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Die Stimme · 1937-10-01 · Heft 678 (1.10.1937) · page 3

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Journal
Die Stimme
Volume
11 (1937-1938)
Issue
Heft 678 (1.10.1937)
Date
1937-10-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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mea, Freitag, 1. Oktober 1937. — Kr. 678. Salt« 9 Soeben elnsetrofffen: CHAIM WEIZMANN REDEN UNDAUFSATZE 1901—1936 Ausgewähtt und eingeleitet von GUSTAV KBOJANKEB Ein starker Band in Lexikon-Oktav, Gandemen S 13.20 Die Weizmarm-Reden, die dieser Band enthalt, gehen von 1901 bis 1936. Sie umfassen also 35 Jahre eines Lebenswerks und damit fast die ganze Geschichte der modernen zionistischen Bewegung. Aber sie geben mehr und anderes als das: nämlich ein menschliches Dokument, das Zeugnis einer großen Persönlichkeit Buchhandlung R. Löwit Wien, I., Woüzeüe 6 — Telephon R 25-4-53 Jäh und unerwartet wurde einer der Treuesten der zionistischen Bewegung und dem jüdischen Volke entrissen. In der Vollkraft der Jahre, wenige Wochen vor der Vollendung seines 50. Lebensjahres, wurde Dr. Georg Weiner nach kaum einwöchiger Krankheit vom Tode hinweggerafft. Einem typisch liberal-jüdischen Wiener Bürgerhause entstammend, fand der junge Georg Weiner noch in der Mittelschule, von seinem eigenen Gefühl geleitet, den Weg zum jüdischen Volke und zu dessen Erneuerungsbewegung. Im Jahre 1906 bezog er als Hörer der Rechte die Wiener Universität und trat dem Verein Zionistischer Hochschüler „Theodor Herzl“ bei. Die gediegene jdanistksohe und jüdische Durchbildung, die er sich im Kreise Gleichgesinnter erwarb, seine unerschütterliche, unbedingte Treue zur zionistischen Sache, verbunden mit seinem offenen und stets konzilianten Wesen, brachten Georg Weiner schon in seiner Studentenzeit in die ersten Reihen der Bewegung in Wien. Noch als Student gehörte er dem Zionistischen Distriktskomitee für Innerösterreich an. Sofort nach der Promotion zum Doktor der Rechte führte ihn sein Wissens- und Gefühlsdrang nach Erez Israel, das er als einer der ersten aus der Wiener Akademikerschaft besuchte. Wiederholt war er noch vor dem Kriege Delegierter auf Zionistenkongressen. Als Dr. Georg Weiner in den Beruf trat, blieb er der gleiche unermüdliche Arbeiter am Werke der Erhaltung und Erneuerung des Volkes. Im Laufe seines fast dreißigjährigen Wirkens im Wiener Zionismus war er in allen Gremien zu finden, wo es zu arbeiten galt. Und Arbeiten bedeutete für Dr. Georg Weiner nie bloßes Wort, sondern wirkliche Leistung im Hinblick auf das große Ziel, das er von früher Jugend an vor Augen hatte. Es ist eine bemerkenswerte Schicksalsparallelität, daß er, ein Nachkomme von Adolf Fischhof, seit je an den jüdischen Gegenwartsfragen sowie an der jüdischen Geschichte seiner Geburtsstadt Wien lebhaftos Interesse nahm. Dieses Interesse bestimmte auch das Hauptgebiet seiner öffentlichen Tätigkeit nach dem Kriege. Noch im Jahre 1919 als jüdischer Vertreter in die Bezirksvertretung Alsergrund gewählt, der er bis 1927 angehörte, leistete er mit dem Einsatz seiner Persönlichkeit sehr viel für die Sicherung der Existenz der schon damals von den wirtschaftlichen Ausstoßuagstendenzen bedrohten Juden. Die zionistischen Bestrebungen; die Wiener Kultusgemeinde zu einer wirklichen jüdischen Volksgemeinde zu machen, fanden