Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 11 (1937-1938)
- Issue
- Heft 680 (8.10.1937)
- Date
- 1937-10-08
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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jNATv HEK V. b. b. 20 s Nr. MM JÜDISCHE ZEITUNG Wien, Freitag, 8. Oktober 1937 3- CheMkwan s*98 XI. Jafcrgang HUFE FUER KRANKE! OHMuiMimm Bastrahlungslampen Zlmmerkiosatt« »ucIHLMItWIiMI Bondoaen-rtli Taborstraße 22 — Tel. R 42-6-40 An unsere Leser! In unserer letzten Nummer haben wir angekündigt, daß vom 12. Oktober angefangen „Die Stimme“ dreimal wöchentlich erscheinen wird. Diese Ankündigung hat bei unseren Lesern einen freudigen Widerhall erweckt. In zahlreichen Zuschriften an die Redaktion sprechen viele Abonnenten den Dank dafür aus, daß der Zionistische Landesverband das große Opfer auf sich genommen hat, für eine raschere und reichhaltigere Information des jüdischen Publikums zu sorgen. Wir danken unseren Abonnenten für die uns ausgesprochene Anerkennung. Wir Md uns der großen Pflichten einer jüdischen Publizistik voll JüW weitetfühfen. Wir wollen „Die Stimme* auch nach Möglichkeit noch weiter ausbauen. Das wird aber nur möglich sein, wenn unsere Abonnenten uns nette Abonnenten Stir „Die Stimme“ stlad& zuführen. Die Administration ist stets bereit, an Adressen, die ihr bekenn tgegeben werden nUe Stimme“ unentgeltlich durch einige Wochen hindurch ohne jede Verbindlichkeit für den Bezieher zu senden. Wir erwarten eine ständige Bekanntgabe von Adressen durch unsere Abonnenten. Da „Die Stimme“ die einzige indische Zeitung ist, die dreimal wöchentlich erscheint, gewährleistet sie eine rasche und ausgiebige Informierung auf allen Gebieten des jüdischen Lebens. Unsere Parole lautet: In fe&es jüdische Baus „Die Stimme“ Die Redaktion. Der Streik zusammengebrochen Jerusalem, 6. Oktober. (Palcor.) Die Lage in Jerusalem und ün ganzen Lande ist wieder normal. Sämtliche Geschäfte sind offen. Der vom Mufti proklamierte Streik ist zusammengebrochen, noch ehe er sich voll entwickeln konnte. Indischer Bürgermeister für Jerusalem? Jerusalem, 6. Oktober. (Palcor.) Hier ist das Gerücht in Umlauf, daß ein Engländer zum Bürgermeister von Jerusalem ernannt werden Söll, an Stelle des Araberführers Br. Kh a 14 i, der verhaftet und in die Verbannung geschickt wurde. Leichte Entspannung in Palästina: Die Pläne des Mufti Jerusalem, 6. Oktober (JTA). Die Regierungskreise in Palästina sehen anscheinend die Lage als etwas entspannt an. Die über die palästinensischen Zeitungen verhängte Pressezensur ist in der Nacht zum 6. Oktober aufgehoben worden. Den Zeitungen bleibt es aber verboten, den Namen des Mufti zu nennen und Material zu verwenden, das die nationalen Gegensätze verschärfen könnte. Die Polizeibereitschaft wurde teilweise zurückgezogen. Anderseits hat die transjordanische Grenzpolizei Befehl bekommen, sich in Bereitschaft zu halten. Der Kommandant der Truppe, P e a k e Pascha, ist dringend aus England zurückberufen worden. 60 Mukhtars der arabischen Dörfer im Umkreis von Jerusalem versammelten sich vor dem Regierungsgebäude in Jerusalem, um gegen die Verhaftung der arabischen Führer zu protestieren. Sie wurden jedoch nicht empfangen und mußten ihren Protest schriftlich an den Distriktskommissar McLaren absenden. Die Behörden treffen weiter umfassende Vorsichtsmaßnahmen, um Unruhen vorzubeugen. Mehreren arabischen politischen Führern wurde verboten, das Telephea zu benützen. Der Vorsitzende der arabischen Nationalpartei, Dschemal el Hussein«, konnte noch immer nicht festgenommen