Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 11 (1937-1938)
- Issue
- Heft 678 (1.10.1937)
- Date
- 1937-10-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seit« * Nr. 678. — Wien, Freitag, L (»tob« MM. S OPTIKER (KARL SEIDNER # Fachmänniicher Rat; Reiche Autwahl | Bette Qualität allen Einwohnern eine sichere Gewähr zu bieten“. Im Vertrage selbst garantiert Polen den Juden die faktische und rechtliche Gleichberechtigung und die Wahrung der Heiligung des Sabbath und unterwirft sich bezüglich des Schutzes seiner Minderheiten dem Völkerbund und dem Ständigen Internationalen Gerichtshof im Haag. Um es vorwegzunehmen: Polen hat diese feierlich übernommenen Verpflichtungen, denen es nicht zum geringsten Teile seine Unabhängigkeit verdankt, konsequent verletzt, besonders seit dem Tode Pilsudskis. Mehr als drei Millionen Juden werden konsequent entrechtet und ausgehungert, wozu positive Maßnahmen der Regierung wesentlich beigetragen haben. Die polnische Judenschaft lebt in einem unvorstellbaren Elend. Sie wird von einem Pogrom nach dem anderen überfallen. Zahlreiche Urteile gegen Juden, wie das von Przytik, haben das Entsetzen der Kulturwelt hervorgerufen. Das polnische Judentum wurde durch das Schächtgesetz in seinen religiösen Gefühlen schwer beleidigt. Die jüdischen Studenten sind an den Hochschulen die ständigen Opfer antisemitischer Überfälle und man steckt sie in „Ghettobänke“. Und nun kommt noch dieser scheußliche Pogrom in Bielitz und Biala. Die Zeiten von Schitomir und Kischinew scheinen wiedergekommen zu sein. Nicht nur durch das jüdische Volk geht eine Welle des Entsetzens und des Abscheus. In allen Völkern der Welt, die auch für Polen sehr viel bedeuten, werdest gewichtige Stimmen laut, die vor Zen über diese Barbarei beben. Polen, '«essen Fmh&tskaiapf so Viele Sympathien in der Welt auslöste, hat sich durch seine Judenpolitik und durch seine systematische Schwächlichkeit gegenüber dem unter seinen Augen entstandenen Pogrombanditentum selbst vor aller Welt degradiert, und man fragt sich heute, wo die Heiligkeit der Verträge für Polen beginnt und wer der nächste Leidtragende dieser Politik vom „Fetzen Papier“ sein wird. Polens Ehrenschild ist beschmutzt, denn Bielitz und Biala sind nur ein weiteres Glied in einer großen Kette einer konsequenten antisemitischen Politik, an deren Ende eben der Pogrom stehen muß. Man muß hoffen, daß die polnische Regierung diesem ungeheuerlichsten Skandal ein sofortiges Ende bereiten wird. Der Pogrom von Bielitz hat das jüdische Volk in der ganzen Welt wachgerüttelt. Alle unsere Sympathien wenden sich unseren gepeinigten Volksgenossen zu. Sie mögen ihren Trost darin finden, daß heute das ganze jüdische Volk in Gedanken bei ihnen weilt und bereit ist, ihnen werktätige Hilfe angedeihen zu lassen. Die polnischen Juden sollen wissen, daß sie zwar einsam sind, aber nicht verlassen. Das polnische Volk soll wissen, daß der Tag, an dem es seinen Juden gewährt, was ein Kulturvolk gewähren muß, faktische und rechtliche Gleichberechtigung, und daß der Tag, an dem es sich als Verfechter der Heiligkeit der Verträge und der Achtung alles dessen bewährt, was Menschenantlitz trägt, ein Tag der Ehre für das polnische Volk und seinen Staat sein wird. Ein Volk, das politisch klug ist, darf in seiner Judenpolitik das Beispiel Spaniens nicht nachahmen . Englisch und Französisch Gründlicher Unterricht (Einzeln und in Gruppen) Sprachschule Frieda Benedict Zionistische Bezirkssekttn. lUPraterstraBe 13, nute-» Freitag, den 1. Oktober 1937, Montag, den 4. Oktober1937, Mensa acadetnica judaica. Der Kttebeubetrieb der Mensa, academiea judaiea, IX-, Lazarettgaeee 6. wird Montag, den 4. Oktober, 