in Dr. Weiner seit je einen tatkräftigen Vorkämpfer. Von 1920 an war er Mitglied der Bezirkskommission Alsergrund der Wiener Kultusgemeinde und wurde später deren Obmann. Nach den letzten Kultuswahlen wurde Dr. Weiner, der in allen Kreisen der Wiener Judenschaft größtes Ansehen und höchste Wertschätzung genoß, Obmann der S teuer eins chä'tzungskommiseion der Jüdischen Gemeinde. Seit Gründung der Vereinigung „Maasad&h“ den Baal Brith angehörig, war er mehrmals in deren Präsidium. Seine echtjüdische Würde und das freie, offene Bekennen seines Judentums gewannen Dr. Weiner auch die Sympathien der nichtjüdiseheo Kreise, die sich unter anderem darin kundtaten, daß er wiederholt in den Diszliplinarrat der Wiener Rechtsanwaltskammer entsendet wurde. Das vielfältige öffentliche Wirken, zu dem noch die starke berufliche Tätigkeit als gesuchter Anwalt kam, hinderte Dr. Weiner keineswegs, ein wahrhaft einiges, jüdisches Familienleben zu führen und seinen zwei Kindern, die mit der Witwe um den geliebten Vater und guten Geist des Hauses trauern, eine gutjüdische, auf die Zukunft in Erez Israel gerichtete Erziehung zu geben. Viel zu früh ist diese wertvolle, reine, menschlich schöne Kraft jüdischen, zionistischen Lebens und Wirkens von uns gegangen. Dr. Weiners Andenken ist gesegnet durch die Herzen, die er sich und seinem Volke gewonnen hat. Dr. Georg Weiner wird Freitag, den 1. Oktober, um 12 Uhr mittags, auf dem Zentralfriedhof, I. Tor, bestattet. Schwere Tage in Bielitz Die beiden Tage vor dem jüdischen Suk- [stengetötet hat. An mehreren Punkkoth-Fest, Same tag, den 18., und Sonntag, ten der Stadt wurden gl ei ehz den 19. September, waren schwere Tage für e ' .. ’ die Juden in manchen Städten in Polen. Am 24. September steigerten eich Exzesse zu einem Pogrom. Die beiden schlesisch - galizischen Schweeterstädte Bielitz und B i a 1 a, einst zu Österreich gehörend, in denen eine kulturell hochstehende jüdische Bevölkerung lebt, waren der Schauplatz wüster antijüdischer Ausschreitungen, wobei der blutige und zerstörerische Exzeß genau vorauszusehen war und von den Wachtorganen nicht verhindert worden war, also als „Pogrom nach Programm“ bezeichnet werden kann. Die Zeitungen dürfen unter Zensurdruck über die Vorgänge in Bielitz-Biala nicht frei berichten. In einem offiziellen Communiqu4 wird lediglich mitgeteilt, daß in einem jüdischen Restaurant ein Streit ausbrach zwischen dem 28jährigen christlichen Arbeiter Leon W a n o t und dem 62jährigen Juden Karl Norman, in dessen Verlauf Norman den Wanot erschoß. Hernach wurden einigen Dutzend jüdischen Häusern di " nsterscheiben eingeschl Alle Schulbücher richtige Auflagen, Für allcrbilligstc Preis« Größte Auswahl I Spesenfreie Zu- Zeit spart, wer kauft im SCHULBUCH ER ANTI Q UARIAT HERMANN TUCHNER Wien, II., Ecke Taborstraße 52 Telephon R 41-4-20 . Die Behörden haben alle Maßnahmen Wiederherstellung der Ruhe ergriffen. Soweit der Amtsberioht. In Wirklichkeit haben sieh die Dinge wie folgt abgespielt: In das jüdische Restaurant des Landau in der Steggasse in Bielitz drang eine Gruppe bekannter Antisemiten ein, ließ sich viel Spirituosen ausfolgen und weigerte sich zu zahlen. Der Restaurateur holte Polizei, welche die Eindringlinge ins Kommissariat abführte, wo sie aber sofort auf freien Fuß gesetzt wurden. Sie drangen ein zweiteemal ins Restaurant Landau ein und