werden. Nach manchen Gerüchten soll er nach Syrien geflohen sein; allgemein wird jedoch angenommen, daß er sich zusammen mit dem Großmufti in der Omar-Moschee verborgen hält. Das Gerücht, wonach der Großmufti aus der Moschee geflohen ist, hat keine Bestätigung gefunden. Auf verschiedenen Landstraßen Palästinas ist der Automobüverkehr durch Ausstreuen von Nägeln vorübergehend unmöglich gemacht worden. Die Palästinaregierung hat eine bedeutsame Änderung der bisher geltenden Gesetzesbestimmungen über Mo rd verfügt. Während nach dem mohammedanischen Recht zur Überführung eines Mörders mindestens zwei Zeugen notwendig sind, wird in Hinkunft eis einziger Tatzeuge genügen. ..... .., ' London, 6. Oktober. (JTä.) „Daily HZrtdd“ meldet, daß der Dfetriktsfeommissar von Obergalüäa, Lewis Andre««, ermordet wurde, weil er Einzelheiten über eine geplante neue arabische Revolte in Palästina enthüllt habe. Dies ist, schreibt die Zeitung, der sensationelle Hintergrund des Mordes. Der Plan zur Entfesselung eines neuen Aufstandes in Palästina sei auf der am 8. September in Boudan abgehaltenen panarabischen Konferenz vorbereitet worden. Auf jener Konferenz sei man übereingekommen, daß die Zeit reif sei, ein großarabisches Reich unter Einschluß von Transjordanien, Syrien, Palästina und dem Irak zu gründen. Herrscher dieses Reiches sollte der Großmufti von Jerusalem, Haj Amin el Hussein], sein. Die Zeitung schreibt zum Schluß, daß bei Wiedereröffnung der Parlamentssitzungen die Vertreter aller Parteien eine parlamentarische Untersuchung verlangen werden, um die Gründe des Versagens der Palästina-Regierung hinsichtlich der Überwachung der Terroristen festzustellen. Reglerungsztischuß für den Wakf vorläufig eingestellt Dem „Daily Telegraph“ wird aus Jerusalem gemeldet, daß die Regierung den jetzt fälligen Zuschuß für den Wakf (Mohammedanischen Religionsfonds) vorläufig nicht auszahle, um die Möglichkeit einer Zusammenarbeit des Wakf- Rates mit dem Mufti zu verhindern. Die Verteilung soll erst vorgenommen werden, wenn die Frage der Kontrolle geregelt ist. Der Regierung«Zuschuß macht ungefähr die Hälfte der Einkünfte des Wakf-Rates aus. Der Weg zu konstruktiver Verwaltung London, 6. Oktober. (JTA.) Der Mitarbei- % ter der „Times“ in Jerusalem berichtet, daß die arabische öffentliche Meinung sehr langsam auf die Ereignisse reagiert. Die E rnüchterung sei allgemein. Manche sprächen von einem bevorstehenden langen Kampf. Sie hätten aber offenbar noch nicht bedacht, welche Form dieser Kampf annehmen soll. Sie fürchten, daß die Maßnahmen der Regierung in der Absicht getroffen worden seien, sie ihrer politischen Vertretung zu berauben, obwohl ausdrücklich erklärt worden ist, daß das Vorgehen der Regierung nuT auf die Notwendigkeit zurüekzuführen ist, dem Terror ein Ende zu machen, zu dessen Bekämpfung die bisherigen Führer nichts unternommen haben. In unabhängigen Kreisen ist man einmütig der Meinung, daß der Regierung keine andere Wahl möglich war, und daß sie ihre Maßnahmen schon vor vielen Monaten hätte treffen sollen. Die bloße Tatsache, daß die Verwaltung entschlossene Schritte unternommen hat, sei von großer moralischer Wirkung ebenso die gelungene ruhige Verhaftung von fünf der sechs Führer. Das Vertat, diese Vorfälle in der lokalen Presse »«örifttaOOÄst ta m§rtmn,8eiyon unschätzbarem Wert für die Verhütung einer Verschärfung der Stimmung gewesen; unparteiische Beobachter hätten das Gefühl, daß ein guter Anfang gemacht wurde und der Weg jetzt frei ist für eine konstruk tive, feste und unparteiische Verwaltung in der