12 Uhr mittags, wieder «6Ä. he Eröffnung de« ONZG SABBATH «tatt. Vor.; r. Abraham Schmerler Ober „SCHAFFUNG DES WELTALLS“ im Uchte der Neurett. Ihrigen Hebriieehkuree (Zeitung Leo Heraberg) sowohl Ir Jugendliche als auch für Erwachsene statt. Anleldungen täglich im Sekretariat von 6—10 Ohr abends. Das Palästina-Problem ln Genf Genf, 23. September. (Palcor.) Heute vormittags nahm die Sechste Kommission des Völkerbundes die Palästinadebatte wieder auf. SepahBodi (Iran) drängte darauf, daß die Lösung von nationalen und volkswirtschaftlichen Problemen, die in der Debatte aufgeworfen wurden und deren Gesamtheit das jüdische Problem ausmachte, unabhängig von der Lage ln Palästina zur Diskussion gestellt werden sollte. Paläftina, so führte er aus, sei ein arabisches Land und die Araber betrachteten Em Wanderer als Ausländer, was nur eine natürliche Einstellung sei. Er setzte sich dafür ein, daß Anstrengungen gemacht werden sollten, um ein harmonisches Verständnis zwischen den beiden Völkern __ stände zu bringen, und gab der Hoffnung auf eine Lösung Ausdruck, die die Rechte der Araber in ihrem eigenen Lande respektiert und gleichzeitig den anderen legitimen Interessen Genüge tut. Er meinte, daß sonst die Sicherheit Palästinas und der Friede in den Nachbarstaaten bedroht seien. Der tschechoslowakische Vertreter verlas im Namen der drei Staaten der Klei- Entente eine Erklärung. Er führte aus, daß diese Staaten die Entwicklung des Jüdischen Nationalheimes mit größtem Interesse ■erfolgten. Die jüdische Entwicklung Palästina sei, vom internationalen und insbesondere europäischen Gesichtspunkt aus, Kaufet SCHULBÜCHER neu und antiquarisch in der BiiatutsTUBE RATH & Co. men, Taborrtrat« «Oo. TeL R 45-305 Meinungen von der britischen Regierung voll berücksichtigt werden würden. Es emp- , fehle sich jedoch festzustellen, wie sich d i e (Situation nach dem Beschluß des Völkerbundrates, der nach der Erklärung des Außenministers Eden getroffen wurde, darßteilt. Er erwähnte das Weißbuch der britischen Regierung und erklärte, daß Teilung die beste und aussichtsreichste Lösung sei. Die britische Regierung sei dieser Meinung, sei jedoch nicht an irgend welche bestimmte Einzelheiten eines bestimmten Projektes gebunden. Er erinnerte an den Beschluß des Völkerbundrates, daß das Mandat fortbestehen bleiben müsse, solange nicht anderweitig verfügt werde. Die britische Regierung erwarte nicht vom Rate, daß er im gegenwärtigen Stadium Entscheidungen treffe, und bitte nur um Ermächtigung, eine Lösung zu erwägen, wobei der Vorschlag einer Teilung des Landes inebesondere berücksichtigt werden soll. Die Regierung beabsichtige, ihre Untersuchungen sobald als möglich durchzuführen und den fertigen Plan dem Völkerbundrate zu unterbreiten. Lord Cranborne setzte hinzu, daß nach Ansicht der Regierung keine andere mBgHche Lösung gäbe als durch Teilung; sie sei überzeugt, daß nur auf diese Weise ihre Verpflichtungen beiden Völkern gegenüber erfüllt werden könnten. Was die Form der Teilung anbelangt, so hat» sie keine definitive Meinung hierüber und erwarte erst den Bericht der neuen Untersuchungskom- I I __ ___ Monatsgabühr S 9*10. Keine BandgebUhr, täglicher Umtausch oder MonatsgebUhr S 1-60 und 10 g BandgebUhr. Modem«« Sortiment und Antiquariat JUDAICA UND HEBRAICA Die schönsten Bar Mizwah-Oeschenke I von größter Wichtigkeit und ihre Notwendigkeit gerade jetzt mehr denn jö augenscheinlich. Die drei Staaten wären def mit diesem Problem zusammenhängenden Schwierigkeiten vollkommen gewärtig, die dadurch hervorgerufen seien, daß das Mandat gleichzeitig die historische Verbundenheit der Juden mit Palästina und die Wiederherstellung des Jüdischen National^ heimes anerkennen und gleichzeitig die Befürchtungen der Araber berücksichtigen müsse. Sie hofften jedoch, daß Frieden auf einer soliden und dauerhaften Basis herbeigeführt werden könne. Im Hinblick auf die Bedeutung der Einwanderung bemerkte der Redner, daß die Kleine Entente eine Lösung erhoffe, die eine große jüdische Einwanderung nach Palästina sicherstellt. Tewfik Sweidi (Irak) erklärte, daß ■ mit den Vertretern der europäischen Staan nicht übereinstimmen könne. Wenn diese Staaten unter wirtschaftlichen Schwierigkeiten litten, weshalb sollten die Juden aus wandern und weshalb müssen die arabischen Länder sie aufnehmen? Weshalb sollte die Schuld an die Juden für ihren Beitrag zur Zivilisation nicht mit einer europäischen Provinz bezahlt werden, anstatt mit einem asiatischen Land? Er berief sich auf die Gleichberech tig ung, .der sieh die irakischen Juden erneuten, und erklärte, daß die einzig mögliche Lösung in Palästina darin liege, den Versuch der Umwandlung der Mehrheit in eine Minderheit aufzugeben, den Arabern die Unabhängigkeit zuzusichem und alle Bewohner des Landes gleichzustellen. Lord Cranborne, der Vertreter der britischen Regierung, erklärte, daß die Mannigfaltigkeit der Ansichten, die im Laufe der Debatte zum Ausdruck gekommen seien, die Kompliziertheit des Problems erst recht gezeigt habe. Er versicherte, daß sämtliche von den Vertredex .verschiedenen Staaten Buchungen auf Teilung. Die vom Rat erteilte Ermächtigung körnte als Zustimmung zur Teilung aufgefaßt werden. Seiner Ansieht nach biete eine Teilung keine Lösung für G h t i s t e n, insbesondere Katholiken, die an den heiligen Stätten interessiert sind, so wenig wie für die Juden und die Araber. Eine Teilung würde nur die Erregung im Lande schüren. Er appellierte an die Kommission, sich nicht zu binden. Daraufhin wurde die Debatte geschlossen. Der Beschluß Die Kommission nahm sodann den vom Berichterstatter G r a e f f (Holland) unterbreiteten Bericht an. In dem Bericht wird hervorgehoben, daß die Mehrheit der Delegationen, die sich an der Debatte beteiligt haben, besonderes Gewicht auf die Bedeutung und Kompliziertheit des Palästina- Problems legten. Im Laufe der Debatte wurden Argumente von größtem Interesse geltend gemacht, und zwar nicht nur vom politischen, juridischen und humanitären Gesichtspunkte aus, sondern auch vom Standpunkte des Problems der jüdischen Bevölkerung in einer Reihe europäischer Länder. Der britische Dele- Paul-Boncour (Frankreich) erklärte, daß es Aufgabe des Völkerbundes sein werde, eine Lösung für das jüdische Problem zu finden, das nicht von einer 'KÄiÄ'Äsrss stina sei ein kleines Land, das nicht das jüdische Problem allein lösen könne. Die ganze Last werde von der Mandatarmacht getragen, deren Ansichten deshalb von allergrößter Bedeutung seien. Redner rühmt in warmen Worten die loyale Weise, in der Großbritannien die mit dem Mandat übernommenen Verpflichtungen erfüllt hat. Nach "zehn Jahren sei Großbritannien jedoch Überzeugung gelangt, daß das Mandat nicht fortgesetzt werden könne. Der Völkerbundrat habe zu einer Untersuchung des Teilungsplanes seine Zustimmung gegeben, ohne daß dadurch eine andere Lösung unmöglich geworden wäre. Der Rat habe sich nicht zur Teilung oder zu einer Liquidierung des Mandats geäußert und das Mandat bleibe mittlerweile in seiner Ganzheit bestehen. Diese Auffassung decke sich mit den Bemerkungen Lord Cranbornes. In diesem Zusammenhang wies Paul-Boncour auf die völlige Übereinstimmung zwischen der britischen und der französischen Delegation Mn. Er warnte vor einer Ausdehnung des Problems über die Grenzen Palästinas hinaus, da dies den gegnerischen Tendenzen mehr Spielraum geben würde, und