rollerten die gesamte Innenrichtung. In dem nun entstandenen fürchterlichen Chaos fiel ein Schuß, einer der Eindringlinge, der christliche Arbeiter Wanot, wurde von der Kugel getroffen und auf der Stelle getötet. Ohne daß hierfür ein Beweis vorhanden war, der jüdische Restaurationsangestellte Norman beschuldigt, den Schuß abgegeben zu haben. Das Restaurant wurde nun vollends demoliert. Inzwischen verbreiteten Agitatoren in der Doppelstadt das Gerücht, daß ein Jude einen Chrisebwere antijüdische Exzesse verübt, zahlreichen jüdischen Wohnungen wurden die Fensterscheiben eingesehlagen, jüdische Läden wurden demoliert, die Waren geraubt. In Biala wurden auch in der Synagoge die Douernde Schönheit durch richtige Pflege Belebung, Ernährung, Regeneration der Haut. Creme Vitaskin bewirkt einen jugendlichen, rosigen, samtweichen Teint, verhütet alle Teintunreinheiten, beseitigt Falten u. Runzeln. Prospekt kostenlos, Tiegel zu S 5.—. Apothek« Bayer, Wien, I..Wollzelle 13. In Fachgeschäften erhältlich. Fensterecheibett eingesehlagen und die Synagoge zum Teil demoliert. Das war am Samstag. Am Sonntag fand die Beisetzt „ des getöteten Arbeitern statt, an der sich über 10.000 Menschen beteiligten. Schon die Bestattungsfeier gestaltete sich zu einer antijüdischeo Demonstration. Als die Menge von der Trauerfeier zurückkehrte, begann der von den Agitatoren angekündigte und doch von der Polizei nicht verhinderte Pogrom. Die Massen stürmten in die vornehmlich v Juden bewohnten Straßen, schlugen die jüdischen Passanten nieder, demolierten Wohnungen und Läden, auch die Synagoge wurde zum zweitenmal das Ziel der Zenstövielen Wohlfahrbsemrichtungen. Die Avantgarde des Pogroms bildeten Schüler und Schülerinnen Im Alter von 12 bla 16 Jahren. Die Polizei war nun den Exzedenten gegenüber machtlos. Die Hauptgeschäftsstraßen der Doppelstadt bieten ein Bild wüstester Zerstörung. Von den modernen Geschäftsportalen der 2.-Mai-Straße und den anderen Hauptgeschäftsstraßen sind nur jene unversehrt geblieben, deren Besitzer rechtzeitig ’ie Aufschrift „Christliches Gechäft“ angebracht hatten. Diejenigen christlichen Firmen, die das versäumt haben, wurden ebenso demoliert wie jüdischen Firmen. Die Waren wurden entweder zerstört oder geplündert. Zahlreiche Juden wurden nicht nur durch Schläge, sondern auch durch Steinwürfe u Glassplitter verletzt. Auch in der Umgebung von Bielitz-Biala kam es zu schweren Ausschreitungen. Erst den Abendstunden trafen aus Krakau und aus Kattowitz Polizeiversi k u n g e n ein, die die Ruhe wieder herstellten. Zahlreiche Verhaftungen wurden vorgenommen, unter den Festgenömmenen befinden eich besonders viele Juden. Jetzt ist die Doppelstadt von berittener Polizei und anderer Schutzmannschaft stark bewacht. ws gemütldiste Lokal im Herzen der Stedt I Der Pogrom am 24« September Am Freitag, den 24. September, war die Doppelstadt der Schauplatz eines vierten Pogroms im Verlauf einer einzigen Woche, der alle drei bisherigen an Grausamkeit und Zerstörungswut abertraf. Hierüber wird berichtet: Am Freitag wurde in Bielitz der angeblich durch einen Stein schwerverletzte Reserveleutnant G o r n y durch den Spitaldirektor aus Biala genau untersucht. Dabei wurde festgestellt, daß bei Gorny keine Verletzung durch einen Stein oder einen anderen Gegenstand vorliegt, sondern daß die linkeseitige Lähmung auf einen