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Die Stimme · 1937-10-04 · Heft 679 (4.10.1937) · page 3

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Journal
Die Stimme
Volume
11 (1937-1938)
Issue
Heft 679 (4.10.1937)
Date
1937-10-04
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Wien, Ptenrttg, 6. Oktober 1987. — Kr. «79. Seite 3 Österreichs Juden und der Aufbau Palästinas Von Dr. Oskar Gritabenm. {Ans dem auf der PaUetinarTagung de« Keren BsjesBod swtatteten Referat.) Am 8. Juli wurde nun der Beriefet der Königlichen Kommission und eine Erklärung der englischen Regierung verlautbart. Ke Weltmacht England proklamierte die bevorstehende Gründung dee Judenstaats. Da« kt der Tag, von dem Theodor Herei sagte, die Judenfrage sei eine Weltfrage, die im Rate der Kulturvölker gelöst werden müßte. Trotz «Ben Unrechtes, das uns der Peel-Bericht zufügt, trotz aller Teflungsprojekte, die wir ablehnen müssen, dürfen wir — und die letzte Tagung dee Völkerbundeis bekräftigt diese Meinung — erhobenen Hauptes, wenn auch unsere Lage schwer ist, ha die Zukunft 'blicken. Die Nachricht von der bevorstehenden Gründung des Judenstaats hat im jüdischen Volk eine mächtige Bewegung der Herzen hervorgerufeo. Um zwei Worte unseres leider so früh dahingegangenen Oberraibbinere Chajes zu gebrauchen: Der alte Judenstolz ist erwacht und die jüdischen Herzen streben nach dem archimedischen Punkt des Judentums, nach Erez Israel. Gewiß, es stehen uns noch schwere Kämpfe bevor. Wir alle wissen, daß man dom Juden noch nie etwas geschenkt hat, daß es ta der Politik Überhaupt keine Geschenke gibt und daß daher auch der Judenstaat nur kommen wird, wenn wir uns durch die Mobilisierung der jüdischen Massen und durch die Mobilisierung aller unserer moralischen und materiellen Kräfte vor dieser Welt berwäteen. So wollen wir nun den Versuch machen, der historischen Stunde gerecht zu werden. Wir wollen ohne jedes Ressentiment einander die Hände reichen und hoffen, daß auch jene Juden zu uns finden werden, die den Zusammenbruch ihrer assimilatorischem Politik noch immer nicht wahrhaben wollen und Wege gehen, die nach unserer Überzeugung dem Judentum und insbesondere bei uns in Österreich abträglich sind. Seit dem Jahr«, 1933 sind so manchem Juden hierzulande die Augen aufgegangen und es vollzieht sich auch Wer ta weiten Schichten die Rückkehr zum Judentum. Band in Hand damit ging eine immerhin nennenswerte Steigerung der Beitragsleistungen für den Aufbau Palästinas, die der Erkenntnis entsprang, daß die Judenfwge nur in Erez Israel und durch Erez Israel gelöst werden kann. Diese Erkenntnis einzelner Juden kann uns aber nicht zufriedenstellen. Wir müssen uns an den Griechen ein Beispiel nehmen. Bevor noch Griechenland vom türkischem Joch befreit wurde, wetteiferten die Griechen im Auslände in der Größe Ihrer Spenden für die Befreiung ihres Mutterlandes. Als Griechenland dorm frei wurde — es errang übrigens nicht sofort Griechenland in seinen historischen Grenzen —, da flössen die Opfer* leistungen, Insbesondere der reichen Griechen im Ausland noch stärker. In Österreich, das zahlreiche Staatsbürger griechischer Nationalität in gehobener sozialer Stellung, so auch im Staatsdienst aufzuweisen hatte, fand dieser Opfersinn dieser Griechen eine respektvolle Würdigung, der auch wir In unserer Arbeit für Palästina begegnen. Auch für um verbindet eich die Treue mtm eigenen Volk harmonisch mit der Treue zum Staat, dessen loyale Bürger wir sind. So freuen wir uns teetsteüen m können, daß die österreichische Regierung den zionistischen Bestrebungen in Österreich gegenüber Wohlwollen an den Tag legt und unsere bedingungslo*e Treue zu Österreich ebenso würdigt wie unsere Bemühungen, eine gesund« soziale Schichtung der jüdischen Jugend her- IX. W&hrmgaretrag» fr- 