rief die Sechste Kommission nachdrücklich auf, sich BLAU - WEISS - Zünder (Keren-Kajemeth- Zfinder) erhältlich bei: Viktor Adlersberg, Trafik- und Haushaltartikel, Wien, VH., Zollergasse 5. TeL B 33-402. der Stellungnahme des Völkerbundrates anzuschließen. Fab ela (Mexiko) sprach von den einander bekämpfenden Bestrebungen in Palästina; beide seien auf historischen Rechten begründet und verdienten, mit Achtung angesehen zu werden. Eine Lösung sei nur auf Grundlage großzügiger humanitärer Grundsätze.möglich. Mexiko sei daran interessiert, daß dem verfolgten Teil der s c h h e i t Gerechtigkeit widerfahre j und daß die durch die Balfour-Deklaratkm erweckten Hoffnungen verwirklicht werden; es sei unmöglich, diese Hoffnungen zu vernichten oder die Tore zu schließen, die die Balfour-Deklaration geöffnet hatte. De Val er a (Irland) wies auf die Widersprüche in der britischen Haltung hin. Während Großbritannien vor dem Völkerbundrat aussagte, drß es an keinen bestimmten Plan gebunden sei, konzentrier« m «eins Unter- Restaurant Bidet Eestrenommierte Küche 'tw Reichhaltige Menüs ä S 1*90 u. 2‘60 i.. Hammerpurgstallgasse 3 (nächst Salztorbrüdte) gierte erklärte, daß die vorgebrachten Ansichten von der Mandata macht mit aller Aufmerksamkeit studiert werden würden. Die Kommission sei überzeugt, daß der Völkerbundrat den im Protokoll verzeichneten Meinungsaustausch innerhalb der Kommission berücksichtigen werde. Es wurde vereinbart, daß die gegenwärtig von den berufenen Instanzen angestellten Untersuchungen keineswegs die Regelung der Frage präjudizijyren und daß die Kommission sich ihre endgültige Stellungnahme zum Wesen des Problems vorbehält. Ferner wurden folgender Beschluß angenommen: „Die Völkerbundversammlung gibt ’’ -er Überzeugung Ausdruck, daß das Pa- Vme gelöst werden wird, wobei sämtlich beteiligten legitimen Interessen im vollsten Ausmaße berücksichtigt werden sollten,“ Der einzige Redner war De Valera (Irland), der bemerkte, daß die Annahme des Beschlusses seines Erachtens nicht bedeute, daß die Teilung die einzig mögliche Lösung darstelle. Der Bericht und die Resolution werden von der Plenarsitzung der Völkerbundversammlung am 28. September ohne Debatte angenommen werden. Professor Josef Zimbler übernimmt noch einige Schüler für Violinunterricht und Kammermusik. IX., Hahngase 31/7. Tel. A 12-8-28. Die neue Palästina- Kommission London, 29. September. (JTA.) Wie die Jüdische Telegraphen-Agentur von maßgebender Seite erfährt, soU die neue Palästina-Kommission, die nach den vom Völkerbund gebilligten Vorschlägen des Außenministers Eden in Palästina auf Grund von Verhandlungen mit Arabern und Juden bestrebt sein wird, einen neuen, für alle Beteiligten annehmbaren Teilungsplan auszuar^eiten, nicht vor Ende Oktober eingesetztwerden. In amtlichen Kreisen herrscht die Ansieht >r, daß in dieser Sache nicht mit besonderer Eile vorgegangen werden soll. Vielmehr will man erst alle technischen Vorarbeiten gründlich erledigen. Die vor einiger Zeit verbreitete Meldung, daß einige Mitglieder der Königfichen Kommission auch der neuen Kommission angehören werden, wird halbamtlich bestätigt. Man hält dies für notwendig, damit nicht die am unmittelbarer Anschauung von den Mitgliedern der Peel-Kommission gewonnene Kenntnis der Dinge bei der Arbeit der neuen Kommission unausgenützt bleibe. v»i»iiaiigiM«g»B ffstt Libanon* Jerusalem, 23. September. (Palcor.) Die arabische Zeitung „Adifaa“ meldet, daß Gerüchte in Umlauf sind, denen zufolge Doktor Weizmann und der Maronitische Patriarch von Beiruth in Paris zusammengekommen seien, um über einen zwischen dem zukünftigen Judenstaat und dem Libanon abzuschließenden Vertrag zu verhandele