Schlaganfall znrückzuftthren sei. Die ” ' t Bielitz und Biala ersuchten wiederholt die Polizeidirektionen der beiden Städte, diesenTatbest: durch Plakate der Bevölkerung mitzuteilen, damit sie endlich Iberuhigt weide. Dieser Bitte wurde nicht (willfahrt Der Verband der Reserveoffiziere und Reservisten berief für Donnerstag eine Versammlung in Bielitz ein, um gegen 1 Überfall „durch Juden auf eis polnischen Reserveoffizier“ protestieren. Obwohl die Versammlung von der Bezirkshauptmannschaft Bielitz veiboten wurde, fand sie statt Ae ihr nahmen etwa 10.000 Personen teil. Alle Für WEEKEND und REISE A EisEN Redner legten den Juden die Schuld an dem Überfall zur Lart. ohne Beweise zu erbringen. Nach der Versammlung zogen die Teilnehmer, verstärkt durch Leute, die aus der ganzen Umgebung nach Bielitz gekommen waren, durch die Straßen von Bielitz und Biala und zertrümmerten in sämtlichen jüdischen Geschäften die Auslagen,scheiben. Durch Dienstboten und Hausin die Häuser geleitet und ihnen die Wohnungen gezeigt, in denen Juden wohnen. Es blieb kein Fenster ganz. Die Exzedenten schritten gleich darauf ans Plündern, das Ws 1 Uhr früh dauerte. Der Sachschaden, der durch die Zertrümmerung der Scheiben und die Plünderungen entstanden ist kann vorläufig auch nicht annähernd geschätzt werden. Die Polizei tat ihr möglichstes, um die Plünderungen zu verhüten, war jedoch den Massen nicht gewachsen. Die Menge erging sich in Schmähungen gegen jene Polizisten, die Verhaftungen vornehmen wollten. Auch gegen die Behörden wurden Schmährufe laut. Als bekannt wurde, daß trotz des Verbotes die Versammlung der Reservisten stattfinden werde, flüchteten mehrere jüdische Fabrikanten in Autos nach Teschen; sie richteten noch Donnerstag abends ein Telegramm an Marschall Rydz-Smigly, in dem sie militärische Nachntittags- Kinderheiml,Atid" Inhaber: Direktor Am laglidit bietet Schülern und Schülerinnen eller Schultypen von 7,3 bis l/,7 Uhr nachmittags Studienicon trolle, Sprachen, Sport, Musik, Spiel AmneWimfle» und AuekSnft« ah 0. September’ IX., HSrlgasse 2. Tel. R 82021 Hilfeleistung und Schutz gegen die Plünderer forderten und zugleich bekanntgabert, daß sie Weit gezwungen sehen, ihre Betriebe zu sperren. In Bielitz wurde am 24. September die Nachricht verbreitet, daß Gorny gestorben sei und außerdem noch eine Frau, die in Biala auch durch einen Stein getroffen worden eei. In den polnischen Schulen in Biala. forderten . die Lehrer die Schüler auf, sioh korporativ an dem Leichenbegängnis der „JudenopfeT“ zu beteiligen. In den christlichen Häusern, beziehungsweise Wohnungen sollen nachmittag« und abends Kerzen Alt werden und jung bleiben DIANA- Franzbranntwein mit Menthol angeblich wegen dieser Begräbnisse gebrannt haben, in Wirklichkeit aber um diese Häuser zu schützen. Der Anblick der Straß«» Ist in Biala einfach unbeschreiblich. Selbst schwere eiserne Rolläden und Gitter sind zerbrochen und verbogen und die Auslagen ausgeplündert. Vielfach wurden Waren auf die Straße geschleppt und verbrannt. Aus Tuchmagazinen wurden Tuchballen auf die Straße geschleppt und zerschnitten, vielfach auch gestohlen. Gestern vormittags toben viele hunderte jüdische Fa- BANKGESCHÄFT Dr. OFFENBERGER Wien, 1„ Freyung 1 Telephon: U 27-2-11 U 28-2-55 Diirctiffihriing sämtlicher Bank» u. B&rsetransaktlonen

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