erhaltung der Moscheen und Gehälter, an ihre Beamten, 10 Prozent Erziehung, 10 Prozent Wohlfahrtspflege, 6 bis 8 Prozent Waisenhäuser. Die Gegner des Mufti haben immer wieder geltend gemacht, daß die Geidgebarung des Wakf nicht korrekt sei. Man spricht von Anleihen an nahe Verwandte des Mufti. Professor Josef Zimbler übernimmt noch einige Schüler für Violinunterricht und Kammermusik. IX „ Hahngase Sl/7. Tel A 12-8-28. Der Mufti an die arabischen Herrscher Jerusalem, 7. Oktober. Der Mufti von Jerusalem hat als Protest gegen die von der Mandatsregierung vorgenommenen Verhaftungen und Verbannungen führender Araber von seinem Zufluchtsort, der Omar-Moschee, aus Telegramme an drei arabische Herrscher, den König des Irak, den König von Saudi-Arabien und den Imam des Y e m e n gesandt Nach einer eingehenden Darstellung der Lage fordert der Mufti die drei Herrscher auf, sofort alle Maßnahmen zu eigreifen, „um den Arabern in Palästina ihre vom der Mandatsregierung geraubten Rechte, zurückzugewinnen“, 1 Elsen, /c\ Selchwaren / Jn der Kennen ' ASoj Tritt Sir Arthur Wauchope zurück? Aus London meldet „Agency d’Orientri, in politischen Krisen erwarte man im Hinblick auf die Lage in Palästina, daß High Commissioner Sir Arthur Wauehoppe seinen Rücktritt anbieten wird. Als Nachfolger des jetzigen High Commissioner komme der frühere High Commissioner von Bengalen, Anderson, in Betracht der sich durch die energische Unterdrückung der dortigen Unruhen zwischen Mohammedanern und Hindus bekannt gemacht hat — Eine Bestätigung dieser Meldung von anderer Seite liegt bisher nicht vor. Alle Vollmachten für «Ile Behörden „Sunday Expreß“ schreibt, die britische Regierung habe den Behörden Palästinas unbegrenzte Vollmacht erteilt „in jeder aus der Verhaftung der arabischen Rebellenführer und der Absetzung des Großmufti sich etwa ergebenden schwierigen Situation oach eigenem Gntdflaken zu handeln. Insbesondere seien die britischen Streitkräfte in Palästina ermächtigt worden, auf eigene Verantwortung die weitestgehenden militärischen Maßnahmen zu ergreifen, um jeden neuerlichen Versuch einer Revolte im Keime zu ersticken und Ruhe und Ordnung aufrechtzuerhalten“. Die Leitung der Organisation In der Wohnung des entflohenen Kadi von Jerusalem, der den Mufti in seiner richterlichen Funktion vertritt, wnrde bei ein* Hausdurchsuchung eine sehr u mfangreiche Korrespondenz konfisziert, die die Gliederung der Aufständischen klarlegt. Die englischen Behörden haben konstatiert, daß die Führung «och immer in de* Händen des Großmutti lieg«, der sich, wie bekannt, In die Omar-Moschee als Asyl zurückgezogen hat Die Moschee wurde deshalb von einem Kordon englischer Soldaten umgeben, um den Verkehr mit der Außenweit abzuschneiden. Ein zweit* Mittelpunkt der Bewegung ist seit einigen Tagen Bagdad, wohin d* Neffe des Großmufti, Dachemal Hussein», geflüchtet ist Er sammelt dort, wie hiesige Blätter melden, ein He* von Aufständischen, mit dem « nach Palästina aufbrechen wilL Kauhrtteeha RaatMtaatfcHn L—paMataEt, L, Pratarafr. j. Am Freitag, den 8. Oktober 1917« um 8 llhr abends, spricht kn Heimei H., Praierter.-13, beim ONEQG-SABBATH-ABEND Her» Chaim Neiger, Heile, Mitglied des A. C, über: „Wirtschaftliches In Palästina" Schnelle Verurteilungen Die Massenverhaftungen unter den nationalistischen Agitatoren haben in den letzten drei Tagen auch zu einer Anzahl Strafen geführt, die vom Schnellgericht ausgingen. Unter anderem wurde der Führer der arabischen Jugendbewegung, AM Delagh, am Samstag wegen Aufreizung zu Gewalttätigkeiten verhaftet, und schon am Montag, zu Beehs Monaten Kerkers verurteilt, mit ihm einige Mitglieder der Jugendorganisation. Die Deportierten London, 6. Oktober. (Pal cor.) Die arabischen Notabein, die auf einem englischen Kriegsschiff deportiert und dann im Mittelmeer auf einen englischen Indienfahrer gebracht wurden, werden ihren Aufenthalt auf einer Seychellen-Insel angewiesen bekommen, wo sich seit 15 Jahren auch das Haupt der früheren ägyptischen Verschwörung, der Minister ZagluI Pascha, befindet Levante'Mesee verschoben? London, 6. Oktober. „Daily Telegraph“ meldet: Im Hinblick auf die Unsicherheit der politischen und wirtschaftlichen Situation in Palästina wurde beschlossen, die Le vante- Messe, die 1939 in Tel-Aviv stattflnden sollte, auf unbestimmte Zeit zu za» «.ohifibas* i