2) Tslephon R-52-M2 s.mug. S» S. Oktober im. Vom« UHIV..PROF, Dr. MAX 1IIUW i „Jerusalem — Bild und Sinn einer Stadt" Beginn ptaktltoh Selb S Uh* eheste — während des Vortages keiu EinlaS. Für andere Staaten, die glauben, das rionktäsche Aufbauweit als Begründung für ihre Tendenz hstwuziefesn zu können, ihre jüdischen Bürger zu entrechten, hat übrigens der englische Außenminister bei der letzten Tagung dee Völkerbundes in nicht mißzuveesteilender Weise den Text der von 52 Staaten akzeptierten Balfour-Deklaration zitiert, Nationalhete» nichts getan werden so», was die Rechte and die politische Steh lang der Juden in irgend einem andern Land« beeinträchtigen könnte. Österreich ist auch ein viel zu altes Kul- ■ ’ \ «Js daß es gegenüber der stonjsfawiirde, die schon ihre Tradition verweise insbesondere auf die schriftliche Erklärung des verstorbenen Bundeskanzlers Prälat Dr. Seipel gegenüber dem Präsidenten Sokoiow vom 18. Februar 1928, die lautet: „Sie haben mir bei Ihrem gestrigen Besuch« wertvoll« Aufklärungen über die Ziele des modernen Zionismus gegeben. Ihre Darlegungen haben um so größeren Eindruck auf mich gemacht, als ich schon seit langem mit großem Interesse di« zionistische Bewegung verfolge, die, von einem bedeutenden Mann aus unserer Stadt durch neue Ideen und Organteationeformen befruchtet, für eines der schwierigsten politisch-sozialen Probleme der Gegenwart ein« vernünftige, aueslohtsvolle Lösung vorbereitet. Ich hege hohe Wertschätzung für den Idealismus, mit dem sich so viele Juden in allen Ländern, auch in Österreich, Opfer auferlegen, um dem monistischen Kolonisation® werk die erforderlichen Mittel zur Verfügung zu stellen. Gerne will loh, wenn sich mir Gelegenheit hiezu bietet, die Ziele Ihrer Bewegung fördern.“ In den Kreisen deir österreichischen Regierung versteht man es auch zu würdigen, daß unsere naefe Palästina gehenden Handwerker und Kaufleute dem österreichischen Export neue Absatzmöglichkeiten schaffen. In jüdischen Kreisen in Österreich hört man aber manchmal Stimmern des Zweifels und der Kritik: Man ist besorgt über die Zukunft des jüdischen Staates. Unsere Antwort an die Lauen, die Indifferenten, an di» ehrlichem und unehrlichen Pessimisten muß lauten: Im Jahre 1917 haben wir die Balfour-Deklaration bekommen. Was hobt ihr dazu getan um sie zu verwirklichen? Im Jahre 1920 wurde der Keren Hajessod gegründet, der 23,000.000 Pfund für Palästina aufbringen sollte. Wae habt ihr dazu beigesteuert? Damals gab es keine Einwanderungsbeschränkungen, keine Zertifikate und Soden zu Spottpreisen. Werna wir heute schwach sind, wenn man es wagt, den 450.000 Juden im Palästina mit Tetiungeprojekten zu kommen, .-o tragt ihr ein voilgerütteltee Maß der Schuld. Wären heute 1,000.000 Juden in Palästina — hättet Ihr Geld hergegeben, so wäre das möglich gewesen — so würde niemand wagen von Teilung zu sprechen. Ihr habt versagt, nicht wir. Wir verlangen von euch, daß ihr dessen eingedenk seid, wie schwer heute das Los ehemals reicher Juden ist, weil sie so dachten und handelten wie ihr. Um euerer und euerer Kinder Ehre willen, die »loh einmal schämen müßten, wenn ihre Eltern nicht einmal durch Geld bei der Erlösung aus zweitauseradjäthriger Not und bei der Erringung der Freiheit mitgewirkt hätten, erwarten wir euere Opfer, Opfer und nicht Spenden. Teilen wir die Arbeit! Wir geben die I Menschen, herrliche Menschen, unsere Cha- | tuzian, die der ganzen Welt Achtung abringen, den neuen jüdischen Bauer una den neuen jüdischen Handwerker, eine neue hebräische Kultur. Wir führen die Juden in der Galuth zum Judentum zurück, die Alten und die Jungen. Ihr mobilisiert für uns euere Kreise, euere Kräfte, alle euere wirtschaftlichem und wissenschaftlichen Begabungen und dann wtod Palästina das sein, was es für uns