Zukunft Unterbindung der Hetz* llteratur Jerusalem, 7. Oktober. Am Mittwoch wurde eine Verordnung der Mandatsregierung veröffentlicht, nach der jede Verbreitung von Schriften, Aufrufen oder selbst Photographien, die den Mufti zum Gegenstände haben, aufs strengste verboten worden sind. Die Zensur sah sich zu dieser Maßnahme veranlaßt, weil das Land, haupt sächlich aber die Städte, seit der Verhaftung und Verbannung der führenden arabischen Politiker mit Schriften und Aufrufen förmlieh überschwemmt wurde. Flugblätter dieser Art wurden nicht nur zum Kauf angeboten oder den Passanten in die Hand gedrückt, sondern auch die Häuser wurden mit solchen Protestschriften beklebt, um die rieh dann morgens regelmäßig Aaiaamlsagen Die Warschauer Ghettobänke An den Warschauer Hochschulen sind über Beschluß der Rektoren für die jüdischen Studenten abgesonderte Bänke eingeführt worden. Damit ist eine seit Jahren von der polnischen nationalistischen Presse verfochtene Forderung erfüllt worden. Die Rektoren hatten sich zuerst gesträubt, eine solche Verfügung zu treffen. Aber der allgemeine Kurs der polnischen Staatsführung, die sich ideologisch immer mehr an den Berliner Geist assimiliert, hat den Widerstand der Hochschulleiter gelähmt, und so kann der antisemitische Pöbel auch auf diesem Feld einen Sieg seiner Ideen feiern, nachdem er sich durch Morde, Plünderungen und schwerste Exzesse auf dem ganzen Staatsgebiet die Aufmerksamkeit der Welt auf die Art gelenkt hat, wie man sieh in Polen die Behandlung der Judenfrage vorstellt. Das ganze jüdische Volk wird in die Ghetto-Bänke gepreßt, und das deutsche Vorbild der gelbgestrichenen Parkbänke ist in Polen just an den Hochschulen, die der höheren Ausbildung geweiht sein sollen, nachgeahmt worden. Es ist die polnische Staatstheorie, daß das Volk die „übergroße Zahl der Juden und ihr Prävalieren im Handel und in den freien Berufen nicht verträgt. In Polen leben drei Millionen Juden, und jeder andere normal gewachsene Staat würde sich bemühen, die wirtschaftliche und geistige Kraft dieser drei Millionen für die Allgemeinheit heranzuziehen und das Verhältnis zu mildern. Wenn es .$» viele jüdische K^rilente, Agenten, toirgend jemand muß schließlich Kaufmann oder Arzt oder Rechtsanwalt seih, und das Judentum erhebt keinen Anspruch auf ein Monopol für diese oder andere Berufe. Es wäre glücklich, wenn es zur Landwirtschaft greifen könnte, wenn ihm Siedlungsraum und Äcker zugewiesen würde. Gerade in Polen haben Juden in der Landwirtschaft Tüchtiges geleistet, aber sie sind dank der feindlichen Agitation über einen geringen Prozentsatz nicht hinausgekommen. Anderseits aber verwehrt es niemand der polnischen Jugend, sich für die Berufe auszubilden, die sie anstrebt, und niemand hindert sie, diese Berufe auch auszuüben. Es ist in Polen nicht anders als in anderen europäischen Staaten, die mit der Pest des Judenhasses gesegnet sind. Die Propaganda geht von denen aus, die im Wirtschaftskampf aus eigener Unzulänglichkeit versagen und eben nicht die gleiche Tüchtigkeit aufweisen wie der jüdische Konkurrent. Wenn das Volk in Der Entscheidung entgegen Nahum Gold mann spricht zu den Juden Wiens am Dienstag, den IS, Oktober, 8 Uhr abends, im Großen Musikvereinssaal Ober Palästina — ein Weltproblem Sichern Sie sich umgehend Karten ab S V— bei: Zionistisches Landeskomitee, Wien, /., Marc-Aurelstr. 5, Td.: (J 22-2-11. Jüdische Kultur stelle, 1., Franz- Josefs-Kai 3, Tel.: R 28-2-36. Buchhandlung Rath, 11., Taborstraße 20 a, Telu R 45-305. Buchhandlung Mejstrik, Wollfette 6, R 25-4-53.