sein muß: Erez Israel, wie es einmal war. | Wir in Wien, ob wir Zionisten sind oder nicht, tragen eine schwere Last. Von Wien ' am bat Theodor Herzl seinen prophe- DER WUNSCH amssw» TVUkWlÜ 8öa*e$bo*e «J JEjA# RoarauisfaU öefeiüg ou«fcti«n tmö nid# altem, n>iri> ec* FRAU Ja Pnrfmaerten, Apotheke Bayer, Wien, L, Wollselle SS ln den nächsten Tagen erscheint: JOSEF KASTEIN JEREMIAS DerBericht vom Sdiidtsal einer Idee GANZLEINEN S 12*80. Dieser Bericht über den Propheten Jeremias ist mehr als der treue Bericht über Leben und Absicht eines gewaltigen Lehrers, er ist Symbol für die Sinngebung des Volkes zu aller Zeit, er ist die VerheiBung der Gnade, daß dem Volk in seiner größten Bedrängnis immer noch der Lehrer erstanden sei, der es zu seinen Lebensmotiven und damit zu seiner Unsterblichkeit als Volk und Nation führt. Josef Kasteln eignet mancher Zug des Lehrers, den er in diesem Jeremias-Buch beruft: unabänderliche Treue und heiße Liebe zum Volk, hoher Schwung der Rede in Gleichnissen reiner Wirklichkeit, gnd schließlich die Erfülltheit mit all dem, was zu verkünden er ausersehen Ist. Ein Buch, wie et in solch erbarmungsloser Schärfe des Urteils, in solcher Besorgnis um Gegenwart und Zukunft des Volkes nur heute geschaffen werden konnte, gültig aber über die Zeiten hin als das Zeugnis eines geistigen Auftrags und des schöpfe ischen Menschen, der ihn verkündet. Verlag R. Löwit, Wien»Jerusalem Buchhandlung: Wien, I,, Wollzelle 6, Tel.R25-4-53. tischen Wanrangsruf an die in den Iwfängen der Assimilation verstrickte Judaneit gerichtet und Erez Israel als dis einzige Lösung aufgezeigt. Man bat Herzl verspottet, ihm das Leben sauer gemacht und er ist frühzeitig ins Grab gesunken. Und ln dieser Stadt liegt er begraben. Dieses Grab ist Mn furchtbar»' Vorwurf für de Juden dm ganzen Welt, vor allem für die Juden ta Wien. Wir wollen ohne Ressentiment jeden Freund und Bruder heißen, der in dieser schwersten Not dee jüdischen Volkes den Weg zurück zum Judentum findet und die Zahl derer vergrößert, die zumindest durch ihre Opferleistung für den Keren Hajessod die Sünden tilgen gegenüber dem eigenen, 60 schwer geprüften Volk. Das ist die Gesinnung, die von dieser Tagung ausstrahlen soll. Sie soll uns den mnerjüdischen Fried« bringen und uns hinaufführen zu dem herrlichen Tag de« Sieg«, der sie Tag «es Segens sein wird für mm und die Menschheit. Eta freies ha® glückliches jüdische« Volk wird im jtidw eoben Staat leben von Dan bis Berschebaj und ein aufrechtes, gleichberechtigtes Judentum in der Galuth. Die Palästina -Tagung des Keren Hajessod Die Palästinatagung des Österreich i s’c h e n Keren Hajessod, die am 2. und 3. Oktober im Saal des Ingenieur- und Architektenvereines abgehalten wurde, nahm einen imposanten Verlauf. Es waren zahlreiche führende Persönlichkeiten des zionistischen Lebens und der Kreise der Freunde des Palästina-Aufbauwerkes in Österreich und in der Tschechoslowakei erschienen, zu denen sich eine große Schar von Delegierten und Gästen gesellte. Der geräumige Saal, dessen Stirnwand blauweiße Tücher und die Bilder Herzls und des Oberrabbiners Chajes schmückten, war an beiden Tagen dicht gefüllt und widerhallte wiederholt von stürmischem Beifall, mit dem die gehaltvollen Darlegungen der Referenten belohnt wurden. Die Tagung wurde durch den geschäftsführenden Vizepräsidenten des Österreichischen Keren Hajessod, Direktor Siegfried Altmann, eröffnet. Er verwies in einer kurzen Ansprache darauf, daß die zionistische Bewegung nach vierzig Jahren ihres Bestandes ihre schwerste Krise durchmache; sie bannen zu helfen, verlange Herz und volle Überzeugungskraft für die Gedanken der aufbauenden Faktoren. In diesem Zeichen solle die Palästinatagung stehen. Direktor Altmann gedachte sodann der verstorbenen Mitarbeiter Prof. Dr. Braun, Dr. Eckstein, Dr. Schutzmann und Dr. Weiner. Unter den Erschienenen konnte der Vorsitzende begrüßen: den Präsidenten der Kultusgemeinde Staatsrat Dr. F r i e dmaan, Oberrabblner Dr. Taglicht, Rat der Stadt Wien Dr. E hV 1 i c h, die Aktionskomiteemitglieder Abgeordneten Dr. Goldstein und Präsidenten des Zionistischen Landesverbandes für Österreich Dr. Grünbäum, den Großpräsidenten der österreichischen Vereinigungen der Bnai Brith Dr. Felix Kahn, die Präsidien der einzelnen Bnai-Brith-Logen, Prof. Dr. E1 i a s und die anderen Vertreter de« österreichischen Sektors der Jewish Agencv, das Präsiidum der 3?IZO unter Führung von Freu Sophie Löwenherz, zahlreiche Mitglieder des Wiener Kultusvorstandes, Vertreter von Kultusgemeinden und der Kerea-H&jessod- Komitees in den Bundesländern, das Präsidium und die Leitung des Keren Kajemeth u. v. a. Sodann hielten Dr. P r e i s 5m Namen des Keren Kajemeth, Frau Löwenherz für die WIZ0, Dr. Paul Berger namens des Zionistischen Landeskomitees, Kultusvorstand Dr. P I a s c h k e s für die Weltvereinigung allgemeiner Zionisten, Kultusvorstaud Dr. BI o o h für Binjan Haare® — er glaubte die Gelegenheit benützen zu müssen, um eine lange Agitationsrede für die Linke zu halten •— und Dr. Rosner für den Misrachi Begrüßungsansprachen. Daran schloß sich die Verlesung von Begrüßungsschreiben, In der Zuschrift der Exekutive des Direktoriums des Kere j e s so d heißt es u. a.: Das schicksalsschwerste Jahr des „Dieses Jahr ist das schicksalsschwerste Jahr dee Jisohuw. Es wird vielleicht alles davon abhängen, welche Kräfte gerade in dieser Übergangszeit entwickelt werden. Die Hauptlast wird ta dieser Zeit der politischen Erwartung auf den Schultern des Keren Hajessod, das heißt des nationalen Kapitals liegen. Jeder neue Punkt, den wir errichten und ausbauen, ist ein entscheidendes Argument für unsere Ansprüche auf Expansion; jedes Werk, das wir aus Mangel an öffentlichen Mitteln nicht zu halten vermögen, ist ein schweres Argument gegen die potentielle Kraft des jüdischen Volkes. Niemand darf abwarten, was der nächste Tag bringt, niemand sich auf errech. nete politische Konstellationen verlassen; unser Schicksal »egt nun größten Tel! in unserer Hand. t Die Welt will heute sehen, wie stark das jüdische Volk als politischer und wirtschaftlicher Faktor zu bewerten ist, ob wirklich die Sehnsucht nach Freiheit, nach Erlösung, nach Selbständigkeit, nach Neugeburt so stark Ist, wie das von un* behauptet wird. Unsere Stärke wird ihren Ausdruck in Erez Israel in dem Mut, in der Ausdauer, in der Zuversicht des Jisohuw finden, in der Golah nur dann, wenn alle Bekundungen der engen Verbundenheit und Zusammengehörigkeit verbunden sind mit ungeahnten, ungenannten materiellen Opfern de# jüdischen Volkes. Wir sind überzeugt, daß die Judenbeit Österreich« die einmalige einzigartige Bedeutung de« Augenblicks verstehen wird,1* Begrüßungsschreiben hatten ferner der gegenwärtig außerhalb Palästinas weilende Berliner Häusern, «<> ta österreichischem Besitz «tüokiverwaltuBgsgMeUscbaft. Eilsuschriftsn gweckspcrtäniicber Rücksprache unter: „Fa chman“ tn di« Ado.-Exp. Tatisky, Wien, J., Sirsgerstraio 18 Direktor des Keren Hajessod Dr. Hantke und Generalsekretär Leo Herrmann und der Präsident des Weltverhandes der allgemeinen Zionisten Dr. Schwarzbart geschickt. Zum 10. Todestag Oberrabbiners Dr. Chajes Als erster Redner ergriff Staatsrat Dr. Desidcr Fried mann, der Präsident der Wiener Kultusgemeinde, das Wort zu einer Gedenkrede anläßlich des 10. Todestages von Oberrabbiner Dr. Z. P. Chajes. Er würdigte Dr. Chajes als Rabbiner, Ge- WENN S£ ■DIESE ZEILEN NICHT LESEN, S^LeiS” der cwiSnJöt ^vye^vonjiöhby Weiser und Vjcki wird von\eßleldeaAateV«iIlSendas akmbSSow”«

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